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VORWORT.

Dass die kleine rhetorische Schrift Ciceros, die uns unter dem Titel Partitiones oratoriae aufbewahrt ist, im Allgemeinen etwas geringschätzig angesehen zu werden pflegt, mag zum Teil sowol in dem geringeren Umfang des Büchleins als insbesondere auch in der, wie es auf den ersten Anblick erscheint, etwas trockenen schematistischen Behandlungsweise des Gegenstandes seinen Grund haben. Andernteils aber hat es ohne Zweifel mehrfach doch auch an einer eingehenden Beschäftigung mit dem Schriftchen selbst und eben in Folge dessen an einer gerechten Würdigung desselben gefehlt. Quintilian rechnet die Partitiones ihrem Inhalte nach mit zu den beachtenswertesten Schriften Ciceros und zwar, wie es scheint, mit vollem Recht. Verlangt man von dem Büchlein nicht mehr, als es selbst seiner Bestimmung nach leisten soll, so wird man bei genauerer Betrachtung in ihm einen trefflichen rhetorischen Katechismus erkennen, der sich durch die Vorzüge einer geschickten systematischen Anordnung des Lehrinhalts, wie durch prägnante Fassung der rhetorischen Begriffe auszeichnet und auch noch in mancher andern Hinsicht nützliche Dienste leistet. Eine solche gerechtere Beurteilung und damit auch ein richtigeres Verständnis der Partitiones oratoriae, wie beides hauptsächlich auf einer rechten Vergleichung der übrigen rhetorischen Schriften Ciceros beruht, möchte nun die gegenwärtige Ausgabe sowol durch eine ausführlichere Einleitung, als auch durch eine möglichst vollständige und erschöpfende Erklärung an ihrem Teil zu fördern suchen.

Zu dem Ende ist der Text unter sorgfältiger Vergleichung der Erlanger Handschrift mit den Lesarten des Parisinus genau revidiert und, wo es nötig war, verbessert *), der Commentar aber (da es an einer irgend brauchbaren speciellen Vorarbeit fehlte) fast ganz selbständig und in ähnlicher Weise, wie früher meine Ausgaben der grösseren rhetorischen Schriften Ciceros, ausgearbeitet worden.

So darf ich denn wol die vorliegende Bearbeitung als die erste wenigstens genauere Specialausgabe der Partitiones oratoriae bezeichnen und damit zugleich den Wunsch aussprechen, dass sie als solche sich brauchbar erweisen und eine günstige Aufnahme finden möge.

Hanau, im Mai 1867.

Karl Wilhelm Piderit.

*) Vgl. m. Abh. zur Kritik von Ciceros Partitiones oratoriae P. I. Hanau 1866 und N. Jahrb. B. 95, H. 4. n. 36. S. 275 ff.

EINLEITUNG.

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An Ciceros grössere rhetorische Werke reiht sich bekanntlich $ 1. noch eine kleine Schrift an, die den Titel de partitione oratoria dialogus oder genauer partitiones oratoriae1) führt.

Es ist, wie dieser Titel anzeigt?), eine Zerlegung und Zer

1) Quintilian citiert die Schrift nur unter diesem Titel, partitiones orato riae oder kurz partitiones (dialgéGELS) III 3, ? (Cicero) in partitionibus oratoriis ad easdem quinque pervenit partes; III 11, 10 idque et in rhetoricis Cicero et in partitionibus dicit; III 11, 19 at in partitionibus oratoriis etc. IV 2, 107 (Cicero) in partitionibus praecipit. Darauf führt auch Cicero selbst part. or. 40, 139 expositae sunt tibi omnes oratoriae partitiones. Der Plural weist auf die verschiedenen Ober- und Unterabteilungen hin, in welche das rhetorische Lehrgebiet zerfällt, vgl. Brut. 88, 302 attuleratque (sc. Hortensius) minime vulgare genus dicendi, duas quidem res, quas nemo alius: partitiones, de quibus dicturus esset et collectiones eorum, quae essent dicta contra quaeque ipse dixisset (die jedesmalige Vorausangabe oder Aufzälung der Hauptstücke und das jedesmalige Resumé).

2) vgl. part. or. 19, 67 atque haec fere est partitio consultationum -damit schliesst Cic. die systematischgegliederte Angabe der einzelnen Abteilungen des genus infinitum ab; 32, 110 atque ipsa quidem partitio causarum (die Gliederung des genus finitum) paullo ante in suasionis locos distributa est; de or. II 61, 248; Brut. 53, 198; de fin. I 13, 45; Quint. I 2, 13. So definiert Cicero selbst den Begriff der partitio Top. 5, 28 atque etiam definitiones aliae sunt partitionum, aliae divisionum: partitionum,

CIC. PARTITIONES.

cum ea res, quae proposita est, quasi in membra discerpitur und hernach 6, 30 in partitione quasi membra sunt ut corporis caput, humeri, latera, crura, pedes et cetera. Von der divisio will Cicero die partitio insofern unterschieden wissen, als partitio zunächst nur Zerlegung des Ganzen in seine Bestandteile, des Organismus in seine Glieder ist (ut si quis dicat, ius civile id esse, quod in legibus, senatus consultis, rebus iudicatis, iurisperitorum auctoritate, edictis magistratuum, more, aequitate consistat Top. 5, 28); die divisio dagegen Angabe der Arten oder species, in welche die Gattung, das genus, zerfällt Top. 1. 1. divisionum autem definitio formas omnes complectitur, quae sub eo genere sunt, quod definitur und weiter unten 7, 30 in divisione formae (sunt), quas Graeci εidni vocant, nostri, si qui haec forte tractant, species appellant (Quint. V 10, 63 Cicero do

divisionem differre a partitione, quod haec sit totius in partes, illa generis in formas). Die Aufzälung der zu einem bestimmten Gebiet gehörigen Stücke, die partitio, soll zwar möglichst vollständig sein; da aber zuweilen ein solches Gebiet unabsehbar und unerschöpflich ist, so kann man von der partitio nicht immer verlangen, dass sie absolut vollständig sei, während an die divisio allerdings diese Forderung absoluter Vollständigkeit zu stellen ist Top. 8, 33 partitione tum sic utendum est, nullam ut partem relinquas, ut si partiri velis

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