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Die römische Litteratur, Prosa wie Poesie, hat sich erst unter dem Einfluß der Griechen, also erst seit dem dritten Jahrhundert v. Chr., auf diejenige Stufe erhoben, auf welcher an die Stelle des naturwüchsigen, volkstümlichen, aber formlosen Darstellens eine kunstmäßige, die Forderungen des reineren Geschmacks befriedigende Produktion treten konnte. Die Römer mit ihrem vorherrschend praktischen Wesen waren nicht wie die Griechen von Natur zu bedeutenden Leistungen auf dem litterarischen Gebiet angelegt: sie mußten erst bei den Griechen in die Schule gehen und von diesen sich in der Technik und Ästhetik unterrichten lassen. Sie selbst erkannten ihren wahren Beruf in anderen Leistungen, Verg. Aen. 6, 847 ff. :

Excudent alii spirantia mollius aera,
Credo equidem, vivos ducent de marmore voltus,
Orabunt causas melius caelique meatus
Describent radio et surgentia sidera dicent:
Tu regere imperio populos, Romane, memento
Hae tibi erunt artes pacisque imponere morem,

Parcere subiectis et debellare superbos.

Wenn auch die Römer, selbst die von griechischer Bildung durchdrungenen, sich darin gefielen, die Überlegenheit des römischen Geistes gegenüber dem griechischen hervorzuheben, so mußte doch anerkannt werden, dass der römische Geist durch Ströme griechischer Bildung befruchtet worden

So sagt Cicero einerseits : Tusc. 1, 1. Meum semper iudicium fuit omnia nostros Bender, röm. Anthologie.

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war.

aut invenisse per se sapientius quam Graecos aut accepta ab illis fecisse meliora, quae quidem digna statuissent, in quibus elaborarent; de or. 1, 4: ingenia nostrorum hominum multum ceteris hominibus omnium gentium praestiterunt ;

aber andrerseits heißt es Cic. Tusc. 1, 1: Doctrina Graecia nos et omni litterarum genere superabat; de rep. 2, 19: Influxit non tenuis quidam e Graecia rivulus in hanc urbem, sed abundantissimus amnis disciplinarum et artium. Hor. epist. 3, 323 ff.:

Graiis ingenium, Graiis dedit ore rotundo

Musa loqui, praeter laudem nullius avaris. id. epist. 2, 1, 156: Graecia capta ferum victorem cepit et artes

Intulit agresti Latio. Im Drama, das Jahrhunderte lang in kunst- und formloser Gestalt behandelt und in volksmäßigen Aufführungen voll lustiger Ausgelassenheit dargestellt worden war (Fescenninen, Atellanen, die ältere Satura), hatte immer die Komödie das Übergewicht über die Tragödie, welch letztere bei den Römern nie zu einer höheren Entwicklung gelangt ist; aber auch die Komödie war in ihren besten Leistungen (Plautus und Terenz) als palliata in hohem Grad von den Vorbildern der griechischen sog. neueren Komödie abhängig. Für diese Nachbildụngen hatten die späteren Römer selbst keine Sympathie mehr: Horaz erkennt die Repraesentanten der älteren Litteraturperiode nicht als Dichter an (epist. 1, 1, 60 ff.) und Quintilian sagt Instit. or. 10, 1, 99: In comoedia maxime claudicamus, licet Varro Musas Plautino dicat sermone locuturas fuisse, si Latine loqui vellent. Vix levem consequimur umbram, adeo ut mihi sermo ipse Romanus non recipere videatur illam solis concessam Atticis venerem.

Im Epos war Ennius (s. u.) maßgebend in Inhalt. und Form, indem er einen national-historischen Stoff in heroischem Versmaß (an der Stelle des alten versus Saturnius) behandelte. Das Epos ist denn auch in der Zeit der Republik wie in der Kaiserzeit von vielen Dichtern bearbeitet worden ; seinen Höhe

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