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Thiiloi1 haben zur Begünstigung sumpfige Schluchten und eine Anzahl von mehreren grösseren oder kleineren Teichen.

Aus diesen Umständen, und dass allenthalben sich bei Bauten in geringen Tiefen Wasser zeigt, welches in kleinere Höhlen eingeschlossen ist, der Boden an mehreren Stellen sehr häufig hohl klingt — schliesst sich der Gefertigte der Ansicht Parrot's über „die Ursachen der Erdbeben" an."

Das ganze Grundgebirge der Gegend von Litschau ist Granit. Eine eigens mit der Absicht der „Beruhigung der Geroüther" eingeleitete Unteisuchung, von der auch mehrmals die Rede war, dürfte wenig einem Zwecke entsprechen. Sind ja doch die Erscheinungen, verglichen mit den Vorfällen in so manchen andern Gegendpn unserer Erde, nicht von grosser Heftigkeit. Aber hohes Interesse knüpft sich an die lange, nun schon sechsjährige Dauer fortwährender Bewegungen. Studien über solche aber kann nur der Bewohner unternehmen, und wir sind Hrn. Rauscher höchst dankbar für die sorgsame Aufzeichnung der aufeinander folgenden Begebenheiten. Dieser aufmerksame Forscher wird sich grosses Verdienst durch fernere Aufsammlung von Thatsachen erwerben.

Recht sehr zur Zeit für seine Wünsche und Bestrebungen hatte ich das Vergnügen, zwischen ihm und Herrn L. H. Jeitteles, Lehrer am k. k. katholischen Staats - Gymnasium in Kaschau, eine CorrespondenzVerbindung zu eröffnen, die ihm gewiss eine sehr erwünschte Anregung in Verfolgung seiner Arbeiten gewähren wird. Herr Prof. Jeitteles, der gleichzeitig mit Herrn Astronomen Julius Schmidt und den Herren Sadebeck in Breslau und Kornhuber in Pressburg die Erscheinungen des Erdbebens von Sillein am 15. Jänner 1858 zum Gegenstande seiner Studien gemacht und in denselben auch von unserer Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften unterstützt war, verfolgt seitdem unausgesetzt diese Abtheilung der Naturforschung. Als ein werthvoller Beitrag liegt aber in dem Programm jenes Gymnasiums für das Jahr 1860 eine Abhandlung vor: „Ueber Erdbeben und die Beobachtung der dabei vorkommenden Erscheinungen," grösstenteils eine Uebersetzung von Bobert Mallet's neuester Abhandlung in dem Admiralty Manual of Scientific Enqniry, dritte Auflage im Jahre 1859. Humboldt erwähnt im vierten Bande des Kosmos mit dem ihm so charakteristischen anerkennenden Wohlwollen: „Die strenge Kritik, welcher Herr Mall et meine frühere Arbeit in seinen sehr schätzbaren Abhandlungen (7mA Tranmetions S. 99—101 und Meeting of the British Association held at Edinburgh S. 209) unterworfen hat, ist von mir vielfältig benützt worden." (Kosmos IV. S. 487.) Mallet hatte durch viele Jahre sich den seit Kant, Dolomieu, A. v. Humboldt, v. Hoff, Alexis Perrey, Boue, d'Abbadie, Volger, Kreil, Hopkins u. s. w. so vielfältig geförderten Erdbeben-Studien gewidmet, und gibt hier in klarer anregender Uebersicht die ErdbebenWissenschaft oder Seismologie. Von dem Stoss oder Druck von einem unter der Erd- oder Wasseroberfläche befindlichen Puncte ausgehend, der sich unmittelbar über dem Mittelpuncte der Bewegung senkrecht zeigen wird, während er sich nach allen Richtungen mehr und weniger geneigt, und entfernt vom Mittelpunct nahezu horizontal verbreitet, unter wahrer Wellenbewegung oder Schwingung, welche alle von der Aggregation — fest oder flüssig — Elasticität und Dichte der Körper abhängig sind. Richtung und Zeit des Durchgangs sind die Elemente der Messung. Es sind viele sehr einfache Vorrichtungen angegeben (mit Abbildungen), um die Richtung zu messen, welche sich jeder Freund der Beobachtungen mit leichter Mühe und geringen Kosten selbst zusammenstellen kann, wie die flüssigen Pendel mit leichten in mit Quecksilber theilweise gefüllten Glasröhren verschiebbaren Marken, trockene Pendel, von beweglichen Stäben umgeben, Kugeln an federnden Stielen befestigt, Cylinder von verschiedener Grösse von hartem Holz auf zwei senkrecht gegeneinander nordsüdlich und ostwestlich auf gleichförmiges horizontales Sandlager gestellt, welche von dem Stosse umfallen und geuau in der Richtung der Schwingung liegen bleiben.

Um die Zeit zu bestimmen, muss man, was dann freilich kostspieliger ist, Fallvorrichtungen mit Pendel-Uhren in Verbindung bringen, so dass die Uhr stehen bleibt, wenn der Stoss sie trifft. Mit einem Uhrwerk ist auch unsers hochverehrten Herrn Collegen, Directors К re il, seine reiche Vorrichtung mit senkrecht gegeneinander schwingenden Federn versehen. (Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften 1855. XV. Band S. 370.)

Was die Kraft des Umwerfens betrifft, so ist zwischen der blos verticalen Bewegung unmittelbar über der Stossquelle und dem Umfange der letzten sich abschwächenden Erschütterung eine Maximum-Zone, unter den „coseismischen" Kreisen ein „meizoseismischer." Aus der Annahme, dass durch Intensität des Stosses in der senkrechten Linie nach dem Quadrat der Entfernung vom Ursprungsorte abnimmt, folgert Mallet, dass sich der Durchmesser des meizoseismischen Kreises zur Tiefe verhält wie y/^2 : 1, so dass der bewegte stumpfe Kegel genau dem OktaederWinkel 109» 28' 16" entspräche. Bei gleicher Abnahme wäre er 90».

Nebst diesen primären sind auch die secundaren Erscheinungen aufgezählt, von welchen es wüuschenswerth ist, dass man sie beobachte und verzeichne. Erdstürze, Erdschlipfe, Wasserausbrüche und andere Erscheinungen an flüssigen Elementen, Spalten selbst, dann bleibende Hebungen und Senkungen. Die hörbare Stosswelle oder der Schall in seinen mannigfaltigen Abänderungen. Die Erscheinungen der grossen Seewelle bei marinen Erschütterungen. Ferner andere physikalische begleitende Thatsachen, durch Barometer, Thermometer, Hygrometer, magnetische Erscheinungen, Wirkungen auf Menschen und Thiere. Herr Jeitteles erinnert noch besonders an Lichterscheinungen.

Es ist recht sehr wünschenswerth, dass diese kleine Schrift sich in der Hand vieler Freunde der Forschung in dem so anziehenden Fache der Erdbeben-Lehre befände, besonders wo diese sich häußger wiederholen. Bereits hat Herr Jeitteles sich mit den Collegen in MarmarosSziget, Komorn, Kronstadt, Essek, Agram, Wiener-Neustadt, Cilli, Laibach, Klagenfurt, Tn'est, Ragusa, Innsbruck in Verbindung gesetzt.

Es wurden öfter Wünsche ausgesprochen, man möchte von Wien aus Beobachtungen von Erdbeben - Erscheinungen organisiren, wie diese kürzlich eben auch aus Veranlassung der Thatsachen von Litschau geschah. So wünschenswerth der Verfolg der Beobachtungen selbst ist, so dürfte doch in dem gegenwärtigen Augenblicke hier, wie in so vielen andern Fällen eine reiche Anwendung des Grundsatzes freiwilliger Arbeitsleistung doch viel weiter reichen, welcher gewiss unsere eben so freiwillig dargebrachte Anerkennung des Werthes treuer Forschung nicht entgehen soll. Man könnte diess vielleicht sogar eine wahre anregende Organisation nennen, wenn sich der hingebende, erfolgreiche Arbeiter versichert fühlt, dass die Ergebnisse seiner Forschung von einem Mittelpuncte aus, wie es unsere Gesellschaft ist, mit höchster Theilnahme betrachtet werden, und dass denselben jene Anerkennung dargebracht werden wird, auf welche sie einen so wohlbegründeten Anspruch haben.

IV.

Ueber die Commuiiicationsmittel, die Sicherheit des Eigenthums ond der Reisenden und über Asyle in Persien.

Von Dr. J. E. Polak.

(Mitgetlicilt in der Versammlung der k. k. geogr. Gesellschaft am 4. Oecember 1860.)

I. Communicationsmittel. Es gibt selten ein Land, welches für das Anlegen von Strassen und Bahnen so geeignet wäre, als Persien. Die unermesslichen Hochebenen, welche mit einander communiciren, der feste Boden, welcher fast einen Unterbau entbehrlich macht, die Seltenheit von Regen und sonstigem Wasserniederschlag, der Abgang grosser unterbrechender Ströme, die reichhaltigen Kohlen- und Eisenmineral - Lager, die Vortreffliehkeit der Pferde und Maulthiere, kurz Alles weist auf die Leichtigkeit der Ausführung. Die Hindernisse sind im Verhältniss zu anderen Ländern gering, und auch diese könnten durch einige Umsicht umgangen werden; so bietet der Weg vom Urumich-See bis Schiiaz, 42 Tagreisen im Ganzen, nur fünf bis sechs Hindernisse, und zwar von nicht unüberwindlichem Charakter.

Und doch gibt es in ganz Persien keine Strasse, die Wege sind Carawanenwege, gerade so, wie sie vor Jahrtausenden bestanden, sie führen gewöhnlich in gerader Linie in der Ebene und durch Engpasse entlang den Sturzbächen über die Berge. Man weicht selten einem Hindernisse aus, sondern setzt, wie die Leminge, in gerader Richtung den Weg fort. Begegnet man einem isolirten Hügel, so steigt man auf der einen Seite auf, auf der andern ab. Dasselbe gilt von Wasserrissen und vertieften Flussbetten.

Eine Ausnahme davon bildet die neue schmale Strasse, welche durch den Gilaner Wald von der Station Imamprd Haschern bis Reseht führt; sie wurde im letzten Sommer auf dringeude Verwendung des russischen Consuls von Rescht, Herrn Tegoborsky, angelegt. Der Boden war am alten Wege so aufgewühlt und ausgetreten, dass zur Regenzeit die Passage fast nicht möglich war, und daher ein bedeutendes Hinderniss für den Transport der russischen Waaren von Enzeli nach Teheran abgab. Der Wald wurde desshalb etwas gelichtet, Abzugsgräben angelegt, die Unterlage mit Holzkohlen gemacht und dann mit Flusskies bedeckt.

Jedoch die eine deutsche Meile lange Strecke von Rescht bis zum Canale Pirebazar*) führt noch im Zickzack in Morast und Dickicht, dort ist die Str.isse fortzusetzen verbothen, und die Communication mit unsäglichen Schwierigkeiten verbunden. Der Canal selbst ist eng und untief, so dass zwei massige Kähne nur mit Mühe ausweichen können, er wird jedoch noch mehr durch die üppige Vegetation und die hineinreichenden Bauniäste verengt; es ist bei Strafe des Handabhauens verbothen, einen Ast abzuhauen!

*) Dieser Canal, etwa eine Meile lang, führt in das Murd-ab — todtes Wasser — welches durch Hatfbildung vom Meere geschieden ist.

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Shah Abbas, der Grosse, liess einigeCaravanen-Strassen am caspischen Meere und über den Koflankuh auf dem Wege nach Tauris anlegen, wo wegen des Letten-Grundes zu Zeiten der Uebergang kaum möglich ist; doch wurden die Strassen schon damals nicht nivellirt, sondern nur mit grossen Steinen gepflastert, seit etwa 200 Jahren wurde nichts ausgebessert, daher von jenen Arbeiten nur dürftige Spuren zu finden sind.

Als Ursache des Nichtanlegens von Strassen kann gelten:

1. Die Indolenz der Regierung, welche die ungeheure Production des Landes nicht zu verwerthen versteht, und von der trotz aller Hemmnisse bestehenden Ausfuhr von Roh- und Kunstproducten fast keinen Begriff hat»).

2. Die Furcht, dem Feinde einen leichten Zugang in's Land zu verschaffen.

3. Der Mangel an Holz und Eisen. Denn obwohl am caspischen Meere unerschöpfliche Urwälder sich befinden, so bindert doch der Mangel an Communicationsmittel diese auszuheulen. Es besteht hiemit ein eirculus vitiosus. Dasselbe gilt vom Eisen; denn obwohl die ausgiebigsten Minen von Eisen und Kupfer mit Ueberfluss von naheliegenden Steinkohlen vorhanden sind, so verstehen sie doch nicht diese zu benützen und der Bedarf muss von Russland aus gedeckt werden.

4. Die Güte der Pferde, Maulthiere, Esel und Kameele, welche eine besondere Ausdauer, Kraft und Sicherheit des Ganges besitzen, und dem Perser alle anderen Mittel der Communication entbehrlich scheinen lassen**).

Die einzige menschliche Mitwirkung an den Wegen biethen die Brücken, welche an unvermeidlichen oder gefährlichen Punctcn angebracht sind. Sie werden durch Legate und Fundationen hergestellt, und wenn sie mit der Zeit baufällig werden oder einstürzen, bleiben sie in demselben Zustande, bis nach vielfältigen Unglücksfällen ein frommer Sterbender oder ein reuevoller Sünder sie wieder in den Stand setzt. Die Brücken sind zumeist in hohen Spitzbogen mit bedeutender Steigerung und Fall gebaut, weil wegen der Frühlingswasser und deren raschen Falls von nahen Gebirgen kleine Bächlein zu mächtigen Strömen anschwellen.

Auch diese Brücken sind im kläglichsten Zustande , die Decke ist ausgetreten, an vielen Stellen durchbrochen, so dass man den jähen Abgrund stellenweise sieht. Man zieht demnach, wenn möglich, die Fährte vor, und das Sprichwort sagt, „die Brücken dienen als Zeichen, dass man nicht passireu soll."

*) So sagte mir einmal der König: „Persien beutet seine edlen Metalle nicht aus, unser Gold und Silber stammt von Alcliymie." Die Kaufleute wissen jedoch besser, woher die edlen Metalle stammen.

**) So ritt ich einst im Gefolge des Schah auf den Eiburs in eine Höhe von 12.000 Fuss. Dort angekommen, fragte mich der König, ob unsere Pferde dieses im Stande wären? Als ich es verneinte, meinte er, wenn ihr solche Pferde besasset, würdet ihr auch keine Strassen anlegen.

Doch gibt es Orte, wo die Brücke unvermeidlich ist, wo daher deren Abgang die ganze Communication hemmt oder unendlich erschwert. So kehrte ich im Sommer 1854 von Mosanderan nach Teheran längs des Flusses Häras zurück. Da dieser Fluss durch ein enges Bett sich windet, so wurde vom Shah Abbas eine Kunststrasse angelegt, einige Stellen in den Kalkfels eingehaueii, und nach Umständen bald das rechte bald das linke Fluss-Ufer zum Wege benützt. Viele der Brücken und Dämme sind bereits eingegangen und der Weg wird nur mit grossen Schwierigkeiten und Gefahren bei trockenem Wetter im Sommer passirt. Eine Stunde, ehe ich in die Station Ask gelangen sollte, überfiel uns ein heftiger Regen, an das Fortsetzen der Reise konnte man nicht denken, die Caravane blieb in einer elenden Caravanserei, wir nahmen wegen Mangel an Raum Zuflucht in eine Caverne, welche zu diesem Zwecke an verschiedenen Orten künstlich in den Lehmhügeln ausgegraben ist. Nachts wurde die Brücke, welche wir früh passiren sollten, weggeschwemmt, es blieb uns nichts übrig, als über improvisirte Wege längs der schroffen Felswände uns weiter zu bewegen. In dieser peinlichen Lage versuchte ich zu Fuss weiter zu kommen, doch ich bemerkte bald, dass das Pferd weit sicherer sei, und ich überliess mich reiteud meinem Schicksal. Nach vielen Kreuz- und Querzügen gelangten wir endlich nach 10 Stunden Marsch in das Städtchen Ask. Bei dieser Caravane, welche sehr zahlreich war (denn die Thalbewohner zogen eben von Amel in Masanderan in ihr Yeylok (Sommerquartier) in die Berge von Laridschan am Demawend), verunglückte eine Mutter mit zwei Kindern und ein mit Orangen beladenes Maulthier; erstere wurden leblos aus dem Abgrunde geholt, letzteres lebte noch einige Stunden.

Nach dieser durch Umstände beschwerlichen Reise machte ich mehrere praktische Beobachtungen: 1. Seit dieser Zeit fand ich keinen Weg mehr schlecht und unpraktikabel, und ich wurde erst durch meine Umgebung oft darauf aufmerksam gemacht. 2. Dass Thiere, welche an Bergwege gewohnt sind, sich selbst überlassen sicher passiren, wenn sie von beiden Seiten gleich beladen sind; der Selbsterhaltungstrieb macht sie vorsichtig, sie suchen und finden ängstlich jeden Punct zum Fortkommen; sind sie jedoch ungleich beladen, oder sind sie durch den überklugen Reiter gezwungen zu folgen, so unterliegen sie dem unbeugsamen Gesetz der Schwere, sie stürzen und rollen mit Last und Reiter in den Abgrund. Daher es als erste Regel gilt, an gefährlichen Puncten mit dem Caravanenpferde keine Reiterkünste zu machen. Denn das unbändigste Pferd, wo es sich um Selbsterhaltung handelt, wird furchtsam und zahm wie ein Lamm, ein auf den Füssen unsicheres Pferd- nimmt sich zusammen und wird sieher an einem gefährlichen Punct nicht stolpern, eher in der Ebene, wo es sich der Faulheit überläset. 3. Da ich schon mehrere Nächte wegen Mangel an Insectenpulver schlaflos zubrachte, so übermannte mich der Art der Schlaf, dass ich reitend ihm nachgab und beim Erwachen erst merkte, welche schlüpfrige Parthie ich zurücklegte. So fand ich es bewahrheitet, dass man mitten im Kanonendonner vom Schlafe überwältigt werden könne; ich erinnerte mich damals an die unübertrefflichen Reflexionen Shakespeare's über den Schlaf im Heinrich IV."

Es gibt wohl Ausnahmen, es finden sich sehr schöne Brücken in Ispahan, Shiraz, Amel, Balafrusch in Manschil über den Sefidrud, in der

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