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Simulation, der zur Verhüllung des wahren Willens gewählten nichtentsprechenden Erklärung, ausb). Niemals gilt das simulirte Geschäft, die Annahme eines anderen an seiner Stelle hängt von dem Daseyn der Erfordernisse: eines gültigen Willens und einer gültigen Erklärung, abe).

Eine unabsichtliche Nichtübereinstimmung kann hervorgebracht werden 1) durch einen frrthum, welcher die Wirkung hat, den zu dem Geschäft erforderlichen Willen des Handelnden auszuschließena). Diese Wirkung hat ein Irrthum a) über die Person, auf die sich die Verfügung bezieht, wenn der Handelnde eine andere meint, als für die er sich erklärt hat); b) über die Identität des Gegenstands (error in corpore)), wohin nicht blos der Jrrthum über das Individuum, sondern auch über die Gattung und die Quantität gehören kanns), ja unter Umständen sogar der Jrrthum über eine Eigenschaft des Gegenstandes, wenn dieser nämlich von der Art ist, daß jene Eigenschaft im

inter contrahentes id agatur, nec enim si per iocum puta vel demonstrandi causa ego tibi dixero: spondes ? et tu responderis: spondeo, nascetur obligatio. L. 24 D. de testam. mil. (29, 1).

b) Cod. IV. 22: plus valere quod agitur, quam quod simulate concipitur L. 6 §. 7 D. de adqu. her. (29, 2), L. 54 D. de 0. et A. (44, 7). Vgl. Savigny, System III. §. 134. (Funfe, über Räufe, die zur Sicherung von Schuldforderungen abgeschlossen werden: Beitr. zur Erört. pract. Rechtsmat. 1830. Nr. 5. R.)

(). So z. B. L. 3 C. de contr. emt. (4, 38), L. 5 §. 5, L. 7 §. 6 D. de donat. inter vir. (24, 1).

d) Es ist nur diese Wirkung, auf die es hier ankommt, und zu der sich der Irr: thum nur als zufällige Veranlassung verhält. Auch ohne diese Veranlassung würde die Nichteristenz des Willens dieselbe Folge der Nichtigkeit des Geschäfts haben. Savigny, System III. $. 135--139. (Dieser bezeichnet den Jrrthum, welcher nur den Schein des Willens zurückläßt, als einen „unächten“ im Gegensaß des „ächten" Jrrthums im Motiv g. 57, der den Willen nicht ausschließt. Man mag diese Ausdrüde tabeln, allein es ist fein Grund, dem Gegensap selbst eine andere Unterscheidung zu substituiren, j. B. den Irrthum über die Folgen und über Anderes, Bekker in Pözl, Vierteljahrsichr. III. S. 187. Dagegen Windscheid g. 76 Anm. 1. Vangerow I. $. 83 S. 120. Arndts §. 62 Anm. 4. R.) [vgl. ferner Hölder, frit. V.-J.-Schr. XIV. S. 561-583. 1872.7

e) L. 9 pr. D. de hered, inst. (28, 5), L. 32 D. de reb. cred. (12, 1).

f) L. 9 $. 1 D. de hered. inst., L. 9 pr. D. de contr. emt. (18, 1) L. 137 $. 1 D. de V. 0. (45, 1), L. 10 C. de donat. (8, 54), L. 34 pr. D. de adqu. pogs. (41, 2). Außnahme bey dem Irrthum des Beflagten über den Prozengegenstand. L. 83 $. 1 D. de V. O.

g) L. 52 D. loc. (19, 2): Si decem tibi locem fundum, tu autem existimes quinque te conducere, nihil agitur. Sed et si ego minoris me locare sensero, tu pluris te conducere, utique non pluris erit conductio, quam quanti ego patavi.

Verkehr der Bedeutung der individuellen Identität gleichsteht“); andere die Person oder den Gegenstand betreffende Jrrthümer haben jene Wirkung nicht'); c) über das Geschäft überhaupt, so daß der Wille des Handelnden gar nicht auf dieses Geschäft gerichtet war«), und bey Verträgen noch d) über den Willen des anderen Theils über diese Punkte, wodurch die Uebereinstimmung ausgeschlossen wird.

Der Mangel der Uebereinstimmung zwischen Wille und Erklärung

h) L. 9 §. 2 D. de contr. emt. (18, 1): Inde quaeritur, si in ipso corpore non erratur, sed in substantia error sit, ut puta si acetum pro vino veneat, aes pro auro, vel plumbum pro argento, vel quid aliud argento simile, an emtio et venditio sit? Marcellus scripsit libro VI. Dig., emtionem esse et venditionem, quia in corpus consensum est, etsi in materia sit erratum. Ego in vino quidem consentio, quia eadem prope oùoia i, e. substantia est, si modo vinum acuit; ceterum si vinum non acuit, sed ab initio acetum fuit, ut embamma i. e. intinctus, aliud pro alio venisse videtur. In ceteris autein nullam esse venditionem puto, quotiens in materia erratur (Ulp.). L.10 eod.: aliter atque si aurum quidem fuerit, deterius autem, quam emtor existimaret, tunc enim emtio valet (Paul.). L. 11 §. 1 eod.: Quod si ego me virginem emere putarem, cum esset iam mulier, emtio valebit, in sexu enim non est erratum. Ceterum si ego mulierem venderem, tu puerum emere existimasti, quia in sexu error est, nulla emtio, nulla venditio est (Paul.). L. 14. 41 $. 1 eod. – L. 45 eod.: Labeo libro posteriorum scribit, si vestimenta interpola quis pro novis emerit, Trebatio placere, ita emtori praestandum quod interest, si ignorans interpola emerit. Quam sententiam et Pomponius probat, in qua et Iulianus est, qui ait, si quidem ignorabat venditor, ipsius rei nomine teneri, si sciebat, etiam damni, quod ex eo contingit, quemadmodum si vas aurichalcum pro auro vendidisset ignorans, tenetur, ut aurum, quod vendi* dit, praestet (Marcian.). L. 22 D. de V. 0. (45, 1): Si id, quod aurum putabam, cum aes esset, stipulatus de te fuero, teneberis mihi huius aeris nomine; quoniam in corpore consenserimus. Sed ex doli mali clausula tecum agam, si sciens me fefelleris (Paul.) (Renaud, Archiv für civ. Pr. XXVIII. 10 1845. — Zur Identität des Rechts gehört auch die Beziehung zu diesem bestimmten Inhaber: es ist ein dem error in corpore analoger, die Uebereinstimmung des Willens und der Erklärung ausschließender Irrthum, wenn jemand das Eigenthum einer Sache übertragen zu wollen erklärt, in der Meinung, es stehe einem anderen 311, während es ihm selbst gehört. Vgl. §. 148i. R.)

i) So Irrthum über den Namen, L. 9 $. 1 D. de contr. emt. (18, 1) L. 7 $.2 D. de supell. leg. (33, 10), L. 4 C. de testam. (6, 23), L. 4 pr. D. de leg. I. (30): - quodsi quis, cum vellet vestem legare, supellectilem adscripsit, dum putat supellectilis appellatione vestem contineri, Pomponius scripsit, vestem non deberi. — Rerum enim vocabala immutabilia sunt, hominum mutabilia, über die Güte (Note h), Accessionen, L 34 pr. D. de contr. emt., den Umfang überhaupt, L. 57 g. 1, 2 eod. L. + $. 1, L. 38 pr., L. 42 de A. E. V. (19, 1).

k) L. 9 pr. D. de contr. emt., L. 3 §. 1 D. de O. et A. (44, 7), L. 18 D. de rebus cred. (12, 1). Nicht diese Wirkung hat der Irrthum in den Motiven zu dem Geschäft (falsa causa), s. §. 57, mit Ausnahme einiger Fälle bey lektwilligen Vera fügungen. Savigny, System III. Beil. VIII. 17.

kann 2) auf Seiten der Erklärung liegen, wenn sie nämlich so unvollkommen ist, daß sie nicht als eine Erklärung des (wenn auch vielleicht anderswoher bekannten) Willens gelten kann"), während eine Unvollkommenheit, die sich als bloße unrichtige Beschreibung auffassen läßt (falsa demonstratio), die Eristenz einer Erklärung nicht ausschließt).

§. 66. Wenn Wille und Erklärung mit einander übereinstimmen, so fann noch eine Unvollkommenheit der zweiten über ihren Sinn, d. h. über die Beschaffenheit des ersten, Zweifel übrig lassen. Das Princip der

Interpretation von Rechtsgeschäften ist: Wille und Erklärung sind zugleich wesentlich, ohne Erklärung ist der Wille, ohne den Willen ist die Erklärung bedeutungslos“).

Die Grundlage für die Interpretation einer Willenserklärung sind die Worte oder sonstigen Mittel des Gedankenausdrucks (§. 64). Die Worte sind zunächst in ihrem natürlichen und gewöhnlichen Sinn zu nehmen, es ist zu vermuthen, daß der Sprechende sich der Sprache nach ihrem gemeinen Gebrauch bedient hat), Giebt dieser einen annehmbaren und sicheren Sinn, so ist es unzulässig, ihn aus anderswo gejuchten Gründen in Frage zu stellen, außerdem würde die beste Wahl des Ausdrucks nicht gegen Mißinterpretation sicher stellen").

Auf der anderen Seite haben die Worte doch nur dadurch eine Bedeutung, das sie den Willen des Sprechenden enthalten"). Dieß fommt vornehmlid zur Anwendung, wenn die Worte zweideutig sind. Tabey ist dann nicht darauf zu sehen, was nach dem gemeineren Sprachgebrauch in ihnen liegt, oder wie Andere sie verstanden haben,

1) L. 73. §. 3 D. de R. I. (50, 17), L. 7 §. 2 D. de supell. leg. (33, 10), L. 4 pr. D. de leg. I. (Note i).

m) L. 17 §. 1, L. 34 pr. D. de condic. (35, 1). Das Niederschreiben einer größeren oder geringeren Quantität, als erweislich die Absicht war, wird nach dem wirklichen Willen des Verfügenden rectificirt. L. 9 $. 2—4 D. de hered. inst. (28, 5).

n) L. 9 pr. D. eod., L. 3 D. de reb. dub. (34, 5): In ambiguo sermone non utrumque dicimus, sed id duntaxat, quod volumus, itaque qui aliud dicit, quam valt, neque id dicit, quod vox significat, quia non vult, neque id, quod vult, quia id non loquitur.

o) L. 7 $. 2 D. de supell. leg.: (33, 10).

p) L. 25 §. 1 D. de leg. III. (32): Cum in verbis nulla ambiguitas est, non debet admitti voluntatis quaestio. L. 69 pr, eod.

9) L. 7 §.2 D. de supell. leg.: – nemo existimandus est dixisse, quod non idente agitaverit. - L. 3 C. de lib. praet, (6, 28): -- cum enim manifestissimus est sensus testatoris, verborum interpretatio nusquam tantum valeat, ut melior sensu existat. L. 219 D. de V. S. (50, 16).

sondern was der Sprechende damit ausdrücken wolter). Haben die Worte nach den Orten eine verschiedene Bedeutung, so wird, wenn der Wille des Handelnden nicht auf andere Weise entschieden ist, der Sprachgebrauch des Geschäftsorts entscheiden, vorausgesept, daß eine Befolgung desselben durch den Sprechenden wahrscheinlich ist (was 3. B. bey Fremden nicht immer der Fall seyn wird)). Bey einem Geschäft unter Entfernten wird es theils nach diesem, theils nach dem Grundsaß, daß der Sinn des Sprechenden entscheidet, auf den Sprachgebrauch am Ort des Proponenten ankommen“).

Bleibt nach allem dem ein Zweifel zurück, so ist der Sinn anzunehmen, den der Handelnde mit seinem Ausdruck verbunden haben muß, wenn er als ein verständiger Mann gehandelt hat"), daher der, bey dem das Geschäft bestehen kann“). Sodann ist im Zweifel das Geringere w), das weniger Belästigendes) anzunehmen, also zum Vortheil des Verpflichteten zu interpretirens). Dieß hat bey Verträgen auch den Grund, daß der Gläubiger die Hauptperson ist, welcher die genaue Fassung vorzugsweise obliegt, und so wird auch bey gegenseitigen Verträgen, wo beide Theile Verpflichtete sind, im Zweifel zum Nachtheil dessen, der als Hauptperson gilt, interpretirta).

Endlich giebt es gewisse causae favorabiles, für die man im Zweifel interpretiren muß, so die Freiheita), die Dos zu Gunsten der Fraubb), leßtwillige Anordnungen, welche, um den Willen des Testators nicht zu verfehlen, eher zu Gunsten des Honorirtenc), und vor allem zur Aufrechterhaltung der Verfügungen auszulegen sind ad).

1) L. 96 D. de R. I. (50, 17), L. 69 §. 1 D. de leg. III. (32)

s) L. 65 . 7 D. eod., L. 18. §. 3 D. de instr. leg. (33, 7), L. 34 D. de R. I. (50, 17).

f) Vgl. Wächter, über Auslegung der unter Abwej. geschl. Verträge, Archiv für civ. Prar. XIX. 5.

u) L. 67 D. de R. I. (50, 17). v) L. 12 D. de reb. dub. (34, 5), L. 80 D. de V.0. (45, 1). w) L. 9 D. de R. I.: Semper in obscuris quod minimum est sequimur. x) L. 56 eod.: Semper in dubiis benigniora praeferenda sunt.

y) L. 38 $. 18 D. de V. 0. (45, 1): In stipulationibus cum quaeritur, quid actum sit, verba contra stipulatorem interpretanda sunt.

z) L. 39 D. de pact. (2, 14): Veteribus placet, pactionem obscuram vel ambiguam venditori et qui locavit nocere, in quorum fuit potestate legem apertius conscribere.

aa) L. 179 D. de R. I. (30, 17).
bb) L. 85 pr. eod.
cc) L. 12 eod.
dd) L. 24 D. de reb. dub. (34, 5).

C. Von der Ungültigkeit der Rechtsgeschäfte.

§. 67. Ein Rechtsgeschäft ist ungültig, wenn der Mangel eines wesentlichen Erfordernisses entweder von Anfang seine wirksame Errichtung ausschließt, oder, so es ohne einen solchen Mangel errichtet worden ist, jein Fortbestehen hinderta). In beiden Fällen kann die Ungültigkeit entweder Nichtigkeit, Nullität seyn, wenn dem sie verursachenden Umstand die Wirkung beigelegt ist, die Eristenz des Geschäfts unmittelbar (ipso iure) auszuschließen"), oder Anfechtbarkeit, Rescissibilität, wenn der sie verursachende Umstand einer Person das Recht giebt, das Geschäft in seinen Wirkungen als nichtbestehend zu behandeln, so daß es als bestehend gilt, wenn und so lange jene nicht von dieser Befugniß Gebrauch macht“). Die Anfechtung geschieht regelmäßig durch ein gerichtliches Rechtsmittel, möglicherweise kann aber auch einer außergerichtlichen Erklärung diese Wirkung beigelegt seynd).

Ein Rechtsgeschäft kann theilweise ungültig seyn, entweder so, daß die gültigen Bestandtheile noch immer dasselbe Geschäfte), oder so,

a) Nicht jedes Hinderniß seiner Entstehung ist auch ein solches seiner Fortbauer, vgl. L. 85 §. 1 D. de R. I. (50, 17): Non est novum, ut, quae semel utiliter constituta sunt, durent, licet ille casus exstiterit, a quo initium capere non potuerunt. L. 3 §. 2 D. de his qu. pro non scr. (34, 8): — quae in eam causam pervenerunt, a qua incipere non poterant, pro non scriptis habentur. L. 98 pr. D. de V. 0. (45, 1): – et maxime secundum illorum opinionem, qui etiam ea, quae recte constiterunt, resolvi putant, cum in eum casum reci. derunt, a quo non potuissent consistere. L. 140 S. 2 eod. Vgl. Savigny, System IV. S. 553 f.

b) Wo der Grund der Ungültigkeit ein gejebliches Verbot ist, nahmen die älteren Römer Nichtigkeit nur dann an, wenn diese Folge von dem Gesek bestimmt ausgesprochen war (lex perfecta), nach neuerem Recht ist dies nicht nöthig. L. 5 C. de legib. (1, 14). Uebrigens hat die fraudulose Umgehung des Gesetzes dieselbe Folge, wie die unumwundene Gegenwirkung. L. 29 D. de legib. (1, 3): Contra legem facit, qui id facit, quod lex prohibet, in fraudem vero, qui salvis verbis legis septentiam eius circumvenit. L. 30 eod.

c) Es wäre denkbar, daß auch bey der Nullität eine Erklärung irgend einer Art von Seiten der Person, die sie geltend machen will, und ein richterlicher Ausspruch gefordert würde, um den äußeren Schein eines Geschäfts aufzuheben und fünftiger Ungewißheit zu entgehen, z. B. eine querela nullitatis, und darauf folgende richterliche Nullitätserklärung. Dem römischen Recht ist dieß fremd, im heutigen kommt es vor, aber nur in wenigen Fällen, bey der Ehe und im Proceß.

d) Es ist kein zureichender Grund vorhanden, diesen lepten Fal (ber nicht mit dem der Note c identisch ist) zur Nullität zu rechnen, wofür man den Ausdruck: relative Nulität erfunden hat, . z. B. Brandis, über absolute und relative Nul., Zeitsdr. für Givilr. und Civilpr. VII. 4. 5. Wirkliche Nullitätsfälle dieser Art müßten als bedingte Nullität aufgefaßt werden.

e) L. 1 §. 5 D. de V. 0. (45, 1): Sed si mihi Pamphilum stipulanti tu

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