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Methode wird aber von der Mehrzahl der Fachmänner sowohl wegen der Weitschweifigkeit der trigonometrischen Bestimmung aller Grenzzeichen als auch wegen der Unzulänglichkeit der bloss mathematischen Bestimmung der Grenze, ohne graphische Darstellung derselben auf dem Plane, verworfen !). Die bei der Trans-Kaukasischen Vermessung angenommene Methode beseitigt diese Mängel und bestimmt ausserdem noch die Lage eines jeden Grenzzeichens nicht bloss nach seinem Verhältnisse zu irgend einem willkürlich gewählten Objekte im Inneren des Grundstückes, sondern in seiner Beziehung zu allen fixirten Punkten sowohl in dem Grundstücke selbst als auch in allen dasselbe umgebenden Besitzungen und auf gleiche Weise im ganzen

!) Journal des géomètres, 1855, 1er Janvier; Porro, Tachéométrie; Cadastre de Genève par Delapalud.

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Lande selbst, welches durch ein allgemeines trigonometrisches Netz verknüpft ist. Schliesslich muss hinzugefügt werden, dass im Laufe des gegenwärtigen Jahres (1863) von den Messbeamten (durch mittlere Theodolite Ertel's) 432 Punkte trigonometrisch bestimmt wurden, aus deren Zahl 287 den Vermessungen des gegenwärtigen Jahres zur Grundlage dienten und 145 für die Arbeiten des Jahres 1864 vorbereitet wurden. Ferner sind 128.258 Dessiatinen im Maassstabe von 100 Faden auf den Zoll aufgenommen. Auf solche Weise kommen auf jeden der 40 Messbeamten, die an den Arbeiten des Jahres 1863 betheiligt waren, 3259 Dessiatinen der Katastral-Aufnahme mit einer entsprechenden Anzahl trigonometrischer Punkte. Eine annähernd gleiche Strecke ist im J. 1862, dem ersten seit der Gründung der Trans-Kaukasischen Messkammer, aufgenommen worden.

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Der San Francisco-Pass über die Cordilleren. Von Dr. H. Burmeister.

Das Projekt, zwischen Catamarca und Copiapó eine Eisenbahn über die Cordilleren zu legen, hat zu einer genauen Untersuchung der dortigen Pässe Veranlassung gegeben und somit unsere Kenntnisse über den Bau des Gebirges in jener Gegend wesentlich erweitert. Das Verdienst, sich dieser mühevollen Arbeit unterzogen zu haben, gebührt Herrn William Wheelwright, dem Entrepreneur der Rosario-Cordova-Bahn, einem der liebenswürdigsten und honnettesten Männer, welche mir jemals in meinem Leben begegnet sind. Derselbe hat mir während seiner Anwesenheit in Buenos Aires alle seine erhaltenen Resultate zur Verfügung gestellt und danach habe ich die folgende Schilderung des Weges über den San Francisco-Pass entworfen. Dieser ist unter allen in jener Gegend vorhandenen derjenige, welcher die meisten Vortheile für die Bahn darzubieten scheint, und da er zugleich einer der am wenigsten bekannten ist, so hielt ich es für angemessen, ihn in derselben Art in diesen Blättern zu beschreiben, wie ich früher den von mir selbst bereisten Pass durch die Quebrada de la Troya und über die Barranca blanca darin beschrieben habe („Geogr. Mittheil." 1860, S. 369 und Tafel 16). Über die anderen, mehr südlich gelegenen Pässe derselben Strecke der Cordilleren finden sich kurze Angaben im zweiten Bande meiner „Reise durch die La Plata-Staaten", SS. 243 ff. 1)

!) Wie es scheint, war es Herrn Prof. Burmeister nicht bekannt, dass eine Kartenskizze der von Wheelwright proponirten Eisenbahn

Der Anfang dieses Weges über den San Francisco-Pass ist von der Argentinischen Seite her derselbe mit dem früher beschriebenen durch die Quebrada de la Troya; man geht im Thal des Rio de Copacavana aufwärts bis Anillaco, auf welcher Strecke einer Eisenbahnanlage gar keine Schwierigkeiten sich darbieten. Oberhalb Anillaco wendet man sich nicht westlich am Rio de Troya aufwärts, sondern bleibt in der geraden Richtung nach Norden am Rio Anillaco (vgl. „Geogr. Mitth." 1863, Heft III, S. 112) und verfolgt denselben aufwärts bis Fiambalá, das 10 Leguas von Anillaco am Fusse der östlichen Bergkette liegt, welche das ziemlich breite Thal des Rio de Anillaco einschliesst. Seine Höhe über dem Spiegel des Stillen

linie über die Cordilleren nebst einem Profil und dem Bericht des Ingenieur Flint über seine Rekognoscirung der Linie im Journal der Londoner Geogr. Gesellschaft für 1861 (SS. 155 u. ff.) publicirt ist; doch nehmen wir um so weniger Anstand, seinen Aufsatz zu veröffentlichen, als in dem bis jetzt Publicirten fast ausschliesslich auf den projektirten Eisenbahnbau Rücksicht genommen wird, während Prof. Burmeister näher auf die natürliche Beschaffenheit und die Topographie jenes Theiles der Andes eingeht und, was hauptsächlich hervorzuheben, die Route über den San Francisco-Pass in Verbindung mit der von ihm bereisten südlicheren bringt, wodurch sich die Andes an beiden Übergängen als von ganz analogem Bau erweisen. Für die meist geringen Differenzen der in dem Aufsatz angeführten Höhen gegen die des publicirten Profils haben wir keine Erklärung. Zur Orientirung müssen wir auf Prof. Burmeister's oben citirte Karte und auf die erwähnte Skizze im Londoner Journal verweisen und bemerken, dass der Cerro de San Francisco (südlich von dem gleichnamigen Pass) etwa 20 Leguas nördlich vom Cerro Bonete liegt. Er bildet mit dem dritten südlicheren Centrum des Cerro de Potro die erhabensten Punkte des östlichen Cordilleren-Plateau's, während der Volcan de Copiapó die höchste Erhebung des westlichen Plateau's dieser Gegend ist. A. P.

Oceans beträgt 4880 Par. Fuss (nach Herrn Ed. Flint's Messung, des Ingenieurs, den Herr Wheelwright den Weg zur Besichtigung machen liess, während ein anderer Ingenieur, der denselben Weg in gleicher Absicht für Herrn Wheelwright bereiste, Herr N. Naranjo, 4865 Fuss angiebt). Daneben finden sich die warmen Quellen, über welche ich in meiner Reise (II. Bd. S. 251) berichtet habe; sie gehören aber nicht der westlichen oder Famatina-Kette an, sondern dem östlichen metamorphischen Gebirge, welches hier parallel den Cordilleren von Nord nach Süd streicht und als Cerro Negro südlich von Copacavana endet. Oberhalb Fiambalá wendet sich der Fluss, der jetzt Rio de Fiambalá heisst, schnell nach Westen und dieselbe Richtung schlägt der Weg an ihm aufwärts ein, denn der Fluss tritt hier, ganz wie der Rio de la Troya, aus einer engen Schlucht des Gebirges hervor!), welche das paläozoische

!) Eine solche zweite Schlucht existirt also wirklich, im Gegensatz zu meiner Angabe auf S. 111 des Jahrgangs 1863 der „Geogr. Mitth." Die dort gegebenen Berichtigungen für meine Karte werden zugleich durch die Beschreibung des Rio Anillaco und seiner Quellarme ergänzt, welche der vorliegende Aufsatz nach den Wheelwright'schen Untersuchungen enthält, aber ich will hier zugleich einige weitere Verbesserungen der Karte nachtragen. Reisende, welche ihre Mittheilungen, in Ermangelung eigener Anschauung und Untersuchung, sehr oft auf die Aussagen der einheimischen Bevölkerung stützen müssen, setzen sich bei Angabe ihrer Resultate vielfältigen Irrthümern aus, sei es, dass sie die in der Regel sehr dürftigen Angaben der Leute missverstehen oder selbst von ihnen beim Nachfragen über die Konfigurations-Verhältnisse des Landes missverstanden werden. Alle diese Leute besitzen zwar häufig ganz richtige Kenntnisse vom Lauf der Gebirge und Flüsse, aber sie sind nicht im Stande, sie klar anzugeben und namentlich Kartenskizzen zu verstehen, welche ihnen der Reisende vorlegt. So ist es gekommen, dass ich mehrfache Irrthümer in Bezug auf den Lauf der Flüsse begangen habe, welche in diesem Theile der Cordilleren auftreten. Seitdem mit sachkundigeren Persönlichkeiten in Berührung gekommen, habe ich mich bemüht, weitere Nachrichten einzuziehen, welche meine früheren Angaben berichtigen.

Der Rio Jagué entspringt, wie schon in den früheren Berichtigungen erwähnt wurde, am Fusse des östlichen Cordilleren-Plateau's in der Gegend des Cerro Bonete und fliesst Anfangs in einem sehr engen Thale mit steilen Wänden nach Süden. Nach einiger Zeit verbindet er sich mit dem Rio de Loro, welcher neben ihm in Westen dieselbe Richtung verfolgt, und beide vereinten Flüsse laufen als Rio Jagué in dem Thal zwischen den Cordilleren und dem Alto del Machaco, der auf meiner Karte als Cuesta de la Troya angegeben ist, nach Süden bis zum Dorf Jagué, wo die Ebene zwischen den Cordilleren und der Sierra Famatina ihren Anfang nimmt. Etwas weiter südlich erhält der Fluss einen Zuwachs durch den Rio Vinchina, der ostwärts neben ihm fliesst und in dem engen Thale zwischen dem Alto del Machaco und der Sierra Famatina ebenfalls aus Norden herabkommt. Diesen Fluss habe ich auf meiner Reise nicht kennen gelernt, daher auch auf der Karte nicht angegeben; später hat mich Herr Martin de Moussy bei seiner letzten Anwesenheit hier in Buenos Aires von seiner Existenz und seinem Laufe unterrichtet. Er entspringt in gleicher Weise mit dem Rio de la Troya vom Ostabhange des Alto del Machaco, etwas südlich von dessen Quelle, und verbindet sich mit dem Rio Jagué oberhalb der Ortschaft Vinchina, die nach ihm benannt ist. Aus beiden Flüssen entsteht der Rio Vermejo, welcher die Ebene zwischen den Cordilleren und der Sierra Famatina bewässert und bis in die Gegend von San Juan reicht. – Der Rio Salado, welcher mit dem Rio blanco in dem Thale zwischen dem östlichen und westlichen Cordilleren-Plateau von Norden nach Süden strömt, tritt nicht, wie ich auf meiner Karte angegeben habe, dort oben in die erwähnte Ebene zwischen den Cordilleren und der Sierra Famatina ein, sondern bleibt gegen 50 Leguas lang in seinem Längsthal zwischen den Cordilleren-Plateaux, ohne neuen

Schiefergebirge, eine Fortsetzung der Sierra Famatina, völlig auf dieselbe Weise durchbricht. Die Mündung der Schlucht ist ziemlich weit, weil ein anderer kleiner Fluss, der auch aus Norden, aber im Gebirge selbst von der Piedra parada herabkommt, hier in den Rio de Fiambalá mündet, aber bald oberhalb dieser Mündungsstelle wird sie sehr eng und theilt sich in zwei Schenkel, von welchen der eine nach Nordwest, der andere nach Südwest ins Gebirge einschneidet. Durch beide fliessen Gewässer und an beiden führen Wege ins Innere des Gebirges. Der nordwestliche ist der kürzere, aber der beschwerlichere; er führt neben dem Fluss hin durch ein ziemlich weites Thal, das aber eine starke Steigung hat und im Nordwesten an einer hohen isolirten Granitgruppe endet, welche den Namen der Piedra parada führt. Am Fuss derselben entspringt das gleichnamige Flüsschen und endet das Thal; eine steile Cuesta ist zu übersteigen, um von hier nach dem San Francisco-Pass zu kommen, und diese Cuesta führt vorerst in das Thal des Rio Casadero, welcher die obere Fortsetzung des Rio de Fiambalá oder Anillaco ist. Die nach Südwest ziehende Schlucht heisst die Quebrada de Couchuil; sie ist Anfangs eben so eng wie die Quebrada de la Troya und hat eine rapide Steigung; ihr Boden liegt voll grosser und kleiner Felsblöcke, durch die der Fluss sich rauschend Bahn bricht, und steile Wände eines röthlich-grauen, sandig-thonigen Sedimentgesteines schliessen sie zu beiden Seiten ein. Diese enge Strecke dauert 2 Leguas aufwärts, alsdann erweitert sich die Schlucht mehr und wendet sich in einem Bogen durch Westen nach Nordwesten, allmählich ganz in Nord übergehend. In der Gegend der Hauptbiegung des Thales und Flusses befinden sich sumpfige Niederungen, mit Algaroba-Gebüsch umgeben,

Wasserzufluss zu empfangen; er nimmt später den Namen Rio Jachal an und verlässt als solcher die Cordilleren in der Nähe des Donna Anna-Passes, etwa unter 29° 35 S. Br. Die von mir angegebene Passage durch das östliche Cordilleren-Plateau, welche zum Pass der Peña negra führt und durch die ich den Rio Salado gehen liess, ist in dieser Weise nicht vorhanden, sondern beruht auf einem Missverständniss meinerseits über Angaben, welche ich später in Chile erhielt, während mir mein ortskundiger Begleiter auf der Reise richtig gesagt hatte, dass der Rio Salado, nachdem er sich mit dem Rio blanco vereinigt habe, in den Rio Jachal falle, d. h., richtiger gesagt, derselbe Fluss sei. Wo der Rio Salado sich mit dem Rio blanco verbindet, weiss ich ebenfalls nicht genau, aber jedenfalls nördlich vom Come Cavallo-Pass, denn ich finde keine Angabe, dass man auf dieser Tour mehr als Einen Fluss, den Rio Salado, überschreite. Der Rio Salado bleibt nun in demselben engen Thale viele Leguas weit ohne wesentliche Zuflüsse und erhält den Namen Rio Jachal, wenn er aus dem Gebirge tritt, wo eine Ortschaft gleichen Namens an ihm liegt. Von da wendet er sich nach Südost und trifft später mit dem Rio Vermejo nördlich von San Juan zusammen. Für den oberen Lauf habe ich Nichts hinzuzufügen, er ist wie ich ihn in meiner Reise angegeben habe. Wahrscheinlich bezieht der westliche Rio Salado sein Wasser vom Vulcan de Copiapó und der östliche Rio blanco mit dem Arroyo desselben Namens das seinige vom Westabhange des Cerro Bonete, doch stehen mir darüber keine direkten Angaben oder Beobachtungen zu Gebote. Burmeister.

ganz wie weiter südlich bei der Cienega redonda am Rio de la Troya, welcher auch diese Örtlichkeit ihrer Beziehung zum Gebirge nach analog ist, denn sie ist nichts Anderes als die Fortsetzung desselben Thales zwischen den beiden Ketten des Famatina-Systemes, dem diese Weideplätze oder Alojiamentos angehören. Es führt sogar von diesem Alojiamento de Couchuil genannten Platze ein Weg in dem Thale südwärts weiter nach der Cienega redonda, um von ihr aus die Quebrada de la Troya zu passiren. Freilich würde auf diesem Wege die Ausführung eines Schienenweges auf dieselben Schwierigkeiten stossen wie in der Quebrada de Couchuil; die Strasse würde ohne bedeutende künstliche Nachhülfe weder hier noch dort sich ausführen lassen. Von Fiambalá nach dem Alojiamento de Couchuil sind 12 Leguas und letzteres liegt nach Ed. Flint 9778 Par. Fuss über dem Meere. Von Couchuil geht das Thal, welches südwärts zur Cienega redonda streicht, in gerader Linie nordwärts weiter und trennt hier wie dort die beiden Ketten der Fortsetzung der Sierra Famatina. Es ist bequem zur Reise aufwärts, hat eine ziemlich gute Vegetation von niedrigem Gebüsch, das neben Rasenflächen, die den Fluss begleiten, sich ausbreitet, und ist nirgends von steilen Stürzen unterbrochen. So kommt man an eine Stelle, wo an der östlichen Seite die hohe Granitmasse der Piedra parada steht, welche auch hier ins Thal hinüberstreicht und dasselbe wieder sehr einengt. Der Fluss bildet daselbst gewaltige Stürze, die mit Unterbrechungen eine geraume Strecke anhalten und ihn selbst an einer Stelle in zwei Schenkel theilen, indem er sich um zwei kleine Hügel mitten im Thal herumwinden muss. – Die Gegend der Piedra parada wird el Casadero genannt und eben so fortan der Fluss; sie ist 13 Leguas von Couchuil entfernt und liegt nach Hrn. Flint's Messung 11.000 Fuss über dem Meere. Von da bis zur Unterbrechung des Flusses durch jene Hügel sind 7 Leguas und seine Erhebung über dem Meere beträgt hier nach Hrn. Naranjo's Messung schon 12.000 Fuss. Auf diese kurze Strecke ändert das Thal ein wenig seine Richtung, es wendet sich aus Nord wieder nach Nordwest und geht oberhalb der Hügel aufs Neue in nördlicher Richtung weiter, wahrscheinlich weil diese Richtung die Fortsetzung des Thales zu sein scheint, worin weiter südlich der Rio Jagué fliesst, dessen Thal, wie wir wissen, die Grenze der eigentlichen Cordilleren und des Famatina-Systemes angiebt. Offenbar hat das weiter südlich nicht bemerkbare Zutagegehen des Granits als des Fundamentes des Famatina-Systemes diese Ablenkung oder vielmehr Unterbrechung in dem Lauf des Thales hervorgebracht und dadurch den Fluss, der nach der Richtung seines Thales dem Rio Jagué zufallen müsste, in diese

selbstständige Bahn durch das Famatina-System bis zur Ebene bei Fiambalá getrieben. Bemerkenswerth ist es übrigens, dass, wie Herr Naranjo bestimmt angiebt, die gewöhnlichen Reisenden über den San Francisco-Pass nie diesen längeren Weg durch die Gegend des Casadero und durch Couchuil wählen, sondern stets den kürzeren über den Kamm neben der Piedra parada durch das Thal des gleichnamigen Flusses, obwohl er wegen der rapiden Steigung der Kammstrecke hier höchst beschwerlich sein soll. Vom Casadero aufwärts ändert das Thal des nunmehr denselben Namen führenden Flusses seinen Charakter nur wenig; es hat stellenweis eine beträchtliche Breite, die zu 2 Leguas angegeben wird, und von Zeit zu Zeit Wiesengründe mit Gebüschen daneben, aber es kommen dazwischen auch wieder enge und steilere Strecken vor, die mit Rollsteinen und Blöcken überschüttet sind, während an den Gehängen und im Grunde mächtige Sandmassen eben so vorwiegen wie im Thal des Rio Jagué. Im Allgemeinen lautet Hrn. Naranjo's Bericht weniger günstig für den Bahnbau als der des Hrn. Flint, denn Ersterer sagt, dass die ganze 20 Leguas lange Strecke vom Casadero bis zum San Francisco-Pass etwa nur 6 bis 7 Leguas leicht praktikablen Weges darbiete, alles Übrige mit Geröll überschüttet und so uneben sei, dass die künstliche Nachhülfe bedeutend werden müsste. So kommt man, immer bergan gehend, an eine Stelle, wo zwei kleine Flüsse sich zum Hauptfluss verbinden; der eine, aus Norden kommend, führt den Namen des Rio San Francisco, der andere aus Westen heisst Rio Losas; an beiden führen Wege zum Kamm des Gebirges hinauf. Das Thal des Rio Losas ist kürzer, aber beschwerlicher wegen der schnelleren Steigung seines Bodens und der höheren Lage des Übergangspunktes über das Gebirge; es führt zwischen hohen Bergen zum Kamm hinauf und über ihn durch eine breite Schlucht bergab auf eine weite und flache Mulde oben auf dem Gebirgsplateau, an deren nördlichstem, tiefsten Rande sich ein ziemlich grosses Wasserbecken, die Laguna verde, befindet. Das Thal des Rio San Francisco ist die geradlinige nördliche Fortsetzung des Thales vom Rio Casadero und behält ganz dessen Charakter; es geht mit sanfterer Steigung und breiterem Bette aufwärts bis zu einer Stelle, wo der östliche Rand des Cordilleren-Plateau's erstiegen werden muss. Die Gegend umher zeigt viele Salzkrusten, hat aber noch immer stellenweis Wiesengründe und Strauchwerk; sie führt den Namen des Punto de San Francisco und liegt nach Hrn. Flint's Messung 12.446 Fuss über dem Meere. Das passt ziemlich gut zu meiner Messung an der Laguna brava des Weges über die Barranca blanca, wo ich auf halber Höhe der zweiten Stufe des CordillerenPlateau's mich 13.081 Fuss über dem Meere befand. Nachdem man den Rand über dem Punto de San Francisco erstiegen hat, kommt man auf eine Hochfläche, die mit grobem Gesteinsschutt überschüttet ist und sanft nach Westen bis zum Übergangspunkte ansteigt. Es ist diess die Fortsetzung des Plateau's im Süden, auf dem der Cerro Bonete steht; es trägt auch hier einen mächtigen Schneegipfel, den Cerro de San Francisco, der sich im Süden vom Wege, zwischen diesem Pass und dem des Rio Losas befindet. Der Boden ist sehr ungleich und die Anlegung der Bahn in dieser Höhe ohne Zweifel beschwerlich der starken Steigung wegen, denn nach einem Ritt von 4 Leguas ist man am Kammrande, welcher nach Hrn. Flint's Messung 15.021 Fuss hoch liegt, nach der Hrn. Naranjo's 14.991 F., – Angaben, die durch ihre grosse Annäherung beweisen, dass die Höhe des Passes keineswegs zu hoch angegeben sein dürfte. Offenbar befindet sich der Pass schon in der Region des beständig gefrornen Dunstniederschlags und seine Befreiung vom Schnee kann lediglich der Armuth dieser Atmosphäre an Wasserdunst und der Strahlung des täglich von der Sonne erwärmten Bodens zugeschrieben werden. Im Winter, vom Mai bis September, kommen hier heftige Schneestürme von Zeit zu Zeit vor, wie auf dem ganzen Cordilleren-Plateau, aber schon nach einigen Tagen ist der Schnee wieder geschmolzen, daher das ganze Jahr hindurch der Fahrbarkeit der Bahn von dieser Seite kein ernstliches Hinderniss zu drohen scheint. Nur in den Schluchten und am Fuss steiler Gehänge trifft man in dieser Gegend der Cordilleren den ganzen Winter durch Schnee, der stellenweis 15 Fuss tief liegen soll und sich noch bis in den Sommer hinein halten kann; aber ein förmlicher Schluss der Cordilleren-Pässe durch Schneefall, wie weiter südlich neben San Juan und Mendoza, ist in dieser Breite des Gebirges nicht zu fürchten. In der Nähe des Passes liegen südwärts vom Wege, in einer breiten Mulde zwischen dem Cerro San Francisco und der Passhöhe, eine Anzahl kleiner Salzlachen, welche der ebenfalls salzhaltigen Laguna brava am Wege zwischen dem Cerro Estanzuelo und Cerro Bonete analog zu sein scheinen und mir den Beweis liefern, dass diese ganze Strecke der Cordilleren geognostisch wie physikalisch einerlei Charakter besitzt und ganz genau in ihrer Beschaffenheit übereinstimmt. Auch Herr Naranjo gedenkt der Salzauswitterungen in dieser Gegend des Gebirges. Unmittelbar unter dem Pass tritt man in eine enge Schlucht, den Portezuelo de San Francisco, offenbar eine leere Wasserbahn, ein, die Anfangs nur 500 Schritt breit

ist und mit abnehmender Steigung und zunehmender Breite Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1864, Heft III.

gegen 5 Leguas weit bis zu der Mulde hinab führt, an deren nördlichem Rande die Laguna verde sich befindet. Sie ist mit Wiesengründen umgeben, welche die Reisenden zur Fütterung ihrer Thiere benutzen, aber Strauchholz fehlt gänzlich; nur die Wurzeln der in jener früheren Mittheilung von mir besprochenen, Cuerno de Cabra genannten Pflanze können als Feuerungsmaterial, da wo sie wächst, benutzt werden. In der Nähe der Laguna verde trifft der Weg über den Rio Losas-Pass wieder mit diesem über den San Francisco-Pass zusammen und beide gehen hier über ein völlig ebenes Plateau gegen 15 Leguas weit ununterbrochen nach Südwesten. Die Hochfläche, genannt el campo de las Tres Cruzes, liegt nach Hrn. Naranjo's Messung 14.002 Par. Fuss hoch; sie führt an den Rand eines Absturzes, der gleich dem vorigen von einer engen Schlucht eingeschnitten wird, die als Portezuelo de las Tres Cruzes bekannt ist. Hier fand Herr Flint noch 13.593 Fuss Erhebung; man steigt durch die Quebrada de las Tres Cruzes hinunter und trifft in derselben wieder viele Hindernisse wegen der Unebenheit des Bodens und der Gesteinstrümmer, die ihn bedecken. Auf halber Höhe entspringt ein kleiner Fluss, der Rio Llamas, der in der Richtung der Schlucht nach Süden fliesst und, obgleich er Zuwachs von mehreren kleinen Bächen erhält, doch nach einem Lauf von 2 Leguas am Ende der Quebrada sich im Boden verliert. Diese Gegend nennt man Tres Cruzes, sie erhebt sich am Ufer des Rio Llamas 11.930 Fuss über dem Meere (nach Hrn. Flint's Messung) und hat Wiesengrund nebst Gebüsch in seiner Nähe. Am Ausgange der Quebrada de las Tres Cruzes ist man wieder auf einer 7 Leguas breiten Hochfläche, wo einer Wegeanlage gar kein Hinderniss in den Weg tritt. Es entspricht dieselbe in ihrem Verhältniss zum übrigen Gebirge dem westlichen Cordilleren-Plateau, gleichwie die Quebrada mit dem Rio Llamas dem Thal des Rio Salado; letzteres bezeichnet die Grenze zwischen den beiden Hochflächen, der östlichen, die vom Punto de San Francisco bis zur Quebrada de las Tres Cruzes reicht, und der westlichen, die bei Tres Cruzes ihren Anfang nimmt. Besagte Hochfläche steigt von da sanft nach Westen an, welche Steigung besonders der zweiten westlichen Hälfte zufällt, und bildet an ihrem Anfange eine schwache Senkung, in welcher sich dermalen kein Wasserbecken, wohl aber ein ausgetrocknetes, die Laguna salada, befindet, deren dicker Kochsalzniederschlag hier gewonnen und auf dem Rücken von Eseln in 5 Tagen nach Copiapó geschafft wird. Hinter der Laguna nach Westen wird der Boden unebener und ist namentlich die zwei letzten Leguas sehr rauh und felsig, daher ohne Nachhülfe nicht sehr zur An

lage der Bahn geeignet. So gelangt man an den Rand 12

des westlichen Plateau's, das hier nach Flint's Messung wieder 13.022 Fuss über dem Meere hoch ist; man steigt einen steilen Abhang, la Cuesta de los Chilenos, dessen lineare Ausdehnung keine halbe Legua beträgt, hinunter und ist, unten angekommen, in einer engen Thalschlucht, deren Boden 11.724 Fuss hoch liegt; der Unterschied beträgt also 1300 Fuss. – Diese Stelle gewährt nach Hrn. Flint's Meinung das grösste Hinderniss für die Bahn; alle anderen Schwierigkeiten, wie die in der Quebrada de las Tres Cruzes, am Casadero und selbst die der Quebrada von Couchuil, lassen sich nach ihm eher überwinden, weil nirgends die Steigung so schnell und stark sein müsste wie eben hier. Alle solche Schwierigkeiten würden beim Bau dieser Bahn nicht grösser ausfallen als ähnliche auf anderen Bahnen, die bereits mit Erfolg überwunden worden sind. Das enge Thal, welches vom Fuss der Cordilleren ausgeht und das gebirgige Vorland Chile's durchschneidet, ist in seinem ganzen Verlaufe von hohen steilen Felsgehängen eingeschlossen, hat einen mehr oder weniger unebenen, von Trümmern und Felsjochen unterbrochenen Boden und keinen kontinuirlichen Wasserfaden in seiner Tiefe, sondern nur hie und da eine kleine Quelle (Manantiales) oder etwas Wiesengrund. Es streicht in südwestlicher Richtung mit mehreren starken Wellenbiegungen bis zu dem Wege und dem Thale, das von Tres Puntas nach Copiapó führt, und trifft bei Puquios mit denselben zusammen, von hier an eine mehr südsüdwestliche Richtung einschlagend. In seinem allgemeinen Charakter gleicht es ganz dem Thale des Rio Copiapó, d. h. der Boden und die unteren Gehänge sind sandig, die Höhen kahles und nacktes thonig-sandiges Sedimentgestein, hie und da von Eruptivmassen unterbrochen, welche die Sedimente streckenweis in sogenannte geschichtete Porphyre verwandelt haben. Diese Partie gehört der mittleren Strecke in der Gegend von Puquios an. Seine ganze Länge von der Cuesta bis nach Copiapó wird zu 36 Leguas angegeben, wovon 15 auf die untere Partie von Puquios bis Copiapó kommen. Die Schlucht, durch welche man den steilen Abhang der Cordilleren hinunter reitet, führt den Namen des Portezuelo de los Chilenos; am Ende derselben hat die erste 1 Legua lange Strecke des Thales noch einen sehr starken Fall, der Boden ist hier sehr uneben und die Bahnanlage hat daselbst grosse Grundarbeiten nöthig. Später wird die Steigung geringer, aber es tritt eine andere Schwierigkeit auf, d. h. ein niedriger Höhenzug in der Mitte des Thales, welcher dasselbe in zwei neben einander hinlaufende Schluchten spaltet; doch trifft man daselbst an mehreren Stellen kleine Quellen und Gebüsch. Eine Legua unterhalb des Punktes, wo die beiden Schluchten sich wieder

zum einfachen Thal verbinden, liegt die Station Maricunga, 9475 Fuss über dem Meere, es ist ein gewöhnliches Alojiamento der Reisenden, wo Wasser, Weide und Strauchholz sich findet; künstliche Steinbauten (Pircas) haben hier einige Bequemlichkeiten der einfachsten Art bereitet. Von da geht das Thal ziemlich geradlinig 4 Leguas weiter nach einer ähnlichen Stelle, die Tapiacitos heisst und 7850 Fuss hoch liegt; dann macht das Thal mehrere Krümmungen, bis man nach 5 Leguas in die Gegend des Minenwerkes (Molinas) von Paipote kommt. Eine Legua vor demselben liegt die erste Hütte mit Bewohnern, genannt El Bolo; es ist die einzige Ansiedelung auf der ganzen Strecke von Fiambalá bis hierher. Das Thal hat hier eine ziemlich günstige Beschaffenheit für den Bahnbau. Paipote ist gegenwärtig (1854) verlassen und liegt 5867 Fuss über dem Meere. Von hier bis Puquios sind 8 Leguas. Das Thal macht in dieser Gegend bis zur Quebrada de San Andres eine starke Krümmung nach Norden, bietet aber sonst keine erheblichen Schwierigkeiten dar. Eine Meile von Paipote ist ein Rancho mit Bewohnern, wo man Unterkommen findet. Diese erste Strecke ist die schlechteste für den Wegebau. In Puquios, wo die Quebrada de Paipote in das Thal von Tres Puntas einmündet, war früher eine Art Wirthshaus, das jetzt (1854) in Trümmern liegt, daher fehlt es an Futter für die Thiere, aber Wasser und Strauchholz sind vorhanden. Die Höhe der Stelle über dem Meere beträgt noch 3915 Fuss. Von da führt ein breites, aber sehr ödes Thal bis nach Copiapó (1 138 Fuss) und darin begegnet man keinen Schwierigkeiten mehr; die Bahn würde sich hier sehr leicht herstellen lassen. Was endlich die geognostische Beschaffenheit dieser Strecke der Cordilleren betrifft, so hat darüber Herr Ed. Flint einige Andeutungen gegeben, welche beweisen, dass das Gebirge sich völlig eben so verhält, wie ich es weiter südlich am Wege durch die Barranca blanca kennen gelernt habe. Die Hauptmasse sind röthliche oder bräunlichgraue thonig - sandige Sedimente, welche durch Verwitterung sich in hellfarbigen Sand auflösen, der den Boden aller Thäler und den Grund aller Gehänge, wo der Abfall nicht zu steil ist, bedeckt. Aber auf dem Plateau liegt Gesteinsschutt, der hauptsächlich von den Porphyr- und Trachyt-Kegelgruppen herrührt, die sich in Zügen über dasselbe ausbreiten und die oberen Ränder der Thalschluchten begleiten. Granit findet sich mächtig entwickelt im Thal des Rio Casadero neben der Piedra parada und westlich am Pik der Cuesta de los Chilenos. Über den Erzgehalt des Chilenischen Vorlandes sind genügende Nachrichten vorhanden, welche lehren, dass zahlreiche Gänge von Kupfer-, Silber- und Blei-Erzen diese westlichen Abhänge der Cordilleren durchsetzen, aber von der östlichen

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