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Bett ein leichtes, zum Zusammenlegen eingerichtetes Rohrgestell und eine Luftmatratze von Gutta-percha. „Was die Kost anbelangt, wenn eine Expedition von nur einem oder zwei Europäern ausgeführt werden soll, so verproviantire man sich in Europa vollständigst auf ein Jahr mit ungefähr denselben Gegenständen, die man auf einer Seereise bedarf, bei der man wenig Aussicht hat, das Land zu betreten. Man geniesse so wenig als möglich, besonders sei man mit dem Fleischgenuss vorsichtig. Bouillon von frisch geschossenem Wild mit eingebrocktem Schiffs-Zwieback würde ich für die zuträglichste, am leichtesten zu verdauende Nahrung empfehlen. Vor Allem aber schliesse man einen Vertrag mit dem Durst, man gewöhne den Körper nach und nach an das geringste Maass von Flüssigkeit, da gerade von dem, was man trinkt, oft Gesundheit und Leben abhängt. Das Trinkwasser unter den Tropen ist, wenn es auch noch so hell erscheint, doch stets in einem Zustand der Zersetzung, ein kühler Trunk doch nur während weniger Wochen des Jahres zu haben; man vermeide daher womöglich ganz, unversetztes und unabgekochtes Wasser zu geniessen, und ertrage lieber stundenlang den brennendsten Durst, als von dieser Regel abzuweichen. „Trifft man eine gesunde Quelle, so vergesse man nicht, sich mit Wasser zu versehen, bediene sich dabei aber nicht der Ägyptischen Schläuche, denn diese sind mit dem Kern der Koloquinte gegerbt, sie machen das Wasser ungeniessbar und geradezu für die Verdauung schädlich. Man versehe sich so reichlich wie möglich mit Französischem Rothwein, echtem Cognac und Englischem Porterbier; alle drei Spirituosa verändern sich nicht im Klima der Tropen und sind, mässig genossen, dem Körper zuträglich. „Da von Brod keine Rede sein kann, so ist der Reisende auf die Speise der Eingebornen, einen brodartigen Teig von Durha-Grütze, und auf den Schiffs-Zwieback, den er mit sich führt, angewiesen. Erstere Speise ist geradezu schädlich, letztere kann es werden, wenn der Zwieback allzu lange im trockenen Zustand genossen wird; der Magen verdaut ihn dann nicht mehr. „Der Genuss der Chokolade ist dem des Kaffee's und Thee's vorzuziehen. „Auch frische Milch, welche oft ein unendliches Labsal ist und von den Eingebornen ab und zu gastfreundlich gereicht wird, ist unter Umständen sehr schädlich; möchte sie nie ohne eine Zuthat von Cognac genossen werden. „Um kurz zu sein, die höchste Enthaltsamkeit und Nüchternheit ist zu empfehlen. Der Unterleib muss stets warm gehalten werden, der Kopf bedeckt. - „Der Europäische Reisende hat Nichts mehr zu befürchten als eine an Heimweh grenzende Gemüthskrankheit,

welche durch körperliche Leiden, die er sich meist aus Leichtsinn zugezogen, entsteht. Solche Gemüthsbeschaffenheit reibt ihn auf und lässt ihn entweder bald unterliegen oder stumpft ihn gänzlich ab und macht ihn zu körperlicher und geistiger Arbeit unfähig." Was Mangel an geniessbarem Wasser unter der sengenden Sonne Afrika's bedeutet, mussten die Reisenden bei dem viertägigen Zug durch das wellenförmige Steppenland der Samhar gründlich erproben, ja durch unvorsichtiges Trinken verdorbenen Wassers legten wahrscheinlich. Viele den Grund zu bald darauf eintretender Krankheit. Die eigenthümliche Vegetation der Samhar mit den ausgedehnten silberweissen Kameelgrasfeldern, den dunkeln SchoraBüschen, den Fächermimosen, Asclepias- und EuphorbiaArten wird uns auf dem sechsten und siebenten Bilde des Albums vorgeführt, während die beiden folgenden einen stattlichen Aufzug des Beherrschers der Samhar, des Naib von Arkiko, und seinen Besuch bei dem Herzog darstellen. Die Jagdbeute war nicht eben gross, aber der aufregende Anblick grösserer reissender Thiere, der zierlichen Antilopen, vielfacher neuer Formen der Vogelwelt belohnten die ausserordentliche Anstrengung, auch verlieh die Begegnung mit einem Stamm wandernder Schohos der Scenerie erhöhtes Interesse. Am 4. April erklomm der Jagdzug vom Brunnen SchaichMuhammed aus mit grosser Mühe den Abfall der Berge und sah sich wie mit Zauberschlag aus der öden Steppe in ein reizendes Alpen-Land versetzt, das trotz der trockenen Jahreszeit im Lawa-Thal einen fliessenden Bach, eine seltene Erscheinung in Afrika, darbot. Hier am Rande des belebenden Elementes entfaltete die Temperatur ihre ganze Üppigkeit. Das von dem Staub und der Hitze der Samhar schmerzhaft entzündete Auge weidete sich an dem saftigen Grün, der nach Kühlung lechzende Körper erfrischte sich wunderbar in dem Schatten der majestätischen Bäume, welche in dichten Gruppen den plätschernden Bach überragten. Auf den Zweigen wiegten sich Vögel aller Art, von dem kleinsten Afrikanischen Kolibri (Honigsauger) bis zu dem riesigen Ohrengeier, auch wurde in dem feuchten Sande ab und zu ein Leopard gespürt, seltener eine Gazelle oder Antilope. Rudel von Affen eilten mit lautem Geschrei die Abhänge hinauf und Klippdächse belebten die zerklüfteten Felsen, sogar Spuren eines Elephanten wurden entdeckt, zum Erstaunen der Reisenden, denn man konnte kaum glauben, dass wirklich ein so riesiges Thier in die steilen Berge sich gewagt habe. Später freilich sahen sie Elephantentrupps selbst auf den steilen Abhängen und höchsten Gipfeln der Hochgebirge um Mensa herumklettern. Das herrliche Thal, dasselbe, welches im Jahre 1857 A. de Courval und Graf Thürheim durchzogen haben!), erweiterte sich nach einiger Zeit, die Berge erschienen höher und erinnerten immer mehr durch ihre charakteristischen Formen an so manche der Tyroler Alpen. Es lag ein unendlicher Zauber in der Verbindung der AlpenLandschaft mit der Tropen-Vegetation. Das Gestein, Anfangs Granit, änderte sich ab und zu, es fand sich Thonund Glimmerschiefer, stark mit Quarz durchwachsen, und Gerstäcker meinte, dass es sich der Mühe lohnen würde, nach Waschgold zu suchen, da die Formation derjenigen in Kalifornien sehr ähnlich sei. Die Vegetation ward immer üppiger, Lianen und Schlingpflanzen aller Art überzogen die mächtigen Baumgattungen, die sonderbar gestaltete Kandelaber-Euphorbie, an den felsigen Abhängen in Menge vorhanden, nahm grössere Dimensionen an und in oft sehr empfindlicher Weise erschwerten dichte Büsche und Sträucher, auch hier wie anderwärts in Afrika meist mit Dornen besetzt, das Ansteigen in dem pfadlosen Gebirgsthal. Ganz oben verwandelte sich das Thal in eine enge Felsschlucht und unter unsäglichen Strapazen wurde am 7. April die Hochebene erklommen, die, wiederum von riesigen Alpen umgeben, die Hüttengruppen des muthigen Stammes der Mensa trägt. Nicht weniger als fünf Tafeln sind der Darstellung des Thales in seinen charakteristischen Partien gewidmet, sie geben eine vortreffliche Vorstellung von den VegetationsFormen und der ganzen Physiognomie jener Alpen-Landschaften, auch ist namentlich das eine Bild, „das Felsenthor", als recht gelungen zu loben. Das 14. führt bereits die Höhen des Beit Abrehe und den Eingang zur Hochebene von Mensa vor, die auf dem folgenden Bild mit dem Hütten- und Zeltlager der Expedition im Vordergrund erscheint. Der stattliche Gebirgszug, in dessen Gipfel das Plateau von Mensa gleichsam eingekeilt liegt, mag sich in den Theilen, welche von der Herzoglichen Expedition berührt wurden, zu einer Höhe von 9- bis 10.000 Fuss erheben. Die Berge sind bis an ihre Gipfel, wo nicht schroffe Granitplatten und steile Felswände jede Vegetation ausschliessen, bewaldet, zumeist mit Mimosen, Cacteen, Euphorbien und wilden Oliven-Bäumen. Oft findet man eine niedere Palmenart und einzeln stehende Adansonien. Die Hochebene selbst soll gegen 6000 Fuss über der Meeresfläche liegen und wird durch einen, von Granitblöcken überstreuten, niederen Hügelrücken, der quer hindurchläuft, in zwei Theile geschieden. Der eine derselben bildet eine wilde, mit Büschen dick bewachsene, sandige Fläche, oft durchschnitten und durchklüftet von gewaltigen Schluchten, eine

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Folge der häufigen Gewitterregen. Der andere zeigt besseren Boden und wird, unter Benutzung der vielfachen Niederschläge, von den Eingebornen mit Durha und Seifenkraut bebaut. Das Gebirge wechselt mit Glimmerschiefer und Granit; beide Gesteinsarten erscheinen an ihrer Oberfläche ziemlich zertrümmert und verwittert, daher die merkwürdige Bildung einzelner umherliegender Felsblöcke, nicht unähnlich dem Penha-Gebirge im südlichen Portugal. Von auffallenden Charakterpflanzen fand sich der wilde Oliven-Baum am meisten vertreten. Die Gegend ist durchweg reizend in ihrer Abwechselung und erinnert auch hier oft an die Tyroler Alpen. Das Dorf Mensa bildet zwei Gruppen von Niederlassungen (etwa 100 Hütten), ungefähr 500 Schritt von einander entfernt; sie lehnen sich an die beiden Ränder der Hochebene. Dicht hinter ihnen steigen die bewaldeten Felsenhänge noch kühn und urwaldähnlich empor, ein klarer Quell tritt zwischen riesigen Granitblöcken zu Tage und ringsum entfaltet das Gebirge seine ganze Pracht. Die Stelle war gut gewählt, da sie wohl der reizendste Punkt in dem Bereiche der Mensa ist. Aber die Freude an dieser tropischen Alpen-Welt musste ziemlich theuer erkauft werden. In den elendesten Laubhütten ohne jeden Schutz gegen die kühlen nächtlichen Winde, die das Thermometer auf 13“ R. herabsinken liessen, während am Tage bedeutende Hitze herrschte, namentlich ohne Schutz gegen die furchtbaren Gewitterregen, die sich jetzt einstellten und das ganze Lager überschwemmten, ohne jede Bequemlichkeit und unter harter Arbeit zur Herstellung eines besseren Obdaches wurden die ersten Tage und Nächte in Mensa hingebracht, ja ein grosser Theil der Reisegesellschaft lag bereits am Fieber fest darnieder. Andererseits gewährten jedoch die Jagd-Exkursionen, zum Theil unter Anweisung des Lazaristen-Missionärs Philippini ausgeführt, unendlichen Reiz und nicht ohne Interesse war auch das Leben und Treiben der Eingebornen, deren Ebenmaass der Formen und leichte, elastische Bewegungen bei einem nächtlichen Tanze in vortheilhaftester Weise sich entfalteten. Diesen Tanz und zugleich das Äussere der elenden Laubhütten der Dorfbewohner führt das 16. Bild vor, während das 17. das Innere einer solchen Hütte, das 19. die musi

- kalische und deklamatorische Osterfeier vor dem Schech

des Dorfes darstellt. Nach den Beobachtungen und Erkundigungen Dr. Hassenstein's kommt trotz der beträchtlichen Temperaturwechsel und des mangelhaften Schutzes dagegen bei den Eingebornen von Mensa keine Tuberkulose vor, eben so wenig bemerkte er Skrophulose, Rhachitis, Gicht und Hautkrankheiten, dagegen kamen öfter Amaurose, Conjunctivitis ohne

Granulationsbildung, Ceratitis, Trübungen der Cornea rheumatische Affektionen der Muskeln, Bronchitis, akuter Magenkatarrh und Dysenterie zur Behandlung. Gegen 30 Prozent der Frauen sollen im Wochenbett erliegen, wohl zum Theil eine Folge der vor gehöriger allgemeiner Entwickelung des Körpers eingegangenen Ehen; ausserdem soll die Sterblichkeit nur in den ersten Lebensjahren beträchtlich sein. Als die Gewitterregen nachliessen und die Kranken auf dem Wege der Besserung waren, trat der Herzog am 12. April mit den beiden Prinzen, dem Konsul Cameron, Reza Effendi und dem Naib die Weiterreise nach Keren im Lande der Bogos an, welches von vorn herein als äusserster Punkt bestimmt war. Der Weg ging Anfangs nordwestlich nach dem verlassenen Dorfe Belta, der Charakter der Hochebene verschwand allmählich, eine Hügellandschaft dehnte sich weithin aus und nach dem Überschreiten eines schwer zu passirenden Höhenzuges lagerte man am Flussbett des Ababa, der durch den Mahbar mit dem Ainsaba in Verbindung steht. Ein zweiter Höhenzug wurde am anderen Morgen überschritten, ehe man in das offene Hügelland kam, welches der Ainsaba durchschneidet. Die in den „Geogr. Mittheilungen" publicirte, oben citirte Karte der Bogos- und Habab-Länder, welche hauptsächlich auf den Arbeiten von Munzinger, Sapeto und A. de Courval beruhte, wurde für diese Strecke zwischen Mensa und dem Ainsaba mehrfach unrichtig befunden, leider fehlte es aber an Instrumenten und an Zeit, sie gründlich zu berichtigen. Die reiche Vegetation des Mensa-Thales war fast ganz verschwunden, die Bergrücken erschienen meist ganz kahl und nur an den Abhängen zeigten sich Mimosen und verkrüppelte Oliven. In den tieferen Thaleinschnitten dagegen wuchsen so riesige Exemplare von Affenbrod-Bäumen und Euphorbien, wie sie bis dahin noch nicht gesehen worden. Auch einzelne schöne Tamarisken und Tamarinden wurden ab und zu angetroffen. Die Granit-Formation des MensaGebirges veränderte sich hier ebenfalls zu Glimmerschiefer und einem mit Kiesel, Feldspath und Thonschiefer vermischten Gestein. Der Boden erschien, je mehr man von dem höheren Gebirgsland herabstieg, auch viel heisser und trotz des vielen Regens, der auch diese Gegend heimgesucht, zeigte sich doch beinahe nirgends grünes Gras. Etwa 2 Stunden jenseit des nicht unbedeutenden Dorfes Gabei-Alabu zieht sich das Flussbett des Ainsaba als dunkelgrünes Band malerisch zwischen das reiche braungelbe Gebirge hinein. Der Strom hielt noch etwa 24 Fuss Wasser und floss silberhell und reissend dahin. Seine Breite gleicht ungefähr der des Main bei Lichtenfels. In unendlichen Windungen sendet er sein klares Wasser durch das Gebirgsland und erquickt mit seinen zwei Mal im Jahre austretenden Fluthen, auf beiden Seiten des Ufers, etwa in Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1864, Heft II.

der Breite von 300 Schritt, die durstige Erde. So weit diess der Fall ist, zeigt auch der Boden die ganze Fülle der Tropen-Vegetation; wunderbar geformte Bäume, dicht mit Lianen überzogen, wechseln malerisch mit haushohem Schilf und dieses umgiebt wieder kleine grüne Flächen voll üppigen Blumenflors. Tausende von Vögeln aller Art bevölkern diesen schmalen Streif Erde, der gleich einer Oase meilenlang den Strom begrenzt, alle Thiere der Gegend kommen früh oder Abends zu ihm gewandert, um sich an seinen klaren Fluthen zu erquicken. Am Ufer des Ainsaba wurde ein Lager bezogen und von da aus dem Hauptdorfe der Bogos, dem unseren Lesern aus Heuglin's Berichten wohl bekannten Keren, ein kurzer Besuch abgestattet. Der Pater Stella erwies sich auch diess Mal als liebenswürdiger, über die Verhältnisse des Landes gern Auskunft gebender Mann und die christlichen Eingebornen kamen gleich den Mensa den Fremden mit aufrichtiger Freundlichkeit und Gastfreundschaft entgegen. In der Hoffnung, am Ainsaba grosses Wild anzutreffen, sah man sich getäuscht, der Wasserstand war noch so hoch, dass die Thiere überall auf und ab im Flusse Wasser fanden und sich deshalb aus der Nähe der Dörfer zurückgezogen hatten. Mit nur geringer Beute zogen daher die Jäger nach Mensa zurück, wo sie am 16. April von den zurückgebliebenen, inzwischen gebesserten Patienten mit Freuden begrüsst wurden. Am Abend des folgenden Tages berichtete ein erfahrener Jäger aus Keren, er habe mehrere Trupps Elephanten einige Deutsche Meilen von Mensa an den Abhängen des hohen Gebirgsstockes Beit-Shakhan ruhig weiden sehen und vermuthe, die verheerenden Gäste dürften die Gegend nicht so bald wieder verlassen. Die Aufregung über diese Nachricht war gross, nach wenigen Stunden Schlafs wurde in aller Frühe aufgebrochen und wirklich gelang es mit nicht geringer Gefahr und enormer Anstrengung, auf den 8- bis 9000 Fuss hohen Felsenhöhen des Beit-Shakhan, wahrscheinlich am Merrara-Berge, einen alten und einen jungen Elephanten zu erlegen. Diese interessante Jagd, welche den Elephanten als kühnen und gewandten AlpenKletterer kennen lehrte, ist in dem Reisewerk wie schon früher in der „Gartenlaube" in sehr lebendiger, anschaulicher Weise geschildert, auch auf Tafel 18 abgebildet; aber nicht nur die glückliche Jagd, auch die weite Aussicht, welche das Hochgebirge dort bot, gehört zu den Glanzpunkten in der Erinnerung an die Expedition. „Ein Panorama lag vor uns, wie ich es nur an wenigen Orten Tyrols und der Schweiz getroffen habe. Ein unabsehbares Meer grüner und brauner Berge, hier in den schönsten und weichsten Formen gelagert, dort wieder scharf gezeichnete Felsspitzen

in pittoresken Gestalten vorstreckend, bot sich unseren 9

Blicken. In weiter Ferne nach Osten bezeichnete ein goldener Streif die Fluthen des Rothen Meeres, nach allen übrigen Himmelsrichtungen reihten sich Gebirge an Gebirge, meist von gleicher Höhe. Das schwierige Besteigen jener Alpen wäre schon hinreichend durch die unbeschreibliche Aussicht belohnt gewesen, deren wir uns hier zu erfreuen hatten. Die Sonne war glühend, dennoch erfrischte uns ein kühler Luftzug und ausgestreckt im hohen Gras schwelgten wir in den Genüssen der Natur." Umlagert von der halben Bevölkerung und unter Ausdrücken des wahrhaften Bedauerns schied die Expedition am 20. April von Mensa. Dasselbe Thal, durch welches sie heraufgekommen, führte sie auch wieder nach der Samhar hinab, auch diess Mal nicht ohne Schwierigkeiten, zumal zahlreiche aus dem Flachland nach dem Gebirge zurückkehrende Viehheerden den schmalen Thalgrund noch mehr verengten. An Jagdabenteuern fehlte es nicht, mit den grossen Mantelaffen hatte man sogar ein hitziges Gefecht zu bestehen, da sie sich tapfer durch Steinwürfe vertheidigten. In der Samhar stellten Sonnengluth und Platzregen bei 30° Wärme die geschwächten Kräfte der Reisenden noch auf eine letzte harte Probe, auf kürzestem Wege erreichten sie aber schon am 23. April M'Kullu, wo die Zurückgebliebenen mit Muth und Ausdauer den Einflüssen des Klimas getrotzt und allen Unbequemlichkeiten unverzagt die Stirn geboten hatten. „Die Tage, welche wir hier verlebten," – so schrieb die Frau Herzogin in ihr Tagebuch – „waren keine Idylle in der Weise der lieben Heimath, es war für uns verwöhnte Kulturkinder Manches recht schwer zu überwinden; aber es war doch ein Stillleben voll von grossen Eindrücken und die Erinnerung daran möchte wohl Keiner von uns missen. Wer ein Mal im Schein der tropischen Sonne auf Himmel, Land und Meer geblickt hat, der wird die Farbenpracht der Natur und die gehobene Stimmung, welche sie dem Menschen verleiht, nie mehr vergessen. Was Licht heisst und glühende Farbenschönheit, das erfährt man erst im Süden. Und die Einwirkung dieser Fülle von Licht und Farbe, die grossen Kontraste, welche ohne Dämmerung, ohne das Nebelgrau der Heimath wie unvermittelt neben einander stehen und doch Bilder von wundervoller Schönheit geben, werden immer mächtiger, je länger man weilt, und umgeben das Leben des Tages mit einer Poesie, die mährchenhaft und fast bewältigend ist. Und in diesem Zauberlichte glänzt eine fremde Erdenwelt, denn Menschen, Thiere, Pflanzenformen, jeder Gegenstand, der an den Reisenden herantritt, trägt dazu bei, die Stimmung, welche die Landschaft hervorruft, zu erhöhen. Ungeachtet der Unsicherheit, welche der Europäer in dieser

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Wildniss empfindet, ist die Grundstimmung, welche dieses tropische Leben verleiht, doch eine erhebende Ruhe. Alles sieht grossartiger und einfacher aus und ohne Mühe kann man sich hier um Jahrtausende zurückdenken, in denen dasselbe Hirten- und Wanderleben war, dasselbe Geschrei der Thiere, dieselben Pflanzen an derselben Stelle, dasselbe Leuchten der Farben, eben so der Sand mit den Steintrümmern und dem weissen Gebein der gefallenen Thiere. Der Mensch vermag in der grossartigen Beständigkeit dieser Welt nur wenig."

Diess Leben unter Sonnenstrahlen, in fremdartiger Landschaft, war aber auch nicht ohne Abwechselung. Gar bald waren die Eingebornen, besonders die Kinder, zutraulich geworden, die katholischen Missionäre erwiesen sich artig und gefällig, die Offiziere der Englischen Kriegsschiffe kamen, der Pascha von Massaua stattete Besuche ab und selbst Dr. Schimper, der seit so vielen Jahren in Abessinien lebende Naturforscher aus Mannheim, reiste aus Adoa herbei, um die Tochter seines Fürstenhauses immer noch in echt Badischer Art und Sprechweise zu begrüssen. Ausserdem aber unterbrachen einige grössere Ausflüge das einförmige Leben zu M'Kullu, zunächst am 11. und 12. April eine Fahrt auf dem „Odin" nach der Insel Dessi und den Ruinen von Adulis, über welches letztere die Nachrichten bei den alten Schriftstellern in lichtvoller Weise zusammengestellt werden, sodann vom 17. bis 22. April nach den üppigen, heerdenreichen Thälern von Assus und Ailet am Fusse des Gebirges, wo eine herrliche Landschaft, ein reiches Thierleben und der Verkehr mit Schohos und Habab manchen Genuss boten.

Die letzten Tage in M'Kullu wurden dagegen durch glühende Hitze und furchtbare Gewitterregen, gegen die kein Schutz zu finden, noch sehr verbittert, und nachdem die „Victoria" am 26. April die Reisegesellschaft den Abessinischen Gestaden entführt hatte, stellte sich bei der Frau Herzogin und einem Theil der Begleitung, unter Anderen bei Dr. Bilharz, ein typhöses Fieber ein, welches zu längerem Aufenthalt in Kairo zwang und dem der viel verdiente Bilharz am 6. Mai erlag!). Erst am 21. Mai konnten die Rekonvalescenten die Heimreise antreten. Einen Ruhetag in Alexandria benutzte die Frau Herzogin zu einem interessanten, ausführlich beschriebenen Besuch in dem Harem des Vice- Königs; ausserdem wurde nur auf dem reizenden Korfu ein kurzer Aufenthalt gemacht und nach glücklicher, angenehmer Fahrt langten die Reisenden am 30. Mai in Triest an.

!) Siehe den Nekrolog in „Geogr. Mitth." 1862, S. 275.

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Dr. Alexander Ziegler schreibt uns: – „Mit dem Hylosterik-Barometer sind jetzt vielfache Versuche und Messungen hier angestellt worden, die im Ganzen befriedigend ausgefallen sind und keine sehr bedeutende Differenzen gegen die trigonometrischen Messungen ergeben haben. Vor Allem wünschte ich aber folgende Fragen vorzulegen: 1) Nach welchem Längenmaasse die Theilung des Hylosterik-Barometers (Preis 17 Thlr.) ausgeführt sei (ob nach Pariser Linien u. s. w.)? 2) Ob die Grade desselben mit den entsprechenden eines Quecksilber-Barometers verglichen seien? 3) Ob sie mit diesen übereinstimmten oder ob sie Unterschiede zeigten ? 4) Wenn Unterschiede vorhanden sind, ob diese immer dieselben blieben und wie gross sie seien? „Sie werden mir erlauben, über dieses interessante und jedenfalls sehr bequeme und handliche Messinstrument seiner Zeit Ihnen nähere Nachricht geben zu dürfen. „Und nun lasse ich noch einige sehr interessante meteorologische Beobachtungen über Coburg (ausgeführt durch Dr. Eberhard) folgen, die in dem von H. Schwerdt und Al. Ziegler in einigen Monaten erscheinenden „Reisehandbuch über Thüringen" mitgetheilt werden.

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willigt hat und dass somit die Ausführbarkeit des Unternehmens im Laufe dieses Sommers entschieden werden wird.

Literarisches über Kurdistan.

Die Strecker'sche Kartenskizze des oberen Zab - ala („Geogr. Mitth." 1863, Tafel 9) erfährt eine bedeutende Vervollständigung und Erweiterung durch die Karte eines Amerikanischen Missionärs, Rev. Coan („Map of Julamerg", 1862), von der uns Herr Dr. Blau von Trapezunt aus eine Kopie zu schicken die Güte hatte. Sie giebt den südlichen Theil der Strecker'schen Skizze von Baschkale an in grösserem Maassstabe und mit reicherer Nomenklatur, führt den Zab-ala von Dschulamerk abwärts bis in die Breite von Amadiah und enthält für seine Ufer wie für die Gegend zwischen ihm und den Quellen des Kleinen Zab eine Menge Ortschaften. Diese, wie wir glauben, noch unpublicirte Karte hält Dr. Blau „zur Vergleichung mit anderen Materialien zur Kartographie jener Gegenden für um so werthvoller, als Coan mehrere Jahre in Gawar bei Dise stationirt war und daher als Augenzeuge eine höhere Glaubwürdigkeit beanspruchen dürfte als die gesammelten Notizen Strecker's". Leider ist sie ohne Andeutung der Orographie.

Zugleich schrieb uns Dr. Blau, es liege ihm von Strecker eine neue, ausserordentlich sorgfältige Karte des Distriktes der Dersim - Kurden vor, die wahrscheinlich in England als Anlage zu des Britischen Konsuls Dalyell Werk über die Provinz Erzerum erscheinen werde.

In Bezug auf die Karte zu Dr. Blau's Reise vom Urumia- nach dem Van-See („Geogr. Mitth." 1863, Tafel 7) sind einige Berichtigungen nachzutragen. Am nördlichen Rande des Van-See's muss es heissen: Gelendschik statt Gelendschou; Choros statt Chorös; Stjepan statt Stjepen. Eben so ist im Nordwesten des Urumia-See's zu lesen: Majandschik statt Majandschir; Koroch statt Karoch; Aktschai statt Aktychai.

Notizen über Siam und Birma.

Einem Briefe des Herrn Dr. A. Bastian vom November 1863 entnehmen wir einige Notizen, die namentlich für die Kartographie der Hinter-Indischen Halbinsel von grossem Interesse sind.

„Ihr Schreiben traf mich in Bangkok, bis wohin ich meine Reise von Moulmain aus fortgesetzt hatte. Ich passirte das wüste Grenzgebiet zwischen Birma und Siam auf Elephanten, mit denen wir acht Tage lang in dichten Bergwäldern zu kampiren hatten, ohne bewohnte Plätze zu treffen, und erreichte dann den Menam-Fluss bei Raheng oder Yahaing, von wo wir in Booten uns hierher nach Bangkok begaben.

„Ihren Wunsch in Bezug auf Karten und geographische Broschüren zu erfüllen, werde ich für den Augenblick wenig thun können. Sie wissen, wie es in diesen Indischen Ländern ist. Die Bücher sind mit Fabeln und Wundergeschichten gefüllt, aber positive Data sucht man vergebens. In Britisch-Birma ist natürlich schon Mancher

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