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sich mitten in ihren erheben, die Landschaft wundersam versch. Zzernd,- Diese Ländereien besitzen den unschätzbaren Warthei, dass sie mit einem der besten Häfen der Welt, dem Carral, in bequemer Verbindung stehen, nicht nur durch den wasserreichen. Ca.eea.e-Fluss, der für kleinere Fahrzeuge bis nahe der Cordillere oder vielleicht sogar bis zum See von Rif ihue schiffbar ist, sondern auch durch einen seiner Nebenflüsse, den Rio de Cruces, und dessen zahlreiche Arme, die alle ruhig fliessen und Ebbe und Futh haben. Der einzige Übelstand, den diese Ländereien für die Kolonisation haben, ist, dass sie mit Ausnahme eines kleinen Theis zwischen den Füssen Calecale und Cayumapu nicht dem Fiscus gehören, aber da sie die Grenze gegen das Gebiet der wilden Indier bilden, von denen während der Zeit meines Aufenthalts in Valdivia schon unzählige Mal mit mehr oder weniger Grund Einfälle befürchtet wurden, so ist ein starker Grund vorhanden, von den Kammern ein Expropriations-Gesetz Behufs der Kolonisation zu verlangen. Vor 2 Jahren wurde der Regierung angezeigt, dass eine Kompagnie oder Gesellschaft 100.000 Cuadras Staatsländereien zum Preise von einem Peso die Cuadra zu kaufen verlangte, indem sie sich erbot, eine beträchtliche Anzahl von Familien binnen gewisser Zeit überzusiedeln. Obgleich diess Geschäft keinen Erfolg hatte, so hege ich doch nicht den geringsten Zweifel, dass die Regierung in sehr kurzer Zeit nicht nur den Verkauf der Staatsländereien, die ihr gegenwärtig Nichts einbringen, erzielen, sondern auch dem Lande eine bedeutende Anzahl arbeitsamer Einwohner verschaffen könnte, wenn ein Expropriations-Gesetz zu Stande käme. Ein solches Gesetz wäre ein Erforderniss unbedingter Nothwendigkeit, und wenn man den wenigen Bewohnern jener ausgedehnten Gefilde das zu ihrem Unterhalte nöthige Land liesse, so würde die Expropriation nichts Gewaltsames haben, sondern vielmehr eine Wohlthat sein, denn da die Ländereien hier einen so geringen Werth haben, so könnte die Abschätzung so hoch sein, dass die Eigenthümer sehr zufrieden wären, ohne dass deswegen irgend welchen Kapitalisten, die mit den Ländereien spekuliren und sie mit Ansiedlern besetzen wollten, die Preise unbequem erschienen. Die Expropriation würde also keinen Widerstand erfahren, wenn die mit der Abschätzung beauftragte Kommission, zu der einige hiesige achtbare Einwohner gehören müssten, mit Vorsicht und Klugheit zu Werke ginge.

*) In einer Notiz, die unter dem Titel „Bemerkungen über die Provinz Valdivia mit Bezug auf die Chilenische Kolonisation in jenen Gegenden" im Märzhefte der ,,Anales de la Universidad de Chile. vom Jahre 1850 (pp. 96–108) und fast zu derselben Zeit im „Araucano" veröffentlicht wurde, habe ich von einigen dieser Ländereien Nachricht gegeben und das Gesagte gilt in gleicher Weise von allen übrigen.

Die Abschätzung kann nicht ohne Messung geschehen, die auch in Betreff der Staatsländereien unumgänglich nothwendig ist, und so wird es nöthig, den Plan, wenn nicht der ganzen Provinz, doch wenigstens von dem Theil derselben aufzunehmen, wo sich die fraglichen Ländereien befinden, d. i. von dem Departamento de Valdivia und einem kleinen Stück des Departamento de la Union. Um auch den Plan der Seen von Panguipulli, Neltume und Nontüe mit ihren Abflüssen aufzunehmen, würde eine förmliche Expedition auszurüsten sein, die unter anderen intelligenten Personen auch einen oder einige Bergleute zählen und zur Bedeckung einige Truppen bei sich haben müsste, um den Indiern Respekt einzuflössen. Gerade die Indier von Panguipulli und besonders die von Shos-huenco, deren Gebiet man passiren muss, werden mit für die wildesten und übermüthigsten gehalten; ihr Kazike hat schon bei einer anderen Gelegenheit erklärt, dass er als Abkömmling der Pehuenchen Nichts mit dem Intendenten und Oberrichter der Provinz zu schaffen habe, und der Kauf des Landes von Champulli im Norden von San Pedro) durch die Siwas von Quinchilca hat schon zwei Mal grossen Tumult veranlasst. Zur Zeit, als wir den Riñihue-See befuhren, erschlugen die Indier in Panguipulli zwei ihrer Stammesgenossen wegen Hexerei und vor wenigen Tagen kam hier die Nachricht an, dass in Pucon jenseit Villarica ein Spanier, d. h. einer, der nicht Indier ist, ermordet worden ist.

Aus allen diesen Ereignissen und vielen anderen früheren kann man entnehmen, dass das Reisen unter jenen wilden Indiern immer höchst gefährlich ist und noch viel mehr, wenn sie wissen oder argwöhnen, dass es geschieht, um ihre Ländereien zu rekognosciren und aufzunehmen. Aber andererseits ist nicht der geringste Zweifel, dass wenn während der Dauer der von einem Piket begleiteten Expedition ein Bataillon in Valdivia oder an dieser Grenze verbliebe, ohne die geringste Belästigung oder Gefahr nicht bloss der jüngst entdeckte Pass, sondern auch die Villarica, ihre Minen und ihr vor Jahrhunderten schon gerühmter fahrbarer Pass untersucht werden könnten. Der daraus entstehende Gewinn für den Fortschritt der Republik wie für die Wissenschaft würde dieses Opfer mit Wuchervergelten.

Alle Berichte, die man hier über die Ländereien von

der anderen Seite erhalten, lauten höchst günstig für das Geschäft der Kolonisation. Wenn sich also die Regierung mit der von Buenos-Aires in Einverständniss setzt und beiderseits alle möglichen Vortheile für die Ansiedler so wie durch einige vorgeschobene Militär-Kolonien Schutz gegen die Indier geboten werden, so ist die Besorgniss durch

aus unzulässig, dass sich nicht sehr bald irgend eine Kom

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Reise des Herzogs Ernst von Sachsen-Coburg-Gotha nach Ägypten und den Ländern der Habab, Mensa und Bogos, 1862.

Als im Jahre 1860 Th. v. Heuglin ausgerüstet werden sollte, um durch eine Reise ins Innere von Nord-Afrika Aufklärung über Vogel's Schicksal zu erstreben und dessen Forschungswerk fortzusetzen, war es Herzog Ernst, der die Organisation und das Präsidium des Comité's übernahm, in wirksamster und erfolgreichster Weise für Beschaffung der Mittel sorgte und der Expedition auch durch Erwirken des Englischen und Türkischen Schutzes die Wege bahnte. Nach so vielseitiger und lebhafter Thätigkeit für das Zustandekommen des nationalen Unternehmens musste auch das Interesse des Herzogs an den Schritten und Erfolgen der Reisenden ein aussergewöhnlich intensives sein und so lag es in der Natur der Sache, dass er den Berichten Heuglin's über die grossartigen Gebirgslandschaften der Bogos und Mensa, das erste grössere Arbeitsfeld der Expedition, besondere Aufmerksamkeit schenkte und endlich zu dem Entschluss kam, selbst eine Reise dahin zu unternehmen. Dieser Entschluss wurde noch durch den Wunsch gefördert, über Manches genauere Nachrichten zu erhalten und von Ägypten und der Ostküste aus einiges die Expedition Fördernde zu vermitteln, auch kam dazu, dass jene Gebirgslandschaft als ganz ausserordentlich reich an mannigfaltigem Wilde geschildert wurde, das Waidwerk aber ist ein altes Erbe des Sächsischen Fürstenhauses und die Herren des Thüringer Waldes haben von je auf das Lob gehalten, wackere Schützen zu sein. Als der Entschluss einmal gefasst war, wurden die Vorbereitungen rasch getroffen und die Reise Ende Februar 1862 angetreten. Sie wurde eilig, ohne längeren Aufenthalt an einzelnen Orten, durchgeführt, schon Anfang Juni kehrten die hohen Reisenden in die Heimath zurück, aber eine überwältigende

Menge von Erlebnissen und Bildern einer fremden Welt

drängte sich in diesen kurzen Zeitraum zusammen und spiegelt sich in dem Prachtwerk wieder, in welchem die Reise-Eindrücke durch Schrift und Farbe niedergelegt wurden. Dieses Werk, in Atlas-Format auf das Geschmackvollste gedruckt und gebunden, ist kürzlich in der Arnoldischen Buchhandlung zu Leipzig erschienen. Beim Aufschlagen begegnet uns zunächst ein hübsch komponirtes Titelblatt in Farbendruck, den Aufbruch zu einem Jagdzug nach

Mensa darstellend; darauf folgt eine kurze Vorrede, das Verzeichniss der Reisegesellschaft, die Inhaltsangabe und ein 74 Seiten langer Text in zehn Abschnitten, grösstentheils aus der Feder des Herzogs, in den letzten Abschnitten auch der Frau Herzogin, während die ersten, welche die Reise nach Ägypten, auf dem Nil und durch das Rothe Meer bis Massaua beschreiben, Aufzeichnungen Gerstäcker's zur Grundlage zu haben scheinen. An den Text schliessen sich an 19 grosse, vom Maler Kretschmer nach der Natur aufgenommene und in J. G. Bach's Offizin zu Leipzig chromolithographirte Tafeln mit Erläuterungen, 4 auf einer Tafel vereinigte Photographien von Adulis, Assus, M'Kullu und Ailet nach Handzeichnungen und 2 Karten von Br. Hassenstein, nämlich eine Übersichtskarte der ganzen Reise in 1:9.000.000 und eine speziellere Karte der Gegenden zwischen Massaua und Keren in 1: 900.000, welche einige Berichtigungen der früheren Karten, namentlich in der Landschaft der Mensa, erkennen lässt. Das Ganze ist nach Inhalt und Ausstattung ein wahrhaft fürstliches Werk. Da die Reise in Betreff ihrer Veranlassung wie ihres Zieles mit der Deutschen Expedition in Zusammenhang steht und die Nachrichten ergänzt, welche wir durch die letztere von den nördlichen Grenzländern Abessiniens erhielten, so sehen wir es als unsere Pflicht an, ein Résumé des Werkes zu geben, selbstverständlich mit besonderer Rücksicht auf den geographischen Inhalt. Die Reisegesellschaft bestand aus dem Herzog, der Frau Herzogin, dem Fürsten Hermann Hohenlohe-Langenburg, dem Prinzen Eduard Leiningen, dem Flügel-Adjutant Major v. Reuter und Frau, dem Leibarzt Dr. Hassenstein, Fräulein Marie Messmer, dem Dolmetscher Reza Effendi, Dr. A. E. Brehm, der die zoologischen Ergebnisse der Reise in einem besonderen Buche bearbeitet hat, dessen Frau, Friedrich Gerstäcker, dem Maler Robert Kretschmer und einer Anzahl Kammerdiener, Lakeien, Jäger u. s. w. Während Dr. Brehm vorauseilend schon am 6. März in Massaua landete, um dort alles Nöthige für den Jagdzug in das Gebirge vorzubereiten, verliessen die Herrschaften und ihr Gefolge am 28. Februar Triest mit dem LloydDampfer „Archiduchessa Carolina" und gelangten, sich bald

an dem Anblick der malerischen Ufer des Adria und den

Blüthen des Frühlings auf Corfu ergötzend, bald unter heftigen Südwinden und Seekrankheit leidend, am 6. März unter dem Salutiren Englischer Kriegsschiffe und den donnernden Grüssen der Ägyptischen Citadelle in den Hafen von Alexandria. Nur ein Nachmittag wurde auf die Besichtigung dieser noch halb Europäischen Handelsstadt verwendet und schon am nächsten Abend logirten sich die Reisenden in einem Gartenpalast des Vicekönigs in Kairo ein, nachdem sie auf der Eisenbahn die reich bebaute Ebene des Nil-Delta's mit ihren verfallenen, unsauberen Städten und elenden Lehmdörfern durchschnitten. In Kairo boten die Moscheen und Basare, die Plätze und Gassen, die Citadelle mit ihrer berühmten Rundsicht, vor Allem das echt morgenländische Leben und Treiben neue Eindrücke in Fülle, aber auch hier konnte der Aufenthalt nur kurz sein. Das Englische Kriegsschiff „Odin“, welches die Reisenden nach Massaua bringen sollte, wurde mit der Japanischen Gesandtschaft an Bord schon bald in Sues erwartet und die Zwischenzeit sollte auf den Vorschlag des Vicekönigs mit einer Nil-Fahrt ausgefüllt werden. Am Vormittag des 9. März trug der prächtig ausgestattete kleine Dampfer „Krokodil" das Herzogliche Paar und dessen Begleitung vom Kasr en Nil aus flussaufwärts, zum ersten Male spiegelte sich die weiss-grüne Flagge Sachsens in den Fluthen des alt berühmten Stromes. Die Fahrt ging rasch von Statten, Aufenthalt wurde ausser des Nachts nur an wenigen Punkten gemacht, so bei Siut, dem ein flüchtiger Besuch abgestattet wurde und wo ein heftiger, glühend heisser Chamsin das Schiff einen Tag lang aufhielt, und bei Kenneh, wo die Besichtigung der gegenüber liegenden Tempelruinen von Denderah einen Vorschmack der Wunder gab, welche die Expedition auf dem Trümmerfelde von Theben erwarteten, und bereits am 16. März legte der Dampfer bei Luxor an, welches den südlichsten Endpunkt der Nil-Fahrt bilden sollte. An demselben Abend traf der Prinz von Wales, von Assuan zurückkommend, mit drei Dampfern daselbst ein, und so gross auch die Zahl der Reisenden ist, welche alljährlich hierher wallfahrten, so hat doch wohl selten eine so stattliche Flottille von Dampfern und Barken sich bei der alten Stadt des Sesostris versammelt als an jenem Abend. Eine Illumination, am hohen Nil-Ufer durch Feuerkörbe veranstaltet, in deren grellem Schein die braunen neugierigen Gruppen seltsam von dem tiefblauen Nachthimmel abstachen, machte eine höchst malerische Wirkung. Die beiden folgenden Tage wurden den berühmten Ruinen, Monumenten und Grabstätten gewidmet. Das Album erinnert an diese kurze, aber genussreiche Zeit, indem es auf dem ersten, zugleich einem der gelungensten Bilder eine Halle des PharaonenPalastes Medinet Habu, auf dem zweiten das Nil-Ufer

bei Luxor und auf dem dritten einen Besuch des Prinzen von Wales auf dem Herzoglichen Dampfer darstellt, was zugleich Gelegenheit gab, die Hauptpersonen der Reisegesellschaft in grösseren Figuren und deutlich erkennbaren Am 17. trat der Dampfer die Rückfahrt an und begünstigt von Strömung und gutem Wind erreichte er schon am 20. Kairo. War die Fahrt auch nur eine flüchtige gewesen, so hatte sie doch erlaubt, den allgemeinen Charakter und die wesentlichen Eigenthümlichkeiten des Nil-Thals innerhalb Ägyptens, den Kontrast und doch auch wieder die Ähnlichkeiten zwischen der alten und neuen Zeit daselbst kennen zu lernen. Ein Erlebniss in Benisuef gab Gelegenheit, einen Blick in die primitiven Zustände der Ägyptischen Rechtspflege zu werfen. Dort schafften 25 bis 30 Kettensträflinge Kohlen an Bord, während die Reisegesellschaft an luxuriöser Tafel in heiterster Stimmung versammelt war. Es bedurfte keiner Empfindsamkeit, um das Schneidende dieses Gegensatzes zu fühlen, Alle waren ernst geworden und namentlich die Frau Herzogin war tief ergriffen und sprach ihr inniges Mitleid mit den armen Menschen aus. Durch Vermittelung des Englischen Vicekonsuls, der sich an Bord befand, erklärte der Gouverneur des Ortes alsbald, da die Herrschaften Gäste seines Gebieters seien und zu wünschen schienen, dass die Gefangenen die Freiheit erhielten, so sollten sämmtliche Kettenträger ohne Verzug frei sein, und in der That dankten am anderen Morgen die Freigelassenen mit lautem Jubel ihren Wohlthätern. Eine in physikalisch-geographischer Beziehung interessante Beobachtung wurde in Girgeh gemacht: „Während Girgeh früher mindestens einen Flintenschuss vom Flusse entfernt lag, erhebt es sich jetzt unmittelbar über demselben und ein Theil der Häuser ist bereits mit fortgespült. Eine hübsche Moschee hatte von dieser Aggression des Stromes ebenfalls stark gelitten u. s. w. Auffallend ist, dass namentlich die Städte am linken Ufer von dieser Unterwühlung bedroht sind, und man könnte dabei wohl – das Wie bleibe Geographen von Fach zu erklären überlassen – an die Drehung der Erde denken." Diese Beobachtung widerspricht dem allgemeinen Gesetz, welches K. E. v. Baer aus seinen gründlichen Untersuchungen abgeleitet hat. Das fliessende Wasser, wenn es vom Äquator gegen die Pole sich bewegt, bringt eine grössere Rotations-Geschwindigkeit mit, als den höheren Breiten zukommt, und drängt deshalb gegen die östlichen Ufer, weil die Rotations-Bewegung nach Osten gerichtet ist, also auch dieser kleine Überschuss, welchen das fliessende Wasser aus niedrigeren Breiten in höhere mitbringt. Umgekehrt wird ein fliessendes Wasser, das mehr oder weniger

Portraits zu gruppiren.

von den Polen nach dem Äquator sich bewegt, mit geringerer Rotations-Geschwindigkeit ankommen und also gegen das westliche Ufer drängen. In der nördlichen Erdhälfte ist aber für die Flüsse, die nach Norden fliessen, das östliche Ufer das rechte und für Flüsse, die nach Süden fliessen, das westliche ebenfalls das rechte. Auf der nördlichen Halbkugel muss also an Flüssen, die mehr oder weniger in der Richtung des Meridians fliessen, das rechte Ufer das angegriffene, steilere und höhere, das linke das überschwemmte und deshalb verflachte sein. Umgekehrt muss auf der südlichen Halbkugel das linke Ufer das hohe und das rechte das flache, überschwemmte sein. Hiernach haben wir also beim Nil ein Drängen des Wassers nach der rechten oder östlichen Seite zu erwarten und in der That sagt v. Hoff in seiner „Geschichte der durch Überlieferungen nachgewiesenen natürlichen Veränderungen der Erdoberfläche" ausdrücklich: „Das Bett des Nil rückt in Ober-Ägypten allmählich nach Osten vor", wie ja auch die Karten deutlich zeigen, dass das Bett des Flusses innerhalb Ägyptens am Ostrande des Thales sich hält. Man hat es also bei Girgeh und anderen Orten offenbar mit lokalen Ausnahme-Verhältnissen zu thun, und zwar kommt dort vielleicht die bekannte Regel zur Anwendung, dass bei den Krümmungen eines Flusses das Wasser an der konvexen Seite der Krümmung stärker fliesst und das einschliessende Ufer angreift, während an der konkaven Seite die schwache Strömung das Absetzen der Sedimente, die das Wasser höher oben mitgenommen hatte, begünstigt. Fast gleichzeitig mit der Ankunft des „Krokodil" in Kairo erfolgte die des „Odin" in Sues. Es blieb eben nur so viel Zeit, die Pyramiden zu besuchen und noch einige Vorbereitungen für die Weiterreise zu machen, ehe die Expedition, verstärkt durch Dr. Bilhartz und den Österreichischen Konsul Gerhard, am 24. März mittelst Extrazuges in 4 Stunden durch die Wüste nach Sues fuhr und dort am nämlichen Tage auf dem „Odin“ sich einschiffte. Die Arbeiten am Sues-Kanal wurden somit nicht besichtigt, aber Erkundigungen darüber eingezogen und das Urtheil, welches sich hieraus ergab, ist von allgemeinerem Interesse. Die Ausführbarkeit des Kanals wird jetzt weniger bestritten als früher, dagegen erklären die Urtheilsfähigen in ganz Ägypten, so weit sie nicht Franzosen sind, der Kanal könne auf keine Weise rentiren, und fast will es scheinen, als werde auch gar nicht so ernstlich an die Vollendung des Werkes gedacht. „Fast allgemein nimmt man an, dass aus dem grossartigen Projekt einer Durchstechung des Isthmus von Sues in einiger Zeit als des Pudels Kern der weniger glänzende, aber immerhin recht nützliche, für Ägypten vielleicht, für Herrn v. Lesseps und für den, der

hinter ihm steht, jedenfalls nützliche Plan einer Bewässerung und damit einer Kultivirung des jetzt grösstentheils wüst liegenden Wadi Tumeilat, der Strecke zwischen Zakazik am Damiette-Arm des Nil und dem sogenannten Timsah-See, hervorgehen wird. Die Direktion der IsthmusKanal-Gesellschaft hat hier im Wadi Tumeilat sehr beträchtlichen Grundbesitz erworben, indem sie gewisse, früher Ibrahim Pascha gehörige Ländereien käuflich an sich gebracht hat. Massen von Franzosen haben sich hier so wie in Port Said, Zakazik und Damiette niedergelassen und diese stehen sämmtlich statt unter Ägyptischem Gesetz unter Jurisdiktion des Französischen General-Konsuls. Eben so entzieht sich die sehr beträchtliche Zahl der bei Ausgrabung des Kanals beschäftigten einheimischen Arbeiter der Autorität der viceköniglichen Regierung. Auf dem von der Gesellschaft bewässerten und in Kultur gebrachten Lande, welches an Grösse manchem kleinen Fürstenthum gleich kommt, schaltet dieselbe als unumschränkter Grundherr. Endlich hat auch die Koncessions-Urkunde eine höchst bedenkliche Unklarheit, indem sie Nichts über den Fall enthält, dass der Isthmus-Kanal nach Ablauf der für seine Vollendung festgesetzten sechs Jahre nicht oder nur theilweis fertig ist. Nach dem Wortlaut der Urkunde bleiben Herr v. Lesseps (bekanntlich ein Verwandter des Kaisers der Franzosen) und seine Aktionäre, unter denen allerdings Said Pascha mit 85 Millionen Franken mehr als die Hälfte der Aktien gezeichnet hat, auch dann im Genuss der ihnen zugesicherten Privilegien, und da diese 99 Jahre gelten und letztere erst von dem Tage der Eröffnung des grossen Kanals an datirt werden sollen, so braucht die Französische Kolonie, als welche die Gesellschaft des Vetters Napoleon's des Dritten betrachtet werden muss, jenen Kanal nur unvollendet zu lassen, um, wenn die grosse Politik ihre Rechnung nicht stört, sich ihrer Rechte, die auf vollständige Unabhängigkeit von der viceköniglichen Regierung hinauslaufen, für alle Zeit zu erfreuen. Was das bedeutet, ist eben nicht schwer zu errathen. Die Aktionäre stehen erst in zweiter Linie, Frankreichs Politik am Mittelmeer hat ganz unvermerkt eine neue Position gewonnen, in Ägypten, auf dem nächsten Wege zwischen England und seinen wichtigsten Kolonien, festen Fuss gefasst und werthvolle Rechte erworben. Wird der Kanal wirklich fertig, so wird er, der Schlüssel zu Indien, in hundert Jahren weniger eins faktisch ein Besitzthum der Franzosen sein. Bleibt er unvollendet, so hat Frankreich sich in jener Kolonie im Wadi Tumeilat rechtlich für immer ein schönes Stück von Ägypten gesichert und damit eine Fülle von Gelegenheiten zur Einmischung in die Verwaltung des Ganzen." Nach einer nichts Ungewöhnliches bietenden Fahrt legte sich, wie wir diess auf dem vierten Bilde dargestellt finden, der „Odin" am 29. März bei Massaua neben der DampfFregatte „Victoria" vor Anker, welche von der Britischen Admiralität dahin beordert war, um der Herzoglichen Expedition während ihres Aufenthaltes an der abgelegenen Küste Schutz zu leisten und sie später nach Sues zurückzuführen. In Massaua betrat die Expedition das eigentliche Feld ihrer Thätigkeit, diese wichtige Hafenstadt musste den Ausgangspunkt für die Reise in die Samhar und nach den Gebirgsländern der Mensa und Bogos abgeben. Alsbald machten sich neben der Freude an der neuen, urwüchsigen Tropenwelt jene vielfachen Bedenken, Unannehmlichkeiten und Hindernisse geltend, mit denen das Reisen in uncivilisirten heissen Ländern unzertrennlich verbunden ist. Zwar war für Vieles gesorgt worden und es fand sich in M'Kullu, der bekannten Missions-Station unfern Massaua, ein erträgliches Unterkommen für die Frau Herzogin in dem neu erbauten, auf dem fünften Bilde recht romantisch sich ausnehmenden Strohhaus des Englischen Vicekonsuls Walker, beschützt von einer Matrosenwache des „Odin“, aber es galt denn doch, allem gewohnten Comfort zu entsagen, Hitze, Ungeziefer und sonstige Plagen der Tropen zu erdulden, und diess auf Wochen hinaus. Anziehend und ergötzlich sind die lebhaften Schilderungen von dem wirren Durcheinander der ersten Tage, dem resignirten Sichfügen in das Unvermeidliche. Endlich war das Nothwendigste geordnet und der Zug nach dem Gebirge setzte sich am 1. April in Bewegung. An ihm nahmen der Herzog, Prinz Leiningen, Fürst Hohenlohe, Dr. Brehm, Gerstäcker, Dr. Hassenstein, Maler Kretschmer, Reza Effendi, einige Jäger und Diener Theil, auch schlossen sich noch an der Englische Konsul Cameron, Baron Van Arkel d'Ablaing (derselbe, der später die Tinne'sche Expedition auf dem Bahr el Ghasal mitgemacht hat), ein Deutsch-Ungar Namens Wagner, ehemaliger Diener Munzinger's und in Mensa ansässig, und zwei Deutsche Handwerksburschen, Schweizer und Schiller, die auf Irrfahrten bis Abessinien verschlagen waren, nebst gegen 40 Eingebornen, während die übrigen Glieder der ursprünglichen Reisegesellschaft mit der Frau Herzogin in M'Kullu zurückblieben. Mit der Literatur über die Landschaften, auf deren Besuch es vorzugsweise abgesehen war, hatten sich die hohen Reisenden schon vorher eingehender beschäftigt, wir finden daher gleichsam zur Orientirung einen historischen Exkurs über die Abessinien im Norden vorlagernden Gebiete und ihre Bewohner der Beschreibung des Ausflugs vorangestellt. Es fehlt uns der Raum, um diese lehrreichen Seiten, die zum Theil auf Munzinger's, Sapetos und

v. Heuglin's Forschungen beruhen, zu reproduciren, dagegen lassen wir zum Nutzen künftiger Afrika-Reisenden die Rathschläge folgen, welche der Herzog in demselben Abschnitt in Bezug auf die Ausrüstung zu Afrikanischen Expeditionen und das Regime während derselben giebt. „Dem Europäer treten in dem Lande, das wir betreten sollen, zwei Schwierigkeiten entgegen: der Einfluss des Klima's und die Erlangung auch nur der nothdürftigsten Nahrungsmittel. Klima und Kost haben einen nicht hoch genug anzuschlagenden Einfluss auf den Körper und die Stimmung des Europäischen Reisenden, um so mehr, wenn er nicht, wie es bei Vielen von uns der Fall war, an Mühseligkeiten und Strapazen, Abhärtungen und Entbehrungen gewöhnt ist und wenn von Beginn an in ihm nicht der feste Wille obwaltet, alle bevorstehenden Drangsale auf das Gemüth nicht einwirken zu lassen. Die versengenden Sonnenstrahlen des Tages, die bald trockenen heissen, bald feuchten warmen, bald nasskalten Nächte müssen, wenn nicht kluge Vorkehrungen getroffen sind, schnelle Krankheiten, wenn nicht den sofortigen Tod, zur Folge haben. Der fast allgemeine Mangel an Wasser oder wenigstens an geniessbarem Trinkwasser, der Umstand, dass nirgend eine labende Frucht, ein das Blut kühlendes Gemüse zu finden ist, dass also ausschliessliche Fleischnahrung geboten wird, bringt eine vollkommene Erschütterung des ganzen Lebensorganismus hervor bei einem Körper, der, wie es bei den meisten Europäern der Fall ist, an Flüssigkeiten aller Art gewöhnt und eben so sehr auf vegetabilische als animalische Kost angewiesen war. Auch die kräftigste Konstitution wird unterliegen, wenn nicht Sorge getragen ist, jenen Einwirkungen wenigstens einigermaassen zu begegnen. Ich verweise auf die Berichte aller jener grossen Reisenden in dem Kontinente Afrikas. Stets dieselben Klagen und der Verlust so manchen Menschenlebens! Um dem Einfluss des Klimas zu begegnen, rathe ich, nie unbedeckten Hauptes sich den Sonnenstrahlen auszusetzen. Ein Gleiches gilt von den Nächten. Ich rathe dem Reisenden, sich eines jener doppelten Filz-Helme zu bedienen, die in England für Indien gemacht werden und in vielen Läden London's und jetzt auch in Kairo und Sues zu kaufen sind. Ist man nicht gezwungen, in der Mittagsstunde auf dem Marsch zu sein, so verlasse man nur in den ersten Stunden nach Sonnenaufgang und in den letzten vor Sonnenuntergang schattige Plätze. Die Tropen-Sonne um Mittag ist für das Blut des Europäers Gift, der Sonnenstich die grösste Gefahr des Reisenden. „Man vermeide so viel als möglich, auf der blossen Erde zu liegen und im Freien ohne Zelt zu schlafen. Zu empfehlen sind die in England gemachten Jagdzelte, für eine, zwei oder drei Personen berechnet; als Surrogat für das

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