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wagte nie zu schreiben. Auch sogar seine reichen Notizen machte er nur verstohlen, gelegentlich gewisser Bedürfnisse, da solchen Falles sich nie ein Orientale der Person naht, welche er mit über den Kopf gezogenem Mantel sitzen sieht. Er entwarf seine Notizen mit Bleistift, Mongolisch geschrieben, nahm sogar ganze Karten und Situations-Pläne auf, welche Papiere er zugleich sorgsam in seinen Mantel einzunähen hatte, der dadurch zuletzt so schwer wurde, dass er bei jedem Schritt fürchtete, sich zu verrathen. Auf dem Rückwege sprach er auch beim Schah von Persien vor, gab sich zu erkennen, ward sehr human aufgenommen

und erhielt 500 Dukaten nebst dem Sonnen- Orden. In Konstantinopel ward er sofort vom Englischen Konsul in Beschlag genommen und nach London expedirt. Er ging über Pest, wo ihn die Akademie feierlich empfing, über Wien, wo er Sr. Maj. vorgestellt und von Graf Rechberg zu Tische geladen wurde; auch trug man ihm ein Professorat an der Orientalischen Akademie an. In London wurde er besonders ausgezeichnet von Murchison und der Geographischen Gesellschaft empfangen, Palmerston und Russell, dem Prinzen von Wales u. s. w. vorgestellt.

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Geographische Notizen,

Die Manna der Israeliten.

Es ist in neuester Zeit, namentlich durch Sir Rod. Murchison, die Vermuthung ausgesprochen worden, die Essbare Flechte (Parmelia esculenta, Sprengel) möchte die Manna gewesen sein, von der sich die Israeliten beim Auszug aus Ägypten 40 Jahre lang fast ausschliesslich genährt haben sollen. Wenn nun auch diese Flechte, die zuerst Pallas unter dem Namen Lichen esculentus beschrieben, in NordAfrika einschliesslich der Sahara, in Persien und an den Ufern des Schwarzen Meeres sehr gewöhnlich ist, hie und da selbst als Nahrungsmittel benutzt wird und ihr Niederfallen in grosser Menge öfters beobachtet worden ist, so unter Anderem von Eversmann in den Kirgisen-Steppen, 1829 bei Urumiah, 1846 bei Jenischehr, 1864 bei Charput nordwestlich von Diarbekir, so bleibt doch die frühere und allgemeinere Ansicht, dass Tamarix Gallica var. mannifera mit Hülfe des Insektes Coccus manniparus, Ehrbg., die Manna der Israeliten lieferte, die wahrscheinlichere. Wie Berthold Seemann im „Reader" (13. August 1864) und W. Houghton ebendaselbst (20. August 1864) bestätigt, passt das Exsudat von Tamarix Gallica von allen Manna-Arten bei weitem am besten auf die Beschreibung im Exodus, manche daselbst angeführte Eigenschaften freilich wird man bei keinem irdischen Stoff finden, z. B. dass sie jeden Tag der Woche ausgenommen am Sabbat herabkam, dass sie in der Woche nach zweitägigem Aufbewahren ungeniessbar wurde, am Sabbat aber nicht.

Zustände in Abessinien.

Es ist bekannt, dass der Französische Konsul in Massaua, der um die Geographie von Nordost-Afrika hochverdiente G. Lejean nach längerem Aufenthalt in Abessinien vom Kaiser Theodor gefangen gesetzt wurde und nach seiner Freilassung der Englische Konsul Cameron ein gleiches Loos erfuhr. Auch ist durch die Zeitungen die Misshandlung des Missionär Stern und einiger seiner Kollegen zur Kenntniss gekommen. Über diese barbarischen Zustände des von der Natur so herrlich ausgestatteten Abessiniens schrieb uns kürzlich Lejean:

„Ich werde Ihnen Nichts von meiner Odyssee erzählen, aber ich will sagen, dass die Zustände Abessiniens in

einer höchst ernsten Phase sich befinden, und ich fürchte sehr, dass durch die Indifferenz Europa's dieses bewundernswürdige Land und dieses interessante Volk auf immer verloren sind. Theodor II. verfällt aus einer Thorheit in die andere, aus einem Verbrechen ins andere. Gondar ist ohne ernstlichen Grund geplündert, ein Englischer Missionär (Stern) ausgepeitscht worden, mehrere Deutsche und Englische Missionäre schmachten in Ketten, eben so der Englische Konsul, ganze Provinzen, nicht einmal aufständische, werden mit Feuer und Schwert verwüstet und die natürliche Folge davon ist der bewaffnete Aufstand überall in Woggara, Takade, Schoa, Godjam und um Adua. Der Handel stockt gänzlich, die Karawanen kommen nicht mehr nach Massaua, seit 7 Monaten habe ich keinen einzigen Brief von meinen Freunden im Inneren von Abessinien erhalten. Es betrübt mich, einen Mann von wahrem Genie, der geboren zu sein schien, um das Abessinische Reich zu regeneriren, auf solche Weise enden zu sehen."

Vorstudien zu Eisenbahnen im Ägyptischen Sudan.

Der Bau von Eisenbahnen am oberen Nil, von dem schon in den Zeitungen die Rede war, ist nicht leeres, prahlerisches Projekt, es sind vielmehr zu diesem Zweck schon ernstliche Vermessungen ausgeführt worden. Wie uns Herr G. Lejean schreibt, hat Hassan-Bey-Damiáty, ein Zögling der Polytechnischen Schule zu Paris und sehr tüchtiger Ingenieur, die ganze grosse Linie von Korosko über Berber, Chartum und Kassala nach Suakin aufgenommen und ausserdem noch zwei Linien, nämlich von Suakin nach Berber und von Berber längs Bruce's Route von 1772 nach Assuan. Lejean selbst half die Strecke zwischen Kassala und Togoy (auf der Route nach Suakin, 6 Stunden jenseit Fakeda-tanyan oder Fakedol Burckhardt's) mit der Messkette aufnehmen. Er hofft den Vicekönig von Ägypten zur Publikation dieser bedeutenden Arbeiten zu bestimmen, welche an die Stelle unsicherer Itinerarien regelrechte Aufnahmen setzen.

Die Tuamotu-Inseln.

In einem „Annuaire des établissements français de l'Océanie", welches die Französische Regierung der Gesellschafts-Inseln im August 1863 zu Papeete herausgegeben hat und welches unter Anderem die vollständige Namenliste der 80 Inseln des Pomotu-Archipels enthält, wird über die offizielle Veränderung des Namens dieses dem Französischen Protektorat unterworfenen Archipels berichtet. Abgeordnete der Inseln, die zu einer von Admiral Bonard veranstalteten Versammlung nach Papeete gekommen waren, protestirten energisch gegen den Namen Pomotu (Unterworfene Inseln), den die Gruppe einst von den Taitiern als Eroberern erhalten hat. Nach dem Wunsche der Abgeordneten wird der Archipel daher offiziell Tuamotu (Entfernte Inseln) genannt.

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jekte auf. Im Juli d. J. brachte die „Ocean Telegraph Company", deren Vorsitzender Admiral Elliott ist, bei der Liverpooler Kaufmannschaft den Vorschlag ein, das Kabel von Brest nach Kap Finisterre (300 Engl. Mln.), Terceira, Azoren (780 E. M.), Flores und dem südlichsten Punkt der grossen Neu-Fundland-Bank (800 Engl. Meilen) zu führen. Auf dieser Bank würde dann das Kabel in verhältnissmässig seichtem Wasser 300 Engl. Meilen weit nach der Insel St. Pierre an der Küste von Neu-Fundland und von da nach Kap Breton geführt werden, wodurch es eine Gesammtlänge von 2300 Engl. Meilen erhält. Die Koncession der Französischen Regierung ist bereits eingeholt und es hat dieselbe eine namhafte Unterstützung in Aussicht gestellt. Die Kosten des Unternehmens würden nach vorläufiger Berechnung 400.000 Pfd. St. oder 2.670.000 Thaler betragen und für das Gelingen hegt die Kompagnie um so mehr Hoffnung, als ihr Mitglied W. Rowett eine wesentlich verbesserte Konstruktion des Kabels erfunden hat.

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dem Kochtherm. gemessen.

Für den letzteren See fand Speke im J. 1862 bei den Ripon-Fällen die Höhe von 3308 Fuss ebenfalls mit dem Kochthermometer. Diese ziemlich bedeutende Differenz könnte als eine Stütze für die Ansicht gelten, dass der Ukerewe-See oder Victoria Nyanza Speke's nicht ein einziges grosses Becken ist, wie es Speke auf seiner Karte darstellt, sondern dass an seiner Stelle mehrere See'n vorhanden sind, aber Speke selbst belehrt uns im neuesten Bande des „Journal of the R. Geogr. Society", dass seine Instrumente fehlerhaft waren und beide Höhenzahlen für den Ukerewe-See so wie die für den Tanganyika durchaus unzuverlässig sind. Die im Jahre 1862 gefundene Zahl (3308 Fuss) ist wahrscheinlich viel zu niedrig, denn mit demselben Instrument erhielt Speke für die Höhe von Gondokoro den Werth von 1298 Engl. F. oder 1218 Par. Fuss!), während schon Chartum nach denjenigen Messungen, die eine sachkundige Berechnung erfahren haben, 1262 Par. Fuss über dem Meere liegt und die Höhe von Gondokoro nach den bisherigen Beobachtungen über 1900 Par. Fuss beträgt (s. „Geogr. Mittheil." 1864, Heft II, S. 68). Die Kirk'sche Höhenangabe für den Nyassa soll grösseres Vertrauen verdienen, weil die auf der letzten Livingstone'schen Expedition benutzten Thermometer hinterdrein in Zanzibar genau mit anderen verglichen wurden.

Die Rockingham-Bai an der Küste von Queensland und die Herstellung einer Verbindung zwischen ihr und dem Inneren.

Nachdem der Gouverneur von Queensland, Sir George Bowen, mit Commodore Burnett im September 1862 die Rockingham - Bai untersucht und zur Anlage eines Hafenortes geeignet gefunden hatte, begab sich Captain Richards, jetzt Hydrograph der Britischen Admiralität, im August 1863 auf der „Hecate" dahin, um genauere Aufnahmen zu machen. Nach seiner Ansicht?) ist der von ihm Port Hinchinbrook genannte südlichste Theil der Bai, zwischen dem Festland und der Hinchinbrook- Insel, ein ausgezeichneter Hafen, weit vorzüglicher als die Moreton-Bai, was geschützte Lage, geeignete Tiefe und leichte Zugänglichkeit anbetrifft, auch fand er am festländischen Ufer ein vortreffliches Terrain für die Gründung einer Stadt. Darauf hin hat sich bereits eine junge Ansiedelung an jenem Punkte gebildet, mehrere grosse Grundbesitzer, wie der bekannte Erforscher des Burdekin, Dalrymple, und die Brüder Scott, welche 75 Engl. Meilen westlicher, auf dem von Leichhardt entdeckten schönen Basalt-Plateau beim „Valley of Lagoons" (zwischen 18 und 19° S. Br.), mehr als 25.000 Schafe und Rinder besitzen, bauten sich Wohnhäuser und Magazine am Port Hinchinbrook, ein Mr. J. Morrissey richtete ein Hötel ein, Arbeitskräfte zogen bei und es stehen jetzt etwa 20 Häuser. Vielleicht schon in wenigen Jahren, sicher aber in späterer Zukunft wird sich dort eine grosse, rührige Stadt hinter einem Mastenwalde ausbreiten.

!) Auch Petherick soll als Mittelwerth von drei hypsometrischen Beobachtungen am 25. Februar 1863 für Gondokoro die Höhe von 1265 Engl. Fuss oder 1187 Par. F. gefunden haben, doch ist Näheres darüber nicht bekannt.

*) Nautical Magazine, März 1864, pp. 144–150.

Der Hafen ist der beste an der Ostküste von Australien, mit einziger Ausnahme von Sydney, bei 25 Engl. Meilen Länge und 2 Engl. Meilen Breite wechselt er in seiner Tiefe zwischen 4 und 12 Faden. Ringsum vollständig geschützt öffnet er sich nach dem stets ruhigen Binnenmeer, welches durch das Grosse Barrière-Riff vom Ocean abgetrennt und von Capt. Richards und Anderen der sogenannten äusseren Passage (östlich vom Barrière-Riff) nach der Torres-Strasse weit vorgezogen wird. Durch seine nördliche Lage (18° S. Br.) hat er für die Verbindung mit Java und Indien, welche gegenwärtig durch Gründung der Station am Kap York befördert wird, einen bedeutenden Vorsprung vor den übrigen Häfen an der Ost- und Südküste. Das Klima ist tropisch, aber nach den bisherigen Erfahrungen nicht ungesund, zwischen dem Hafen und dem zu einer Höhe von 3- bis 4000 Fuss aufsteigenden Küstengebirge dehnt sich ein 2 Engl. Meilen breites Uferland aus, welches trockenen Kiesboden für die Stadt und fruchtbare Ländereien mit trefflichem Gras und zerstreut stehenden Bäumen in nächster Nähe derselben, so wie Trinkwasser in reichlicher Menge bietet. Die Landschaft wird als sehr schön geschildert, malerische hohe Berge erheben sich am Festland, eingeschnitten von fruchtbaren Thälern, während die felsigen Gipfel und Wände der Hinchinbrook-Insel einen grossartigen Abschluss des Panorama's gegen Osten geben. Entscheidend aber für das Aufblühen der Ansiedelung ist das reiche Hinterland, die als vorzügliches Weideland bekannten und schon zum Theil benutzten Hochebenen an den Quellen des Burdekin, Mitchell, Gilbert, Norman, Flinders und Thomson. Für dieses Land, welches jetzt schon durch die erst begonnene Viehzucht eine beträchtliche Produktion hat, und für die Thäler des Küstengebirges, die nach Dalrymple's Urtheil der günstigste Boden für Zucker- und Baumwollenbau in Queensland sind, bildet die Rockingham-Bai den natürlichen Ausfuhrhafen, während bis jetzt. Alles nach Port Denison, das über 300 Engl. Meilen vom Valley of Lagoons entfernt ist, transportirt werden musste. Es fragte sich nur, ob man einen praktikablen Weg durch das Küstengebirge auffinden würde, und diese Frage ist in diesem Jahre von Dalrymple und Scott günstig entschieden worden ). Am 15. Februar 1864 verliess Dalrymple, begleitet von G. M. Farquharson, Ewant und zwei Eingebornen, die neue Ansiedelung und ging der die Rockingham-Bai einfassenden Bergkette entlang bis an deren Südende, dann um Mount Leach herum nach Westnordwest. Das Wetter war nass und der Weg zum Theil schwierig wegen der

Sümpfe, welche das Uferland zwischen Mount Leach und der

Halifax - Bai bedecken. Hinter der Rockingham - Bai - Kette entdeckte man ein schönes Thal, das zwischen ihr und dem längs der Halifax-Bai verlaufenden Theil des Küstengebirges eingesenkt ist und in westnordwestlicher Richtung landeinwärts sich erstreckt. Es wird von einem Fluss bewässert, der so gross wie der Bowen, aber reissender und wasserreicher sein soll, auf dem Basalt-Plateau entspringt und durch das breite fruchtbare Thal der Halifax-Bai zuströmt. Die Reisenden konnten ihn nur schwer durch

!) Port Denison Times, 29. Juni 1864, und Proceedings of the R. Geogr. Soc. of London, Vol. VIII, Nr. 4, pp. 110–113,

schwimmen. Er erhielt den Namen des Kolonial-Sekretärs Herbert. Beim Übergang über die zweite oder innere Küstenkette musste man sich durch viel Skrub durchhauen, dann kam man aber auf offenes Hügelland und erreichte am 1. März die Station im Valley of Lagoons. Am 8. März trat die Expedition, verstärkt durch A. J. Scott und 16 seiner Leute, den Rückweg an, diess Mal mit 3 Ochsenkarren, 61 Arbeitsstieren, 63 Stück fetten Rindviehs für die Niederlassung und 18 Pferden. Ein Theil der Gesellschaft marschirte zunächst auf den Mount Lang, welcher 30 Engl. Meilen von den See'n entfernt ist, um von dessen Gipfel aus den gangbarsten Weg auszukundschaften. Mount Lang erhebt sich steil bis 800 Fuss über das Plateau und besteht aus Basalt und Lava; Scott glaubt drei Lava-Ströme überschritten zu haben, die von Norden in das Valley of Lagoons herabkommen, tief zerklüftet, wasserreich und mit üppiger Vegetation, namentlich grossen Bäumen und zahllosen blühenden Sträuchern, bekleidet sind. Vom Gipfel des Berges sah man deutlich die 40 Engl. Meilen entfernte Küstenkette. Leichhardt hat den Mount Lang mehrere Meilen zu weit westlich angesetzt, was wohl daher kam, dass hier die Magnetnadel bei Berührung mit dem Felsen um 4 Punkte nach Osten abgelenkt wird. Das Land zwischen den See'n (Valley of Lagoons) und der Küstenkette ist wellenförmig, licht bewaldet und von langen schmalen Streifen üppigen Weidelandes durchzogen. Eine kräftig gebaute, ziemlich hellfarbige Race Eingeborner jagt hier das Känguru. Auf einem geraderen Wege als bei der Hinreise kam Dalrymple mit seinen Begleitern am 15. März zum Gipfel der inneren Kette, blieb aber hier 3 Wochen lang gelagert, indem er einen fahrbaren Weg durch den dichten Skrub zu bahnen begann und durch den angeschwollenen Zustand des Herbert von der Rockingham - Bai abgeschnitten war. Als endlich der Weg bis an den Herbert hergestellt und der Fluss passirt war, ging man 18 Engl. Meilen im Herbert-Thal abwärts bis an eine Lücke in der Rockingham-Bai-Kette zwischen dem 4000 Fuss hohen M Leach und dem fast eben so hohen M“ Arthur Scott. Durch diese Lücke gelangte Dalrymple mit einigen Begleitern am 24. April nach der Küste und bahnte dann mit Hülfe der Ansiedler einen Weg durch dieselbe, bis er auf die zurückgebliebene Expedition stiess So wurden die Karren und das Vieh sicher in den Hafen gebracht und bald darauf kehrten die Karren schwer beladen nach dem Valley of Lagoons zurück, begleitet von Arbeitern, welche die Flussübergänge und Durchhaue verbesserten. Der Weg soll schon jetzt ganz brauchbar und mit geringen Kosten in guten Stand zu setzen sein, die ganze Entfernung zwischen dem Valley of Lagoons und dem Hafen beträgt auf ihm 96 Engl. Meilen und er führt durch reich bewässertes, Viehfutter in Überfluss bietendes Land. Scott soll Positions-Bestimmungen gemacht haben und so dürfen wir wohl noch nähere Aufschlüsse über die Topographie jener Gegend erwarten.

Geographische Literatur.

Vorbericht.

Über den Stand der Keilschen Reliefkarten, deren wissenschaftliche und künstlerische Vorzüge wir öfters, namentlich bei Besprechung der beiden Sektionen Berchtesgaden und Saalfelden hervorgehoben haben (s. „Geogr. Mittheil." 1861, S. 444), erhielten wir neuerdings von dem Verfasser selbst Nachricht. Das Werk schreitet rüstig vorwärts, 12 Sektionen sind bereits vollendet und 12 andere, nach dem neuen, gegen Ost und West erweiterten Plan, so weit vorbereitet, dass die Hälfte davon bis Mai künftigen Jahres fertig werden kann, während 10 Sektionen noch nicht in Angriff genommen - wurden. Die vollendeten sind: Reichenhall, Salzburg, Lofer, Berchtesgaden, Saalfelden, Werfen, Zell, Lend, Gross-Glockner, Wildbad-Gastein, Winklern und Lienz. Ein wesentlicher Vorzug in der Ausführung ist in neuester Zeit dadurch erzielt, dass die Abgüsse in einer Masse geschehen, die, ohne der Schärfe Eintrag zu thun, weit leichter im Gewicht und weniger zerbrechlich ist als die früher verwendete. Wir benutzen diese Gelegenheit, um nochmals auf die Schönheit und wissenschaftliche Bedeutung dieser, zum guten Theil nach Keil's eigenen vieljährigen und gewissenhaften Forschungen und Messungen gearbeiteten Reliefkarten der Deutschen Alpen aufmerksam zu machen und sie dringend zu empfehlen. Eine regelmässige Aufnahme von Jerusalem und Umgegend lässt die Britische Regierung durch fünf ihrer Royal Engineers vornehmen, die Mitte September von Southampton über Alexandria dahin abgereist sind. Der bekannte Französische Konsul zu Massaua und wissenschaftliche Reisende G. Lejean arbeitet gegenwärtig in Paris an einem grossen Atlas seiner Reise in den Nil-Ländern von 1860–61, der aus 18 Blättern grössten Kartenformates bestehen soll: 1. Itinerar der Reise nach Chartum, mit einem Plan. 2. Itinerar von Chartum nach der Grenze von Darfur, mit einem Plan. Itinerar von Chartum nach der Abessinischen Grenze, 1: 300.000, mit einem Plan. Der Weisse Fluss von Gondokoro bis Duem (Insel unter 13° N. Br.), mit 2 Plänen und 3 Profilen.

- mit 3 Plänen und 10 Profilen.

. Aethiopia antiqua. . Karte des Samhar und des Senneheit (Bogos, Mensa), 1: 200.000, mit 6 Profilen und 2 Plänen. 12. Karte des Bahr el Ghasal, Bl., und Übersichtskarte der Länder im Westen des Weissen Flusses, Bl. 13. Geologische Karte des oberen Nubien. 14. Ethnographische Karte von Nordost-Afrika. 15. Agronomische Karte von Nubien und Abessinien. 16.) Karte von Wadai, 1: 700.000, mit 1500 bis 1700 17. Namen. 18. Übersichtskarte von Kordofan und Sennaar. Vier dieser Blätter, nämlich 2, 5, 6 und 14, sind bereits gestochen, so dass das grossartig angelegte Werk, zu dem auch drei Bände Text gehören, seiner Vollendung entgegengeht. Später beabsichtigt der ungemein eifrige, Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1864, Heft X.

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Karte von Taka, Barka und Harendoa, 1: 200.000,

für geographische Forschungen begeisterte Verfasser, auch ein grösseres Werk von 2 Bänden Text und einer Karte in 14 Blättern über Abessinien herauszugeben; 16 Provinzen dieses Landes hat er im Maassstab von 1: 200.000 mit reichem Detail mappirt, darunter auch das kleine, seit 1859 unter Französischem Protektorat stehende Gebiet der Zenadegle oder Tsanadegle bei Massaua (s. Tafel 1 im Ergänzungsheft Nr. 13 der „Geogr. Mitth."). Die Karten von dem Ost-Afrikanischen Gebiet zwischen Nil und Rothem Meer und von Abessinien nordwärts bis zum Parallel von Suakin werden in nächster Zeit wieder mehrfache Bereicherungen erfahren. Th. v. Heuglin hat auf seiner Reise von Berber nach Suakin sicherlich Nichts versäumt, um zur genaueren Kenntniss jener Länder beizutragen. Ferner wird der Botaniker Dr. Schweinfurth binnen Kurzem von Suakin nach Kassala reisen. Er schrieb uns darüber aus Kairo vom 1. Oktober: „Das 13. Ergänzungsheft der „Geogr. Mittheilungen" wird mir von ausserordentlichem Nutzen sein, indem ich bei meiner Reise nach dem Sennaar wieder den Seeweg einzuschlagen gedenke, da mir in jetziger Jahreszeit die Route am Nil entlang keine Zeitverwerthung gestattet, die Gebirge der Bischarin aber neue Attaquen erheischen, weil sich nachträglich unter den dort gemachten Sammlungen viel mehr Neues und Überraschendes vorgefunden hat, als ich anfänglich vermuthete. So gelange ich dann wieder nach Suakin und begebe mich von da auf der den Kaufleuten gewohnten Strasse nach Kassala, von wo ich wohl direkt nach Chartum reisen werde. Diese Strasse erscheint für mich lohnender als die von Suakin nach Berber." Endlich hat auch bereits W. Munzinger dort wieder gearbeitet. Er kam am 2. Januar d. J. in Massaua an, machte noch in demselben Monat einen Ausflug nach den Bogos, die bisher mangelhaft bekannte Strasse über Asus, Gaba und Maldi nehmend, und trat Mitte Februar von Keren eine Reise über Dunguaz, Kassala, Qedaref und Doka nach Metamma an, von welcher er am 9. Juli nach Massaua zurückgekommen ist. Als Frucht dieser Reise hat er uns eine Reihe hypsometrischer Beobachtungen und ein vollständiges Itinerar zugesendet, zur Ausarbeitung des ganzen Materials hatte sich aber noch keine Zeit gefunden, da er ausser seinen Handelsgeschäften auch die Funktionen des Französischen Konsuls in Massaua, die ihm Lejean interimistisch übertragen, zu besorgen hat; zudem erlaubte im Juli und August die grosse Hitze (Tag und Nacht 33° bis 38° C) nur wenig geistige Beschäftigung. Bei Übersendung der Itinerare und Höhenmessungen schrieb uns Herr Munzinger von einem anderen Schweizer, Emil Golay, welcher während der letzten Jahre die Gegenden am Gasch, Barka und Anseba bereist hat. „Ich bin im Besitz von drei kleinen Kartenskizzen über den Zusammenfluss des Anseba mit dem Barka. Emil Golay, Uhrmacher von Morges am Genfer See, langte im März 1862 in Massaua an. Nach kurzem Aufenthalt reiste er nach Adua mit dem Vorsatz, den Kaiser Theodor zu besuchen; er traf dort am 23. Mai zusammen mit Mr. Cameron ein und blieb bis Ende Juli. Da er seinem Vorsatz entgegen sich entschloss, nach dem Meere zurückzukehren, wurde er kurze Zeit von den Abessinischen Behörden festgehalten. Dann machte er von Massaua einen Ausflug nach Mensa 50

und Keren, kehrte Ende August zurück und verbrachte den Rest des Jahres in Massaua und Umgebung auf der Jagd. Ich kam in dieser Zeit von Kordofan zurück und hatte das Vergnügen, die Bekanntschaft dieses meines Landsmannes zu machen. Ich reiste nach Europa ab, er nach Kassala, aber das freundschaftliche à revoir, womit wir schieden, sollte sich nicht erfüllen. Golay kam zu Anfang des Jahres 1863 nach Kassala, zusammen mit Mr. Charles Speedy, früherem Englischen Vicekonsul in Massaua, und betrieb mit viel Energie und Geschick die Elephantenjagd. Er kam auf seinen Streifzügen den Gasch hinauf bis zum Stamm Heikota südlich von Elit, das er besuchte, dann ging er nach dem Barka, verfolgte von Dunguaz den Strom bis zur Mündung des Anseba, ging dann am letzteren aufwärts und kam so über Az Tekles nach Keren, von wo er mit der gemachten Beute (er hatte etwa 20 Elephanten erlegt) nach Massaua zurückkehrte. Ende September 1863 reiste er abermals nach Kassala, unterlag aber dort einem sechstägigen Fieber und wurde von den dortigen Christen ehrenvoll zur Erde bestattet. Er hat in diesem Lande einen sehr guten Namen hinterlassen, war ein Mann von Energie und Muth, menschenfreundlich und treu, von sehr anziehendem Äusseren. Als er starb, war er nur 26 Jahre alt. Es ist ein beklagenswerthes Geschick, das die Vielversprechenden in das frühe Grab hinabreisst. – Ich war von dem Englischen Konsulat beauftragt, mich des Nachlasses anzunehmen. Leider fand ich wenig Papiere, die für die Geographie von Werth sein könnten. Bis zu seiner Abreise nach Kassala zu Ende des Jahres 1862 hatte der Verstorbene eine Art Tagebuch geführt, das sehr kurz gefasst ist und wenig allgemein Interessantes bietet. Über seine letztjährige Reise hat sich leider kein Tagebuch vorgefunden, die einzige Frucht derselben sind drei kleine Kartenblätter über das Land am unteren Anseba. Sie gehen nördlich bis Ijob (Mündung des Anseba in den Barka), südlich bis Saraua, sind hübsch ausgeführt und zeigen von geographischem Sinn, aber es fehlt der Maassstab und die Bezeichnung des Meridians, auch haben sich in die Namen mehrere Fehler eingeschlichen. Ich konnte bis jetzt diese Lücken nicht ergänzen, hoffe es aber bald thun zu können.”

EUROPA.

Buijs Ballot, C. - H.-D.: Sur la pression moyenne de l'atmosphère en plusieurs lieux de l'Europe. (Verslagen en Mededeelingen der K. Akadennie van Wetenschappen. Afd. Natuurkunde. XV1, 1864, pp. 335 –351.) Maurer, Fr.: Über Alter, Zweck und Bewohner der Pfahlbauten. (Das Ausland 1864, Nr. 39, SS. 913–917; Nr. 40, SS. 948–951; Nr. 41, SS. 970–973: Nr. 42, SS. 992–995.) Die Resultate seiner Arbeit fasst Fr. Maurer in folgende Sätze zusammen: 1. Die bisherigen Angaben über das Alter der Pfahlbauten sind durchgängig zu hoch gegriffen. Sie können in unserem Deutschen und Welschen Norden erst zwischen 800 und 500 v. Chr. entstanden sein, während die Zeit ihres Verfalles und ihres gänzlichen Verschwindens nicht zu lange vor dem ersten Zusammenstoss der Römer und Germanen. Statt hatte. 2. Die Pfahlbauten-Menschen werden hinsichtlich ihres Kulturzustandes sehr unterschätzt. 3. Die Pfahlbauten waren in erster Reihe Zufluchtsplätze oder Wasserburgen Semitischer, resp. SemitischHellenischer Kaufleute und ihrer kostbarsten Habe; in zweiter Reihe waren sie die gelegentlichen Zufluchtsstätten der Keltischen Eingebornen im Kampfe wider einander oder gegen die Germanischen Eindringlinge. 4. Pfahlbauten giebt es im grössten Theile Deutschlands, vorzüglich in den nordöstlichen Provinzen, in den sogenannten Fenns, Luchen, Lanken und Seen, deren Eigenname an Dämonen erinnert. Pfahlbauten werden auch auf der Kimbrischen Halbinsel entdeckt werden, besonders da, wo man seither nur Skaldynger oder Kjökkenmöddinger zu finden beliebte. 5. Es giebt im Europäischen Norden nur eine »Steinzeit", die aus vorgeschichtlichem Iberischen oder Keltischen Dunkel bis in

die historische „Eisenzeit" unserer Germanischen Vorfahren hineinragt, während sämmtliche bei uns gefundene Bronzesachen ein fremdes, aus den MittelmeerLändern eingeführtes oder doch nur in seltenen Fällen von Fremden hier erzeugtes Fabrikat sind, dessen sich nur die damalige Aristokratie theilweise bedienen konnte. IKarten. Europe, Carte de l' - d'après le système de L.-J.-V. Gerard. 4 Bl. Brüssel 1864.

Deutschland, Preussen und Österreich.

Bersch, Prof. Jos.: Baden und seine Umgebung, eine geognostische Skizze. 49, 17 SS. Jahresbericht der selbstständigen Landes-Unterrealschule zu Baden 1864. Wien, Schweiger. Dentler, Fr.: Die Frische Nehrung. (Globus, 6. Bd., 11. Liefer., SS. 333–335.) Lage, Bewohner, Bauern, Fischer; Bernsteinfischerei; Sprache; Religion; Thierwelt; Neukrug; die Binsenernte. Durand, Prof. H.: Le Rhin allemand et l'Allemagne du Nord. 8°, 543 pp. et 32 grav. par K. Girardet. Tours, Mame, 1864. Gabely, Prof. Dr. E.: Über Witterungsverhältnisse, mit Rücksicht auf Wien. 8%, 44 SS. Jahresbericht des K. K. Ober-Gymnasiums zu den Schotten in Wien 1864. Wien, Schweiger. Zusammenstellung aus Vorträgen gehalten vom Verfasser bei den wissenschaftlichen Konversationen, welche jährlich einige Mal von den Mitgliedern des Wiener philosophischen Doktoren-Kollegiums veranstaltet werden. Isleib, L.: Die Slavischen Bewohner an der südöstlichen Grenze des Deutschen Bundes. (Globus, 6. Bd., 10. Lfg., SS. 311–313.) Handelt hauptsächlich von Sitten und Gebräuchen. Kanal, der grosse Nord-Deutsche zwischen Ostsee und Nordsee. II. 89. Kiel, Schwers, 1864. Thlr. Pichler, Prof. Dr. Ad.: Zur Geologie der Nord-Tirolischen Kalk-Alpen. 4°, 2 SS. mit 1 geognostischen Karte der Kalk-Alpen. Programm des K. K. Staatsgymnasiums zu Innsbruck 1864. Innsbruck, Universitätsdruckerei. Obgleich der Verfasser die geognostische Bestimmung der Nord-Tirolischen Kalk-Alpen selbst als für nicht abgeschlossen erklärt, so liefert er doch mit dieser Karte, die aus der Lithogr. Anstalt von C. Redlich in Innsbruck hervorgegangen ist, das Neueste. Seebach, K. v.: Der Hannover'sche Jura. 49. Berlin, Besser, 1864. 3. Thlr. IKarten. Böttge: Manöver - Karte der Umgegend von Frankfurt a. M. Lith. Frankfurt a. M., Jaeger, 1864. Auf Leinw. 18 Sgr. Engelhardt, F. B.: Karte der Provinz Pommern. Lith. Berlin, Schropp,

1864. - Thlr. ASIEN.

Constable, Com', and Lieut. Stiffe: Persian Gulf Pilot. London, Hydr.

Office, 1864. 5 s.

Cortés, D. Balbino (Consul de España en Singapore): Estudios del archipiélago asiätico bajo el punto de vista geográfico, histórico, agricola, colonial, politico y comercial. 4", 140 pp. Madrid, Cuesta, 1861. 18 r. Obwohl 1861 gedruckt, ist dieses Buch erst 1864 publicirt worden. Ellis, Rev. R. J.: Journey to the country of the Santals. (Missionary Herald, 1. August 1864, pp. 128–132.) Diese Beschreibung eines Missions-Ausfluges zu den Santals in Berar enthält unter Anderem Notizen über die Sitten und Gebräuche, die Wohnungen, Feste, Verwaltung und die religiösen Vorstellungen dieses Volkes. Escayrac de Lauture, Comte d': Mémoires sur la Chine. Histoire. 49, 131 pp. mit Karten. Paris, libr. du Magasin pittoresque, 1864. Escayrac de Lauture, Comte d': Mémoires sur la Chine. Religion. 4", 129 pp. et grav. Paris, libr. du Magasin pittoresque, 1864. Féré, O.: De Saigon au lac du Cambodge, souvenirs d'un voyageur en Cochinchine. (Revue contemporaine, 15. August 1864.) Francis, G.: La Cochinchine française en 1864. 8",48 pp. Paris, Dentu, 1864. Galkine, M. de: Notice sur les Turcomans de la côte orientale de la Mer Caspienne. (Bulletin de la Soc. de géographie de Paris, Juli 1864, pp. 5–30.) Der Verfasser begleitete 1858 die Russische Expedition nach Chiwa und wurde 1859 von der Russischen Regierung zu den Turkomanen an der Ostküste des Kaspischen Meeres geschickt. Die auf beiden Reisen gesammelten Beobachtungen über dieses Volk zugleich mit einem geschichtlichen Ueberblick der Beziehungen desselben zu den Nachbarvölkern legte er in einer Schrift nieder, welche die Russische Geogr. Gesellschaft in Handen hat und aus der hier Bruchstücke mitgetheilt werden. Den Turkouanen ist nach Galkine Ehrgefühl, Adel der Gesinnung so wie jede Vorstellung von Recht und Unverletzlichkeit des Eigentums gleich unbekannt. Sie zerfallen in 13 Tribus: Essen-Ix, Gokhan, Tek“, Yamoud, Ersary, Salor, Sarryk, Sakhar, Ony, Aimak, Karadachly, Al-Ily und Amr-Iy: von mehreren derselben giebt Galkine nähere Nachrichten über Abstammung, Unterabtheilungen und Weidegebiete.

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