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als der bei Passatwechsel eintretende Südwest-Passat zu bezeichnen sein. Nicht wenige ehrenwerthe Naturforscher meinen auch den Sirocco darin erkennen zu müssen; da der Sirocco selbst noch so wenig genügend meteorologisch bestimmt ist, wäre zuvor diess abzuwarten. Saturation und Niederschläge. – Eine allgemeine Übersicht lehrt unverkennbar, trotz der mannigfachen örtlichen Verschiedenheiten, dass in einem gewissen mittleren Gürtel die Saturation am höchsten sich hielt, wie es scheint etwa zwischen 600 und 900 Meter (1800 bis 2700 Fuss) hoch, dann abnehmend nach oben hin; diess entspricht der allgemeinen Ordnung; indem die Dampfmenge nach oben hin abnimmt, von der Temperatur aber in der Abnahme überholt wird, so entsteht eine über einander liegende Folge von drei hygrometeorischen Gürteln, ein unterer dampfreicher, ein mittlerer hoch saturirter (Wolkengürtel) und ein oberer dampfarmer und auch niedrig saturirter; im Sommer bewirkt dann bekanntlich die tägliche AscensionsStrömung der Atmosphäre mit der Dampfmenge eine Fluktuation des Wolkengürtels. Ungefähr kann man hier aus den vorliegenden Zahlen den mittleren Stand der Saturation im unteren Gürtel zu 75 Prozent annehmen, im mittleren zu 85 Proz., im oberen zu 65 Prozent. Aber einige lokale Besonderheiten sind auffallend als sehr gering, und zwar in allen drei Monaten bleibend, z. B. Zermatt im Wallis hatte als mittleren Saturationsstand des Winters nur 57 Prozent, in den drei Monaten beziehentlich 63, 51 und 58, Lugano nur 62

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des Winters; noch auffallender sind einige absolute Minima der Saturation, z. B. auf dem Simplon am 20. Januar, also da eben der NO. austrat, nur 11 Prozent, auch in Martigny ist ein Mal 11 Prozent beobachtet (28. Febr.) und damals herrschte doch der Anti-Polarstrom; in Lugano kamen als absolutes Minimum 22 Prozent vor, in Zermatt 25 Proz.; sonst ist das absolute Minimum im Allgemeinen zwischen 30 und 63 Prozent gewesen. Dass bei den PsychrometerBeobachtungen die Aufstellungs-Orte immer Einwirkung üben, ist anerkannt. Die beiden Monate Dezember und Januar mit ihrem kontrastirenden Passat mussten grosse Unterschiede auch in der Hygrometeoration erwarten lassen; die anerkannt grössere Dampfmenge des einen und die anerkannte Dampfarmuth des anderen bewährten sich; die Bewölkung war stark im Dezember, gering im Januar; auch die Niederschläge waren am stärksten im Dezember, am geringsten im Januar, der Februar blieb in der Mitte; diess lässt sich für das ganze Gebiet näher mit Zahlen bestimmen, indem man die angegebene Höhe der Niederschläge an allen (78) Orten summirt, dann erhält man im Dezbr. 2614 Millim., im Januar nur 1992, im Febr. 3250. Exceptionell grossergiebt sich die Niederschlags-Menge auf der Grimsel, des Winters 563 Millimeter, davon im Dezbr. 292, im Januar 1 18, im Februar 152; Orte, wo am wenisten Niederschläge vorgekommen sind, waren Bevers in Graubünden, im Winter

nur 51 Millimeter, Zermatt, 53 Millimeter, u. a.

(Schluss dieses Aufsatzes folgt im nächsten Heft.)

Csoma, Jerney, Reguly, Duka und Vámbéry, fünf Ungarische Reisende, welche die Ursitze der Ungarn aufzusuchen bemüht waren,

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ren der Chinesischen Annalen, stand des jungen Székelyer Entschluss fest, er wollte nach China. Er ging 1819 nach Temesvár und Agram, um sich das Slavische anzueignen, reiste nach Bukarest, lernte Türkisch, ging 1820 über Rustschuk und Enos nach Alexandria, reiste dann aber zu Fuss nach Aleppo. Mit Karawanen kam er, in Kostüm und Sitten Orientale, nach Bagdad. Hier gab ihm der Englische Resident Mittel, um nach Teheran zu reisen, und nachdem er dort während eines viermonatlichen Aufenthalts beim Englischen Residenten Persisch und vollkommen Englisch gelernt hatte, machte er sich 1821 auf den Weg nach Meschhed in Chorassan und schlich sich, als Armenier verkleidet, über Buchara, Balch und Lahore nach Kaschmir. In Leh, der Hauptstadt von Ladak, eignete er sich zuerst das Tibetanische an. Die berühmten Reisenden Moorcroft und Trebeck unterstützten ihn mit Geld und Empfehlungen. So ging er zuletzt ins Kloster Zimskar in Kanam am oberen Setledsch, 8 Tagereisen südlich von Leh, 9000 Fuss über der Meeresfläche. Dort studirte er in grosser Noth und Kälte, in Gesellschaft der Lamas, das Tibetanische. Jahre vergingen mit diesem Studium, das besonders auf 3- bis 400 Bände gedruckter Bücher sich basirte, die er alle excerpirte. Einen kleinen Jahrgehalt von 50 Rupien, welchen die Asiatische Gesellschaft zu Calcutta ihm anbot, wies er zurück, dagegen publicirte sie seine Werke: „A grammar of the tibetan language" (Calcutta 1834), „Essay towards a dictionary tibetan and english" (40.000 Wörter! Calcutta 1835), so wie „Analyse of the Kand jour", d. i. der Grundlehren des Tibetanismus (Calcutta 1835). Sein Ruf breitete sich plötzlich in ganz Ost-Indien, aber auch in Europa aus. In Ungarn erfuhr man unversehens und zuerst von diesem berühmten Landsmann dadurch, dass er seine Werke an 25 Ungarische Bibliotheken schickte, und als man rasch 200 Dukaten gesammelt hatte und sie ihm zugleich mit der Ernennung zum Ehrenmitglied der Akademie schicken wollte, bestimmte der ferne Diogenes das Sümmchen für den Akademie-Fond. Um seine Kenntnisse zu erweitern, trachtete er nach Lassa zu kommen, der Hauptstadt des östlichen Tibet, als dem eigentlichen Sitz der Gelehrsamkeit, doch schon am 11. April 1842 starb er plötzlich auf der Durchreise in Darjeeling am Fieber. Alle dort anwesenden Engländer begleiteten feierlichst seinen Sarg, die Asiatische Gesellschaft von Calcutta liess ihm ein Monument in Darjeeling errichten mit der Inschrift: „Hic jacet Alexander Csoma de Körösi, a native of Hungary; compiled a dictionary and grammar of the tibetan language, this bestand real monument" u. s. w. Man fand bei ihm 4 Kisten mit Büchern und Papieren, einen alten blauen Anzug, den er niemals ablegte, ein metallenes Kochgeschirr und 5550 Rupien in Indischen Staatspapieren, die er der

Asiatischen Gesellschaft in Calcutta vermachte. So hatte dieser merkwürdige Mensch 22 Jahre gelebt, Nichts geniessend als Thee und Reis, auf einer Strohmatte zwischen Fächerkisten mit Schreibmaterialien sitzend, essend, schlafend, studirend und sich nie entkleidend, noch auch trank er je Narkotisches, schnupfte und rauchte nicht. Und das Resultat solch riesenhaften Fleisses war die Erklärung im Vorwort seines Diktionärs: „Das Tibetanische sei bloss ein verdorbenes Sanskrit, all' die Literatur in dieser Sprache bloss Übersetzung von Sanskrit-Originalen. Für Ungarn sei nur das Sanskrit selbst hoffnungsreich, die Studien seiner Landsleute möchten sich dieser Sprache zuwenden, besonders aber suchen, das Reich der Jugaren zu entdecken. Seine eigenen Kräfte reichten dazu nicht mehr aus, doch wähne er, dieses Reich müsse an der Westgrenze von China, im Nordosten von Lassa, liegen." Später nahm Dr. Th. Duka diesen Gedanken Csoma's wieder auf und suchte ihn zu verfolgen. Baron Josef Eötvös hielt 1843 dem Andenken Csoma's in der Ungarischen Akademie eine blühende Gedächtnissrede. Johann Jerney, geb. 1800 im Bezirke der Jazyger und Kumanier, gestorben zu Pest 1855, wurde 1820 Advokat und beschäftigte sich von da ab mit seinem Lieblingsstudium, der nationalen Urgeschichte. Von 1844 bis 1847 befand er sich für eigene Kosten auf einer Reise bis an die Wolga. Er ging über Siebenbürgen nach der Moldau zu den dortigen 70.000 Tschango-Magyaren, die schon Gegö aufgesucht hatte, und nach jahrelangem Verweilen daselbst nach der Krim und bis in die Steppen der Nogaischen Tartaren, wo er Steindenkmäler etwa aus dem 8. Jahrhundert fand, die er zeichnete und unbedingt für alt-Ungarische hielt. Dann besuchte er die Ruinen von Madschar. Weiter konnte er nicht vordringen, denn die Russische Regierung gab ihm nur zu deutlich zu verstehen, sie liebe solche Forschungen nicht. Zurückgekehrt und Akademiker geworden veröffentlichte er nun: „Keleti utazása a magyar öshelyeinek kinyomozása végett" (Reisen im Orient, zur Auffindung der Ursitze der Ungarn), 2 Bde., Pest 1847 (Akademie-Verlag, 49, 329 und 316 Seiten; neue Ausgabe, Pest 1851 bei Magyar). Sodann publicirte er: „A palócz Krónika" (Die Chronik der Palowger, nach Russischen und Polnischen Annalen), Pest, Magyar, 1855 (68 SS.) und „Magyar nyelokincsek Arpádék Korszakából" (Schätze der Ungarischen Sprache seit der Zeit der Arpaden), 2 Bde., Pest, bei Magyar, 1854 (89, 189 und 100 Seiten). Schon 1825 hatte er mit seiner Abhandlung über die Sprache der alten Kumanier einen Preis gewonnen, 1829 gab er eine Broschüre über die Avaren heraus; in Journalen veröffentlichte er: „Die Französische Kolonie von Egervölgy", „Das Volk von Kubecs", „Die Thuróczer Reliquien mit Hunnoskythischen Buchstaben", „Ob des Russischen Reichs Gründer Ungarn waren? u. s. w. An historischem Stoff und Material trug er genug Dankenswerthes zusammen, wenn auch die Meister der vergleichenden Sprachkunde seine philologischen Schlüsse ziemlich belächelten. Anton Reguly, nebst Bese, Csoma und Jerney der berühmteste, aber auch unfruchtbarste der Ungarischen Reisenden zur Auffindung der Urwiege des Ungarthums, war 1819 zu Zircz als Sohn eines Advokaten geboren. Er machte zu Velencze die Bekanntschaft von Therese Meszlényi, deren Hand ihm jedoch verweigert wurde, da sie bereits Braut des – Ludwig Kossuth war. Im Verdruss hierüber und überhaupt im Drang, die Welt zu sehen, ging er ins Ausland. Über Hamburg und Kopenhagen nach Stockholm gelangend, frappirte ihn hier die Verwandtschaft des Finnischen mit dem Ungarischen. Er entschloss sich, als der Erste, der Held und nähere Erforscher des Finnismus zu werden. Bisher schon des Ungarischen, Deutschen, Lateinischen, Griechischen und Französischen kundig, lernte er 1839 in Abo Schwedisch, und als er 1840 mit Dr. Schilt tief ins Innere von Finnland drang, Finnisch; von der Akademie von Helsingfors zum Mitglied ernannt, dankte er ihr bereits in ihrer Sprache. Dann zog er nördlich nach Karelien, betrat das Land der Lappen, lernte Lappländisch, brachte den Sommer bei Castrén in Kemi zu und war 1841 wieder in Helsingfors, Esthnisch lernend. Von St. Petersburg aus, wo er besonders von seinem Landsmann dem Staatsrath Balugyánszky unterstützt wurde, machte er 1840 die erste Mittheilung an die Ungarische Akademie, ward deren Mitglied und erhielt 1000 Gulden Unterstützung. Dann über Moskau, Nowgorod, Kasan zu den Wotjaken und Baschkiren ziehend, deren Sprache er sich gleichfalls aneignete, überschritt er den Ural und liess sich unter den Wogulen nieder. Sich auch mit geographischen Forschungen beschäftigend blieb er dort, bis er 1845 in die Hauptstadt des Bezirks Obi gelangte. Hier blieb er längere Zeit, sammelte für sein Wogulisches Wörterbuch und existirte einsam unter Fischern und Jägern, nur von Fischen sich nährend. Darauf in Beresow unter den Ostjaken sammelte er über 80 Druckbogen Notizen. Von da ging er nach Kasan ins Kloster von Rafa, das Tscheremissische und Tschuwassische zu studiren. Unterdess begann schon seine Gesundheit zu wanken, trotzdem drang er noch nach dem Süden bis zu den Mordwinen. Die Ungarische Akademie hatte ihm weitere 1400 Gulden geschickt und 1845 bildete sich in Pest der Reguly - Verein, der durch Herausgabe eines Jahrbuchs dem patriotischen Reisenden weitere Mittel schaffen wollte. Reguly blieb nun zwei Jahre in Kasan und begab sich 1847 nach St. Petersburg zurück. Er entwarf hier in 16 grossen Blättern die

Karte seiner nordischen Reise, auf der er 180 Geographische Meilen durch vorher unbekannte Strecken zurückgelegt hatte. Doch sein Gesundheitszustand nöthigte ihn, 1847 nach Gräfenberg zu gehen. Im Herbst kam er nach Berlin, wo er Kertbeny kennen lernte und durch diesen mit Jakob Grimm, Schott, Mahn, Selig, Cassel u. A. bekannt wurde; auch begann er Hegel zu studiren. Nun aber trat in seinem Inneren jener Bruch ein, der ihn ohnmächtig machte, seine reiche Ausbeute selbst zu verarbeiten. Er entdeckte eine seinen primitiven Forschungen vorangeeilte Europäische Wissenschaft, erkannte, wie er so ohne Vorkenntnisse und ohne sicheren Plan an seine Riesenaufgabe gegangen war, und er verzagte. Ganz trostlos aber wurde er, als seine Gesundheit nicht wieder herzustellen zu sein schien und er, 1848 nach Ungarn zurückgekehrt, gerade in jene Ereignisse gerieth, welche die Existenz seines Volkes auf das Spiel setzten. In dem später blutig niedergeworfenen Lande war auf Jahre hinaus keine Aussicht, für höhere nationale und wissenschaftliche Fragen Theilnahme zu finden. Reguly ward ein recht „stiller Mann", lebte kümmerlich und kränkelnd als zweiter Custos der Pester Universitäts-Bibliothek, schien irre an all' seinem Lebenszweck, sass Tage lang rathlos vor den vielen Koffern und Kisten voll ungeordneter Schriften, war eingeschüchtert durch die kühnen Erfolge der während seiner Abwesenheit in Ungarn selbst entstandenen, von Paul Hunfalvi durch die zehn Jahrgänge seiner philologischen Revue geführten sogenannten „Finnisten - Schule" vergleichender Sprachkunde – und starb endlich 1856 im Grün des Auwinkels bei Ofen, erst 37 Jahre alt. Seitdem die Akademie wieder freier aufathmet, bestimmte sie auch durch Hunfalvi eine Herausgabe und Redaktion von Reguly's reichem literarischen Nachlass. Er selbst hatte bloss veröffentlicht: „A dzungár nép" (Das Volk der Dsungaren), Pest, bei Emich, 1850 (15 SS.), eine Akademie-Vorlesung. Zu derselben Zeit gab der Reguly - Verein das „RegulyAlbum" (523 Seiten, Pest, bei Emich, 1850) heraus, welches ausser seinem Portrait und Beiträgen der ersten Schriftsteller eine 124 Seiten lange Skizze von Dr. Franz Toldy über Reguly, die Finnische Frage, ihre Schwierigkeiten, seine Vorbereitungen und sodann seine Reisen enthält. Nach seinem Tode aber gab Hunfalvi in eigener selbstständiger Redaktion und nach eigenem System bearbeitet heraus: „Egy vogul monda" (Eine Wogulische Sage, Original und Übersetzung) Pest, bei Emich, 1859 (110 Seiten); ferner „Finn-olvasókönyo" (Finnisches Lesebuch), 3 Bde., Pest, Emich, 1861. Davon ist bis jetzt nur der erste Band (580 Seiten), die Originale enthaltend, erschienen, der zweite bringt die Übersetzungen, der dritte ein Finnisch

Ungarisches Wörterbuch. Gleichfalls im Erscheinen begriffen ist: „Vogul olvasmányok" (Wogulische Lesestücke), 2 Bde., der erste die Sagen im Original und Ungarisch bringend, der zweite Grammatik und Wörterbuch. Auch zog Hunfalvi wohl aus Reguly's Nachlass manchen Stoff zu seinen Abhandlungen über die Sprache der Mordwinen, Ostjaken u. s. w. – Baron Josef Eötvös hielt am 13. Juli 1863 in der Akademie fragmentarisch eine Gedächtnissrede auf Reguly, mit dem Schluss: „Wenn eine Nation noch Männer aufweisen kann, die wie Reguly in den eisigen Regionen Sibiriens und wie Csoma unter dem glühenden Himmel Indiens Alles für die Wissenschaft und den Ruhm ihres Vaterlandes daran setzen, – einer solchen Nation Vergangenheit mag dunkel bleiben, ihre Zukunft wird es nicht sein!" Theodor Duka, Edler von Dukafalva, stammt aus einer alt-Ungarischen Familie, die noch unter den Arpáden aus Griechenland einwanderte und deren einer Zweig 1408 mit der noch heute erhaltenen Besitzung im Komitate Sáros belehnt wurde. Geboren 1825 auf jenem Dominium seines jetzt 70jährigen Vaters, studirte er von 1834 am protestantischen Collegium zu Sárospatak, dann die Rechte in Pest und war von da ab Advokat. Im Jahre 1848 schloss er sich der Bewegung an, war in Ofen Nationalgardist, von Schwechat an im Hauptquartier und Adjutant des Oberbefehlshabers General Görgei, den er bis nach Világos begleitete. Im April 1849 hatte er nach der Schlacht bei Komorn den Militärorden dritter Klasse erhalten. Glücklich entkommen zog er sich nach Gräfenberg zurück, ging dann nach Dresden und Paris, wo ihn Graf Ladislaus Teleki aufs Wärmste an Lamoricière empfahl. Er entschloss sich, eine neue Lebensbahn einzuschlagen und Medizin zu studiren, doch Dekan Orfila bestand auf Österreichische Legitimations-Papiere. Somit wendete sich Duka nach London, wo er von 1850 bis Ende 1853 unter grosser Entbehrung am St. George College absolvirte und das Diplom als Arzt erhielt. Durch General Sir George Pollock's Protektion ward er Arzt der Ost-Indischen Kompagnie. Er ging 1854 über Marseille, Kairo, Sues, Ceylon, Madras nach Calcutta, wo er nach 42tägiger Reise anlangte, und erhielt die Station Monghyr am südlichen Ganges. Dort heirathete er 1855 eine aus London nachgekommene Englische Dame, errichtete ein Spital und wirkte 9 Jahre sehr verdienstlich in seinem Fache. Er benutzte jedoch diese Stellung hauptsächlich auch, um Forschungen sowohl über seines grossen Landsmanns Al. Csoma persönliche Verhältnisse während dessen langjährigen Aufenthalts bis zu seinem Tod in Ost-Indien anzustellen, wie auch Csoma's Programm zur Auffindung des Ursitzes der Ungarn zu verfolgen. Sich mit Indischen Studien eingehend beschäftigend, ward er der zweite Ungar, der je

Mitglied der Asiatic Society geworden, und nachdem er für Ungarische Journale bereits vorläufige Resultate seines Strebens geliefert, nahm er 1863 anderthalbjährigen Urlaub, sowohl um in Europa seine Gesundheit wieder zu kräftigen als um in Ungarn das Programm festzustellen, wonach er ferner wirken wolle. Er ging über Sues wieder nach Ägypten, verfiel jedoch in Alexandrien in eine so schwere Krankheit, dass er nur wie durch ein Wunder gerettet wurde. Dann in Neapel, Rom, Mittel- und OberItalien lebend, kam er nach 15jähriger Verbannung, nunmehr als Englischer Unterthan, nach Pest, wo er durch einen Vortrag über die Krankheiten Ost-Indiens Mitglied des Königl. Ungarischen Ärztlichen Vereins und durch die Abhandlung „Die geognostischen und klimatischen Verhältnisse des Ganges-Delta" Mitglied der Ungarischen Akademie wurde. Seitdem weilt er – nachdem er auf der Rückreise auch Görgei in Klagenfurt besucht – bei seiner Familie in England, um im Januar 1865 nach Ost- Indien zurückzukehren und dann auch seinerseits einen erschöpfenden Beitrag zu dem Versuch zu liefern, den Ursitz der Ungarn aufzufinden. Hermann Vämbéry ist geboren 1832 zu Gutta, einem Dorfe der Insel Schütt in Ungarn, nahe bei Komorn. Seine Familie scheint ursprünglich eine Deutsche gewesen zu sein und hiess Wamberger, jedoch schon sein Vater erhielt gesetzlich die Ungarische Flexion des Namens und war gewöhnlicher Ungarischer Bauer, seine Mutter Ungarin, sein Onkel Dorfschuster. Früh vaterlos, schickte die protestantische Mutter doch den Knaben in die Schule. Kaum 15jährig kam er nach Pressburg, um sich selbst weiter zu helfen. In grösster Armuth besuchte er die Schulen und fand Unterhalt, indem er Slovakischen Köchinnen und sonstigen Dienstleuten Unterricht im Ungarischen gab. Von Jugend auf sehr gut des Ungarischen, eben so des Slovakischen und Deutschen mächtig, erwachte schon frühzeitig in ihm das Talent für Sprachen. Er lernte allein und noch als Knabe Latein, Griechisch, Französisch, Italienisch, Englisch, Serbisch und Kroatisch, indem er täglich aus den verschiedenen Sprachen 600 Wörter auswendig lernte. Beim Ausbruch der Revolution erst 16jährig, wagte er dennoch einen Abstecher nach Wien. Jedoch dort eine Weile bei den Schotten die Schule besuchend gerieth er in noch grösseres Elend, und als er nach Pressburg zurück wollte, hatte er nicht einmal das Fahrgeld. Er sprach einige Herren auf dem Bahnhofe in so klassischem Latein an, dass ihm von den Überraschten ein reichliches Geschenk wurde. Dann in Pest frequentirte er die Schulen der Patres Piaristen, wurde jedoch einiger tollen Studentenstreiche wegen, zu denen er die Mitschüler engagirte, relegirt und besonders Professor Zimmermann bedauerte ihn rügend, dass nie etwas Vernünftiges aus ihm werden dürfte, derselbe Professor, der einige Jahre später zugleich mit Vámbéry Mitglied der Ungarischen Akademie wurde und ihn als Kollegen zu begrüssen hatte. Vámbéry versuchte nun bei Ungarischen Kavalieren Unterstützung zu erlangen, wurde aber nicht einmal von jenen Herren vorgelassen, die ihn später so patriotisch fétirten, nachdem er ohne ihre Unterstützung eine Berühmtheit geworden war. Einzig Baron Josef Eötvös bot dem Unbekannten geringe, aber herzlich gemeinte Beihülfe. So ging er denn 1854 zu Fuss nach Posega in Slavonien, wo er eine Weile in einem Bureau diente. Dann aber machte er sich muthig nach Konstantinopel auf. Dort im grössten Elende, trat er absichtlich förmlich zum Islam über, um in die Schulen des islamitischen Klerus zu gelangen und Sprache, Religion und Sitten gründlich zu lernen. Er machte sich gegen 20 orientalische Sprachen zu eigen, so dass er zuletzt sogar die Aufmerksamkeit der Türken erregte, indem er besonders das Türkische wie ein Eingeborner schrieb. So gelangte er von Stufe zu Stufe, von Dienst zu Dienst bis zu Fuad-Pascha, dessen Sekretär er wurde, und zwar mit bedeutendem Gehalt. Er bekam alle Staatsschriften zu lesen und zu beantworten, hatte zu allen Archiven Zutritt und benutzte diese noch nicht dagewesene Gelegenheit wucherisch. Vámbéry kopirte Hunderte der wichtigsten historischen Dokumente, machte die Ungarische Akademie auf das Vorhandensein der Reste der berühmten Bibliothek des Königs Matthias Corvin aufmerksam, in Folge dessen die Akademie die Herren Ipolyi, Kubinyi und Dr. Hensselmann als Kommission nach Stambul schickte, und war bei vielen anderen Forschungen dem K. K. Legations-Rath Baron Schlechta und dem Dr. Mordtmann behülflich. Nicht minder korrespondirte er viel für Ungarische, Österreichische und Deutsche Journale. Daneben publicirte er: „Abuska, Csagatajtörök szógyüjtemény" (Abuschka, Tschagatai “Türkische Wörtersammlung, aus Türkischer Handschrift), Pest, Emich, 1862 (107 Seiten), ferner eine Türkische Übersetzung von Vörösmarty's Ungarischer Nationalhymne und ein Türkisch-Deutsches Wörterbuch, Konstantinopel 1858 (800 Seiten). Seit 1860 war er Mitarbeiter an Paul Hunfalvi's Ungarisch-philologischer Revue und daraus sind im Separat-Abdruck erschienen: „Hatszáz török példabeszédek" (Sechshundert Türkische Sprichwörter, Türkisch und Ungarisch), Pest, Emich, 1862 (60 Seiten), und „Egy csagatajtörök - magyar mese" (Eine Tschagataitürkisch-Ungarische Sage), Pest, Emich, 1861 (10 Seiten). Im Jahre 1860 ernannte ihn die Akademie zum Mitgliede und gab im folgenden Jahre 1000 Gulden Banknoten Beitrag zu einer Reise nach Samarkand, zu der sich Vámbéry erbot. Er verschwand also eines Tages aus Konstantinopel und verlor sich unter den Bettel

mönchen. Vollkommen den frommen Muselmann spielend, schloss er sich im März 1863 in Teheran der Gesellschaft armer Pilgrime an, die von Mekka kommend nach der Tartarei zurückkehrten, und führte auf diese Weise die Reise durch das Turkomanen-Land, Chiwa, Buchara, Samarkand und andere, zum Theil seit Marco Polo nicht wieder von Europäern betretene Gegenden Central- Asiens aus, über die er kurz nach seiner Rückkehr im Juni 1864 in der Geographischen Gesellschaft zu London berichtet hat. Seine Erzählungen haben ungewöhnliches Aufsehen erregt und sind durch die Zeitungen allgemein bekannt geworden (s. auch „Geogr. Mitth." 1864, Heft VIII, S. 313), auch werden binnen Kurzem bei Murray in London die „Travels and Adventures of Arminius Vámbéry" im Druck erscheinen!). Vámbéry glaubt prägnantere Spuren jenes sogenannten „Ursitzes der Magyaren" gefunden zu haben als Csoma oder andere seiner Vorgänger. Er hinkt von Natur auf Einem Beine, das hinderte ihn aber nicht, die ungeheuere, gefahrvolle Reise zu wagen, die er selbst heute ein tolles Wagestück nennt, ja dadurch, dass die Mohammedaner Jedermann religiös ehren, der ein körperliches Gebrechen hat, war dieser Umstand noch zu seinem Vortheil. Er blieb 3 Jahre aus und schon glaubte man ihn verloren, denn er

*) Ohne den Verdiensten Vämbery's, über die sein bei Murray erscheinendes Buch entscheiden wird, zu nahe treten zu wollen, müssen wir doch bemerken, dass die meisten der von ihm bereisten Landschaften, namentlich auch Chiwa und Buchara, in älterer und neuerer Zeit ziemlich häufig von Reisenden besucht worden und daher verhältnissmässig gut bekannt sind. Selbst in Samarkand ist er keineswegs der erste Europäer seit dem 15. Jahrhundert gewesen, wie wir (Heft VIII, S. 313, dieses Jahrgangs) einem Sir Henry Rawlinson und anderen Koryphäen der Londoner Geogr. Gesellschaft in einem schwachen Augenblicke nachgebetet haben, sondern im Jahre 1620 kam der Russische Gesandte Iwan Danilow Chochlow ebenfalls nach Samarkand, um 1780 berührte der in Bucharische Gefangenschaft gerathene Russische Unteroffizier Jefremow wahrscheinlich die berühmte Stadt, allerdings ohne Nutzen für die Wissenschaft, und 1841 hielt sich die Russische wissenschaftliche Expedition, aus dem Bergingenieur-Oberst Butenjew, dem Stabskapitän Bogoslowskji, dem bekannten Geographen N. Chanykow und dem Naturforscher Alexander Lehmann bestehend, vom 1. bis 4. September und vom 18. September bis 15. Oktober in Samarkand auf, indem sie in der Zwischenzeit sogar die Gebirgsgegend östlich davon bereisten. Chanykow gab bald nach seiner Rückkehr eine Beschreibung des Chanats Buchara in Russischer Sprache heraus (St. Petersburg 1843), woraus W. Mahlmann einige die klimatischen und Vegetations-Verhältnisse betreffende Abschnitte Deutsch wiedergegeben hat (Monatsberichte der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, N. F. 2. Bd. SS. 132–140); Butenjew und Bogoslowskji theilten ihre geologischen, bergmännischen und meteorologischen Beobachtungen in dem Russischen Gorny-Journal (1842, Nr. 10 und 11) mit und Erman hat in seinem Archiv (1842, SS. 683–709) Auszüge veröffentlicht; den Lehmann'schen Nachlass endlich ordnete und publicirte G. v. Helmersen im 17. Bd. der „Beiträge des Russischen Reichs" (mit Karte und einem zoologischen Anhang, bearbeitet von J. F. Brandt) und speziell die botanische Ausbeute Bunge in den „Mémoires des savants étrangers de l'Académie de St.-Pétersbourg" (1852), auch sind die Resultate noch weiter bekannt geworden durch die Auszüge, welche A. Grisebach's „Bericht über die Leistungen in der geographischen und systematischen Botanik während des Jahres 1852" und daraus die „Geogr. Mittheil." (1855, SS. 163–167) gebracht haben. A. P.

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