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Churchud's Soldaten ihn bei Kamrasi hätten erwarten sollen, was sie aus Furcht vor den eingetretenen Regen unterliessen. Bei Kamrasi soll die bei allen Njamanjam übliche Sitte herrschen, dass Fremde, die den Fürsten besuchen, um ewige Freundschaft zu schliessen, eingeladen werden, mit ihm Blut zu trinken. Jeder macht sich mittelst eines Messers eine kleine Armwunde und reicht das ihr entquellende Blut dem Anderen. Als Zeichen seines Schutzes giebt Kamrasi dem Reisenden einen Begleiter, der beauftragt ist, einen königlichen Stab vor ihm herzutragen. Die Vergiftung von Hühnern, über welche ich Ihnen schon in meinen ersten Berichten über die Njamanjam Kunde gab, ist bei Kamrasi nicht üblich. Den 27. Juni. – Ich wollte diesen Brief schon vor 8 Tagen absenden, war aber die ganze Zeit her wieder krank und unfähig, nur das Zimmer zu verlassen. Jetzt fühle ich mich wieder besser, aber immer noch schlecht genug. Es sind nun gerade zwei Jahre, dass ich mit Steudner in Chartüm ankam; damals hätte ich nicht gedacht, dass es nur möglich wäre, dass meine alten Knochen noch so lange zusammenhalten könnten. Morgen schiffe ich, so Gott will, mein Gepäck nach Berber ein, während unsere Reitthiere (Pferd, Maulthier und Esel) zu Land die Reise dahin machen werden, und am 3. Juli gehen wir von hier ab. In Berber

wird es wieder viel Aufenthalt geben, bis wir 80 oder

90 Kameele beisammen haben, aber ich hoffe, wir geniessen auf der Reise nach Sauakin noch die schönen Mondnächte des kommenden Mondmonats, wahrscheinlich aber auch manchen guten Platzregen. Es wird sich wohl kaum der Mühe lohnen, Ihnen über meine Reise bis Berber einen Bericht zu senden, von Sauakin aus erhalten Sie aber jedenfalls eine grössere Arbeit und Nachricht, was ich von dort aus beginnen werde, was namentlich vom Stande meiner Gesundheit abhängt.

Die Betriebsamkeit auf den Dahalak - Inseln im Rothen Meer.

Von W. Munzinger ).

Obgleich das Rothe Meer fast in keinem seiner Theile produktionsunfähig ist, zeichnet sich doch im Norden hauptsächlich die Insel Hasanieh durch ihren Fischereibetrieb aus, während im Süden die Inseln von Dahalak den Mittelpunkt für alle Fischer von Jemen und Afrika bilden.

Die Inseln von Dahalak sind die Mittelstation zwischen Massua einerseits und Loheja und Djedda andererseits; sie bestehen aus zwei grösseren und mehreren kleineren Inseln, die meist unbewohnt sind. Die beiden grösseren sind Dahalak und Nora. Diese zwei Inseln haben eine sehr ärmliche Vegetation, kleine Dornenbäume und einige Dattelpalmen von der Gattung Dum. Man bewahrt das Regenwasser in Cisternen auf. Die Einwohner, deren Sprache den Abessinischen Ursprung nicht verleugnet, sind reich an Ziegen, Kameelen und Eseln, die alle meistens halbwild auf der Insel umherschweifen und nur eingefangen werden, wenn man ihrer bedarf. Auf der Insel Döhel giebt es auch Kühe. Von der Ziegenmilch wird im Win

!) Aus Munzinger's Ost-Afrikanischen Studien. – Zur Orientirung siehe Tafel 1 im 13. Ergänzungsheft der „Geogr. Mittheilungen".

ter ein schmackhafter Käse in rundlicher Form bereitet. Auf der grossen Insel Dahalak befinden sich mehrere Ortschaften, deren jede ihr erbliches Haupt hat. Sie sind vom Pascha von Massua abhängig und zahlen von den Barken und Sklaven einen jährlichen Tribut von nahe an 1000 Thalern, zu deren Eintreibung Soldaten herübergeschickt werden. Sonst ist die Regierung ganz einheimisch. Die Häupter der Dorfschaften waren früher sehr reich, aber die Habsucht der Türken hat sie heruntergebracht. Sie haben immer noch viele Barken, die sie mit ihren zahlreichen Sklaven und Unterthanen bemannt auf die Fischerei ausschicken. Der alte Glanz zeigt sich noch in der echt patriarchalischen Gastfreundschaft. Naht ein Fremder dem Dorfe, so geht ihm der Chef desselben von Weitem entgegen, führt ihn in ein Haus, das eigens zur Fremdenaufnahme bestimmt ist, und labt ihn mit Speise und Trank. Die Leute von Dahalak bauen ihr Land nie an, obgleich der Boden Pflanzungen sehr günstig ist; sie fürchten die Habgier ihrer Herren noch mehr zu reizen. Ihre Hauptbeschäftigung besteht in der Fischerei; mit der Viehzucht und den Hausarbeiten sind die Frauen und Kinder betraut. Die hauptsächlichsten Meerprodukte sind die Perlen, die Perlmutter- und die Schildkrötenschalen. Das Meer von Dahalak ist die eigentliche Perlenregion; man findet sie in den Perlmutterschalen oder in einer kleinen, Bülbül benannten Muschel. Man betrachtet die grossen Regen als ein gutes Zeichen für die Ernte der Perlen, die man die im Meer krystallisirten Thränen des Himmels nennt. Es scheint, dass viel Regen das Muschelthier krank macht, so dass sich ein Ausfluss bildet, der durch Verhärtung zur Perle wird. Der Perlenmarkt ist zu Dömöllo auf der Ostseite der grossen Insel. Mit dem Handel beschäftigen sich hauptsächlich die Banianen (Indischen Kaufleute); sie ziehen die weissen Perlen den gelben nicht vor, während bei uns die letzteren gar nicht geschätzt werden. Vor 15 Jahren war ein Franzose von einem Pariser Hause beauftragt, die Perlen Dahalak's zu untersuchen, aber das Resultat seiner Nachforschungen und selbstunternommenen Fischereien war ein sehr ungünstiges Urtheil über die Qualität derselben. Die Schildkrötenschalen (Arab.: Döbel, Bägeh) finden sich in allen Häfen von Dahalak käuflich und eben so in Aqiq, Massua und den Plätzen von Jemen. Die Schildkrötenschale besteht aus 13 Stücken, von denen besonders die schweren mit dunkelgelbem Grund und braunschwarzen Blumen geschätzt und meistens nach Indien versandt werden. Zum Schildkrötenfang wird eine Barke mit wenigstens 20 Leuten bemannt, die nach und nach alle Inseln des Archipels besucht und bei jeder derselben beobachtet, ob sich Schildkröteneier auf dem Ufersande vorfinden. Ist diess der Fall, so wird ein Mann mit Provision von Lebensmitteln und Wasser daselbst zurückgelassen, welcher der Schildkröte auflauert, bis sie weit genug ans Land ist, um ihr den Rückweg abschneiden und sie auf den Rücken legen zu können. Dann wartet er auf die Rückkunft der Barke, die inzwischen die übrigen Inseln besucht hat. Nach der Heimkehr in den Hafen werden zuerst die Kosten zu Gunsten des Armateurs abgezogen und dann gewöhnlich zu gleichen Theilen zwischen diesem und den Matrosen getheilt. Doch bekommt der Matrose, der eine Schildkröte gefangen, gewöhnlich das sechseckige Mittelstück als besondere Belohnung. Die Perlmutterschalen findet man von Sues bis zu den Küsten von Berbera; Djedda ist der grosse Markt für dieselben. Ihre Qualität wird nach der Grösse und Schwere beurtheilt und ist natürlich sehr verschieden. Die Nacres (Sadaf) z. B. von den Dahalak-Inseln sind klein, weil man ihnen durch das beständige Fischen nicht die Zeit lässt, sich gehörig zu entwickeln. Man betreibt die Fischerei in Barken von 5 bis 10 Tonnen, mit vieler Bemannung und mehreren Piroguen (Huri), länglichen, schmalen, ausgehöhlten Baumstämmen, die im Rothen Meere meist die Stelle der Kähne vertreten. An jedem windstillen Tage gehen die Huri mit drei bis fünf Leuten nach verschiedenen Richtungen ab, und sobald sie eine Nacres-Bank entdeckt haben, tauchen sie so lange, bis die Huri mit dem Produkt so weit beschwert ist, dass sie in die Barke ausladen muss. Die letzteren gehen oft von Djedda bis Berbera und bringen nach einigen Monaten meist schöne Ladungen zurück, da sie gewöhnlich noch einige frische Bänke entdecken, wo die Nacres zu ihrer ganzen Entwickelung gekommen sind. Auf der Rückreise berühren sie meistens den Hafen von Naura im Nordwesten von Dahalak und suchen da ihre Ladung zu verkaufen. Die Perlmutterschalen gehen eben so wohl nach Indien als nach Europa und Syrien und sind durch diesen dreifachen Absatzweg im Preise schon sehr gestiegen. Mit dieser Fischerei ist natürlich die der Perlen verbunden, da diese sich im Inneren der Schalen finden. Doch liefert auch die Bülbül, eine kleine schwarze Muschel, eine etwas geringere Qualität. Ausser den erwähnten Produkten befindet sich im Rothen Meer ein grosser Reichthum von Schwämmen, der aber bis jetzt wenig ausgebeutet wurde. Ich habe davon sehr schöne Muster gesehen. Diese verschiedenen Meerprodukte geben den meisten Anwohnern des Rothen Meeres Beschäftigung und Erwerb, besonders aber den Leuten von Dahalak, die durch ihre Lage darauf angewiesen sind. Bruce, in seiner Beschreibung der grossen Insel, kann nicht begreifen, wie Leute in diesem Lande wohnen bleiben, und schreibt diess der natürlichen Anhänglichkeit der Menschen an das Heimatland zu. Mir scheint es aber, dass diese Leute sehr thöricht wären, ihre Inseln und ihr so überaus ergiebiges Meer gegen die unruhigen Küstenländer zu vertauschen. Jetzt können sie, ungestört von Krieg und Wirrsal des Kontinents, ihrem Geschäft nachgehen, dessen Entwickelung ihnen Wohlstand verspricht. Der Boden erlaubt ihnen, Heerden zu halten, die von Wölfen nicht gefährdet werden und auf den kleinen Eilanden keiner Aufsicht bedürfen. Sogar der Ackerbau würde in Folge der Winterregen sehr lohnend sein, das Wasser ist reichlich vorhanden und süss, das Klima angenehm, im Sommer nie zu heiss. Auch sind diese von Bruce bemitleideten Inseln keineswegs isolirt; täglich fahren Barken, die zwischen Massua, Loheja und Djedda einen lebhaften Verkehr unterhalten, hier vorüber und bringen alle möglichen Lebensbedürfnisse (Butter, Durra, Reis, Datteln und andere Früchte) reichlich und wohlfeil hierher.

Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1864, Heft IX.

Graf Krockow's Reise nach den Nil-Ländern.

In der zweiten Woche des September ist Herr Carl Graf v. Krockow, Mitglied und Bibliothekar des Dresdener Vereins für Erdkunde, mit einem Gefährten nach Ägypten abgereist, um von dort eine Winterreise nach dem Sudan anzutreten. Er wird entweder den Nil hinauf oder zu Schiff nach Suakin gehen und im letzteren Falle den Rückweg über Chartüm und durch das Nil-Thal nehmen. Vorzugsweise beabsichtigt er den Besuch von Kassala, Kedaref und Galabat, und zwar soll wo möglich der unbekannte

westliche Theil des Basen-Landes zwischen Kassala und

dem Setit durchreist werden. Auch die Nubische Wüste hofft Graf Krockow in einer noch nicht begangenen Richtung, zwischen Korosko und Ambukol, zu durchschneiden. Mit einigen Instrumenten, wie Barometer, Thermometer und Kompass, ausgerüstet, wird er meteorologische Beobachtungen, Höhenmessungen, Temperatur-Bestimmungen von Quell- und Flusswasser u. s. w. anstellen, und wenn ihn das Glück begünstigt, hoffen wir in den „Geogr. Mittheil." interessante Nachrichten von den Ergebnissen seiner Reise zu veröffentlichen.

Entdeckung eines Kohlenlagers in der Bay of Islands, Neu-Seeland.

Aus Ferdinand v. Hochstetter's ausgezeichnetem Werke über Neu-Seeland ist es bekannt, dass dort auf der nördlichen wie auf der südlichen Insel zahlreiche Kohlenlager vorkommen, welche das wichtige Brennmaterial in sehr verschiedener Qualität, vom torfartigen Lignit bis zur anthracitartigen Schwarzkohle, liefern. Anfang März 1864 wurde nun auch an der Ostküste der nördlichsten Halbinsel, in der Bay of Islands am Flusse Kawa-Kawa, ein Kohlenflötz entdeckt. Die Kreideformation, welche die Hügel in jener Gegend bildet und auch am Kawa-Kawa hinauf sich fortsetzt, bedeckt einen oolithischen Sandstein und unter diesem liegt eine Schieferformation mit einem Kohlenflötz, das in einem Seitenarm des Kawa-Kawa zu Tage tritt und auch zu Waiomio, 5 Engl. Meilen entfernt, beobachtet worden sein soll. Die Kohle scheint von guter Qualität zu sein.

Ein neues Goldfeld auf Neu-Seeland.

Grosse Bewegung verursacht in Neu-Seeland, besonders in Nelson und Picton, die im April d. J. erfolgte Entdeckung, dass der Pelorus, der im Grenzgebiet zwischen den Provinzen Nelson und Marlborough dem Pelorus-Sund und durch diesen der Cook-Strasse zuströmende Fluss, und sein Nebenfluss Wakamarina Gold führen. Tausende strömten bei der ersten Nachricht von dem Fund dahin, selbst von den Goldfeldern in Otago kamen sie herbei, und es ist dadurch ein reges Leben an Ort und Stelle so wie in den nächsten Küstenstädten entstanden. Es wird behauptet, dass bis Mitte Mai etwa 5000 Unzen Gold gewonnen waren, ob aber die Ausbeute eine nachhaltig lohnende sein wird, bleibt dahin gestellt. Jedenfalls ist das Vorkommen von Gold gerade am Pelorus, wo man es der geologischen Verhältnisse wegen nicht erwartet hat, interessant und macht nähere Aufschlüsse wünschenswerth. Die Goldfelder der benachbarten Provinz Nelson (s. „Geogr. Mitth." 1863,

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Tafel 1) liefern im Durchschnitt jährlich 10.000 Unzen im Werth von 37.500 Pfd. St.

Welches sind die Kulminations-Punkte der Vereinigten Staaten und ganz Nord-Amerika's?

Wie Prof. J. D. Whitney, Chef der Geologischen Aufnahme von Kalifornien), in den „California Proceedings" (II, 219)?) ausführt, musste nach dem bisherigen Stand unserer Kenntniss von den Nord-Amerikanischen Gebirgen der Shasta, dessen Höhe nach Karl Hoffmann's Messung (1862) 14.440 Engl. Fuss beträgt *), als höchster Gipfel innerhalb der Grenzen der Vereinigten Staaten gelten. Mt Hood, der bisweilen als höchster Berg der CascadeKette bezeichnet wird, ist wahrscheinlich nicht so hoch als der Shasta, Rainier oder Adams und durchaus nicht zur Suprematie in der genannten Bergkette berechtigt, obwohl einer der höchsten Punkte darin. Dr. Vansant's trigonometrische Messungen im Jahre 1860 sollen als Höhe des Hood 11.934 Engl. Fuss ergeben haben. Dagegen wurde ganz kürzlich von Prof. Brewer, K. Hoffmann, King und Gardner, welche bei der geologischen Aufnahme von Kalifornien betheiligt sind, eine Gebirgsgruppe der Sierra Nevada besucht, welche vielleicht noch höhere Gipfel einschliesst. Professor Whitney schreibt darüber an Silliman's „American Journal" (September 1864, p. 298): „Sie unternahmen eine ausgedehnte Rekognoscirung in die Hohe Sierra, zwischen den Parallelen von 36 und 38“, indem sie von Visalia ausgingen und die Gegend an den Quellen der Flüsse Kaweah und King erforschten. Im Widerspruch mit unserer früheren Meinung, die sich auf alle über diese ganz unbekannte Gegend von uns eingezogenen Erkundigungen stützte, stellt es sich heraus, dass dieselbe den höchsten sowohl als den wildesten und grossartigsten Theil der Sierra bildet. Es scheint nach Prof. Brewer's Brief möglich, dass selbst Mo Shasta von einem oder mehreren der riesigen, bei dieser Exploration entdeckten Gipfel überragt wird. Am 2. Juli (1864) erklommen die Reisenden einen scharfen Granitkegel von ungefähr 13.500 Fuss Höhe; über die Aussicht von dort schreibt Prof. Brewer: „„Die Schneeberge bilden hier einen Gürtel von 30 bis 40 Engl. Meilen Breite, über das Ganze erheben sich äusserst scharfe, über 11.000 Fuss hohe Granitrücken und Hunderte von mehr als 12.000 F. hohen Punkten. Unser Standpunkt ist nicht niedriger als 13.500 F. und vielleicht 13.600! Zu unserer Überraschung gehört dieser Kegel nicht zu dem eigentlichen Kamm, dieser liegt vielmehr 15 bis 20 Engl. Meilen östlich von uns, und es sind wenigstens 10 andere Gipfel in Sicht, die eben so hoch, mehrere, die höher sind, und einer, der wahrscheinlich 14.000 Fuss oder beinahe so viel erreicht." Einer dieser höchsten Gipfel wurde von Mr. King am 6. Juli nicht ohne grosse Schwierigkeit erstiegen. Er fand ihn über 14.000 Fuss hoch und ausserdem waren 5 andere Gipfel eben so hoch als dieser und zwei noch höher, einer davon übertrifft möglicher Weise den Shasta. Diese grossartigen Erhebungen liegen zwischen den Quellen des King und des Kern, etwas nördlich von dem Nordende des Owen

) S. „Geogr. Mitth." 1864, Heft II, S. 70. ) Silliman's American Journal, Januar 1864, p. 81. 3) S. „Geogr. Mitth." 1863, S. 389.

See's. Die höchsten Spitzen kann man am besten vom Owen-See und Visalia, wahrscheinlich nur von dieser Seite aus, besuchen. Mr. King machte sich Mitte Juli auf, um sie zu erreichen, ein kühnes Unternehmen, über dessen Ausgang wir bald Nachricht zu erhalten hoffen.

„Es scheint somit, als hätten wir in dem soeben von den Mitgliedern der Geologischen Aufnahme besuchten Distrikt die grösste Gebirgsmasse, wenn wir Breite und durchschnittliche Erhebung in Betracht nehmen, die bis jetzt innerhalb der Grenzen der Vereinigten Staaten und vielleicht auf dem Nord-Amerikanischen Kontinent entdeckt worden ist. Dass diese Thatsache so lange unbekannt blieb, erklärt sich dadurch, dass jene Gegend unbeschreiblich rauh und schwer zugänglich ist und dass sie, so weit wir in Erfahrung bringen konnten, niemals von einem Mann der Wissenschaft oder selbst von einem Jäger oder Goldsucher besucht worden ist. Die Sierra ist in dieser Gegend eben so wie weiter nördlich reich an Spuren ehemaliger Gletscher von ausserordentlicher Grösse."

Der St. Elias ist gewöhnlich als höchster Berg NordAmerika's angesehen worden, und zwar auf die Autorität von Malespina's Manuskripten, die Al. v. Humboldt in den Archiven von Mexiko auffand und welche dem Berg eine Höhe von 17.854 Engl. Fuss zuschreiben. Die folgenden Umstände rechtfertigen aber nach Whitney die Ansicht, dass Malespina's Messungen sehr ungenau waren. Erstens hat La Perouse den Berg in den Jahren 1786 bis 1788 zu 12.661 F. bestimmt, dann wird seine Höhe auf Englischen Seekarten zu 14.970 F. angegeben). Ferner sagt Vancouver in seiner Beschreibung des Berges ausdrücklich, dass die Schneedecke nicht weit an seinen Abhängen herabreicht, was unter 60° Nördl. Breite jedenfalls Statt finden müsste, wenn die Höhe wirklich 17.000 F. betrüge. Wahrscheinlich kommt die Höhenangabe auf den Englischen Karten der Wahrheit am nächsten und in diesem Fall ist der St. Elias gegen 3000 Fuss niedriger als der Popocatepetl, auch niedriger als einige andere Punkte in Mexiko und als die Berge Brown und Hooker in Britisch-Columbia, deren Höhe man gewöhnlich zu 16.000 und 16.750 Fuss annimmt, obgleich diese von Douglas gegebenen Zahlen von geringem Werth und wohl viel zu hoch sind.

Was die Höhe der Mexikanischen Vulkane anlangt, so besteht keine Unsicherheit, da sie von Sonntag sorgfältig gemessen wurden und dessen barometrische Beobachtungen mit den trigonometrischen, die Al. v. Humboldt vor mehr als 50 Jahren ausführte, stimmen. Nach Sonntag hat der Popocatepetl 17.783 F. Höhe?) und ihm muss daher die Ehre zuerkannt werden, an der Spitze der Berge NordAmerika's zu stehen.

Vorstudien zur Telegraphen-Linie durch BritischNord-Amerika.

Seit der Entdeckung des Goldes am Fraser-Fluss im Jahre 1856 ist eine erleichterte Verbindung zwischen den Britischen Besitzungen im Westen der Felsengebirge und

') In der neuen Ausgabe von Raper's Positions-Tabellen (1862) wird die Höhe des M' St. Elias zu 14.917 Engl. Fuss angegeben, aber 14.970 steht auf der Engl. Admiralitäts-Karte des Grossen Oceans in 12 Bl. vom Jahre 1857.

?) S. „Geogr. Mitth." 1861, S. 126, Nr. 3.

denen im Osten derselben eifrig angestrebt worden. Schon im J. 1857 ging die Palliser'sche Expedition nach den Felsengebirgen, um deren Pässe mit Rücksicht auf die herzustellende Strasse zu prüfen, gleichzeitig untersuchte die Canadische Expedition unter Gladman, Hind, Dawson und Napier die östlicheren Gegenden vom Oberen See bis zum Saskatschewan und seitdem sind von Privaten eine ganze Reihe von Rekognoscirungen und Übergänge über die Felsengebirge nach Britisch-Columbia ausgeführt worden. Bis jetzt ist jedoch für die Strasse noch Nichts geschehen, ausgenommen die Einrichtung regelmässiger Dampfschifffahrt auf dem Red River und die kürzlich erfolgte Bewilligung von 50.000 Dollars von Seite der Canadischen Regierung zum Zweck der Verkehrserleichterung zwischen Canada und dem Red River. Dagegen scheint das Projekt, eine Telegraphen-Leitung durch das Britische Gebiet von Ocean zu Ocean herzustellen, seiner Verwirklichung näher zu rücken, denn im Sommer dieses Jahres ist der bekannte Polar-Reisende Dr. Rae im Auftrag der neuen Hudsonbai-Gesellschaft von Canada über den Red River und das Saskatschewan-Gebiet nach BritischColumbia gegangen, um eine geeignete Linie für den Telegraphen auszusuchen. Zugleich will er sich spezieller nach den Lokalitäten umsehen, welche das nöthige Holzwerk liefern könnten, und Unterhandlungen mit den IndianerStämmen anknüpfen, deren Gebiet die Linie passiren wird. Er dachte die Westküste im Oktober zu erreichen.

Der grösste Arabische Geograph.

Der Besprechung eines noch unpublicirten Werkes von Aloys Sprenger im „Ausland" entnehmen wir die folgende Stelle:

Der beste aller Arabischen Geographen, nach Sprenger's Ansicht sogar der „grösste Geograph, den es je gegeben hat", ist der bis jetzt so gut wie gar nicht gekannte Moqaddasy, auch Ibn al-Banna genannt, weil sein Vater Baumeister war. Er schrieb um 375 (= 985 n. Chr.). „Es hat vielleicht", sagt Sprenger, „nie einen Mann gegeben, der so viel gereist und so scharf beobachtet und zugleich das Gesammelte so planmässig verarbeitet hätte. Auch als Reisender wird er von Anderen, z. B. von Ibn Batuta, durch die grossen Entfernungen, welche sie zurücklegten, übertroffen, aber Keiner, welcher seine Erfahrungen schriftlich hinterlassen, hat die Moslimischen Länder in allen Richtungen durchkreuzt, sich in allen bedeutenden Orten längere Zeit in der Absicht, das Leben und die Eigenheiten kennen zu lernen, aufgehalten. Er hat zwar weder Sind noch Spanien besucht, auch scheint er nie in Sigistan gewesen zu sein. Aber wo er immer hinkam, hat er sich mit allen Klassen abgegeben und sein Augenmerk auf dasjenige gerichtet, was für den Menschen von Nutzen oder Interesse ist. In Aden hat er das Buchbinderhandwerk getrieben, in Nayschapur hat er Höflinge und Gelehrte besucht, im Lande der Pehlewier, aus welchem seine in Jerusalem ansässige Familie stammte, hat er die socialen Zustände studirt und in Sus spielte er einige Zeit den Faqyr. Als Charakteristik des Mannes theile ich seine eigenen Worte mit:

„ „Als ich nach Sus kam, verfügte ich mich nach der Hauptmoschee, um einen Schaych zu finden, von welchem ich Traditionen hören könnte. Ich hatte eine Cyprische

wollene Gobbe (Überrock) an und um die Lenden war ein Baçrisches Fota gewunden. Ich stiess auf die Versammlung der Quf, und als ich mich ihnen näherte, zweifelten sie nicht, dass ich ein Quf sei, und begrüssten mich mit „Marbaba!" und „Salam!". Sie wiesen mir in ihrer Mitte einen Sitz an und stellten verschiedene Fragen an mich. Dann schickten sie einen Mann nach Speisen, ich aber zog mich vom Essen zurück, denn ich war früher nie unter dieser Brüderschaft gewesen. Sie wunderten sich darüber und überhaupt über mein Abweichen von ihren Sitten. Ich wünschte jedoch mich mit ihnen zu mischen, um ihre Lebensart und Lehren kennen zu lernen. Ich dachte: Jetzt habe ich eine Gelegenheit, hier bin ich unbekannt. Ich gab mich ganz ihnen hin und warf alles Schamgefühl ab: bald schickte ich Botschaften an sie, bald wohnte ich ihren lärmenden Auftritten bei, bald las ich ihnen mystische Gedichte vor; auch ging ich mit ihnen hinaus in die Ribate (Versammlungsorte) und fand mich bei ihren Gelagen ein. So gelang es mir, ihre Herzen und die Herzen der Einwohner der Stadt über alle Maassen zu gewinnen. Ich erreichte eine gewisse Berühmtheit und erhielt zahlreiche fromme Besuche. Man brachte Kleider und ganze Beutel voll Geld. Ich nahm diese Geschenke an und überreichte sie sogleich ganz der Brüderschaft, denn ich war reichlich versehen mit Subsistenzmitteln. Ich war täglich bei einigen Gelagen, und was waren diess für Gelage! Sie glaubten, dass ich ihnen aus Enthaltsamkeit Alles gebe, was ich erhielt. Das Publikum berührte mich und erkundigte sich nach meinem Befinden und sagte: Wir haben nie einen besseren Faqyr gesehen als diesen. Auf diese Art gelang es mir, die Geheimnisse der Brüderschaft zu erforschen und mit dem, was ich zu wissen wünschte, bekannt zu werden. Hierauf floh ich während der Nacht und am Morgen war schon eine grosse Strecke zwischen mir und meinen früheren Gefährten.

„„Eines Tages spazierte ich in Bagra hinein, war ordentlich gekleidet und es folgte mir mein Bursche. Es begegnete mir einer von der Brüderschaft, blieb stehen und konnte sein Erstaunen nicht verbergen. Ich ging an ihm vorüber, als wenn er mir nicht bekannt wäre."" „In seinem Werk entwickelt er eigenthümliche und be

achtenswerthe Ansichten. Der grössere Theil des Moslimischen Territoriums gleicht einer Anzahl von Oasen, welche durch Wüsten und Steppen von einander getrennt werden. Dieser Umstand scheint ihn nun bewogen zu haben, besonders grosses Gewicht auf die Eintheilung der Länder zu legen. Er wollte vermeiden, dass Landstriche, welche ganz verschiedene Physiognomien haben, zusammengeworfen werden. Er geht von dem Grundsatz aus, dass ein Land wie eine Armee sei. Die Dörfer entsprechen den Gemeinen, Landstädte, welche Mittelpunkte der Civilisation von mehreren Dörfern sind, den untergeordneten Offizieren, Provinzial- Hauptstädte den Führern von Divisionen und die Metropolen den Generälen, denn in diesen koncentrirte sich die Civilisation von mehreren ihrem Charakter nach verschiedenen Provinzen. Weil er so grosses Gewicht auf eine rationelle Gruppirung der Länder legt, heisst er auch sein Buch „die beste Eintheilung der Länder zur Kenntniss der Provinzen". Überzeugt von der Richtigkeit seiner Behauptung habe ich auch seine Eintheilung in diese Schrift aufgenommen, denn wenn wir den Orient studiren wollen, müssen wir uns auf den orientalischen Standpunkt versetzen. Seine Nachrichten über das Klima, die Produkte, Handel, Münzen, Maasse und Gewichte, Sitten der Einwohner, Steuern und Abgaben jedes Landes gehören zu den wichtigsten Beiträgen zur Orientalischen Kulturgeschichte und sollen auch in der beschreibenden Geographie berücksichtigt werden. Der einzige Fehler des Moqaddasy ist, dass er sich viel zu kurz fasst, dass er zu ängstlich das bereits von Anderen Gesagte zu wiederholen vermeidet und, wenn er Andere abschreibt, den Plagiarismus zu künstlich zu verbergen sucht und dass er bisweilen in gereimter Prosa schreibt, wodurch wir in Zweifel gesetzt werden, wo die Thatsachen aufhören und die Rhetorik anfängt. Er erklärt übrigens in der Vorrede, dass er die Ausdrücke wohl abgewogen habe, und wenn er von einem Produkt sage „ohne Gleichen", es wörtlich zu verstehen sei, wenn er aber sage „ausgezeichnet", es anderwärts eben so gute, ja noch bessere Produkte der Art geben könne. Das strenge Festhalten an seiner Terminologie hat aber den Nachtheil, dass manche Theile des Buches etwas Tabellenartiges haben. Moqaddasy war ein praktischer Mann und sein Werk ist daher von seinen Nachfolgern, welche meistens Stubengelehrte waren, nur wenig benutzt worden." Moqaddasy, erklärt Sprenger, sei der letzte Arabische Geograph, der diesen Namen verdiene, denn Yakut und Abulfeda seien nur Kompilatoren und Philologen gewesen, denen es hauptsächlich darum zu thun war, die Rechtschreibung und Aussprache von Ortsnamen festzustellen, Edrisi's Werk aber habe nicht einmal das Verdienst der orthographischen Genauigkeit besessen.

Eine neue Weltkarte ).

Die Locomotive, das Dampfschiff und der elektrische Telegraph haben die Stellung des Menschen zur Erde gegen alle früheren Zeiten völlig verändert. Er ist Herrscher über die Entfernungen und dadurch auch so zu sagen über die Zeit geworden. Eisenbahnen finden in ihrer Ausdehnung zwar eine gewisse Beschränkung in den Erhebungen des Festlandes, Telegraphen in den Vertiefungen der Oceane, aber das Dampfschiff wenigstens bewegt sich in seinem Elemente völlig frei und unbehindert, wie der Vogel in der Luft. Alle drei Verkehrs- und Verbindungsmittel aber ergänzen sich in grossartigster Weise und bilden eine zusammenhängende Kette des Menschenverkehrs um die Erde, welche zu einer Haupt-Basis der Weltstellung geworden ist. Dampfschiffe überziehen die Oceane mehr und mehr mit einem Netz von regelmässigen Postlinien ähnlich wie ehedem die Postwege des Festlandes.

!) Herm. Berghaus, Allgemeine Weltkarte in Mercator's Projektion, zur Übersicht der Postschifffahrt und neueren Reisen um die Erde. Ein kolorirtes Blatt nit 7 Nebenkarten: Landenge von Panama; Landenge von Sues; Landenge Eden (Neu-Seeland); Allgemeine Windkarte; Linien gleicher magnetischer Missweisung; Nördliche und südliche Halbkugel, zur Übersicht der Reisen und des Telegraphen um die Erde. Preis 1 Thlr., aufgezogen in Mappe 1 Thlr. Gotha, Justus Perthes, 1864. (Wir nennen diese in der Notiz die „kleine" Weltkarte im Gegensatz zu der im vorigen Jahre erschienenen „grossen" Weltkarte von demselben Verfasser, in 8 Bl., Preis 4 Thlr.)

Diese Verhältnisse lassen sich nur auf einer Weltkarte übersichtlich veranschaulichen, aber merkwürdiger Weise gab es bis zum Erscheinen von Hermann Berghaus' grosser und kleiner Weltkarte keine solche Karte, die dem Standpunkte unseres heutigen Weltverkehrs gebührende Rechnung getragen hätte. Sie sind desshalb beide eine Neuheit in der geographisch-kartographischen Literatur.

Sie geben nicht bloss ein anschauliches Bild von dem Standpunkte unserer gegenwärtigen Kenntniss der Erde zu Land und zur See, von den augenblicklichen politischen Verhältnissen nach fest begrenzten Staaten und Kolonialbesitz, sondern auch von den grossen Weltstrassen und Verbindungsmitteln, die als eine Folge der Erfindung der Dampfmaschine und der Telegraphie um die Erde gelegt sind. Nimmt man dazu, dass diese Karten sehr gründlich und gewissenhaft ausgearbeitet, sehr geschmackvoll und brillant ausgeführt sind und besonders durch ihr reiches Kolorit guten Effekt machen und eine grosse Deutlichkeit erlangen, so ist es kein Wunder, dass sie sofort Eingang und eine weite Verbreitung fanden. Binnen Jahresfrist erlebte die erste dieser Weltkarten bereits drei starke Auflagen. Wir können uns füglich erlauben, auch öffentlich, in dieser den geographischen und kartographischen Interessen dienenden Zeitschrift, unsere Freude über einen solchen Erfolg auszusprechen, da gute und dem heutigen Standpunkt der kartographischen Wissenschaft entsprechende Kartenwerke nur mit grossen Opfern und einer so bedeutenden Mühewaltung ausgeführt und vollendet werden können, wie sie nur der zu beurtheilen weiss, der sie aus eigener Erfahrung kennt.

Die eben ausgegebene „kleine" Weltkarte bildet ein einziges stattliches Blatt und zwar mit Deutscher Nomenklatur, während die grosse Weltkarte in Englischer Sprache abgefasst wurde, ist aber keineswegs eine blosse kleine Ausgabe oder eine Wiederholung derselben, sondern von einem etwas verschiedenenen Standpunkte entworfen und enthält selbst Mancherlei, was auf der grossen Karte nicht zu finden ist. So ist die vollständige Postschifffahrts-Verbindung um die Erde, von der bisher nur etwas mehr als zwei Drittel des ganzen Umfanges bestand und noch besteht, die aber im März des zukünftigen Jahres in ihrer ganzen Ausdehnung ins Leben treten wird, bereits auf dieser Karte angegeben. Es ist von hohem Interesse an sich und speziell für die Sues- und andere Kanal-Fragen, aus den Begleitworten zur Karte zu erfahren, dass auf dieser Postschifffahrtslinie, nämlich über Sues und Panama, eine Reise um die Welt per Dampf 4 Monate, auf der Route ums Kap der Guten Hoffnung und ums Kap Horn auch nur etwa 4 Monate – höchstens 1 Woche mehr – beanspruchen würde. Interessant ist auch, an den theils nach unveröffentlichtem Material auf der Karte eingetragenen Kursen wissenschaftlicher Erdumsegelungen die bekannte Thatsache dargestellt zu finden, dass auf einer östlichen Weltreise ein Tag im Kalender gewonnen, auf der westlichen ein Kalendertag verloren wird.

Geographische Literatur,

Vorbericht.

Robert Schomburgk ist von Siam, wo er eine beträchtliche Reihe von Jahren als Britischer General-Konsul resi

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