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tember 1862 in einem Gefecht bei Fairfax Court House in Virginien. Newton Spaulding Manross, Professor der Chemie zu Amherst in Nord-Amerika, fiel am 17. September 1862 in der Schlacht von Antietam. Er ist in der geographischen Literatur durch seine mit Rücksicht auf einen interoceanischen Kanal unternommenen Forschungen auf dem Isthmus von Panama, so wie durch seine Beschreibung des Asphaltsee's in Trinidad, den er 1855 besuchte (Silliman's American Journal, Vol. XX, p. 153), bekannt. Joseph Hamel, der bekannte Russische Akademiker, dem auch die Erdkunde Manches verdankt, wie seine Arbeiten „De l'étude du Caucase, faite par ordre du Tsar Michel Féodorovitch" (1829), „Über einige im Nordocean gelegenen Inseln Russlands" (1848), „Über die Nordost-Expedition von 1580" (1852), über „Sebastian Cabot" (1853), starb am 22. September 1862 zu London im Alter von 74 Jahren. Lucas Barrett, ein um die naturwissenschaftliche Erforschung der Insel Jamaica verdienter Geolog, fand daselbst am 18. Dezember 1862 bei einer Taucherfahrt an der Küste bei Kingston seinen Tod. Im November 1837 in England geboren, kam er 1853 nach Sachsen, um eine Deutsche Erziehung zu geniessen, begleitete 1855 M°Andrew auf dessen erfolgreicher naturwissenschaftlichen Expedition nach Finnland und wurde bei seiner Rückkunft zum Custos des Universitäts - Museum in Cambridge gewählt. Im J. 1856 bereiste er die Küsten von Grönland, im J. 1857 jene von Portugal, um die Fauna des Meeres zu studiren, und im J. 1859 wurde er zum Direktor der geologischen Aufnahme von West-Indien ernannt. Karl Ludwig Rümker, der bekannte Nautiker und Astronom, geb. 1788, starb am 21. Dezember 1862 zu Lissabon. Anfangs im Dienste der Ost-Indischen Kompagnie, später in der Englischen Kriegsmarine als NavigationsLehrer angestellt, hatte er Gelegenheit, einen grossen Theil der Erde zu sehen. Von 1817 bis 1821 leitete er die Navigations-Schule zu Hamburg, 1822 folgte er Sir Thomas Brisbane nach Australien, wo er Direktor der Privat- Sternwarte von Paramatta wurde, 1831 kam er aber nach Europa zurück, um die Direktion der Hamburger Sternwarte zu übernehmen, die er bis 1857 behielt. Sueur-Merlin, Mitbegründer der Pariser Geographischen Gesellschaft, Verfasser vieler in deren Bulletin publicirter geographischen Aufsätze und Notizen. Albert Montémont, seit 1825 Mitglied der Geographischen Gesellschaft zu Paris, Verfasser zahlreicher Analysen geographischer Werke und sonstiger Aufsätze und Notizen im Bulletin der genannten Gesellschaft. J. Khanikoff, im J. 1851 Sekretär der Kaiserl. Russischen Geogr. Gesellschaft, um die Erdkunde hauptsächlich verdient durch seine Beschreibung der Orenburgischen Länder (publicirt in den Materialien zur Statistik von Russland, herausgegeben von der Statistischen Sektion 1839) und die zugleich mit Dahl eingezogenen Erkundigungen über die Strassen von Chiwa. E. Tschirikoff vom Russischen Generalstab, namentlich durch seinen Antheil an der Vermessung der Grenze

zwischen Persien und der Türkei in den Jahren 1848 bis 1852 bekannt.

V. Borissoff, hauptsächlich durch seine historisch-statistischen Untersuchungen über den Distrikt von Schuja verdient.

J. Volkoff, durch einige Arbeiten über Sibirien und seine Goldminen bekannt.

Miliutin, früherer Sekretär der Kaiserl. Russischen Geographischen Gesellschaft.

Im J. 1862 oder zu Anfang des Jahres 1863 starb William John Burchell, um die Geographie und Naturgeschichte Süd-Afrika's durch seine in den Jahren 1810

bis 1812 daselbst ausgeführten Reisen hoch verdient.

Asiatische Hühner im nordwestlichen Deutschland. Von Konrektor Krause in Stade.

Das massenhafte Auftreten des Fausthuhnes der Kirgisen - Steppe in den Haiden und an den Küsten Hannovers im vorigen Frühling und Sommer ist gewiss nicht allein eine ornithologisch, sondern auch klimatisch-geographisch auffällige Erscheinung, deren Grund vielleicht aus jenen östlichen Gegenden noch zu erfahren stände. Die Fausthühner (Syrrhaptes paradoxus, Pall.) sind bei uns Anfangs Mai erschienen und hin und wieder als sehr matt geschildert, ob wegen langer Wanderung oder aus Mangel geeigneten Futters, ist nicht bekannt. An anderen Orten haben sie augenscheinlich gebrütet und sind auf der Insel Borkum in beträchtlichen Schaaren noch beim Herbstanfang gesehen. Ich habe mir aus den Hannöver'schen Blättern die Angaben über das Vorkommen des Vogels gesammelt und stelle sie hier zusammen. Am 24. Mai wurden 10 Stück zu Wolterdingen bei Soltau in der Lüneburger Haide gesehen und 1 Weibchen geschossen. Vier, vielleicht desselben Fluges, wurden etwas später zu Lünzmühlen bei Schneverdingen bemerkt und eine matte Henne gegriffen, die bald starb. Anfangs Mai wurde bei Polle an der Weser ein Weibchen mit fast reifem Ei geschossen, am 25. Mai zu Gleidingen (Fürstenthum Hildesheim) ein Huhn todt unter dem Telegraphendraht gefunden, fast gleichzeitig zu Lingen ein vom Telegraphendraht verwundeter Hahn lebendig gefangen. Zu Oldendorf bei Stickhausen in OstFriesland sind 2 Weibchen, beide mit Brütflecken am Leibe, geschossen und Ende Juni sollen bei Einbeck 60 bis 80 Stück beobachtet und von einem Ornithologen rekognoscirt sein. Endlich sind die Hühner auf der Insel Borkum zuerst am 8. Juni gesehen, dort nachher in Schaaren beobachtet, so dass ein einziger Jäger den Sommer über 20 Stück geschossen hat und noch Ende August in einem Fluge circa 60 gezählt seien. Die Kröpfe der geschossenen Exemplare waren mit den Samen und Blattspitzen der Strandpflanzen gefüllt, an denen die Thiere eine gedeihliche Nahrung gefunden zu haben scheinen. Möglicher Weise könnte das Huhn auch hier in der Nähe gesehen sein, Bauern sprachen von einer eigenthümlichen Bekassine, aber ohne langen Schnabel. Gerüchten nach wären die Hühner auch auf Helgoland und in England bemerkt!) und in letzterem Lande seien sie schon ein Mal 1852 erschienen. Neben den Hühnern sind einige östliche Reiher im Hannöver'schen angetroffen, ein Silberreiher bei Emden geschossen, ein Männchen von Ardea ralloides am Dümmer See, 2 Ardea nycticorax zu Oldendorf bei Stickhausen, und eine ganze Kolonie der letzteren hat vergangenen Sommer über am Seeburger See bei Göttingen gehaust, man hat dort 8 Nester gezählt und 7 alte und 9 Junge geschossen. Vom Süd-Europäischen Weissen Löffelreiher (Platalea leucorodia) zeigte sich 1857 im Juli ein Haufen von 8 Stück bei Brunshausen an der Elbe und 1 wurde vom Bord des Zollkreuzers erlegt.

Russische Fortschritte im Kaukasus.

Am 16. Oktober 1863 hat sich der Stamm der oberen Abadsechen den Russen unterworfen und am 18. Oktober einen Vertrag mit ihnen abgeschlossen, wonach sie bis zum 12. Februar 1864 ihr Gebiet, das zwischen der neuen Russischen Strasse längs des Tschisch, den Quellen des Psekup, dem Berg Chotch und der Grenze des Gebiets der Schapsugen liegt, räumen und entweder nach der Türkei auswandern oder sich nach ihnen anzuweisenden Russischen Ländereien begeben. Somit kann die Unterwerfung des nördlichen Kaukasus als vollendet angesehen werden und es bleibt den Russischen Truppen noch der südwestliche Abhang und die Küstengegend am Schwarzen Meer zu erobern.

Dampfschifffahrt in West-Sibirien.

Im Jahre 1863 hat man begonnen, eine regelmässige Dampfschifffahrt zwischen Irbit an der Nitsa (Gouvernement Perm) und den West-Sibirischen Städten am Tobol, Irtisch, Ob und anderen schiffbaren Flüssen einzurichten.

!) Sir William Jardine macht im „Edinburgh New Philosophical Journal" (Juli 1863, p. 167) bekannt, dass bei Muchals, 7 Engl. Meilen südlich von Aberdeen an der Ostküste von Schottland, 2 Exemplare von Syrrhaptes paradoxus am 28. Mai geschossen und in das Museum zu Aberdeen abgeliefert worden sind. Es soll ein Flug von 15 Stück gewesen sein und wahrscheinlich demselben Flug gehörte ein Exemplar an, welches von Perth zu Anfang Juni nach Liverpool in das DerbyMuseum eingeschickt wurde. – Auf Helgoland sind die Fremdlinge vom Maler Gaetke beobachtet und gejagt worden, wie Dr. Brehm in der „Gartenlaube" (Nr. 46) mittheilt; auch führt derselbe noch andere Orte an, wo die Hühner gesehen wurden: am 17. Mai bei Polkwitz in Schlesien, am 18. Mai in der Tuchelhaide in West-Preussen, am 20. Mai im Dessauischen, am 25. Mai zwei Mal in der Provinz Sachsen, am 28. Mai im westlichen Hannover, am 4. Juni in Havelland, am 6. Juni auf der Herrschaft Dobrisch in Böhmen, am 16. Juni im Kreise Ortelsburg in Ost-Preussen und am 4. August bei Rossbach in Böhmen. Auch in Siebenbürgen, Ungarn und auf Seeland sind sie beobachtet worden. „Der Weg", sagt Dr. Brehm, „welchen diese Thiere genommen haben, lässt sich durch einen Blick auf die Karte leicht bestimmen. Sie flogen in der Richtung von Südost nach Nordwest durch die ungeheueren Steppen des inneren Asiens, welche ihre Heimath bildeten, über das Kaspische Meer hinweg, am Kaukasus vorüber, die nördliche Küste des Schwarzen Meeres entlang, durch die Donau-Tiefländer, Ungarn und Schlesien hindurch und verbreiteten sich strahlenförmig über das nordwestliche Deutschland und die Dänischen Inseln." Noch am 16. Oktober wurden drei dieser Hühner bei Hamburg geschossen, sie haben also den ganzen Sommer in Nord-Deutschland zugebracht und höchst wahrscheinlich dort gebrütet. A. P.

Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1864, Heft I.

Dieser Verkehr ist einer grossen Ausdehnung fähig. So fand ein Dampfer des Kaufmanns Berens in Omsk, welcher im vorigen Sommer die Schiffbarkeit des Irtisch und des Nor Dsaisan untersuchte, dass der Irtisch seiner ganzen Länge nach von 3 Fuss tief gehenden Schiffen befahren werden kann, eine Thatsache von grosser Wichtigkeit für den Russischen Handel mit China.

Kolonisation im Amur-Land.

Eine Korrespondenz aus Nikolajewsk am Amur vom Juli 1863 meldet, dass die Ansiedelungen längs des Flusses Sui-fun, der in den Guerin- oder Amur-Golf mündet, und an den Ufern des Kenka-See's einen raschen Fortgang nehmen, so wie dass das Land zwischen dem See und jenem Fluss noch 300 Kolonisten-Familien aufzunehmen bestimmt ist. Die zwanzig den Verkehr auf dem Amur vermittelnden Dampfer genügen schon nicht mehr dem Bedürfniss. Die Telegraphen-Linie von Nikolajewsk bis zur Castries-Bai ist fast vollendet, die längs des Ussuri in Angriff genommen.

Der Name des höchsten Berges der Erde.

Bei den Zweifeln, die über den einheimischen Namen des von den Engländern Mount Everest getauften Kulminations- Punktes (29.002 Engl. Fuss) obwalten !), ist eine Notiz von Interesse, welche die Gebrüder v. Schlagintweit im dritten Band ihres grossen Werkes (S. 193) der Erklärung des Namens Gaurisánkar beifügen, eines Namens, den sie bekanntlich für den in Nepal für den Mount Everest gebräuchlichen halten. Hermann v. Schlagintweit sagt dort: „Gäuri, „weiss" oder „hell" (fair), ist einer der Beinamen von Pärváti, der Frau Siva's; Sánkar oder Sánkara = Siva, hoch verehrt von den Pandits in Nepal. Dieser Name zeigt eine merkwürdige Identität mit Tschamalhári; Tschäma = Gáuri, Lha = Síva; aber dem Tibetanischen Namen ist ri, „Berg", angehängt, während die Hindus den Berg nicht als einen nach Gáuri und Siva benannten Berg, sondern als eine von diesen angenommene Gestalt betrachten. Den Namen Gaurisánkar sieht man auf Indischen Alterthümern nicht selten für Inkorporationen von Mahadéo und Pärváti oder für Personifikationen von Linga und Yóni gebraucht (vgl. Maisey, Journal Asiat. Soc. Beng. 1849, p. 190), seine Anwendung auf geographische Gegenstände war mir aber eben so neu als unerwartet; glücklicher Weise bestätigt der Name Tschamalhári auf das Vollkommenste und ganz unabhängig, dass diese Anwendung des Namens der Hindu-Mythologie angemessen ist. „Im Tibetanischen heisst der Gipfel Tschingo-pä-ma-ri, ein Wort, für das ich keine Erklärung erhalten konnte. Die Indische Vermessung gab ihm, ausser der genauen Bestimmung der Länge und Breite, den Namen Mount Everest oder Nr. XV. (S. unser Vol. II, Hypsometry, p. 297.) „Mr. B. H. Hodgson, der mit seinem wohl bekannten wissenschaftlichen Eifer von Darjsling aus viele Nachfor

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schungen anstellte, um den eigentlichen einheimischen Namen des Berges zu erfahren, hatte die Güte, mir, ehe ich nach Kathmándu kam, folgende Namen mitzutheilen: Nepalesische Namen: Devadunga, Bhairabthan, Bhairablangur. Tibetanische Namen: Gnalham, Tangla, Gnalham thangla. „In seinen Schriften über das Himalaya-Gebirge und Nepal (Calcutta, Govt. Selections, 1857, XXVII) hatte er gedruckt: Nyanam, Dhevadhunga und Bhairablangur (p. 108) als die Namen, die ihm damals am wahrscheinlichsten waren. „Als jedoch im Frühjahr 1857 mein Besuch von Nepal mich in den Stand setzte, in Gegenwart von Jhang Bahádur und mehreren seiner wohl unterrichteten Pandits mein Fernglas auf diesen Berg zu richten, der ein so hervorragender Gegenstand in den meisten Ansichten des Himalaja-Kammes von Sikkim und Nepal ist, nannten sie ihn auf das Bestimmteste nur Gaurisánkar oder im Tibetanischen Tschingo-pä-ma-ri, und wegen der anderen Namen befragt, die sie Mr. Hodgson angegeben hatten, behaupteten sie wiederholt, sie hätten nicht so klar verstanden, welcher besondere Berg bei den früheren Fragen gemeint gewesen sei, und deuteten auf die Schwierigkeit, einen Gipfel zu finden, nach dem ohne andere Bezeichnung als geogr. Breite und Länge gefragt werde."

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Die Kohlenausfuhr betrug im J. 1849 10.423 Tonnen, 1859 173.935 ,, 1860 233.877 ,, 1861 207.780 „ 1862 308.782 „ Im letzteren Jahre repräsentirte die ausgeführte Kohle einen Werth von 414.808 Pfd. Sterling, so dass dieses Produkt dem Werthe nach jetzt nur noch der Wolle und dem Gold in der Ausfuhr von Neu-Süd-Wales nachsteht. Die grösste Quantität geht nach Victoria, dann folgen Queensland, Süd-Australien, Tasmania, Neu-Seeland, andere Britische Kolonien, China, Java, Manilla, Südsee-Inseln, Neu-Caledonia, Vereinigte Staaten von Nord-Amerika, andere fremde Staaten.

Die Neu-Seeländische Provinz Southland.

Die Goldfelder an der Grenze von Southland haben dieser jüngsten und südlichsten der Neu-Seeländischen Kolonien zu einem raschen Aufschwung des Verkehrs und Anwachsen der Bevölkerung verholfen, obwohl sie ganz in der Provinz Otago gelegen sind. Nach einem zu Ende des Jahres 1862 abgehaltenen Census zählten die Orte Invercargill 1554, Campbelltown (the Bluff) 271, Riverton 270 und die Landdistrikte 1360 Bewohner, so dass die GesammtBevölkerung 3599 Seelen betrug (gegen 1820 Seelen im Jahre 1861). Das angebaute Land hatte eine Ausdehnung von 1912 Acres (gegen 1092 Acres im J. 1861), von denen 122 mit Weizen, 1 1 mit Gerste, 993 mit Hafer, 284 mit Kartoffeln, 35 mit anderen Nutzpflanzen bestellt waren und 241 auf angesäete Wiesen, 226 auf Gärten kamen. Der Viehstand betrug 1244 Pferde, 9 Maulthiere und Esel, 11.670 Stück Hornvieh, 1.10.231 Schafe, 86 Ziegen, 1134 Schweine und 7606 Stück Geflügel (gegen 812 Pferde, 9139 Stück Hornvieh, 73.907 Schafe und 4 163 Stück Geflügel im J. 1861). Die Zahl der im J. 1862 angekommenen Schiffe in Invercargill und Campbelltown, der abgereisten fast gleich, war 235 (12.758 Tonnen) gegen 78 (5778 Tonnen) im J. 1861.

Die Meeresströmungen an der Südspitze Afrika's. Von A. J1ühry.

Die so sehr verwickelt scheinenden Verhältnisse der Meeresströmungen an der Südküste Afrika's erhalten ein klareres Verständniss, wenn man das allgemeine geographische System der Meeresströme darauf anwendet; dann ergiebt sich folgende Vorstellung (da die Thatsachen bekannt sind, bedarf es nur einer kurzen Angabe): An der östlilichen Küste fliesst der sogenannte Mozambique-Strom hinauf, diess ist der abgelenkte Rotations- oder ÄquatorialStrom, daher warm, etwa 17° R.; die gewöhnliche Annahme ist, er gehe um das Kap herum und an der westlichen Küste wieder hinunter, obgleich die Motive dazu nicht wohl zu ersehen sind (die ihn vielmehr zur Kompensation theils nach Süden weiter aspiriren als AntipolarArm, theils nach Westen zurück als Antiäquator - Arm) und obgleich hier längs der westlichen Küste ein kontrastirend kälterer Strom sich vorfindet, etwa nur von 11 ° R. (nach J. Ross) Temperatur. Richtiger scheint es, in diesem den Polar-Strom zu erkennen, der zur Kompensation des Rotations-Stromes im Atlantischen Meere hierher gezogen wird, wie analog ein noch grösserer auch an der westlichen Küste Süd-Amerika's, der „Antarktische" oder „Humboldt-Strom" genannt, und auch ein kleinerer an der westlichen Küste Australiens bestehen.

Mit solcher Annahme erklären sich ziemlich befriedigend die auf der Agulhas-Bank vorkommenden Phänomene, nämlich an der Westseite des Kaps die kalte, von Süden kommende Strömung, an der Ostseite die warme, von Norden her kommende Strömung, zwischen beiden die Ruhe des Meeres mit einigen Wirbelungen, ferner auch unter den meteorologischen Erscheinungen die Nebel und die stürmischen Winde. – Vielleicht werden die Seefahrer die dargebotene Vorstellung auch für praktische Benutzung brauchbar finden.

Die milde Winter-Temperatur in Grönland. Von A. Mühry.

Wohl bekannt ist die auffallende, mit dem westlichen Kontinent von Amerika einen so starken geographischen Kontrast bildende milde Winter-Temperatur des bewohnten Theils von Grönland, d. i. der schmalen westlichen Küste von 60° bis 72° N. Br. Ein Blick auf die Isothermen-Karte belehrt in der That, wie hier die Januar-Linien von Westen her sehr steil aufsteigen, z. B. die Januar-IsothermLinie von –12“ R. liegt etwa um 18 Breitengrade nördlicher in Grönland als im Inneren von Nord-Amerika und auf gleicher Parallele, 67“ N. Br., verläuft auf dem Kontinente etwa die Januar-Linie von –26° R.; aber auch an der Westküste des neuen Kontinentes findet sich keine ähnliche Wintermilde wie in Grönland, noch weniger aber wiederholt sich diese an der analogen Ostseite Asiens, wo Kamtschatka mit gleichen Januar-Linien um 10 Breitengrade südlicher gelegen ist als Grönland.

Schon früher hat man diese thermo-geographische Anomalie zu erklären gesucht durch die Annahme, dass Grönland, obgleich von so grosser Ausdehnung, eine Inselwelt darstelle und daher ein oceanisches Klima besitzen müsse. In neuerer Zeit ist die Kenntniss dazu gekommen, dass das ganze Gebiet überlagert ist mit einer über 1000 Fuss mächtigen Gletschermasse, zumal nach Rink's Forschungen. Diess spricht einigermaassen gegen die Annahme einer Inselwelt, verlangt auch eine gewisse beträchtliche Erhebung des Bodens; seitdem aber der eben genannte Forscher ganz vor Kurzem in Erfahrung gebracht und nachgewiesen hat, dass auch hier an der Unterfläche der allgemeinen Eisdecke Ströme süssen Wassers vorhanden sind, die in das Meer sich ergiessen, darf und muss damit auch eine neue Deutung der erwähnten klimatischen Anomalität hervortreten, sobald man die in der Gletscherwelt der Alpen gewonnenen näheren Kenntnisse von deren physikalischen und besonders von deren Temperatur-Verhältnissen hierauf anwendet. Die dann sich ergebende Vorstellung mag mit folgenden kurzen Worten ausgesprochen werden.

Wenn das mächtige Gletscherlager von Grönland „Gletscherbäche" besitzt, was kaum noch zweifelhaft ist, so sind daraus mehrere wichtige Folgerungen zu ziehen, nämlich 1. im Sommer erfolgt auf der Oberfläche des Gletscherlagers eine Schmelzung des Schnee's und der Eisschicht,

als Wirkung der Insolation, bis zu einer gewissen Höhe, der Firnlinie; 2. ehe dieses Schmelzwasser an die Unterfläche gelangt und längs derselben abfliesst, durchdringt und durchtränkt es das ganze poröse und lufterfüllte (denn die eigentliche Bildung des Gletschereises erfolgt mittelst des eigenen Gewichts der Schneemassen direkt) Eislager; 3. damit wird dem ganzen Inneren eine gleichmässige Temperatur mitgetheilt von nahe bei 0° R.; 4. diese verhältnissmässig hohe Temperatur kann auch während der äusseren Winterkälte nicht verloren gehen in Folge der schwachen Wärmeleitung des Eises, ausser bis in gewisse geringe Tiefe der Oberfläche, welche Tiefe vielleicht nicht den 20. Theil der zu 1000 Fuss mächtig angenommenen Eismasse erreichen würde. Demnach befindet sich hier mit dem Gletscherlager gleichsam ein Ofen von 0° Temperatur über der Landstrecke ausgebreitet, überall da, wo die Oberfläche des in permanentem Vorrücken begriffenen Gletschers nicht zu hoch liegt, um im Sommer unter der Sonnenstrahlung eine bedeutende Abschmelzung zu erfahren; die Firnlinie kann man aber hier sicher etwa bis 2000 Fuss Höhe im Mittel annehmen. Ähnliches gilt von Island, Spitzbergen u. A., aber auch von den schwimmenden Eisbergen, diesen abgebrochenen Enden der Gletscher der Melville-Bai; sie würden weit längerer Zeit zum Zerschmelzen bedürfen, wenn sie nicht durch und durch schon nahe bei 0° R. temperirt wären.

Der Aconcagua und einige andere vermeintliche Vulkane der Andes.

In einem Bericht von Sainte-Claire-Deville über mehrere von Pissis in Santiago an die Pariser Akademie eingesendete Abhandlungen) wird erwähnt, dass dieser Geolog nicht nur die Höhe des Aconcagua durch eine vollständige geodätische Operation zu 6834 Meter (21.038 Par. F.) bestimmt habe?), sondern dass durch ihn auch erwiesen sei, jener gewöhnlich mit dem Namen Volcan d'Aconcagua bezeichnete Gipfelpunkt der Chilenischen Andes habe in Wirklichkeit nichts Vulkanisches an sich. „Er besteht", sagt Pissis, „vom Fuss bis zum Gipfel aus geschichteten Gesteinen: die untersten sind dieselben Porphyre, welchen man auf jedem Schritt in den Andes begegnet, und die obersten scheinen sich, nach einigen abgetrennten Blöcken zu schliessen, der Kreide-Formation anzuschliessen. Er nimmt die Mitte eines grossen Kreises ein, der etwas östlich von der Wasserscheide der Andes liegt und von derselben durch das Thal getrennt wird, in welchem der Rio de Mendoza entspringt. Einige syenitische Gesteine sieht man in dem unteren Theil des Kreises, der zur Zeit meines Besuches fast ganz mit Schnee angefüllt war, so dass ich mir nicht die Gewissheit verschaffen konnte, ob es dort Eruptivgesteine jüngeren Ursprungs giebt."

In gleicher Weise belehrt uns der Englische Geolog David Forbes in seiner Abhandlung über die Geologie von Bolivia und dem südlichen Peru *), dass die sogenannten Vulkane von Sorata und Illimani so wie der Huayna Po

!) Comptes rendus hebdom. 6. Juli 1863, p. 32. ?) S. „Geogr. Mitth." 1858, S. 44. *) Quarterly Journal of the Geol. Society, 1. Febr. 1861, p. 53.

tosi, Coololo und viele andere der höchsten Gipfel der Bolivianischen Andes aus Silurischen Schichtgesteinen bestehen; er selbst fand auf dem Gipfel des Sorata Fossilien. Forbes giebt auch die Liste der Bergriesen von Bolivia, welche sich auf Ondarza's Karte dieses Landes findet !), mit etwas veränderten und zwar durchweg um 100 bis 200 Fuss niedrigeren Höhenzahlen wieder: Engl. Fuss. Par. Fuss.

Illampu (Sorata) - 24.812 23.281 Illimani . - - - - - 24.155 22.665 Sajama (Vulkan) . - . 23.014 21.594 Coololo (Apolobamba) . - 22.374 20.993 Huayna Potosi - - - - 21.882 20.532 Cachacomani (Vulkan) . - - 21.583 20.251 Quenuata . Gipfel des Ta- 21.252 19.940 Chipicani cora (Vulkan) 22.687 21.287 Mururata - - 20.418 19.158 Callinsani 20.530 19.263 Potosi . - - - - - . 15.724 14.754 Tunari de Cochabamba . - - . 15.608 14.645 Hermoso de Aullagas 15.747 14.775 Portugalete 14.720 13.812 Espejos . - - - - 9.337 8.761 Misti (Vulkan von Ariquipa)*) 20. 150 18.907

Diese Tabelle ist, wie er sagt, aus einigen der Resultate der neuen Aufnahme von Bolivia berechnet worden, doch giebt er keinen Aufschluss über die Differenzen mit den Angaben auf Ondarza's Karte.

Zur Geschichte der Entdeckung Amerika's.

Alexander Ziegler ist gegenwärtig mit der Ausarbeitung einer Monographie über den genialen Mathematiker Johannes Müller beschäftigt, welcher im J. 1436 zu Königsberg *) in Franken geboren und unter dem Beinamen Regiomontanus, d. i. Königsberger, in der gelehrten Welt bekannt ist. Der Verfasser, der durch seine Schriften über „Martin Behaim aus Nürnberg" (von Gonçalves Dias in das Portugiesische übertragen) und die „Reise des Pytheas von Massilia nach Ultima Thule" (Shetland-Inseln) auf dem Felde der alten Geographie und Entdeckungsgeschichte schon Einiges geleistet hat, sucht in dieser neuesten Schrift nicht nur zu zeigen, dass Regiomontanus der Vater der neueren Astronomie und Naturkunde für ganz Europa, der Begründer und Urheber des jetzigen Gebäudes der Trigonometrie (er hat bekanntlich dem Halbmesser 10 Millionen Theile gegeben und den Gebrauch der Tangente eingeführt), der Lehrmeister in der Algebra und der erste Deutsche Kalendermacher gewesen ist, sondern auch, gestützt auf historische Forschungen und Dokumente, von einem neuen, so weit uns bekannt, bis jetzt noch nicht hervorgehobenen Gesichtspunkte aus nachzuweisen, dass Regiomontanus zuerst durch die Herstellung eines verbesserten Astrolabiums (Meteoroskops), resp. Konstruktion eines für die Schifffahrt

!) S. „Geogr. Mitth." 1860, S. 320.

?) Nach Hauptmann Friesach's Messungen nur 19.876 Engl. oder 18.650 Pariser Fuss.

*) Königsberg bei Hassfurt in Franken mit seinen nicht einmal 1000 Einwohnern ist gewiss die kleinste unter den zahlreichen Städten gleichen Namens in Preussen, Hessen, Böhmen, Ungarn u. s. w., liegt in dem vom Königl. Bayerischen Gebiet umschlossenen, nur 9 Ortschaften umfassenden Amtsbezirk Königsberg, welcher, seit 1400 an das Haus Sachsen gefallen, durch Vertrag vom 12. November 1826 an das Herzogl. Haus Sachsen-Coburg-Gotha übergegangen ist.

brauchbaren Astrolabiums, den seefahrenden Nationen die Möglichkeit an die Hand gegeben hat, vermittelst dieses nautischen Instrumentes nach der Sonnenhöhe die Entfernungen (Breitengrade) zu bestimmen und sich so in die unbegrenzten Fernen des Oceans hinaus zu wagen. Da nur durch die Benutzung und Anwendung eines solchen Instrumentes, wozu überdiess die berühmten Ephemeriden des genannten Deutschen Mathematikers benutzt werden konnten, alle jene grossen Seefahrer der damaligen Zeit, wie Columbus, Vasco de Gama, Cabot, Magellan u. s. w., ihre grossen Entdeckungen zu Stande gebracht haben, so giebt uns schon dieses Factum allein ein Recht, unserem Landsmann Regiomontanus einen Antheil an der Entdeckung Amerika's zu vindiciren und ihn der Reihe der Deutschen Vorläufer des Columbus, resp. der geistigen Entdecker des neuen Welttheils, beizuzählen. Dass Regiomontanus der eigentliche Erfinder des nautischen Astrolabiums gewesen sein muss, geht unter Anderem aus Folgendem hervor: 1) weil ein solches vor der Zeit Regiomontan's weder praktisch konstruirt noch von den Schiffern angewendet worden ist; 2) weil Martin Behaim (dem Einige die Erfindung des nautischen Astrolabiums zuschreiben wollen) in dem Alter von 12 bis 16 Jahren, wo er ein Schüler des von 1471 bis 1476 in Nürnberg sich aufhaltenden Regiomontanus war, offenbar zu jung gewesen ist, um selbstständig ein Astrolabium zu erfinden; 3) weil Martin Behaim auch aus Mangel eigener Berühmtheit bei seiner Ankunft in Portugal und auch später sich stets einen Schüler des Regiomontanus genannt hat; 4) weil Martin Behaim, der Schüler Regiomontan's, ein derartiges Instrument in Nürnberg kennen gelernt und später (1484) der Kommission der Mathematiker (Junta de Mathematicos) in Lissabon vorgezeigt hat; 5) weil Regiomontanus nicht nur das in seinem Briefe an den Kardinal Bessarion erwähnte Meteoroskop konstruirt, sondern auch schon früher, bevor er nach Nürnberg gekommen, aus Metall bestehende, zum Aufhängen eingerichtete Astrolabien angefertigt haben muss, wie diess

„unter Anderem ein derartiges auf der Nürnberger Stadt

bibliothek gegenwärtig sich noch befindendes Instrument Regiomontan's beweist, welches die Jahreszahl 1468 trägt und welches Behaim ohne Zweifel der mathematischen Junta in Lissabon vorgelegt hat.

Geographische Literatur. Vorbericht.

Am 15. Dezember des vergangenen Jahres ist bei Blackwood in Edinburgh und London Captain Speke's „Journal of the discovery of the source of the Nile" in reicher Ausstattung erschienen, das Werk, welches in Karte und Schrift die glänzendste geographische That unserer Zeit vorführt, ein ermuthigendes Zeugniss von dem kräftigen und glücklichen Streben der Gegenwart, auch die letzten Reste der mehr und mehr zusammenschrumpfenden terrae incognitae unseres Erdballes aus dem Dunkel hervorzuziehen. In diesem Werke gipfelt die ungewöhnlich grosse

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