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Bali. Ein scharfer kalter Wind hinderte uns am Einlaufen und ich ging für einige Stunden bei dem an der Nordwestecke von Bali stationirten Lootsen vor Anker. Dürfte dieser kalte Südsturm nicht eine Folge von Erkältung der südwärts gelegenen Luftschichten durch die Sonnenfinsterniss gewesen sein? Gerade über der Strasse Bali bewegte sich den ganzen Tag in rasender Eile ein schmaler Wolkenstreif, der sich über den nördlicheren erwärmten Wasserund Landflächen stets vollständig auflöste, im Süden am

Eingange der Strasse eben so beharrlich neu erzeugte. Sonst war der Himmel ringsum wolkenlos. Abends versuchte ich aufs Neue die Einfahrt. Strömung und Wind bekämpften sich heftig und meine Nussschale konnte nur ein kleines Segel am Buge führen. Nachts 9 Uhr liessen wir in der Strasse dicht unter der Java-Küste den Anker fallen und erst Sonntag Morgen den 20. langte ich auf der Rhede von Banjuwangi nach einer Abwesenheit von 23 Tagen an.

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Geographische Notizen.

Die Landes-Vermessung des Herzogthums Nassau.

Kürzlich hat ein 540 Seiten starkes Werk!) die Presse verlassen, welches die Ergebnisse einer in den letzten 10 Jahren ausgeführten Triangulirung des Herzogthums Nassau enthält. Mit dieser interessanten Arbeit hat das Herzogthum Nassau, die grosse Wichtigkeit einer genauen Ermittelung und Feststellung der Grenzen und Grössen des Areals zum Zwecke der gleichmässigen Vertheilung der Grundsteuer und der Sicherung des Grundeigenthums und Hypothekenwesens erkennend, den ersten bedeutenden Schritt zur Ausführung dieser Maassregel durch Anordnung einer allgemeinen Landes-Vermessung gethan. Wir haben uns mit dem Inhalte der in dem angegebenen Werke im Detail veröffentlichten Resultate der Nassauischen Triangulirung bekannt gemacht und konstatiren hiermit gern, dass dieselben sowohl der Herzoglichen Regierung und den Leitern der eben so schwierigen als wichtigen Arbeit als auch insbesondere dem ausführenden Personal alle Ehre machen. In richtiger Erkenntniss der Forderungen des heutigen Standes der Wissenschaft, welche längst das frühere System der Operation vom Kleinen ins Grosse als unzuverlässig und jeder Kontrole der Richtigkeit entbehrend verworfen hat, wurde die Festlegung einer entsprechenden Anzahl von Dreieckspunkten verschiedener Ordnung durch trigonometrische Messungen, als die unbedingt nothwendigen Ausgangs- und Anhaltpunkte für die künftige Detail-Vermessung, für die erste und Hauptaufgabe betrachtet. Die an und für sich schwierige Messung einer besonderen Basis zur Berechnung der Dreiecke war hier nicht nöthig, weil letztere unmittelbar an das vollendete Dreiecksnetz eines der angrenzenden Länder angeschlossen werden konnten, was auch wirklich geschehen ist, indem die zum Grossherzogl. Hessischen Dreiecksnetz ersten Ranges gehörende, auch bei der Bayerischen Triangulirung bestimmte Dreiecksseite Feldberg-Melibocus als Basis für die Nassauische Triangulirung angenommen wurde. Wenn nun auch durch diesen günstigen Umstand den geodätischen Operationen Nassau's ein wesentlicher Vorschub geleistet war, so lag hierin doch zugleich die Aufforderung und Aufgabe, bei diesen Operationen mit um so grösserer Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit zu verfahren, damit in denselben eine hinreichende Garantie

!) Die Landesvermessung des Herzogthums Nassau, insbesondere die als Grundlage derselben festgestellten Resultate der Triangulation. Wiesbaden, Ad. Stein, 1863.

für einen genauen Anschluss an die umliegenden Triangulirungen der Nachbarländer gegeben werde. Wie vollständig diese Aufgabe gelöst wurde, geht aus der Vergleichung der Anschlussseiten und einiger geographischer Längen- und Breitenbestimmungen mit den Resultaten der Nachbarstaaten auf SS. 36–38 der Einleitung zu oben erwähntem Werke hervor und es kann hiernach die Nassauische Triangulirung den besten derartigen Arbeiten auf dem Gebiete der höheren Geodäsie unbedenklich zur Seite gestellt werden. Als einen besonderen Vorzug, welchen die geodätischen Operationen Nassau's für sich in Anspruch nehmen können, müssen wir die ausgedehnten trigonometrischen Höhenbestimmungen bezeichnen. Mit Recht wird in den Motiven zu diesem Vorgange von dem Verfasser des Werks hervorgehoben, „dass, um die physisch-geographischen Verhältnisse eines Landes vollständig und mit Einem Blicke überschauen zu können, eine nur die horizontale Projektion desselben berücksichtigende topographische Karte ein immerhin unzureichendes Hülfsmittel bleiben würde". In gehöriger Würdigung des grossen Vorzugs, welchen trigonometrische Höhenbestimmungen vor solchen mit Wasserwage oder Barometer haben, wurde daher die gleichzeitig mit der Messung der Horizontalwinkel der Dreiecke dritter Ordnung vorzunehmende Beobachtung der Höhenwinkel angeordnet. Auf diese Weise ward der Einfluss, welchen bekanntlich die Strahlenbrechung auf die Beobachtung der Vertikal-Winkel hat, wegen der verhältnissmässig kurzen Entfernung der Dreieckspunkte dritter Ordnung auf ein Minimum gebracht. Die Resultate der Höhenmessungen wurden an die Nivellements mehrerer das Land in verschiedenen Richtungen durchkreuzender Höhenzüge, die selbst wieder mit dem Coblenzer Pegel in Verbindung gebracht waren, angeschlossen. Die Übereinstimmung der trigonometrischen Höhenbestimmungen unter sich und mit den eben gedachten Nivellements ist in der That eine überraschende und es haben sich unseres Erachtens die Nassauischen Trigonometer durch diese wohlgelungene Arbeit ein besonderes Verdienst erworben. Mit den vorstehend nur im Allgemeinen angedeuteten geodätischen Operationen ist für das Herzogthum Nassau die sicherste Grundlage für die zur richtigen Grundsteuervertheilung und zur Sicherung des Grundeigenthums und des Hypothekenwesens unbedingt nothwendigen DetailVermessungen gewonnen; möge man sich daher an maassgebender Stelle, dem guten Beispiele des benachbarten Grossherzogthums Hessen folgend, nicht beirren lassen, auf der betretenen Bahn fortzuschreiten, um endlich eine für das materielle Wohl des Volkes so wichtige Gesetzgebung wie die mehr erwähnte zur allmählichen Ausbildung und Ausführung zu bringen.

Areal von Ehstland.

Vom Ehstländischen Statistischen Comité ist ein Auszug der von ihm gesammelten Materialien veröffentlicht worden. Hiernach kommen auf die Ehstländischen Grenzen 1244 Werst und zwar auf die Wassergrenze 797,4, auf die Landgrenze 446,6 Werst. Der Flächeninhalt findet sich angegeben mit 17.202,03 Q.-W. = 355,515 Q.-Meilen, und zwar (mit Ausschluss der Inseln) für Harrien mit 4931,09, Wierland 5603,02, Jerwen 2505,29, die Wieck 3088,71 Q.-W., somit das gesammte Festland mit 16.128,11 Q.-W. = 333,347 Q.-Mln. Dazu kommen die Inseln mit 1073,92 Q.-W. = 22,168 QMln. Der Flächenraum aller irgend erheblicher Landsee'n (mit Ausschluss des Peipus-Spiegels) beträgt zusammen 20,70 Q.-Werst. (Dorpater Tageblatt 1864, Nr. 68.)

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hauptung aufstellen, dass Menschenwerke nicht im Stande seien, auf die Beschaffenheit des Klima's einzuwirken. Aus den genannten 100 Jahren berechnet sich die mittlere Regenmenge auf 36" 10, i79“ Par. Die regenreichsten Jahre waren 1814 mit 58" 11,58“ und 1851 mit 50" 3,63“; am geringsten waren die atmosphärischen Niederschläge im J. 1861 mit 21" 7,29“ und 1817 mit 24" 8,48“. Überhaupt hat die Regenmenge betragen zwischen 20–24" 1 Mal, „, 24–28 7 ,, ,, 28–32 13 ,, „ 32–36 29 ,, ,, 36–40 20 ,, ,, 40–44 17 ,, ,, 44–48 6 ,, „ 48–52 6 „ ,, 56–60 1 ,, Die Vertheilung der Regenmenge auf die einzelnen Monate des Jahres ist aus nachstehender Zusammenstellung ersichtlich, gleichzeitig daraus auch abzunehmen, dass „immer am häufigsten im Herbst das sternengezierte himmlische Haus seine Schleusen öffnet und wenn die holde Zeit des blühenden Lenzes sich aufschliesst".

Januar . - - . 27,448" Juli - - . 32,319" Februar - - . 28,065 August - . 36,309 März . - - . 27,118 September . - . 41,140 April . - . 36,152 Oktober - - . 52,324 Mai - - - . 43,326 November . - . 49,480 Juni 36,436 | Dezember . - 32,062

Die meteorologischen Beobachtungen in Mailand werden in der Höhe von 453 Par. Fuss über dem Adriatischen Meer, 82 Fuss über der Ebene des angrenzenden Botanischen Gartens gemacht. Das Regengefäss ist noch etwas höher postirt.

Die Pariser Sternwarte hat einen Regenmesser auf der Terrasse, einen zweiten aber 86 Fuss tiefer und es ist daselbst eine Vermehrung der Regenmenge von 13 Prozent bei dem genannten Höhenunterschied ermittelt worden. In Mailand sind derartige Beobachtungen zur Erforschung des Zuwachses, der Vermehrung des Regens aus der Höhe zur Erdoberfläche noch nicht angestellt worden.

Vom Comer See, dessen mildes Klima und dem entsprechende südliche Vegetation allgemein bekannt sind, fehlen bisher meteorologische Nachrichten. In Como, der Vaterstadt Volta's, werden keine meteorologischen Beobachtungen gemacht. In früherer Zeit sind solche kaum ein Jahr lang ohne Unterbrechung fortgesetzt worden, aber auch die wenigen hiernach veröffentlichten Notizen lassen ob ihrer Genauigkeit Zweifel entstehen. Seit 6 Jahren habe ich hier eine meteorologische Station eingerichtet und ich theile zunächst die gefundenen Resultate über die Regenverhältnisse mit. Mein Regenmesser ist in der Meereshöhe von 720 Fuss (110 Fuss über dem See, 54 Fuss über der anstossenden Gartenterrasse) aufgestellt. Die Villa Carlotta hat fast gleichen Meridian mit Mailand und liegt – in dem vom Klima besonders begünstigten Theil am Comer See, der den Namen Tremezzina führt – etwa /2 Grad nördlicher als jene Stadt.

Aus der am Schluss beigefügten Zusammenstellung ist die bedeutende Zunahme der Regenmenge ersichtlich, wenn wir aus der Ebene des Po in nördlicher Richtung ins Gebiet der Alpen eintreten. Ist die Reihe der Beobachtungsjahre 39

auch noch zu klein, um ein Gesetz über die hier geltenden Regenverhältnisse aufstellen zu können, so geben sie doch schon eine Andeutung über die Vertheilung der Regen nach den verschiedenen Jahreszeiten und in der Vergleichung mit den in Mailand gefundenen Resultaten findet sich eine gewisse Übereinstimmung im Gang dieser Vertheilung angezeigt. Die bedeutendsten Niederschläge finden sich aufgezeichnet am 17. August 1860, wo der Regenfall in % Stunden 19,64“ betragen hat. Die grössten Maasse für die Zeit eines Tages (24 Stunden) wurden am 5. September 1862 mit 46,31“ und am 16. Oktober 1863 mit 45,39“ Regen erhalten. Vom 15. Oktober 1863 Abends 4 Uhr bis 17. Oktober Morgens 8 Uhr wurden hier 71,21“ Regen gemessen. Dieser aussergewöhnlich starke Regenfall verursachte den Bergrutsch bei Lemna, wodurch vier Häuser sammt deren Bewohnern verschüttet wurden. In Mailand fielen in der Zeit vom 15. bis 17. Oktober 1863 63,53“. Als Maxima für 24 Stunden wurden in dieser Stadt 46,99“ am 13. September 1862 und 37,50“ am 30. August 1859 beobachtet. Überhaupt erscheinen in den Jahren 1858 bis 1863 für Mailand 5 Tage, für Villa Carlotta aber 21 Tage mit einem Regenfall von mehr als 2 Zoll. Zusammenstellung der Regenmengen in Mailand und Villa Carlotta vom 1. Januar 1858 bis 31. Dezember 1863. Mailand. Villa Carlotta. T Pariser Linien. T Pariser Linien.

- - - - - Mittel. Maxim. Jahr. Min. Jahr. Mittel. Maxim. Jahr. Min. Jahr.

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derartiges Schwanken der Süd- und Nordströmung, dass, obgleich die letztere in den meisten Ländern ein Übergewicht hatte, dieselbe dennoch nie zum vollkommenen und dauernden Durchbruch kommen konnte. Deshalb konnte auch die Breite der Ströme, die bei ihrer völligen Entfaltung in der Richtung von NO. nach SW. wenigstens 10 Breitengrade und noch ein Mal so viel Längengrade umfasst, nie eine solche Ausdehnung erlangen. Das Angeführte wird durch Beispiele, bei welchen der Leser eine Karte von Europa zur Hand nehmen möge, deutlicher werden.

Am 1. Juli sehen wir einen nördlichen Luftstrom über West-Europa ausgebreitet, der um so deutlicher sich zeigt, je mehr wir uns gegen Westen wenden, und der wahrscheinlich in der Mitte des Atlantischen Oceans am stärksten sich entfaltete. Gegen Osten hingegen wurde er schwächer, bis er dem Südstrome in Deutschland und dem westlichen Russland Platz machen musste. Man ersieht diess deutlich aus folgender Tabelle:

Luftdruck ).
West, Ost.

Brest 766. NW. Paris 762. WNW. München 755,4. SW.
Lorient 766. Strassburg 761. N. | Wien 756. W.
Rochefort 766. Mézières 760. N. Gröningen 755. SSW.
Limoges 765. Dünkirchen 759. NW. Helder 756. Stille.
Bordeaux 764. Brüssel 750. Stille. Leipzig 757. WSW.
Valencia 766. NNW. Turin 757.

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Zwischen dem 1. und 2. veränderte sich aber die Scene. Es fiel nämlich ein rückkehrender Passat von der Äquatorial-Region und berührte die Erdoberfläche im südlichen Frankreich und wahrscheinlich schon jenseit der Pyrenäen. In Madrid sehen wir zwar den Luftdruck sich vermindern, weil der Südstrom in den höheren Luftschichten herrschte, aber die Windfahne blieb Ost; hingegen war der Luftdruck im westlichen Frankreich und im westlichen England so wie in Irland bedeutend vermindert, mit westlichem Winde und bei hie und da eintretendem Regen. Zugleich wurde die nördliche Strömung in diesen Gegenden verdrängt, sie musste sich nach Osten entwickeln, obgleich der Nordstrom eine Neigung hat, gegen Westen hin zu drängen. Wir bemerken unseren Lesern auch, dass die südliche Luftströmung im Gegentheil bei ihrem Vorrücken nach Norden nicht bloss die Richtung nach Osten hin mehr und mehr annimmt, also als westliche Winde erscheint, sondern auch ihre Grenze nach Osten hin zu erweitern sucht, gleich einem Wasserstrome, der seine Richtung von Süd nach Nord nehmend sein Bett zu verlassen strebt und nach der rechten Seite hin die Ufer überschreitet. In der That sehen wir auch bei unserer Isar wie bei allen von Süd nach Nord fliessenden Gebirgsströmen, dass sie gegen Osten hin drängt, während die westlichen Ufer verlassen werden.

Während am 1., wie wir gesehen, der Luftdruck um so niedriger wurde, je mehr wir uns nach Osten wendeten, stieg am 2. der Luftdruck in Folge des mehr passiven Nordstromes in den östlicher gelegenen Ländern, was wir wieder durch eine kleine Tabelle deutlicher machen wollen:

*) Der Luftdruck ist in Millimetern ausgedrückt und wurde der besseren Übersichtlichkeit wegen bei allen über dem Meere liegenden Orten auf das Niveau der Meeresfläche reducirt.

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Brest 762. SSW.
Lorient 762.
Rochefort 761.
Limoges 764.
Bordeaux 762.
Valencia 732. WNW.
Penzance 759. WSW.
Madrid 760. 0.
Livorno 759.
Paris 763. SSO.

Die Dauer der westlichen Strömung, die ohnehin als keine sehr intensive sich zeigte, war von kurzer Zeit, indem die nach Osten sich ausbreitende Südströmung bald auch im östlichen Europa sich geltend machte.

Wir könnten von Tag zu Tag die atmosphärischen Vorgänge und Zustände in Europa in einer geographischen Übersicht verfolgen, wodurch die Beobachtungen am hiesigen Orte, deren Bezeichnung durch blosse Zahlen besonders dem grösseren Publikum weniger Interesse einflösst, zum besseren Verständniss kommen würden. Wir würden aber finden, dass bis gegen Ende des Monats (28.) keine durchgreifende Strömung in Europa Statt fand, sondern bald unterbrochene, theilweise zurückgedrängte, zwei- oder mehrfach getheilte Strömungen. Statt fanden.

Bemerkenswerthe Vorgänge, ähnlich jenen am 1. und 2., mit dem Unterschiede, dass die nördliche Strömung jetzt mehr Energie an den Tag legte, fanden am 9., 10. und 11. Statt. Am 9. Abends konnte man in München durch das Steigen des Barometers und die von Osten kommenden Cirri eine Veränderung in der Witterung prognosticiren, die auch merklich am 10. eintrat, indem die grauen HaufenWolken allmählich zu weissen sich gestalteten und endlich einem heiteren Himmel Platz machten. Im westlichen Europa trat die Südströmung ein mit fallendem Barometer, in Mittel- und Ost-Europa zeigte sich die Nordströmung mit steigendem Luftdrucke, wie aus folgender Tabelle ersichtlich ist:

West. Ost. Am 9. Juli. Am 10. Juli. Am 9. Juli. Am 10. Juli.

Paris 764. N0. Paris 761. Gröningen 762. 6. NO. Strassburg 764. Strassburg 763. Helder 763,3. 765,7. N0. Dünkirchen 765. NO. Brüssel 764,5. 764,7. NNO. Cherbourg 764. Dünkirchen 763. Helsingfors 759.765,3. NO. Brest 763. Cherbourg 760,6. Petersburg 759,6. 760,2. N0.

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Am 9. wurde von Paris telegraphirt: „Ein neuer Windstoss (bourrasque) hat sich im südwestlichen Europa gezeigt und sich über fast ganz Spanien und einen Theil, der westlichen Küsten Frankreichs verbreitet. Der Mittelpunkt dieser Bewegungen ist im Golfe von Gascognien und scheint sich ziemlich schnell nach Osten zu verbreiten, so dass in Mittel-Frankreich und im Mittelländischen Meere Stürme zu befürchten sind." Es war dieser Windstoss nichts Anderes als der rückkehrende Passat, der in der bezeichneten Gegend die Erdoberfläche berührte und um so mehr nach Osten drang, als er eine schnelle Reise von der Äquatorial-Zone her gemacht zu haben schien. Die prognosticirten Stürme wurden übrigens, so viel ich

weiss, nicht beobachtet und es kömmt bei ankommenden heftigen Strömungen vorzüglich auf den Widerstand an, den sie auf der Erdoberfläche finden. Ist derselbe lebhaft, indem der zu überwindende Strom ein entgegengesetzter und intensiver ist, so wird die neue Strömung ihre ursprüngliche Heftigkeit bald verlieren. Als ungeschwächter Sturm wird die Strömung aber auftreten, wenn sie auf verdünnte Luftmassen von geringer Bewegung stösst. Das monatliche Mittel des Luftdruckes war in München (auf das Pflaster des Frauenplatzes reducirt) 318,04 Par. Lin. oder 717,4 Millimeter. Die mittlere Monats-Temperatur war verhältnissmässig sehr niedrig, nämlich + 12,81° R., das Mittel des gefallenen Regens das aus vieljähriger Beobachtung hervorgehende Mittel nicht bedeutend übersteigend. Die östlicher gelegenen Länder hatten eine noch geringere Regenquantität aufzuweisen, da die Entfernung von der Meereswestküste ohnehin eine geringere Regenmenge zur Folge hat. In Nord-Amerika herrschte im Gegensatz zu Europa ein anhaltender Nordstrom, was wenigstens aus einem Berichte von Mitte Juli, in welchem über anhaltende Dürre geklagt wird, hervorzugehen scheint. Betrachten wir den Europäischen Witterungs-Charakter der Monate Juni und Juli in seiner Beziehung zum Menschen, so können wir ihm trotz des Murrens vieler Personen, die sich entweder in ihren Plänen von zu unternehmenden Spaziergängen und Landpartien beeinträchtigt sehen oder denen die Witterung in ihren bürgerlichen Geschäften Nachtheil bringt, nicht abhold sein. Was die Kulturgewächse betrifft, so versprechen das Getreide und die Kartoffel, welche die vorzüglichste menschliche Nahrung bilden, eine vorzügliche Ernte, wogegen die Rebe und der Hopfen, welche eine höhere Temperatur zu ihrer Reifung nöthig haben, in den genannten beiden Monaten weniger förderten. Bezüglich des wichtigsten Einflusses auf den Menschen, weshalb wir die atmosphärischen Vorgänge in den Bereich unserer Betrachtung ziehen, nämlich jenes Einflusses, den sie auf die sanitätischen Verhältnisse ausüben, sind kühle Sommer im Allgemeinen den heissen vorzuziehen, da sie jenen Krankheits-Charakter in geringerem Grade erzeugen, der sich in jedem Jahre in den Monaten August und September zeigt, dem tropischen Krankheits-Charakter ähnlich ist und durch die vorausgegangene hohe Temperatur bedingt wird. Epidemische Fieber zeigten sich bis jetzt nur im südlichen Europa, nämlich in Murcia in Spanien, wo durch ausgesteckte Eisenbahnarbeiten, vielleicht in sumpfiger Gegend, eine bedeutende Strecke Landes der schützenden Pflanzendecke beraubt wurde. Die aus der Zersetzung sich bildenden Gase lösten sich, begünstigt durch die Juli-Temperatur Spaniens, in den unteren Luftschichten auf und erzeugten verheerende Fieber, denen 2000 Einwohner der Stadt zum Opfer fielen. Es kann auch mit hoher Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass die Asiatische Cholera, welche, wie wir nachgewiesen, ihre Polargrenze in der Isotherme von + 10° R. hat, nach kühlen Sommern, selbst wenn sie in anderen Ländern sich zeigen sollte, ihren Einzug nicht halten wird.

Wissenschaftliche Reisen im Süden von Ost-Sibirien, im Sommer 1864.

Die Sibirische Sektion der Kaiserl. Russischen Geogr. Gesellschaft fährt in ihrer rastlosen Thätigkeit fort. Ein Brief aus Irkutsk zählt die Expeditionen und Exkursionen auf, welche während des gegenwärtigen Sommers Statt finden: 1. Der Fürst Krapotkin ist von Zuruchaitu am Argun über die Mandschurische Provinz Merghen nach Blagowestschensk am Amur gereist. Er kommt somit durch sehr wenig bekannte Gegenden und soll hauptsächlich Nachforschungen für die Anlage eines direkten Fahrwegs von Zuruchaitu nach Blagowestschensk anstellen, da der Wasserweg den Argun hinab wegen der vielen Stromschnellen, Untiefen und Felsen sehr beschwerlich ist. 2. Herr Schischmareff ist aus Urga in der Mongolei zu den Quellen des Onon gereist, um darauf diesen Fluss bis zu seiner Mündung in die Schilka zu verfolgen. Nach den Aussagen der Eingebornen sollen die Quellen des Onon auf den Karten falsch angegeben sein. 3. Herr Ussolzeff ist nach dem Amur-Lande gereist, um astronomische Beobachtungen anzustellen; er wird insbesondere sein Augenmerk auf diejenigen Zuflüsse des Amur richten, welche von früheren Reisenden wenig besucht worden sind. 4. Herr Lopatin ist für mineralogische Zwecke ebenfalls nach dem Amur-Lande gegangen. 5. Herr Stukoff soll nach der Tunkin'schen Gegend (am Irkut-Fluss westlich vom Baikal) abreisen, um ethnographische Studien unter den Burjäten anzustellen.

Erklärung des Flussnamens Obj. Von Pastor Bruno Treu zu Oppekaln in Lievland.

Die verwittwete Frau Obrist v. Kiel, welche die Zeit ihrer Ehe in Sibirien, in der Stadt Biisk, zugebracht hat, wo ihr Mann ein Kosaken-Regiment kommandirte, erzählte mir neulich aus eigener Anschauung Folgendes:

Die Katunja (der Name ist offenbar abzuleiten vom Russischen Worte katatj, wälzen) entspringt aus den Ausläufern des Altai und ist ein reissender Gebirgsstrom. Die Bija entspringt im Kusnetzkischen Kreise aus dem Teletzkischen See im Südosten von Biisk ). Zwölf Werst (circa 3 Stunden Weges) unterhalb Biisk vereinigen sich diese beiden Flüsse in der Nähe der Stelle, an welcher für die Poststrasse eine Überfahrt über den Fluss gemacht ist, fliessen aber noch eine Werst hindurch, wenn auch schon in Einem Bett, doch mit fast unvermischtem Wasser neben einander her, die Katunja schäumend und milchig, die aus der Ebene kommende Bija klar und bläulich. Offenbar ist den anwohnenden Völkerschaften diese Eigenthümlichkeit so auffällig gewesen, dass sie den ganzen, durch den Zusammenfluss dieser beiden Flüsse entstandenen Strom darnach Ob(i)e, „die Beiden", nannten.

Auf den mir zu Gebote stehenden Karten finde ich den Namen Obj auch für den oberhalb des Zusammenflusses mit der Bija befindlichen Lauf angegeben. Daraus folgere ich, dass obige Notiz für die Kartographie nicht überflüssig sein werde.

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Die Expeditionen auf der Hinter-Indischen Halbinsel.

Die Reise-Unternehmungen von Pegu und Burma aus, von denen im II. diessjährigen Hefte der „Geogr. Mitth." (S. 72) die Rede war, sind sämmtlich gescheitert, wie die „Rangoon Times" berichten. Dr. Williams, welcher mit dem Bischof Bigandet nach Bamno gehen wollte, ist durch den Widerstand des Königs von Burma gezwungen worden, zurückzubleiben; der Bischof setzte seinen Weg allein fort, doch zweifelt man, ob er sein Projekt ausführen kann. Die Lieutenants Watson und Sconce, die den oberen Lauf des Salwin aufnehmen wollten, sind durch Burmanische Beamte zurückgewiesen worden. Dr. Marfels, nach den Schan-Staaten und dem Me-kong unterwegs, wurde ausgeplündert und sah sich genöthigt, nach Mandalay zurückzukehren. Bixby endlich ist schon wenige Tagereisen von Tonghu umgekehrt, da er fürchten musste, ermordet zu werden. Die Abneigung des Königs von Burma gegen Erforscher seines Landes ist bekannt.

Nachrichten aus Chartüm. Von Th. v. Heuglin.

Mehreren Briefen Th. v. Heuglin's aus Chartüm entnehmen wir einige Notizen von allgemeinerem Interesse, indem wir hierbei abermals unsere Bewunderung über den unbeugsamen Muth des unermüdlichen Reisenden aussprechen, der kaum dem Tode entronnen schon wieder den ihm allzu wohl bekannten Gefahren des Klima's an den oberen Zuflüssen des Weissen Nil entgegenstrebt. 4. Mai. – „Gegenwärtig bin ich mit Ordnen meiner Sammlungen und Verpacken derjenigen Steudner's so wie seiner Tagebücher, Zeichnungen u. s. w. beschäftigt. Alles dieses adressire ich an Sie. „Der General-Gouverneur des Ägyptischen Sudan, MusaBascha, der seit fünf Tagen aus Kordofan und Téqélé zurück ist, lässt eben zwei Nilometer konstruiren. Ich gedenke Ihnen bald einige Notizen Betreffs der Stromschnellen in Ost-Afrika zu geben, die Dr. Barth's Arbeit!) zur Grundlage haben. „Der Bascha erhält drei Dampfboote, die bereits unterwegs sind. Er will vor Ausbruch der hiesigen Regenzeit noch mittelst des Remorqueurs, den unsere Expedition benutzte, auf den Weissen Nil und so weit vordringen, als zu Schiffe möglich ist. Er hat mich eingeladen, ihn zu begleiten. Der Vorschlag ist so übel nicht, namentlich wenn der General-Gouverneur zu bewegen ist, den Sobat, der gerade jetzt weit schiffbar ist, zu befahren. „Sultan Nasr von Téqélé wird dieser Tage hier ankommen. Er hat nicht weniger als 1200 Personen in seinem Gefolge und soll grosse Reichthümer mit sich führen. In Senár, Fazogl u. s. w. wurden von den dortigen AraberSchechs grosse Ghasua (Raubzüge) gegen die Dinka, Hamedj u. S. w. unternommen und Ali Kaschef von Kedaref hat einen Einfall in Dunqur in das Land eines gewissen Emfras gemacht. Lejean war kürzlich in Kassala, um eine Angelegenheit zwischen der Regierung der Provinz und den Bogos zu ordnen, und soll von dort nach Massaua gehen. Über Konsul Cameron's Schicksal ist nichts Näheres

!) Zeitschrift für Allgem. Erdkunde, Februar 1863.

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