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Hieran wird auch durch die Erstreckung der Formel

auf die Nebenwindrichtungen Nichts geändert, denn
0–w + (No + so – sw – Nw)sin 45
N – S + (N0 + NW – S0 – SW) cos 45

bezweckt und erreicht weiter Nichts, als dass die Summen der Nebenrichtungen auf ihre Werthe für die vier Hauptrichtungen reducirt, resp. in dieselben zerlegt werden. Nordost z. B. enthält einen Werth, welcher dem Nord, und einen, welcher dem Ost zuzurechnen ist; Südost enthält einen Werth für Süd und einen für Ost u. s. w. Die Formel rechnet also diese zerlegten Werthe den bezüglichen Hauptrichtungen zu und bewirkt, dass sie wie Verstärkungen derselben wirken, so dass man schliesslich auch wie in der früheren einfacheren Form nur vier Hauptgrössen zu berücksichtigen hat.

Deshalb ist es nicht schwer, auch bei Berücksichtigung von 8 Windrichtungen eine Reihe von Fällen künstlich zu konstruiren, in denen trotz der verschiedensten Einzelverhältnisse die mittlere Windrichtung die gleiche bleibt. In folgenden 8 Fällen z. B.

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ist die mittlere Windrichtung stets 296° 33' 50" oder W. 26° 33' 50" NW., obwohl stets dieselbe Gesammtzahl von 90 Beobachtungen für denselben Zeitraum angenommen ist. Allerdings giebt die aus der Formel J/(0 – w)? + (N –s)? gewonnene Zahl die Stärke der Resultirenden aus den zusammengesetzten Kräften, d. h. die Länge der Hypotenuse eines rechtwinkligen Dreiecks an, dessen Katheten die vereinfachten Grössen O–W und N–S bilden, man gewinnt aber durch Vergleichung der Stärke zweier Resultirenden Nichts weiter als die Erkenntniss, ob bei gleicher mittlerer Windrichtung die Dreiecke, deren Hypotenusen bestimmt wurden, unter sich gleich oder nur ähnlich sind. So erhält man in den eben aufgeführten acht Fällen folgende Grössen der Resultirenden: D er G H I k L Resultirende . 18,43118,431 19,741 7,634 30,53940,02542,64338,172 Nach Kämtz (Lehrbuch der Meteorologie, Bd. I, S. 166) würde hierdurch ausgedrückt werden, dass die Zahl sämmtlicher 90 Windrichtungen, welche in jedem dieser Fälle angenommen wurde, stets eine mittlere Richtung von W. 26° 33'50" NW. angebe, aber in den meisten Fällen auf die Atmosphäre eine andere Wirkung der Stärke nach hervor

bringe, z. B. im Falle D, als ob 18,431 Winde, im Falle K, als ob 42,643 Winde aus dieser Richtung geweht hätten. Der Verfasser will hier dahin gestellt sein lassen, ob man vom physikalischen Gesichtspunkte aus z. B. sagen dürfe: Gleich viel Westwinde und Ostwinde bringen auf die Atmosphäre dieselbe Wirkung hervor, als ob weder Ostwind noch Westwind geweht habe. Es mag ferner der Zweifel unerledigt bleiben, ob man z. B. behaupten dürfe: 10 Nordostwinde sind ihrer Wirkung auf die Atmosphäre nach gleich 7,07108 Ostwinden und eben so viel Nordwinden, oder: 10 Südwinde lassen sich in 14,14214 Südostwinde oder eben so viel Südwestwinde verwandeln. Der Verfasser will hier endlich nicht erwähnen, dass die Ostund Nordwinde zumeist auf die tieferen Theile der Atmosphäre, der Westwind und Südwind dagegen vorzugsweise auf die höheren Luftschichten einwirken, dass man bei dem Vorherrschen der Stürme aus West wohl kaum der Stärke nach einen Westwind gegen einen Ostwind kompensiren dürfe und dass auch die Produkte aus Masse und Geschwindigkeit bei der verschiedenen Luftschwere dieser beiden Winde und ihrer unbekannten Geschwindigkeit nicht ohne Weiteres gegen einander aufgerechnet werden dürfen. Unbekannt aber nenne ich diese Geschwindigkeit, weil selbst die besten Anemometer, wie die von Osler oder Whewell, auf verschiedenen, mehr oder weniger willkürlichen Annahmen (so z. B. der Proportionalität) beruhen und die Resultate schliesslich mit der Newton'schen Formel nach den Ermittelungen Mariotte's, Borda's, Hutton's, Woltmann's und Anderer durchaus nicht genau übereinstimmen. Aber auch abgesehen von diesen physikalischen, zwar theoretisch von Lambert vorgesehenen, aber praktisch nicht zu beseitigenden Bedenken scheint mir mit der mittleren Windrichtung und der Grösse ihrer Resultirenden nicht viel gewonnen zu sein. Die entgegengesetzten Windrichtungen können in zwei Fällen in dem verschiedensten Verhältnisse zu einander gestanden haben und doch dieselben Winkel und dieselbe Resultirende hervorbringen. So verhalten sich die nördlichen und südlichen Rich

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so leuchtet auch ein, wie wenig man durch die Erkenntniss gewinnen kann, dass zwei solcher Dreiecke nur unter sich ähnlich seien. Man findet leicht, unter welchen Umständen hier Gleichheit und unter welchen Ähnlichkeit herrscht. Bezeichnet man der Vereinfachung willen die maassgebenden Kräfte wie folgt: O – W = A und (NO + SO – NW – SW) sin 45° = a, ferner N – S = B und (N0 + NW – S0 – SW) cos 45° = b, so tritt Gleichheit der mittleren Windrichtung und der Resultirenden ein, wenn in zwei Fällen B+ b = B+ b und A+ a = A + d ist, dagegen Gleichheit der mittleren Windrichtung und Ungleichheit der Resultirenden, wenn B+ b: A+ a = B + b: A +a. Ersterer Bedingung entsprechen die obigen Fälle unter D und E , letzterer die übrigen Fälle, und zwar ist hier in den Fällen F und G

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b= b und a = a.

Trotz dieser Regel ist aber das Resultat für die meteorologisch wichtige Vertheilung der einzelnen Winde deshalb von geringer Bedeutung, weil sich für jeden dieser Fälle andere einstellen lassen, in denen bei gleicher Grösse des Winkels und der Resultirenden gleichwohl die Winde ganz verschieden vertheilt sind. Der Fall unter D ist z. B. den Fällen sub F bis L ähnlich, man kann aber statt des Falles D auch den jenem gleichen unter E einstellen, während doch hier die einzelnen Windrichtungen völlig andere Verhältnisse zeigen.

Es bedarf daher wohl kaum der Erwägung des, so viel ich weiss, zuerst von Schübler geäusserten Bedenkens, dass die nach der Lambert'schen Formel berechnete mittlere Windrichtung in eine Gegend fallen kann, aus welcher in Wirklichkeit der Wind nicht oder nur sehr selten geweht hat, um zu dem Ziele zu gelangen, dass dieser Ermittelung der mittleren Windrichtung und ihrer Resultirenden nur ein untergeordneter Werth beizulegen ist.

Will man gleichwohl namentlich für graphische Darstellungen jene Berechnung beibehalten, so empfähle sich vielleicht eine Darstellungsweise, aus welcher man die einzelnen Werthe wenigstens für die hauptsächlichen Grössen

rekonstruiren und ihre Verhältnisse erkennen könnte. Diess wäre auf die Weise möglich, dass man neben der mittleren Windrichtung und ihrer Resultirenden auch noch den speziellen Quadranten berücksichtigte, in welchen die mittlere Windrichtung durch jene Formel verlegt wird, und dass man auch hier für die beiden Grössen, welche ihn zusammensetzen, die Richtung und Stärke jener Resultirenden berechnete. In dem Grössenverhältnisse der beiden Winkel und ihrer Resultirenden müsste sich dann wenigstens das Verhältniss der vier hauptsächlichen entgegengesetzten Windrichtungen aussprechen. In den obigen Fällen D und E war z. B. die mittlere Windrichtung = W. 26° 33' 50" NW. und die Stärke der Resultirenden = 18,431. Es gälte also, für den vierten oder nordwestlichen Quadranten aus den beiden Kräften N und W die Richtung und Stärke dieser Resultirenden zu berechnen. Diese erhielte man hier aus w+ (sw + Nw) sin 45° N + (NO + NW) cos 45° ? indem man den dem Quotienten der Division entsprechen

den Kotangenten-Winkel aufsuchte, jene dagegen aus

YIw + sw + Nw) in 5) + (N + No+ Nw)eo 5) Man erhält also danach 1. für den Fall D: a. Richtung der Resultirenden des Quadranten 30° 22' 20", b. Stärke » » 3» 11. ** 47,98 2. für den Fall E: a. Richtung der Resultirenden des Quadranten 42° 16'10", b. Stärke yy * * 31. »» 46,47 Sonach folgt, dass die ausserhalb des fraglichen Quadranten liegenden Windrichtungen, welche in der Lambert'schen Formel ihre Geltung erlangen, im Falle D eine geringere Ablenkung ihrer Resultirenden von Nord nach West, aber eine etwas bedeutendere Abschwächung der Stärke der Resultirenden bewirkt haben als im Falle E.

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Sind die Winkel x und y dagegen ungleich, so ist auch jenes Verhältniss gestört, das Maass und der Grund der Störung finden aber ihren Ausdruck in dem bekannten Verhältnisse der Sinus und Cosinus zur Grösse der bezüglichen Winkel. In dem nordwestlichen Quadranten ist also N = sin x . 6 und S = sin x . 6 – sin y . y, W = cosx . 6 und O = cosx . 6 – cos y . y. Je grösser also der Winkel der mittleren Windrichtung (Zy) im Verhältniss zu Z x, um so grösser wird auch sin y, um so kleiner also die dem Reste der obigen Subtraktion beider Sinus entsprechende Grösse für Süd im Verhältniss zu Nord; dagegen nimmt der Cosinus des Winkels y mit der wachsenden Grösse dieses Winkels ab, es wird also der dem Reste beider Cosinus entsprechende Werth für Ost immer grösser. Die analoge Anwendung dieser Maxime auf die übrigen Quadranten ist eine einfache. Fällt die mittlere Windrichtung in den ersten (nordöstlichen) Quadranten, so ist N= cosx . 6 und S = cosx . 6 – cos y . y, = sin x . 6 und W = sinx . 6 – siny . Y; fällt sie in den zweiten (südöstlichen) Quadranten, so ist S = sin x . 6 und N = sin x . 6 – siny . y, 0 = cosx . 6 und W = cosx . 6 – cos y . y; fällt sie endlich in den dritten (südwestlichen) Quadranten,

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W = sin x . 6 und O = sin x . 6 – sin y . y. Man vermag daher mittelst des oben angegebenen Zusatzes zur Lambert'schen Formel, der begreiflich für jeden verschiedenen Quadranten sich entsprechend modificirt, nicht bloss die einzelnen Hauptwindrichtungen wieder zu entwickeln, sondern erkennt auch die Art und den Grad der Einwirkung und kennzeichnet den einzelnen Fall völlig scharf. In den Fällen D und E z. B., in denen mittlere Windrichtung und Stärke der Resultirenden völlig gleich waren, erhält man bei Anwendung dieses Grundsatzes folgende Verschiedenheiten: Fall D. Nord = sin 30922'20". 47,98 Süd = sin 30 22 20 . 47,98 – sin 26933'50". 18,431 West = cos 30 22 20 . 47,98 Ost = cos 30 22 20 . 47,98 – cos 26 33 50 . 18,431 Fall E. Nord = sin 42916'10". 46,47 Süd = sin 42 16 10 . 46,47 – sin 26933'50". 18,431 West = cos 42 16 10 . 46,47 Ost = cos 42 16 10 . 46,47– cos 26 33 50 . 18,431 Nur wenn in zwei Fällen beide entsprechende Winkel und beide entsprechende Resultirende einander gleich sind, nur dann herrscht auch in beiden Fällen ein völlig gleiches

Verhältniss zwischen Nord- und Südwinden einerseits und Ost- und Westwinden andererseits. Aber auch der Werth dieser Ermittelungen ist immerhin ein zweifelhafter. Da sich vier Zahlen, welche den Hauptwindrichtungen entsprechen, leichter übersehen und nach ihrem gegenseitigen Verhältnisse abschätzen lassen als die vier Grössen, von denen so eben die Rede gewesen ist, während sie den speziellen Fall eben so charakterisiren wie die letzteren, so haben die Ermittelungen der Winkel und ihrer Resultirenden jenen Werth vorzugsweise nur für graphische Darstellungen, für welche sie oben vorgeschlagen wurden. Für sonstige meteorologische Aufzeichnungen schlägt schon Dr. M. A. F. Prestel ein anderes Verfahren vor. Danach soll von je zwei einander gegenüberliegenden Punkten der Windrose nur die vorherrschende angegeben und dieser sollen dann die Zahlen der beiden betreffenden Windrichtungen als Koefficienten beigegeben werden, indem die kleinere mit der grösseren durch ein Minuszeichen verbunden würde. Hiernach würde die Prestel'sche Formel für Fall D lauten: N 8–4, SW 3 – 0, W 23–15, NW 23–14. Hierdurch erhielte man allerdings nur 4 im einzelnen Falle leicht übersichtliche Glieder der Formel, es wird aber, sobald sich die Zahlenverhältnisse ändern, die Vergleichung der Formel für zwei verschiedene Fälle durch die Veränderung der Ordnung sehr erschwert, z. B. wenn man mit der obigen die Formel N03–0, S023–14, S 8–4, W 23 – 15 vergleicht, obwohl hier wie dort im Allgemeinen dieselben Zahlen für die diametral entgegengesetzten Richtungen gewählt und nur – im entgegengesetzten Sinne vertheilt sind.

Dazu kommt noch, dass man die Grössen für zwei verschiedene Monate, z. B. für Januar und Februar, überhaupt wegen ihres verschiedenen Werthes nicht unmittelbar vergleichen darf, da z. B. 1 Nordwind auf die Gesammtzahl der Beobachtungen bezogen im Januar = %3 im Febr. = %4 ist, eine Beobachtung im Februar also für das Monatsresultat mehr wiegt als eine Beobachtung im Januar. Es empfähle sich also zum Zwecke der numerischen Vergleichbarkeit der Rath, die gewonnenen Resultate auf Prozente der Gesammtzahl zu bringen und dieselben, um sie zugleich graphisch übersichtlich zu machen, ungefähr wie folgt zu ordnen: Fall D. 25,56 | 8,89 1 000 25,56 16,67 17,78 8,89

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Hieraus folgt, dass die südlichen Richtungen von den nördlichen um 9,16, die östlichen von den westlichen um 18,32 überwogen werden, die mittlere Windrichtung demnach nach Nordwest fällt. Sucht man nun den Kotangenten-Winkel für Ä, so erhält man den oben ermittelten W. 26° 33" 50" NW.

Die Resultirende erhält man für diesen Quadranten einfacher aus „in Äs = 20,48, was mit der früher erhaltenen Zahl 18,431 in sofern übereinstimmt, als letztere Zahl nach Kämtz angeben würde, wie viel Winde unter 90, erstere aber, wie viel unter 100 aus der angegebenen mittleren Richtung geweht haben müssten, um dasselbe

Resultat als die Gesammtmenge zu erzielen.

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Ein Zug nach dem Gebirge Bator auf der Insel Bali. Von H. Zollinger.

III. Abschnitt: Rückreise über das Hochland von Tjator).

Bei unserer Abreise hatten wir keinen Verdruss mit Abwarten der Kuli, sie waren schon am Vorabend beisammen. Wir hatten den 11. der Ruhe und dem Einpacken gewidmet und den 12. früh traten wir die Rückreise an. Freund Dewa Hokka begleitete uns bis auf die Höhe und wir trennten uns dort mit dem Versprechen eines neuen Besuches.

Das Hochland von Tjator. – In Kotta dalam wandten wir uns, nachdem wir den Sukawana besucht, nach SW., da wir noch das westliche Hochland von Bangli durchziehen wollten. Der Weg stieg sanft abwärts durch Grasfluren und umkreiste eine weite halb kesselförmige Vertiefung, aus deren Spalten und Wasserrinnen zur Regenzeit allmählich der Grenzfluss von Buleling und Bangli sich entwickelt, der bei Kubuk Lod in die See fällt. Dann führte der Weg wieder aufwärts und wir sahen je länger je mehr eine nach SO. und NW. sanft geneigte Fläche sich vor uns ausbreiten. Sie war offen, fast überall bebaut, ziemlich baumlos, da Bäume und Gesträucher nur längs den Wegen und Hecken sich zeigten. Es muthete

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uns Europäisches Landleben an, wirbelte doch hoch in den Lüften freudig eine Lerchen-Art (schon in Bator hatte mich alle Morgen früh ein Finkenruf erfreut). Weithin dehnten sich Felder von Mais, Zwiebeln, Bataten und Reis, hier ganz gebaut wie die Europäischen Getreide-Arten, d. h. ohne Zuthun von Überschwemmung. Unter dem Pfluge der Bauern wirbelte der Staub der rothen Ackererde auf. Wiewohl das Ganze öde schien, machte doch das Neue des Anblickes, das Heimische darin, das Friedliche einen wohlthuenden Eindruck. Das Dorf Blantih (Balischer Name des Homalonthus giganteus) liessen wir zur Seite liegen und langten gegen Mittag in Tjator an, noch auf dem Grundgebiete von Bangli. Das an sich sehr schmutzige Dorf war zur Zeit auch verflucht, weil ein Mann von einem Baume herunter gefallen war und den Hals gebrochen hatte. Die nächste Umgebung war ein wahrer Wald von Nesseln, HeckenBambu (tijeng suda mala der Balier), einer zarten, dichtbuschigen Art, Himbeeren, Farnen u. s. w. Es war kaum durchzukommen. Mitten darin finden sich ehrwürdige Reste der Wälder, zwei ergraute Casuarinen, hier in 4315 Fuss Höhe. Die Umgegend bot wenig Ausbeute, seltsam war jedoch der Fund einer winzigen kleinen Schnecken-Art (Succinea minuta Mss.) in den Spalten der Baumrinde. Um botanische Schätze zu holen, wäre ein Zug nach den nahen Gebirgen nöthig gewesen, wozu uns keine Zeit blieb. Tjator (das Sanskrit-Wort für vier) liegt am westlichen Ende des Hochlandes, am östlichen Fusse des letzten Gipfels der centralen Gebirgsgruppe Bali's, des Tapsai. An seinen Gehängen treffen die Grenzen der Reiche Buleling, Bangli, Mengui und Tabanan zusammen und in Bezug auf diese Gegend gerade sind alle Karten von Bali noch gründlich falsch. Der Tapsai verlängert sich gegen Norden in eine Reihe von sieben an Höhe abnehmenden Kuppen, an deren östlichem Fuss eine tiefe Kluft ebenfalls einen Bach enthält, der sich mit dem oben erwähnten vereinigt und die Grenzscheide bildet. Rückwärts lehnt sich der Tapsai an den Parang bulia und den Tieng-tali an, ohne dass ich Sicheres über deren gegenseitige Lage zu sagen wüsste. Die Namenverwirrung in Betreff der Gipfel dieses Gebirgsknotens ist sehr gross und erheischt ein genaueres Studium. Wir fragten, ob der Name des Dorfes (Vier) von dem Zusammentreffen der vier Reiche herrühre? Man verneinte es und erklärte, es komme davon her, dass oft im Dorfe Leute aus den vier Reichen beisammen wären, da aus den anderen oft Flüchtlinge herüber kämen und sich eine Zeit lang zu Tjator aufhielten. Den 14. machten wir einen Ausflug gegen SW. Wir ritten am Fusse des Tapsai hin. Die Vegetation der Wälder hatte einen ganz anderen Charakter als in den Gebirgen des Bator; sie war dichter, mannigfaltiger und verrieth weit mehr Feuchtigkeit als dort. Die Casuarinen kommen am Tapsai auch noch vor, doch mit Laubholz vermischt und mehr an den steileren Abhängen. Grössere Feuchtigkeit gab sich vorzüglich durch eine grössere Zahl von Orchideen und von saftigen Urticaceen (Elatostemma u. s. w.) kund. Auch die im Westen Java's so häufige Fagraea auriculata Bl, die Hoya macrophylla sah ich hier. Der Rubus fraxinifolius wuchs überall in so grosser Menge, dass wir unsere Hüte voll von seinen Früchten nach Hause brachten und sie, die ganz erdbeerenartig, aber fad von Geschmack sind, zu Hause mit Zimmt, Zucker und Wein zubereiteten. Wir stiegen durch eine steile und tiefe Kluft hindurch, in deren Grund ein herrliches Flüsschen die Grenze von Bangli und Mengui bildet. Eine ganz ähnliche Kluft mit Fluss bildet nach Süden die Grenze zwischen Mengui und Tabanan. Bald langten wir im Weiler Bon (Balisch: Schlingpflanze) an, der aus 6 bis 8 Häusern besteht und der höchste Wohnort des Reiches Mengui ist (über 4000 Fuss), dabei über alle Beschreibung elend und schmutzig aussieht. Dennoch hat auch hier noch der Opium-Verkauf eine Stätte aufgeschlagen. Der Gebrauch dieses Giftes hat sich so ins Balische Volks- und Staatsleben eingefressen, dass er Land und Volk langsam, aber sicher von innen heraus zerstört: Kraft, Gesundheit, Thatkraft, Ehrgefühl und Wohlfahrt. Die offenen Stellen boten eine herrliche Aussicht nach Süden über die sanft abhängenden Gelände bis hin zum Meere. Das Tafelland von SO. und die Insel Pandita, mit ihren weissen Kalksäumen und dem Schmucke der hohen Brandung, lagen scharf gezeichnet vor. Nach Osten sah man bis auf die Hügel der Insel Lombok. Wohnlich und

totale Sonnenfinsterniss des 18. September.

gastfreundlich sah es da nicht aus und wir eilten hinweg, sobald Herr Waanders seine Messungen beendigt hatte. Das Thermometer stieg zu Tjator am 14. auf 22,3° C., am 15. Morgens 6 Uhr stand es auf 9,25° C. Jedenfalls hat das Plateau von Tjator ein viel kühleres Klima. Die Baumlosigkeit befördert die Insolation, aber eben so sehr die Ausstrahlung. Dazu ist es den häufigsten und stärksten Winden der Insel, denen von SO., ausgesetzt, daher auch die umherstehenden Bäume, meist Erythrina, fast alle eine leichte Neigung nach NW. zeigen. Eine heftige Einwirkung der Südostwinde sieht man auch an den zerzausten, kahlen, mit Usneen bewachsenen Kronen dieser Bäume, auf denen sich die Vanda insignis in Unzahl angesiedelt hat (die Jungfrauen-Orchis, Angreq dóo der Balier). Weil das Dorf verflucht war, mussten die Kuli ebenfalls anderswo zusammengerufen werden. Das Dorf-Oberhaupt wollte selbst ins Tiefland auf Besuch kommen und wir vertrauten ihm darum unser Gepäck an. Seine Frauen beglückten wir mit leeren Flaschen und liessen daher hier an den abgelegenen Bergen diese sichersten Zeichen der Europäischen Civilisation, wie sie Mill nennt, zurück. Den 15. wendeten wir uns nordwärts und ritten lange über einen grasbewachsenen Rücken hin neben dem befestigten Grenzdorfe Pengadjaran vorüber. Der Rücken wurde nun schmäler und waldbewachsen, beiderseits in der Tiefe floss ein Arm des Flusses von Bunkulan. Der Wald zeigte keine Casuarinen mehr, sondern einen sehr mannigfaltigen Baumschlag, allein ausser der schönen Spathodea sah ich nur noch eine Sauraja in Blüthe. In der Tiefe am Flusse, wo wir frühstückten, zweigt sich eine Wasserleitung nach Osten ab, welche die Felder des ersten Dorfes auf dem Boden von Buliling bewässert. Es ist diess Tagal, wo ich nicht ganz 2000 Fuss über dem Meere noch die letzten Dodonaea fand; nirgends noch habe ich diese Pflanze so tief gefunden. Auf Feldwegen und über eine zweite Wasserleitung hin gelangten wir um 12 Uhr bei Klampook auf den alten Weg. Wir fanden nun die Hitze auf den kahleren, niedrigeren Hügeln schrecklich, obschon ein frischer Seewind Kühlung brachte. Um 12 Uhr waren wir in Tambany zurück, um 2 Uhr in Kubuk Lod. Im grossen Dorfe Bunkulan war grosses Gedränge um ein Hahnengefecht, dem auch der junge Fürst nach Landessitte beiwohnte. Die Hahnengefechte spielen im Staatsleben die Rolle unseres Börsenwesens, nehmen unglaublich viel Zeit in Anspruch und sind das National-Vergnügen des ganzen Volkes. Es sind minutiöse, verwickelte Gesetze, welche das Ganze regeln und die Veröffentlichung derselben gäbe für sich schon eine sociale Charakteristik des Volkes. Nachdem wir bei unserem Chinesischen Gastfreund den Thee genossen, kehrten wir denselben Abend bis Singaradja zurück. Den 17. September schiffte ich mich am Bord meines Kutters „Klara" ein und lichtete um 1 Uhr Nachts die Anker. Nachmittags beobachtete ich auf der See die fast Die zweite Nacht erhoben sich heftige Landwinde aus SW. und wir kreuzten mühsam am Gunung Gundul und dem westlicheren Gunung Pélakkis vorbei, an dessen Fuss, wie beim nahen Banju wedan ebenfalls warme Quellen hervorbrechen. Gegen 2 Uhr Nachmittags war ich am Eingange der Strasse von

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