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zusammen, in welchem der Berg liegt, sei es nun, dass der Kreis dem Berge oder – was wahrscheinlicher ist – der Berg dem Kreise den Namen gegeben hat. Über die Entstehung des Namens Fau weiss man Nichts. Die Toisten haben jedoch eine Fabel erdacht, um den Namen zu erklären. Zur Zeit der Sündfluth, heisst es, kam aus dem Feen-Lande ein Berg hergeschwommen und vereinigte sich mit dem Lo-Berge. Seitdem erhielt das ganze Gebirge den Namen Lofau. Die Chinesen behaupten, dass die Pflanzen und Thiere auf dem Fau-Berge anderer Art sind als die auf dem Lo-Berge, und wollen dadurch unwidersprechlich die Abstammung des ersteren aus der Feen-Welt beweisen. Nach der Mythe befindet sich zwischen beiden Bergen eine thit khiu oder eiserne Brücke. Dieselbe gehört jedoch ebenfalls ins Feenreich und ist den meisten Besuchern unsichtbar. In der Beschreibung des Lofau heisst es: Auf dem Gipfel des Lo sind eine Anzahl Zimmetbäume und auf dem Fau ein ansehnlicher Teich. Diess ist der Aufenthaltsort der Genien. Menschen haben hier Nichts zu thun, sondern Wolken und Nebel thronen daselbst. Mir scheint es wahrscheinlich, dass zwischen beiden Bergen sich eine mächtige brückenartige Felsenwand befindet. Ich selbst konnte jedoch den Gipfel nicht besuchen und die Chinesen wussten darüber keine Auskunft zu geben. Der Gipfel wird jetzt nur sehr selten erstiegen. Die Zimmetbäume und der Geistersee werden wohl ganz ins Reich der Mythe gehören. Wenn man sich vom Lofau in einer Entfernung von 15 bis 20 Meilen befindet, so erscheint er ziemlich allein stehend, als ein grosser Berg in einer weiten Ebene. Nähert man sich aber, so bemerkt man freilich, dass er östlich durch Hügelketten mit entfernten ansehnlichen Gebirgszügen zusammenhängt und westlich sich in die Zang schingerBerge verläuft. Nach Chinesischer Angabe ist der Berg 36.000 Fuss hoch. Diese Höhe soll herauskommen, wenn man vom Fusse an die ganze Länge des Bodens bis zum Gipfel misst. Nach meiner Ansicht beträgt die wirkliche Höhe zwischen 4- und 5000 Fuss. Der Umkreis des ganzen Berges soll 24 Meilen betragen. Man wird wahrscheinlich nicht den reinen Umkreis gemessen haben, sondern alle die Ausläufer umgangen sein. Die Länge des Berges schätze ich auf 2 bis 4 Meilen. Das Gebirge, besonders die Spitze desselben, ist kahl, nur mit Gras und Gestrüpp bedeckt. Es bietet darum einen ähnlichen Anblick dar wie alle die höheren Berge hiesiger Gegend. Viele der Thäler sind jedoch mit ansehnlichem Buschwerk, ja selbst mit Wäldern ausgefüllt. Diese bewaldeten Theile reichen bis auf die halbe Höhe des Berges. Der Pflanzenwuchs ist an vielen Plätzen sehr üppig und an ungebahnten Stellen kann man nur mit grosser Anstrengung durchkommen.

Zahllose Bäche und Flüsschen entspringen auf dem Gebirge und stürzen sich über die Felsen hinab. Die Chinesen haben 980 Wasserfälle gezählt. Einzelne sind 30 bis 40 Fuss hoch und bieten einen malerischen Anblick. Einige der Bäche sieht man schon aus weiter Ferne sich nahe dem Gipfel über die Felsblöcke stürzen. Der Lofau zählt 430 bedeutendere Gipfel und eine Menge Thäler mit wunderlichen Namen. Da giebt es z. B. den Gipfel der fliegenden Wolken, der Tiger und Drachen, der Weissen Störche, der alten Leute, der Wolkenmutter, der Priesterschüssel, der edelsteinernen Gänse, der hellen Schafe. Unter den Thälern werden gerühmt: das der Schmetterlinge, des gelben Drachen, der 5 Genien, der Gesänge, der nächtlichen Musik, der feenhaften Plätze. Die Felsen gehören dem Urgebirge an. Es ist meist eine Art Granit mit einem silberartigen Schimmer, wodurch die Scenerie einen eigenthümlichen, ich möchte sagen magischen Eindruck macht. Die Felsen bilden zum Theil schroffe Felswände, zum Theil hängen sie in grossen Massen über die Abgründe und bilden allerlei wunderliche Formen. Auch einige Höhlen finden sich. Die Toisten und Buddhisten haben nicht verfehlt, solche interessante Punkte mit ihren Legenden und Mythen auszuschmücken. Was nun die Flora und Fauna des Lofau betrifft, so kann ich leider darüber nur wenig sagen. Die Zeit meines Aufenthaltes war nur kurz und die Aufregung unter den Bewohnern der Umgegend wegen dieses unerwarteten Besuches der noch nie dort gesehenen Fremden ziemlich bedeutend. Da das Volk nun auch meint, dass die Geister auf dem Lofau allerlei Schätze hüten, so mochte ich nicht durch Sammeln von Mineralien und Pflanzen ihren Verdacht reizen und habe nur Weniges mitgebracht, doch bemerke ich, dass ich viele Species sah, die mir noch nie vorgekommen sind, besonders auch unter den Moosen und Farnkräutern. Die Chinesische Topographie widmet einen ganzen Band den Thieren und Pflanzen des Lofau, es ist aber äusserst schwer, aus der unvollkommenen Beschreibung auch nur mit Annäherung auf den Gegenstand selbst zu schliessen. Das Wichtigste will ich jedoch noch kurz erwähnen. Der Elephant wird ziemlich gut beschrieben und als auf dem Lofau früher einheimisch genannt, seit etwa 1000 Jahren habe er sich aber in die entfernten grossen Wälder zurückgezogen. Ferner werden unter den vierfüssigen Thieren genannt: der Stumme Tiger, der sich an einsamen Orten aufhalte und nie Menschen beschädige, eine Art Leopard, der Ameisenfresser und mehrere Arten Affen. Unter den Vögeln rühmt man besonders einen fünffarbigen Vogel und das fünfbeinige Huhn. Beide sind äusserst selten und man hat sie in Mythen gehüllt. Ferner findet sich ein Reiher mit einem so grossen Schnabel, dass man Trinkgefässe daraus fertigt. Die Schmetterlinge sollen ausgezeichnet sein. Das Thal, wo sie besonders vorkommen, nennt man Schmetterlings-Thal. Eine Art soll von sonst nie gesehener Grösse und wunderbarer Farbenpracht sein und die Toisten behaupten, dass dieselbe nur auf dem Lofau sich finde. Diese merkwürdigen Schmetterlinge seien nämlich aus Kleidern des Kotsin, eines toistischen Heiligen, entstanden. Ich bin nicht in das Schmetterlings-Thal gekommen, habe aber einzelne Species gesehen, die mir sonst nicht vorgekommen sind. Was die Flora betrifft, so habe ich schon erwähnt, dass die Chinesen einen Unterschied zwischen der des Lound des Fau-Berges finden. Worin derselbe besteht, kann ich nicht sagen. Viele der arzneilichen Kräuter, welche in den Apotheken durchs Land hin gebraucht werden, kommen vom Lofau. Er soll eine wahre Fundgrube für Kräutersammler sein, besonders schreibt man den selteneren Moosen und Farnkräutern übernatürliche Wirkungen zu. So giebt es welche, deren Genuss ein langes Leben bewirkt, das Gesicht verjüngt, unsichtbar oder gar unsterblich macht. Unter den Fruchtbäumen sollen besonders die kam, d. h. Orangen, am Fusse des Berges gedeihen. Zur Zeit der Sung-Dynastie kamen sie in solcher Fülle vor, dass die Priester selbst dem Kaiser Körbe mit Orangen als Geschenk überreichten. Auch wird viel Thee gebaut, so dass man am Berge nur selbstgezogenen trinkt und erhält. Eine besondere Merkwürdigkeit sind einige Indische Bäume, welche durch von Indien kommende Buddhisten in den Klostergärten angepflanzt wurden. Unter den Mineralien erwähne ich eine Erdart, die essbar sein soll. einem armen Wanderer erschienen sein und ihn aufgefordert haben, die vor ihm liegenden Steine mitzunehmen und zu kochen. Da sich dieselben essbar und schmackhaft erfanden, so kamen ganze Schaaren, um solche Steine einzusammeln. Mit Zucker und Mehl bereitete man Klöse aus denselben. Noch jetzt gäbe es diese Steine, sie wären aber nicht mehr so wohlschmeckend wie früher und etwas schwer zu verdauen. Bei dieser Gelegenheit bemerke ich, dass in der Beschreibung des Lofau mehrfach Bergstürze erwähnt werden, die durch Erdbeben und ungeheuere Fluthen verursacht wurden. Einige Mal kamen bei diesen Ereignissen viele Menschen ums Leben. Wie schon erwähnt, ist der Lofau besonders durch die Toisten und ihre Legenden berühmt geworden. Nach der Vorstellung derselben ist der Berg, vor Allem der Gipfel, der Tummelplatz der Unsterblichen, die von hier aus zum Juk sheangtei, d. h. edelsteinernem Gott, dem toistischen

Zur Zeit einer Hungersnoth soll ein Geist

Herrn des Weltalls, emporsteigen. Goldene und silberne Paläste, dem sterblichen Auge verdeckt, finden sich in den einsamen Schluchten des Gebirges. Dann und wann sind sie so wie die Geister selbst den Menschen sichtbar. Die Geister erscheinen meist in der Kleidung der To-Priester und bringen den Menschen oft Hülfe in Nöthen und Krankheiten, nie Schaden und Verderben. Ein Holzhauer erstieg einst den Gipfel und sah die eiserne Brücke. Er schreitet über dieselbe und sieht zwei Priester an einem steinernen Tische sitzen und Schach spielen. Zur Seite steht ein Diener und wartet mit Speisen und Früchten auf. Der Holzhauer erschrickt, läuft eilig nach Haus und erzählt die wunderbare Begebenheit seinen Nachbarn. Man macht sich auf, sucht aber natürlich vergebens. Brücke und Tisch, Priester und Speisen, Alles war verschwunden. Ein ander Mal wird ein Bauer von dem Wong jä jan, einem toistischen Heiligen, von dem später noch mehr die Rede sein wird, in seine Hütte geführt und bewirthet. Zuletzt. giebt der vermeintliche Priester dem Bauer eine Kuh und ein Gefäss mit Reis zum Futter. Der Bauer hat mit dem Führen der Kuh genug zu thun und wirft das Körbchen mit Reis weg. Als er in der Nähe seines Dorfes angekommen, bemerkt er, dass aus einigen übrig gebliebenen Reiskörnern Gold geworden ist. Er kehrt um, sucht die weggeworfenen Körner, dann später die Hütte und den Priester, aber Alles ist verschwunden. Die Kuh ist ihm aber geblieben und von ihr stammen die Kühe des Dorfes Luklon her, welche sich durch Grösse und Schönheit bis heute auszeichnen. Ähnliche Sagen giebt es nun viele. Bald sieht der einsame Arbeiter Felswände sich öffnen oder schliessen und toistische Priester durch dieselben schreiten, bald zeigt sich einem ermüdeten Wanderer ein Feuer, genährt durch nasses Holz, auf dem ein Topf mit Speisen steht, was den Ermatteten sättigt; bald zeigen sich einem Holzhauer eine Menge Silbertafeln und andere Schätze, von denen er Nichts nehmen darf; bald finden Kranke und Gebrechliche wunderbare plötzliche Heilung. Manche Sagen sind sehr abgeschmackt wie man es bei Heiden nicht anders erwarten kann. Ein Mädchen in einer Theebude sieht oft einen Priester vorbeigehen und wartet ihm gutwillig mit Thee und Brödchen auf. Eines Tags kommt der Priester zum letzten Mal und reicht dem Mädchen aus Dankbarkeit eine Pille mit der Anweisung, sie vor der Hochzeit zu essen. Sie thut es, als sie in der Sänfte sitzt und man sie zu ihrem Bräutigam bringt, und wird dadurch in einen Mann verwandelt. Der betrogene Bräutigam geht mit seiner vermeintlichen Frau zum Mandarin. Dieser ahnt sogleich, dass ein Geist dabei im Spiel ist, und da er zwei Töchter hat, so schliesst er die Sache zur allseitigen Zufriedenheit damit, dass er sie dem Bräutigam und seiner vermeinten Frau zur Ehe giebt. Wir müssen jedoch über die To-Priester, die sich am Lofau niederliessen, so wie über die Entstehung der einzelnen Klöster etwas eingehender reden. Der erste Toist, welcher als Einsiedler auf dem Lofau erwähnt wird, lebte zur Zeit der Chan-Dynastie (400 v. Chr.). Während der Hon-Dynastie kam der Toismus schon mehr in Aufnahme, besonders blühte aber derselbe daselbst während der Thong- und Sung-Dynastie. Die ersten Toisten lebten in sehr einfachen, ärmlichen Hütten und führten ein streng ascetisches Leben. Später entstanden kleinere und grössere Klöster, besonders an solchen Plätzen, die durch frühere Toisten berühmt geworden waren. Die Gebäude waren meist recht ansehnlich und die Priester führten ein behagliches Leben. Je nachdem ein Kloster Raum und Einkünfte hatte, wurde eine grössere oder kleinere Anzahl Priester in demselben erhalten. An der Spitze stand ein Abt und zur Landarbeit und anderen äusseren Geschäften hatte man eine Anzahl Arbeitsleute mit ihren Familien um sich. Der berühmteste unter allen Toisten, die je den Lofau bewohnten, dessen Namen man dort noch jetzt am meisten hört, war Kot hung. Sein literarischer Name ist Chi chun und sein Geburtsort liegt in der Kong nam-Provinz. Er lebte um die Zeit des Kaisers Hamwo von der Tsun-Dynastie (circa 300 n. Chr.). Als Knabe zeigte Kot hung viel Neigung zum Studiren. Da er aber sehr arm war, so wurde es ihm nicht leicht, seine Wissbegierde zu befriedigen. Durch Holzsammeln verdiente er sich etwas Geld und schaffte sich dafür Papier, Pinsel und Bücher an. Seine Zeit kaufte er sehr aus und oft blieb ihm nur die Nacht zum Studium übrig. Als er etwas herangewachsen war, suchte er nach Wahrheit und Gerechtigkeit und wäre gern 1000 Meilen weit gegangen, um den rechten Weg kennen zu lernen. Endlich traf er mit einem To-Priester zusammen und erhielt von ihm einige Unsterblichkeitspillen. Seitdem suchte Kot hung auf dem Wege des Toismus Glück und Ruhe. Er ging nach dem Lofau und lebte als Einsiedler in einem der Thäler am Fusse des Berges auf der östlichen Seite. Um dieselbe Zeit, als Kot hung nach dem Lofau kam, war ein merkwürdiger Mann KreisMandarin von Nam hoi, wohnte also in Canton. Von Jugend auf hatte sich derselbe durch seltene Tugendhaftigkeit und Gerechtigkeitsliebe ausgezeichnet. Man sagt, er sei oft sehr böse geworden, wenn er von schlechten Menschen gehört. Seine Neigung zur Astronomie und dergleichen Sachen hatte ihn in Bekanntschaft mit Toisten gebracht. Nachdem er als Distrikts-Mandarin nach Canton gekommen, fühlte er sich sehr zum Lofau hingezogen und besuchte

ihn oft. Kot hung hatte sich eben hier niedergelassen und der Mandarin wurde bald sein intimer Freund, ja sogar durch Bande des Blutes mit ihm verwandt. Kot hung heirathete die Tochter seines Freundes und diese wurde bald ebenfalls eine gelehrige Schülerin der Toisten. Kot hung starb auf dem Lofau in einem Alter von 81 Jahren oder vielmehr er wurde ein sin und stieg in den Himmel hinauf. Zum Beweise des Letzteren dient, dass sein zurückgelassener Leichnam leicht wie leere Kleider war und seine Augen wie lebendig erschienen. Der Schwiegervater starb als ein 100jähriger Greis. Als man später seinen Sarg öffnete, fand man keinen Leichnam darin, sondern nur ein Schwert. Die Umstehenden wollten dasselbe wegnehmen, allein es wurden kriegerische Stimmen in der Luft laut und sie liefen erschreckt davon. Die Frau Kot hung's lebte ebenfalls eine Zeit lang als Einsiedlerin am Lofau, starb daselbst und ihr Grab ist noch heute bekannt. Um Kot hung hatten sich eine Menge Schüler gesammelt. Der bedeutendste unter ihnen ist Wong jä jan. Dieser war gerade in ein benachbartes Dorf gegangen, während sein Meister starb. Bei seiner Zurückkunft fand er auf dem Heerde, welchen Kot hung zum Brauen des goldenen Elixirs benutzte, einige Pillen. Er genoss dieselben und wurde dadurch ein ErdHalbgott. Als solcher wandert er noch immer auf dem Lofau umher, zeigt sich bald hier, bald dort und setzt die Wanderer in Erstaunen, hilft wohl auch Kranken und Bedrängten. Die zahlreichen Schüler und Anhänger des Kot hung erbauten vier Klöster. 1. Das älteste wurde Tuhü genannt. Bald jedoch veränderte man den Namen in Chung hü, d. h. tiefe Leere, den es noch gegenwärtig führt. Schon zur Zeit des Kaisers Thinpo von der Thong-Dynastie lebten in demselben 13 Priester und 10 Familien waren mit den äusseren Arbeiten beschäftigt. Das Kloster ist noch jetzt eins der angesehensten auf dem Lofau und liegt in einem hübschen Thale. Dasselbe hat freilich in den letzten Jahren etwas an Anmuth verloren, weil die Bewohner der Umgegend die riesigen Bäume mit roher Hand umgehauen haben. Die Haupthalle des Klosters ist ein ansehnliches Gebäude und den drei Reinen gewidmet. Die kolossalen Götzenbilder stammen aus der Zeit der Nam Hon-Dynastie. Besonders merkwürdig ist der Platz, wo Kot hung's Laboratorium gestanden hat, wo er nämlich das goldene Elixir zu kochen versuchte. Es ist hier eine Art Altar errichtet, an welchem mit grossen Buchstaben steht: „Chi chhun's Heerd". Diese Inschrift ist für sich selbst bemerkenswerth. Die Zeichen sollen nämlich ursprünglich von Tung po, einem der ersten Gelehrten und Staatsmänner China's während der Sung-Dynastie geschrieben und nach dem Original angefertigt sein. Die ganze Gegend um den Altar steht im Rufe einer gewissen Heiligkeit und man bereitet aus der Erde Pillen, die gegen alle Krankheiten und Schäden gut sein sollen. Ein Mandarin hat vor einigen Jahren nahe dem Altar einen Pavillon erbaut. Ferner befindet sich in diesem Thal ein Platz, woselbst man die Kleider des Kot hung begraben hat. Es ist das Grabdenkmal noch zu sehen. Aus anderen Kleidern des Heiligen sind, wie schon erwähnt, Schmetterlinge geworden, die sich durch ihre Grösse und Farbenpracht vor allen anderen auszeichnen. Zu den Merkwürdigkeiten des Klosters Chung hü gehören sechs metallene Drachen und ein metallener Fisch etwa von Fingerlänge, die zur Zeit der Sung-Dynastie in der Nähe des Klosters ausgegraben wurden und seitdem als der köstlichste Schatz aufbewahrt werden. Ich habe dieselben nicht zu sehen bekommen. Die Mönche sind etwas zurückhaltend damit, besonders gegen Fremde. Die Drachen sollen 4 Füsse und Schuppen haben, der Fisch keine Augen und hohl sein. Sie seien nicht von Gold, nicht von Erz, Stein oder Eisen, sehr fest und doch leicht, in der That überirdische Gegenstände, shan mat. Ich fand in dem Kloster Chung hü eine gar freundliche Aufnahme. Nachdem ich eine Weile in dem Visitenzimmer gewartet, erschien der alte Abt mit ehrwürdigem Aussehen und auf seinen Stock gelehnt. Er war ungemein freundlich und nicht bloss höflich, wie die Chinesen gewöhnlich sind, sondern herzlich. Er äusserte, dass es seine Pflicht sei, Fremde zu bewirthen, und durch den Besuch zweier Fremden aus so weiter Ferne sei sein Kloster wie der ganze Lofau geehrt, wir möchten doch einige Tage bei ihm bleiben. Als wir ihm antworteten, dass unser Gepäck bereits in einem anderen Kloster sei, wo wir ebenfalls gastliche Aufnahme gefunden, wollte er es durchaus von dort holen lassen. Wir konnten jedoch diess Mal nicht darauf eingehen, haben es aber später bedauert, dass wir nicht zuerst zu dem freundlichen Alten gegangen waren. 2. Das zweite durch Kot hung's Schüler gegründete Kloster heisst Cheong zhun, ewiger Frühling. Später veränderte man den Namen in Cheongsau, ewiges Leben. In den Unruhen, welche am Ende der Sung-Dynastie ausbrachen, wurde es total zerstört. Um den Namen zu erhalten, nannte man später ein Toisten-Kloster in der Distriktsstadt Poklo ebenfalls Cheong sau. Allein auch diess wollte nicht recht aufkommen und man war genöthigt, dasselbe später mit Chung hü zu vereinigen. 3. Das Solin-Kloster. Die Legende erzählt, dass ein Priester in dem Thale, wo jenes Kloster liegt, des Besuchs einer Fee gewürdigt gewesen wäre. Beide hätten zusammen gedichtet und Reisbranntwein getrunken. Der Priester sei endlich gründlich besoffen eingeschlafen. Zur Erinnerung an diese Begebenheit habe man später dort ein Kloster erbaut und ihm den Namen „Weinkloster", Solin kun,

beigelegt. In der Nähe desselben sei dann später ein Dorf entstanden, welches auf Grund dieser Legende einen profitablen Handel mit Reisbranntwein getrieben habe und darum Weindorf genannt worden sei. Andere sagen, das Dorf habe vom Weinverkauf den Namen erhalten und das Kloster später vom Dorfe, und umgehen ganz diese Legende. In Gedichten wird aber viel auf die Legende angespielt. So lin liegt auf der Nordseite des Lofau und ich habe es nicht besucht, es gehört aber zu den bedeutenderen Klöstern. 4. Das Pak hok- oder Storch-Kloster. Der Storch ist bekanntlich bei den Toisten ein sehr geachteter, heiliger Vogel. Die Priester reiten, wenn gestorben, auf demselben in den Himmel und manchem begünstigten Einsiedler erscheint ein Storch. Ob irgend eine Legende mit dem Namen verknüpft ist, habe ich nicht erfahren können. Aber das kann ich bezeugen, dass Pak hok kun ein reizend gelegener Ort ist und recht ansehnliche Gebäude hat. An Inschriften und Hallen fehlt es nicht. Von dem Kloster aus

zieht sich ein Thal den Berg hinauf. Dasselbe ist mit

mächtigen Bäumen und allerlei Buschwerk geschmückt. Ein krystallheller Bach stürzt sich über die Felsblöcke. Besonders Ein Punkt des Thales gewährt einen imposanten Anblick durch die Felsmassen und Wasserfälle und hat zugleich eine entzückende Fernsicht in das mit Ortschaften bedeckte flache Land. Ein Pavillon mit Tischen und Bänken, sehr gut erhalten, ist hier errichtet und ein halbstündiges Ausruhen in demselben ist in der That erquickend. Die feierliche Stille weit umher, nur durch das Rauschen des Wassers und den Gesang der Vögel unterbrochen, ist besonders in dem bevölkerten China wohlthuend. Auch den Chinesischen Reisenden gefällt dieser Punkt besonders. Das bezeugen mehrere Inschriften, in die Felsen gehauen, in riesiger Grösse. Damit der Mythe auch ihr Recht bleibe, erzählt man von Drachen, die hier gehaust und durch die Priester ins Wasser gebannt sind. Zwei gekrümmte schwärzliche Felsen unter der Oberfläche des Wassers werden als die ehemaligen Drachen gezeigt. Das Kloster Pak hok hat übrigens gegenwärtig den Ruf, der Sitz der Gelehrsamkeit, so weit sie noch auf dem Lofau zu finden ist, zu sein. Gelehrte, die die untersten Examina absolvirt haben, setzen hier ihre Studien fort. Im letzten Sommer ist jedoch das Studium etwas gestört worden. Es brach eine ansteckende Krankheit aus, an der mehrere Gelehrte starben; die anderen gingen darauf in die Heimath zurück. Es verräth übrigens keinen üblen Geschmack, wenn man sich Pak hok auswählt, um hier in stiller Zurückgezogenheit zu studiren. Ausser diesen vier Klöstern, die ursprünglich durch Schüler des Kot hung gegründet sein sollen, giebt es nun noch andere. Das grösste und ansehnlichste unter allen trägt den Namen Wong lung. Es liegt auf der Südseite des Gebirges und zwar etwa in der Mitte desselben. Während die anderen Toisten - Klöster nahe dem Fusse des Lofau liegen, ist Wong lung ein gut Stück den Berg hinauf gerückt. Ein romantisches Thal mit einem klaren Gebirgsstrom zieht sich von dem Kloster abwärts nach dem Fusse des Gebirges hin. Dasselbe ist an einer besonders hübschen Stelle durch einen Pavillon geschmückt. Nahe dem Kloster selbst werden die Felsen immer grotesker und Inschriften finden sich in dieselben eingehauen. Auch die Mythe ist geschäftig. Eine Inschrift an einem ungeheueren Felsblocke soll von Tung pan, einem der acht Genien, herstammen und unvertilgbar sein. Nicht weit davon sind einige Vertiefungen in Felsen zu sehen, die in Etwas Fusstapfen gleichen. Ein Sin soll diese Eindrücke bei seiner Erscheinung im Wong lung-Thal zurückgelassen haben. Endlich führt eine Brücke vollends über eine Schlucht in das Kloster hinein. Dasselbe gewährt einen burgähnlichen Anblick und wird gegen Räuberbanden und dergleichen Überfälle leicht zu vertheidigen sein. Der Abt des Klosters lag gerade krank. Ein Priester bewillkommnete uns im Sprechsaal und war recht freundlich, doch fehlte jene Herzlichkeit, die uns in Chung hü entgegengetreten war. Die Priester haben eine Nebeneinnahme durch Verkauf von Arzneien, die in der Nähe des Klosters gesammelt werden, so wie von Stöcken an die Reisenden. Das ganze Thal, in welchem Wong lung liegt, wurde früher das Goldene Sandthal genannt. Der Kaiser (um 940), welcher die Nam hon-Dynastie gründen wollte und in Canton residirte, hatte einst einen Traum. Ein überirdischer Mann zeigte auf ein Thal am Lofau. Der Herrscher liess das Thal aufsuchen (es war das Goldene Sandthal) und dort einen Palast so wie ein Kloster bauen. Da der Monarch später einen anderen Traum hatte, nach welchem in jenem Thal ein gelber Drache erschienen war, so liess er es von nun an Thal des gelben Drachen nennen und das Kloster das des gelben Drachen. Der arme Nam honKaiser verlor jedoch sehr an Ansehen, als die Sung-Dynastie mächtig wurde, und floh nach dem Lofau. Hier bewohnte er mehrere Jahre den von ihm gebauten Palast nahe dem Wong lung-Kloster, bis er sich den Sung-Kaisern unterwarf. Aus dem Palast wurde darauf eine Ahnenhalle für vier Heilige gemacht, deren Zahl man im Laufe der Jahrhunderte vermehrte. Sie ist noch jetzt vorhanden. Sämmtliche Toisten - Klöster haben viel von dem Rufe verloren, den sie früher hatten. Die Einnahmen sind schmäler geworden und in Folge dessen leben jetzt in den Klöstern viel weniger Priester als früher. Selbst vor Räubern und anderem losen Gesindel ist der Priester jetzt auf dem Lofau nicht mehr sicher. Die Toisten stehen übrigens nicht so abgesondert da wie die Buddhisten, sondern leben noch in

einiger Verbindung mit den Dörfern und Stämmen, welchen sie ursprünglich angehören. So sind die Äbte sowohl im Kloster Chung hü als auch in Wong lung Männer aus mächtigen Ortschaften am Fusse des Lofau. Dadurch kommt der Schutz der Dorfbewohner den einsamen Klöstern so wie der ganzen Priesterschaft zu Gute und die Toisten leben in ziemlicher Sicherheit. Ohne solchen Schutz würden sie kaum eine Nacht vor Räuberbanden sicher sein. Wenn gleich nun auch die Blüthe des Toismus auf dem Lofau vorbei zu sein scheint, so hat die Sekte doch immer noch viel Einfluss. Als einen Beweis davon erwähne ich, dass gerade jetzt ein neues Kloster gebaut wird. Die Veranlassung zu diesem Bau ist nicht ohne Interesse. Im Mittelalter lag am Fusse des Lofau ein Dorf, Muifa zhun genannt, d. h. Dorf der Aprikosenblüthen. Der Ort zeichnete sich durch seine schöne Lage, seine herrlichen Fruchtbäume so wie den poetischen Sinn seiner Bewohner aus. In Gedichten aus jener Zeit wird das Dorf viel erwähnt. Nun ist der Ort aber ganz vom Erdboden verschwunden, man kennt nicht einmal mit Gewissheit die Stätte, wo er einst gelegen. „Man weiss nicht, wo der Ort hingekommen, er ist plötzlich verschwunden", so erzählte ein Buddhisten-Priester. Der Lofau ist nicht vollständig, so lange Muifa zhun fehlt. Dieser Mangel ist den Gelehrten und angesehenen Leuten der Gegend zu Herzen gegangen. Man hat Sammlungen durch das ganze Land angestellt und eine ansehnliche Summe zusammengebracht. Für dieselbe wird nun das Muifa, d. h. Aprikosenblüthen-Kloster, gebaut. Man hat aber für dasselbe keins der romantischen Thäler gewählt, sondern eine ziemlich ebene Gegend eine halbe Stunde von Wong lung, am Fusse des Lofau. Die Vorbereitungen für den Bau waren hier nicht so kostspielig. Überhaupt scheinen mir die Dimensionen des neuen Klosters ziemlich ärmlich. Ausser den eigentlichen Klöstern giebt es nun auch auf dem Lofau noch toistische Eremitagen und Altäre. Von ersteren werden in der Beschreibung des Berges etwa zehn erwähnt. Ich glaube aber, dieselben sind jetzt alle unbewohnt und liegen meist in Ruinen. Es gab eine Eremitage, wo Frau Kot hung gelebt, ferner wo Kot hung's Schüler Wong jäjan gewohnt, wo einst ein hoher Mandarin mit Toisten das Elixir gekocht, wo ein Priester mit langem goldenen Bart gewohnt, der 37 Jahre lang nie vom Berge gekommen, u. dgl. Besonders spricht man von einer Eremitage, die nahe dem Gipfel des Berges gestanden habe und Kin jat am genannt worden sei. Man erzählt sich nämlich, dass man von dort schon um Mitternacht die Sonne habe sehen können. Die Altäre in einzelnen Theilen des Lofau erinnern meist an berühmte Toisten oder an historische oder mythische Ereignisse. Ein Regenaltar ist da errichtet,

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