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suche, diesen periodisch fliessenden Strom mit Dampfschiffen zu befahren, endlich die Ausbreitung der Heerden und Ansiedelungen im nordöstlichen Australien, woraus die Abtrennung der Kolonie Queensland von Neu-Süd - Wales hervorging. Der Wunsch eines schnelleren Verkehrs mit Indien sprach sich in den die Schifffahrt durch die TorresStrasse erleichternden Aufnahmen dieser Strasse sowohl wie des Korallenmeeres, in den viel besprochenen und immer wieder aufgenommenen Projekten zur Herstellung einer telegraphischen Verbindung zwischen Australien und Indien und in dem lebhaften Bestreben aus, an der Nordküste sich festzusetzen. Dieses Bestreben theilen WestAustralien, Süd-Australien und Queensland. Ersteres hat bereits in den von Frank Gregory 1861 untersuchten Strichen des nordwestlichen Gestadelandes, in der Nähe der Nickol-Bai, den Kern einer Ansiedelung gelegt, an der Torres-Strasse, auf der kleinen Albany-Insel bei Kap York, gründet Queensland einen Ort „Somerset" und aus derselben Kolonie sind zu Ende des Jahres 1862 unternehmende Buschleute mit beträchtlichen Heerden nach dem Südufer des Golfs von Carpentaria aufgebrochen, um sich dort niederzulassen; die wichtige Aufgabe aber, in der Mitte der Nordküste, in Arnhem's Land, eine neue Kolonie zu gründen, hat Süd - Australien auf sich genommen und die mit aufopfernder, bewundernswürdiger Energie durchgeführten Reisen Stuart's mitten durch den Kontinent, welche die Hauptanregung auch für die Burke'sche Expedition und die aus ihr hervorgegangenen vielfachen Durchkreuzungen der Osthälfte Australiens gegeben und die neue glorreiche Ära der Australischen Entdeckungen eröffnet haben, wurden hauptsächlich zur Auffindung eines Verkehrsweges zwischen Adelaide und Arnhem's Land in Voraussicht einer baldigen Besiedelung dieses letzteren unternommen. In gerechter Würdigung der Verdienste, welche sich die Kolonie Süd-Australien durch die Stuart'schen Reisen um die Erforschung der nördlichen Gebiete und die Erleichterung ihres Verkehrs mit den bestehenden Kolonien erworben hat, wurde ihr im Jahre 1863 von der Englischen Regierung die Verwaltung des ganzen weiten Gebiets nördlich von ihrer bisherigen Grenze bis zum Meere und zwischen den Meridianen von 129° und 138° Östl. v. Gr. anvertraut, und wie es scheint, wird die Kolonie nicht lange zögern, die ihr verliehene Machtvollkommenheit zur Besiedelung der Nordküste anzuwenden. Am 9. September 1863 wurde die Entschliessung des Englischen Ministeriums im Parlament zu Adelaide verlesen und bereits am 29. September legte die Kolonial-Regierung ihre Entwürfe in Bezug auf die Besiedelung und Überwachung des nördlichen Gebiets vor, auch sind schon zahlreiche Nachfragen nach Ländereien daselbst eingegangen und so

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wohl in Adelaide als auch in Singapore haben sich Kompagnien zum Ankauf und zur Nutzbarmachung solcher

Ländereien gebildet.

Es ist diess nicht das erste Mal, dass Arnhem's Land ein junges Ansiedler-Leben an seinen Küsten sich entfalten sieht. Nachdem Capt. King die Nordküste dieses Landes in den Jahren 1818 bis 1822 nebst den vorliegenden Inseln aufgenommen und namentlich auch die vortrefflichen Häfen an der Halbinsel Coburg untersucht und benannt hatte, schickte die Britische Regierung 1824 den Capt. Gordon Bremer ab, um Besitz von Arnhem's Land zu ergreifen und an dem zu einem Handels-Dépôt geeignetsten Punkte eine Niederlassung zu gründen. In England beschäftigte man sich damals gerade sehr viel mit den Angelegenheiten des Ost-Indischen Archipels. Java und seine Dependenzen waren an die Holländer zurückgegeben worden, die kommerziellen Interessen Gross-Britanniens in Ost-Asien hatten dadurch einen bedeutenden Stoss erlitten, zugleich sah man aber auch an dem Erfolg der neu begründeten Ansiedelung Singapore, auf welche Weise ein Ersatz zu schaffen sein würde. Capt. Bremer nahm von Sydney 45 Deportirte und eine Anzahl Soldaten mit, landete zunächst in Port Essington, da er aber dort kein hinlängliches Trinkwasser fand, begab er sich nach der Apsley-Strasse, welche die Melville- von der Bathurst-Insel trennt, und begann am 2. Oktober 1824 an der Westküste der Melville-Insel, gegenüber der kleinen Harris-Insel, die Errichtung des Forts Dundas. Die Besatzung gerieth jedoch, grossentheils durch eigene Schuld, sofort in blutige Konflikte mit den Eingebornen, zwei Schiffe, welche ihr Nahrungsmittel zuführen sollten, kamen niemals an, in Folge dessen nahmen Krankheit und Noth überhand und bald befand sich die Niederlassung in einem kläglichen Zustand. Da man später auch erkannte, dass die Einfahrt in die Apsley-Strasse von beiden Seiten mit Schwierigkeiten verbunden ist, gab man die Ansiedelung am 31. März 1829 auf, nachdem im Juni 1827 Capt. Stirling an der Ostküste der Raffles-Bai auf der Halbinsel Coburg eine zweite, Fort Wellington, angelegt hatte. Hier ging Alles gut, die Eingebornen wurden nach blutiger Lehre friedlich gesinnt, der Anfangs auftretende Skorbut wich bald dem Genusse der in den Gärten gezogenen Gemüse, die Trepang-Fischer von Makassar, die seit jeher diese Küsten besuchen, traten in lebhaften Verkehr mit dem Militärposten, denn ein solcher war es in der That nur, aber doch sollte auch diese Niederlassung nicht von langer Dauer sein. Auf Capt. Stirlings Empfehlung verlegte die Regierung schon Ende August 1829 die Garnison nach dem Swan River, wo nun die Kolonisation von West-Australien ihren Anfang nahm. Längere Zeit schlummerte hierauf das Interesse für die Besiedelung NordAustraliens sowohl in Neu-Süd-Wales als in Indien und England, aber als die Australischen Kolonien immer glänzendere Fortschritte machten, der Verkehr durch die Torres-Strasse zunahm und 1837 eine Französische Expedition unter Dumont d'Urville in Toulon ausgerüstet wurde, um, wie es hiess, einen Hafen an der Nordwestküste Australiens in Besitz zu nehmen, da schickte die Englische Regierung im Februar 1838 zwei Kriegsschiffe unter Capt. G. Bremer ab, welche Mannschaft und Einrichtungen für eine Marine- und Militär-Station am 27. Oktober 1838 nach Port Essington brachten, und dort die Niederlassung Victoria errichteten. Diese hat sich zwar länger gehalten als die früheren, aber auch sie blieb nur Militärposten und erreichte kaum die Blüthe von Fort Wellington. Als nach der aussergewöhnlich langen und feuchten Regenzeit von 1842 bis 1843 Fieber überhand nahmen, die Sterblichkeit bedeutender wurde, die meisten Stimmen sich für die Unhaltbarkeit oder Nutzlosigkeit des Postens aussprachen und auch wirklich die Erwartungen von seinem Nutzen in Bezug auf die Handelsverhältnisse zwischen Australien und Ost-Asien nicht in Erfüllung gingen, erhielt Capt. Keppel Befehl, die Garnison abzuholen und nach Sydney zu bringen. Demzufolge schiffte sich die ganze Besatzung am

1. Dezember 1849 auf dem „Maeander" ein, nachdem die

wenigen Gebäude zerstört worden waren. Das Scheitern des Versuchs in Port Essington wirkte eine Reihe von Jahren hindurch lähmend auf die Projekte einer Kolonisation Nord-Australiens, aber lange konnte diese wichtige Angelegenheit unmöglich unbeachtet bleiben, namentlich wendete die Geographische Gesellschaft zu London und an ihrer Spitze Sir Roderick I. Murchison ihren ganzen Einfluss an, um das Englische Kolonial-Ministerium zu neuen dahin zielenden Unternehmungen zu bewegen. Auf ihre Anregung wurde im Jahre 1855 die Gregory'sche Expedition ausgerüstet, um vom Victoria-Fluss aus das Innere von Nord- und Nordwest-Australien zu erforschen. Es war dabei interessant zu sehen, welches Gewicht die Londoner Kaufleute auf das Unternehmen legten. Ein Mr. Matthew Uzielli erbot sich, zu der Gregory'schen Expedition 10.000 Pfd. St. beizusteuern, wenn die Regierung nicht die Kosten übernehmen würde, und äusserte darüber: „Obwohl ich die grossen Vortheile der geographischen Aufnahme in einem wissenschaftlichen Sinne nicht beurtheilen kann, so fühle ich doch als Kaufmann hinlänglich die hohe Wichtigkeit dieses Unternehmens für England. Der kommerzielle Nutzen der Expedition und der Wunsch, dass sich England ein für den Schutz seiner Ost-Indischen Kolonien so werthvolles Land sichern und Andere an der Besitzergreifung desselben verhindern möchte, bewogen mich hauptsächlich zu dem Anerbieten." Die Expedition

hatte zwar in geographischer Beziehung nicht den erwarteten Erfolg, das Feld ihrer Untersuchungen blieb ein verhältnissmässig beschränktes, aber sie wies kolonisationsfähiges Land in bedeutender Ausdehnung am Victoria-Fluss nach und regte dadurch von Neuem mächtig zur Okkupation jenes Gebiets an. Murchison sprach 1857 in seinem Jahresbericht vor der Londoner Geographischen Gesellschaft auf das Eindringlichste für eine solche und bezeichnete namentlich den Cambridge-Golf und die Ländereien am Victoria-Fluss als günstiges Terrain für eine Nord-Australische Kolonie. Dort an den Ufern des schiffbaren Victoria seien Wickham und Stokes im Jahre 1839

mit ihren Mannschaften vollkommen gesund geblieben und

neuerdings hätte sich die Gregory'sche Expedition daselbst 9 Monate aufgehalten, ohne einen Mann zu verlieren. Diess sei die beste Antwort auf die Behauptungen derjenigen, welche jene ganze Region einfach wegen ihrer niedrigen geographischen Breite als ungeeignet für Angelsächsische Besiedelung ausgeben. Er führt einen Brief des Botanikers der Expedition, Dr. Ferd. Müller, an, worin das Klima dieses Landes ein trockenes Australisches und fieberloses im Gegensatz zu dem feuchten Indischen genannt und auf die Ausdehnung guten Bodens und die Zugänglichkeit desselben durch den schiffbaren Victoria aufmerksam gemacht, zugleich aber bemerkt wird, dass eine neue Ansiedelung in einem so entlegenen und heissen Theil der Erde ohne Zwangsarbeit kaum herzustellen sei. Er befürwortet daher die Gründung einer Strafkolonie daselbst trotz des Widerspruchs der Australier, die sich entschieden gegen jede fernere Transportation von Sträflingen auf ihren Kontinent erklären, indem er die Unwahrscheinlichkeit des Entkommens der Sträflinge nach den älteren Kolonien hervorhebt, und kommt zu dem Schluss, dass Nord-Australien kolonisirt werden müsse, sei es nun durch freie oder Zwangs-Arbeit. „Darf man vergessen," – fügt er hinzu – „dass Frankreich kürzlich Besitz ergriffen hat nicht nur von Neu-Caledonien, das unser Cook entdeckte und benannte, sondern auch von der Isle of Pines, wo unsere Kolonisten von Sydney einen Handel in Sandelholz trieben, und dass es so einen point d'appui an der Ostseite unserer Australischen Kolonien gewonnen hat? Oder sollen wir unsere Augen verschliessen vor der grossen Wichtigkeit, welche gute Zufluchtshäfen in Nord-Australien haben würden oder Marine-Stationen, so unschätzbar für die Dampfschifffahrt, wo unsere Flotten im Fall eines Krieges sich sammeln und von da aus jedem Feinde in die Flanke fallen können, der gegen unseren Handel und unsere Besitzungen im Osten operiren würde? Kurz, es ist kaum möglich, eine Gegend der Erde zu bezeichnen, wo Britische Okkupation gebotener erscheint, sei es als Vorsichtsmaassregel oder mit Rücksicht auf künftige Handelsinteressen." Andere gewichtige Stimmen kamen hinzu, der bekannte Australische Forscher Graf Strzelecki bezeichnete die Okkupation und Besiedelung Nord-Australiens geradezu als eine gebieterische Nothwendigkeit und endlich gaben die Stuart'schen Reisen und in Folge derselben die Agitation der Süd - Australier den Ausschlag. Die Englische Regierung nimmt aber die Sache diess Mal nicht selbst in die Hand, sondern hat, wie erwähnt, der Kolonial- Regierung von Süd - Australien das nördliche Gebiet unterstellt zu dem Zweck, für dessen Besiedelung die geeigneten Schritte zu thun, – eine Maassregel, die der Herstellung einer freien Kolonie jedenfalls am besten entgegenkommt. Um über den möglichen Erfolg zu einer begründeten Ansicht zu gelangen, muss man die Erfahrungen zu Rathe ziehen, die in Port Essington und Raffles-Bai gemacht worden sind. Am ungünstigsten urtheilt über Port Essington J. Beete Jukes, der als Naturforscher der Blackwood'schen Vermessungs-Expedition auf der „Fly" die damalige Ansiedelung vier Mal innerhalb der Jahre 1843 bis 1845 besuchte. „Man sprach davon," – so erzählt er !) – „Port Essington als Kolonie zu eröffnen und Jedem, der will, Land zu dem gewöhnlichen Australischen Preis, 1 Pfd. St. per Acre, zu verkaufen. Ich kann durchaus nicht begreifen, was Jemand mit Ländereien hier anfangen sollte, selbst wenn man ihm die ganze Halbinsel gäbe. Bei den Schafen, wenn sie überhaupt am Leben blieben, würde sich bald die Wolle in Haar verwandeln. Für Rinder ist nur wenig Futter und kein Markt vorhanden. Reis könnte man wahrscheinlich in geringer Menge an den Ufern der Lagunen ziehen, aber Reis, Zucker, Kaffee, Baumwolle oder irgend ein anderes werthvolles tropisches Produkt für den Export zu bauen, erfordert weite Striche fruchtbaren Bodens und eine dichte Bevölkerung, zwei Dinge, die weder jetzt in Port Essington zu finden sind, noch, wie ich zu behaupten wage, jemals daselbst beschafft werden können. Allerdings könnten einige Malayen und Chinesen zur Einwanderung verlockt werden und würden sich ohne Zweifel an zerstreuten Stellen selbst erhalten, auch würde die Einführung so vieler solcher Arbeiter, als man brauchen könnte, eine grosse Hülfe und Bequemlichkeit für die wenigen Europäer sein, welche verdammt sind, hier zu leben. In der That scheint es mir eine offenbare Grausamkeit zu sein, selbst eine Militär-Abtheilung zum Hierbleiben zu zwingen, wenn man nicht für solche Arbeiter sorgt, die den Soldaten die Gärten bebauen und die erforderliche Menge Gemüse und Früchte ziehen, die sie selbst nicht

') Narrative of the Surveying Voyage of H. M. S. Fly, I, p. 361.

durch eigene Anstrengung ziehen können. Als Ort zur

Produktion irgend eines Export-Artikels also ist Port Es

sington nach meiner Ansicht äusserst nutzlos, auch sehe

ich nicht, wie es ein Handelsplatz werden könnte. Was

könnte z. B. einen Europäischen oder Australischen Kauf

mann veranlassen, eine Waarenladung nach Port Essington

zu schicken? Oder wenn ein Waarenvorrath dort wäre,

was könnte Jemanden veranlassen, dahin zu kommen und

sie zu kaufen? Käme ein Schiff von Sydney, um eine La

dung Waaren auf den Molukken oder den benachbarten

Inseln zu verkaufen, warum sollte es sich seitwärts wen

den und bei Port Essington anhalten? Alle Prahus, welche

von Makassar nach der Nordküste von Australien kommen,

segeln unter Holländischer Flagge und unter Holländischer

Aufsicht; wenn sie zurückkommen, müssten sie für jeden

Artikel Englischer oder fremder Manufaktur schweren Zoll

zahlen, aber was das Einkaufen Englischer Waaren von

Seite ihrer Mannschaften anlangt, vorausgesetzt, dass solche

Waaren in Port Essington zu haben wären, so bezeugt

schon das Aussehen der Leute ihre äusserste Armuth und

das Höchste, was die Bewohner von Port Essington jemals

von den dahin kommenden Prahus kaufen konnten, war

ein Sack Reis oder zwei und ein halbes oder ganzes Du„tzend Hühner. Mit einer grossen Wüste auf der einen

Seite und meist von Wilden bewohnten Inseln auf der

anderen bietet die Lage von Port Essington, so viel ich

sehen kann, keine Vortheile. Sein Hafen ist sicherlich

ein ausgezeichneter, aber er ist für einen Fremden schwer

zu finden und gefährlich anzulaufen. Der Besuch der Ansiedelung Victoria, die 16 Engl. Meilen von der Mündung des Hafens liegt, würde einem dieses Weges segelnden

Schiff einen Aufenthalt von wenigstens 2 Tagen kosten.

Wenn sich ein Schiff dazu veranlasst sehen sollte, müsste es schon einen ganz besonderen wichtigen Zweck haben. Der einzige übrig bleibende Nutzen von Port Essington ist der eines Zufluchtshafens für schiffbrüchige Seeleute, aber selbst für diesen Zweck liegt es sehr unzweckmässig, da es 600 Engl. Meilen entfernt ist von den Grenzen des Meeres, in welchem Schiffbrüche am häufigsten zu erwarten sind, nämlich des Korallenmeeres und der äusseren Seite der Torres-Strasse. Von der Besatzung sind alle ohne Ausnahme vom Fieber befallen worden, sie sahen blass und abgezehrt aus und von 50 waren bereits 4 todt. Obwohl jetzt die kühlste Jahreszeit war (Juni), fanden wir doch den Ort heisser und schwüler als irgend einen, an den wir seit unserem letzten Besuche gekommen waren!). Ich brachte zuerst sehr günstige Vorurtheile mit

!) Die Blackwood'sche Expedition hatte sich in der Zwischenzeit hauptsächlich an der Südostküste von Neu-Guinea, am Kap York und in den benachbarten Meerestheilen aufgehalten.

nach Port Essington und als mich sein Anblick gleich Anfangs enttäuschte, glaubte ich, wir hätten es unter besonders ungünstigen Umständen gesehen; drei spätere Besuche aber zu verschiedenen Jahreszeiten, einschliesslich der günstigsten, zwangen mich zu meinem Bedauern, alle vorgefassten Meinungen über seine Wichtigkeit und seinen Werth als Britische Niederlassung aufzugeben. Ich halte es für vollkommen werthlos als Kolonie oder als ackerbauende und handeltreibende Besitzung und glaube, dass der einzige Grund, es zu halten, ein politischer sein muss. Es bildet das nördliche Glied zwischen unseren Kolonien

an den Ost- und Westküsten Australiens, sichert uns den Besitz der Nord- und Nordwestküste und schliesst so zu sagen die Ringmauer, mit der wir den fünften Welttheil umgürtet haben." So entmuthigend diese Bemerkungen klingen und so zutreffend sie gewiss an sich waren, so haben sie doch nicht die Kraft, die Hoffnungen der Australier auf das Gelingen eines neuen Versuches zu schwächen, weil sie sich genau auf das damals Bestehende beschränkten, die Absichten und Pläne gegenwärtig aber auf ganz Anderes

gerichtet sind. (Fortsetzung folgt.)

Moriz v. Beurmanns Tod nebst Übersicht seiner Reise (1861–1863) so wie derjenigen von Overweg (1850–1852), Vogel (1853–1856) und Steudner (1861–1863).

(Nebst Karte, s. Tafel 2.)

Der Deutschen Expedition in Inner-Afrika ist – wie man nach den neuesten eingegangenen Nachrichten befürchten muss – bereits ein zweites Leben zum Opfer gefallen, das des edeln, eben so wissenschaftlichen und gediegenen als aufopferungsfähigen und unerschrockenen Moriz v. Beurmann. Der ursprüngliche Plan des Unternehmens war darauf gerichtet gewesen, dass ein Reisender den Versuch machen solle, von Norden her, also etwa von Bengasi aus, dem einzigen Punkte am Mittelmeere, mit dem Wadai zeitweilig in direkter Verbindung gestanden hat, nach diesem Lande vorzudringen. Allein es fand sich Niemand, der dieses Wagestück zu unternehmen bereit war. Brehm, einer unserer besten Afrikanischen Reisenden, erbot sich zuerst, nach Chartum zu gehen, um von dort aus sichere Nachrichten über Vogel's Schicksal in Erkundigung zu bringen, aus Erfahrung wohl wissend, dass selbst ein Versuch, nur bis Darfur einzudringen und lebendig wieder herauszukommen, ein verzweifeltes, kaum ausführbares Unternehmen sei; allein das schien den Freunden der Sache nicht genügend. Auch v. Heuglin war nicht zu einer Reise von Bengasi nach Wadai bereit, wohl aber zu einem Versuche, von Chartum aus auf dem Bahr el Ghasal vorzugehen. Als die Heuglin'sche Expedition bereits auf Afrikanischem Boden thätig war, erbot sich Moriz v. Beurmann zu dem Versuche, jenen ursprünglichen Plan auszuführen, also von Bengasi aus nach Wadai vorzudringen. Erfüllt von dem höchsten Muthe, Eifer, Vertrauen und Zuversicht verliess er, der einzige Sohn, seinen heimathlichen Heerd am zweiten Weihnachtsfeiertage 1861. Wie sich ihm von Anfang an die grössten Schwierigkeiten entgegenstellten Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1864, Heft I.

und wie er dieselben mit einer eisernen Beharrlichkeit und Thatkraft zu überwinden wusste, so dass er schon binnen kurzer Zeit Treffliches und Ausgezeichnetes leistete, ist bekannt. Bis zu seiner Abreise von Mursuk, Ende Juni 1862, gingen regelmässig und häufig Briefe, werthvolle Berichte und Karten von ihm ein; seit jener Zeit waren nur spärliche und unsichere Nachrichten von ihm nach Europa gelangt. Erst durch die letzten, an Dr. Barth adressirten Briefe erfahren wir Näheres über des Reisenden weitere Bewegungen und Schicksale. Er brach Ende Juni 1862 von Mursuk auf der grossen Bornu-Strasse auf, war am 7. Juli in Madrusa, am 10. in Tegerri, am 17. beim Bir el War (oder Temmi), am 19. und 20. beim Bir Mademma, bog aber dann von der BilmaStrasse westlich ab, indem er die zuvor von keinem Europäer betretene Oase Djebado an der Westgrenze des Tebu-Gebiets besuchte. Auf dem Wege nach dieser Oase, in der er am 25. Juli den ersten Regen hatte, berührte er den Bir Kamodan (21. Juli) und den Djebel Afingtsche (22. Juli) und zwischen ihr und Bilma so wie südlich von Bilma bei Muskatenu traf er Brauneisenstein in solcher Mächtigkeit, dass er Felsmassen von 80 bis 100 Fuss Höhe, also wahre Eisenberge bildet. Von Bilma auf der gewöhnlichen Strasse weiter ziehend begegnete er am 12. August beim Brunnen Agadem dem ehemaligen Diener Vogel's, Mohammed ben Sliman, und einem landesflüchtigen WadaiPrinzen, war am 16. beim Brunnen Belkaschi farri, am 17. zu Nqurutin, am 18. zu Mul und kam am 20. über den Brunnen Kufe nach dem Henderi-n-Kibbu unfern des nördlichen Tsad-Ufers. Von hier wünschte er, ohne erst

Bornu zu berühren, direkt durch Kanem nach Wadai zu 4

gehen, kein einziger seiner Diener aber war zu bewegen gewesen, selbst gegen doppeltes Gehalt, ihn auf dieser, wie sie wohl wussten, höchst gefahrvollen Reise zu begleiten, so dass er nothgedrungen gezwungen war, nach Kuka, der Hauptstadt Bornu's, zu gehen, wo er gut empfangen wurde. Er fand hier, dass die politischen Verhältnisse zwischen Bornu und Wadai für seine Reisepläne augenblicklich sehr günstig waren, da diese beiden Reiche gerade in den freundschaftlichsten Beziehungen standen, und er wollte schon am 12. September seine Reise nach Wadai fortsetzen, als ihm am Vorabend dieses Tages der Scheich von Bornu sagen liess, er verbiete ihm zu reisen und er wolle, dass er noch hier bleibe. Der Grund dieses niederschlagenden Befehls waren ungünstige Nachrichten aus Kanem, in dessen Besitz sich ein Abenteurer gesetzt hatte. M. v. Beurmann erkundigte sich nun zunächst nach der Beschaffenheit der südlich um den Tsad - See führenden Wege, erfuhr aber zu seinem Leidwesen, dass sie der Überschwemmungen wegen für die nächsten zwei Monate nicht zu passiren wären. So sah sich der Reisende genöthigt, geduldig auf einen günstigeren Zeitpunkt für die Abreise nach Wadai zu warten; um aber diese Zeit möglichst nützlich und zum Vortheil für die Wissenschaft zu verwerthen, unternahm er sofort eine Reise nach Jakoba, der Hauptstadt der südwestlich von Bornu im Sokoto-Reiche gelegenen Provinz Bautschi. Er nahm seinen Weg über Magomeri (27. September), Ngurmai (2. Oktober) und Tinda (14. Oktober), hielt sich, wie es scheint, einige Zeit in Jakoba auf, denn er besuchte am 22. und 23. Oktober die nahe gelegenen Orte Keu und Songoro und war noch am 28. in Jakoba, und beabsichtigte, von da über Hamarrua und Jola zurückzukehren; da sich jedoch der ganze Süden von Bautschi in den Händen aufrührerischer Heidenstämme befand, sah er sich genöthigt, diesen Plan aufzugeben und direkt nach Kuka zurückzugehen. Am 5. November war er in Yeloa, am 6. in Daraso, am 9. berührte er die Orte Marru, Gulun und Gode im nördlichen Boberu, kam am 17. über Fika, wo er am Bahr Ngedjim eine im Binnenland von NordAfrika bisher nicht aufgefundene Palme (wahrscheinlich die am Oware und Benin häufige Raphia vinifera) antraf, nach Dora, am 18. nach Magomeri, begleitete von da aus eine Rhazzia ins Marghi- Land nach Tschibbak, das eine Tagereise westlich von Isge liegt, und kam am 13. Dezbr. nach Kuka zurück, leider mit bereits zerrütteter Gesundheit. „Meine Gesundheit, fürchte ich,” – so schrieb er von Kuka den 24. Dezember 1862 an Dr. Barth – „verspricht nur wenig für die Folge, da es mir nicht einmal möglich gewesen ist, einen ordentlichen Bericht über diese meine

fast dreimonatliche Thätigkeit zu Stande zu bringen. Auch in pekuniärer Beziehung hat mir diese Reise grosse Verluste eingebracht, denn ich verlor auf derselben ein Pferd und drei Kameele, so dass es mir nur mit Aufopferung eines Theils meiner eigenen Waffen möglich ist, sofort nach Wadai aufzubrechen. Freitag den 26. Dezember werde ich von hier nach Kanem abgehen, denn der südlichere Weg ist für Kameele noch immer ungangbar. Die Strasse durch Kanem ist wieder frei." In einem an den Englischen Konsul Reade adressirten Briefe vom 6. Januar 1863 schreibt er, dass er am 26. Dezember seine Reise nach Wadai wirklich angetreten habe, jedoch schon nach 2 Tagemärschen von zweien seiner drei Diener beraubt und verlassen worden sei; selbst seine Uhr hätten sie mitgenommen. In Folge dessen sei er in grösster Verlegenheit nach Kuka zurückgekehrt, aus der ihm nur das Anerbieten des Arabischen Kaufmanns Mohammed Titiwy geholfen, der ihn mit Leuten, Geld und Provision zu der Reise nach Wadai neu ausgerüstet habe, wofür er ihm einen Wechsel auf 450 Maria-Theresia-Thaler nach Tripoli gegeben. Seine Gesundheit, fügte er hinzu, sei noch immer nicht besser und theils deshalb, theils seiner beschränkten Mittel wegen habe er die Absicht, von Wadai auf dem nächsten Wege nach Bengasi zurückzukehren. Schon ein Brief vom Englischen General-Konsul in Tripoli vom 14. August machte jedoch die tief betrübende Mittheilung, dass mit der so eben aus Bornu angekommenen Karawane briefliche und mündliche Nachrichten daselbst eingetroffen seien, welche den Tod des Herrn v. Beurmann melden, und ein weiterer Brief aus Tripoli vom 6. Oktober lässt jene Nachrichten leider fast zur völligen Gewissheit werden. Sie beruhen auf speziellen und offiziellen Mittheilungen des Englischen Konsular-Agenten in Mursuk vom 20. September über die Aussagen des Couriers, welcher die letzten Briefe des Reisenden nach Mursuk gebracht hat. Die Aussagen dieses Couriers lauten folgendermaassen: „Er sei gerade im Begriff gewesen, seine Reise von Bornu nach Mursuk anzutreten, als dort eine Karawane von Wadai eingetroffen sei, deren Mitglieder die Nachricht gebracht hätten, dass der Christ, der vor einiger Zeit dahin aufgebrochen, getödtet sei. Auf Grund dieser Nachricht habe ihn der Sultan von Bornu an der Abreise verhindert und ihn 40 Tage lang zurückgehalten, während er zwei Couriere nach Wadai abschickte, um zu erfahren, ob die Nachricht wahr sei. Als diese Boten dann nach Bornu zurückgekehrt seien, hätten sie gemeldet, die Nachricht sei wirklich begründet, indem der Reisende in der ersten Provinz oder an der Grenze von Wadai getödtet worden sei, und zwar sei er auf Befehl des Sultans von Wadai selbst getödtet worden."

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