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Geographische Notizen.

Prof. Peters' Reise nach der Türkei.

Herr Dr. A. Madelung schrieb uns Ende Mai aus Wien:

„Eine Reise, von welcher man sich hier in Wien in den betreffenden Kreisen sehr interessante und wichtige Resultate verspricht, hat in den ersten Tagen des Mai der Professor Dr. C. Peters von hier aus angetreten. Wie ich Ihnen bereits früher mündlich mittheilte, hat derselbe von der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften die Summe von 1000 fl. zu dem Zweck einer geologischen Durchforschung der Dobrudscha und eines Theiles des Balkan-Gebirges erhalten, und da eine gleichzeitig in Aussicht gestellte Unterstützung von Seiten der Türkischen Regierung wohl manche sonst fast unüberwindliche Schwierigkeiten für eine derartige Reise aus dem Wege räumen dürfte, so lässt sich bei den ausgezeichneten und vielseitigen Kenntnissen unseres Reisenden ein erheblicher Gewinn für die Wissenschaft und namentlich für die Beurtheilung der geologischen Verhältnisse der Balkan - Halbinsel erwarten, von welchen letzteren bisher nur wenig, fast Nichts bekannt war, wohl aber die Vermuthung ging, dass sich die dortigen Gebirge auch ihrer geologischen Natur nach als Ausläufer der Alpen erweisen dürften. Jedenfalls erfüllt Österreich durch die wirksame Unterstützung dieser Reise aufs Neue einen Theil seiner Mission zur Kultivirung des Ostens.

„Gleichfalls mit Unterstützung von Seiten der Kaiserl. Akademie hat kürzlich der als Ichthyolog bekannte Dr. Steindachner aus Wien eine Reise nach Spanien zur Untersuchung der Süsswasserfische dieses Landes unternommen, so wie auch Dr. Lorenz zur Fortsetzung seiner Studien im Quarnero schon seit längerer Zeit sich an den Küsten Dalmatiens mit einer Untersuchung der Brackwasser - Fauna beschäftigt."

Dr. A. Bastian bei den Ruinen von Ancor in Cambodia.

Herr Dr. Bastian benachrichtigt uns, dass er im November 1863 von Bangkok über Land nach Cambodia gegangen ist, wo er einige Wochen in den dortigen Ruinenstädten verbrachte, von einem Cambodischen Maler, den er bei sich hatte, die hauptsächlichsten Skulpturen abzeichnen liess, dann den grossen See befuhr und von Battabong über Photisat (Pursat) nach Udong reiste, von wo die Kanäle und Arme des Mekong ihn bis Saigon trugen.

„Die Provinz," – schreibt Dr. Bastian – „in welcher die Ruinen liegen, nördlich vom See, heisst Siemrab und die auf den Karten Ancor genannte Stadt, jetzt Sitz des Gouverneurs, heisst ebenfalls Siemrab. Ein wenig nördlich davon sind die Ruinen von Nakhon Luang (Königliche Stadt) oder Nakhon Tom (Grosse Stadt), der alten Hauptstadt des Landes, und in ihrer Nähe findet sich der grosse Steintempel, welcher Nakhon Vat (Klosterstadt) heisst. Ancor ist eine verkehrte Aussprache in Folge der Schreibart der Kambodier, welche das Wort mit A beginnen und das

n unten hinzufügen. Eine kurze Strecke von diesen Ruinen finden sich die von Paten-Taphrohm, wo eine spätere Dynastie der Könige regierte, und es ist überhaupt die ganze Gegend dort mit Ruinen besäet. Ich habe in der kurzen Zeit meines Aufenthaltes zehn verschiedene Plätze besucht und von einer grossen Menge anderer erzählen hören." Da Herr Dr. Bastian in einigen Monaten nach Europa zurückkommen wird, dürfen wir bald Ausführliches über seine interessante Hinter-Indische Reise erwarten.

C. F. Hall's zweite Polar-Fahrt.

Wie der „New York Herald" meldet, wollte Mr. Hall im Juni d. J. eine zweite Reise nach den Polar-Gegenden antreten, um die Erreichung seines ursprünglichen Ziels, King William's Land und Boothia, noch ein Mal zu versuchen. In den Jahren 1860 bis 1862 hatte er seine Untersuchungen auf die Frobisher-Bai beschränken müssen (s. „Geogr. Mitth." 1863, S. 110), jetzt wird er auf dem Walfischfahrer „Monticello", Capt. Chapel, von New London durch die Hudson - Strasse in die Hudson - Bai einlaufen, das erste Winterquartier in der Repulse-Bai, der unter dem Wendekreis gelegenen nördlichsten Bucht der HudsonBai, aufschlagen und, wenn möglich, im Frühjahr 1865 von dort eine Schlittenreise in Begleitung von Eskimos nach King William's Land unternehmen. Wenn ihm seine Pläne gelingen, wird er drei Jahre ausbleiben.

Erforschung des Ogowai mit einem Dampfschiff.

Der Marinearzt Touchard, durch seine Reisen auf dem Como und Bogoe, den Quellflüssen des Gabun, bereits als Afrikanischer Forscher bekannt (s. „Geogr. Mitth." 1862, S. 117), ist von dem Französischen Marine- Ministerium beauftragt worden, den Ogowai zu befahren, und hat zu diesem Zweck einen kleinen Dampfer von 5 Pferdekraft acquirirt. Nachdem durch Serval's Bootfahrt im Jahre 1862 die Bedeutung des Ogowai als grössten Stromes in der Westhälfte des äquatorialen Afrika erkannt ist, muss Touchard's Unternehmen die höchste Spannung erregen, sollte er aber durch ungünstige Umstände verhindert sein, etwas Entscheidendes auszurichten, so hoffen wir doch mit Zuversicht, dass die Französische Regierung nicht nachlassen, sondern die Erforschung des Stromes vollständig durchführen wird.

Radde's Forschungen im Kaukasus.

Während seiner fünfjährigen Reisen in Ost-Sibirien und dem Amur-Land hat Gustav Radde neben vielseitigen gründlichen Kenntnissen eine solche Begeisterung für seine

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genheit zur freien Entwickelung gegeben wird, und es erfüllt uns daher die Nachricht, dass Herr Radde im Kaukasus ein zweites grosses Feld für seine Studien gefunden hat, mit ganz besonderer Freude. Er wird vorläufig wenigstens vier ganze Jahre auf die Erforschung des Kaukasus in physikalisch-geographischer Beziehung verwenden. Er schrieb uns darüber aus Tiflis vom 14. März 1864 : „Ich bin meinem Elemente ganz und gar zurückgegeben. Die Regierung hat mich beauftragt, die Kaukasus-Länder in biologisch-geographischer Hinsicht zu untersuchen, und sie hat zu diesem Zweck die nöthigen Mittel bereitwillig überwiesen. Vor wenigen Tagen reichte ich Sr. Excellenz dem Herrn Baron Nicolai, welcher im Kaukasus der Chef der Civilverwaltung ist und die Wissenschaften mit ganz besonderer Vorliebe hegt, ein allgemeines Programm über die in Aussicht stehenden Reisen ein. Es kommt namentlich darauf an, die Gegensätze der nördlich und südlich vom Kaukasus gelegenen Länder und die ihrer belebten Natur deutlich zu machen. Dort im Norden die geräumigen Tiefländer der Pontisch-Kaspischen Steppen, Ebenen, die noch an vielen Stellen nicht ganz ausgelaugt sind und sich nur sehr wenig über die betreffenden beiden Meeresspiegel erheben. Hier im Süden die Persisch-Armenischen Hochländer mit einzelnen eingebetteten grossen Seen und auf diesen Ländern die eminenten Vorposten des Kaukasus. Zwischen beiden Gebieten der Kaukasische Isthmus mit seiner gletscherbedeckten Centralkette. Hier werden unbedingt zahlreiche Abweichungen in Flora und Fauna am Nord- und Südabhange sein müssen und die Höhen der Centralkette in ihrer grossartigen alpinen Welt ein eigenes, von der Beobachtung noch so gut wie ganz unberührt gebliebenes Gebiet erschliessen. – Ich glaube am besten zu thun, wenn ich meine Untersuchungen nach den vier HauptFlussgebieten im Kaukasus anbahne. Terek und Kur bieten trefflich gewählte Gegensätze. Bei grosser allgemeiner Analogie der Gewässer selbst, wie solche die Richtung ihres Hauptthales, ihr Mündungs- und Quellland aufweisen, wird sich bei durchgeführtem Vergleich ihrer belebten Natur sehr bald das Identische vom Differirenden deutlich unterscheiden. Im Westen des Kaukasus bieten sich allerdings nicht so vollgültige Äquivalente, dem Kuban bin ich gezwungen den Rion zur Seite zu stellen, obschon letzterer durchweg den Charakter eines Bergstromes besitzt. Einem jeden dieser Ströme wird in seinem unteren und mittleren Laufe ein Jahr zur Untersuchung geschenkt. Ich beginne mit dem kleinsten von ihnen, dem Rion, in diesem Sommer und hoffe Zeit genug zu haben, um zwei Mal in sein

Quellland zu gelangen und bis zu den Gletschern des Kasbek von Südwest her vorzudringen. Mein Weg wird mich durch die Ratscha führen und das eine Mal hoffe ich Ende Juni, das zweite Mal Ende August 1 bis 1 Wochen die hochalpine Vegetation in ihren Entwickelungs-Stadien zu beobachten. So lange ich im alten Colchis weile, wird Dubois de Montpereux mein treuer Führer sein, später muss man sich schon allein forthelfen." Gerade die grossartige Alpenwelt des Kaukasus, für dessen topographische Kenntniss so Ausserordentliches ge schehen, eignet sich für die Arbeiten und Forschungen eines Gustav Radde und harrte schon längst der Erkenntmiss und Erleuchtung eines so allseitigen und thatkräftigen Naturforschers. Wir können uns nicht versagen, des Reisenden briefliche Skizze seiner Reise nach Tiflis im vorigen Herbst hier anzuhängen. „Die Reise von Dresden über Prag, Wien, dann die Donau abwärts bis nach Tschernowod und von da per Eisenbahn durch einen sterilen, theils sumpfigen, theils steppenartigen Theil der Dobrutscha nach Kustendschi wurde vom 4. September in 5 Tagen glücklich vollendet. Ob es recht ist, dass die Kaiserl. privilegirte Donau-Dampfschifffahrt-Gesellschaft so viele Passagiere für die Reisen acceptirt, als sich melden, ohne auch genug Schiffe mit dem nöthigen Platz zum Schlafen für sie zu schaffen, ist eine Frage, die von Rechtswegen vor ein Kaiserl. Gericht gehört. Man zahlt enorme Preise und will dafür das, was man als Passagier erster Klasse beanspruchen darf; dagegen sieht man sich mit oft sehr rohen Walachen zusammengesperrt, deren Hüte und Röcke zwar Europäisch, deren Sitten jedoch ungeschliffen sind. Erst auf dem LloydDampfer, der uns nach Konstantinopel brachte, wurde uns wohl. Der herrliche, unvergleichliche Bosporus!! und Konstantinopel!! – Aber nur zu sehen, – sobald man an der Seite eines Griechischen Gauners durch die engen, schmutzigen Strassen zieht und auf jeden Schritt und Tritt begreift, dass der Fremde hier geradezu auf die frechste und impertinenteste Weise ausgebeutet und als eine erwünschte Prise dieser vermittelnden Halunken betrachtet wird, sehnt man sich wieder zurück auf die blauen Fluthen des Bosporus, um am Panorama sich zu ergötzen; Konstantinopel befriedigt nur als Ganzes. Jeder Spezialblick enttäuscht die Erwartungen. Zum Glück lag der bequeme Russische Dampfer Elborus am Tage unserer Ankunft fertig, um Abends die Reise zur Kaukasischen Küste anzutreten. Wir siedelten nach mehrstündigem Aufenthalt in der Stadt hinüber an Bord des prächtigen Schiffes und stachen Abends in See. An unseren Seelen schwankten die Bilder jüngster Vergangenheit vorbei. Es ging nun der neuen Heimath auf Asiatischem Boden entgegen. Die Licht- und Haltpunkte, welche der Erinnerung aus dem Leben der letzten Monate sich boten, waren zahlreich. Ein liebliches Lichtchen brannte da in meiner Seele, wo vor geringer Zeit unser Aufenthalt im Thüringer Walde es angezündet hatte. – Ich bin ein Mensch, der gern von Erinnerungen zehrt und dem die so vielfach gestaltete Vergangenheit ein wahres Meer von Erlebnissen und also auch von Erinnerungen mit aller Frische und Treue zurückliess. Davon zehre ich nun und lebe von Neuem in neuen Zuständen und so, hoffe ich, erweitert und vergrössert sich immer mehr und mehr das blumenbesäete Feld meines Daseins, das ich mit einer gewissen und grossen Freudigkeit überschauen darf. In Trapezunt lagen wir, ich weiss nicht weshalb, beinahe volle 2 Tage, erreichten dann nach 1 Tagen Batum und hatten die herrlich bewaldeten Uferhöhen des alten Colchis vor uns. Diese Höhen baden ihr üppiges Grün beständig im Wolkenbade und deshalb strotzen diese Wälder von Feuchtigkeit und behalten auch im heissesten Sommer die Frische des Laubes. Ein kleiner Dampfer brachte uns aus Batum zur Mündung des Rion (Phasis), woselbst der kaum im Aufblühen begriffene Ort Poti auf dem niedrigen, sehr sumpfigen linken Rion-Ufer gelegen ist. Von dort ging es am folgenden Morgen mit einem kleinen Dampfschiffe den Rion noch 60 Werst stromaufwärts, wo wir dann die Ansiedelung Orpiri erreichten. Die Wälder Mingreliens sind undurchdringlich. Überall rankt sich die Rebe und grossblättriger Epheu bis in die Gipfel der höchsten Stämme. Mais wird hier viel gebaut und auch exportirt. Im Ganzen aber ist das Land doch wenig benutzt, zusammenhängende Dörfer fehlen, es sind die Wohnungen, so viel ich vom Schiffe aus sehen konnte, nur einzeln zerstreut gelegen. Von Orpiri brachte uns eine sehr bequeme, in Belgien gebaute Postdiligence 35 Werst weiter nach Kutais. So herrlich die Equipage war – Dank sei es dem Belgischen Wagenbauer und Dank auch dem Unternehmer, der diese im südlichen Russland noch nicht eingeführte Bequemlichkeit dem Publikum schaffte –, so abschreckend schmutzig war das sogenannte Gasthaus (ein Ungar hält es) in Kutais, das einzige, welches hier existirt. Es ist wahr, ich habe nirgends in Sibirien oder Russland einen ähnlichen Stall, welcher den Namen Gasthaus führt, gefunden. Die Sonne lachte zwar die höchst malerischen Umgegenden von Kutais an, aber im Hinblick auf den leidenden Zustand meiner Frau und die unverbesserliche Behausung, in der wir 2 Tage bleiben mussten, liess ich Natur Natur sein und beeilte mich, nur so rasch als möglich eine Equipage zu kaufen (Tarantass), in welcher wir dann nach Tiflis reisen konnten. Ich muss mich kurz fassen. So lange wir im Gebiete des Rion blieben, sahen wir die wundervollsten Wälder und pitoreske Gebirgsgegenden. Als wir aber in das Gebiet des Kyros kamen, was bei der Suram-Passage geschieht, hatten wir zwar den schneegekrönten Kasbek und die ihm nahe gelegenen Gebirgsgipfel vor Augen, jedoch mangelte, wenigstens im Vordergrunde der Landschaft, die Vegetation sehr. Wir befanden uns auf den von der Sommersonne ganz versengten Uferhöhen des Kur. Hier ist die Atmosphäre gewiss sehr trocken und dem Waldwuchse also nicht günstig. In Tiflis sind wir seit dem 11. September. Es geht mit der Einrichtung langsam vorwärts, wir sind in Asien und müssen uns einleben und nicht zu viel verlangen."

Der Winter 1863/64 in Klein-Asien.

Herr Dr. Blau, Preuss. Konsul in Trapezunt, schreibt uns d. d. 20. Januar 1864: „Meteorologisch merkwürdig ist der diessjährige Winter Anatoliens. Nachdem schon seit Mitte November aus dem Inneren, Kurdistan und Hoch- Armenien, die Nachrichten von einem aussergewöhnlich frühen und strengen Winter Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1864, Heft VI.

eingetroffen waren und demnächst auch die nach hiesiger Bauernregel untrüglichen Vorboten eines kalten und schneereichen Winters, die Rothen Rebhühner, sich in grossen Schaaren von Süden kommend hier gezeigt hatten, liess sich bereits der Dezember, der sonst gewöhnlich einer der schönsten Monate hier ist, sehr rauh, regnicht und nasskalt an. Der Mondwechsel am 9. Januar setzte mit zwei hellen kalten Tagen ein und dann begann ein seit schon 10 Tagen und Nächten ununterbrochener Schneefall, wie er hier seit dem Winter 1839/40 nicht gesehen worden ist. Die durchschnittliche Höhe der Schneeschicht in der Küstenlandschaft beträgt 2 Meter; höher im Gebirge hinauf liegt er über 3 Meter hoch. Alle Kommunikationen mit dem Inneren sind unterbrochen; am empfindlichsten macht sich der Mangel aller Zufuhren an Feuerungsmaterial geltend, da Niemand auf so aussergewöhnliche Umstände vorbereitet war. Die Folge davon ist leider, dass in der Stadt und den umliegenden Dörfern an vielen Stellen die Baumpflanzungen in Gärten und öffentlichen Plätzen verwüstet werden, um in den Kamin zu wandern. Von den Waldvögeln gehen Tausende zu Grunde. Beträchtlich ist auch der Schaden, den die Last des Schnee's an Dächern und Gebäuden anrichtet, schon sind mehrere der ansehnlichsten Gebäude der Stadt, wie z. B. das Englische Konsulat und das Armenische Theater, theilweis eingestürzt. Mehrere Schafheerden sind auf dem Wege nach der Stadt verschneit und zu Grunde gegangen. Als Zugabe zu diesen Nöthen grassiren seit zwei Monaten Typhus und Blattern, besonders unter den in grossen Massen hier einwandernden flüchtigen Tscherkessen des Schapsuchen-Stammes, dessen Gebiet die Russen im Oktober vorigen Jahres besetzt haben. Von 10.000, die bis jetzt hier ankamen, sind bereits 2400 dem Elend und den Krankheiten erlegen."

Die Presse im Osmanischen Reiche.

Der „Levant Herald Almanack for 1864" giebt eine Liste der in diesem Jahre in der Türkei erscheinenden Erzeug

nisse der periodischen Presse, der zufolge Konstantinopel

durch 24, Smyrna durch 7, Alexandrien durch 2, Van und Beirut durch je 1 Blatt vertreten sind. Hiervon sind 11 in Türkischer Sprache (inbegriffen 2, in denen das Türkische mit Armenischen Lettern, und 1, in dem dasselbe mit Griechischen Lettern gedruckt ist), 2 in Arabischer, 7 in Armenischer, 6 in Griechischer, 5 in Französischer, 2 in Hebräisch-Spanischer, 1 in Englischer und 1 in Bulgarischer Sprache. Die Titel sind folgende: 1. Journal de Constantinople (halb offiziell und Eigenthum der Türkischen Regierung), täglich ein Mal, Französisch. 2. Courier d'Orient, zwei Mal wöchentlich mit einem täglichen Bulletin, Französisch. 3. Levant Herald, wöchentlich ein Mal mit täglichem Bulletin, Englisch. . Gazette médicale, monatlich ein Mal, Französisch. . Taqwimi Weqäi, amtliches Wochenblatt, Türkisch. . Djeride Hawadis, halbamtlich, wöchentlich ein Mal, Bulletin täglich, Türkisch. . Terdjumani-Ahwal, drei Mal wöchentlich, Türkisch. El Djevayib, wöchentlich, Arabisch. . Tasviri-Efkiar, zwei Mal wöchentlich, Türkisch. 29

10. Der-ul-intibah, monatlich ein Mal, Türkisch. 11. Medjmua-Funun, Monatsblatt der Akademie der Wissenschaften, Türkisch. 12. Djeride-Askerie, militärisches Amtsblatt, Türkisch. 13. Omonia, zwei Mal wöchentlich mit täglichem Bulletin, Griechisch. 14. Byzantis, zwei Mal wöchentlich, Griechisch. 15. Anatolikos Aster, wöchentlich, Griechisch. 16. Eptalofos, zwei Mal monatlich, Griechisch. 17. Anatoli, wöchentl., Türkisch mit Griechischen Buchstaben. 18. Massis, wöchentlich, Armenisch. 19. Medjmoua, wöchentlich, Türkisch mit Armenischen Buchstaben. 20. Avedaper, monatlich, Armenisch. 21. Meghou, drei Mal monatlich, Armenisch. 22. Verakai-Havadis, drei Mal wöchentlich, in Türkischer Sprache mit Armenischen Buchstaben. 23. Vietnik, wöchentlich, Bulgarisch. 24. Giornal Israel, wöchentlich, Hebräisch-Spanisch. In Smyrna: 25. Impartial, wöchentlich, Französisch. 26. Amalthea, wöchentlich, Griechisch. 27. Eusebia, wöchentlich, Griechisch. 28. Schakar-Mizrah, wöchentlich, Hebräisch-Spanisch. 29. Arshalouis, wöchentlich, Armenisch. 30. Mioutyoun-Sahmanatragan, zwei Mal monatlich, Armenisch. 31. Zaghig, zwei Mal monatlich, Armenisch. In Alexandrien: 32. Vaqa-missirie, amtliches Wochenblatt in Türkischer Sprache. 33. Egypte, wöchentlich ein Mal, Französisch. In Beirut: 34. Hadiqat ul Akbar, wöchentlich, Arabisch. In Van: 35. Arziv-Vaspuragan, monatlich, Armenisch. Wir können hier hinzufügen, dass ausser den vom Levant Herald Almanack angeführten auch ein Deutsches Blatt unter dem Titel „Konstantinopeler Intelligenzblatt" seit einigen Jahren in der Hauptstadt des Türkischen Reiches erscheint und wöchentlich ein Mal, obwohl nicht sehr regelmässig, ausgegeben wird. (Dr. Blau in Trapezunt)

Einiges über die botanischen Ergebnisse der Ost-Sibirischen Expedition.

Die physische Abtheilung der von der Kaiserl. Russischen Geographischen Gesellschaft ausgesandten Ost-Sibirischen Expedition, durch deren Rückkehr zu Ende des Jahres 1862 das grossartige Unternehmen seinen Abschluss gefunden hat, richtete ihre Aufmerksamkeit, abgesehen von der Topographie, die Schebunin vertrat, hauptsächlich auf Geologie und Botanik. Die geologischen Verhältnisse des Amur-Gebiets und der Insel Sachalin waren vorher so gut wie ganz unbekannt, der Chef und Geolog der Expedition, Schmidt, fand daher für seine Arbeiten ein ungeheueres jungfräuliches Feld, das viel Interessantes bot, das aber zu ausgedehnt war, als dass diese ersten Untersuchungen zu einer vollständigen Einsicht hätten führen können. Für die Botanik war ungleich besser vorgearbeitet, Maximowicz,

Schrenk, Maak und Radde haben für die Thäler des Amur und Ussuri wie für das Mandschurische Küstenland wenig zu thun übrig gelassen, aber es war Glehn vergönnt, die Beobachtungen seiner Vorgänger auf benachbarte Gebiete auszudehnen, namentlich auf die Insel Sachalin, die Thäler des Amgunj und der Bureja und auf das Bureja-Gebirge, und gerade die botanischen Ergebnisse der Expedition sind hierdurch sehr werthvoll geworden. Wir geben darüber einige Andeutungen nach dem Jahresbericht der Russ. Geogr. Gesellschaft für 1863. Mit besonderer Sorgfalt ist die Flora von Sachalin studirt worden, Glehn hat während einer ganzen VegetationsPeriode daselbst botanisirt und circa 500 Species Phanerogamen sind auf allen Theilen der Insel, mit Ausnahme einer einzigen Partie im Inneren und auf dem östlichen Ufer, gesammelt worden. Sachalin zerfällt hinsichtlich der Pflanzenbekleidung in zwei verschiedene Regionen; die eine ist analog dem Litoral des Ochotskischen Meeres und Kamtschatka, die andere bildet die Fortsetzung der nördlichen Flora von Japan. Die erstere umfasst den ganzen nördlichen Theil der Insel, das westliche, der Amur-Mündung gegenüberliegende Ufer bis 100 Werst nördlich von Dué, wo die Berge sich der Küste nähern, und das östliche Ufer bis zum Golf der Geduld nebst dem Inneren der Insel; zu der Region der Japanischen Flora gehört dagegen das ganze westliche Litoral von dem oben bezeichneten Punkte an, die dem Meer benachbarten Gehänge der Bergkette und der südlichste Theil der Insel. Dadurch begegnen auf Sachalin, wie im Amur-Land, die dem Norden eigenthümlichen Vegetations-Formen denen des Südens und es finden sich sehr merkwürdige Beispiele von der Vereinigung beider. Auf den Bergen im südlichen Theil der Insel, oberhalb der Grenze der Nadelhölzer, wächst der Bambus der Kurilen (Arundinaria kurilensis) am Fusse der Birke (Betula Ermani); weiter unten, auf den Gehängen, sieht man südliche Formen, wie den Korkbaum des Amur (Phellodendrum amurense), zwei Arten von Hydrangea, den Weinstock, die Araliaceen Panax ricinifolia und Aralia mandschurica, eben so den südlichen Farn Diplazium; ganz am Fusse der Berge wachsen, wenn die Ebene sumpfig ist, zwischen Lärchen unsere nordischen Beeren Vaccinium uliginosum, Rubus chamaemorus und Rubus arcticus. Diese Vermischung und namentlich diese Vertheilung der PflanzenArten in vertikaler Richtung sind in der That frappant. Die nördliche Region hat im Allgemeinen den Charakter der Alpen-Flora; hier begegnet man im Niveau des Meeres Pflanzen wie Siversia anemonoides, Arctostaphylos alpina, Loiseleuria procumbens, welche im Inneren des Kontinents sehr hoch oben auf Bergen wachsen, wie z. B. an den Quellen der Bureja. Die Alpen-Flora des Bureja-Gebirges wie die Flora der Flussthäler des Amgunj und der Bureja geben einen merkwürdigen Ring für die Kette ab, welche Ost-Sibirien im Norden einerseits mit dem Litoral von Ochotsk, andererseits mit der Flora des Amur verknüpft. Die Vegetation des Amgunj-Thales hat noch viel Ähnlichkeit mit der von Nikolajewsk und dem benachbarten Küstenland; es finden sich daselbst wenig südliche Formen. Die wahre AlpenFlora der Bureja wurde bis in Höhen von 6000 Fuss studirt, sie reiht sich direkt an die des Stanowoi Chrebet (Middendorf) und von Ajan (Tiling) an. Merkwürdig ist an der Bureja das Auftreten der Bäume. Am Amur nämlich zeigt sich die Eiche schon bei Albasin, die Linde wie der Korkbaum aber erst viel weiter unten (unterhalb der Dseja-Mündung); an der Bureja dagegen findet man die Linde und die Schwarze Birke in der Gebirgsregion, unterhalb der Mündung des Njumen, den Korkbaum unterhalb derjenigen der Tyrma, während die Eiche erst viel südlicher als der Korkbaum, in den Weissen Bergen, 100 Werst oberhalb der Mündung der Bureja, auftritt. Eins der allgemeineren Resultate ist auch die Feststellung der Identität der Tertiär-Flora, der Kohle und der fossilen Seemuscheln im Russischen Amerika, auf Kamtschatka und Sachalin. Diese identischen Tertiär-Bildungen begrenzen die beiden gegenüberliegenden Küsten, das ganze Nordufer des Grossen Oceans von der Vancouver-Insel bis Korea, und beweisen, dass die beiden Kontinente von Asien und Amerika während der Tertiär-Zeit im Norden verbunden waren, wie man diess auch schon früher vermuthet hat. Zugleich deuten aber die botanischen Befunde auf eine frappante Analogie zwischen der jetzigen Flora der Ostküste von Asien und derjenigen der Ostküste von Amerika, so wie auf eine vollständige Verschiedenheit zwischen den Floren der ersteren und der Amerikanischen Westküste. Diese Thatsache führt zu der Annahme, dass sich die jüngsten Vegetations-Verhältnisse unter dem Einfluss von Veränderungen des Klima's gebildet haben, welches in der Tertiär-Zeit für die beiden gegenüberliegenden Küsten ein gleiches gewesen sein muss. „ Auf den vegetabilischen Überresten, welche dem ehemaligen Festland im nördlichen Theil des Grossen Oceans angehören, trifft man Seemuscheln, die zum Theil mit den jetzt noch lebenden identisch sind; man kann daraus schliessen, dass nach einer längeren Versenkung jenes Festlandes zwischen Asien und Amerika eine entgegengesetzte Bewegung begonnen hat, dass sich der Boden wieder gehoben hat, wenigstens an den Ufern des Oceans. Diese Hebung bemerkt man sicher auf Sachalin.

Das Goldland an der Küste der Mandschurei.

Mehrere Reisende, welche die Südostküste der Mandschurei besucht hatten, namentlich auch die Expedition des Oberst Budogossky, versicherten einstimmig, dass flüchtige oder exilirte Chinesen Gold aus den Gewässern graben, welche von der Bergkette Sichot Alin nach der Küste herabkommen; auch brachten sie öfters Proben von dem Golde mit, die sie den Chinesen abgekauft hatten. In Folge dessen ging im Jahre 1863 eine neue Russische Expedition unter Benardaki dahin, fand aber, dass alle früheren Nachrichten ungenau gewesen waren. „Statt eines jungfräulichen Landes voll unberührter Mineralschätze fanden wir" – so berichtete Anossoff am 1. September aus Katharino-Nikolajewsk (am Amur)!) im Compte-rendu der Kaiserl. Russ. Geogr. Gesellschaft – „fanden wir ein altes Land, das seine Geschichte und Goldindustrie gehabt hat. Nach den noch vorhandenen Spuren der alten Arbeiten müssen sie einen ungeheueren Umfang gehabt haben, die Ausbeute

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der Goldwäschen war keineswegs die Arbeit einer Truppe Abenteurer, sondern Tausende von Sklaven sind hier beschäftigt gewesen und man bemerkt ein gewisses System in der Ausführung der Arbeiten. Sehr oft trifft man Thäler, welche von tiefen Gräben durchzogen und durch Einstürze und ausgegrabenes Erdreich versperrt sind. Ausserdem sieht man überall die Spuren von Wohnungen und Reste alter Befestigungen. Alles deutet darauf hin, dass dieses Land ehemals bevölkert gewesen ist, dass es Städte und Festungswerke gehabt hat. Was ist nun aus den Bewohnern, aus den Gebäuden geworden? welches Schicksal hat das Volk gehabt? Wir wissen es nicht. Vielleicht war die Hauptursache dieser Verödung die Erschöpfung der Goldminen.

„Wenn man den Traditionen der alten Leute in den Chinesischen Kolonien des Landes Glauben schenken darf, hätte hier vor 300 Jahren ein eigenes Reich bestanden, dessen Hauptstadt am Su-Tschan, einem in den AmerikaGolf mündenden Fluss, gelegen war. Noch jetzt beschäftigen sich die daselbst angesiedelten Chinesen mit Goldsuchen, wenn sie nichts Besseres zu thun haben, sie graben geduldig in den alten Werken und begnügen sich mit einem Sande, der einen höchst elenden Goldertrag abgiebt. Das bei ihnen gesehene Gold hat alle die Gerüchte verursacht, die sich über den Reichthum dieses Landes verbreitet haben, aber es ist sonderbar, dass Niemand früher die enorme Ausdehnung der alten Minen gesehen oder doch davon gehört hat."

Die Völker des Senegal.

Abgesehen von den Europäern, welche sich am Senegal niedergelassen haben, findet man auf dem rechten Ufer des Flusses zwei verschiedene weisse Racen, die Berber-Race und die Arabische.

Die Berber-Race hatte das nördliche Afrika schon vor den Phöniciern und Ägyptern inne, die Senaga, eine ihrer berühmtesten Nationen, hatten sich von Marokko bis zum Senegal ausgebreitet und waren dort die Herren bis zur Arabischen Invasion von Afrika im 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung; seitdem begann ihre Macht abzunehmen. Im 13. Jahrhundert unterjochte ein mächtiger Araber-Stamm, die Beni-Hassan, die Senaga, legte ihnen Steuer auf und herrschte an ihrer Stelle an den Ufern des Senegal; auch vollendeten sie den Schwarzen gegenüber die von den Berbern begonnene Bekehrung zum Islam und das Zurückdrängen gegen das Innere von Afrika. Gegenwärtig bilden die Mauren am rechten Ufer drei grosse Stämme: die Trarsa, die Brakna und die Duaisch, welche wieder in eine Menge von Unterabtheilungen zerfallen. Das Arabische und Berber-Element sind in diesen drei grossen Stämmen fast gleichmässig vertreten, in den beiden ersteren sind die Familien von Berber-Ursprung den HassanArabern oder Kriegern tributär, dagegen hat bei den Duaisch die Berber- oder Senaga-Race, die ursprünglich von den Hassan-Arabern unterjocht war, das Übergewicht über die letzteren bekommen. Da sich endlich die Einen wie die Anderen seit Jahrhunderten mit den Schwarzen vermischt haben und die Stämme zur Hälfte aus reinen Negern als Gefangenen oder Freigelassenen bestehen, welche die Sitten

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