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Anwendung finden, da kein anderer Theil des Weltmeeres von der Schifffahrt so frequentirt, kein anderer so genau untersucht worden ist. Die Seitens der Französischen, Belgischen, Niederländischen, Deutschen, Dänischen, Norwegischen, ganz besonders aber der Englischen Marine vorgenommenen Lothungen in der Nordsee und den die Britischen Inseln umgebenden Theilen des Atlantischen Oceans bieten uns für die Konfiguration des Seebodens umfangreichere Daten als vielleicht die Höhenmessungen irgend eines hypsometrisch genau erforschten Landes für dessen Oberflächen-Gestaltung und Terrain-Verhältnisse. Die Österreichische Monarchie steht an der Spitze derjenigen grösseren Länder, die für die Hypsometrie ihres Gebiets viel geleistet haben, und man rechnet die Total-Summe aller bisher in der Monarchie bestimmten Höhenmessungen auf etwa 18.000); wollte man die Zahl der Tiefenmessungen innerhalb unserer Karte berechnen, so würden gewiss Millionen herauskommen. Das Ergebniss dieser Daten war bisher noch nicht zum Nutzen der allgemeinen Geographie zusammengefasst und veranschaulicht. Man hatte auf verschiedenen Karten Andeutungen der Tiefenverhältnisse gemacht, aber in unzureichender, dem Stande unserer Kenntniss nicht entsprechender Weise. Dass die Britischen Inseln auf einer grossen Platte oder einem unterseeischen Hochlande stehen, welches nur wenige 100 Fuss unter der Oberfläche des Meeres liegt und welches dieselben mit dem Kontinent von dem westlichsten Vorgebirge Frankreichs bis zur nördlichsten Spitze Dänemarks verbindet, das wusste schon lange ein jeder Schulknabe, da dieses Factum in guten Schul-Atlanten wie Stieler längst gezeigt wurde, aber man kannte wenig oder gar Nichts von den höchst mannigfaltigen Terrain-Formen der Platte selbst. Zwar gab schon vor länger als 40 Jahren Robert Stevenson?) eine Übersicht der Tiefenverhältnisse der Nordsee, dann Whewell und Lubbock derjenigen der Meerestheile innerhalb unserer Karte*), eben so Scott Russell in Johnston's Physical Atlas (erste Ausgabe), J. M. Ziegler in seinem Hypsometrischen Atlas, wir selbst in unserem Physikalischen Atlas (Petermann & Milner, London 1850), in: Maps illustrative of the British Empire (London, National Society, 1851), in der alten Auflage des Stieler'schen Atlas-Blattes (seit 1855) u. s. w. Alle diese Darstellungen waren aber entweder höchst mangelhaft und nach veraltetem Material oder zu generell gehalten und bloss den grossen Abfall im Atlantischen Ocean

1) „Geogr. Mitth." 1863, Heft XI, S. 434. *) Edinburgh Philosophical Journal, vol. III, 1820. Auch in Deutschland bekannt geworden durch Berghaus' Kritischen Wegweiser, Bd. 5, 1833, S. 321 ff. nebst Karte. *) Reproducirt in Berghaus' Physikalischem Atlas, Abtheilung Hydrographie, Karte Nr. 2. Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1864, Heft I.

westlich von den Britischen Inseln zeigend, oder nicht übersichtlich und kein Bild gewährend, wie es auch die Seekarten selbst sind, die Quellen, die einer jeden solchen Arbeit zu Grunde liegen müssen; auf ihnen sind die Tiefen entweder bloss durch dicht gedrängte Zahlen oder höchstens durch einzelne Tiefenlinien bezeichnet, aus welchen beiden sich nicht unmittelbar eine Gesammtübersicht oder ein Bild gewinnen lässt. Alle diese bisherigen Versuche bewiesen aber so viel, dass eine solche Karte schon lange ein wahres Bedürfniss in der kartographischen Literatur sei. Indem wir in unserer Arbeit einen neuen Versuch in Darstellung der Tiefenverhältnisse in jenen Meeren machten, wünschten wir einen Schritt weiter zu gehen, als es in den bisherigen geschehen war; unser Ziel war daher: 1. das höchst umfangreiche Material aller bisherigen Tiefenmessungen in den betreffenden Meerestheilen gewissenhaft zu verarbeiten, 2. das Resultat in äquidistanten Tiefenlinien von 10 zu 10 Faden bis zur Tiefe von 100 Faden und ausserdem durch viele einzelne Zahlen darzustellen und auf diese Weise für alle allgemeinen Zwecke der Geographie eine hinreichende Detail-Anschauung zu erzielen, 3. endlich das so gewonnene Resultat von 12 verschiedenen Tiefenschichten durch eine zwölffache Schattirung übersichtlich zu machen, so dass sich das Bild in einem Augenblick übersehen lässt. Unsere Karte bildet daher vornehmlich eine unterseeische Schichtenkarte in grösserem Detail als irgend eine bisherige Karte desselben Gebiets. Überseeische Schichtenkarten sind in neuerer Zeit bekanntlich sehr in die Mode gekommen und zur grössten Wichtigkeit für die Kartographie und Geographie erhoben worden. Diese Wichtigkeit lässt sich auch gar nicht leugnen, es sind aber so vielfache Schwierigkeiten mit der Ausführung solcher Karten verknüpft, dass der Nutzen ihrer Anwendung bisher in den allermeisten Fällen ein sehr fraglicher war, ja dass eine gewisse geist- und gedankenlose und leichtfertige Anwendung von Isohypsen und Schichten geradezu ein entgegengesetztes Resultat herbeiführte, d. h. zum Nachtheil wurde und gar keinen Nutzen irgend einer Art stiftete. Da, erstens, Isohypsen zusammenhängende, in sich zurücklaufende Linien sind und die Erhebungen des Bodens schärfer und bestimmter ausdrücken als irgend eine andere Manier der Bergzeichnung, so müssen ihnen vor Allem sehr viele und genaue Höhenmessungen zu Grunde liegen, wenn sie nicht blosse phantastische, nutzlose und irreführende Linien sein sollen. Da, zweitens, die auf

dem Papiere so scharf, bestimmt und mathematisch genau 3

aussehenden Isohypsen in der Natur ganz unsichtbar und gar nicht vorhanden sind, gegenüber der gewöhnlichen Terrain - Zeichnung, die nur die dem Auge wahrnehmbaren, deutlich ausgeprägten Formen der Erdoberfläche veranschaulicht, so müssen die Isohypsen schon dicht und in geringen Abständen gezeichnet werden, um eine einigermaassen ausreichende und deutliche Vorstellung der Natur zu geben. Beide Bedingungen genügen aber keineswegs, um ein hinreichend brauchbares, sofort übersichtliches und plastisches Bild zu erzielen. Die einzelnen Höhenschichten müssen vielmehr durch Farbentöne so abgestuft schattirt werden, dass man die Aufeinanderfolge der Höhenkurven sofort erkennen und übersehen kann. Bei der technischen Ausführung dieses Erfordernisses beginnt aber eine der grössten Schwierigkeiten der Schichtenkarten: verschiedene Farben geben nicht das plastische und in der Abstufungs-Skala gleich richtige Bild als die verschiedenen Töne einer einzigen Farbe und ausserdem sind sie nur für lithographischen Druck anwendbar; schwarze Schraffirtöne aber bieten besondere technische Schwierigkeiten, schon deshalb, weil sie alles Andere auf der Karte undeutlich und unleserlich machen. Wir haben auf unserer Karte eine Punktirung aus freier Hand angewandt, als die einzige Manier, welche das Detail der Seeboden - Zeichnung in allen Abdachungsstufen deutlich zur Anschauung bringt, dabei das Totalbild der grossen Plateau-Bildung unbeeinträchtigt und ungestört lässt und die Schrift einschliesslich der vielen Tiefenzahlen nicht unleserlich macht, wie es durch Schraffirtöne der Fall sein würde; diese Punktir-Manier bot freilich für den Stecher eine höchst mühevolle und langwierige Arbeit, welche nebst der zeitraubenden Zeichnung und dem übrigen Stich zur Folge hatte, dass eine lange Zeit von gegen 3 Jahren über der Herstellung dieses einen Blattes verflossen ist. Es schien uns jedoch der Mühe werth, den Versuch zu machen, in dieser Karte einen Schritt weiter zu gehen, als bisher geschehen war. Die so gewonnene Anschauung lässt sich mit kurzen Worten folgendermaassen andeuten. Das Seeboden-Plateau, auf dem die Britischen Inseln stehen und welches in der 100-Fadenlinie eine gute Begrenzung findet, fällt in einer Entfernung von durchschnittlich 20 bis 50 Meilen) von den Westküsten Irlands und Schottlands rasch ab und erreicht schon 80 Meilen westlich von Erris Head in etwa 54 * N. Br. die Tiefe von 1380 Faden oder 8280 Fuss, beinahe doppelt so viel als die Höhe der höchsten Berge Britanniens. Im Osten erstreckt es sich bis Dänemark, im Süden bis Frankreich und im Norden bis zu den

!) Es sind hier immer nautische Meilen gemeint.

Shetland-Inseln, im Nordosten aber wird es durch eine tiefe Einsenkung von Skandinavien getrennt, welche in einer Breite von 30 bis 60 Meilen die Skandinavische Küste bis zum Meridian von Christiania umgiebt und Tie fen bis zu 430 Faden oder 2580 Fuss aufzuweisen hat. Wenigstens ist diess die grösste bisher vorgenommene Lothung in dieser Skandinavischen Rinne; es sind jedoch daselbst bis jetzt nur sehr wenige Lothungen angestellt, so dass man über die detaillirten Tiefenverhältnisse jener Rinne unterhalb der 100-Fadenlinie so gut wie Nichts weiss. Das so umschriebene Seeboden-Plateau hat eine grosse Mannigfaltigkeit von geringeren Unebenheiten in sich aufzuweisen: in allen möglichen Formen und Ausdehnungen bilden sich hier verhältnissmässig tiefe lange Rinnen, dort rundliche Löcher, selbst hufeisenförmige Senkungen, an anderen Stellen erhöhte Platten, breite Terrassen und lang gestreckte Bänke. Die bedeutendsten Unebenheiten befinden sich jedoch an der Westküste von Schottland, von ihrem südlichsten bis zu ihrem nördlichsten Vorgebirge; hier ist der Seeboden an vielen Stellen tiefer als 100 Faden und weist Lothungen bis zu 149 Faden auf. Nach allen bisherigen Karten musste man vermuthen, dass der Seeboden an der Westküste Schottlands sich eben so allmählich abdache als an allen übrigen Gestaden der Britischen Inseln, allein gerade hier fällt derselbe aller Orten in analoger Weise eben so plötzlich ab, als die Ufer der reich gegliederten Küsten und der dazu gehörigen Inseln jäh über den Meeresspiegel aufsteigen. Es ist diess ein Resultat der neueren Englischen Admiralitäts-Aufnahmen seit 1838 ); bisherige Darstellungen stützten sich fast nur auf die Aufnahmen des Captain Vidal in den Jahren 1830 und 1831 *), welche eben dieses Gebiet ganz unberührt liessen. Der tiefe Seeboden, mit dem wir es hier zu thun haben, erstreckt sich vom Mull of Galloway, dem südwestlichsten Kap Schottlands, und dem Kap Wrath, seinem nordwestlichsten Vorgebirge, bis zur Nordostküste Irlands und der Ostküste der Hebriden und bietet auf den ersten Blick ein Labyrinth von Becken und Rinnen; denn so zahlreich die tief einschneidenden Buchten und Fjorde, so weit zerstreut die vorliegenden Eilande und Inselgruppen, eben so mannigfaltig ist auch die Topographie des Seebodens in und um ihnen. Doch bietet dieselbe gewisse Grundzüge, zufolge deren man alle diese Unebenheiten in zwei Gruppen, die inneren und die äusseren, zusammenfassen kann. Die äusseren oder westlich liegenden Vertiefungen treten in zwei tiefen Rinnen auf, von denen die eine sich

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eine

hart an der Ostküste der Hebriden entlang, die andere durch den Nord-Kanal hinzieht, denjenigen Meeresarm, der Irland von Schottland trennt. Die nördlichere dieser Rinnen beginnt in 56° N. Br. und 8° W. L. v. Gr. in gegabelter Form, zieht sich in einer Längenausdehnung von etwa 150 Meilen durch die Barra Passage, die Little Minch und die North Minch und isolirt die Hebriden von Schottland ziemlich vollständig. Mit Tiefen von 102 Faden im Süden beginnend erreicht die Rinne in der Barra Passage nahe bei Barra Head 131 Faden, in der Little Minch 107 Faden und in der North Minch 102 Faden. Die Little Minch wird von der North Minch durch eine unterseeische Gebirgskette getrennt, welche Harris mit der Insel Skye verbindet, jedoch nahe an der Küste von Harris eine schmale Vertiefung lässt, deren geringste Tiefe immer noch 54 Faden beträgt. Zwischen dieser Rinne, die man die Hebriden - Rinne nennen könnte, und derjenigen im Nord-Kanal, für welche kurzweg der Name Irische passt, liegt ein dem Standpunkt der Kenntniss seines Seebodens nach mare incognitum, die einzige Stelle in den Britischen Meeren, die bis jetzt noch nicht vollständig ausgelothet worden ist; die zahlreichen Englischen Admiralitäts - Karten bilden in diesem Gebiete ein leeres Blatt, selbst auf den neuesten Seekarten ist zwischen dem westlichsten Kap der Insel Islay bis Barra Head nicht Eine Tiefenzahl zu bemerken. Die einzigen uns bekannt gewordenen Sondirungen in diesem Theile finden sich auf einer privatim erschienenen grossen Seekarte von J. und A. Walker !), nach welchen es uns als wahrscheinlich erscheint, dass dieser Raum etwa in der Breite von 56° N. von einer von West nach Ost laufenden Rinne durchfurcht wird, welche sich gegen und zu beiden Seiten der Insel Mull nach der Hauptküste Schottlands hinzieht. Die Irische Rinne beginnt nördlich vom Giant's Causeway und zieht in einer Längenausdehnung von etwa 100 Meilen durch den Nord-Kanal bis gegen die Insel Man hin. Ihre grössten Tiefen sind: im nördlichen Theile dicht bei der Rathlin-Insel 133, im südlichen zwischen Belfast und Port Patrick 149 Faden oder 894 Fuss, gleichzeitig die grösste Tiefe, die bis jetzt innerhalb des SeebodenPlateau's der Britischen Inseln gefunden worden ist. Die Irische Rinne setzt sich in schwächeren Abdachungen und mit Maximum-Tiefen von 83 - den südlich fort durch die Irische See, den St. Georg-Kanal und darüber hinaus, indem sie die östliche Hälfte jenes Centralbeckens so wie die Cardigan-Bai und den Bristol-Kanal abgeflacht

!) Chart of the West Coast of Scotland, the Lewis or Western Islands, and the North Coast of Ireland. Drawn from the most recent documents by J. & A. Walker, London, 1. Januar 1853.

zur Seite lässt, so dass eine gerade Linie, von Land's End, der südwestlichen Spitze Englands, durch das südwestliche Kap der Insel Man bis zur Küste von Süd-Schottland gezogen, ziemlich genau ihre Ostgrenze und die Westgrenze der drei grossen flachen Buchten Englands bildet.

Beide Rinnen bilden somit eine zusammenhängende Reihe von Vertiefungen, die in meridionaler Richtung vom 50. Parallel westlich von Land's End und den Scilly-Inseln bis zum 59“ N. Br. das unterseeische Plateau in einer Ausdehnung von mehr als 600 Meilen durchschneiden und Irland und die Hebriden viel mehr von Gross - Britannien scheiden, als dieses von den kontinentalen Küsten geschieden ist. Wäre das Meeresniveau nur 250 Fuss niedriger, so könnte man z. B. trockenen Fusses von Hamburg in gerader Linie über die ganze Nordsee bis Newcastle, 420, oder bis zur Insel Man, 530 Meilen weit, spazieren, während in jenen longitudinalen Rinnen Tiefen bis zu 894 Fuss vorkommen. Diese Rinnen umfassen die äusseren Vertiefungen an der Westküste Schottlands und es bleibt uns noch übrig, diejenigen zu bezeichnen, welche wir die inneren genannt haben.

Es bilden diese letzteren ein besonders charakteristisches Merkmal des dortigen Seebodens, denn während sich dieser an allen anderen Gestaden der Britischen Inseln im Ganzen allmählich zur grösseren Tiefe und gegen den Plateau-Abfall absenkt, kommen in den innersten Recessen der West-Schottischen Meeres- Einschnitte von der westlicher liegenden Rinne isolirte Vertiefungen, verhältnissmässig tiefe Löcher in fast allen Buchten vor. Wir geben die hauptsächlichsten mit ihren Maximal-Tiefen in der Reihenfolge von Norden nach Süden:

Eddrachilles-Bai . - 85 Faden, Loch Inver . - - - . 83 ,, Loch Broom . - - . 78 ,, Gruinard-Bai - - - . 119 ,, Loch Torridon . - . 87 ,, Inner Sound - - - . 138 ,, Raasay Sound - - - . 83 ,, Loch Carron - - - . 60 ,, Loch Duich - - - . 61 ,, Loch Hourn - - - . 100 ,, Sleat Sound - - - . 99 ,, Loch Nevis . - - - . 71 ,, Loch Eishart (I. Skye) 139 ,, Sound of Mull . - - . 108 ,, Loch Linnhe - - - . 1 10 ,, Loch Eil . - - - . 84 ,, Firth of Lorn . - - . 124 ,, Sound of Jura . - - . 1 10 ,, Kilbrennan Sound - - . 89 ,, Loch Fyne . - - - . 104 ,, Firth of Clyde . - - . 92 ,,

Ganz im Gegensatz zur Konfiguration des Seebodens an der Westküste von Schottland dacht sich derselbe westlich der Hebriden ganz langsam ab und erhebt sich sogar

in einer Entfernung von 20 bis 40 Meilen zu einer Terrassenplatte, deren höchste Punkte in den Inseln St. Kilda und Flannan bis 1220 Fuss über das Meeres-Niveau steigen, um 20 Meilen noch weiter westlich endlich zu der grossen oceanischen Tiefe hinabzusinken, die bei der 100-Fadenlinie beginnt, während sich diese an der östlichen Seite der Hebriden schon in einer Entfernung von 5 Meilen von der Küste befindet. Von der Hebriden-Rinne, die sich im 59“ N. Br. zum Plateau-Abfall wendet, ziehen sich nordwärts wieder erhöhte Platten, die mit den Orkney-Inseln in Zusammenhang stehen und an deren westlichstem Ende sich die Inseln Rona und Sulisker bis 360 Fuss über das MeeresNiveau erheben. Der Seeboden rings um die OrkneyInseln hat im Ganzen allmähliche Abdachungen, die grösste Tiefe im Pentland Firth ist nur 60 Faden; die ShetlandInseln dagegen sind fast ganz umzingelt von tiefer einschneidenden Rinnen, besonders im Südosten der Gruppe, wo die Dänischen Seekarten schon 7 Meilen östlich von Sumburgh Head 103 Faden zeigen. Mit der Ostseite der Shetland- und Orkney-Inseln betreten wir die Nordsee oder das Deutsche Meer, deren Seeboden zum grössten Theil aus der östlichen Hälfte unseres unterseeischen Plateau's und aus einer Art Längenthal, der schon erwähnten Norwegischen Rinne, besteht. Über die näheren Tiefenverhältnisse dieser grössten Unebenheit der Nordsee ist, wie schon im Vorhergehenden angedeutet, wenig zu sagen, die nachfolgenden Bemerkungen beziehen sich daher ausschliesslich auf ihren seichten Theil, die Platte. Die Hauptgrundzüge dieser sind: 1) dass sie von Süden nach Norden, von ihrer Spitze bei der Strasse von Dover bis zu ihrer Absenkung in die Atlantische Tiefe bei den Shetland-Inseln, eine allmähliche Abdachung zeigt, eine sanft geneigte Ebene, die 2) in der Mitte ihrer meridionalen Ausdehnung höher ist als an ihren beiden Seiten im Osten und Westen. Die grössten Tiefen der Nordsee kommen also in der Nähe der Britischen, der Skandinavischen und Dänischen Ufer vor, während der Seeboden in seiner Mitte und zwar hauptsächlich von 54° bis 61° N. Br. einen breiten Buckel bildet, dessen Kulminationsplatte die Dogger - Bank ist. Die Dogger-Bank und ihre nördlichen Fortsetzungen sind von den Bänken und Platten des südlichsten Theiles der Nordsee durch die Äussere Silbergrube (Outer Silver Pit) getrennt, eine latitudinale Vertiefung, die sich hart auf der nördlichen Seite des 54. Parallels in einer Längenausdehnung von etwa 25 Meilen von Westen nach Osten zieht und in ihrem westlichen Theile die Tiefe von 44 Faden erreicht. Von der Äusseren Silbergrube steigt der Seeboden nach Norden zur DoggerBank auf, der jedoch, gleichsam als südlicher Vorberg, die mit der Silbergrube parallel laufende Outer Well Bank vor

gelagert ist, welche in ihrem niedrigsten Theile nur 9 Faden Wasser hat. Die Dogger-Bank wird durch die 20-Fadenlinie begrenzt und erstreckt sich in einer Richtung von SW. nach NO. von 54° 10' bis 55° 50' N. Br. und von 1° bis 4° 40' Ö. L. v. Gr., liegt also so ziemlich in der Mitte des Meeres; ihre durchschnittliche Tiefe ist von 10 bis 20, nur einige kleinere Stellen in ihrem westlichen breiteren Ende haben 8 und 9 Faden als geringste Tiefe. Die Dogger-Bank ist berühmt wegen ihrer ergiebigen Fischereien, besonders für Schellfisch, und wird hauptsächlich von Englischen und Holländischen Fischern stark besucht und ausgebeutet. Als nördliche Abstufung der Dogger-Bank erstreckt sich die zwischen 56 und 58° und 3° N. Br. bis 6° Ö. L. v. Gr.belegene Grosse Fischer-Bank mit ihrer südwestlichen und nordwestlichen Abzweigung, Südwest - Fläche und Nordwest-Fläche (Syd Vest Flakket und Nord Vest Flakket der Dänen); ihre durchschnittliche Tiefe ist 30 bis 40 Faden. Von der Grossen Fischer - Bank setzt sich der CentralBuckel der Nordsee in einer nordnordwestlichen Richtung fort und hat im 60. Parallel N. Br., gerade in der Mitte zwischen den Shetland-Inseln und Norwegen, eine Tiefe von 62 Faden. Von diesem nördlichsten Theile der Centralplatte der Nordsee dacht sich der Seeboden nach Osten in die Norwegische Rinne, nach Westen den Schottischen Küsten zu in eine unter dem Meridian von Greenwich gelegene breite Senkung ab, die eine durchschnittliche Tiefe von 80 Faden hat und als Maximum 96 Faden erreicht. Wo diese auf der Karte als eine ausgedehnte Tiefebene erscheinende Senkung sich dem östlichsten Vorgebirge Schottlands nähert, spaltet sie sich in zwei Abzweigungen, die wie die Küste selbst eine westliche und südsüdwestliche Richtung nehmen. Die westliche Abzweigung läuft in einer langen, schmalen Spalte dicht an der Küste von Banff und Elgin hin in den Moray Firth hinein und vertieft sich in ihrem mittleren Theile auf einer Strecke von 15 Meilen bis zu 100 Faden und darüber, an Einer Stelle bis 1 18 Faden. Die südsüdwestliche Abzweigung bildet die Buchan Deeps, Long Forties und die Outer Pit of Montrose, sämmtlich zwischen 56 und 58 ° N. Br., also zwischen der Grossen Fischer-Bank und der Schottischen Küste gelegen. Die Buchan Deeps erstrecken sich parallel mit der Schottischen Küste von Peterhead bis Aberdeen in einer Entfernung von 20 bis 40 Meilen östlich davon und haben eine Tiefe von 50 bis 78 Faden; die Long Forties liegen südöstlich davon mit einer durchschnittlichen Tiefe von 40 bis 50 Faden, und die Outer Pit of Montrose wiederum

südöstlich von diesen mit ähnlichen Tiefen und in der Breite der Schottischen Stadt Montrose, 70 bis 100 Meilen östlich von ihr entfernt. Westlich der Dogger-Bank und zwischen ihr und der Englischen Küste ist der Seeboden durchschnittlich 30 bis 50 Faden tief, östlich von ihr auf der weit gegen die Dänische Küste sich hinziehenden sogenannten Weissen Fläche durchschnittlich 24 und 25 Faden mit einigen Stellen von 31 und 33 Faden. Der südlichste Theil der Nordsee, südlich der Outer Silver Pit und des 54. Parallels N. Br., besteht hauptsächlich aus zwei Stufen, derjenigen zwischen 10 und 20 und der zwischen 20 und 30 Faden Tiefe. Jene nimmt den grössten Theil der ganzen Fläche, etwa drei Viertel, ein und umfasst die Well Bank, Schwarze Bank und „Die breiten Vierzehn". Die Vertiefung zwischen der 20und 30-Faden-Linie heisst die Tiefe Rinne und zieht sich in einem grossen Bogen von der Strasse von Dover nach Norden etwa 150 Meilen weit um Ost-England herum; ihre grösste Tiefe ist in der Breite von Ipswich und nur 32 Faden. Diess sind die allgemeinen Grundzüge des südlichen Theiles der Nordsee, die Details aber bilden eine so ausserordentlich komplicirte Topographie, dass wir hier auf die Karte selbst verweisen müssen. Von Texel bis Hull und südwärts bis Dover ist ein so mannigfaltiges welliges Terrain, wie man es auf sehr genauen und speziellen Generalstabskarten entsprechender Gegenden der Erdoberfläche zu sehen gewohnt ist. So gering an sich die Höhenunterschiede dieser Meerestheile besonders auch in Vergleich mit ähnlichen Höhenunterschieden auf dem Lande sein mögen, so ausserordentlich wichtig sind dieselben für die praktischen Zwecke der Schifffahrt, die sich gerade auf diesem verhältnissmässig engen Raume zusammendrängt, auf dem die Schiffe aus allen Gegenden der Welt herbeikommen, wie nirgends anderswo; deshalb sind auch gerade hier die ausgedehntesten und speziellsten, immer noch fortgesetzten Aufnahmen des Seebodens ausgeführt, da schon der Unterschied von wenigen Fuss Tiefe für die Schifffahrt

von der grössten Wichtigkeit ist. Die charakteristische und vorherrschende Form der Seeboden-Unebenheiten besteht hier in länglichen Furchen und Bänken und ein wahres Labyrinth derselben ist besonders den Mündungen der Themse, Schelde, Maas und des Rheins, aber auch der Küste von ganz Ost-England bis Hull gegen 50 Meilen weit in die hohe See vorgelagert. Topographisch hervorragend sind unter diesen Furchen die östlich von Hull und der Humber-Mündung liegende Silver Pit (Silbergrube) mit 52 Faden, die Sole Pit (Zungengrube) mit 43 und die Coal Pit (Kohlengrube) mit 34 Faden. Ungleich wichtiger für die Schifffahrt wegen ihrer Gefährlichkeit sind die nur wenige Fuss oder Faden unter dem MeeresNiveau liegenden zahllosen Bänke, die sich in dem ganzen Theile des Meeres befinden. Die wichtigsten Quellen für die Kunde des Seebodens der Nordsee sind ausser den vielen Englischen Seekarten für die an den Englischen Küsten gelegenen Meerestheile die von der Dänischen Admiralität herausgegebenen Karten, besonders eine der ganzen Nordsee in 2 Blättern vom Jahre 1860 und im Mst. von 1: 1.450.000 bis 1: 050.000. Für den bei weitem grössten Theil der Zeichnung des Meeres ist diese schöne Karte für uns die maassgebende Quelle gewesen. Die „Tiefe Rinne" Ost- Englands zieht sich wie ein breites, 20 Faden und darüber tiefes Band durch den Pas de Calais in den Englischen Kanal; die seichteste Stelle dieser Strasse fällt fast ganz mit einer geraden Linie von Calais nach Dover zusammen und hat an ihrer tiefsten Stelle 28 Faden. Diess ist also die Sattelhöhe der Seebrücke zwischen Frankreich und England; westlich von ihr fällt der Seeboden allmählich ab und erreicht am westlichen Ende des Englischen Kanals, zwischen Land's End und Brest, die Linie von 60 Faden. Aber schon vorher hat er in einer schmalen, Hurd's Deep genannten Rinne nördlich der Kanal-Inseln die Tiefe von 72 Faden.

Die Besiedelung von Arnhems Land in Nord-Australien.

(Mit Karte, s. Tafel 1.)

Die ruhmwürdigen Unternehmungen, durch welche in den letzten Jahren ein grosser Theil des Innern von Australien aufgeschlossen wurde, hatten neben dem Wunsche der Kolonisten, eine vollständigere Kenntniss von der Beschaffenheit ihres Kontinentes zu erlangen, besonders zwei Triebfedern: das Bedürfniss, neues Weideland für die rasch

anwachsenden Heerden aufzufinden, und das Streben nach einer leichteren und schnelleren Kommunikation mit Indien. Jenes Bedürfniss nach Weideland veranlasste die allmähliche Besiedelung des Torrens-Beckens und die Expeditionen Hack's, Stuart's und Babbage's im Westen desselben, das Vorschieben der Stationen am Darling und die Ver

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