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besonders aber Duveyrier haben neues Licht verbreitet über ein bedeutendes und reich gegliedertes, bis dahin wenig oder gar nicht bekanntes Gebiet Afrika's. Bonnemain ging im November 1856, im Auftrag des General-Gouverneurs von Algerien, von El Wäd, dem damaligen südöstlichsten Punkte des Französisch-Algerischen Gebiets, nach Ghadames, dem wichtigen Entrepôt für die Produkte des Sudan !), und hat das Verdienst, zuerst dieses jetzt zu Algerien gehörige südöstlichste Gebiet durchreist und an den früher bekannten, auch von Europäern, besonders von Richardson und Dickson, vielfach besuchten Ort Ghadames geknüpft zu haben. Ziemlich gleichzeitig dehnte Kapitän Colomb unsere Kenntniss des südwestlichen Theiles von Algerien aus, indem er im Januar 1857 von Géryville beinahe 40 Deutsche Meilen nach Süden vordrang und das durchschnittlich 2000 Fuss hohe Terrassenland der Ulad Sidi Scheich durchforschte ?); sehr schätzenswerthe (auf unserer Karte eingetragene) Höhenbestimmungen wurden auf dieser interessanten Expedition angestellt. Eine sehr wichtige Arbeit von Colomb, die uns zuerst über das weiter südlich

gelegene Gebiet und besonders über die Oasengruppen

Gurara, Tuat und Tidikelt im Tuäreg-Lande speziellen und ausführlichen Aufschluss gewährt, wurde im Jahre 1860 publicirt*). Das von Colomb erforschte Gebiet wurde weiter untersucht von Colonieu und Burin, welche im Jahre 1860 40 Deutsche Meilen weiter nach Süden vordrangen *), die Oasengruppe Gurara durchschnitten und bis nach Tala in der Richtung gegen Insalah gelangten; sie bestätigten im Ganzen die von Colomb nach umfangreichen Erkundigungen niedergelegte Karte dieses Gebiets. Zwischen diese beiden Expeditionen und in das CentralGebiet Algeriens fällt die äusserst wichtige und ausgedehnte Reise des Ismail Bu-Derba (Sohnes einer Französin, in Frankreich erzogen und dem Bureau Arabe zu El Aghuat

1) Prof. A. Cherbonneau, Relation du Voyage de M. le Capitaine de Bonnemain à R'Dámes, 1856–1857. (Nouv. Annales des Voyages, Juin 1857, pp. 257 ff.) Mit einer von V.-A. Malte-Brun gezeichneten Karte der Route in 1:1.000.000 nebst Übersichtskarte und Plan von Ghadames (ohne Angabe des Maassstabes).

?) Exploration des Ksours et du Sahara de la province d'Oran par M. L. de Colomb, Commandant supérieur du cercle de Géryville. Mit einer Karte, aufgenommen und gezeichnet von de la Ferronay. Mst. 1: 800.000. Alger, Imprimerie du gouvernement, 1858.

*) Colomb, Notice sur les Oasis du Sahara et les routes qui y conduisent. (Revue Algérienne et Coloniale 1860, Bd. II, pp. 29, 301, 495.) Mit einer wichtigen „Carte générale du Groupe d'Oasis du Gourara, du Touat et du Tidikelt et des voies suivies par les caravanes pour y aboutir, dressée sur renseignements par M. le Lieut.-Colonel L. de Colomb et publiée sous la direction de Mr. V.-A. Malte-Brun''. Mst. 1: 1.600.000.

*) Voyage de M. le Commandant Colonieu et de M. le Lieut. Burin au Gourara. (Nouvelles Annales des Voyages 1861, Bd. IV, pp. 5 ff.) Mit „Carte de l'itinéraire de Géry-ville au Gourara et à l'Ouguerout''. Mst. 1: 3.200.000 nebst Carton der Oasen Gourara und Ouguerout in 1 : 800.000.

Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1864, Heft W.

als Dolmetscher beigegeben), welche derselbe im J. 1858 auf Anlass der Französischen Behörden unternahm, hauptsächlich für den Zweck, den Handel der Sahara von Tripoli und dem Englischen Einfluss ab nach Algerien zu lenken. Sein Bericht ist in der Revue algérienne und im Bulletin de la Soc. de Géographie nebst einer etwas rohen Karte ohne Gradnetz erschienen; Ernst Ravenstein hat sich verdient gemacht, indem er diese Karte in einer verbesserten und vermehrten Ausgabe publicirte und auch die zahlreichen Barometer - Beobachtungen berechnete ). Diese Höhen beginnen mit 2210 Fuss für El Aghuat (nach AIlderen besseren Messungen 2298), gehen allmählich bis 110 für Ngussa (nach den neueren Messungen von Marès 400) hinab und steigen dann wieder in dem Tarurt-Plateau bis auf 2140 Fuss.

Eine neue Epoche in der Geographie und Kartographie Algeriens und des nördlichen Tuäreg- Landes bezeichnen die wissenschaftlichen Reisen von Henri Duveyrier, 1859 bis 1861, welche mit ihren Routen einen weiten Raum überziehen, der südlich bis El Golêa, Wargla, Ghadames, Ghät und Mursuk reicht, während die von ihm gesammelten höchst umfangreichen Erkundigungen weit über diese Orte hinausgehen. Unsere Leser sind mit uns den Forschungen dieses ausgezeichneten Reisenden Schritt für Schritt gefolgt ?) und nach seiner Rückkehr aus Afrika hatten wir im vorigen Jahre die Freude, die erste Gesammtübersicht seiner Reisen in einer werthvollen Karte *) geben zu können.

Ausser den genannten bis jetzt publicirten Resultaten der wichtigen Arbeiten dieses verdienstvollen Reisenden hatte derselbe die Güte, uns bei der vorliegenden Karte seine unmittelbare Hülfe und Unterstützung angedeihen zu lassen, indem er dieselbe einer eingehenden Revision unterzog, uns über die Grenzverhältnisse der Südhälfte Algeriens und über die Ausdehnung der geographisch-physikalischen Zonen Tell, Steppe und Sahara, der Sanddünen und speziell des Schott Melghigh-Beckens *) die werthvollsten Aufschlüsse gab.

*) E. G. Ravenstein, Bu Derba's Reise nach Ghät. Nebst Karte im Mst. von 1: 5.000.000. (Zeitschrift für Allgem. Erdkunde, N. F. Bd. VIII, S. 468 und Tafel VI.) ?) „Geogr. Mitth." 1859, SS. 345 ff.; 1860, SS. 44, 55 (mit Original-Karte von Duveyrier's Reise von Ghardaja nach El Golea, August bis Septbr. 1859, Mst. 1: 1.000.000, nebst Carton: Karte der Sahara von Ghardaja bis Tuat, nach eigenen Beobachtungen und denen der Eingebornen, Mst. 1: 4.000.000), SS. 113, 157, 197, 484; 1861, SS. 74, 200, 389 (mit Original-Karte des nördlich von Ghadames und im Grenzgebiete von Algier, Tunis und Tripoli belegenen Theiles der Sahara, Mst. 1: 2.500.000), 474; 1862, S. 156. *) „Geogr. Mitth." 1863, Tafel 12: Karte der Central-Sahara, des nördlichen Tuareg-Landes; zur Übersicht der Forschungen von Henri Duveyrier, 1859–61. Mst. 1: 7.500.000. (Den Text dazu s. SS. 344 und 378.) *) „Als Material zu dieser" – uns mitgetheilten – „neuen Zeich24

Die neueste geographisch erwähnenswerthe Expedition ist die unter Mircher von Tripoli über Ghadames nach El Wäd dirigirte Französische Gesandtschaft!), von deren wissenschaftlichen Resultaten wir die Route und die werthvollen Höhenbestimmungen in unsere Karte eintrugen. Eine der neuesten vom Dépôt de la Guerre herausgegebenen Spezialkarten?) giebt über den Theil der Algerischen Sahara von El Aghuat im Nordwesten bis zur Linie Wargla El Wäd im Südosten reiche Detail-Information; eine andere, etwas leichthin gearbeitete Übersichtskarte von Béraud*) enthält ganz Nordwest-Afrika von der Nordküste im Norden bis Fernando Po im Süden, vom TsadSee im Osten bis zur Westküste im Westen und scheint hauptsächlich dazu bestimmt, eine Übersicht der Hauptverkehrswege in diesem Theile Afrika's zu gewähren. Aus der sehr umfangreichen Literatur geographischer Handbücher und Reisewerke von Algerien sei hier nur das treffliche Compendium von Mac Carthy*) erwähnt. 5. Tunesien, Tripolitanien und Fessän. – Die erste kartographische Quelle für Tunesien ist wiederum die vom Dépôt de la Guerre herausgegebene Karte in 2 grossen Blättern”), für deren südlichen Theil die wichtigste Ergänzung in der von uns publicirten, hauptsächlich auf Duveyrier's Mittheilungen gestützten Originalkarte") enthalten ist. Auf seiner Reise um das Mittelmeer in den Jahren 1845 und 1846 besuchte Dr. Barth das Nord-Afrikanische Gestadeland von Rabat an der Westküste Marokko's bis zum Isthmus von Sues und machte auf dieser Reise mehr Ausflüge ins Innere der Nordhälfte Tunesiens

nung des Schott Melghigh hatte ich nebst meinen eigenen detaillirten Routen auch die Benutzung der grossen handschriftlichen Karte der Sahara der Provinz Constantine, welche von den Offizieren der Provinz aufgenommen und gezeichnet worden ist." (Duveyrier's Brief d. d. 26. Januar 1864.)

!) Mission de Ghadamès, Rapports officiels. Alger 1863. Mit 2 speziellen Routenkarten im Mst. von 1: 1.600.000 und einem Plan von Ghadames in 1 : 8000, sämmtlich aufgenommen von Polignac und Watonne (s. S. 194 dieses Heftes).

*) Dépôt de la Guerre, Carte du Sahara Oriental d'après les reconnaissances exécutées par les officiers d'Etat-Major employés à l'Armée d'Afrique. Mst. 1: 400.000. Paris 1861.

*) Dépôt de la Guerre, Carte des parties Centrales du Sahara, indiquant les relations du Soudan avec nos possessions du Sénégal et l'Algérie, dressée au Bureau Topographique d'Alger par le Chef d'Escadron d'Etat-Major Béraud. Mst. 1:5.000.000. Paris 1862. *) M.-0. Mac Carthy, Géographie physique, économique et politique de l'Algérie. Alger et Paris 1858. *) Carte de la Régence de Tunis dressée au Dépôt de la Guerre d'après les observations et les reconnaissances de Mr. Falbe, capitaine devaisseau danois, de Mr. Pricot St.-Marie, chef d'escadron d'EtatMajor Français, et d'après les renseignemens recueillis par eux. Etant Directeur: le Colonel Blondel. Mst. 1:400.000. Paris 1857. *) Originalkarte des nördlich von Ghadames und im Grenzgebiete

von Algier, Tunis und Tripoli belegenen Theiles der Sahara. Maassstab 1:2.500.000. („Geogr. Mitth." 1861, Tafel 13.)

als in einem anderen Gebiete, sein Itinerar!) ist daher für Tunesien von besonderem Interesse. Für Tripolitanien und Fessän ist unsere 10-Blatt-Karte von Inner-Afrika?) nebst der damit eng in Verbindung stehenden Beurmann'schen Karte *) die Hauptquelle und wir verweisen für diese Gebiete auf den ausführlichen Quellennachweis, welcher jenem Kartenwerke beigegeben ist*); es wurde darin der Küstenaufnahmen von Smyth, Beechey u. s. w., der Erforschung des Inneren durch Hornemann (1798), Burckhardt (1816 u. 1817), Lyon (1818–20), Denham, Clapperton und Oudney (1822), Pacho (1826), Richardson (1846), Richardson, Barth und Overweg (1849 bis 1855), Prax und Renou (1850), Hamilton (1852), Vogel (1854) u. A. gedacht. Die meisten dieser Reisen reichen auch bis in den in der 10-Blatt-Karte nicht enthaltenen nordwestlichen Theil von Tripolitanien, da dieselben fast alle von der dort gelegenen Hauptstadt des Landes ausgingen; die wichtigsten Detail-Karten jedoch sind die Barth'schen *). Das Gebiet zwischen Tripoli und Ghadames hat besonders der Englische Konsul C. H. Dickson vielfach durchreist, indem er in den Jahren 1849 bis 1854 nicht weniger als fünf verschiedene Routen zwischen beiden Punkten einschlug"); durch die Duveyrier'schen und Mircher'schen Arbeiten ist jedoch auch unsere Kenntniss von diesem Gebiete zu einer höheren wissenschaftlichen Stufe gelangt. Auch James Richardson bereiste dieses Gebiet, doch wird sein Itinerar erst jenseit Ghadames und zwar zwischen diesem Ort und Ghät wichtig, welchen Weg ausser ihm bis jetzt kein anderer Europäer besuchte *). Eine wichtige, wenn auch gegenwärtig ziemlich veraltete Quellenkarte für Tripolitanien und die umliegenden Gebiete (bis Tunis im Norden, Tegerri im Süden, Wargla

*) Karte vom Nord-Afrikanischen Gestadeland, bearbeitet von Dr. H. Barth, gezeichnet von H. Lang. Mst. 1:3.750.000. *) Petermann und Hassenstein, Inner-Afrika nach dem Stande der geographischen Kenntniss in den Jahren 1861 bis 1863. Mst. 1: 2.000.000. (Ergänzungsband II der „Geogr. Mitth.") *) Originalkarte von M. v. Beurmann's Reise von Bengasi nach Mursuk und Wau, 13. Febr. bis 6. Juni 1862. Mst. 1:3.500.000 und 1 : 2.000.000. (Ergänzungsband II der „Geogr. Mitth.") *) „Geogr. Mitth." Ergänzungsband II, SS. 1 ff. und (93) ff. *) A. Petermann, Karten der Barth'schen Routen: Blatt 2: Djebel, Ghuriän, Tarhöna und Messelläta-Gebirge, Februar 1850. Mst. 1: 500.000. Bl. 3: Tripoli nach Mursuk, März bis Mai 1850. Mst. 1: 1.000.000. Bl. 4: Mursuk bis zum Thal Falésseles, Juni bis August 1850. Mst. 1: 1.000.000. (Dieses letzte Blatt betrifft den nordöstlichen Theil des Tuäreg-Landes.) (Barth's Reisen in Afrika, Bd. I. Gotha, J. Perthes, 1857.) ") C. H. Dickson, Sketch of a route from Tripolito Ghadamis, 1849. Mst. 1: 2.000.000. (Journ. R. G. S. vol. 22, pp. 131 ff.) C. H. Dickson, Map showing the Caravan Routes between Tripoli and Ghadamis. Mst. 1: 1.800.000. (Journ. R. G. S. vol. 30, pp. 255 ff.) *) Map illustrating the Travels and researches of James Richardson in the Great Desert of Sahara. Mst. 1: 10.000.000. (Travels in the Great Desert of Sahara, London 1848.)

im Westen und Sella im Osten) – ist die Karte von Prax und Renou); auch die Übersichtskarte des Letzteren?) in dem Werk „Exploration scientifique de l'Algérie" verdient hier angeführt zu werden als eine der fleissigsten und gediegensten Zusammenstellungen von Routen, die es über diesen Theil Afrika's giebt. 6. Die Cartons: Gibraltar und die Maltesischen Inseln. – Gibraltar ist eine Reduktion unserer grösseren Karte *). Den bisherigen Karten der Maltesischen Inseln lag die ältere, im J. 1823 publicirte Aufnahme des Admiral Smyth *) zu Grunde, während neuere Aufnahmen unter Graves und Spratt, Wilkinson und Millard seit 1853 fortschritten, von denen freilich nur erst kleine Theile publicirt waren ”). Die schöne topographische Detail-Aufnahme von Worsley %) wurde im J. 1856 im Ordnance Office in 2 Blättern ausserordentlich sauber in Kupfer gestochen, da sie jedoch des Gradnetzes entbehren, so war es sehr mühsam und umständlich, sie mit den neuesten, erst partiell vorliegenden Küstenaufnahmen zu vereinigen; es gereichte uns jedoch zu nicht geringer Befriedigung, zu finden, dass unsere Darstellung mit der neuen trefflichen Karte, welche die Britische Admiralität eben erst (1. März 1864) ausgegeben hat!) und welche alle bisherigen nautischen und topographischen Aufnahmen vereinigt, sehr gut passt. Von dieser schönen Karte entnahmen wir auch die früher in allen Angaben über die Maltesischen Inseln vergeblich gesuchte Kulminationshöhe dieser Gruppe, welche sich im Nadur Tower auf Malta zu 800 Engl. Fuss (750 Par) herausstellt, während Castle Rabato auf Gozo 535 Par. Fuss als grösste Höhe dieser Insel hat. Ein Blick auf unser Kärtchen mit seinen ungewöhnlich dicht gedrängten Ortschaften erklärt es, dass diese Inseln bei einem Areal von noch nicht 7 Geogr. Quadrat-Meilen eine Total-Bevölkerung von

!) Prax et Renou, Carte de la Régence de Tripoli et des principales routes commerciales de l'intérieur de l'Afrique, d'après les observations de Mr. Prax, les renseignements recueillis par ce voyageur, et les études faites par Mr. Renou. Mst. 1: 2.000.000. Paris 1850. (Der grössere und interessantere Theil dieser Karte wurde auch im Bulletin de la Soc., Avril 1850, publicirt.) *) E. Renou, Carte d'une partie de l'Afrique Septentrionale. Mst. 1 : 10.000.000. *) Gibraltar im Mst. von 1:25.000. (A. Petermann, Vier Spezialkarten, Gotha, J. Perthes, 1862.) *) Capt. W. H. Smyth, Plan of the Maltese Islands (Engl. Admiralitäts-Karte). Mst. 1:94.000. London 1823. *) Engl. Admiralitäts-Karte Nr. 2249: The Island of Malta from Valetta to Marsa Scirocco. Mst. 1: 24.400. London 1854. Engl. Admiralitäts-Karte Nr. 2623: Comino Channels. Mst. 1:24.400. London 1858. *) Plan of the Islands of Malta and Gozo. Surveyed by Lieut. J. W. Worsley, R. E., in 1824 and drawn at the Royal Engineer's Office, La Valetta; engraved in 1856 at the Ordnance Map Office, Southampton, under the direction of Lieut. Col. James. Mst. 1: 31.680. ') Engl. Admiralitäts- Karte Nr. 194: Malta and Gozo Islands, surveyed by Mansell, Wilkinson, Drew, Stokes & Millard under the direction of Capt“ Graves and Spratt. Mst. 1: 62.000. London 1864.

141.220 Seelen, also die enorme Volksdichtigkeit von mehr als 20.000 Personen auf 1 Quadrat-Meile haben.

Bei diesen Bemerkungen über die hauptsächlichsten Quellen zu unserer Karte sei erwähnt, dass wir dieselbe, ausser an H. Duveyrier, an einige der hervorragendsten Französischen Geographen zur Revision übersandten, so an V.-A. Malte-Brun, Vivien de St.-Martin u. s. w.

3. Topographie des Mittelländischen Meeres.

1. Nomenklatur. – Wenn es auch eine Unmasse das Mittelländische Meer enthaltender Karten aller Art giebt, so findet man auf ihnen, Dank der fabrikmässigen Kartenproduktion im Allgemeinen, eine nur fragmentarische und unsystematische Nomenklatur selbst für die wichtigeren Bestandtheile dieses so reich gegliederten, so wichtigen und so lange bekannten Meeres. Man sieht sehr unrecht gewöhnlich nur ein Paar der um die Italienische Halbinsel gelagerten Meerestheile benannt, während doch die übrigen den Geographen und Seeleuten wie den Anwohnern eben so geläufige Namen tragen; auf keiner uns bekannten Karte vermochten wir mehr als 4 Namen für diese Westhälfte des Mittelmeeres aufzufinden, während die nothdürftigste Nomenklatur deren mindestens 10 aufweist. Wir haben nach sorgfältiger Prüfung der besten Autoren ) und in Übereinstimmung mit ihnen ein möglichst einfaches, die geläufigsten und bekanntesten Namen adoptirendes und mit den naturgemässen topographischen Grundzügen harmonirendes System in unserer Karte angenommen, nach welchem diese Westhälfte des Mittelmeeres in 5 Doppelbecken zerfällt: das Balearisch-Iberische, das Gallisch-Sardische, das Ligurisch-Tyrrhenische, das Adriatisch-Ionische und das Sicilische und Syrten-Becken. Das Iberische Meer reicht von der Strasse von Gibraltar im Westen bis zum Meridian der östlichsten BalearenInsel (also etwa 2° Östl. L. v. Paris) im Osten, von der Südostküste Spaniens und den Südküsten der Balearen im Norden bis zu den Küsten von Marokko, den Algerischen Provinzen Oran und Algier im Süden. Das Balearische Meer, zwischen den Balearen und der Nordostküste Spaniens. Das Gallische Meer, zwischen den Küsten Frankreichs, Corsica's, Nordwest-Sardinien, Menorca und dessen Parallel, 40° N. Br. Das Sardische Meer, zwischen dem 40. Parallel im Norden und der Küste der Algerischen Provinz Constantine

1) Die beste und präciseste Information über diesen Gegenstand in einem einzigen Werke ist zu finden in dem „Lehrbuch der Oceanographie zum Gebrauche der K. K. Marine-Akademie" von Dr. A. Jilek. Wien 1857.

im Süden, dem Meridian von Menorca im Westen und dem von Sardinien (etwa Cagliari, also 7“ Östl. L. v. Paris) im Osten. Das Ligurische Meer, zwischen Genua, Corsica, Elba u. s. w. Das Tyrrhenische Meer, zwischen Elba und Sicilien u. s. w. Das Adriatische Meer, getrennt durch die Strasse von Otranto von dem Ionischen Meer, im Süden bis zu dem Parallel der südlichsten Ionischen Inseln und dem der Maltesischen Inseln, 36° N. Br. Das Sicilische Meer, zwischen Sicilien, den Tunesischen Küsten und den Maltesischen Inseln, vom Parallel der Ägadischen Inseln (38° N. Br.) im Norden bis zu dem der noch zu Sicilien gehörigen Insel Lampedusa (35° N. Br.) im Süden. Das Syrten - Meer, südlich vom Sicilischen und Ionischen Meer, die Kleine und Grosse Syrte umfassend. 2. Topographie und Tiefenverhältnisse des Mittelländischen Seebodens. – Als vor sechs Jahren drei vollständige, aber erdichtete und falsche Schichtenkarten vom Mittelländischen Meere publicirt wurden, haben wir gegen ein für die Geographie so schädliches, in keiner Weise nutzbringendes Verfahren offen protestirt!), unser Protest war aber noch nicht laut genug, um die bösen Folgen solcher Art Karten zu verhüten, denn erst kürzlich fanden wir in H. Stahl's „Wasserwelt"?) die hauptstächlichste derselben mit ihrem falschen und ersonnenen Inhalt getreulich kopirt und reproducirt. Unsere bessere Kenntniss der Topographie und Tiefenverhältnisse des Mittelländischen Seebodens datirt erst aus der neuesten Zeit, hauptsächlich seit 1856, von welchem Jahre an Englische wissenschaftliche Seeoffiziere, wie Spratt, Mansell und Dayman, die grossen Sondirungen auf hoher See auszuführen begannen. Bis zu diesem Augenblick sind nur erst mehrere einzelne Linien so sondirt, denn es ist eine höchst mühsame und langwierige Operation und erfordert grosse Mittel; es wird daher auch noch viel Wasser zu Thale laufen, ehe wir so weit sind, um auch nur die roheste Schichtenkarte des Mittelmeeres zeichnen zu können. Die bis jetzt ausgeführten Tiefenmessungen zeichnen sich - jedoch in sofern sehr vortheilhaft vor den in grösseren Oceantheilen angestellten aus, dass sie viel verlässlicher sind als diese, weil ihre Richtigkeit durch Strömungen, Wind und Wetter wenig oder gar nicht beeinträchtigt und in allem Übrigen die grösste Sorgfalt angewandt wurde, um grösstmöglichste Sicherheit und Genauigkeit zu erreichen. Drei wenig bekannt gewordene Schriften ”) ent

*) „Geogr. Mitth." 1859, S. 86. *) Leipzig, bei 0. Spamer, 1864. 3) Spratt & Mansell, Deep Soundings in the Mediterranean Sea

halten ausführliche Berichte und Karten über diese Sondirungs-Expeditionen. Über die Tiefenlinie von 100 Engl. Faden hinaus lässt sich bis jetzt nichts Zusammenhängendes in Linien angeben, wir haben daher diese Linie, welche wenigstens alle seichteren Stellen gut abgrenzt, deutlich und übersichtlich verzeichnet und die übrigen einzelnen Tief-Lothungen mit Zahlen eingetragen, so dass unsere Karte die Quintessenz unserer gesammten Kenntniss des Mittelländischen Seebodens im Lichte der Gegenwart enthält. Wir haben uns im vorigen Jahrgang dieser Zeitschrift über die Configuration des Seebodens um Italien!) verbreitet und müssen uns bei dieser Gelegenheit darauf beschränken, nur die wichtigsten Daten zu berühren und die Maximal-Tiefen anzudeuten, für das Detail aber auf die Karte verweisen. Von den zehn im Vorgehenden mit Namen bezeichneten Theilen des westlichen Mittelmeeres sind das Adriatische Meer, das Sicilische und der westliche Theil des Syrten-Meeres am wenigsten tief, die grösste von ihnen erreichte Tiefe ist 722 Faden, alle übrigen Meere fallen bald zur Tiefe von 1000 Faden und darüber hinaus ab und erreichen stellenweis mehr als 2000 F. Das Iberische Meer hat durchschnittlich, d. h. in seinen meisten Theilen, 1000 bis 1500 F. und erreicht 10 Deutsche Meilen NNO. von der Stadt Algier 1585, welche Tiefe es konstant in derselben Richtung 10 Deutsche Meilen weit behauptet. Das Balearische Meer hat etwas weniger und erreicht 9 Deutsche Meilen nördlich von Menorca seine grösste Tiefe mit 1339 F. Von der Tiefe des Gallischen, Ligurischen und Tyrrhenischen Meeres wissen wir so gut wie gar Nichts, im letzteren fand man 15 Deutsche Meilen südöstlich von Cagliari 1025 F. Es wäre eine leichte Aufgabe für Französische Seeoffiziere, dem Beispiel ihrer Englischen Kameraden nachzueifern und wenigstens das „Gallische" Meer einmal ordentlich auszulothen. Im Sardischen Meere wurden 14 Deutsche Meilen nördlich von Bougie 1575 F. gelothet; die grösste Tiefe im Adriatischen Meere, nordöstlich von Bari, ist 565 F., im Sicilischen Meere, 7 Deutsche Meilen nördlich von der I. Linosa, 714 F., 4 Meilen nordöstlich des Afrikanischen Kaps Addar 722 Faden. Die neuesten Englischen Tiefenmessungen sind im Syrten-Meer, südlich von Malta, angestellt; aus ihnen ergiebt

East of Malta, in 1856 and 1857. Printed for the Hydrographic Office, Admiralty, July 1857. (Nicht im Buchhandel.) Mansell, Deep Soundings between Alexandria, Rhodes and Smyrna. 1857. (Nicht im Buchhandel.) Dayman, Deep Sea Soundings in the Bay of Biscay and Mediterranean Sea, 1859. London, Potter, 1860. !) „Geogr. Mitth." 1863, S. 233 ff.

sich die genaue Lage der 100-Faden-Linie, die als Grenze einer von der Kleinen Syrte 45 Deutsche Meilen weit nach Osten sich erstreckenden flachen Zunge auftritt, die seichteste Stelle in der ganzen Westhälfte des Mittelmeeres, und eine genaue Fortsetzung jenes mehr und mehr versandenden Depressions-Gebiets der Wüste Sahara, welche in der allgemeinen Richtung und Lage des 34. Parallels sich gegen 60 Deutsche Meilen weit ins Land erstreckt und dort im Schott Melghigh noch unter dem Seeniveau liegt. Eine ganz neue Entdeckung ist auch die nach dem Königl. Gross-Britannischen Vermessungsschiff „Medina" (welches in den neueren Aufnahmen des Mittelmeeres eine so wichtige Rolle spielt) benannte, 16 Deutsche Meilen südöstlich von Malta belegene Medina Bank mit nur 74 Faden; östlich von dieser Bank nimmt das Ionische und Syrten - Meer rasch an Tiefe zu und unter der Breite von 36° N. findet sich nach wiederholten Messungen in einer ausgedehnten Linie die Tiefe von 2150 Faden oder 12.900 Engl. Fuss, die grösste Tiefe, die man bis jetzt im Mittelmeer westlich vom Meridian von Otranto gefunden hat.

4. Grenzverhältnisse und Areal der Nord-Afrikanischen Staaten.

Die Grenzverhältnisse dieser Länder sind zwar fast durchweg ziemlich unsicherer Natur, und wo sie noch leidlich genau bestimmt werden können, sind es nicht Grenzen im Europäischen Sinne, fest markirt, mit Grenzsteinen und Schlagbäumen; wollte man sich jedoch aus diesen Gründen bestimmen lassen, die Grenzen nicht deutlich und scharf anzugeben, so würde man hier wie in den meisten ausser-Europäischen Gebieten den geographischen Begriff eines Landes ganz undefinirt lassen müssen, denn die meisten sind mehr oder weniger in ihren Grenzverhältnissen aus einem oder dem anderen Grunde unsicher. Trägt man aber in den verschiedenen Fällen den Gesammtverhältnissen gebührende Rücksicht, so wird man in richtigem Sinne verstehen, was solche Grenzen bezeichnen sollen und können. Wie verschieden daher auch die Grenzen sein mögen, wie wir sie gegen bisherige Karten z. B. für Marokko und Algerien angenommen haben, so ist mit ihnen ein bestimmter Begriff verbunden, den man zum richtigen Verständniss der Grenzen kennen muss, um so mehr, da er bei beiden Ländern nicht derselbe ist, sondern mit den jeweiligen Verhältnissen in genauer Beziehung steht: die Grenze von Marokko bezeichnet das Gebiet, welches weniger von dem Sultan des Landes als von den verschiedenen Stämmen der Marokkanischen Mohammedaner beherrscht wird, während bei Algerien das begrenzte Gebiet umgekehrt nicht sowohl von den eingebornen Stämmen als von dem Französischen Militär beherrscht wird; dort drückt

die Grenze also die geistliche Oberhoheit, hier die Militärgewalt, das Faustrecht des fremden Eroberers, aus. Die südlichste Grenze von Marokko reicht bis zum Ssakiet-el-Hamra, einem (natürlich nur periodischen) Nebenfluss des Wadi Draa; nach Bu-el-Moghdad's jüngster Beobachtung von 1861 bildet diese Thallinie die Grenze zwischen Tiris und den Marokkanischen Tributär- oder DependenzStaaten. Die Ostgrenze Marokko's ist für ihren nördlichen Theil im Tell und in den Steppen vertragsmässig mit Frankreich festgestellt, so dass die Ortschaften Isch und Figig noch zu Marokko gehören !); in der Sahara ist die Grenze am besten auf den Meridian des 3° W. L. v. P. zu legen, wie aus den bereits im Vorgehenden citirten Berichten Colomb's zu schliessen ist. Es werden auf diese Weise die Oasengruppen von Tuat vollständig von Marokko abgeschnitten, die aber auch aus keinem Grunde als zu Marokko gehörig angesehen werden können. Schon vom Atlas-Gebirge an sind die grössten Theile des Landes mehr oder weniger unabhängig vom Sultan und zahlen keinen Tribut, sondern erkennen den Sultan nur als geistliches Oberhaupt an, so das obere Wad Sus, Dschesula, Wad Nun, das grosse Gebiet des Wad Draa u. s. w. Wir können hier nicht ins Einzelne gehen und das Einzelne nach den Gewährsmännern ausführlich erörtern, sondern müssen auf die Karte verweisen, auf der wir diese Verhältnisse übersichtlich dargestellt haben. Nördlich vom Atlas ist das Gebiet der Saaëres zwischen den beiden Hauptstädten, Fes und Marokko, am meisten unabhängig und der direkte, durch dasselbe hindurch führende Weg kann noch heut zu Tage nicht einmal von den Karawanen des Sultans eingeschlagen werden, ohne angefallen und beraubt zu werden?). Die Grenzen Algeriens sind nach den offiziellen Französischen Karten und zum grossen Theil nach den brieflichen Angaben H. Duveyrier's eingezeichnet, nach denen die Französische Herrschaft gegenwärtig weit in die Wüste – bis dicht an Ghadames, über El Golêa und bis Gurara, also bis an die Tuäreg-Grenze – reicht*). Die südlichsten der eigentlichen Französischen Posten oder der von Französischen Soldaten besetzten Punkte liegen zwar weit im Norden von dieser Grenze, wie Géryville, El Aghuat,

!) Diesen Vertrag zwischen Frankreich und Marokko s. Renou, Description géogr. de l'empire de Maroc, p. 459 ff.

*) Brief von Gerhard Rohlfs aus Wessan in Marokko vom 24. April 1864.

*) „Algerien reicht gegenwärtig bis Gurara (Tuat), denn wenn auch die nördlich von diesen Oasengruppen liegenden Sanddünen unbewohnt sind, so werden dieselben nur von Algerischen Karawanen durchzogen. Zur Provinz Oran gehören: Metlili, El Goléa und Wargla; zur Provinz Algier: Tadschemut, Ain Madhi, Ghardaja, El Gerara; zur Provinz Constantine: Dsiua, Lekkas, El Aliya.'' (Auszug aus einem Brief H. Duveyrier's d. d. 26. Januar 1864.)

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