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Dritttheile der Häupter vernichtet, aber nie habe ich von ganz abnormen Regenzeiten und Zerstörungen durch Wassersnoth in der Provinz von Buenos Aires, Santa Fé und Entrerios reden hören, es sei denn ein ungewöhnlich hoher Stand des Rio Paraná, der indessen sein Wasser hauptsächlich aus Brasilien bezieht, wo heftige und anhaltende Regenzeiten gewöhnlich sind. Auch bei Mendoza und im ganzen Westen der Konföderation sind Wolkenbrüche und anhaltende Regenzeiten unbekannt, wohl aber kennt man sie in den nördlichen Gegenden und in der Mitte des Argentiner Tieflandes, bei Cordova, wo die Sierra gleichen Namens aus dem Blachfelde mit mehreren Ketten sich erhebt. Die Hauptstädte einiger dieser Provinzen liegen, wie Salta und Cordova, in engen Kesseln und kamen mehrmals in Gefahr, von den Wasserfluthen, die sich während solcher Regenzeiten bildeten, buchstäblich fortgerissen zu werden; erst künstliche Vorrichtungen haben beide Städte vor der Wiederholung einer ähnlichen Katastrophe gesichert. – Die Stadt Tucuman liegt günstiger, auf einer weiten Ebene, 40 bis 50 Fuss höher als der Fluss Tala, welcher im Westen Legua vom Orte fliesst, aber die weite Niederung, welche sich von ihm bis zur Stadt hin erstreckt und die wegen ihrer Fruchtbarkeit am besten angebaut ist, kann leicht, wenn der Fluss auch nur ein Paar Fuss steigt, von ihm überfluthet und ihres schönsten Schmuckes, der blühenden Kultur, beraubt werden und so geschah es zu Anfang des Jahres 1863 durch eine Wasserfluth, die an Grösse und Gewalt. Alles übertroffen hat, was von ähnlichen Ereignissen bisher in diesem Lande bekannt Leider fehlen darüber gute und sichere Beobachtungen wissenschaftlich gebildeter Persönlichkeiten; es liegen nur Zeitungsberichte vor, die viele Lücken übrig lassen und aus denen ich das Nachfolgende geschöpft habe. In einem dieser Berichte, welcher vom 26. Februar datirt ist, heisst es, dass der Regen 22 Tage hinter einander mit solcher Stärke und Heftigkeit gefallen sei, wie

geworden ist.

man ihn nie zuvor bei Tucuman kennen gelernt habe. Der grösste Theil dieses heftigen Niederschlags fiel auf die nördliche Hälfte der Provinz, östlich von der Sierra Aconquija, wo der Rio Tala zwischen deren nördlichen Ausläufern noch auf dem Gebiet der Nachbarprovinz Salta entspringt und von mehreren kleinen Bächen, die aus den benachbarten Sierren kommen, gespeist wird. Diese Bäche schwollen alsbald zu reissenden Strömen an und ergossen ihr Wasser mit solcher Gewalt in den Hauptfluss, dass derselbe über seine natürlichen, durchschnittlich 3 bis 4 Fuss hohen Ufer trat und die umliegenden Gegenden Meilen weit unter Wasser setzte. Die Überfluthung der dadurch in einen See verwandelten Niederung wuchs von Tage zu Tage und dehnte sich in Folge der beständigen

Zunahme des Wassers immer weiter nach Süden aus, so dass der Rio Hondo südlich von der Stadt eine Höhe erreichte, wie man bei ihm bisher noch nie gesehen hatte. Etwa 1 Legua nördlich von Tucuman befindet sich neben dem Fluss eine weite feuchte Niederung, welche von leichten Höhen umgeben ist, in denen zahlreiche Vizcachas hausen, daher man diese Gegend, eine der am besten angebauten der Provinz, das Vizcacheral nennt. In diese Niederung drangen die aufgethürmten Fluthen und verwandelten dieselbe mit solcher Schnelligkeit in einen See, dass die Bewohner kaum Zeit hatten zu flüchten, indem sie unmittelbar in ihren Häusern selbst vom Wasser überrascht wurden. Ungeheuere Sand- und Lehmmassen, welche die stürmischen Wogen mit sich fortwälzten, drangen in die schön kultivirten Zucker-, Reis-, Tabaks- und Kleefelder, sie alsbald mit ihrem Schlamm so vollständig bedeckend, dass die Eigner nur aus den höheren Bäumen errathen konnten, wo ihre Besitzungen sich befanden. Weder Zäune noch Häuser, alle leicht aus Strauchwerk mit Lehmbewurf gebaut, hielten Stand; im Nu waren sie fortgerissen und schwammen auf den schäumenden Wellen hinunter, gemischt mit allem möglichen Hausgeräth, das in ihnen sich befunden hatte. Manche der Einwohner, die sich auf das Dach ihres Rancho's gerettet hatten, weil ihnen keine andere Zuflucht übrig blieb, schwammen mit dem leichten Back davon und entkamen nur durch einen glücklichen Zufall, dass ein solcher Nachen hier oder da hängen blieb, dem drohenden Untergange; mehrere – man giebt ihre Zahl von dieser Gegend der Bevölkerung zu 10 an – ertranken, bevor sie gerettet werden konnten. Ausserdem wurde unter den nördlichen Distrikten besonders der von Buruyaco hart mitgenommen, wo die weite Niederung östlich vom Fluss dem Umsichgreifen der Überschwemmung nach allen Seiten hin kein Hinderniss in den Weg legt und die benachbarte Serrania vielfache Bäche zu seiner Vergrösserung entsendet, wie den Chorillo, der sich bei el Sauce eine Mündung in den Rio Sali (oder Tala) bildete. Der Bach von Cajon, welcher sein Wasser vom Westabhange der Serrania bezieht, schwoll so schnell an, dass er in kurzer Frist eine Fläche von 12 Leguas bedeckte und Sand und Felstrümmer über dieselbe ausschüttete. Viel Vieh, das auf den Niederungen weidete, ging dabei zu Grunde, denn an einigen der tiefsten Stellen lag der Sand und Schlamm nach dem Rücktritt des Wassers 2 Varne (über 5 Fuss) hoch und unter ihm die begrabenen Leichen der ersäuften Häupter. Auch der Bach, welcher in den kleinen Fluss Calera, einen Ast des Sali, fällt, hat die seit Jahrhunderten an seinen Ufern wohnende Bevölkerung verscheucht, trotzdem sie sich durch die hohe Lage ihrer Ansiedelungen Anfangs für sicher hielt; die Bewohner von Potrerillo

und Juncal wurden eben so gut wie die der Ebene aus ihren Sitzen verjagt, als das Thal unter Wasser gerieth. Am Wege, der von Cedro-racu nach Chorillo führt, haben ganze Felsblöcke sich vom Gebirge abgelöst, weil das Wasser mit solcher Gewalt in die Fugen des Gesteins drang, dass dasselbe seinen Halt verlor und herunterstürzte, wahrscheinlich weil das Erdreich unter den Blöcken weggespült worden ist, auf dem sie ruhten. Jetzt liegen sie im Wege, den sie dadurch unpassirbar machen, gleichwie sie ein Haus zertrümmerten, das ihnen entgegen stand, nebst einer Schafheerde, die dabei gelagert war. Dieselbe Erscheinung ist noch an einigen anderen Stellen des Gebirges vorgekommen. Die Stadt Tucuman selbst hat nicht gelitten, weil sie

ziemlich hoch, 40 Fuss über dem Fluss, auf einer weiten

Fläche liegt; aber die ganze Niederung unter ihr ist überfluthet und die darauf gegründete beste Hälfte ihrer Quinten und Plantagen vollständig vernichtet worden. Auch westlich von der Stadt, wo der kleine Bach des Manantial de Marloga fliesst, ist dieselbe Zerstörung erfolgt; die dort liegenden zahlreichen Lohgerbereien haben nicht bloss ihre Grundanlagen, sondern auch den grössten Theil ihrer bereits vollendeten Industrie verloren. Selbst das alte und feste Haus, in dem ich während meiner Anwesenheit daselbst wohnte, ist bald nach der Katastrophe in Folge der Durchweichung des Bodens zusammengestürzt. Aber am allerempfindlichsten ist die Ortschaft Leales, welche südöstlich von Tucuman am Rio Hondo liegt, vom Wasser mitgenommen worden. Hier hatte sich die ganze in den nördlicher gelegenen Gegenden gefallene Wassermasse mit solcher Gewalt zusammengehäuft, dass die sämmtlichen Häuser des Dorfes sammt der Kirche davon fortgespült wurden, nur drei etwas fester gebaute hielten den Stoss des anprallenden Stromes aus und blieben stehen. Das Ereigniss erfolgte den 25. Februar Abends zwischeh 7 und 8 Uhr und überraschte die Bevölkerung so schnell, dass Viele nicht Zeit hatten zu flüchten, sondern mit ihren Häusern fortgerissen wurden. Gegen 300 Personen waren binnen Stunde obdachlos und irrten auf den erhabensten Punkten der Niederung umher, nach den Ihrigen suchend und auf Schutz gegen die steigenden Wasser hoffend, welche sie von allen Seiten umgaben. Das Geschrei und Wehklagen der Weiber und Kinder wurde überboten von dem Gebrüll des zahlreichen Viehs, das im Wasser stand oder watete und nirgends einen Rückzug fand, nach dem es sehnsüchtig und laut brüllend ausschaute. Viele von diesen unglücklichen Thieren gingen zu Grunde und liegen mit Schlamm und Sand überschüttet auf dem Boden, der noch vor Kurzem reiche Saatfelder trug und mit den sorgfältigst gehaltenen Plantagen geziert

war. Das ganze Dorf mit allen seinen Einwohnern ist buchstäblich zu Grunde gerichtet worden, obgleich während der Katastrophe selbst nur ein Paar Menschen ums Leben kamen. Aber der Schmerz, die Verzweiflung, der Hunger und die Entbehrungen, welche sich demnächst einstellten, haben. Viele aufs Krankenlager geworfen, dem eine nicht unbedeutende Zahl endlich erlag. So lauten die Berichte über diese gewaltsame Katastrophe, sie sind schrecklich genug, um auch die Theilnahme fern wohnender Mitmenschen rege zu machen und zu verdienen. Aber für den wissenschaftlichen Forscher haben sie noch ein anderes Interesse, indem sie im Stande sind, ihm über Phänomene Aufschluss zu geben, welche vormals in entlegenen Zeiten auf ähnliche oder noch heftigere Weise eingetreten sein mögen. Mit Grund darf man annehmen, dass es solche von Zeit zu Zeit wiederholte heftige Wasserfluthen gewesen sind, welche den gigantischen Thiergestalten ihren Untergang bereiteten, deren Reste wir gegenwärtig so häufig im La Plata-Becken begraben finden und deren Gebeine von ähnlichen Fluthen mit fortgewälzt oder an Ört und Stelle, wo sie in ihnen starben, begraben worden sind. Es ist hier nicht der Ort, die verschiedenen Hypothesen zu prüfen, welche man über die Entstehung der grossen Pampas-Formation, derselben, in deren sandigen Mergel- oder Lehmschichten die genannten Reste sich finden, bereits aufgestellt hat; nach dem Einen ist sie der Niederschlag in einem Meerbusen, nach dem Anderen eine Dünenbildung und nach der gewöhnlichsten Annahme das Produkt eines grossen Flusses, der sich über das flache Vorland der Diluvial - Epoche ausbreitete. Aber alle drei Hypothesen erscheinen bei näherer Prüfung unhaltbar, schon die so enorme Ausdehnung über die ganze ebene Fläche des Argentinischen Tieflandes spricht dagegen. Darum habe ich mich immer zu der Ansicht, welche sich mir bei eigener Anschauung der Örtlichkeiten und Verhältnisse alsbald aufdrang, bekennen müssen, dass die Pampas-Formation ein Süsswasserprodukt sei, an dem nur in der Nähe der Meeresküste oceanische Einflüsse sich geltend machen konnten. Ich glaube, dass die auf den älteren und ältesten Erhebungen des Argentinischen Beckens sich niederschlagenden atmosphärischen Gewässer es gewesen sind, welche das Material der Pampas-Formation herbeischafften und absetzten, und dass damals wie jetzt von Zeit zu Zeit wiederkehrende überaus heftige Regengüsse es waren, die lokale, aber ziemlich weit ausgedehnte Überfluthungen des Tieflandes bewirkten, auf dem jene Riesenthiere der Vorzeit, das Mastodon, Megatherium, Mylodon, Toxodon und Glyptodon, lebten. Sehr zu bedauern ist, dass man über die wirkliche Höhe des bei Tucuman gefallenen Regens gar keine passenden Beobachtungen angestellt hat, ja nicht einmal Vermuthungen darüber mit einiger Sicherheit sich aussprechen lassen. 22 Tage soll es hinter einander geregnet haben, aber das kann eben so gut an 22 Tagen heissen, wie volle 22 Tage. rend meiner Anwesenheit in Tucuman allerdings mitunter einen ganzen Tag, aber die meisten Regen dauerten nur 1 bis 2 Stunden, daher kann ich nicht glauben, dass der Regen unausgesetzt während der 22 Tage gefallen sei; aber gesetzt auch, es habe an jedem der 22 Tage nur ein Paar Stunden geregnet und zwar heftig, so giebt das schon eine ansehnliche Wasserhöhe, da nach meinen Erfahrungen

Nach meinen Erfahrungen regnete es wäh

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durchschnittlich über 2 Linien Wassertiefe bei heftigen Regen daselbst zu fallen pflegt. Hätte es also auch nur 4 oder an manchen Tagen 6 Stunden in jener Zeit geregnet, so würde das schon eben so viele Zoll Regenhöhe ergeben, wie es Regentage gab, und damit allerdings eine enorme Quantität Wasser in der kurzen Zeit gefallen sein. Indessen will ich das Urtheil über die fragliche Quantität Wasser kundigeren Beurtheilern überlassen und mich damit begnügen, ihnen das Phänomen so vollständig, wie es mir nach den vorhandenen Hülfsmitteln möglich war, zur eigenen Prüfung vorgetragen zu haben.

Die Schwedische Expedition nach Spitzbergen, 1861.

V. Astronomische Ortsbestimmungen !).

Herr O. G. Lindhagen hat die von Herrn A. E. Nordenskjöld angestellten astronomischen Observationen zu einer genauen geographischen Ortsbestimmung in dem nördlichsten Theile der Inselgruppe Spitzbergens einer sorgfältigen Berechnung unterworfen und dieselbe ausführlich bekannt gemacht in den Verhandlungen der Königl. Akademie der Wissenschaften 1863 (47 SS. gr. 4“), aus welcher Abhandlung hier im Auszuge die Resultate mitgetheilt werden. Die bei den Observationen angewendeten Instrumente waren folgende: 1. ein sechszölliger Prismazirkel von Pistor; 2. ein Box-Chronometer, bezeichnet Nr. 3194, und zwei Taschen-Chronometer, bezeichnet Nr. 8872 und Nr. 8873, alle drei von Frodsham; 3. ein Quecksilber-Barometer, graduirt in Englische Zolle, und ein Aneroid-Barometer, graduirt in Millimeter; 4. mehrere Quecksilber-Horizonte und Thermometer. Von diesen Instrumenten verblieben das Box-Chronometer und das Quecksilber-Barometer während der ganzen Reise auf dem einen von den beiden Fahrzeugen der Expedition und dienten dem zuvor gefassten Plane gemäss nur als Normal-Instrumente, zu denen die Taschen-Chronometer und das Aneroid-Barometer bei passenden Gelegenheiten durch Vergleichungen referirt werden sollten. Auf den Bootsreisen, bei denen Herr Nordenskjöld die Mehrzahl seiner Beobachtungen anstellte, wurden daher nur die letzterwähnten transportableren Instrumente unmittelbar angewendet; bisweilen, wenn astronomische Observationen

*) Die früheren Abschnitte s. „Geogr. Mitth." 1863, SS. 24, 47, 212, 401 f.

in der Nähe des Ankerplatzes des grösseren Fahrzeuges angestellt wurden, wurde zur Berechnung der Refraktion das Quecksilber-Barometer abgelesen. Die Observationen wurden an den folgenden 29 Punkten angestellt. Die hier angewendeten Ortsnamen stimmen überein mit denen auf der von der Expedition entworfenen Karte, die dem nächstfolgenden Berichte beigegeben werden wird, doch ist den Schwedischen Benennungen stets eine Deutsche Übersetzung beigefügt. Die astronomisch bestimmten 29 Punkte sind auf dieser Karte mit kleinen rothen Kreuzen bezeichnet.

1. Aeoli kors (Äoli-Kreuz) an der Westseite der Treurenberg-Bai. Der Observationsort war eine grosse ebene Felsplatte zwischen dem Kreuze und dem Strande, am 7., 10., 13. (14.), 17., 21., 28. (29.) Juni – 6 Observationen. 2. Parry's flaggstäng (P.-'s Flaggenstange) an der Ostseite der Treurenberg-Bai, am 27. Juni. 3. Foster udde (F. Spitze) auf New Friesland am Strande, am 29. Juni. 4. Depot-ön (D.-Insel) in der Murchison Bucht, nördliche Spitze der Insel, am 5. Juli. 5. Hvalön (Walfisch - Insel) in der Murchison Bucht, nördliches Ufer, am 5. und 6. Juli. 6. Säludden (Seehundspitze) auf Stora Stenön (Grosse Stein-Insel) in der Murchison Bucht, südliche Spitze, am 7. Juli (2 Observationen). 7. Hvalross-udden (Walross- Spitze) in der Murchison Bucht, westliche Spitze, am 7. und 8. Juli (2 Observat.). 8. Kalkredden (Kalkrhede) im Nordostlande, dicht am Ufer, am 10. und 11. Juli (2 Observationen). 9. Hyperit-ön (H.-Insel), westliches Ufer, am 11. und 12. Juli (2 Observationen). 10. Foster ö (F. Insel), östlichste unter den Inseln am nördlichen Strande, am 12. und 13. Juli (2 Observ.). 11. Strand am Schwarzen Berge (Svarta berget) im Nordostlande, am 13. Juli (2 Observationen).

12. Wahlberg ö (W. Insel), nördlicher Strand, am 13. und 14. Juli (2 Observationen). 13. Lovén Berg, Strand in der Nähe des nördlichen Theiles des Berges, am 16. Juli (2 Observationen). 14. Shoal Point, Strand an der westlichsten Spitze von Shoal Point, am 20. Juli (2 Observationen). 15. Stelle am Strande zwischen der Bird- und Brandywine-Bay, am Fusse des Schneegipfels, am 22. und 23. Juli (2 Observationen). 16. Low Island, Mitte der Bucht am nördlichen Strande, am 24. Juli (1 Observation). 17. Nord-Kap auf dem Nordostlande, am Strande, etwa 1000 Ellen südwestlich von der nördlichsten Spitze, am 27. und 28. Juli (2 Observationen). 18. Castrén ö (C. Insel), nördlichste unter denselben, Mitte des westlichen Strandes, am 28. Juli (2 Observ.). 19. Parry ö (P. Insel), Mitte der schmalen Landzunge an der Südspitze der Insel, am 29. Juli (2 Observationen) und am 7. August (1 Observation). 20. Martens ö (Marten Insel), Mitte des südlichen Strandes und etwas westlich von dem Punkte, wo das Tiefland beginnt, am 3. und 4. August (2 Observationen). 21. Phippsö (Ph. Insel), südliches Ufer, etwas östlich von der südwestlichen Spitze, am 6. August (2 Observ.). 22. Extremhook, am Strande, etwa 1500 Ellen westlich von der nordwestlichen Spitze, am 8. und 9. August (2 Observationen). 23. Sabine ö (S. Insel), östlicher Strand der nörd

lichsten unter den Sabine's-Inseln, am 10. und 11. August

(2 Observationen). 24. Prinz Oskar Land, erster Ankerplatz am westlichen Strande, am 12. und 13. August (2 Observationen). 25. Ebendaselbst, Wendepunkt am östlichen Strande, am 14. und 15. August (2 Observationen). 26. Scoresby ö (Sc. Insel), Gipfel der niedrigen Berghöhe an der nördlichen Spitze der Insel, am 15. August (2 Observationen). 27. Bränvinsbay (Brandywine-Bay, Branntweins-Bai), Mitte des östlichen Strandes der Bucht, am 19. August (2 Observationen).

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Neue Karte von den Britischen Inseln und dem umliegenden Meere, V0n A. Petermann“).

Die Spezial-Topographie des Seebodens um Nordwest-Europa.

Hauptkarte im Maassstabe von 1:3.700.000.

Nebenkarten: 1. London und Umgebung, Mst. 1:150.000, 2. Helgoland und die Düne, Mst. 1: 150.000, 3. Helgoland, Mst. 1:50.000, 4. Ansicht des Felsens Rockall.

Der Plan und Entwurf der neuen Bearbeitungen für Stieler's Hand-Atlas geht unter Anderem von dem Bestreben aus, in der gebotenen Grösse und Ausdehnung des

*) In der 27. Lieferung der neuen Ausgabe von Stieler's HandAtlas, Gotha, Justus Perthes, 1864. (Auch einzeln zu haben, kolorirt

5 Sgr.)

Werkes eine möglichst grosse Reichhaltigkeit kartographischer Information zu erzielen und von dem Raume eines jeden Kartenblattes einen bestmöglichen Gebrauch zu machen, ohne gleichzeitig der Übersichtlichkeit und Deutlichkeit Abbruch zu thun. In Verfolgung dieses Bestrebens ist daher nicht bloss Alles vermieden worden, was zu nutzlosen Wiederholungen in den dargestellten Ländergebieten führen würde, sondern es sind auch die zu einer jeden Abtheilung derselben gehörigen Kartenblätter so eingerichtet, dass sie einander ergänzen und als streng zuSo enthalten z. B. die im vorigen Jahre publicirten neuen Bearbeitungen der 3 Karten von England, Schottland und Irland in einem Sinne zwar eine vollständige Darlegung der Britischen Inseln, im anderen aber sind sie in mehr als einer Beziehung unvollständig und unabgeschlossen ohne das jetzt vorliegende Übersichtsblatt. Wir konnten auf jenen 3 Blättern in Cartons Spezialkarten der Umgegend von Edinburgh, Dublin und den Killarney - See'n geben, der Raum gestattete uns aber nicht, London und Umgebung, obgleich wichtiger als diese drei Punkte, in ähnlicher Weise darzustellen. Die Metropolis des Gross- Britannischen Reiches, die grösste Stadt der Erde (deren Bevölkerung etwa doppelt so gross ist als diejenige von ganz Australien und Polynesien), der Mittelpunkt des Welthandels, – musste auf das vorliegende Übersichtsblatt der Abtheilung GrossBritannien verwiesen werden. Eben so konnten erst in diesem Blatt, bei völliger Auslassung des so dicht gedrängten Eisenbahn- und Wegenetzes, die natürlichen Grundzüge des Landes, Flussnetz und Terrain, in wünschenswerther Klarheit und Prominenz und im Anschluss daran die Topographie des umliegenden Meeres dargestellt werden. Die Ausdehnung des vorliegenden Blattes ist von den Shetland-Inseln und Christiania im Norden bis zu den Kanal-Inseln im Süden, vom Rockall-Felsen im Westen bis zur Kieler Bucht und Hamburg im Osten. Über die von uns für England, Schottland und Irland benutzten kartographischen Quellen haben wir uns bei Ausgabe der 3früheren Blätter verbreitet!). Wie schon bemerkt, ist für die innere Geographie der Britischen Inseln die Darstellung hauptsächlich des hydrographischen Systems nebst den Haupt- Kanälen und des Bodenreliefs mit den wichtigsten Höhenangaben das Ziel der Zeichnung gewesen; von Ortschaften sind meist nur die grösseren mit über 10.000 Einwohnern eingetragen und die Abgrenzung der Grafschaften ist selbstverständlich ganz weggelassen. Die Spezialpläne von London und Umgebung, von Helgoland und der Düne sind im Mst. von 1 : 150.000, demselben, der den Spezialplänen von Edinburgh und Umgegend (Bl. 15° des Atlas), von Dublin und Dublin - Bai (Bl. 15“), Sydney und Port Jackson (Bl. 50") so wie von Gibraltar (Bl. 10, der in Lieferung 28 zu publicirenden Karte vom Westlichen Mittelmeer) zu Grunde liegt. Der Plan von London erstreckt sich von Highgate im Norden bis Sydenham und dem Krystall-Palast im Süden, von Fulham und Wandsworth im Westen bis Greenwich im Osten. Er ist nach umfangreichem Material und den neuesten Aufnahmen

sammengehörig betrachtet sein wollen.

) S. „Geogr. Mitth." 1862, SS. 182, 307, 344.

(unter Anderem den zahlreichen Spezialplänen im Dispatch Atlas) mit allem in diesem Maassstabe möglichen Detail ausgeführt und weist ausser einer reichen Nomenklatur durch eine Legende 39 der wichtigsten und orientirendsten einzelnen Punkte dieser Riesenstadt nach. Die Eisenbahnen, welche allmählich das ganze Häusermeer wie mit einem dichten Netze überspinnen, sind durch Kolorit besonders hervorgehoben und nach zwei Klassen – überirdische und unterirdische – unterschieden. Die unterirdischen Eisenbahnen Londons gehören zu den grossartigsten und erfolgreichsten Unternehmungen der neuesten Zeit. Der Plan von Helgoland und der Düne ist nach der grossen Aufnahme von Commander F. A. Cudlip im J. 1855 und zeigt das höchst interessante Relief des Seebodens rings herum in äquidistanten Tiefenlinien von Faden zu Faden. Bei dem zweiten Plane von Helgoland in drei Mal grösserem Maassstabe (1:50.000) ist ausserdem die Aufnahme von T. Rodowicz (Berlin, S. Schropp & Co.) benutzt. Rockall oder Rokol, nach Raper in 57 36' N. Br. (also etwa in der von Inverness), 13° 41 " W. L. v. Gr., 50 Deutsche Meilen von den äussersten Hebriden entfernt, ist ein isolirter, von den Seewegen abseits liegender, daher von Schiffen nur selten berührter einzelner Felsen, die nur wenige Fuss über die Oberfläche des Meeres ragende Spitze eines unterseeischen, mit den Hebriden parallel laufenden Gebirgskammes. Man hat in Deutschland darüber gefaselt, diesen Felsen, dessen Umgebung einen zeitweiligen Fischreichthum aufweist, zu einem Centrum Deutscher Fischereien zu machen. Wenn wir aber bemerken, dass abgesehen von der Entlegenheit und dem gefährlichen, durch Klippen unterbrochenen Fahrwasser in seiner Nähe der Felsen nicht einmal von den Fischern der am nächsten gelegenen Küsten Schottlands und Irlands des Besuches und der Ausbeutung für werth erachtet wird, so liegt auf der Hand, dass er für die wenigstens fünf Mal entfernteren Küsten Deutschlands gar keinen Werth haben dürfte. Geographisch ist Rockall entschieden von Interesse und desshalb geben wir eine Abbildung nach einer neueren Englischen Zeichnung. Die vorliegende Karte beansprucht jedoch hauptsächlich deshalb Beachtung, weil in ihr zum ersten Male der Versuch gemacht worden ist, den Seeboden dieses Theiles des Meeres in spezieller und dabei übersichtlicher Weise zu veranschaulichen. Wenn der heutige Standpunkt der Kartographie zu verlangen berechtigt ist, dass in neuen Atlanten auch die Geographie des Meeres, der grossen Brücke des Völkerverkehres und des Welthandels, mehr Berücksichtigung finde als früher, so muss diess gerade auf den in unserer Karte enthaltenen Theil die erste und meiste

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