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striche am Glenelg sowohl wie jenes an ausgezeichneten Häfen überaus reichen, mit einem nach den bisherigen Erfahrungen vortrefflichen Klima gesegneten Küstenstriches überhaupt aus. „Diese Häfen allein", sagt Grey, „geben jenem Punkte eine hohe Bedeutung für Gross-Britannien, aber betrachtet man sie in Zusammenhang mit dem schönen Landstrich dahinter, so wird die Wichtigkeit noch sehr bedeutend erhöht." Das Klima nennt er eins der schönsten der Welt, Nutzholz und treffliches Weideland ist in Fülle vorhanden und für Baumwollenbau würde sich nach seiner Ansicht dort ein sehr günstiges und weites Feld eröffnen. Die Aussagen der Mitglieder von Brown's Expedition lauten denn auch viel versprechend. Sie fanden Grey's Beschreibung durchweg zutreffend, entdeckten ausserdem noch andere, von Grey nicht besuchte, fruchtbare Landstrecken von beträchtlicher Ausdehnung und sind überzeugt, dass sich dieser Küstenstrich in gleicher Weise für den Anbau tropischer Produkte wie für die Viehzucht eignet. Ferner haben sie die bis jetzt unbekannte Mündung des Glenelg, die Stokes bei seiner Aufnahme nicht finden konnte, entdeckt. Von der Doubtful-Bay ziehen sich, wie auf Grey's Karte punktirt angedeutet ist, zwei Meeresarme gegen Norden landeinwärts, umschliessen eine Insel und führen in ein grosses offenes Wasserbecken, das 20 Engl. Meilen lang, 8 Engl. Meilen breit, 3 bis 10 Faden tief ist und einen herrlichen Hafen abgiebt. Das Schiff gelangte in dieses „George Water" genannte Becken durch den westlichen Eingangsarm, der eine Tiefe bis zu 17 Faden hat, ungefähr 5 Engl. Meilen lang und durchschnittlich 1 Engl. Meile breit ist, aber bei Ebbe eine starke, an 2 bis 3 engeren Stellen noch erhöhte Strömung hat. An der Ostseite dieses George Water nun, in 15° 47' S. Br. und 124° 40' 50" Östl. L. v. Gr., wurde die eigentliche Mündung des Glenelg aufgefunden und das Schiff fuhr den Fluss bis zu den ersten von Grey beschriebenen Kaskaden hinauf. In die südlichere Collier-Bay sahen die Reisenden zwei früher unbekannte Flüsse sich ergiessen. Als den besten Hafen für das Land am Glenelg bezeichnen sie den Camden Harbor, der nordwestlich vom Fluss zwischen der Augustus-Insel und dem Festland liegt, und dort soll auch die erste Niederlassung gegründet werden. Schon im Februar 1864 wollten nämlich 30 Farmer aus den Ackerbau-Distrikten bei Talbot, namentlich aus der Gegend des Mount Beckwith in der Kolonie Victoria nach dem Glenelg aufbrechen. Sie bilden eine Gesellschaft mit einem Kapital von 1800 Pfd. St., für welches ein kleines Schiff gekauft und zum Transport der Familien und Provisionen so wie zur Unterhaltung des Verkehrs während der ersten Zeit benutzt werden soll; die Heerden dagegen wollten sie, wie es heisst, überland und zwar von den nördlichsten Stationen in Süd-Australien aus nach dem Glenelg treiben. Wir können indessen kaum glauben, dass ein so kühnes und abenteuerliches Wagstück im Ernst gedacht worden ist, denn von Mount Margaret, wo die nordwestlichsten Stationen in Süd-Australien sich befinden, bis zum Camden Harbor ist es genau eben so weit wie bis zum Van Diemen - Golf an der Nordküste, und während Stuart mit wenigen Pferden und Leuten erst beim dritten Versuche die letztere Küste erreichte, würde die grosse Karawane mit Tausenden von Schafen und anderen Thieren

ohne alle Kenntniss des Landes, der Wasserplätze u. s. w. die ungeheuere Strecke durchschneiden oder, wenn sie Stuart's Route nach Norden folgt und etwa vom RoperFluss auf Gregory's Route zum Victoria gelangt, doch von diesem aus immer noch eine breite, ganz unbekannte Region durchwandern müssen. Australische Buschleute wissen allerdings Unglaubliches möglich zu machen, aber die Heerdenbesitzer werden doch wohl den sicheren Wasserweg vorziehen. Das Land am Glenelg wird von der Regierung für 10 Schilling per Acre verkauft, ausserdem aber wird Weideland in Flächen von nicht über 100.000 Acres auf 4 Jahre umsonst, auf die folgenden 4 Jahre für 5 Schilling Pacht per 1000 Acres und auf abermals 4 Jahre für 10 Schilling Pacht per 1000 Acres abgelassen. Ackerland wird in kleineren Parzellen von nicht über 640 Acres auf 4 Jahre umsonst und auf die folgenden 8 Jahre für 1 Schilling per Acre abgegeben.

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Schon vor einigen Jahren (1862, S. 395) hat Herr G. Krefft, Kurator und Sekretär am Museum in Sydney, ein Verzeichniss der bei Sydney vorkommenden Schlangen in den „Geogr. Mitth." publicirt und wir machten damals darauf aufmerksam, welchen bedeutenden Zuwachs die Kenntniss der Reptilien-Fauna durch die Sammlungen Krefft's erhalten hat. Seitdem ist er nicht müde geworden, zur Erweiterung dieses Zweiges der Naturgeschichte thätig zu sein, und hat mit Hülfe mehrerer Freunde manche neue Species und manchen neuen Fundort entdeckt. Er las darüber im vorigen Herbst einige Abhandlungen in der Philosophical Society of New South Wales und schickte uns Auszüge davon, so dass wir im Stande sind, folgende Zusammenstellungen zu geben.

Schlangen in der Gegend von Sydney. – Zu dem erwähnten Verzeichniss ist zu bemerken, dass die unter dem Namen Diemansia cucullata aufgeführte Schlange von dem Genus Diemansia bedeutend differirt und Krefft deshalb das besondere Genus Petrodymon aufgestellt hat, welchem ausser dem P. cucullatum noch eine zweite, im Distrikt von Port Curtis aufgefundene Species angehört, und dass Haplocephalus nigrescens kürzlich auch am Clarence beobachtet wurde. Herr Krefft beabsichtigt, in Kurzem einen beschreibenden Katalog der Australischen Schlangen zu veröffentlichen.

Batrachter. – Bis Ende 1858 kannte man nach Dr. Günther's Katalog 26 Species von ganz Australien, von denen 17 nach Krefft's Beobachtung in der Nähe von Sydney vorkommen; seitdem sind durch Krefft und seine Freunde 5 neue Species (2 neue Genera) hinzugekommen, andere 5 neue, noch unbeschriebene Formen sind an Dr. Günther geschickt worden und 7 weitere noch in Krefft's Händen. Folgende 19 Species sind bis jetzt aus einem sehr beschränkten Gebiet des Landes bekannt, sie zeigen eine nähere Verwandtschaft zu den Süd-Amerikanischen als zu den Indischen Formen.

Genus Limnodynastes.

Limnodynastes dorsalis. Selten, bei Sydney, am Clarence, in Nordwest

und West-Australien, am unteren Murray. Limnodynastes Tasmaniensis. Gemein, bei Sydney, zu Richmond, am

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Hydrosaurus giganteus (Gigantic Lace Lizard), eine Varietät des vorigen.
Pygopus lepidopodus und eine andere, brillant gefärbte Species.
Lialis Burtoni und punctulata.
Hinnlia Australis und Whitei.
Mocoa Guichenotii und trilineata, beide von Ost nach West über ganz
Australien verbreitet.
Siaphos aqualis.
Trachydosaurus (Stump-tail) rugosus und asper, die erstere eine der
gewöhnlichsten Eidechsen auf den Sandebenen des Inneren, die
letztere häufiger in Süd-Australien bei Adelaide.
Cyclodus gigas (Sleeping Lizard), nicht gewöhnlich.
Tropidolepisma Kingii, verbreitet sich bis West-Australien.
Anilios Australis, fast überall in Australien gemein.
Diplodactylus vittatus, im ganzen südlichen Theil des Kontinents, und
D. ornatus, in grosser Zahl unter Baumrinden.
Phyllurus inermis und Miliusii, bei Mount Hope auf felsigem Boden.
Grammatophora reticulata, muricata, barbata und cristata, die ersteren
häufig, die letztere selten, dagegen bei Sydney als „Water Lizard"
wohl bekannt und auch in West-Australien, Victoria und Nord-
Australien beobachtet.

Schlangen. Acanthophis antarctica (DeathAdder), bei Lake Boga gesehen, nicht häufig. Morelia variegata (Carpet Snake), 8 bis 10 Fuss lang. Brachysoma diadema (Red-capped Snake), bei Mount Hope gesehen. Diemansia reticulata (Grey Snake oder Common Whip Snake), nicht häufig. Diemansia superciliosa (Brown Snake), selten. Hoplocephalus curtus (Tiger Snake oder Brown-banded Snake), zahlreich. Hoplocephalus signatus (Black-bellied Snake). Pseudechis porphyriacus (Black Snake). Vermicella annulata, soll am Murray vorkommen.

Schildkröten. Chelodina longicallis wird von den Eingebornen häufig im Murray und seinen Nebenflüssen gefangen, Fleisch und Eier sind ihnen Leckerbissen.

Batrachier.

Limnodynastes dorsalis, beim Lake Boga.
Heleioporus albopunctatus, von Sir George Grey erwähnt.
Hyla aurea, Peronii und Adelaidensis.
Pelodryas coeruleus (Bullfrog).

Fische im Murray und Darling. – Die Zahl der in diesen Flüssen vorkommenden und noch nicht beschriebenen Fische ist unzweifelhaft eine beträchtliche, denn die Eingebornen zählen mehr als 15, freilich meist kleine, der Beobachtung leicht entgehende Arten auf. Sir Thomas Mitchell erwähnt 3 Species, zwei von der Familie der Percidae und einen Silurus, Krefft erhielt durch die Eingebornen 8 andere Species, zu deren Aufbewahrung ihm leider das nöthige Material fehlte.

Die erste Eisenbahn auf Neu-Seeland.

Neu-Seeland, das „Britannien des Südens", ist eine der hoffnungsreichsten Kolonien; geographische Lage, Konfiguration, Klima, sonstige natürliche Bedingungen, eine thatkräftige Angelsächsische Bevölkerung, Alles vereinigt sich, die Inselgruppe, die an Flächeninhalt den Britischen Inseln in Europa nicht viel nachgiebt, zu raschem Aufblühen zu bringen, sie zu einer „Mutter civilisirter Völkergeschlechter" zu machen. Ein neuer wichtiger Abschnitt in ihrer Entwickelung ist der Bau der ersten Eisenbahn, welche ohne Zweifel berufen ist, das Anfangsglied eines weit verzweigten Netzes zu werden. Wie in neuester Zeit die südliche Insel mit ihren Goldlagern in Otago und Nelson, mit ihren herrlichen Weiden und fruchtbaren Äckern die nördliche Insel, die gegenwärtig durch die langwierigen

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Kämpfe mit den Eingebornen empfindlich leidet, weit überflügelt hat, so ist es jene Insel auch, welche die erste Eisenbahn trägt, und zwar leuchtet auch hierin wieder die Provinz Canterbury voran, die zur geographischen und naturhistorischen Erforschung der Insel bisher am meisten beigetragen hat und in ihrer Hauptstadt eine wissenschaftliche Gesellschaft zur Förderung und Erweiterung jener Forschungen besitzt. Am 1. Dezember 1863 wurde die von Christchurch bis Heathcote reichende erste Strecke der Eisenbahn, welche die Hauptstadt Christchurch mit der Hafenstadt Lyttelton verbinden soll, feierlich und unter grossem Jubel der Bevölkerung eröffnet. Zur Vollendung des Ganzen wird noch längere Zeit erforderlich sein, da ein gewaltiger Tunnel, der Anfang Februar 1864 mit 1300 Yards oder 3900 Engl. Fuss erst die Hälfte seiner Länge erreicht hatte, den Berggürtel im Rücken von Lyttelton durchbohren muss.

Wissenschaftliche Expedition nach Mexiko.

Durch einen Erlass vom 27. Februar d. J. hat Napoleon III. eine Kommission aus Staatsmännern, Gelehrten und Künstlern ernannt, die sich mit der Organisation einer umfassenden wissenschaftlichen Erforschung Mexiko's beschäftigen soll. Nach dem auf diesen Gegenstand bezüglichen, im „Moniteur univ." vom 29. Febr. veröffentlichten Bericht des Unterrichts-Ministers Duruy ist es auf nichts Geringeres abgesehen als auf ein Gegenstück zur Erforschung Ägyptens unter Napoleon I., er macht darauf aufmerksam, welche reichen Früchte für die Wissenschaften wie für die Entwickelung Ägyptens der glückliche Gedanke des General Bonaparte, seiner Invasions-Armee ein GelehrtenCorps anzureihen, getragen habe, und stellt Ähnliches bei dem neuen Unternehmen in Aussicht. „Ew. Majestät hat gewünscht, dass was am Ufer des Nil durch den geschehen ist, der Napoleon I. werden sollte, sich in Mexiko unter den Auspicien Napoleon's III. vollziehe. Die vor 60 Jahren erlangten Resultate sind die Garantie für die der neuen Expedition vorbehaltenen."

Man mag über die Französische Eroberung Mexikos denken, wie man will, dieses wissenschaftliche Projekt ist jedenfalls ein schönes und wohl geeignet, das odium der Gewaltthat zu mildern. Mexiko bietet sicherlich ein nicht minder günstiges Feld für die verschiedenartigsten Studien wie Ägypten und das Programm, welches die Französische Regierung im Auge hat, scheint ein sehr umfangreiches zu sein. Das Feld der Forschung soll sich nach Duruy's Bericht vom Rio grande del Norte und Rio Colorado bis zum Golf von Darien erstrecken, ausser Mexiko also auch die Centro-Amerikanischen Staaten umfassen und die Untersuchung eine möglichst vielseitige sein.

Zunächst würde sie sich auf die Topographie richten, denn trotz der schönen Arbeiten Alexander v. Humboldt's und Anderer sind bekanntlich die Karten jener Länder noch sehr mangelhaft. „In den südlichen und westlichen Provinzen von Mexiko" – sagt der Minister – „ist der Lauf der grössten Flüsse noch in sehr unsicherer Weise eingezeichnet und man braucht sich nicht weit von den belebten Strassen zu entfernen, um unerwartete Entdeckungen zu machen. Unfern Perote, auf der grossen Strasse

von Vera Cruz nach Mexiko, zeigten die Karten vor 4 oder 5 Jahren eine Lagune an einer Stelle, wo de Saussure Hügel gefunden hat. Im Norden umschliessen die Gegenden der Sierra Madre und Sierra Verde, im Süden Guatemala, Honduras und Darien weite Räume, die eben so unbekannt sind als das Innere von Afrika. Im J. 1855 entdeckte de Saussure einige Lieues von Perote eine ganze Stadt, die vor ihm Niemand gekannt hatte. Ein Amerikanischer Reisender, der vom Meer direkt nach Mexiko auf einer Route ging, welche er sich selbst vorschrieb, stiess auf 18 bis 20 ansehnliche Monumente, die ganz in Vergessenheit gerathen waren. Gleiche Überraschungen bewahren die Einöden Mexiko's für unsere Gelehrten." Auch das Projekt des Inter-Oceanischen Kanals könnte vielleicht durch sie gefördert werden. Die geologischen Forschungen würden das bisher Geleistete zu ergänzen und zu einem Gesammtbild zu vereinigen haben, das Studium der vulkanischen Erscheinungen, die Paläontologie und die Organisation eines wissenschaftlichen Bergbaues würden den Geologen der Expedition vollauf zu thun geben. Meteorologie, Botanik und Zoologie können auch jetzt noch in Mexiko eine reiche Ernte erwarten, eben so die Anthropologie, vergleichende Philologie und Geschichte. Die Ruinen von Palenque bergen vielleicht noch Geheimnisse ähnlich denen, welche die Ägyptische Expedition am Ufer des Nil fand und Champollion in Folge dessen durchdrang. Die Kommission ist angewiesen, für diese verschiedenen Branchen Instruktionen auszuarbeiten, und später wird sie die Publikation der Resultate zu überwachen haben. Sie besteht aus dem Minister Duruy, dem Baron Gros, früherem Gesandten in Mexiko, Michel Chevalier, Vice-Admiral Jurien de la Gravière, Boussingault, Combes, Decaisne, Faye, de Longpérier, Maury, Milne - Edwards, de Quatrefages, Ch. Sainte-Claire-Deville, de Tessan, Baron Larrey, Angrand, ehemaligem General-Konsul in Guatemala, Oberst Ribourt, Kabinets-Chef des Kriegs-Ministers, Architekt Viollet-Le-Duc, Architekt César Daly, Astronom Marié-Davy, Vivien de Saint-Martin, Abbé Brasseur de Bourbourg, Aubin, Bellaguet, Abtheilungs-Chef im Unterrichts-Ministerium, A. Duruy als Sekretär. An geistigen Kräften hat die Kommission, wie man sieht, Überfluss und bei der jetzigen Machtstellung Frankreichs in Mexiko wird die projektirte Expedition leicht Schwierigkeiten überwinden, an welchen frühere gescheitert sind; um ein glänzendes Resultat zu erzielen, gilt es fast nur, eine glückliche Wahl in den Personen der Auszusendenden zu treffen und die vom Minister Duruy zur Deckung der Kosten geforderte Summe von 200.000 Francs (etwa 53.000 Thaler) bedeutend zu erhöhen, denn trotz freier Überfahrten und anderer Vergünstigungen dürfte diese Summe doch bei weitem nicht hinreichen, ein so umfassendes Programm durchzuführen.

Aufforderung an Sprachforscher und Reisende.

Der berühmte Sprachforscher Prof. Europaeus in Helsingfors, Finnland, hat einem Schriftchen über den „Urstamm der Indo-Europäischen Sprachfamilie und seine vorIndo-Europäischen Abzweigungen, namentlich die FinnischUngarische", Zahlwörter - Tabellen beigegeben, um deren Vervollständigung er dringend bittet. Wir folgen gern seiner Aufforderung, diese Bitte auch durch unsere Zeitschrift zu verbreiten. „Insbesondere", sagt Prof. Europaeus, „ersuche ich die Sprachkenner, mir aus den Sprachen der Alten und Australischen Welt alle mir noch nicht oder unzulänglich bekannten Zahlwörter und möglichenfalls zugleich die lautgesetzlichen Urformen derselben zuzusenden. Vor allen Dingen möchte ich die Afrikanischen Zahlwörter möglichst vollständig besitzen, weil diese mir schon bis jetzt, so weit ich sie kenne, ungemein wichtige, aus der grauesten Urzeit treu aufbewahrte Formen dargeboten haben und einige derselben nur noch der letzten Ergänzungs- und Vermittelungsformen harren. Sogar die alt-Ägyptischen, mit Hieroglyphen geschriebenen Zahlwörter kenne ich nur zum Theil und zwar die von Lepsius, Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Berlin 1 56, S. 194, angegebenenftu, afte 4, sas 6, sazf 7 und sesennu, sesen 8, aus welchen jedoch auch say, se 2 und sennu, auch semnu 10 hervorgehen. Gütige Sendungen, welche ich von meinen Gönnern je eher desto lieber erhalten möchte, können mir per Adr.: in Helsingfors, Finnland, zur Hand kommen."

Neue Karten in Stieler's Hand-Atlas ).

Wir haben zwar einige dieser Kartenblätter bereits im vorigen Jahrgang der „Geogr. Mitth." angezeigt?), allein es möchte manchen unserer Leser lieb sein, zu erfahren, was seit jenem ersten Erscheinen derselben, also durchschnittlich binnen Jahresfrist, nachgetragen wurde und in ihrer jetzigen Ausgabe neu ist. In den Blättern von Italien ist vor Allem das sich so rasch ausbreitende Eisenbahnnetz vervollständigt worden; ausser grossen in Bau begriffenen Strecken konnten folgende in der jüngsten Zeit fertig gewordene und jetzt in Betrieb stehende Linien eingetragen werden: von Novara nördlich nach Gozzano, von Bergamo nach Lecco, von Cremona nach Soresina, von Livorno südlich über Cecina und Vincenzo bis Follonica, mit zwei Zweigbahnen nach dem Inneren des Landes, die grosse wichtige Linie von Ancona südöstlich der Küste entlang bis Foggia, welche für den Verkehr nach dem Orient von der grössten Bedeutung ist und noch mehr sein wird, wenn die jetzt im Bau begriffene Strecke von Foggia bis Brindisi vollendet ist, der südliche Theil der Linie von Rom nach Ancona, von Salerno nach Eboli, von Palermo nach Bagheria.

!) Ein Heft von 11 kolorirten Karten in Kupferstich, unter dem Titel ,,Neue Bearbeitungen aus dem Jahre 1863" und enthaltend folgende Blätter: Nr. 5": Der nördliche Sternenhimmel. 5": Der südliche Sternenhimmel. 21: Nordwestliches Deutschland, Niederlande und Belgien. 33: Italien. : Ober- und Mittel-Italien. : Süd-Italien. : Mittel- und Nord-Afrika (westlicher Theil). : Mittel- und Nord-Afrika (östlicher Theil) und Arabien. 45°: Süd-Afrika mit Madagaskar. 50": West-Australien, Tasmania und Neu-Seeland. 50": Australien. Gotha, Justus Perthes, 1864. Preis 1 Thlr. *) Nr. 33 s. S. 233, Nr. 34“ s. S. 103, Nr. 34" s. S. 191, Nr. 50. s. S. 27 ff., Nr. 50" s. S. 153 ff.

Manche Berichtigungen in den Eisenbahnen und in anderer Beziehung verdanken wir der Güte des Herrn Professor Dr. v. Hochstetter, der auf einer Reise nach Rom und Neapel im vorigen Herbst diese Karten an Ort und Stelle zu bereichern und zu vervollkommnen bemüht war. Er theilte uns unter Anderem auch die dort eingezogene Nachricht mit, dass die Austrocknung des Fuciner See's keineswegs vollendet ist, wie wir diess aus einem Bericht in der Leipziger Illustrirten Zeitung geschlossen hatten, sondern dass vielmehr der See im Herbst 1863 etwa noch % bis % seines Wassers hatte.

In administrativer Beziehung sind nach den neuesten Bestimmungen die Namen folgender Provinzen verändert worden:

Abruzzo citeriore verändert in Chieti,
Abruzzo ulteriore I. „ ,, Teramo,
Abruzzo ulteriore II. ,, ,, Aquila,
Basilicata » . ,, Potenza,
Calabria citeriore % y ,, Cosenza,
Calabria ulteriore I. ,, „ Reggio Calabria,
Calabria nlteriore II. ,, ,, Catanzaro,
Capitanata y» „ Foggia.
Molise »? ,, Campobasso,
Principato citeriore »» ,, Salerno,
Principato ulteriore oy ,, Avellino,
Terra di Bari » ,, Bari,
Terra di Lavoro 37 ,, Caserta,
Terra d'Otranto 7? ,, Lecce,
Umbria y» ,, Perugia.

In den Karten von Australien konnte zunächst eine allgemeine Revision derselben benutzt werden, welche B. A. Heywood, M. A., Trinity College Cambridge (Autor des werthvollen Werkes: A vacation tour at the antipodes through Victoria, Tasmania, New South Wales, Queensland and New Zealand, in 1861 und 1862; s. „Geogr. Mittheilungen" 1863, S. 239) die Güte hatte uns mitzutheilen und welche besonders ganz neu erstandene oder in der neuesten Zeit wichtig gewordene Orte unseren Karten zugeführt hat.

Verschiedene wichtige Gau-Namen sind eingetragen worden: so für den Westen von Neu-Süd-Wales der Name Riverine District (das Fluvial-Gebiet, welches in der neuesten Zeit für die Lostrennung von Neu-Süd-Wales agitirt, um eine eigene Kolonie zu bilden); Princeland, das Grenzgebiet zwischen Victoria und Süd-Australien; No man's Land, der südwestliche Theil von Süd - Australien. In WestAustralien sind zwei grosse Gebiete als Weideländer unter den Namen: Nördlicher Distrikt, Östlicher Distrikt nach den auf unseren Karten angegebenen Grenzen abgetheilt worden.

Das wichtigste Ergebniss für die Geographie Australiens ist jedoch die Eintragung der Route Lefroy's und Robinson's in West-Australien 1863, einer der bedeutendsten bisher ausgeführten Expeditionen in der Westhälfte des Australischen Kontinentes, welche nicht bloss 130 nautische Meilen über die Dempster'sche Expedition hinaus weiter ins Innere sich erstreckte, sondern auch durch ihre genaueren Beobachtungen das Mittel abgab, nach dem die Dempstersche Route wesentlich berichtigt werden konnte!).

!) Der Titel des sehr ausführlichen und werthvollen Berichtes der Lefroy'schen Expedition, deren Resultat in unseren Karten eingetragen wurde, ist: Memoir and Journal of an Expedition organized by the Colonial Government of Western Australia, at the request and with

In der Karte von Neu-Seeland sind Missions-Stationen, die fertigen und im Bau begriffenen Eisenbahnen in der Provinz Canterbury und die Resultate neuester Aufnahmen eingetragen worden, wie sie in der höchst werthvollen offiziellen, im J. 1863 in Christchurch erschienenen Spezialkarte von J. S. Browning ) im Maassstabe 1: 630.000 enthalten sind.

In den Karten von Afrika finden sich die neuesten Entdeckungen von Speke und Grant im oberen Nil-Gebiet, von Heuglin und Steudner in den Djur-Ländern, von Beurmann und Duveyrier in der Sahara, von Serval am Gabun und Ogowai, von Livingstone in Südost-Afrika u. A. eingetragen, wie auch Inner-Afrika nach unserer 10-Blatt-Karte neu eingezeichnet.

Geographische Literatur, Vorbericht.

Die Expedition, welche im Oktober 1863 unter de Saulcy's Leitung nach Palästina ging, um im Auftrag der Französischen Regierung an verschiedenen Punkten des Landes archäologische und topographische Untersuchungen auszuführen, ist mit reicher Beute zurückgekommen. Mitglieder waren ausser dem genannten Chef der Archäolog und Künstler Salzmann, der Architekt Mauss, der Stabskapitän Gélis, dem die topographischen Aufnahmen zufielen, der Abbé Michon, speziell mit dem Studium der christlichen Monumente beauftragt, und Dr. Gaillardot. Über Jaffa erreichte die Expedition am 29. Oktober Jerusalem, sie besuchte darauf Hebron und Herodium, ging bei Jericho über den Jordan und gelangte über Arak-el-Emir, dessen Alterthümern drei Tage gewidmet wurden, auf die Hochebene des Ammoniter-Landes. Hier wurden abermals drei Tage auf die zahlreichen, wohl erhaltenen Baudenkmäler von Ammán, dem alten Rabbath-Ammon und Philadelphia, verwendet, ehe die Reisenden nach Hesbon, der alten

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Wir berichteten im vorigen Jahrgang, dass P. v. Tchihatchef im Juni sich abermals nach dem Orient begeben habe, um die geologischen Verhältnisse des Bosporus im Interesse des geologischen Theiles seines Werkes über Klein-Asien zu studiren. Nach seiner Rückkehr im Oktober theilte er uns nun mit, dass die Ergebnisse der Reise in jeder Hinsicht seine Erwartungen übertroffen hätten und zu wichtig wären, um bloss als ein Ergänzungsmaterial für das Klein-Asiatische Werk betrachtet zu werden. Er habe deshalb die Absicht, diese Resultate in einer besonderen, noch vor der Herausgabe seiner Anatolischen Geologica zu erscheinenden Schrift bekannt zu machen unter dem Titel „Tableau geologique du Bosphore de Thrace et de la contrée limitrophe". Die Schrift wird nicht nur den Bosporus umfassen, sondern auch beträchtliche Stücke Thraciens und Bithyniens, nämlich von ersterem die ganze Gegend bis zum See Derkos und von letzterem die Strecke bis Kartal und Karaburun. Die zugehörige geologische Karte beabsichtigt v. Tchihatchef in dem grossen Maassstab von 1: 100.000 zu geben. G. Radde schreibt uns aus Tiflis vom 14. März, dass er die erste Lieferung von Band III seiner „Reisen im Süden von Ost-Sibirien", deren zweiter, ornithologischer Band vor Kurzem im Druck erschienen ist, an die Geogr. Gesellschaft in St. Petersburg zur Publikation abgeschickt habe. „Sie behandelt die Reise im östlichen Sajan. Ich habe zwei Profile nach meinen barometrischen Messungen gezeichnet, wovon das eine vom Nordufer des Kossogol die Richtung NNO. zum mittleren Bjellaja - Laufe nimmt und Munku-Sardik, Nukudaban, Irkut- und Oka - Quellen und das Butogol-Gebirge in sich schliesst, während das andere in der Längenachse des östlichen Sajan vom Okinskischen Karaul nach Ost bis zum Baikal-See geht. Ich gebe ausserdem die vollständige Hydrographie des oberen Irkut, eine Aufnahme des Munku-Sardik nach Krishin, die ich aber rektificiren muss, und Alles, was ich über den Kossogol in Erfahrung gebracht habe." Zu Anfang des vorigen Jahres hat sich in Lahore ein Zweigverein der Asiatischen Gesellschaft von Bengalen gebildet, aus höheren Regierungs-Beamten und Gelehrten bestehend, welcher sich die Aufgabe stellt, das Pendjab und die angrenzenden Länder mit Rücksicht auf Geschichte, Alterthümer, Ethnographie, Klimatologie, Fauna, Flora, Künste, Industrie u. s. w. gründlich zu erforschen. Zunächst sollen alle hierauf bezüglichen, in Büchern, Journalen, offiziellen Berichten u. s. w. zerstreuten Nachrichten gesammelt werden, eine Arbeit, der sich für die Ethnologie Regierungs-Sekretär Davies und R. N. Cust, für die Künste der Präsident der Gesellschaft Lieut.-Colonel Maclagan, für die Flora Dr. Cleghorn, für das Klima Dr. Neil, für Numismatik Capt. Stubbs, für Archäologie und Geschichte der Sekretär Dr. T. H. Thornton, Kurator des Museums zu Lahore, unterzogen haben. Nach Vollendung dieser Vorarbeiten sollen von Zeit zu Zeit Verzeichnisse von Desiderata an die Lokal-Beamten und andere für den Gegenstand sich interessirende Männer ausgegeben werden und die von der Gesellschaft gelieferten oder angeregten wichtigeren Abhandlungen soll das Journal of the Asiatic Society of Bengal aufnehmen. G. Lejean, der Französische Konsul in Massaua, dessen

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