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bezeichnet, wird nicht selten auch für eine isolirte Kuppe in der Bedeutung von Berg gebraucht. Es folgen dann in der Reihe nach ONO. die Gipfel Batu Lesson, ein namenloser, Batu Brattan, Parang bulia und Gunung Tapsai (Tapsahi in der Bali'schen Schrift). In der nördlichen Wand unterscheidet man nach Osten insbesondere den Silang djana. Den 29. erreichten wir Nachmittags Tabean, einen bedeutenden Strandort, gegen den 1846 der Hauptstoss der Holländischen Macht gerichtet war und der damals gründlich verwüstet wurde. Bereits wartete der junge Fürst mit seinem Gefolge am Strande und empfing Herrn Waanders. Ein kurzer Ritt brachte uns nach Singaradja, 2 Palen (etwa 800 Ruthen) landeinwärts nach Süden gelegen, dem Hauptorte des Reiches Buliling und dem Wohnsitze des Herrn Waanders. Es liegt 180 Fuss über dem Meere. Besteigung des Bator-Gebirges. – Unser Entschluss war, das berühmte Bator-Gebirge zu besuchen und es näher kennen zu lernen. Deshalb sandte denn auch Herr Waanders sogleich ein Schreiben an den Fürsten von Bangli, in dessen Reich das Centrum dieses Gebirges gelegen ist, um ihm von unserem Vorhaben Kenntniss zu geben und sich seine freundliche Mitwirkung für unseren Zug zu erbitten. Den 4. September brachen wir auf und begaben uns nach dem 7 bis 8 Palen östlicher, am Meer gelegenen Kubuk lod!), wo uns der Zollpächter, ein Chinese aus Banjuwangi, freundlich aufnahm und bestens bewirthete. Nach einer durch grimmige Kämpfe mit den Ratten gestörten Nachtruhe schickten wir am anderen Morgen unser Gepäck unter Eskorte von Herrn Waanders' Polizeidienern voraus und machten uns selbst gegen 8 Uhr auf den Weg, begleitet von unseren Bedienten, einem jungen Chinesischen Schreiber unseres Gastwirthes, dem Dolmetscher des Herrn Waanders, einem hübschen Mann aus der Bramanenkaste, Ida Anam genannt. Ida heisst jeder Mann, der dieser Kaste angehört, während der Priester von Beruf Pédanda genannt wird. Erst ritten wir nach Süden und Osten durch die reich bebaute Ebene und erreichten das Hügelland, das wir aufwärts nach Südosten, dann nach Süden verfolgten. Die häufigsten Kulturpflanzen der Ebene sind Reis, Mais, Baumwolle, Indigo und Bohnen-Arten. Das Hügelland besteht aus Strömen von Trachyt-Lava, die von verhärtetem vulkanischen Schutte, Lapilli, Sand und Asche, überdeckt sind. Die meisten dieser Hügel sind kahl, nur in den Vertiefungen findet sich Wald, dort aber die unverwüstliche, unabtreibbare Imperata mit Andropogon-Arten. – Wir waren in der Mitte der trockenen Jahreszeit und lange hatte es nicht mehr geregnet, darum schrecklicher Staub und schreckliche Hitze auf diesen offenen Anhöhen. Rechts zogen ähnliche flache Rücken herunter, an deren oberen Einsenkungen das berühmte Djagaraga lag, wo 1848 die Holländer geschlagen wurden und ihren Rückzug bei ähnlicher Hitze antreten mussten, vom Durste eben so sehr gequält als vom Feinde. Das Gras um uns her war entweder bereits vom Feuer verzehrt oder so verdorrt, dass seine gelben Halme und Blätter die Augen rasch ermüdeten. Wie wohlthuend war es, hie und da in einer Vertiefung

1) Die Bali'sche Sprache kennt mehrere cerebrale Laute des Sanskrit und so ist hier das finale d ein cerebraler Laut.

Grün und Schatten zu finden! Es giebt gewisse Pflanzen, die auch bei der grössten Hitze und Trockenheit freudig grün bleiben, während die Mehrzahl sich entblättert und gleichsam Winterruhe hält. Solche unverwüstliche immergrüne Gewächse sind z. B. die meisten Capparideen, die Stadmannia sideroxylon, die Azadirachta indica, viele Euphorbiaceen (Briedelia, Glochidion, Emblica u. s. w.), die prächtige Spathodea gigantea, schlingende Mimosen, Bauhinia und Pfeffer-Arten, die Orchideen dagegen schienen bis auf eine Vanda ganz verschwunden und die Farne, darunter das prächtige Platycerium, waren eingerollt und wie abgestorben. Noch freundlicher lächelte uns das Dorf Bila entgegen mit Wasserleitungen, grünen Reisfeldern und Palmbäume. Schon zeigte sich der Rubus fraxinifolius, den ich noch nie so tief (6- bis 700 Fuss) gesehen. Zwanzig Minuten nach 9 Uhr langten wir in dem grossen Dorfe Tamblang an (895 Rhein. Fuss über dem Meere), wir hielten unter dem schönen Feigenbaume des Dorfplatzes und frühstückten. Hier mussten die Träger gewechselt werden und die alten machten sich schnell genug aus dem Staube, neue aber waren nur langsam und in ungenügender Anzahl aufzutreiben trotz des Befehles des Distrikts- oder Kreishäuptlings. Die politischen und socialen Verhältnisse Bali's sind gar sonderbar gestaltet und verwickelt. Kreise als administrative Bestandtheile des Landes bestehen eigentlich nicht, sondern eine Anzahl bedeutsamer Männer, sei es durch Geburt oder Stand, haben ihre Angehörigen, die weithin verbreitet sind. Es können in einem Dorfe Angehörige mehrerer dieser Häuptlinge (pembükkel) beisammen wohnen und das Dorf steht als solches dann unter dem Haupte, das die meisten Angehörigen darin zählt, die Anderen aber kehren sich an seine Befehle nicht. Das ist indessen noch nicht Alles. Einige sind durch Kaste von allen Frohndiensten frei, Andere durch festgesetzte Dienstleistungen bei dem Haupte selbst oder weil sie festgesetzte Abgaben bezahlen, und es bleibt nun eine niedrige Klasse, auf welche gewisse Frohndienste zurückfallen. So war es hier mit dem Fortschaffen unseres Gepäckes. Die Nichtdienstpflichtigen umstanden uns und lachten gar behaglich über unseren Unmuth, die Dienstpflichtigen stellten sich krank oder hatten sich verborgen. Endlich schickten wir die wenigen, die zusammengetrieben waren, mit den Betten und Getränken voraus, brachen selbst, des Wartens müde, auf und liessen den Ida Anam und die Polizeidiener als Unterhändler und Vollzieher der Gesetze zurück. Nicht weit oberhalb Tamblang durchzogen wir zum ersten Mal eine tiefe, beiderseits sehr steile Rinne, während wir bis dahin fast unbemerkt von einem Rücken auf den anderen gelangt waren. Es ist die einzige Stelle bis zur Bergeshöhe, die in der Regenzeit besondere Vorsicht erheischen dürfte, um zu Pferde sitzend hinüber zu kommen. Es zeigte sich bald darauf der Weiler Tangkid und etwas höher um 12 Uhr das Dorf Klampoak (der Name einer Jambosa-Art, wie Klampok im Javanischen). Es ist diess das letzte Dorf auf dem Grundgebiete von Buliling, 1569 Fuss über dem Meere. Höher hinauf beginnt der Charakter der Gegend sich merklich zu ändern, die Gebirgsrücken werden steiler und schmäler, die Klüfte dazwischen tiefer und zusammenhängende Waldungen stellen sich ein. Wo sie gelichtet sind, da findet man oft Erythrina-Gebüsche oder -Wald angelegt, um das Terrain zu beschatten und zugleich durch die Blätter dieser rasch aufschiessenden Bäume düngen zu lassen. Die Lichtungen sind auch bis hoch hinauf mit Imperata und Andropogon bewachsen, in denen wohl auch Unterholz sich Bahn bricht, vorzüglich die schön blühenden Melastoma. In 2500 Fuss Höhe zeigte sich die Elsholtzia elata Z. M., bei 3000 Fuss der Homalanthus giganteus Z. M., bei 3500 Fuss der Rubus Horsfieldii Miq. und die Euphorbia javanica Jungh., – Pflanzen, die alle auch auf den östlichen Gebirgen Java's vorkommen, allein merkwürdiger Weise nicht so tief wie hier. Die Euphorbia z. B. sieht man dort kaum unter 6000 Fuss. Am meisten freute mich eine neue Art aus einem Nepalischen Compositeen-Geschlecht, die ich Gerbera Waandersiana genannt habe. Sie fand sich nur zwischen 2800 und 3500 Fuss. Hie und da stand eine einzelne Hütte, wo durchziehende Wanderer einzukehren pflegen und Kaffee, Reis und Früchte, vermuthlich auch Opium kaufen können. Das erste Dorf im Reiche Bangli war Latäng, über 4000 Fuss hoch gelegen. Es hat seinen Namen von der Urtica grandidentata Miq., die so heftig brennt wie keine Europäische Nessel. Sie bildet Hecken um die Dörfer und wohl die besten, die ich kenne, gegen halbnackte Menschen. Reichlich wächst auf ihr eine Flachsseide (Cuscuta macrantha Don.), welche die Balier recht sinnreich Bon-tan-pöwit, d. h. Schlingpflanze ohne Ursprung, nennen, da sie ihre Parasiten-Natur herausgefunden haben. Um 3 Uhr langten wir in dem Dorfe (Dessa) Da-Ussa an (vom Namen der Gendarussa vulgaris; Herr Waanders schreibt Dahussa). Es liegt auf einem schmalen Bergrücken 4266 Fuss hoch und tief nebenan in einer Kluft holen die Menschen ihr Wasser. Ist die Aussicht nicht verhüllt, so muss sie nach Norden über das Meer hin prachtvoll sein; leider zogen Wolken heran und Abends fiel selbst Nebelregen. Wir hielten hier Nachtruhe und zogen beim Dorfhaupte ein, das uns freundlich empfing und in seinem offenen, aber durch Vorhänge wohnlich gemachten Vorhause einlogirte. Vorhänge finden sich auf Bali überall vor, wenn auch das Lager nur aus platt gedrückten Bambu bestehen sollte. Es sind grosse, bunte, vorzüglich gelbe und rothe Baumwollentücher, die gar oft Darstellungen aus der Mythologie zeigen. Aufgehängt werden sie an Schnüren und als Ringe dienen die Chinesischen Münzen mit ihrem viereckigen Loch in der Mitte, deren 200 Stück auf einen Gulden gehen und die an eine Schnur gereiht werden. Unterkommen hatten wir nun gefunden, Speisen bereitete man uns auch, Reis, Hühner, Eier mit Gemüse und Spanischem Pfeffer, die Getränke hatten wir bei uns; allein wo blieb die Hauptmasse des Gepäckes, wo die Küchenbatterie und mit ihr die Lampe, die Gabeln und Löffel, die Teller und Gläser? Alles wurde in grossen und kleinen Becken aufgetragen. Die grösseren dienten als Schüssel und Teller zugleich, die kleineren als Löffel, die fünf Finger vertraten die Gabel oder auch ein Stück zerbrochener Bambu, das wir wie eine Feuerzange bogen. Wir waren munter und zufrieden und genossen einer guten Nachtruhe, obschon uns Hähne und grunzende Schweine im Hause des Gastherrn frühe weckten. Die Nacht war nicht kalt, denn das Thermometer sank nur bis

zu 14,8° C., wahrscheinlich wegen der Wolken, die uns einhüllten. Das Gepäck war auch am Morgen des 6. noch immer zurück. Wir bestellten die neuen Kuli, und da wir wussten, dass sie hier ohne Säumniss gewährt würden, warteten wir nicht, sondern sassen bereits um 7 Uhr zu Pferde. Abermals blieben wir in den Wolken und sie netzten uns mit leichtem Regen, insbesondere als wir durch den Hohlweg am Dörfchen Batang vorbeiritten. Endlich in 4500 Fuss Höhe hörten wir die ersten Casuarinen rauschen. Am Wege wuchsen die herrlichen Echinosperma, schöner noch als unsere Vergissmeinnicht. Der Boden wurde nun entblösster und obenauf zeigte sich je länger je deutlicher eine tiefe gelbliche Aschenlage, hie und da mit Bruchstücken von Obsidian und Bimsstein. Um 9 Uhr gelangten wir in einen Hohlweg ünd jenseit ging es abwärts über glatte Trachyt-Blöcke, – wir hatten den Kamm des äusseren Ringes vom Bator - Gebirge passirt und befanden uns in seinem Kessel. Um 10 Uhr machten wir Halt beim Dessa „Kotta dalam". Eigentlich heisst Kotta „Stadt" und dalam „tief". Der Eingeborne will damit wohl sagen, dass es eine Stätte ist, von der man in die Tiefe schaut. Es liegt 5271 Fuss hoch und vier Wege kreuzen sich hier nach SO., SW., NW. und NO., die ersteren drei den Kämmen des Gebirges folgend. Hier muss der Reisende bei hellem Wetter einer wundervollen, erhabenen Aussicht geniessen, denn es zeigt sich mit einem Mal vor seinen Augen der ungeheuere Kessel mit seinen Abhängen, Wäldern, Weiden, steilen Felswänden, gegenüber der nackte dunkle Bator mit seinen dampfenden oder rauchenden Kratern und der liebliche tief-blaue See, der jenseit den Fuss des Feuerberges umfasst. In der Nähe liegt links der Gipfel Sukawana mit seinem Tempel, drüben der steile Doppelgipfel des Teluk Biu und darüber hinaus der riesige Kegel des Gunung Agung. Das Alles war leider vor uns verhüllt, nur von Zeit zu Zeit sahen wir ein Stück vom Bator oder eines der Enden des See's oder einen Theil des Aussenringes. Nach einem kalten Frühstück reisten wir ein Viertel vor 11 Uhr weiter auf einem guten, fast ebenen Wege, der am inneren Abhange des Ringgebirges hinführt, links und rechts stets Grasfluren und unter uns feines Gerölle und Asche. Mit einem Mal sahen wir einen Trupp Reiter und Fussgänger auf uns zukommen. Es war der Bruder des Fürsten von Bangli, der ihn gesandt, Herrn Waanders zu bewillkommen und für seine Bewirthung zu sorgen. Die Aufmerksamkeit war um so dankenswerther, als der Abgesandte, ein jüngerer Mann, sehr Holländisch gesinnt ist, etwas Malaiisch spricht und einige Wissbegierde zeigt. Er nennt sich Dewa Hokka. Dewa ist der Name der Männer, die der zweiten Kaste angehören, und die Fürsten von Bali sind bald der einen, bald der anderen Kaste entsprossen, wie denn jene von Klongkong und Gianjar derselben Kaste angehören, die übrigen aber Gusti genannt werden und der dritten Kaste entstammen. Unser neuer Führer brachte uns nach dem Dorfe Kinta mani, das auf einem der Rücken der obersten Staffel im Inneren des Kessels 4572 Fuss hoch gelegen ist. Von dort zogen wir Mittags nach kurzem Halte weiter und bewegten uns abermals unweit des Kammes wie im Kreise nach Osten, bis wir eine Stelle erreichten, wo derselbe sich verflacht und wohl auf der südlichen Seite die geringste Höhe besitzt. Nun zog ein schmaler Pfad links hinunter, dem wir folgten und der bald mehr, bald weniger steil war, doch unangenehm nur da, wo die tiefe, äusserst feine, hier graue Asche unter den Füssen der Pferde wegglitt. Der letzte Theil des Abhanges war der längste, steilste und unangenehmste, gerade der vielen Asche wegen, die wir zu schlucken bekamen. Wir waren froh, als wir den Boden

des Kessels, festen Sandgrund, unter den Füssen hatten, der übrigens denselben hohlen Schall von sich gab wie der Sandsee im Tengger-Gebirge. Wir ritten noch eine kurze Strecke nach Osten, links die letzten Ausläufer der Lava-Ströme, rechts Felder und dann die hohen Felswände des Kessels, und hielten um 2 Uhr Mittags unseren Einzug in dem Dorfe Bator, dem Hauptziele unserer Reise und dem Mittelpunkte unserer Ausflüge.

Geographische Notizen.

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Jenisseisk und fuhr etwa 2000 Werst stromabwärts bis zu der Insel Bruchowsky (72“ N. Br.), wo es am 4. Juli ankam. Es hatte zwei grosse, hauptsächlich mit Getreide und Salz beladene Barken im Schlepptau und legte an 15 verschiedenen Punkten an, um diese Waaren abzugeben. Bei der Insel Bruchowsky, wo ein Etablissement für den Fischfang besteht, blieb die eine der beiden Barken, welche Salz, Fässer und anderes Fischerei-Geräth sowie 25 Fischer an Bord hatte, zurück, während die andere mit dem Dampfer schon 48 Stunden nach der Ankunft die Rückfahrt antrat, an den Mündungen der Flüsse Kureka und Tunguska 3500 Pud Graphit einnahm und am 28. Juli in Jenisseisk anlangte. Der Dampfer konnte gegen die starke Strömung bei der grossen Last, die er remorquirte, nur 6 Werst in der Stunde zurücklegen. Bereits am 10. August ging er mit einer neuen Waarenladung zum zweiten Mal stromabwärts und man hofft, dass er während des Sommers drei Fahrten wird ausführen können.

Dr. G. Schweinfurth's Afrikanische Reise.

Aus dem in den „Geogr. Mittheil." (1863, S. 349) abgedruckten Aufruf an Botaniker ist bekannt, dass Dr. Schweinfurth eine botanischen Zwecken gewidmete Reise nach den Nil-Ländern angetreten hat. Jener Aufruf ist wider Erwarten von geringem Erfolg gewesen. Man sieht daraus, wie verwaist das Studium der Afrikanischen Flora seit dem Tode Richard's, Steudel's, Hochstetter's u. s. w. ist, und Dr. Schweinfurth's Unternehmen erscheint um so dankenswerther. Er ist Mitte Dezember abgereist und trat in der zweiten Hälfte des Januar einen Ausflug zum Sues-Kanal und durch das Delta an, besonders um interessanten Wassergewächsen nachzuspüren. Nachdem er Sues, die Moses-Quellen, Ismailia, Port Said, Sane (Tanis) und Zagazig besucht hatte, kehrte er Mitte Februar nach Kairo zurück, brach aber dann alsbald nach dem Rothen Meere auf, und zwar wollte er sich direkt durch die Wüste, deren Thäler er genauer in Augenschein zu nehmen gedachte, nach Kosseir wenden. Er würde Unter-Ägypten schon früher verlassen haben, wenn nicht die Vegetation durch den ausserordentlich strengen Winter noch so bedeutend im Rückstand gewesen wäre.

Mitte Februar schrieb uns Dr. Schweinfurth hierüber: „Die strenge Kälte, welche gegenwärtig nach den Berichten in Italien und Deutschland herrscht, scheint sich auch auf Ägypten auszudehnen. Folgende Facta kann ich Ihnen mittheilen. Während meiner Reise auf dem Isthmus fror ich am 23. Januar im Boot auf dem Süsswasserkanal trotz einer wollenen und einer Pelzdecke ganz erbärmlich. In derselben Nacht hat es überall in Ägypten stark gefroren. An den meisten Stellen sind die Saubohnen erfroren, vor Allem aber, wie zu erwarten war, die Bananen. Die Gärtner in Schubra beobachteten –3° R. In Assuan brachte man den Reisenden Major v. Prinz und Graf Hahn Eis, das sich auf der Barke in einem Wasserkruge gebildet hatte. Bei Benisuef fand der Reisende Dr. Löbbeke den Nil eines Morgens mit einer dünnen Eiskruste bedeckt; auch bei Bulak und Kairo hat man Eis gehabt. In Cantara, einem Französischen Campement auf dem Isthmus, will man –4“ R. beobachtet haben und in Ismailia fand man eines Morgens einen Malteser in seiner Barke erfroren. Seit dem 16. Jahrhundert scheint ein solcher Winter in Ägypten nicht vorgekommen zu sein. Damals hat es nach den Berichten eines Arabischen Geschichtschreibers ebenfalls Eis auf dem Nil gegeben !). Die Temperatur ist auch den Tag über andauernd sehr niedrig und die Witterung fortwährend regnerisch, wie in Nord-Deutschland im April. Die Strassen von Kairo sind tief aufgeweicht, alle Mauern voll Feuchtigkeit. Heute am 18. Februar haben wir um die Mittagszeit bloss 11“ und alle zehn Minuten heftige Regenschauer." Über seine ferneren Reisepläne gab er uns bei Antritt der Reise einige speziellere Andeutungen. Das erste grössere Arbeitsfeld sollten die Küstengebirge des Rothen Meeres nördlich und südlich von Kosseir abgeben, denen von einigen Seekarten eine bedeutende Höhe bis zu 10.000 Fuss zugeschrieben wird. „Finden sich Quellen, so werden die Gebirge à tout prix bestiegen, die Höhe mit Kochapparaten gemessen und einige Winkel nach anderen Gipfeln genommen. Hierauf beschränken sich meine Messungen, dagegen soll die Pflanzenwelt in allen Rissen und Spalten, Tümpfeln, Pfützen und Cisternen aufs Genaueste untersucht werden. Selbst negative Resultate werden mich befriedigen, wenn ich nur Gewissheit erlange, denn vorläufig kann ich noch nicht an einen so grellen Kontrast dieser Berge gegen den Sinai glauben, der nicht nur Quellen und periodische Rinnsale, sondern, wie Lepsius belehrte, sogar Wiesen und Teiche darbietet. Lepsius gerieth bei seinem Besuch dieser gänzlich unbewohnten Wüstengebirge wegen Unzuverlässigkeit seines Führers in eine durch Wassermangel gefährliche Lage, dieser Zug wurde aber in der trostlosesten Jahreszeit ausgeführt. Ob ich als Neuling schon in diesem Jahre bis zum Djebel Elba werde vordringen können, erscheint sehr unsicher, wahrscheinlich gehe ich für die Sommerszeit auf den Sinai, wo man selbst im Juni noch Vegetation antrifft. „Im Spätsommer würde ich dann meine Reise von Kairo nach dem Sudan antreten. Ich wünsche zumal aus Gesundheitsrücksichten eine sogenannte Winterreise durch Sennaar zu machen, namentlich einer räthselhaften Pflanze wegen, die alsdann blühen wird. Alle Reisenden sprechen

!) Nach den Beobachtungen von Coutelle und Nouet während der 3 Jahre 1799 bis 1801 und den 5jährigen Beobachtungen von Destouches, 1835 bis 1839, sank die Temperatur zu Kairo in den genannten Jahren nicht unter +4,4° C. oder 3,5° R. A. P

von dieser Pflanze, dem Sidr, sie liefert den Eingebornen das gefürchtetste Pfeilgift, eine Art Kautschuk, und ist von Trémaux irrthümlicher Weise als Euphorbia mammillaris abgebildet worden. Die Blüthen und Früchte sind unbekannt, daher ist es auch ihre Stellung im System. Sehr freue ich mich auf die Ausbeutung der Bajuda-Steppe. In Neu-Dongola werde ich wohl für längere Zeit mein Standquartier aufschlagen.

„Ich bin mit allem Nöthigen gut versorgt, namentlich besitze ich sämmtliche Karten, die je über die zu bereisenden Länder erschienen sind, an 200 Blätter, auch die noch unveröffentlichten von Lepsius. Viel verspreche ich mir von meinen Bergtouren, denn ich bin ein passionirter Kletterer, dem keine Wand zu steil und kein Grat zu schmal ist. Wenn ich im Stande sein sollte, Ihnen passende Aufsätze zu liefern, so muss ich vor allen Dingen um nachsichtige Beurtheilung meiner Leistungen bitten. Weit weniger als die Natur der Hindernisse ist die Unzulänglichkeit der zu ihrer Bekämpfung angewendeten Mittel und vielleicht auch die Unerfahrenheit derer, die es versuchten, daran Schuld, dass der Afrika-Reisende so selten reussirt.”

Lieut. Mage’s Reise vom Senegal zum Niger.

Der um die Geographie von Afrika hoch verdiente General Faidherbe, Gouverneur des Senegal, bezeichnete in seiner Schrift über die Zukunft der Sahara und des Sudan als nächstes Ziel der Französischen Unternehmungen vom Senegal aus die Anknüpfung eines geordneten Verkehrs mit dem oberen Niger. Sein Adjutant, Marine-Lieutenant Mage, durch mehrere Reisen und Aufnahmen in Senegambien bekannt, thut gegenwärtig die ersten Schritte zur Erreichung dieses Ziels, indem er eine Expedition nach dem Niger angetreten hat. In Begleitung des MarineArztes Quintin ist er am 10. Dezember 1863 zu Bafulabe an der Konfluenz der beiden Arme des oberen Senegal, Bafing und Bakhoy, angekommen und wollte nach einigem Aufenthalt in Ualiha unfern Bafulabe am 26. Dezember nach Bangassi, dem Hauptorte von Fuladugu, aufbrechen, wobei er dem Bafing, von dem Bangassi nicht weit entfernt sein soll, zu folgen gedachte. Eine erste geographische Frucht dieser Reise ist die Aufnahme der bisher nicht erforschten Strecke des Senegal zwischen Medine und Bafulabe, besonders zwischen ersterem Orte und den schönen Katarakten von Guina, auf welcher Strecke nicht weniger als ein Dutzend die Schifffahrt unterbrechender Katarakten gefunden wurden. Das Land von Guina bis Bafulabe ist jetzt vollständig verödet. Von El-Hadj Omar, dem Franzosen-Feind und Eroberer von Bambara und Massina, hatte Mage noch keine sichere Kunde erhalten; der Häuptling von Banganura, der versprochen hatte, die Reisenden zu führen, wagte nicht, sein Versprechen zu halten; der Häuptling Diadié vom Dorfe Makadugu, das sich an beiden Ufern des Bakhoy hinzieht, hatte Leute zur Begrüssung geschickt, eben so die Häuptlinge Tiécoro von Ualiha und Diango von Kundian, die beide von El-Hadj Omar eingesetzt sind. Diango übernahm es, die Expedition bis Fuladugu zu schützen. Die anderen jetzt im Gange befindlichen West-Afrikanischen Expeditionen haben noch nicht viel ausgerichtet. Capitaine Brossard de Corbigny schrieb am 6. Dezbr. 1863 von Porto Novo aus, er habe seine Flussaufnahmen im Golf von Guinea noch nicht beginnen können, da er mehrere Monate zwischen Sierra Leone und den Bissagos den Französischen Handel habe schützen müssen und seit 8 Monaten mit den Angelegenheiten des Französischen Protektorats über Porto-Novo, wo im Februar 1863 die Französische Flagge aufgepflanzt wurde, verbunden sei.

Jules Gérard, der von Sierra Leone aus nach dem oberen Niger vordringen wollte, ist in Dahomey gewesen und dann nach Sierra Leone gereist, wird aber wahrscheinlich nach dem Senegal gehen, um von da aus General Faidherbe's Projekte ausführen zu helfen.

Capt. Burton ist von einer Exkursion auf dem Congo plötzlich zurückgerufen worden, um in diplomatischen Angelegenheiten nach Dahomey zu gehen, auch datirt er seine neueste Philippika gegen Cooley (Athenaeum, 19. März 1864) aus „Agborne, Hauptstadt von Dahome", 28. Januar 1864.

Du Chaillu wartet noch an der Mündung des Fernand Was auf das Ende der Regenzeit (Mai), bevor er sich ins Innere des Landes begiebt.

Die Niger-Mündungen von den Portugiesen entdeckt.

W. Winwood Reade schreibt in seinem „Savage Africa": „Es ist wohl bekannt, dass die Jesuiten die Quellen des Blauen Nil entdeckt und beschrieben haben, ehe Bruce geboren war; aber die meisten meiner Leser werden mit Überraschung erfahren, dass die Portugiesischen Kolonisten den Niger im 16. Jahrhundert von der Mündung aus befuhren. Ich fand zufällig in Villault de Bellefond die Stelle: „„Wir gingen den Niger bis Benin hinauf", und weitere Einzelheiten in Des Marchais, welche beweisen, dass die Bucht von Benin nach dem Zeugniss der Eingebornen den excentrischen Fluss aufnahm. Aber es wurde auf diese Zeugnisse so wenig Gewicht gelegt, dass, als Reichard zuerst seine Theorie verbreitete, sie einstimmig verlacht wurde, bis genauere Nachforschungen ihre Wahrscheinlichkeit und Lander's Reise ihre Wahrheit bewiesen hatte."

Ukert citirt in seiner „Erdbeschreibung von Afrika" (1825) das Monthly Magazine von 1820, Nr. 67, p. 303, wo ein Engländer bemerkt, er besitze einen unter der Regierung der Königin Elisabeth (also in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts) publicirten Atlas, in welchem der Niger als durch mehrere Mündungen in den Grund der grossen Südwest-Bai Afrika's sich ergiessend dargestellt werde. Ukert selbst spricht sich, wie 8 Jahre früher C. Ritter im 1. Bande seiner Erdkunde zwar anerkennend, aber noch zweifelhaft über die Reichard'sche, noch mit manchen Unrichtigkeiten vermengte Hypothese aus, während Robertson (Notes on Africa, London 1821) den Aschantis Recht gab, wenn sie den Niger in den Golf von Benin fallen liessen, und auch M"Queen (Geogr. and commercial view of Northern Central Africa, Edinburgh 1821) das Delta im Golf von Benin bestimmt für das des Niger erklärte, aber ohne Reichard nur zu erwähnen, der seine Ansicht bereits 19 Jahre früher in v. Zach's Monatlicher Korrespondenz (Mai 1802) ausgesprochen und in der Ab

handlung „Über den angekündigten, nun bald erscheinenden Atlas des ganzen Erdkreises" (Allgem. geogr. Ephemeriden, Bd. XII, 1803, SS. 157–167) mit guten Gründen unterstützt hatte.

Das Verbreitungsgebiet des Gorilla.

Der Englische Reisende Reade bemühte sich 1862 an den Flüssen Muni, Gabun und Fernand Vas, von eingebornen Jägern genaue Erkundigungen über das Vorkommen des Gorilla einzuziehen, und er kam zu folgenden Ergebnissen:

„In Bapuku nördlich vom Muni ist der Gorilla den Küstenbewohnern nicht bekannt. Der nördlichste Punkt, wo ich von seinem Vorkommen hörte, war an den Ufern eines kleinen Flusses oberhalb Cap St. John. Er findet sich weniger häufig am Muni als am Gabun und häufiger am Fernand Vas als am Gabun. Nach glaubwürdigen Nachrichten lebt er in Mayumba (wo der alte Reisende Andrew Battel im 16. Jahrhundert den Gorilla erwähnt und beschreibt) und südlich bis Loango. Ich bin jedoch zu der Ansicht geneigt, dass er über ein viel grösseres Gebiet verbreitet ist, als man gegenwärtig annimmt. Der Schimpanse findet sich nördlich bis Sierra Leone und ich glaube, dass der Gorilla stets in derselben Gegend wie der Schimpanse anzutreffen ist. Der letztere kommt nur näher an der Küste und in offeneren Gegenden vor als der erstere, woraus sich erklärt, warum der eine besser bekannt ist als der andere. Der Schimpanse besucht mehr die Nachbarschaft kleiner Wiesen, der Gorilla scheint dagegen das düstere Zwielicht des dichten Waldes zu lieben. Die Fan erzählten mir, dass der Gorilla in dem weit gegen Nordost entfernten Lande, von welchem sie in ihre jetzigen Wohnsitze ausgewandert sind, sehr häufig vorkomme, so dass man dort seine Stimme dicht bei den Städten hören könne; und zu Ngumbi sagte man mir, dass der bei den Eingebornen am Rembo übliche Gorilla-Tanz aus einem drei

Monate gegen Osten entfernten Lande eingeführt sei."

Wie Th. v. Heuglin erfuhr, soll der Gorilla auch im Njamnjam-Lande südwestlich vom Rek-See vorkommen.

Eine Ansiedelung am Glenelg - Fluss in NW.-Australien.

Wie es den Anschein hat, wird bald eine ganze Reihe von Ansiedelungen die so lange verödeten nördlichen Gestade Australiens besäumen, schon haben Queensland an der Nordspitze der Halbinsel York und im Grunde des Carpentaria-Golfes, West-Australien an der Nickol-Bai Keime neuer Niederlassungen gelegt, Süd-Australien hat die Vorbereitungen zur Kolonisation des Landes am Victoria-Fluss getroffen und nun berichten Australische Zeitungen von einem ähnlichen Unternehmen an dem Glenelg-Fluss an der Nordwest-Küste, wo eine Privat-Expedition unter Führung eines Herrn Brown nach nutzbaren Ländereien sich umgesehen hat. Es ist begreiflich, dass gerade dieser Punkt gewählt wurde, denn George Grey, der sich vom Dezember 1837 bis April 1838 dort aufhielt, spricht sich in seinen „Journals of two expeditions of discovery in North-west and Western Australia" ungemein günstig über die natürlichen Vortheile der weiten fruchtbaren Land

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