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Turin –8°, Rom 0,0°, N., Neapel 2,0°, ONO., Barom. 770 (als gleichzeitig Petersburg –4“ mit W. hatte); am 22. sehen wir Leipzig frei mit 1,6° und fallendem Barometer, 767), auch Strassburg hatte nun Thauwetter, 1,6° bei SW., aber Bern noch –8,2°, Barom. 769 und Heiterkeit, Wien noch –6,7“, Barom. 772 (als gleichzeitig Petersburg –3,9°, SW., Barometer 751 hatte); selbst am 23. sind Wien und Bern noch nicht frei (auch Konstantinopel hatte an diesem Tage noch –0,5*); erst am 24. erfolgt diess für Bern 0,7“, SSW., Barom. noch 767, und dann auch für Wien (und zwar während nun im höchsten Norden, zu Haparanda, schon wieder ein anderer Polarstrom zum Vorschein zu kommen beginnt, mit –9,0°, aber Barom. noch 743, also hinter oder zur linken Seite des vorrückenden Äquatorialstroms, gleichsam wie in dem sich umdrehenden Rade eine fernere Speiche). Das südliche Frankreich war zur Zeit kühler als das nördliche, Montpellier hatte nur 2,4“, Havre aber 7,0; offenbar geschah das weitere Zurückweichen des Polarstroms im südlichen Deutschland langsam, er blieb hartnäckig über Neapel, Madrid, Lissabon; noch am 26. hatte Rom nur 0,9° mit N., bis zum 28. blieb hier Kälte (auch damals noch in Konstantinopel), jedoch am 28. finden wir in Rom 8,0° mit S., aber Alicante scheint damals noch unter dem Nordoststrom gewesen zu sein. Leider fehlen die Angaben, um die linke Grenze dieses Luftstroms noch

!) Das Sinken des Barometers folgte überall erst einige Tage später dem Eintreten des neuen Luftstroms.

weiter in ihrem Zurückweichen zu verfolgen, indessen
Zeitungsberichte melden von einer ungewöhnlich strengen
Kälte bis zur Eisbildung in Ägypten und in Syrien etwa
zu dieser Zeit oder in der ersten Woche des Februars.
3. Nach einer Herrschaft des warmen Südweststroms,
die im nördlichen Deutschland etwa 10 Tage währte, stellte
sich hier am 31. Januar aufs Neue Kälte ein, aber in ge-
ringerem Grade und auch auf kürzere Zeit. Wenn man
nun Anfangs vermuthen durfte, dass hier abermals eine
Rückkehr, also ein wiederholtes aktives rechtsseitiges Vor-
rücken desselben Passatstroms, der so lange über Europa
Stand gehalten hatte, zu Grunde liege, so lehrt doch der
genauere Überblick, dass in diesem Falle umgekehrt von
der anderen Seite, von Nordwest her ein zweiter Passat-
strom herankam, also passiv und geschoben von einem
zweiten hinter ihm, d. i. an seiner rechten Seite, liegenden
Anti-Passatstrom. Dieser zweite Passat war weit schmäler
(etwa um die Hälfte) als der erste (vielleicht schon deshalb
weniger kalt und kürzer verweilend) und bald kam der
dahinter liegende, ihn schiebende Anti-Passat ebenfalls zum
Vorschein und trat an dessen Stelle.
Wie die neue Kälte, Windrichtung und Barometerstand
diess Mal nach der linken Seite des Polarstroms vorrückten,
welcher aber wieder sich darstellte als in der Richtung von
NO. nach SW. wehend und in der Gestalt wie ein sich
drehender Flügel einer Windmühle nach links, nach Südost
hin sich bewegte, wird anschaulich durch folgendes Schema:

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ungefähr die Breite des Polarstroms erkennen, sie war weit schmäler als die des ersten, reichte etwa von Petersburg nach Wien, d. i. von 59° N. bis 49° N., 10 Breitengrade = 150 Geogr. Meilen, also etwa um die Hälfte schmäler als die Breite des früheren kälteren. Auch der dazwischen liegende zweite Äquatorial- oder Anti-Polarstrom lässt sich einigermaassen seiner Breite nach bestimmen, denn als dessen rechte, vordringende Grenze Bern erreicht hatte, erschien dessen linke Grenze bei Haparanda, d. i. wieder etwa (von 66° N. bis 46° N.) 20 Breitengrade = 300 Geogr. Meilen, also beinahe so breit wie der erste Passat war auch dieser Anti-Passat. Endlich ersieht man, wie rasch schon nach 2 Tagen diesem passiven Polarstrom an dessen rechter Seite ein zweiter Anti-Polarstrom nachrückend folgte; der letztere erschien in Petersburg am 31. Januar, in Moskau am 1. Februar, in Odessa am 2. oder 3. Februar (die Drehung des Rades geschah also diess Mal sehr rasch). § 3. Wer die oben gegebene Darlegung mit einiger Aufmerksamkeit verfolgt hat, wird zugeben, dass im Monat Januar 1864 die Wetter - Bewegung über Europa für ihre nähere Untersuchung oder Analyse ganz besonders günstige Gelegenheit darbot. Wir finden dann die dabei in Anwendung gezogene geographische Vorstellung für die Erklärung der meteorischen Vorgänge jener Tage im weiteren Umfange Europa's nicht versagend, nämlich dass um den Winterkälte- Pol in der Mitte des polarischen Asiens ein Windsystem sich dreht, strahlenförmig oder gleichsam wie ein Rad mit mehreren Speichen von verschiedener Breite, welche den von dort herkommenden und den dorthin ziehenden Luftströmen entsprechen. In jenem Monate erschienen über Europa von diesen Luftströmen vier, das Rad drehte sich Anfangs (hier an der Südwestseite des ganzen östlichen Wettersystems) von Südost nach Nordwest, so dass über Europa lange ein breiter Passatstrom zu stehen kam, schwankte dann in kurzen Sätzen einige Mal zurück und wieder vor, wurde aber schliesslich zurückgedreht, von Nordwest nach Südost, womit ein Anti-Passat und dann ein zweiter Passat über Europa hin geführt wurden. Da die einzelnen neben einander liegenden grossen Luftströme in regelmässiger Abwechselung zu je zwei ganz entgegengesetzte physikalische Eigenschaften besitzen, je nachdem sie vom Kältepol herkommen oder dorthin gehen, so werden durch das Drehen dieses Rades kontrastirende meteorische Zustände in kürzerer oder längerer Zeit über einen Ort hinweggeführt, wahrscheinlich aber besitzen die breiteren Ströme, ceteris paribus, in höherem Grade ihre charakteristischen Eigenschaften als die schmäleren. Der Gewinn ist vorzugsweise hoch zu achten, dass es diess Mal möglich

gewesen ist, die beiden Grenzen und also die Breite von zwei Passaten und von einem Anti-Passat wenigstens annähernd zu bestimmen, was bisher noch niemals für Europa versucht worden war, so viel dem Verfasser bekannt ist (wohl aber ist schon früher bei einem in Nord-Amerika geographisch beschriebenen Polarstrome, dort von Nordwest her gerichtet, eine solche Bestimmung thunlich gewesen!)).

Die Aussichten auf eine vollständigere geographische Auffassung gleichzeitiger Meteorations-Verhältnisse auf der Grundlage des tellurischen Windsystems, wenigstens auf der nördlichen Halbkugel, sind in der neuesten Zeit rasch nahe gerückt. Von selbst tritt der Wunsch hervor, dass das zu sammelnde Beobachtungs-Material noch Ergänzung finden möge nach einigen wichtigen Seiten hin, wenn auch nur an einzelnen Orten, nur hinreichend, um die dortige Anwesenheit eines oder des anderen fundamentalen Luftstroms ersehen zu können. Als solche Orte kann man bezeichnen: im nördlichen Skandinavien etwa Hammerfest, Drontheim, Bergen, weiter westlich die Färöer und Reykiavig auf Island, nach Osten hin Archangel und die Strecke östlich von Petersburg, Nowgorod und Moskau nach Jakuzk hin. Da nun bald eine Telegraphen-Linie bis zur Ostküste Sibiriens am Amur-Flusse sich erstrecken wird, so eröffnet sich in der That die Aussicht auf grosse meteorologische Belehrungen, indem zu hoffen ist, dass vielleicht sogar die Reihenfolge der grossen Luftströme erkannt werde, wie sie strahlenförmig den Winter-Pol bei Jakuzk umkreisen und wie sie sich verschieben und vielleicht auch sich vergrössern und verkleinern. Auch für Europa ist noch eine Ausdehnung der meteorologischen Übersicht im Südosten wünschenswerth, z. B. nach Konstantinopel, Trapezunt, Smyrna, Athen, Aleppo, Alexandria, Tripolis. Sogar für die Mitte Europas fehlt noch in Deutschland eine übersichtliche Vereinigung oder wenigstens systematische Sammlung der täglich aufgenommenen Beobachtungen, welche hier so zahlreich und so umsichtig angestellt vorhanden sind wie kaum in irgend einem anderen Lande auf der Erdkugel. Endlich muss noch als ein besonders wichtiger meteorologischer Beobachtungsort bezeichnet werden im Atlantischen Ocean die Azoren, denn diese Inseln liegen ziemlich in der Mitte zwischen den beiden geographischen Windsystemen unserer nördlichen Halbkugel, dem Ameri

!) S. „Beiträge zur Geo-Physik" u. s. w. 1863, Heft I, SS. 83 und 85. Auch findet man in dieser Zeitschrift, 1861, Heft II, und im Appendix der „Klimatographischen Übersicht der Erde" 1862, S. 677, schon eine geographisch-meteorologische Beobachtung eines Wechsels der beiden Passate in Europa im Januar 1861, welcher demjenigen des Jahres 1864 ganz analog sich verhaltend sich erweist und dessen Gestaltung überhaupt zuerst den Verfasser hingewiesen hat nach dem richtigen Windpole wie auf die richtige Lage und die Art der Umsetzung der beiden Passate. (Jener Appendix bildet eigentlich das erste Heft der „Beiträge zur Geo-Physik".)

kanischen und dem Europo-Asiatischen, d.i. ziemlich gleich entfernt vom westlichen und vom östlichen WinterkältePol, da wo der rückkehrende und herabgestiegene Passat oder Anti- Passat sich theilt, nach Europa als Südwest weiter zieht, aber nach Nord-Amerika als Südost, wohin auch der Polarstrom als Nordwest kommt (diess gilt wenigstens für die untere Schicht der Atmosphäre); also etwa in diesem Trennungswinkel liegen die Azoren (vielleicht steht damit in Verbindung die Häufigkeit der Stürme eben nördlich von dieser Stelle, obwohl zu erinnern ist, dass im Sommer nur ein einfacher Kälte- und Wind-Pol angenommen wird im Circumpolar-Meere, im Umfange des Erdpols selbst, aber die Stürme ereignen sich auch vorzugsweise nur im Winter). Eine Bemerkung für die Theorie der Stürme. – Das eben Vorgetragene, die Anwendung des erkannten geographischen Windsystems, die Untersuchungen und Befunde über die Vertheilung und das Verhalten der fundamentalen atmosphärischen Ströme, und die angedeuteten ferneren Aufgaben und Mittel beziehen sich nicht allein auf die eigentlichen sogenannten Witterungs-Verhältnisse, sondern sie haben gleiche Bedeutung für das eben jetzt so ersehnte und erstrebte Verständniss der Stürme. Dieselben grossen Luftströme, welche den Wettervorgängen zu Grunde liegen, sind auch die wirkenden Faktoren bei den Stürmen; was wir an Kenntniss gewinnen in Bezug auf das Wetter, das kommt auch der Theorie der Stürme zu Gute. Auch die Richtung der im westlichen Europa so gefürchteten Südwestoder Weststürme unserer Winter ist dieselbe, wie wir sie eben in Beispielen ruhig strömender Anti-Passate geographisch überblickt haben. Die Stürme dringen gleichfalls nach dem Winterkälte-Pole, aber in ungewöhnlicher Eile, vermuthlich weil dort zur Zeit grösserer Bedarf an Luft ist, indem sie ja überhaupt zur Kompensation der von dort mit dem Passat fortziehenden oder fortgezogen werdenden, d. i. aspirirten, Luft dorthin dringen. Der Grund eines ungewöhnlich grossen Luftbedarfs am KältePol ist darin zu vermuthen, dass ein Polarstrom eiliger nach den südlichen Zonen hin aspirirt worden ist, und der Grund hiervon kann sein eine Zunahme an Wärme am südlichen Ort, aber auch eine Zunahme an Kälte (durch Ausstrahlung bei heiterem Himmel und bei Calme) im nördlichen kältesten Gebiete. Letzteres ist im Winter das Wahrscheinlichere und vielleicht giebt es und findet man dereinst für jeden Südweststurm Europas den korrespondirenden Nordoststurm in Asien, um so mehr, da bereits erwiesen ist, dass im nördlichen Theile des grossen Kontinents Asien (wie auch in Nord-Amerika), im Gegensatz zum Verhalten auf den beiden Oceanen gleicher Breitengrade, der Polarstrom an Häufigkeit oder Dauer den Anti

Polarstrom überwiegt und dass hier eben im Winter die Polarströme stürmisch vorkommend sich verhalten. Die Richtung der Winterstürme in Europa ist in der That meistens WSW., wenn auch mit manchen lokalen und momentanen Schwankungen, und fast regelmässig mit am Ende eintretendem Nordwest, mit welchem auch einige Erniedrigung der Temperatur und einige Erhöhung des Luftdrucks einzutreten pflegen. Der Verfasser dieser gelegentlichen Äusserungen über die Stürme will nicht den Untersuchungen ausgezeichneter Forscher vorgreifen, welche schon lange den Stürmen ein spezielles Studium gewidmet haben, allein unterstützt durch eine erworbene Übung in geographischer Auffassung der meteorischen Thatsachen und auf ein danach erkanntes tellurisches System wagt er zu äussern, dass er bis jetzt in Europa noch keinen Cyklon unter den ihm bekannt gewordenen Beschreibungen von Winterstürmen, wie sie drei oder vier Mal in jedem Jahre vorzukommen pflegen, hat finden oder erkennen können (obgleich unzweifelhaft im Sommer kleinere oder grössere Wirbelwinde und Wirbelstürme, mit elektrischen Vorgängen verbunden, auch in Europa nicht verkannt werden können). Will man die so gefährlichen Winterstürme Europas vorauszusehen möglich machen, so muss man sie nicht als Cyklonen sich vorstellen und erwarten, sondern in der beschriebenen, mit Thatsachen belegten geraden Gestalt, als einen von Westen sehr eilig nach dem Kälte-Pol hinziehenden breiten Luftstrom, den gewöhnlichen Anti-Passat, welcher sehr wahrscheinlich längs seiner Mittellinie den geringsten Luftdruck hat und welcher nach seiner rechten Seite, aktiv vorzurücken pflegt. Ein solcher Sturm ist deshalb zu erwarten an einem Orte, wenn hier das Barometer rasch fällt, weil der Südweststrom mit seinem ungewöhnlich geringen Luftdruck schon nahe an der Nordwestseite des betreffenden Ortes vorhanden ist, und ein ungewöhnlich niedriger Barometerstand wird dadurch sein Verkündiger, dass die leichtere herankommende Luft schon seitlich auf die benachbarten Barometer einwirkt!). Daraus würde die Regel zu folgern sein, einen kommenden Sturm schon als im Nordwesten vorhanden zu denken und mit seiner rechten Seite wahrscheinlich vorrückend zu erwarten, also in solcher Richtung danach auszuschauen?).

*) Die Behauptung mag gewagt werden, was die Ursache des so geringen Luftdrucks im stürmischen Anti-Passat betrifft, dass diese in der Geschwindigkeit des Strömens liegt. Bei West-Indischen und Ost-Indischen Cyklonen wurde mit jedem Stoss das Barometer erniedrigt.

*) Wirklich pflegt ein Wintersturm in London um Einen Tag früher zu rasen als im nördlichen Deutschland, vielleicht ist er aber noch einen Tag früher in Schottland und Nord-Irland. Der oben erwähnte sehr heftige Sturm in der ersten Woche des Dezembers 1863 erschien z. B. als Weststurm in London am 2., in Paris (und auch in Göttingen) am 3., in Toulon am 4.; wenn er danach für einen Cyklon erklärt worden ist, dessen Centrum vom Norden Frankreichs nach Süden gezogen sei, so muss uns diess als irrig erscheinen.

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Ein Zug nach dem Gebirge Bator auf der Insel Bali. Von H. Zollinger ).

I. Abschnitt: Die Insel Bali; Reise nach dem Bator-Gebirge.

Frühere und jetzige Kenntniss von Bali. – Die Insel Bali war den früheren Besitzern Java's, der alten OstIndischen Kompagnie, verhältnissmässig besser bekannt als den späteren oder vielmehr der Verkehr mit derselben war lebhafter als in neuerer Zeit. Den Beweis würden wir schon in den Werken von Valentyn und Rumphius finden, da z. B. der Letztere eine grosse Zahl Bali'scher Pflanzennamen aufgenommen hat. Vor dem 19. Jahrhundert waren es vorzüglich Soldaten, die auf Bali angeworben und gekauft wurden, und Sklaven in grosser Menge, besonders Frauen, die in Europäischen Häusern sehr gesucht waren. Noch heut zu Tage heisst eine Gegend mit Dorf zu Batavia „das Bali'sche Dorf oder die Bali'sche Vorstadt". Das hat Alles längst aufgehört und mit den vielen politischen Umgestaltungen, welche die Revolution auch für Java und die Indischen Besitzungen überhaupt nach sich zog, traten die Beziehungen zu Bali fast gänzlich in den Hintergrund. Die Hauptaufgabe Hollands war die Erhaltung und dann die Wiedergewinnung seiner Kolonien. Erst in neuester Zeit ist die Aufmerksamkeit wieder auf die schöne und merkwürdige Insel gerichtet worden, nachdem verschiedene Ursachen nach einander drei Feldzüge dorthin veranlasst hatten. Vorzüglich war es der mit unerhörter Frechheit getriebene Strandraub, der mit zu den Hauptursachen zählte, um so mehr, als die Bali'schen Fürsten demselben durch Verträge feierlich entsagt hatten, ihn aber eher ermuthigten als unterdrückten. Wiewohl ich hier eine allgemeine Übersicht voraussenden muss, kann ich mich doch in geschichtliches Detail nicht einlassen und muss mich auf das beschränken, was zum Verständniss meiner Erzählung unumgänglich nothwendig ist. Das Resultat des letzten Feldzuges von 1849 war, dass sämmtliche Fürsten ein Bündniss mit der Holländischen Regierung eingingen, dem Strandraub und Sklavenhandel entsagten und dass eins der Reiche in Nordwesten, Buliling nämlich, unmittelbares Holländisches Gebiet wurde durch das Recht der Eroberung.

*) Bei Übersendung seines im Jahrgang 1858 der „Geogr. Mitth." (SS. 56–63) abgedruckten Aufsatzes über den Indischen Archipel im Allgemeinen schrieb uns H. Zollinger, es sei jener Aufsatz gleichsam eine Einleitung zu spezielleren Darstellungen, die er von Zeit zu Zeit auszuarbeiten gedächte. Leider ereilte der Tod den um die Erforschung des Indischen Archipels so verdienten Gelehrten schon am 19. Mai 1859, so dass ihm nur eine der beabsichtigten Arbeiten abzuschliessen vergönnt war, die vorliegende Beschreibung des Bator-Gebirges und seiner Reise dahin im Jahre 1857. Wir verdanken die Übermittelung des Manuskriptes Herrn Dr. E. Stoehr in Zürich, welcher bei seiner Anwesenheit in Java im Jahre 1858 eine Reise nach Bali mit Herrn Waanders verabredet hatte, an der auch Zollinger abermals Theil nehmen wollte; das Projekt zerschlug sich aber durch verschiedene verzögernde Umstände und endlich durch die ersten Regungen des später ausgebrochenen, bald jedoch niedergeschlagenen Aufstandes. Eine ProfilAnsicht des Bator-Gebirges nach Zollinger's Messungen und Zeichnung befindet sich auf Tafel 3 des Jahrganges 1858 der „Geogr. Mittheilungen", die Höhe des Bator-See's ist dort aber fälschlich zu 3435 statt 3235 Fuss angegeben. A. P.

Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1864, Heft IV.

Ein zweites in Südwesten, Djembrana, stellte sich selbst freiwillig ins gleiche Verhältniss, vorzüglich um seinen nachbarlichen Drängern zu entgehen. Die mannigfaltigen Unterhandlungen, Kriegszüge und seitherigen friedlichen Beziehungen haben dann auch eine Kenntniss der Insel Bali gewährt, wie sie früher unmöglich war, die immer aber noch weit entfernt ist, vollständig zu sein. Wir haben jetzt zahlreiche Mittheilungen über die Insel von dem früheren Kommissär der Regierung, Koopman, von mir selbst, von Herrn Baron van Hoévell (in seiner unvollendeten Reise über Java und Bali, worin der Verfasser recht

lebendig erzählt, allein offenbar viel zu viel Vertrauen auf

die Wahrhaftigkeit sowie auf die Kenntniss und Einsicht seines einen Gewährsmannes setzt), dann von Friedrich, dem Assistent-Residenten Waanders zu Buliling, dem Kapitän de Seyff u. A. Von grosser Bedeutung sind besonders die Abhandlungen des Herrn Friedrich, der als ausgezeichneter Indo-Orientalist (Schüler Lassen's) von der Regierung nach Bali gesendet wurde, um dort die Ethnographie im weitesten Umfange (Geschichte, Religion, Literatur, Sprache u. s. w.) zu seinem Studium zu machen. Ein Autor hat versucht, ein Gesammtbild der Insel zu entwerfen: Lauts, „Die Insel Bali und die Balinesen", Amsterdam 1848, 89 mit einer Karte. Viele geschichtliche Nachrichten aus früherer Zeit sind sehr werthvoll, aber die Behandlung der Gegenwart verräth nur zu sehr die literarische Kompilation und den Mangel an eigener Anschauung. Die beste erschienene Karte dürfte jetzt die im Atlas von Melvill van Carnbée publicirte sein. Der nautische Theil und die Umrisse, Hauptorte in der Nähe der Küste, dürften wenig zu wünschen übrig lassen, dagegen das Innere um so mehr, da besonders die centralen und westlichen Theile fast unbrauchbar sind. Ich selbst habe Bali zum ersten Mal 1845 als Begleiter des Herrn Kommissär Major besucht und die Insel an Bord des Bromo umschifft; 1846 machte ich dann den ganzen Feldzug in Buliling mit, ging dann nach Lombok und kehrte über Bali nach Java zurück. Später hat der jetzige Kommissär Bosch wiederholt die Güte gehabt, mich auf seinen Besuchen zu Buliling und Djembrana mitzunehmen, und der letzte Zug daselbst war der nach dem BatorGebirge, wozu mich der in Buliling residirende AssistentResident, Herr van Bloemen-Waanders, freundlichst einlud. Dieser Zug ist es insbesondere, mit dem ich mich hier beschäftigen werde nach einem kurzen Blicke auf den gegenwärtigen Zustand der Insel. Allgemeine Beschreibung der Insel. – Die Insel Bali, die erste der Kleinen Sunda-Inseln im Osten von Java, hat nach Melvill eine Oberfläche von 104 Quadrat-Meilen. Im Ganzen genommen ist sie etwas weiter nach Süden gerückt als Java; die Längenachse ihrer Gebirge geht in der Richtung von OSO. nach WNW., inzwischen so, dass die einzelnen Gruppen wieder Abweichungen zeigen. Wir 19

können unterscheiden: 1. die centrale vulkanische Kette, deren westlicher Theil aber noch gänzlich der näheren Erforschung bedarf, möglich, dass dort noch Porphyr- oder Diorit-Gebilde auftreten; 2. die Ebenen des Südens und Südostens, vulkanische Alluvial-Gebilde; 3. die tertiären Kalkanhängsel, nämlich die nordwestliche Ecke der Insel, das Tafelland im Südosten, ganz ähnlich den südlichen Tafelländern von Banjuwangi, Lombok und Sumbawa, und endlich die Insel (Nusa) Pandita (d. h. die Eremiten- oder Priester- und nicht Banditen - Insel). Die Insel zerfällt als politisches Gebiet in 9 Reiche: im Norden von Westen her Buliling, dann Karang-Assem (die Nordostecke, jetzt dem Fürstenhause von Lombok zugefallen); im Osten Klongkong, Gianjar, Badong (das Südostende); im Süden gegen Westen Mengui, Tabanan (das grösste Reich) und Djembrana; im inneren östlichen Theil liegt endlich das Bergland Bangli, das nirgends an die See stösst. Den Holländischen Interessen waren von Anfang entschieden zugethan die Reiche Bangli, Badong und Djembrana, sobald es von Buliling abgelöst war. Die Hauptgegner waren Buliling, Karang-Assem und Klongkong.

Die Einwohner gehören alle der Malaiischen Race an, scheinen mir aber etwas schlanker und stärker gebaut als die Javanesen, wenigstens die Männer, die sich auch durch freiere Haltung auszeichnen. Die Zahl der Bewohner wurde früher sehr überschätzt, zum Theil veranlasst durch übertriebene Angaben der Balier selbst. Es gab Berichterstatter, die von 1 Million und darüber sprachen, andere von 800.000 Seelen. Die richtigsten Schätzungen dürften wohl die des Herrn Bosch sein, der bis auf 450.000 hinuntergeht, was aber immer noch mehr als 4000 Seelen per Quadrat-Meile ausmacht.

Die Bali'sche Sprache hat die Eigenthümlichkeit zweier verschiedener Sprechweisen oder gar Sprachen neben einander her, das Hoch- und Nieder-Bali'sche genannt. Jenes hat gar viel mit dem Hoch - Javanischen gemein und ist wohl Eines Stammes mit ihm und durch fremde Eindringlinge gleichsam gepfropft. Das Nieder-Bali'sche scheint die ursprüngliche Sprache des Volkes und nähert sich schon in vielen Eigenthümlichkeiten dem Sprachstamm der östlichen Inseln, so durch viele sonderbare Reduplikationen, das Zurücktreten der Konsonanten, die Anhäufung von Selbstlautern und Diphthongen u. s. w. Die religiöse Schriftsprache ist das Kawi, übrigens nicht ausschliesslich von den Priestern gekannt und gelesen.

Auffallend vor Allem bleibt, dass Bali inmitten aller umringenden mohammedanischen Bevölkerungen einer HinduReligion, dem Siwa-Dienste, hat treu bleiben können. Das Volk ist noch in vier Kasten geschieden, allein die KastenIntoleranz, Zersplitterung und Bedeutung bis in die letzten Handlungen ist nicht vorhanden, entweder nie dagewesen oder verschwunden. Die Balier sind tolerant und bemühen sich mit der Religion der vielen Mohammedaner und Chinesen am Strande gar nicht, lassen die Europäer im Frieden, würden aber dennoch für Missionäre einen sehr unfruchtbaren Boden abgeben. Sie verlangen, dass Andersdenkende auch sie ungeschoren lassen.

Fahrt längs der Nordküste von Bali. Die Bali'schen

Gebirge zerfallen in drei deutliche Gruppen: 1. Das chaotische unbekannte Labyrinth des Westens,

durch einen Gebirgssattel im Süden von Tébunkus von den folgenden Theilen geschieden. 2. Die centrale vulkanische Gruppe zwischen den Reichen Tabanan und Buliling bis zum Hochlande von Tjatjor im Reiche Bangli. Streichung von ONO. gegen WSW. 3. Nordöstliche vulkanische Gruppe des Bator und Agung in den Reichen Buliling, Karang-Assem und Bangli. Diese Gruppe insbesondere bildete den Hauptzielpunkt unserer Reise. Den 28. August 1857 schiffte sich Herr Waanders zu Banjuwangi an Bord eines der Regierungs- Kanonenboote ein, um nach seiner Station zurückzukehren. Wir steuerten die Strasse Bali nordwärts hinaus, fortgerissen von jener gewaltigen Strömung, die in dieser Strasse abwechselnd zwei Mal täglich nach Süden und Norden fluthet, gerade wie in den östlicheren Strassen, wo sie noch heftiger wird und bis zu 8 Seemeilen per Stunde ansteigen kann. In der Strasse Bali folgt auf die Meridian - Durchgänge des Mondes die südliche Strömung nach Norden, 4 bis 8 Stunden später die Rückfluth nach Süden, jene kombinirt mit der Fluth, diese mit der Ebbe. Wir umschifften so die nordwestliche Ecke von Bali, umsäumt von jungen Korallenriffen, und fuhren zwischen dieser Insel und der kleinen wasserlosen Kalkinsel (Pulo) Menjangan (d. i. Hirschinsel) durch, quer über die Bai von St. Nikolas. Diese hat im Hintergrunde noch eine schmale, nach Osten gekrümmte, verborgene Bucht, welche den Namen Banju wedan (warmes Wasser) trägt, weil an ihrem östlichen Ende durch Korallenriffe eine warme schweflige Quelle empordringt, deren Mündung jedoch zur Fluthzeit unter Wasser steht. Das emporquellende Wasser zeigt zur Zeit der Ebbe eine Temperatur von 46 bis 48° C. Jenseit der östlichen Ecke von St. Nikolas-Bai endet die Kalkbildung, obwohl die Korallenriffe sich noch etwas weiter gegen Ost erstrecken, und es streichen nun zahlreiche parallele, schmale, steile, scharf zerrissene vulkanische Rücken bis zum Strande nieder, deren einer mit seiner kahlen Endkuppe das Vorgebirge Gunung Gundul bildet. Sonderbar genug ist an diesen Rippen keine Konvergenz nach einem gemeinsamen Mittelpunkt zu bemerken, obschon hie und da eine derselben in 2 bis 3 Enden sich spaltet. Der ganze westliche Theil der Nordküste von Bali längs der 1. Gebirgsgruppe ist eine abschreckende Wildniss, bewaldet zwar, aber wasserarm, unbewohnt. Der Charakter der Gegend verändert sich einigermaassen, wenn wir uns dem kleinen Handelsplatze Tébunkus nähern, der hinter einem riffartigen Inselchen einen guten Ankerplatz besitzt. Südlich nämlich von Tébunkus befindet sich eine Lücke in der Gebirgskette und bildet zwischen der westlichen und centralen Gruppe eine deutliche Scheidung. Die Strandgegend wird weiterhin sanft absteigend, wohnlicher und bebauter. Das Gebirge der centralen Gruppe stellt sich als ein zusammenhängendes Ganzes dar, im Norden ein zusammenhängender vulkanischer Wall, der sich bis über 3000 Fuss erhebt, darüber in Süden eine Reihe kegelförmiger Kuppen, deren höchste westlichste von den Eingebornen Batu kau (nach Hrn. Waanders ist die Schreibweise der Eingebornen Batu kahu, das h indessen nicht als trennender Aspirant), auf den Karten der Seefahrer Pik von Tabanan genannt wird. Batu, das im Malaiischen „Stein"

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