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dieser und der Branntweins-Bai liegenden Halbinsel, deren äusserste Spitze auf der Karte Kap Hansteen benannt ist. Nur einige kleine Holme und Klippen liegen in diesem wenigstens an der Mündung äusserst seichten Fjorde, dessen innere Hälfte noch am 17. August mit einer festen und gleichmässigen Eisdecke belegt war. Durch eine hohe Halbinsel ist Lady Franklin-Bucht geschieden von dem grössten und wichtigsten unter den in die Westküste des Nordost-Landes einschneidenden Fjorden, der Branntweins-Bai der alten Holländer. Diese Bucht bildet einen breiten und tiefen Fjord, der nur durch einen schmalen Isthmus von dem im Norden des Nordost-Landes befindlichen Theile des Eismeeres getrennt wird. Ältere Karten, auf denen gleichwohl der Name Branntweins-Bai derjenigen Bucht, welche Parry Bird-Bay nennt, ertheilt zu werden scheint, lassen dort, wo dieser niedrige Isthmus belegen ist, einen schmalen Sund hindurchgehen und betrachten also die grosse hohe Halbinsel, welche die Branntweins-Bai im Norden begrenzt, als eine vom Nordost-Lande völlig getrennte Insel. Eine lange und schmale Insel wird auch im innersten Theile des Fjordes auf diesen Karten angegeben. Diese Insel ist entweder gar nicht vorhanden gewesen oder, was wahrscheinlicher ist, man hat bei einer

flüchtigen Untersuchung die schmale, durch ein niedriges

Thal von dem Landeise des Nordost-Landes getrennte Bergstrecke, welche das östliche Gestade des Fjordes einnimmt, für eine eigene, durch einen mit Eis bedeckten Sund von dem Nordost-Lande abgesonderte Insel gehalten. Ein kleinerer Jökel, der vermuthlich mit dem in die Lady FranklinBucht mündenden Jökel in Verbindung steht, mündet in die südöstliche Ecke der Bucht. Ausserdem trifft man eigenthümliche Eisbildungen an den Seiten der hohen Berge, welche das Kap Hansteen bilden, nämlich recht grosse, halblinsenförmige Eismassen, die ohne irgend einen Zusammenhang mit einem eigentlichen Firn von den jähen Seiten des Berges herabhangen. Der mittlere Theil der zwischen Lady Franklin - Bucht und der Branntweins-Bai liegenden Halbinsel ist niedrig, der äussere Theil dagegen ist angefüllt von gewaltigen Bergmassen, die an dem nördlichen und nordwestlichen Ufer ganz steil ins Meer hinunterstürzen und einen Aufenthaltsort sehr bedeutender VogelKolonien bilden, unter deren Bewohnern der in diesen Meeren sehr allgemeine, aber nur an sehr wenigen Orten Spitzbergens brütende Sturmvogel erwähnt werden mag. Zu Ende des Juli war der ganze Fjord noch mit festem Eise erfüllt und vor seiner Mündung hatten solche Massen von Treibeis sich angehäuft, dass man nur mit Schwierigkeit in den Zeiten, da der Strom gegen Westen ging und das lose Eis mit sich hinwegführte und eben dadurch eine schmale, mehr oder weniger eisfreie Rinne zwischen

dem festen Eise und dem Treibeisfelde eröffnete, mit einem Boote von dem südlichen Strande nach dem nördlichen rudern konnte. Als wir bei der Rückkehr von der zweiten Bootreise diese Bucht am 18. August wiederum besuchten, war dieselbe völlig eisfrei. Vor dem Kap Hansteen liegt eine bedeutende Insel, welche, mit Ausnahme einiger kleiner Hügel, sich nur wenige Fuss über das Meer erhebt und deshalb den ganz passenden Namen Läg-ön (die Niedrige Insel) erhalten hat. Diese Insel hat in mancher Hinsicht Ähnlichkeit mit dem westlichen Theile der Grossen Stein-Insel. Die Gestade bestehen entweder aus niedrigen Felsplatten oder aus vom Meere aufgeworfenen Sandwällen, in welchen Treibholzstämme, Stücke von Walfisch-Skeletten, Schifftrümmern u. dgl. eingebettet liegen. Das Innere der Insel bildet ein ebenfalls mit Lagunen erfülltes Tiefland, aus welchem sich nur an einer einzigen Stelle ein kleinerer Quarzberg erhebt. Der Boden ist hier theils gebildet von ganz ebenen Bergplatten, unter denen die in sechsseitige Figuren zersprungenen Hyperit-Platten, aus denen die nördliche Hälfte der Insel grossentheils besteht, eine besondere Erwähnung verdienen, theils aus Quarzit und Schieferfliesen. An feuchteren Stellen, längs den Ufern der Lagunen oder längs den Rinnseln, durch welche das Lagunen-Wasser in das Meer hinabsinkert, sind diese steinernen Platten mit einer sparsamen Moos-Vegetation bedeckt, aus welcher hie und da eine einzelne Phanerogame emporspriesst. Schon bei unserem ersten Besuche am 21. Juli, während festes Eis die Läg-ö noch mit dem Festlande verband, war diese grosse Insel fast ganz schneefrei. Einige Holme, kleinere Klippen und Scheeren, unter denen zwei Gruppen von Holmen zwischen Läg-ö und Kap Hansteen besonders erwähnt werden mögen, und eine nicht ganz unbedeutende Insel, die vor der Mündung der Lady Franklin-Bucht liegt, umgeben die Küsten der Läg-ö. Durch den oben beschriebenen niedrigen, zwischen der Branntweins-Bai und der Nördlichen Eissee (Norra Issj-ö) liegenden Isthmus wird das eigentliche Nordost-Land getrennt von einer von diesem Lande sich gegen Nordwesten erstreckenden grossen Halbinsel, für deren nördlichste Spitze wir den auf einigen älteren Karten angewendeten Namen Nordkap beibehalten haben. Fast die ganze Halbinsel ist erfüllt von einer gewaltigen, etwa 1000 Fuss hohen Gneismasse, die nur an einigen wenigen Stellen von Gebirgsflüssen in isolirte oder nur an der einen Seite mit der Hauptmasse zusammenhängende Berggipfel zerschnitten ist. Von diesem schon bei unserem ersten Besuche ganz schneefreien Bergplateau erhebt sich im Süden der Bird-Bay ein mit Schnee bedeckter Gipfel, Snötoppen (der Schneegipfel), zu einer Höhe von beinahe 2000 Fuss über dem Meer. An dem westlichen Strande der Halbinsel fallen die Berge entweder ganz senkrecht ab oder ihre Seiten sind bedeckt von herabgestürzten unermesslichen Steintrümmern, an denen man nur mit Mühe emporklettern kann; an der östlichen Seite dagegen sind die Seiten der Berge abgerundeter. Unter den an dieser Seite belegenen Berggipfeln verdient der Grytberg (Kessel- oder Grapenberg) Erwähnung als merkwürdig wegen der kesselförmigen Aushöhlungen, die in den Steinen und Felsen auf dem Gipfel des Berges angetroffen werden. Am Fusse dieses Berges streicht ein kleinerer zurückgehender Jökel, der einzige auf der ganzen Halbinsel, hin. Die Halbinsel selbst ist in drei Theile getheilt durch zwei in dieselbe von Westen nach Osten tief einschneidende Fjorde, Bird- und Beverly-Bay, welche fast von allen Seiten von 1000 Fuss hohen steilen Gneiswänden begrenzt werden.

Die Schwedische Expedition nach Spitzbergen, 1861.

Nimmt man von der Spitze des Snötoppen oder Grytberges eine Übersicht über das Nordost-Land, so findet man, dass das Innere desselben erfüllt wird von einem hohen, unübersehbaren Landeise, aus welchem sich hie und da einige wenige, nicht sehr hohe, schwarze Berggipfel erheben. Dieses Landeis erstreckt sich aber auch an der nördlichen Küste nur an einigen wenigen Stellen ganz bis an das Meer hinab. Die Küstenstrecke ist meistentheils erfüllt von nackten, eisfreien Bergmassen, welche sich durch mehrere kleine Spitzen oder Halbinseln weit gegen Norden hinaus erstrecken. Diejenige von diesen Spitzen, welche am weitesten gegen Westen liegt, bildet auf älteren Karten, welche, wie oben erwähnt, die Branntweins-Bai und die Nördliche Eis-See durch einen Sund verbinden, die nördlichste Spitze des Nordost-Landes und hat in Folge dessen den auch von uns beibehaltenen, obgleich jetzt ganz uneigentlichen Namen Extreme Hook erhalten. Auch in seinem Äusseren ist der Extreme Hook ganz unansehnlich. Er besteht, nämlich aus langsam ansteigenden, mit losen Steinen bedeckten Berghöhen, welche weiter im Inneren des Landes allmählich und ohne eine scharfe Grenze in das hohe Landeis übergehen. Im Westen dieser Spitze schiebt sich eine Bucht hinein, gleichsam um dem nordöstlichen Busen der Branntweins-Bai zu begegnen, wird jedoch, wie schon mehrmals erwähnt, von diesem Fjord getrennt durch einen niedrigen Isthmus, dessen östliche Seite von einem kleinen, durch ein schmales Thal weit nach Südwesten fortgesetzten Jökel bedeckt ist. Auch dieses mit Eis angefüllte Thal ist auf alten Karten als eine Meerenge gezeichnet.

Der Küstenstrich im Westen des Extreme Hook hat

hinsichtlich seiner Höhenverhältnisse u. s. w. Anfangs grosse Ähnlichkeit mit der erwähnten Spitze. Beim Kap Lindhagen erhält gleichwohl das Land schon ein anderes

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Aussehen; die Berge werden hier höher und steiler, dadurch auch schärfer geschieden von dem unübersehbaren Eisfelde des inneren Landes, welches dagegen an verschiedenen Stellen zwischen den Bergen sich weit bis an die Küste vordrängt. Besonders schieben sich im Inneren der Bucht, zwischen Kap Lindhagen und Kap Irminger, gewaltige Jökel bis an das Meeresufer hinab. Kap Irminger besteht aus hohen und steilen Quarzitoder Schieferbergen und eben diese Bergformation trifft man auch am östlichen Strande des Kap Lovén an, dagegen bildet der westliche Strand dieser Spitze ein Tiefland, reich an Treibholz, Schiffswracken, Bimssteinstücken u. dgl. Diese augenscheinlich von dem Golfstrome hierher geführten Dinge werden oft ziemlich hoch über dem jetzigen Niveau des Meeres angetroffen und liefern dadurch ein Zeugniss nicht allein von der Erstreckung des Golfstromes, sondern auch von der bedeutenden Erhebung, der die nördlichen Theile von Spitzbergen selbst noch in den letzten Jahrhunderten unterworfen gewesen sind. Längs des jetzigen Strandes läuft nämlich ein alter Sandwall, auf welchem wir ausser Stücken von gewöhnlichem Treibholz ganz "unbeschädigte Handhaben von Walfisch-Harpunen, buchene Riemen und auch andere Geräthschaften von dieser Holzart fanden – Alles augenscheinlich herstammend aus den Zeiten, als die Holländischen Walfischfänger die Küsten-Spitzbergens besuchten. Leider hatten wir nicht Gelegenheit, die Höhe dieses Sandwalles über der Meeresfläche zu messen, doch dürfte dieselbe wenigstens 10 bis 15 Fuss betragen haben. Die Berge auf Lovén-Spitze senken sich an der westlichen Seite langsam in das beschriebene Tiefland hinab und sind daher auch von dieser Seite leicht zu besteigen, an dem westlichen Strande dagegen sind sie ganz schroff und steil. Auf dem höchsten derselben errichteten Torell und ich bei unserem dortigen Besuch ein ziemlich bedeutendes Denkmal von Stein, in welches wie gewöhnlich eine Flasche mit Reisenotizen u. dgl. niedergelegt wurde. Sowohl Wrede- als auch Platen - Halbinsel sind auf älteren Holländischen Karten als besondere Inseln angegeben und in der That würde man, wenn man von den Bergen am Nordkap eine Aussicht über das Land gegen Osten nimmt, sie dafür halten. Die an vielen Orten gegen 2000 Fuss hohen schroffen Bergmassen an den nördlichsten Enden der Halbinseln sind nämlich nur durch ein mit Sand und Steinfliesen bedecktes, gegen das Ende des Sommers eisund schneefreies Tiefland mit dem eigentlichen NordostLande verbunden. Von dem höchsten Gipfel des Kap Wrede so wie auch von einem hohen Gipfel des Kap Platen konnte man sehen, dass das Nordost-Land sich nicht sehr weit gegen Osten von dem zuletzt erwähnten Kap erstreckt, so

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wie auch, dass die Natur fortwährend ganz unverändert ist. Das Innere desselben besteht aus einem hohen Landeise, aus welchem einzelne Bergspitzen sich gegen Norden erstrecken. An der nordwestlichsten Spitze scheint das Landeis nicht von Bergen begrenzt zu sein, sondern von einer auch auf unserer Karte gezeichneten hohen, über ein Tiefland geradlinig hinlaufenden Eiswand!). Im Norden des Nordost-Landes liegen eine Menge von Inseln, welche als die nördlichsten Inselgruppen in der alten Hemisphäre unser Interesse in Anspruch nehmen. Es sind diess: Castrén - Inseln. Zwei 800 bis 1000 Fuss hohe Gneisfelsen gleich südöstlich vom Nordkap. Die nördlichste dieser Inseln ist durch ein Thal, von welchem der Berg der Insel leicht zu ersteigen ist, in zwei Theile getheilt. Sabine-Inseln. Drei ganz niedrige Gneisfelsen, belegen in der Mündung der Bucht zwischen Kap Irminger und Kap Lindhagen. . Scoresby-Insel. Eine ziemlich bedeutende, lange und schmale, aber sehr niedrige Insel, ein wenig nördlich von den zuletzt erwähnten. Diese Insel heisst auf älteren Karten Läg- oder Flat-ö (Niedrige oder Flache Insel), ein Name, den wir nicht mehr angewendet haben, um eine Verwechselung mit der eben so benannten Insel vor der Branntweins-Bai zu vermeiden. Karl des Zwölften Insel und die Trabanten-Insel. Mit diesen Namen haben wir zwei am weitesten gegen Nordosten belegene kleine Inseln bezeichnet, von denen jene die Gestalt einer hohen, abgestumpften, schwarzen Pyramide hat, ganz ähnlich der Tafel- oder der Nelsons-Insel, diese dagegen niedrig und unansehnlich ist. Im Süden dieser Inseln konnte man eine grosse, bergige, hohe Insel sehen, welche als der Outger-Reps-Insel der älteren Karten entsprechend angesehen werden kann, und noch weiter im Süden, zwischen dieser Insel und dem Festlande, ein anderes, in weiter Ferne belegenes, nur wenig über den Horizont sich erhebendes Eiland, welches jedoch wegen seiner grossen Entfernung nur bei klarem Wetter sichtbar war. Walden - Insel. Wir kamen nicht dazu, an dieser Insel zu landen, welche nach Parry aus steilen, 500 Fuss hohen Granitfelsen besteht. Die Sieben Inseln oder Seven Islands. Mit diesem Namen bezeichneten schon die Holländer eine zwischen 80° 36 ’ bis 80° 48' N. Br. und 20° bis 21° 30' Östl. L. v. Gr.

!) An einem im Süden von der Mündung des Bellsunds belegenen Jökel habe ich Gelegenheit gehabt, eine ähnliche Erscheinung, wenn auch in geringerem Grade, ganz in der Nähe zu betrachten. Der Jökel mündete mit einem hohen senkrechten Absatze in das Meer, aber die eine Seite desselben lief, ehe sie das Ufer erreichte, über ein niedriges Sandfeld hin und endigte dort mit einer scharf begrenzten, senkrechten, gleichsam mit einem Messer abgeschnittenen Eiswand.

belegene ziemlich bedeutende Inselgruppe, die noch vor wenigen Jahren das nördlichste bekannte Land auf Erden bildete. Einige kleinere Holme ungerechnet besteht diese Inselgruppe, wie auch der Name angiebt, aus sieben Inseln. Die drei westlichsten derselben sind weniger bedeutend und bestehen aus hohen, steilen, oben gerade abgestumpften Gneis-Pyramiden, deren Grösse und äussere Contouren so vollkommen gleich sind, dass, wenn man z. B. wegen des Nebels nur eine von ihnen sieht, man nur mit Schwierigkeit entscheiden kann, welche von den schwarzen Pyramiden des hohen Nordens man vor sich hat. Seit alten Zeiten führt die nördlichste von diesen Pyramiden den Namen der Tafel-Insel oder richtiger der Kleinen TafelInsel (Lilla Tafel-ö), doch hat diese schöne Insel die Ehre, das nördlichste Land in der alten Hemisphäre zu sein, an einen noch ein wenig nördlicher gelegenen ganz unbedeutenden und durch die Kleinen Tafel-Insel gewöhnlich verdeckten Holm, von Parry Ross-Insel genannt, abtreten müssen. Für die südlichste dieser drei Inseln, die auf einigen älteren Karten Tafel-Insel benannt wird, haben wir den Namen Nelson – Insel angewendet, zum Andenken an den berühmten Seehelden der in diesen Gegenden die ersten Proben seines Mannesmuthes abgelegt haben soll, und zuletzt den Namen Tafel-Insel für einen dritten im Süden der Kleinen Tafel-Insel gelegenen pyramidenförmigen Felsen beibehalten. Was die übrigen zu dieser Gruppe gehörenden Inseln betrifft, so haben wir drei derselben nach den drei berühmtesten Polar-Fahrern, Parry, Martens und Phipps, benannt, für die vierte jedoch keinen Namen vorgeschlagen, weil wir wegen des Nebels, der während unseres Aufenthaltes bei den Sieben Inseln fast ohne Unterbrechung herrschte und alle Beobachtungen erschwerte, nicht im Stande gewesen sind, ihre Lage und Begrenzung mit Sicherheit anzugeben. Die Tafel-Insel, die Kleine Tafel-Insel und die NelsonsInsel bilden, wie schon erwähnt, nicht besonders grosse, steile, schwarze, abgestumpfte Pyramiden, auf denen man schon im Anfange des August trotz ihrer Höhe von 700 bis 1000 Fuss keine Spur von Schnee bemerken konnte. Auch Parry-, Phipps- und Martens-Inseln haben mit einander grosse Ähnlichkeit. Sie bestehen nämlich alle drei aus isolirten, durch niedrige Sand-Isthmen von einander getrennten Gneisbergen, die an einigen Stellen eine absolute Höhe von etwa 2000 Fuss erreichen. Gewöhnlich stürzen diese Berge jäh ins Meer hinab, senken sich dagegen aber gemächlicher nach dem Sand-Isthmus, so dass man sie, wenn auch mit einiger Schwierigkeit, von dieser Seite besteigen kann. Die Sand-Isthmen sind gebildet aus vom Meere aufgeworfenem Sand, in welchem Überreste von Walfisch-Skeletten, Treibholz, Stücke von Schiffswracken, Bimsstein, Flossen von Fischgeräthen u. dgl. eingebettet gefunden werden. Nur zwei unbedeutende zurückgehende Jökel kommen hier vor, der eine gleich im Norden der kleinen Bucht an der Ostseite der Parry-Insel, der zweite an den Bergabhängen im Westen des Isthmus auf der Martens - Insel. Auch auf diesen nördlichen Inseln waren noch in einer absoluten Höhe von 1000 Fuss die Berge im Anfange des August ganz frei von Schnee und kaum erst in der Höhe von 1500 Fuss schien die Region des ewigen Schnee's zu beginnen. Die Vegetation war wohl sparsam, z. B. was die Phanerogamen betrifft, auf einige wenige Arten beschränkt, aber dennoch hinreichend, einige an den Abhängen der Berge weidende, zu der Zeit, da wir diese Inseln besuchten, äusserst fette Renthiere mit reichlicher Nahrung zu versehen. Eine Menge von Fischmeven (Larus) und Lummen (Uria grylle), doch, merkwürdig genug, so weit wir sehen konnten, keine Alke, hatten an den jähen Seiten der Berge ihre Wohnung aufgeschlagen. Spuren von Füchsen waren im Sande zu bemerken und während unserer Anwesenheit kamen ein Paar Eisbären zum Besuch an unser Boot. Auf der Reise von den Castrén-Inseln nach den Sieben Inseln (am 29. Juli) waren wir gezwungen, uns mit Mühe und Gefahr einen Weg durch die dicht aufgehäuften Treibmassen zu bahnen, und diese umgaben während unseres Aufenthaltes auf diesen Inseln die Inselgruppe von allen Seiten, so dass man nur zufällig zu Zeiten, da das Eis sich ein wenig zerstreut hatte, mit dem Boote von der einen Insel zu der anderen gelangen konnte. Besonders lag das lose Eis gegen Norden so dicht gepackt, dass man in dieser Richtung keine Spur von offenem Wasser erblicken konnte. Nur die kleinen Buchten an den Küsten der Inseln waren noch mit festem Eise bedeckt, das gleichwohl ganz zerfressen und augenscheinlich im Begriff war, sich zu lösen. Dieses feste Eis war auch an der

nördlichen Küste, z. B. in der nördlichen Bucht der Martens-Insel, ganz glatt und schloss keine Treibeisstücke ein – eine Thatsache, die zu beweisen scheint, dass das Meer, wenn es im Herbste zufriert, auch in diesen hohen Breitengraden frei von Treibeis ist. Bei der Rückkehr von den Sieben Inseln, am 7. August, begegneten wir in der Nördlichen Eissee wiederum so dicht zusammengepacktem Treibeis, dass es uns nur mit der äussersten Schwierigkeit nach zwölfstündiger anhaltender Arbeit gelang hindurchzudringen. Als wir darauf weiter gegen Osten steuern wollten, wurden wir Anfangs ganz von Treibeis zurückgehalten, so dass wir gezwungen waren zu wenden und am Extreme Hook günstigere Zeiten zu erwarten, doch schon nach einigen Tagen hatte das Eis sich dermaassen zerstreut, dass wir ohne Schwierigkeit Prinz Oscar - Land erreichen konnten. Dort mussten wir wieder einige Tage warten, bis das Fahrwasser um Kap Wrede und Kap Platen eisfrei geworden war, und etwas östlich von der letztgenannten Spitze war das Meer wiederum so mit Eis bestreut, dass ein weiteres Vordringen nicht für rathsam erachtet wurde. Am 15. August fuhren wir wiederum über die Nördliche Eissee, die jetzt ganz frei von Treibeis war, sich dagegen aber, wenn das Wetter still und ruhig wurde, mit einer dünnen neu gebildeten Eiskruste bedeckte, welche gleichwohl von geringer Dauer war. Alle Buchten an der nördlichen Küste des NordostLandes waren um diese Zeit entweder schon eisfrei oder bedeckt mit ganz zerfressenem festen Eise, das augenscheinlich noch vor der Ankunft des Winters sich zerstreuen sollte. Festes Eis, das den ganzen Sommer über liegen bleibt, kommt also an den Küsten des Nordost- Landes nicht vor und man dürfte daher genöthigt sein, sehr hoch gegen Norden zu gehen, um ein mit einer beständigen Eisdecke bedecktes Meer antreffen zu können.

(Die geognostische Beschreibung folgt in einem anderen Hefte.)

Der Mareb. Nach Munzinger.

Eins der wichtigeren Ergebnisse der Deutschen Expedition in Bezug auf ihr Forschungsgebiet zwischen dem Rothen Meer und dem Nil ist der Nachweis der bis dahin zweifelhaften Identität des Chor el Gash mit dem Mareb, die genauere Information über seinen Lauf und der endliche Aufschluss über sein Ende. Da gerade dieser Punkt der Ost-Afrikanischen Geographie so vielfach diskutirt worden ist, so entnehmen wir dem noch unvollendeten Reisewerke Munzinger's das auf den Mareb bezügliche

Kapitel im Auszug, noch ehe wir die alle genaueren Details wiedergebende Karte unseren Lesern vorzulegen im Stande sind. Wir hoffen, sagt Munzinger, durch unsere Reise den Lauf und Stromcharakter des Mareb endgültig festgestellt zu haben. Über beides waren die Geographen sehr uneinig, besonders die Identität desselben mit dem Gash war unbewiesen und konnte es nur durch eine Reise durch das Land der Kunäma werden. Wir passirten den Mareb zum ersten Mal bei seiner Quelle (bei Az Gebrei), dann zwischen Kohein und Adiabo bei Arakebu am nördlichen Fuss von Medebei Tabor, zum dritten Mal bei Mai Daro; wir traten an seine Ufer zum vierten Mal bei Elit und zum fünften Mal bei Kassala und sowohl die geographische Konfiguration des Bodens als die Aussagen aller Eingebornen bewiesen uns, dass wir es immer mit einem und demselben Flusse zu thun hatten !). Der Mareb ist seinem Abessinischen Laufe nach längst bekannt. Seine Quelle befindet sich etwas über dem Dorfe Az Gebrei (unweit von Adi Baro) im Hamasen. Nachdem er als Bach seine Matten durchzogen, fällt er eine halbe Stunde östlich vom Dorfe in einen Abgrund oder besser gesagt: während er in seinem ersten Anfang die Ebene durchfliesst, gelingt es ihm hier, sich ein tieferes Thal zu bilden, und dann erst tritt er charakteristisch in die Geographie des Landes ein. Die Abessinier sind also nicht im Unrecht, wenn sie diesen Punkt, wo er als Wasserfall in sein eigenes Thal sich stürzt, Ain Mareb nennen, da er erst hier selbstständig auftritt. Der Name Mareb gebührt ihm von hier bis wo er, zwischen dem Dembelas und Adiabo sich hinauszwängend, Abessinien verlässt. Sein Name, der „Sonnenuntergang" bezeichnet (vom Äthiopischen Verbum äraba, occidit sol), deutet auf seinen endgültigen Lauf und beweist, dass die Abessinier ihn nicht misskannten. Wie er nun um sich selber eine Spirale bildet, die sich erst bei Gundet aufwickelt, brauchen wir nicht zu beschreiben, da ihn schon die Portugiesischen Missionäre bestimmt haben. Er gräbt sich ein sehr tiefes Thal und trennt so von seiner Quelle an das nördlichere Hamasen vom Gau Loggon; dann sich eher südlich wendend schneidet er das südliche Hamasen und das sich ihm anschliessende Sarae von dem Gau Saher und ihrer Fortsetzung, dem Okulekusei, ab, und wo er, sich wieder nach Westen und Nordwesten wendend, auf sich selbst zurückkehrt, trennt er das Sarae und seinen Ausläufer, die Qolla Sarae, von dem Tigré und seiner nordwestlichen Fortsetzung, dem Shiré und Adiabo. Man kann diese erste Partie seinen Oberlauf nennen; seine Grenze ist zwischen Kohein und Adiabo. Bis hierher gehört er zu Hoch-Abessinien und

!) Zur Orientirung s. die Karte von Ost-Afrika im Ergänzungsband I der „Geogr. Mitth." Die Quelle des Mareb liegt südlich von Zasaga, von da läuft der Fluss nach Süd mit geringer Ausweichung nach Ost, so dass er sich westlich vom 39. Meridian östl. v. Gr. hält, bis er unter 14 ° N. Br. sich nach Westen wendet. Diese westliche Richtung behält er durch den Distrikt Gundet, wo ihn Heuglin und Steudner überschritten, bei, indem er sich etwas südlich von 14 ° N. Br. hält, durchschneidet dann diesen Parallel, sich nach Norden wendend, unter 38° 26' Östl. L. v. Gr. bei Arakebu, geht nordwestlich bis Mai Daro (14° 57' N. Br. und 37° 42' Östl. L.), beschreibt sodann einen Bogen nach Süden, durchschneidet den 15. Parallel unter 37° 12' Ostl. L. und geht bei Elit (Illiht der Karte) vorüber westnordwestlich nach Kassala.

A. P.

trennt scharf und tief sich einwühlend seine Ufergebiete, er ist so lange ein Waldstrom und ein eigentlicher Fluss, denn so lange hat er beständig fliessendes oberflächliches Wasser. Wir fanden ihn bei Arakebu nur den fünften Theil seines Bettes mit Wasser füllend, nur in der Regenzeit nimmt er seine ganze Breite ein. Von Arakebu nordwärts gehend verändert der Mareb seinen Gebirgscharakter; er tritt in das Land der Kunäma ein, und da hier das Hochgebirge entschieden gegen Norden abfällt, so nähert sich der Mareb immer mehr dem Niveau seines Uferlandes, er verliert sein Thal und anstatt das Land durchbrechend konsequent zum Barka abzufallen, wendet er sich gegen Westen und sucht sich langsam einen Weg ins Niederland. Wir nennen nun seinen Mittellauf die Strecke, so lange er im Lande der Kunäma bleibt, also von unterhalb Arakebu bis etwas unter Elit; so lange heisst er Sona. Auch sein Flusscharakter wird im Mittellauf ein ganz anderer, er ist nicht mehr der Abessinische Waldstrom, wird aber auch nicht Torrent in der Weise des Anseba oder des Barka, wo ausser der Regenzeit der Wasserstrom unterirdisch in dem Sandbett sich fortzieht und man überall im ersteren etwa 6 Fuss, im letzteren durchschnittlich 20 Fuss unter der Oberfläche Wasser findet, sondern bildet ein Mittelding. Abgesehen von der Regenzeit, wo er natürlich regelmässiger Fluss wird, also vom Juli bis September, zeigt er sich als Torrent, in einer Weise aber, dass das Sandbett hie und da von Teichen unterbrochen wird, wo das Wasser für kurze Zeit an die Oberfläche hinausquillt. Daher rührt die Sage, die schon auf des Jesuiten Lobo Karte sich findet, der Mareb verliere sich im Lande der Shángalla (Kunäma), um später wieder zum Vorschein zu kommen. Diese Sage, die richtig verstanden nicht unwahr ist, blieb falsch, so lange man sich unter dem Mareb einen Fluss im Europäischen Sinne des Wortes vorstellte, wo also der Wasserstrom unter irgend einem Felsen durch verschwinden konnte. Der richtige Sinn der Sage, wie wir ihn durch eigene Anschauung erkannten, ist, dass der Mareb in seinem Mittellaufe nicht mehr einen kontinuirlichen Fluss bilden kann: 1) weil ihm seine Uferländer, die weniger Regen haben als das Abessinisische Hochland, nicht mehr so viel Wasser zuführen, 2) weil die grössere Hitze mehr Wasser verdunstet, 3) weil die wasserdichte Thonschicht tiefer liegt als im eigentlichen Abessinien. So würde er zu einem Torrent, wie es der Anseba und Barka auch sind, da aber das Land der Kunáma eine viel festere Bodengestaltung hat als die Tiefländer des Anseba und Barka, die meist aus Granitschutt bestehen, so kann er sich kein so regelmässiges Bett graben; oft treten Felsen hemmend in den Weg oder schief entgegenliegende Schieferlager treiben das Wasser

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