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- - TT Entfer-TTTTT Stationen. nung in Bemerkungen. – – – – – Engl. Mon:_______ - - - - - Kutscha Kum . - 28 Unbewohnt, Wasser nur in Brunnen. Merw . . . . . . . . 20 Schöner Fluss, Weidegrund. Seit der Zerstörung der Stadt vor 70 Jahren durch den Emir von Buchara ist das Fort wiederholt von den Persern besetzt gewesen. Dieser Ort war die Hauptstadt des Kalifen Maimun und soll mehrere hundert tausend Einwohner gehabt haben. Jetzt wohnen ungefähr 40.000 TekiTurkomanen-Familien in und bei der Stadt. Kaltschah . . . . . 20 Unbewohnt. Saritschah Awastschaluk | 28 ** Utsch Hadji . - - 28 ** Rafahtah . . . . . . 32 ** Ischak Rebat . . . . 20 ** Karamal Chandhi TschaÄ - - - - Dorf. Tschahar Djug . . . 8 11 Labi Darja . - - - 4 Ufer des Oxus. Alat . . . . . . . 16 Dorf. Karakul . - - - 16 ** Jakkalut. . . | 16 | ,, Buchara . . . . . . 12 Grosse Stadt.

Die Regenverhältnisse der Argentinischen Republik im Allgemeinen

und der ungewöhnlich starke Regenfall in Tucuman zu Anfang des Jahres 1863 im Besonderen.

Mitgetheilt von Dr. Herm. Burmeister.

Die Beobachtungen, welche ich über die Regenhöhe der verschiedenen Punkte der Argentinischen Republik, wo ich mich längere Zeit aufhielt, angestellt habe, sind im Auszuge in meinem Reisebericht und ausführlicher in einer Abhandlung niedergelegt, welche im VI. Bande der Schriften der Naturforschenden Gesellschaft zu Halle erschienen ist. Seitdem nach Buenos Aires zurückgekehrt fand ich daselbst einen sehr sorgfältigen Beobachter, Herrn Manuel Eguia, mit Aufzeichnung aller meteorologischen Phänomene jedes Tages schon seit Jahren beschäftigt. Sehr bald mit diesem vortrefflichen Manne befreundet stellte derselbe mir seine Beobachtungen für ähnliche Mittheilungen zur Verfügung und daraus wie aus älteren, eben so sorgfältigen, von Theod. Mosotti leitete ich die Resultate ab, welche als ein Nachtrag zu jenem Aufsatze in den Schriften der Naturforschenden Gesellschaft im VII. Bande veröffentlicht wurden. Die Zusammenstellung dieser Beobachtungen geschah im Januar des Jahres 1862. Seitdem hat Herr M. Eguia hier in den öffentlichen Blättern seine Resultate für das Jahr 1862 bekannt gemacht, welche noch nicht der wissenschaftlichen Welt Europa's zugegangen sein dürften; diess und der ganz ungewöhnliche Regenfall, welcher sich im Februar des laufenden Jahres (1863) über die Provinz

Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1864, Heft I.

Tucuman ergossen hat, veranlassen mich zu den folgenden Bemerkungen, in denen ich einleitungsweise die bereits gewonnenen Resultate zusammenstelle. Beginnen wir mit Buenos Aires, als der am besten bekannten Örtlichkeit, so ist das Resultat von sieben hier beobachteten Jahren mit den allgemeinen Erfahrungen auf der Erdoberfläche ziemlich genau im Einklange. A. Mühry setzt in seiner Allgemeinen Geographischen Meteorologie S. 163 die jährlich fallende mittlere Regenmenge für die Zone vom 25° bis 40° Br. zu 35 Zoll Wasserhöhe an und die Beobachtungen in Buenos Aires ergeben 34,2 Zoll. Aber freilich ist der Ausfall in den sieben verschiedenen Jahren ein sehr verschiedener, er wechselt von 16,8 Zoll bis auf 51,5 Zoll, als den beiden Extremen, die hier in Unter den sieben Jahren sind nur 3 mit annäherungsweise normaler Regenhöhe, nämlich 1830 zu 35,3, 1832 zu 35,9 und 1834 zu 32,5; die vier anderen Jahre zeigen sehr grosse Schwankungen, nämlich 1831 mit 16,8, 1833 mit 51,5, 1861 mit 24,2 und 1862 mit 43,6. Hierbei fällt auf, dass das regenreichste Jahr 1833 keineswegs auf das regenärmste 1831 folgt, sondern erst ein normales Jahr zwischen beiden liegt, was die Nachtheile einer grossen Dürre, wie sie hier 2

dieser Zeit wahrgenommen wurden.

von Zeit zu Zeit sich einstellt, für den Landbau und die Viehzucht erhöht. Freilich scheint diess nach den Erfahrungen von 1861 und 1862 nicht immer der Fall zu sein, aber das laufende Jahr 1863 ist wieder ein trocknes, obgleich die Regenhöhe etwas grösser ausfallen wird als die vom Jahre 1831, aber wohl schwerlich grösser als die von 1861. Dieselben Erfahrungen sind in allen östlichen Provinzen der Argentinischen Konföderation gemacht worden; dürre Jahre wechseln weit öfter mit normalen als mit übernassen und es ist überhaupt ein recht nasses Jahr nur ein sehr ausnahmsweises Vorkommen. In Bezug auf die Vertheilung des Regens über die verschiedenen Jahreszeiten gilt als Regel, dass der Frühling die regenreichste Jahreszeit ist, der Winter die regenärmste und dass Sommer und Herbst einander ziemlich nahe kommen, in der Regel aber im Sommer noch etwas mehr Regen fällt als im Herbst. Als Mittelzahlen der sieben Jahre ergeben sich nachstehende Resultate:

1830. 1831. 1832. 1833. 1834. 1861. 1862. Mittel.

Frühling . 1683 28 159 Sommer . 8,55 440 2,42 6,5 11,5 | 7,0 Herbst . . . 5,46 | 7,73 8,26 20,75 7,12 | 4,5 10,9 | 9,2 Winter . . 4,72 1,77 10,06 8,80 2,98 | 3,8 | 8,9 | 59 35,36 16,88 35,93 51,53 32,45 24,2 43,6 34,1 In dieser Aufzählung erscheint zwar das Mittel des Herbstes höher als das des Sommers, aber nur weil der ungemein nasse Herbst des Jahres 1833 ein solches Übergewicht hervorbringt, von den übrigen sechs Jahren haben vier einen regenreicheren Sommer als Herbst und darum darf man wohl diess Verhältniss als das normale ansehen, zumal wenn man bedenkt, dass in dem Falle die Abnahme der Regenmenge vom Frühlinge bis zum Winter eine ziemlich regelmässig fortlaufende ist, was sich auch nach der Beobachtung normaler Jahre als Mehrzahl und Norm ergiebt; darum habe ich mich für diese Auffassung entscheiden müssen. – Für die einzelnen Monate lässt sich übrigens durchaus kein sicheres Resultat aus den vorliegenden Beobachtungen ableiten, indem bald der September, bald der Oktober der regenreichste Monat ist, mitunter aber auch der November. Der Januar ist gewöhnlich regenärmer als November und Februar und der regenärmste Monat in den meisten Fällen der Juli, in anderen der August oder gar der Mai (1861), selbst der April (1832). Die grösste Regenmenge während eines Monats beträgt 10,3 für den September 1830, die geringste 0,09 für den Februar 1831, ein in jeder Hinsicht abnormes Verhältniss, weil übrigens der Februar nicht regenarm zu sein pflegt. Die trockensten Herbst- und Wintermonate (August 1831 und April 1832) haben noch 0,2 Regenhöhe. Ein Monat ganz ohne allen Regenfall ist endlich in den sieben Jahren nicht vorgekommen.

13,16 14,03 9,4 12,3 8,82 | 8,32

12,0

Mit den für Buenos Aires maassgebenden Verhältnissen stimmen die Resultate meiner Beobachtungen in Paraná, der damaligen Hauptstadt der Konföderation, ziemlich gut überein; ich fand während des Jahres 1858 bis 1859 eine auf 33 Zoll Wasserhöhe geschätzte Regenmenge, welche sich über 53 Regentage vertheilte. Von diesen 53 Tagen fielen 23 auf den Frühling, 17 auf den Sommer, 8 auf den Herbst und 5 auf den Winter. Nehmen wir an, dass die Regengüsse im ganzen Jahre ziemlich gleichmässige gewesen wären, was der Wahrheit nahe kommt, so beträgt die Regenhöhe des Frühlings 12,5 Zoll, die des Sommers 9 Zoll, des Herbstes 7,5 und die des Winters 4 Zoll, was ziemlich genau mit den Mittelwerthen, die wir für Buenos Aires aufgestellt haben, übereinstimmt. Wir können uns, glaube ich, mit diesem Ergebniss einstweilen, in Ermangelung umfassender Beobachtungen, zufrieden geben und danach annehmen, dass die atmosphärischen Niederschläge in Entrerios noch eben so fallen wie bei Buenos Aires, was dann weiter zu dem Schlusse einer allgemeinen Übereinstimmung der östlichen Seite des ganzen extratropischen Paraná - Beckens einigermaassen berechtigt. Auch ist es hier im Lande sehr wohl bekannt, dass die jährlichen Regengüsse in Corientes, in Santa Fé und der Provinz Cordova bis an die Sierra nicht zahlreicher oder heftiger sind als etwa bei Buenos Aires oder Paraná; im Gegentheil, man schreibt allgemein den letztgenannten Örtlichkeiten zahlreichere und stärkere Regengüsse zu als den zuvor erwähnten.

Anders stellen sich die Verhältnisse, wenn man weiter nach Norden und Westen in das auf dieselbe Weise sanft ansteigende Argentinische Tiefland hinaufgeht; dort begegnen wir völlig verschiedenen und zum Theil ganz eigenthümlichen Erscheinungen.

Zuvörderst habe ich eine gute Beobachtungsfolge aus dem Jahre 1857 bis 1858 für Mendoza, wo ich mich damals 13 Monate lang aufhielt. Es gab während des ganzen Jahres nur 39 Regentage, deren gesammte Regenhöhe ich auf 8 Zoll Wasserstand anschlagen konnte. Von den 39 Regentagen fielen 14 auf den Frühling, 18 auf den Sommer, 7 auf den Herbst, aber keiner in den Winter; diese Jahreszeit war ohne alle Regen, nur einige Male stellten sich starke Nebel ein, die einen sichtbaren Feuchtigkeits-Niederschlag bewirkten, aber zur tropfbaren Kondensation kam es nicht. Indessen ist das dort nicht ganz allgemeine Regel; ein anderer Beobachter, welcher mir seine Ergebnisse mittheilte, fand zwar nur 37 Regentage, aber davon fielen 5 auf den Winter, 4 in den Herbst, 20 auf den Sommer und 8 auf den Frühling. Hiernach scheint der Sommer die regenreichste Jahreszeit zu sein und ihm in der Regel der Frühling an Höhe des Wasserfalles nachzustehen. Auch war es nicht zu verkennen, dass die Regen lange nicht die Stärke besassen, welche sie bei Paraná und Buenos Aires erreichen können, denn hier habe ich, wenigstens bei Paraná, mitunter während der heftigsten Regengüsse etwas über 2 Linien Wasser in der Stunde aufgefangen und bei Mendoza niemals mehr als 1,8 Linie in der Stunde, denn die 63 Stunden, während welcher es an den 39 Tagen geregnet hatte, ergaben nur 8 Zoll Wasser, mithin nicht viel über 1,6 Linie als Durchschnittsquantum für die Stunde. Ich schätzte die Regenhöhe des Frühlings auf 32 Linien, die des Sommers auf 50, die des Herbstes auf 19 und die des Winters nur auf 1 Linie, während sie nach jenem anderen Beobachter, der Regen im Winter fallen sah, vielleicht 5 oder 6 Linien betragen möchte. Bemerkenswerth ist es endlich, dass die atmosphärischen Niederschläge bei Mendoza gewöhnlich ein Mal im Jahre, im Anfange des September, als Schnee auftreten, während bei Buenos Aires nie Schnee fällt und noch viel weniger bei Paraná. Indessen habe ich auch in Cordova vereinzelten Schnee beobachtet, der freilich schon schmolz, so wie er fiel, während er bei Mendoza in der Regel, wenn er in der Nacht gefallen ist, bis zum nächsten Mittag liegen bleibt. Denselben allgemeinen Charakter eines sehr dürftigen atmosphärischen Niederschlags hat nun die ganze Westseite der Argentinischen Republik, und zwar in steigendem Grade, je weiter man nach Norden kommt. In San Juan regnet es schon viel seltener als in Mendoza und noch seltener in La Rioja, während in Catamarca der Regen in manchen Jahren ganz ausbleibt. Überall ist es auch hier Regel, dass der Winter gar keinen Regen hat und die meisten Regen in den Sommer fallen, ganz wie bei Mendoza. Schnee giebt es schon in San Juan nicht mehr und noch viel weniger in La Rioja oder Catamarca; an beiden Orten kennt man ihn nur auf den Gipfeln der benachbarten Gebirge, der Sierra Famatina und Sierra Aconquija, dagegen liegen die Thäler der benachbarten Cordilleren auch bei San Juan im Winter voll Schnee, wie noch weit mehr in der Höhe Mendozas, wo der Schnee Monate lang liegen bleibt. Höher nach Norden, neben La Rioja und Catamarca, kommen heftige Schneestürme auf dem Cordilleren-Plateau im Winter vor, aber der Schnee liegt auch hier nur einige Tage oder höchstens eine Woche, obgleich er vom Winde gepeitscht in den Schluchten und Thälern zu bedeutender Höhe sich sammelt und viel länger liegen bleibt als auf der Hochfläche des Gebirges selbst. Verschieden von beiden Zonen, der östlichen und der westlichen, sind endlich die Regenverhältnisse der nördlichen Provinzen, wohin Tucuman, Salta und Jujuy gehören. Ich kenne davon freilich nur Tucuman aus eigener

Anschauung, aber es unterliegt keinem Zweifel, dass die anderen beiden in der Hauptsache sich eben so verhalten werden. Während des halben Jahres (vom Juli bis Februar), welches ich mich daselbst aufhielt, habe ich die wichtigsten Jahreszeiten, den Schluss des Winters, den Frühling und die Hälfte des Sommers, genugsam kennen gelernt, um ein richtiges Urtheil über die Regenverhältnisse der dortigen Gegend abgeben zu können; ich habe dabei erfahren, dass auch hier der Sommer der regenreichste Zeitraum ist und der Winter gar keinen Regen hat. In sofern stimmt also Tucuman mehr mit Mendoza als mit Buenos Aires überein, aber die Quantität des fallenden Regens ist sehr viel grösser als die von Mendoza und wahrscheinlich auch grösser als die von Buenos Aires, wenn man die Mittelzahlen beider Orte betrachtet. Es gab in Tucuman im Jahre 1859 keinen Regentag im Juli, August und September, aber das hielt man dort selbst für abnorm, im September hätte es nach der allgemeinen Regel schon regnen müssen. Den ersten Regen beobachtete ich den 10. Oktober, wo er gegen Abend fiel, und ausserdem regnete es noch sechs Mal in demselben Monat; im November regnete es acht Mal, im Dezember sieben Mal und im Januar ebenfalls sieben Mal. Der Quantität nach fiel der meiste Regen im November, nämlich 9,9 Zoll, der Oktober hatte nur 1,4 Zoll gegeben, der Dezember 6,4 und der Januar 6 Zoll. Da der Februar auch hier regenreicher ist als der Januar, so schätzte ich sein Quantum auf 8 Zoll, das des März auf 4 Zoll und das des April auf 3 Zoll, wonach die gesammte Regenhöhe des Jahres 38 Zoll betragen würde. Diess ist für ein nach dem allgemeinen Urtheil der dortigen Bevölkerung trocknes Jahr eine ziemlich beträchtliche Regenhöhe, welche uns zu der Annahme berechtigt, dass sie der Mittelzahl des jährlich bei Tucuman fallenden Regens wohl ziemlich nahe kommen werde. Auf keinen Fall aber ist sie zu hoch gegriffen, eher zu niedrig. Diess sind also die normalen Regenverhältnisse der Argentinischen Provinzen; wir kommen nun zu den abnormen, wie sie von Zeit zu Zeit in einzelnen Gegenden sich bemerkbar machen. Hier gilt als Regel für die östliche Zone, dass überaus heftige, lange anhaltende Regengüsse daselbst auch ausnahmsweise gar nicht beobachtet sind, sondern dass vielmehr sehr heftige Dürre in manchen Jahren sich einstellt, die dann in hohem Grade nachtheilig wird für die gesammte Agrikultur der Landschaft. Man rechnet unter 5 Jahren hier zu Lande nur 2 gute und 3 schlechte und sieht in Zeiträumen von 12 bis 15 Jahren grosse Trockniss sich wiederholen, die dem reichen Viehstande des

Landes mit Verderben droht und über die Hälfte bis zwei

Dritttheile der Häupter vernichtet, aber nie habe ich von ganz abnormen Regenzeiten und Zerstörungen durch Wassersnoth in der Provinz von Buenos Aires, Santa Fé und Entrerios reden hören, es sei denn ein ungewöhnlich hoher Stand des Rio Paraná, der indessen sein Wasser hauptsächlich aus Brasilien bezieht, wo heftige und anhaltende Regenzeiten gewöhnlich sind. Auch bei Mendoza und im ganzen Westen der Konföderation sind Wolkenbrüche und anhaltende Regenzeiten unbekannt, wohl aber kennt man sie in den nördlichen Gegenden und in der Mitte des Argentiner Tieflandes, bei Cordova, wo die Sierra gleichen Namens aus dem Blachfelde mit mehreren Ketten sich erhebt. Die Hauptstädte einiger dieser Provinzen liegen, wie Salta und Cordova, in engen Kesseln und kamen mehrmals in Gefahr, von den Wasserfluthen, die sich während solcher Regenzeiten bildeten, buchstäblich fortgerissen zu werden; erst künstliche Vorrichtungen haben beide Städte vor der Wiederholung einer ähnlichen Katastrophe gesichert. – Die Stadt Tucuman liegt günstiger, auf einer weiten Ebene, 40 bis 50 Fuss höher als der Fluss Tala, welcher im Westen Legua vom Orte fliesst, aber die weite Niederung, welche sich von ihm bis zur Stadt hin erstreckt und die wegen ihrer Fruchtbarkeit am besten angebaut ist, kann leicht, wenn der Fluss auch nur ein Paar Fuss steigt, von ihm überfluthet und ihres schönsten Schmuckes, der blühenden Kultur, beraubt werden und so geschah es zu Anfang des Jahres 1863 durch eine Wasserfluth, die an Grösse und Gewalt. Alles übertroffen hat, was von ähnlichen Ereignissen bisher in diesem Lande bekannt geworden ist. Leider fehlen darüber gute und sichere Beobachtungen wissenschaftlich gebildeter Persönlichkeiten; es liegen nur Zeitungsberichte vor, die viele Lücken übrig lassen und aus denen ich das Nachfolgende geschöpft habe.

In einem dieser Berichte, welcher vom 26. Februar datirt ist, heisst es, dass der Regen 22 Tage hinter einander mit solcher Stärke und Heftigkeit gefallen sei, wie man ihn nie zuvor bei Tucuman kennen gelernt habe. Der grösste Theil dieses heftigen Niederschlags fiel auf die nördliche Hälfte der Provinz, östlich von der Sierra Aconquija, wo der Rio Tala zwischen deren nördlichen Ausläufern noch auf dem Gebiet der Nachbarprovinz Salta entspringt und von mehreren kleinen Bächen, die aus den benachbarten Sierren kommen, gespeist wird. Diese Bäche schwollen alsbald zu reissenden Strömen an und ergossen ihr Wasser mit solcher Gewalt in den Hauptfluss, dass derselbe über seine natürlichen, durchschnittlich 3 bis 4 Fuss hohen Ufer trat und die umliegenden Gegenden Meilen weit unter Wasser setzte. Die Überfluthung der dadurch in einen See verwandelten Niederung wuchs von Tage zu Tage und dehnte sich in Folge der beständigen

Zunahme des Wassers immer weiter nach Süden aus, so dass der Rio Hondo südlich von der Stadt eine Höhe erreichte, wie man bei ihm bisher noch nie gesehen hatte. Etwa 1 Legua nördlich von Tucuman befindet sich neben dem Fluss eine weite feuchte Niederung, welche von leichten Höhen umgeben ist, in denen zahlreiche Vizcachas hausen, daher man diese Gegend, eine der am besten angebauten der Provinz, das Vizcacheral nennt. In diese Niederung drangen die aufgethürmten Fluthen und verwandelten dieselbe mit solcher Schnelligkeit in einen See, dass die Bewohner kaum Zeit hatten zu flüchten, indem sie unmittelbar in ihren Häusern selbst vom Wasser überrascht wurden. Ungeheuere Sand- und Lehmmassen, welche die stürmischen Wogen mit sich fortwälzten, drangen in die schön kultivirten Zucker-, Reis-, Tabaks- und Kleefelder, sie alsbald mit ihrem Schlamm so vollständig bedeckend, dass die Eigner nur aus den höheren Bäumen errathen konnten, wo ihre Besitzungen sich befanden. Weder Zäune noch Häuser, alle leicht aus Strauchwerk mit Lehmbewurf gebaut, hielten Stand; im Nu waren sie fortgerissen und schwammen auf den schäumenden Wellen hinunter, gemischt mit allem möglichen Hausgeräth, das in ihnen sich befunden hatte. Manche der Einwohner, die sich auf das Dach ihres Rancho's gerettet hatten, weil ihnen keine andere Zuflucht übrig blieb, schwammen mit dem leichten Back davon und entkamen nur durch einen glücklichen Zufall, dass ein solcher Nachen hier oder da hängen blieb, dem drohenden Untergange; mehrere – man giebt ihre Zahl von dieser Gegend der Bevölkerung zu 10 an – ertranken, bevor sie gerettet werden konnten. Ausserdem wurde unter den nördlichen Distrikten besonders der von Buruyaco hart mitgenommen, wo die weite Niederung östlich vom Fluss dem Umsichgreifen der Überschwemmung nach allen Seiten hin kein Hinderniss in den Weg legt und die benachbarte Serrania vielfache Bäche zu seiner Vergrösserung entsendet, wie den Chorillo, der sich bei el Sauce eine Mündung in den Rio Sali (oder Tala) bildete. Der Bach von Cajon, welcher sein Wasser vom Westabhange der Serrania bezieht, schwoll so schnell an, dass er in kurzer Frist eine Fläche von 12 Leguas bedeckte und Sand und Felstrümmer über dieselbe ausschüttete. Viel Vieh, das auf den Niederungen weidete, ging dabei zu Grunde, denn an einigen der tiefsten Stellen lag der Sand und Schlamm nach dem Rücktritt des Wassers 2 Varne (über 5 Fuss) hoch und unter ihm die begrabenen Leichen der ersäuften Häupter. Auch der Bach, welcher in den kleinen Fluss Calera, einen Ast des Sali, fällt, hat die seit Jahrhunderten an seinen Ufern wohnende Bevölkerung verscheucht, trotzdem sie sich durch die hohe Lage ihrer Ansiedelungen Anfangs für sicher hielt; die Bewohner von Potrerillo und Juncal wurden eben so gut wie die der Ebene aus ihren Sitzen verjagt, als das Thal unter Wasser gerieth. Am Wege, der von Cedro-racu nach Chorillo führt, haben ganze Felsblöcke sich vom Gebirge abgelöst, weil das Wasser mit solcher Gewalt in die Fugen des Gesteins drang, dass dasselbe seinen Halt verlor und herunterstürzte, wahrscheinlich weil das Erdreich unter den Blöcken weggespült worden ist, auf dem sie ruhten. Jetzt liegen sie im Wege, den sie dadurch unpassirbar machen, gleichwie sie ein Haus zertrümmerten, das ihnen entgegen stand, nebst einer Schafheerde, die dabei gelagert war. Dieselbe Erscheinung ist noch an einigen anderen Stellen des Gebirges vorgekommen. Die Stadt Tucuman selbst hat nicht gelitten, weil sie

ziemlich hoch, 40 Fuss über dem Fluss, auf einer weiten

Fläche liegt; aber die ganze Niederung unter ihr ist überfluthet und die darauf gegründete beste Hälfte ihrer Quinten und Plantagen vollständig vernichtet worden. Auch westlich von der Stadt, wo der kleine Bach des Manantial de Marloga fliesst, ist dieselbe Zerstörung erfolgt; die dort liegenden zahlreichen Lohgerbereien haben nicht bloss ihre Grundanlagen, sondern auch den grössten Theil ihrer bereits vollendeten Industrie verloren. Selbst das alte und feste Haus, in dem ich während meiner Anwesenheit daselbst wohnte, ist bald nach der Katastrophe in Folge der Durchweichung des Bodens zusammengestürzt. Aber am allerempfindlichsten ist die Ortschaft Leales, welche südöstlich von Tucuman am Rio Hondo liegt, vom Wasser mitgenommen worden. Hier hatte sich die ganze in den nördlicher gelegenen Gegenden gefallene Wassermasse mit solcher Gewalt zusammengehäuft, dass die sämmtlichen Häuser des Dorfes sammt der Kirche davon fortgespült wurden, nur drei etwas fester gebaute hielten den Stoss des anprallenden Stromes aus und blieben stehen. Das Ereigniss erfolgte den 25. Februar Abends zwischeh 7 und 8 Uhr und überraschte die Bevölkerung so schnell, dass Viele nicht Zeit hatten zu flüchten, sondern mit ihren Häusern fortgerissen wurden. Gegen 300 Personen waren binnen Stunde obdachlos und irrten auf den erhabensten Punkten der Niederung umher, nach den Ihrigen suchend und auf Schutz gegen die steigenden Wasser hoffend, welche sie von allen Seiten umgaben. Das Geschrei und Wehklagen der Weiber und Kinder wurde überboten von dem Gebrüll des zahlreichen Viehs, das im Wasser stand oder watete und nirgends einen Rückzug fand, nach dem es sehnsüchtig und laut brüllend ausschaute. Viele von diesen unglücklichen Thieren gingen zu Grunde und liegen mit Schlamm und Sand überschüttet auf dem Boden, der noch vor Kurzem reiche Saatfelder trug und mit den sorgfältigst gehaltenen Plantagen geziert

war. Das ganze Dorf mit allen seinen Einwohnern ist buchstäblich zu Grunde gerichtet worden, obgleich während der Katastrophe selbst nur ein Paar Menschen ums Leben kamen. Aber der Schmerz, die Verzweiflung, der Hunger und die Entbehrungen, welche sich demnächst einstellten, haben. Viele aufs Krankenlager geworfen, dem eine nicht unbedeutende Zahl endlich erlag. So lauten die Berichte über diese gewaltsame Katastrophe, sie sind schrecklich genug, um auch die Theilnahme fern wohnender Mitmenschen rege zu machen und zu verdienen. Aber für den wissenschaftlichen Forscher haben sie noch ein anderes Interesse, indem sie im Stande sind, ihm über Phänomene Aufschluss zu geben, welche vormals in entlegenen Zeiten auf ähnliche oder noch hefMit Grund darf man annehmen, dass es solche von Zeit zu Zeit wiederholte heftige Wasserfluthen gewesen sind, welche den gigantischen Thiergestalten ihren Untergang bereiteten, deren Reste wir gegenwärtig so häufig im La Plata-Becken begraben finden und deren Gebeine von ähnlichen Fluthen mit fortgewälzt oder an Ört und Stelle, wo sie in ihnen starben, begraben worden sind. Es ist hier nicht der Ort, die verschiedenen Hypothesen zu prüfen, welche man über die Entstehung der grossen Pampas - Formation, derselben, in deren sandigen Mergel- oder Lehmschichten die genannten Reste sich finden, bereits aufgestellt hat; nach dem Einen ist sie der Niederschlag in einem Meerbusen, nach dem Anderen eine Dünenbildung und nach der gewöhnlichsten Annahme das Produkt eines grossen Flusses, der sich über das flache Vorland der Diluvial - Epoche ausbreitete. Aber alle drei Hypothesen erscheinen bei näherer Prüfung unhaltbar, schon die so enorme Ausdehnung über die ganze ebene Fläche des Argentinischen Tieflandes spricht dagegen. Darum habe ich mich immer zu der Ansicht, welche sich mir bei eigener Anschauung der Örtlichkeiten und Verhältnisse alsbald aufdrang, bekennen müssen, dass die Pampas-Formation ein Süsswasserprodukt sei, an dem nur in der Nähe der Meeresküste oceanische Einflüsse sich geltend machen konnten. Ich glaube, dass die auf den älteren und ältesten Erhebungen des Argentinischen Beckens sich niederschlagenden atmosphärischen Gewässer es gewesen sind, welche das Material der Pampas-Formation herbeischafften und absetzten, und dass damals wie jetzt von Zeit zu Zeit wiederkehrende überaus heftige Regengüsse es waren, die lokale, aber ziemlich weit ausgedehnte Überfluthungen des Tieflandes bewirkten, auf dem jene Riesenthiere der Vorzeit, das Mastodon, Megatherium, Mylodon, Toxodon und Glyptodon, lebten. Sehr zu bedauern ist, dass man über die wirkliche Höhe des bei Tucuman gefallenen Regens gar keine pas

tigere Weise eingetreten sein mögen.

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