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kann/ wenn das, was er von dem Verkaufer erhielt, an Werth nicht die Hälfte dessen be. trägt, was er dafür an Geld bezahlt hat, oder, welches eben so viel ist, wenn das bezahlte Kaufgeld den doppelten wahren Werth der Sache übersteigt, so baß er weniger als die Hälfte der Waaren erhielt, die er "für sein Geld hätte erhalten sollen. So ist nun das Ver« hältniß zwischen Käufer und Verkäufer ganz gleich. Wenn also der Verkaufer eine Sache, die 10 Werth ist, für 4 verkauft hat, so muß der Käufer die Sache für 21 ge« kauft haben, wenn eine Verletzung über die Hälfte vor« Händen seyn soll. Denn nun erhält der Verkäufer an Gel» de nicht die Hälfte des wahren Werths, und der Käufer an Waare nicht die Halste des dafür bezahlten Geldes. Jeder verliert hier mehr, als die Hälfte dessen, was er vor dem Concract hatte, und hat nicht die Hälfte soviel erhalten, als er für das, was er gab, hatte erhalten sol« len. Der Verkäufer leidet also die Verletzung an dem zu geringen Kaufgelde, der Kaufer an dem zu geringen Werths der Waare. Denn was Key dem verletzten Ver. käufer die Sache ist, welche er tradirt, ist bey dem Ver« letzten Käufer der Preis, den er dafür zahlt. Das, was also bey dem Verkäufer in Ansehung der verkauften Sa. che die Hälfte ist, eben das ist bey dem Käufer die Hälfte in Anfehung des bezahlten Kaufgeldes. So wie demnach bey dem Verkäufer das bezahlte Kaufgeld zweymal und noch etwas darüber in dem Werths der ver. kauften Sache enthalten feyn muß, wenn aus diesem Grunde auf die Rescission des ContractS soll geklagt wer, den können; so muß auch bey dem Käufer der Werth der Waare in dem von ihm bezahlten Kaufgelde zwey.

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mal und noch etwas darüber enthalten seyn, wenn auch seiner SeitS eine Rescission Statt sinden soll. So klar und deutlich dieses alles ist/ so hat es dennoch vie« len nicht einleuchten wollen. Man sagt, wenn der Kau« fer um 20 kauft, was io gilt, und der Verkäufer um 5 verkauft, was auch l<? werth ist, so sey ja der Käu, ser um io, der Verkäufer aber nur um 5 verletzt/ folg, lich könne keine gleichmaßige Verletzung vorhanden seyn. Allein man irrt. ^Quantitativ, das heißt, in Ansehung der Summe ist freylich die Verletzung des einen Theils der Verletzung des andern nicht gleich; aber doch quotitatlv, das heißt in Ansehung des verhältnißmäßig gleichen Theils, (rata porcio) weil jeder in der Hälfte verletzt ist. Nun kommt es aber hier nicht auf die Qua n« titat, d. i. auf eine bestimmte Geldsumme, sondern nur auf eine Quote an; und diefe hat das Gefetz auf die Hälfte bestimmt, so daß derjenige, welcher über die« selbe verletzt, ist, die Wohlthat des Gesetzes zu genießen haben solle. Derjenige, welcher eine Sache für i« Rthlr. verkauft, welche 20 Rthlr. werth ist, ist also eben so, wie derjenige, welcher eine Sache für 5 Rthlr. verkauft, welche 1« Rthlr. werth ist, in der Hälfte verletzt, wenn auch nicht in gleicher Summe. Der eine hat alfo, wie der andere, auf die Wohlthat des Gesetzes Anspruch, wenn jener weniger als ic?, dieser aber weniger als 5 für die verkaufte Sache erhielt. Eben so ist derjenige, welcher eine Sache für 2« kauft, die nur lc? gilt, so gut in der Hälfte verletzt, als derjenige, welcher «ine Sache für is« kauft, die nur 50 werth ist. Daß aber nach dem ange» gebenen Verhältniß der Kaufer dem Verkäufer auf das vollkommenste gleichgesiellet werde, wird sich am evidente,

sten sten zeige« / wenn man annimmt, A. kaufe um ro«, was nur 50 werth ist; B. aber verkaufe um 50, was ios gilt. Beyde veräussern oder geben hier ioo hin. Der Kaufer in Geld, der Verkäufer in Waare. Jeder erhalt dafür nur 50. Der Käufer in Waare, der Verkäufer in Gel« de. Jeder verliert also 5«. Eine treffendere Gleichheit zwischen dem Kaufer und Verkaufer laßt sich gar nicht denken. So wie hier also der Verkäufer nicht auf Rescist sion des Handels klagen kann, eben so auch nicht der Käu« 'fer. So wie hingegen der Verkaufer, wenn er die Sa« che unter 5« Rthlr. verkauft hat, sich der Wohlchat des Gesetzes zu erfreuen hat, so muß sie nun auch dem Käu. fer zustehen, wenn die erkaufte Sache noch nicht 5« Rthlr. werth ist. Welche abstechende Ungleichheit aber zeigt sich dagegen in dem angeführten Beyspiel nach der Berech» nung der Glosse! Denn nach derselben wird derjenige, wel« cher eine Sache für ivs gekauft hat, die 50 werth ist, «uf die Aufhebung des ContractS klagen können, aber nicht derjenige, welcher für 50 verkaufte, was ioo werth ist. Man wendet zwar ein, die Gesetze hätten ja aber doch den wahren Werth der Sache als das Ganze, oder «ls den Maasstab angenommen, wornach die unmäßige Verletzung auf Selten des Verkaufers zu bestimmen fey; es müsse folglich auch eben dieser Werth bey dem Käufer zum Maosstabe dienen, um nach demselben auf feiner Sei» te die iäsion zu beurtheilen. Allein gerade hierin liegt der Fehler, daß man sich an die Worte des Gesetzes ba!,d, ohne in den Geist desselben einzudringen. Man bedenke doch, daß das Gesetz blos von dem Verkäufer spricht, welcher die Sache tradirt, und den'Preis dafür erhält» Bey diesem konnte natürlich das Gefetz keinen andern Maas« stab annehmen, nach welchem die Verletzung desselben zu bestimmen sey, als den wahren Werth der Sache. Denn um zu beurtheilen, ob der Verkäufer enorm verletzt sey, muß man ja nothwendig dasjenige, was er für seine Waa» re erhalten hat, mir ihrem wahren Werths vergleichen. Was ihm also fehlt, hat er an dem Werths der Sache verloren, den er hätte bekommen sollen. Indem nun das Gesetz bestimmt, daß der Verkäufer alsdann enorm verletzt sey, wenn er weniger, als den halben Werth der Sache erhalt, so erscheint ja hieraus klar, daß das Gesetz die Größe der iäsion nicht nach der absoluten Größe des Schadens, sondern nach einem geometrischen Verhält» niß, als dem natürlichen Maasstabe, bestimmt habe. Denn eben dadurch äußert sich die unmaßige Verletzung auf Seiten des Verkaufers, wenn die Verletzung so groß ist> daß das Verhaltniß der verkauften Sache zu dem empfan. genen Kaufgelde größer ist, als die Hälfte des Warths der verkauften Sache. Wenn man nun das Gesetz auf den Kaufer anwenden will, so darf man ja hier nicht, wie bey dem Verkaufer, auf den wahren Werth der Sa. che sehen, sondern vielmehr aus den Preis, den er dafür bezahlt hat. Denn, was ihm fehlt, hat er an dem verlo. ren, was er bezahlte, nicht an dem, was er dagegen empsieng. Uni also die Größe seiner Won zu beurtheilen, wird der Käufer das, was ihm fehlt, auf den für die erkaufte Sache bezahlten Preis, als einen Theil des Gan. zen, referiren, und nach diesem Maasstabe die Größe feiner iasion bestimmen müssen. Gewiß würden daher die Kaiser, wenn ihnen der Fall eben sowohl von dem Käufer, als von dem Verkaufer, wäre vorgelegt wor« den, refcribtrk haben, daß er nur dann für enorm ver, Glücks Erläut. d. Pand. 17. Tb. D letzt letzt zu hallen sey, wenn er an Waare noch nicht einmal die Hälfte so viel bekommen hat, als das dafür bezahlte Kaufgeld betragt, oder wel» cheS eben fo viel ist, wenn das Verhältniß des bezahlten Kaufgeldes zun, Werths der gekauften Sache größer.ist, als die Halste der dafür bezahlten Summe. Denn das Verhaltniß im Falle des verletzten Verkaufers ist, nach der Bestimmung des Gesetzes, eine proporrio ciuplä major, nämlich 49 zu ioo. Es muß also auch im Falke des verletzten Kaufers nach dem Geist des Gesetzes eine gleiche proporci« <wpla maior Statt finden, nämlich ,oo zu 2«l > nicht 10a zu 151. Das aus dem Geist des Gesetzes abgeleitete Princip ist also, derjenige Theil ist beym Kaufcontract über die Hälfte verletzt, er sey Ve» käuser oder Käufer, welcher über zweymal mehr hingab, . als er dagegen empfing, oder dafür, was er gab, weni. ger als die Hälfte empfing, also der Verkaufer, welcher für 2« i an Werth, nur ic?« an Geld erhielt, und der Käuser, welcher für ro« am Werth, 201 an-Geld bezahl« te. Wie konme nun Tirius bey dieser Evidenz unfe< rer Meinung hier vulgatum illuä anwenden:

/«/o/?^u/? Ich setze ihm den Ausspruch des Cicero^/) entqegen: ^a/e«t ae^ttita/, guae /?azi^, z„

Da man die ^. 2. t7«a'. ^e/r. nun ein,

mal für eine ganz svecielle und erporbitante Verordnung

hält,

ai) Observsc. rstiocisnc in comnenä. Iuris I>sukerb»cK. n. r. Obs. 542. in Kn. p Z62.

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