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SABINÜS-FRAGMENTE

EN

ULPIANS SABINÜS-COMMENTAR

VON

FRITZ SCHULZ

PRIVAT DOCENT AN DER UNIVERSITÄT FREIBURG I. BR.

HALLE A. D. S.
VERLAG VON MAX NIEMEYER
1906

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I. Dass uns in den Sabinuskommentaren des Pomponius, Paulus und namentlich Ulpian eine Reihe von Originalbruchstücken aus den Werken Sabins überliefert sind, wiewohl der Name des Sabinus dabei nicht ausdrücklich genannt wird, ist lange bekannt. Bereits Cuiacius') wollte in einigen Fragmenten sententiae Sabini erkennen, vor allem aber hat Lenel in seiner Palingenesia und der daran anschliessenden Arbeit „Das Sabinussystem" (Strassburg 1892) und Pernice im Labeo für eine Reihe von Entscheidungen Sabin als Autor nachzuweisen gesucht. Die Zahl der so gefundenen Sabinustexte ist im ganzen nicht sehr gross, freilich ist darnach auch nur gelegentlich und nebenher gesucht worden. So konnte es kommen, dass Bremer bei seiner Rekonstruktion des ius civile Sabins2) die Anregungen Lenels im Grunde ablehnte; statt die Sabinuskommentare ex professo daraufhin durchzusehen, wieweit den Erörterungen der Juristen Sabinussätze zu Grunde liegen und darauf weiter zu bauen, stellte er das ius civile wesentlich zusammen aus den Sabinuscitaten, die in den libri ad Sabinum vorkommen, ja sogar aus Berichten des Gaius über Ansichten der Sabinianer,3) wiewohl dabei nirgends feststeht, dass gerade das ius civile ausgeschrieben ist.

Auf das Unzulangliche der Bremer'schen Rekonstruktion hat Joers4) mit Recht aufmerksam gemacht. Die nach

') Obs. VII, 37, XXII, 38, XXIV, 30.

2) Jurisprudentiae Antehadrianae quae supersnnt II, 1, S. 412 ff.

3) Bremer S. 404 u. 412 ff.

4) Pauly-Wissowa, Realencyclopädie, Art. Domitina Ulpianus, 9. Halbband, S. 1481. — Zustimmend Eabel in seiner Rezension, Gruchots Beiträge 1905, S. 88 ff.

Schulz, Sabinus-Fragmente. J

folgende Abhandlung will keine bessere an die Stelle setzen, sie will vielmehr lediglich für den Sabinuskommentar Ulpians diejenigen Sätze ermitteln, die, ohne dass Sabin als Autor genannt ist, doch ihm zugehören, gleichgültig aus welchem seiner Werke sie genommen sind.

II. Ulpians Sabinuskommentar ist grundsätzlich so angelegt, dass zunächst ein Abschnitt aus Sabinus wörtlich ausgeschrieben und dieser sodann mehr oder weniger eingehend kommentiert wird.1) Dabei wird nicht immer sehr sorgfaltig verfahren, eng zusammengehörige Sabinussätze werden auseinander gerissen und durch eine oft abspringende Note Ulpians getrennt.2)

1. Ulpian wird die Sabinustexte gewiss als solche kenntlich gemacht haben, in unserer Uberlieferung sind diese Bemerkungen aber durchweg gestrichen, und die in einer Reihe von Fragmenten auftauchenden Acc. c. Inf., zu denen das sie regierende Verbum fehlt.3) weisen oft auf ein gestrichenes „Sabinus ait, scribit" oder ahnliches hin. Freilich ist der in der Luft schwebende Acc. c. Inf. für sich allein noch kein Beweis dafür, dass es sich um einen Sabinussatz handelt, denn ebenso gut kann der Name eines andern Juristen gestrichen sein.4)

Die Kompilatoren sind nicht die ersten gewesen, die in dieser Weise gestrichen und die Ausführungen Sabins und Ulpians zu einem einheitlichen Text zusammen gezogen haben, der Verfasser der Fragmenta Vaticana ist in gleicher Weise verfahren.5) Das ist nicht verwunderlich, denn wir sehen in dem berühmten Fr. 2903 (s. u.), dass er die Manipulation der Kompilatoren, den Sabinussatz selbst vollstandig zu streichen, auch bereits gekannt hat.

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