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nicht systematisch, sondern – nach der Entdeckung von Bluhme (31chr. f. gesch. N-W. IV. 1820) — gruppenweise geordnet, so wie man die Schriften selbst - einer im R.-unterricht hergebrachten Einteilung folgend – ercerpirt hatte. Danach lassen sich folgende, zum Teil willkürlich begrenzte Massen oder Reihen unterscheiden: 1) die Sabinusmasse, welche die Werke über das ius civile enthält und deren Grundstock die libri ad Sabinum bilden; 2) die Ediktsmasse, zu welcher die Bearbeitungen des prätor. Ř., insbesondere die libri ad Edictum und die Digesta des Celsus und Marcellus gehören; 3) die Papiniansmasse, worin sich die kasuistischen Schriften, an der Spiße die quaest. und resp. von Papinianus befinden; 4) die kleinere sog. Appendir- oder Postpapiniansmasse, unbestimmten Charakters, welche vielleicht die erst später aufgefundenen Schriften enthält.

Verzeichnisse und Sammlungen der Ercerpte nach den Juristen und deren Werken: Labittus, index leg. in Dig. Paris. 1557, Wieling, iurisprud. restituta. Amstelod. 1727, Hommel, palingenesia libror. iur. vet. 3 vol. Lips. 1767.

C. Da die bisherigen Lehrbücher dem neueren R-zustande nicht mehr entsprachen, so wurde auf Just. Anordnung von Tribonian,

Theophilus, Dorotheus ein neues für den ersten R-unterricht bestimmtes , ut sint totius legitimae scientiae prima elementa“) N-buch in 4 Büchern und Titeln mit Rubriken – vornehmlich aus Gaii institutiones und res quottidianae, nach dem Plane des ersteren, daneben auch aus anderen Institutionenwerken, jedoch mit Berücksichtigung der neueren Konstitutionen – zusammengestellt, welches durch die an die „cupida legum iuventus“ gerichtete Const. v. 21. XI. 533 (Prooemium institut.) unter dem Namen Institutiones mit Gefeßeskraft bestätigt wurde. (8 6. II.)

D. Die inzwischen erlassenen Konstitutionen machten eine neue Redaktion (repetita praelectio) des Cod. Iustinianus notwendig, mit welcher eine Kommission von 5 Mitgliedern unter dem Vorfiß Tribonians beauftragt wurde und welche durch die Const. Cordi nobis v. 16. XI. 534 unter Aufhebung der Gültigkeit des früheren Cod. Bestätigung erhielt. Der Codex besteht — i. g. mit dem System der Digesten übereinstimmend — aus 12 Büchern, von denen jedes in Titel zerfällt, unter welchen die mit In- und Subscriptio versehenen Konstitutionen in chronologischer Reihenfolge geordnet sind. Enthalten sind 4600—700 Ronstit. (die älteste von Hadrian, die jüngste v. 4. XI. 534), zum größten Teile Reskripte, mit wenigen Ausnahmen in lateinischer Sprache.

E. Nach der Vollendung der R-sammlung wurde noch von Justinian i. I. 535-564 eine Anzahl von Novellae sc. -constitutiones (vedpai diatófels), fast durchweg in griechischer Sprache, erlassen, jedoch kam eine offizielle Sammlung derselben nicht zu stande. Erhalten sind uns überhaupt 166 Novellen.

F. Von den Glossatoren (§ 12. II.) wurden noch in den Coder

borgefchiede ein führen reiputri brofefioren-suuten zu kom Justinian

und die Institutionen Auszüge aus den Novellen (authenticae) aufgenommen; in den ersteren auch Gefeße Friedrichs I. und II. vollständig oder auszugsweise (authenticae Fridericianae) eingereiht, 2. B. Auth. Habita. C. ne filius pro patre, 1, 13.

II. Mit Rücksicht auf die neuen R-bücher wurde von Justinian aud, der R-unterricht an den öffentlichen R-schulen zu Konstantinopel und Berytus durch die an die Professoren (antecessores) derselben erlassene Const. Omnem reipublicae v. 16. XII. 533 reformirt. Da durch wurde ein fünfjähriger Lehrkursus und folgender Studienplan vorgeschrieben. 1. Jahr: Institutiones und pars prima Dig. („Iustiniani novi“); 2. Jahr: a) alternirend pars secunda oder tertia Dig., b) vier von den libri singulares (f. I. B.) – je eines über die dos, Vormundschaft, Testamente, Vermächtnisse — (,Edictales“); 3. Jahr: a) pars III. resp. II. Dig., b) 1. XX-XXII Dig. („Papinianistae"); 4. Jahr: Privatstudium der übrigen zehn libri singulares („dýral"); 5. Jahr: Privatstudium des Codex („prolytae“). Vgl. $ 9. III.

III. Überlieferung u. Ausgaben der Just. R-fammlung.

Da die Just. R-sammlung nicht als ein Ganzes publizirt wurde, To giebt es auch nur Handschriften von den einzelnen Teilen derselben.

A. Unter den überaus zahlreichen Hdfchr. der Institutionen sind als die ältesten und wichtigsten hervorzuheben: eine (vollständige) Bamberger und eine (unvollständige) Turiner Hdschr. aus dem 9-10. Jahrh.; dazu kommen noch Ercerpte in der lex Romana canonice compta (daraus in die Collectio Anselmo dedicata übergegangen) in Hdschr. aus derselben Zeit. Ausgaben von Schrader (mit überreichem Kommentar), Berol. 1832. 4. Krueger, Berol. 1867. Huschke, Lips. 1868.

B. Die Hdfchr. der Digesten zerfallen in die glossirten bolognesischen (8 11. II.): Vulgathdichr. und die vorbolognesischen, von denen uns nur eine vollständig, die hochberühmte Florentiner aus dem 7. Jahrh. — lectio Flor., von den Glossatoren als littera Pisana der litt. communis entgegengeseßt — erhalten ist. Gemeinsam ist den ersteren Hdfchr. die Mangelhaftigkeit der Inscriptiones und die Einteilung in drei volumina: 1) Digestum vetus = lib. 1-XXIV. tit. 2; 2) Infortiatum = 1. XXIV. 3. (tit. Soluto matrimonio) — XXXVIII; 3) Dig. novum = l. XXXIX-L. (Daran sdhließen sich als weitere volumina: 4) Codex lib. I-IX; 5) sog. Volumen (parvum] enthaltend: a. Institutiones; b. Authenticum, das sind die Novellae in 9 Collationes, die wieder in Titel zerfallen; C. Tres libri = Cod. l. X—XII.) Was das Verhältnis dieser Hdschr. zur Florentina anbetrifft, so stammen diejenigen des Dig. novum, wie es scheint, direkt oder indirekt von Leşterer ab. Die Hdichr. des Dig. vetus und Infortiatum aber sind nach der Ansicht der einen aus einer Schwesterhdschr. der Florentina, nach der Ansicht Mommsens ebenfalls indirekt aus dieser selbst geflossen und dann aus einer besonderen Urhdschr. nur korrigirt worden. Jedenfalls nimmt die Florentina, wenngleich auch sie nicht fehlerfrei und lückenlos ist, unter allen Hdschr. den ersten Rang ein. – Die älteren Ausgaben sind alle glossirte mit der Dreiteilung. Die erste unglossirte Ausgabe ohne die Dreiteilung ist die von Stephanus, Paris. 1527—28. 5 vol. 8. Unter den kritischen Ausgaben sind zu nennen: die von Taurellius, Florent. 1553. 2–3 tom. fol., welche einen höchst sorgfältigen, typographisch vollendeten Abdruck der Flor. enthält; die früher häufig überschäßte von Greg. Haloander (Meltzer), Noremb. 1529. 3 vol. 4., welche einen aus Vulgathdsdr. und den ihm mitgeteilten Kollationen der Flor. oft mit sehr fühner Konjekturalkritik konstituirten Text (sog. lectio Norica s. Haloandrina) enthält; die neueste auf einer musterhaften Rollation der Flor. beruhende, mit strengster philologischer Kritik ausgeführte Ausgabe von Th. Mommsen, Berol. 1866–70. 2 vol.

C. Die vollständigen Hdichr. des" Codex find bolognesische aus dem 12. Jahrh., welche In- und Subskriptionen nur unvollständig und die griechischen Konstitutionen gar nicht enthalten. Unter den älteren – fragmentarischen — Hoidhr. nimmt den ersten Rang ein die Veroneser aus dem 8. Jahrh., daneben die Pistojenser aus dem 10. Jahrh. Neueste streng kritische Ausgabe von Krueger, Berol. 1873–77.

D. Von den Novellae giebt es handschriftlich 3 abweichende Privatsammlungen: 1) Die lateinische Epitome Iuliani, welche 125 Nov. enthält; 2) eine Sammlung von 168 (genauer 164) Nov.; 3) die Sammlung von 134 Nov. — in lateinischer Überseßung (versio vulgata) —, welche dem Authenticum der Glossatoren zu Grunde liegt. Ausgaben von Haloander, Noremb. 1531; Osenbrüggen, 1840 (tom. III. des Kriegel'schen corp. iur.); neueste kritische Ausgg. von Zachariae v. Lingenthal, 2 vol. Lips. 1881 (enthält die Nov. nur im — griechischen – Driginaltert und in chronologischer Reihenfolge); R. Schoell, Berol. 1880 (noch unvollendet; enthält außer dem Text eine lat. Überseßung und die versio vulg.); Heimbach, Authenticum, Lips. 1846—51; Haenel, Iuliani epit. lat. nov. Lips. 1873.

E. Die erste Gesamtausgabe mit dem Titel „Corpus iuris civilis“ ist die von Dion. Gothofredus, Lugd. 1583. Neuere Ausgg. von Kriegel ed. ster. 3 vol. Lips. 1833 u. öft., Mommsen, Krueger ed. ster. Berol. 1872/77. vol. 1. (Inst. Dig.) vol. 2. (Codex). Brauchbar sind noch die älteren Gothofredischen Ausgg. wegen der in den Noten angeführten erklärenden Parallelstellen, welche freilich in weit reichhaltigerem Maße enthalten sind in den glofjirten Ausgg. des corp. iur., deren leßte Lugd. 1627. 6 vol. fol. erschien.

IV. Citirweise.

A. Die am meisten übliche Citirweise ist bei Institutionen, Dia gesten und Coder die nach Titelrubriken:

1) pr. [= principium] S 3. I. [== Institutionum] de usucapionibus. 2, 6. (= lib. 2. tit. 6.]

ch, Au Text eine lat. Übberol. 1880 thiet und in a

2) 1. [= lex] od. fr. [= fragmentum] 22 pr. $ 6. D. od. ff. [= Digestorum] mandati. 17. 1. [= lib. 17. tit. 1.]

3) I. od. c. (= constitutio] 21 pr. § 5. C. [= Codicis) de testamentis. 6, 23.

4) Enthält der betr. Titel nur ein einziges Fragment, so tritt neben I. [= lex] od. c. [= constitutio] od. fr. (fragmentum] die Bezeichnung un. [= unica, um.], z. B. 1. un. § 2 D. de off. cons. 1, 10. 1. un. § 9 C. de caduc. toll. 6, 51.

5) Ist die nächst vorangehende Stelle aus demselben Titel, so tritt bei der folgenden an die Stelle der Titelrubrik die Bezeichnung eod. = eodem sc. titulo.], z. B. 1. 59 D. pro socio. 17, 2, 1. 63 § 8 eod. Ist der betr. Titel bei einer Lehre vorher genannt, so werden die Stellen aus demselben mit h. t. [hoc titulo] citirt, z. B. tit, D. de furtis. 47, 2. — 1. 65 h. t.

6) Die lebte Stelle eines Titels pflegt als ult. [= ultima] od. fi. [= finalis], die vorlekte mitunter als pen. (= penultima] citirt zu werden, z. B. l. ult. D. de iure dotium 23, 3. 1. fi. C. de novationibus. 8, 42. 1. pen. § 1 D. de peculio. 15, 1.

7) Buch 30—32 der Digesten enthalten nur den einen Titel de legatis. — Cit.: 1. 3 D. de legatis I. [= in primo]. 30. 1. 34. pr. D. de legatis II. 31. 1. 99 S 3 eod. III. 32.

8) Die Bezeichnung D. sowie Buch- und Titelzahlpflegt sehr häufig fortgelassen zu werden, z. B. 1. 22 6 mand. [= l. 22 § 6 b. mandati. 17, i.). Die Titelrubrik selbst wird meistens stark abgekürzt, bei manchen Titeln bis auf die Anfangsbuchstaben der Worte*).

9) Die Novellen werden nach Zahl, Kapiteln, Paragraphen citirt, Ž. B. Nov. 118 praef. c. 4.

B. Andere Citirarten: § 3 I. 2, 6 od. Inst. II, 6, 3. — 1. 22 § 6 D. 17, 1 od. Dig. XVII, 1, 22, 6. — c. 21 § 5. C. 6, 23 od. Cod. VI, 23, 21, 5. (vgl. A. 1—3).

*) Die gebräuchlichsten Abkürzungen bei Citaten aus den Digeften find folgende: de A. E. v.=actionibus empti venditi. 19, 1. — de A.v. A.P. (od. de A.P.) = adquirenda vel amittenda possessione. 41, 2. — de A.v. 0.H.=adquirenda vel omittenda hereditate. 29, 2. – de A.R.D. = adquirendo rerum dominio. 41, 1. – de B.P. = bonorum possessionibus. 37, 1. – de C.E. = contrahenda emptione. 18, 1. – de C. et D. = condicionibus et demonstrationibus. 35, 1.=de D.R.(od.R.D.) = divisione rerum. 1, 8. — de H. I. = heredibus instituendis. 28, 5. — de H.P.= hereditatis petitione. 5, 3. – de J.D. = iure dotium. 23, 3. — de J. et J. = iustitia et iure. 1, 1. – de J. F.= iure fisci. 49, 14. - de I.I.R.= in integrum restitutionibus. 4, 1. – de N.G. = negotiis gestis. 3, 5. -- de 0.J. - origine iuris. 1, 2. — de O.et A. = obligationibus et actionibus. 44, 7.- de R.C.=rebus creditis. 12, 1. – de R. J.=regulis iuris. 50, 17. - de R.N.=ritu nuptiarum. 23, 2. – de R. V. = rei vindicatione. 6, 1. - S.M. = soluto matrimonio. 24, 3. – de S.P.R. = servitutibus praediorum rusticorum. 8,3. — de S.P.U.=servitutibus praediorum urbanorum. 8, 2. – de V.O. = verborum obligationibus. 45, 1. --- de V.S. = verborum significatione. 50, 16.

nimmt die Florentina, wenngleich auch sie nicht fehlerfrei und lückenlos ist, unter allen Hdichr. den ersten Rang ein. – Die älteren Ausgaben sind alle glosfirte mit der Dreiteilung. Die erste unglossirte Ausgabe ohne die Dreiteilung ist die von Stephanus, Paris. 1527–28. 5 vol. 8. Unter den kritischen Ausgaben sind zu nennen: die von Taurellius, Florent. 1553. 2–3 tom. fol., welche einen höchft sorgfältigen, typographisch vollendeten Abdruck der Flor. enthält; die früher häufig überschäßte von Greg. Haloander (Meltzer), Noremb. 1529. 3 vol. 4., welche einen aus Vulgathdschr. und den ihm mitgeteilten Kollationen der Flor, oft mit sehr fühner Ronjekturalkritik konstituirten Tert (sog. lectio Norica s. Haloandrina) enthält; die neueste auf einer musterhaften Kollation der Flor. beruhende, mit strengster philologischer Kritik ausgeführte Ausgabe von Th. Mommsen, Berol. 1866–70. 2 vol.

C. Die vollständigen Hdichr. des Codex find bolognesische aus dem 12. Jahrh., welche In- und Subskriptionen nur unvollständig und die griechischen Konstitutionen gar nicht enthalten. Unter den älteren – fragmentarischen – Hdschr. nimmt den ersten Rang ein die Veroneser aus dem 8. Jahrh., daneben die Pistojenser aus dem 10. Jahrh. Neueste streng kritische Ausgabe von Krueger, Berol. 1873–77.

D. Von den Novellae giebt es handschriftlich 3 abweichende Privatsammlungen: 1) Die lateinische Epitome Iuliani, welche 125 Nov. enthält; 2) eine Sammlung von 168 (genauer 164) Nov.; 3) die Sammlung von 134 Nov. — in lateinischer Überseßung (versio vulgata) —, welche dem Authenticum der Glossatoren zu Grunde liegt. Ausgaben von Haloander, Noremb. 1531; Osenbrüggen, 1840 (tom. III. des Kriegel'schen corp. iur.); neueste kritische Ausgg. von Zachariae v. Lingenthal, 2 vol. Lips. 1881 (enthält die Nov. nur im — griechischen — Originaltext und in chronologischer Reihenfolge); R. Schoell, Berol. 1880 (noch unvollendet; enthält außer dem Text eine lat. Überseßung und die versio vulg.); Heimbach, Authenticum, Lips. 1846—51; Haenel, Iuliani epit. lat. nov. Lips. 1873.

E. Die erste Gesamtausgabe mit dem Titel „Corpus iuris civilis“ ist die von Dion. Gothofredus, Lugd. 1583. Neuere Ausgg. von Kriegel ed. ster. 3 vol. Lips. 1833 u. öft., Mommsen, Krueger ed. ster. Berol. 1872/77. vol. 1. (Inst. Dig.) vol. 2. (Codex). Brauchbar sind noch die älteren Gothofredischen Ausgg. wegen der in den Noten angeführten erklärenden Parallelstellen, welche freilich in weit reichhaltigerem Maße enthalten sind in den glossirten Ausgg. des corp. iur., deren lekte Lugd. 1627. 6 vol. fol, erschien.

IV. Citirweise

A. Die am meisten übliche Citirweise ist bei Institutionen, Digesten und Coder die nach Titelrubriken:

1) pr. [= principium] $ 3. I. [= Institutionum] de usucapionibus. 2, 6. [= lib. 2. tit. 6.]

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