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In Silens Gestalt
Tanz' ich, Jung und 210
Soll an mir Silen
Seine Freude sehn!

Die Vergleichung dieser Nachbildungen mit dein Driginal wird mehr als einen Vorzug des airen Didters vor dem Neris ern leicht bemerken lassen. Die zwen letzten Verre wußte ich nicht beffer zu überseken, als der alte Bue in einer seiner früs hern Sdriften gethan hat.

XIX.

Das Recht zu trinfen.

Die fchwarze Erde trinfet,
Es trinken sie die Bäume,
Es trinkt das Meer die Lüfte,
Die Sonne trinkt es wieder,
Es trinkt der Mond die Sonne :
Was wehrt ihr mir’s nun, Freunde ?
Wenn ich zu trinken fobre ?

Sollte es nicht longepierre mit dieser Ode so ziemiid, riditig getroffen haben, wenn er fagt: „Je croy qu'elle est le fruit d'un caprice, et qu'elle est faite sur le champ.“ Die Verantassung dazu läßt sich mit Händen greifen. Sider ist das Liedchen weiter nichts als ein lustiger, wiriger Einfall, als ein gefälliger, flüchtiger Scherz, der eines jeden Lesers Gefüllt so klar und leicht berührt, wie kleine Trinklieder überall, wie zum Beyfpiel tolgendes Liedchen von Lesling, die Geiv i fleir:

D6 ich morgen leben werde,
Weiß ich freylich nidit ;
Aber wenn ich morgen lebe,
Daß ich morgen trinken werde,
Weiß ich ganz gewiß.

Und wie das sehr ähnliche Conplet von Ferriércs:

Dans ce monde tout est ivresse :
L'homine en place est ivre d'encens ,
L'ainant ivre de sa inaîtresse,

ιθ. Εις το δείν πίνειν.

Η γη μέλαινα πίνει, πίνει δε δένδρε' αυτήν. πίνει θάλασσ αναύρους, ο δ' ήλιος θάλασσαν, τον δ' ήλιον σελήνη. τί μοι μάχεσθ', εταίροι, καύτω θέλοντι πίνειν,

L'auteur iyre de ses talens.
Le guerrier est ivre de la gloire,
Le sage est ivre d'un vallon;
Je suis ivre à force de boire;
Chacun est'ivre sa façon.

Schneider findet einen andern Reiß darin : - Die Kürze macht feine Schönheit aus und läßt alle Nadjahmungen hinter fich,“ sagt er. Scheint er nicht zu fpotten ? Freylid, von der englischen des bekannten Dichters Cowlen hat eros nun ficher getroffen. Diese ist so gedehnt und langweilig, das ich meine Leser damit verschonen will. Aber wie kömmt Shakespeare, der unsern Dichter fchwerlich kannte, dazu, in seinem Simon der Sap: alles stiehlt, eben so auszuführen, als diefer der : alles trinkt ?

The sun's a thief, and with his great attraction
Robs the vast sea: the moon's an arrant thief,
And her pale fire she snatches from the sun;
The sea's a thief, whose liquid surge resolves
The moon into salt tears; the Earth a thief,
That feeds and breeds by a composture stolen
Froin general excrement: each Thing's a thief,

Anders vertheidigt das Trinken der Komödiendichter Ans tiphanes in einem uns erhaltnen Fragmente : Was heißt das Leben ? rag' mir’s. „Erinken, fag' ich dir. Du siebiit , wie schön und stark die Bäume alle wachsen, Die hingepflanzt, wo Schnee und Regen schwillt den Bach, Dhn' unterlaß ben Tag und Nacht beneket werden; Hingegen wir auf dürrer Flur vor Trödne sie Verschmaditen und vor Durst, bis auf die Wurzeln fterbend.

Aber kaum ein anderer Dichter war erfinderischer als als käos, von allen Jahrszeiten Beweggründe zum Trinken herzu. holen. Als vom heißen Sommer :

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