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Unter Specification i. w. S. versteht man die Verfertigung einer ihrem Begriffe und Wesen nach bisher noch nicht

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vorhandenen neuen Sache. Die Frage, wem das Eigenthum dieser neuen Species gehöre, wurde von den römischen Juristen je nach dem verschiedenen Standpunkte der Schule, welcher sie angehörten, verschieden beantwortet. Die Sabinianer betrachteten die Specification als eine Art Accession, indem sie das Hauptgewicht auf den Stoff legten, und daher annahmen, wem dieser gehört habe, dem müsse auch das zufallen, was Neues daraus geschaffen werde. Den Proculejanern dagegen war die Specification eine besondere Gestaltung der Occupation, indem sie den Stoff der Thätigkeit unterordneten, durch welche die alte Sache untergeht, und eine neue an ihre Stelle tritt, die sie dann als vorher noch in Niemandes Eigenthum gewesen, folglich herrnlos, dem Verfertiger als erstem Occupanten zusprachen. L. 7. § 7. D. deadq. rer. dom. (41. 1.) Gaius: Cum quis ex aliena materia speciem aliquam suo nomine fecerit, Nerva et Proculusputant, h u n c domin um esse qui fe cerit, quia quo d factum es t, an tea null ius fuer at. Sabinus et Cassius magis naturalem rationem efficere putant: ut, qui materia e dom in us fuerit, idem eius quo que, qu od ex ea dem materia factum sit, dom in us esset, quia sine materia null a species effici possit; veluti si ex auro vel argento velaere was aliquod fecero; vel ex tabulis tuis navem autarmarium aut subsellia fecero; vel ex lana tua vestimentum; vel ex vino et melle tuo mulsum; vel ex medicamentis tuis emplastrum aut collyrium; vel ex uvis autolivis aut spicis tuis vinum vel oleum vel frumentum. Gaius II. 79.

Für die Dauer befriedigten übrigens diese beiden ertremen Auffassungen die römischen Juristen nicht, denn es bildete sich sehr bald eine dritte, vermittelnde Theorie, welche zwischen den Fällen unterschied, in denen die neue Species wieder in ihre frühere Gestalt zurückgebracht werden könne und solchen, in denen dies nicht thunlich. Nur dort sei die Auffassung der Sabinianer die richtige, hier dagegen die der Proculejaner. L. 7. §. 7. D. cit. Est tamen etiam media sententia recte existimantium, si species ad materiam reverti possit, verius esse, quod et Sabinus et Cassius senserunt; si non possit reverti, verius esse, quod Nervae et Proculo placuit; ut ecce vas conflatum ad rudem massam auri vel argenti vel aeris reverti potest, vinum vero vel oleum vel frumentum ad uvas et olivas et spicas reverti non potest; cet.

Hatte diese letztere vermittelnde Ansicht schon zur Zeit des classischen Rechtes an Callistratus, Gaius, Paulus und Ulpian gewichtige Vertreter gefunden, L: 7. S. 7. L. 12. §. 1. L. 24. D. deadq. rer. dom. (41. 1.) L. 5. §. 1. D. de rei vind. (6. 1.), so erscheint für uns doch noch von größerer Bedeutung, daß sie es ist, der Justinian in seiner Compilation den Vorzug gegeben, und die folgeweise auch noch heutzutage practische Geltung hat. § 25. I. derer. div. (2.1.). Quum ex aliena materia species aliqua facta sit ab aliquo, quaeri solet, quiseorum naturali ratione dominus sit, utrum is, qui fecerit, an ille potius, qui materiae dominus fuerit? Et post multas Sabinianorum et Proculejanorum ambiguitates placuit media sententia existimantium, si ea species ad materiam reduci possit, eum videri dominum esse, qui materiae dominus fuerit, si non possit reduci, eum potius intelligi dominum, qui fecerit. Theophil. ad h. l.

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Faßt man den oben angegebenen allgemeinen Begriff der Specification ins Auge, so ist derselbe unter folgenden Voraussetzungen denkbar: 1. Der bisherige Eigenthümer fertigt aus seinem eigenen Stoffe eine neue Species oder läßt sie fertigen. Dieser Fall interessirt uns deshalb nicht, weil dem Eigenthümer einer Sache, was er auch daraus macht, das Eigenthum daran verbleibt, an einer eigenen Sache aber nicht noch einmal Eigenthum erworben werden kann. § 10. 1. de leg. (2. 20.) § 14. I. de act. (4. 6.) 2. Der Specificant bringt theils aus eigenem, theils aus fremdem Stoffe die neue Species hervor. – Hier geht die gemeine Lehre*) dahin, der Thätigkeit und Stoff an- und aufwendende Specificant erwerbe, weil § 25. i. f. I. cit.*) ganz generell rede, jedesmal

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die neue Species, ohne Rücksicht, ob sich die Sache wieder in ihre alte Form zurückbringen lasse oder nicht. Allein daß Justinian trotz jener generellen Redeweise den soeben angeführten Unterschied, dessen er unmittelbar vorher gedacht, für den Fall einer theils aus eigenem, theils aus fremdem Stoffe gefertigten Species nicht aufgehoben wissen wollte, sieht man, abgesehen davon, daß auch kein genügender innerer Grund dafür spricht, aus der Reception der L. 5. §. 1. D. de rei vind. (6. 1.) und L. 12. §. 1. D. de adq. rer. dom. (41. 1.), in welchen Stellen der Erwerb resp. Nichterwerb einer aus theils eigenem, theils fremdem Stoffe gefertigten neuen Species ausdrücklich dadurch motivirt wird, daß ein Zurückbringen auf die alte Form in dem einen Falle unmöglich, in dem anderen möglich sei*). 3. Die neue Species ist nur aus fremdem Stoffe gefertigt worden. – Hier kann es wieder sein: a. Der Eigenthümer des Stoffes gab seine Einwilligung zur Specification. In diesem Falle kommen die Grundsätze der Tradition zur Anwendung, L. 6. D. de donat. (39.5.), und daher gehört dem Specificanten die neue Species selbst dann, wann sie sich in ihre frühere Form wieder zurückbringen läßt**). L. 24. D. de adq. rer. dom. (41. 1.) Paulus: In omnibus, quae ad eandem speciem reverti possunt†), dicendum est : . . . . me eorum dominum manere; L. 25. D. eod. Callistratus : nisi volunt a te domini alte rius nomine id factum sit; propter consens um e n im tot a re sei us fit, cuius nomine facta est. b. Die neue Species ward ohne Einwilligung des bisherigen Eigenthümers gefertigt. – In diesem Falle geht kein Eigenthum über, wenn

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