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formlos erworbenen Res mancipi verloren gegangen? Sollte etwa der Dominus, welcher zufällig den Besitz der von ihm tradirten Sache wiedererlangt, das Recht haben, den ihn Zurückfordernden abzuweisen, weil die Beobachtung einer Rechtsform unterblieben, an deren Unterbleiben er selbst Theilgenommen? Hätte dies nicht abermals geheißen, aus eigenem Unrechte Vortheil ziehen? L. 134. §. 1. D. de R. I. (50. 17.) Und nun gar ein Dritter, der in den Besitz einer rechtlich, aber formlos übertragenen Res mancipi gelangt, mit welchem Rechte sollte er sie dem ursprünglichen Empfänger, z. B. dem vorenthalten können, der sie gegen Zahlung des Kaufpretiums durch einfache Traditio erlangt? Unmöglich durfte das prätorische Recht, dem die Aequitas höchste Richtschnur war, für die Dauer einen solchen unvollkommenen Rechtszustand ohne Abhülfe lassen, vergl. Gaius IV. 116. 118., und diese Abhülfe konnte in nichts Anderem bestehen, als in Ertheilung einer prätorischen Klage auf dem Wege der Fiction, einer Actio fictitia, durch die der mittelst einfacher Traditio zu einer Res mancipi Gelangte sowohl gegen den tradirenden Dominus selbst wie gegen jeden Dritten gesichert war. Welche Klage mag dies aber gewesen sein? Wie wir sahen begann den XII Tafeln zufolge im Momente der Tradition der Res mancipi sofort deren Usucapion, die in einem resp. zwei Jahren vollendet war. Der Prätor brauchte also nur die begonnene, aber durch den Verlust des Besitzes unterbrochene Usucapio als vollendet zu fingiren, wiewohl sie es nicht war, und der, dem eine Res mancipi durch einfache Tradition übertragen worden, erschien wie gegen den Dominus so gegen jeden Dritten vollkommen sicher gestellt. Der Schöpfer dieser bisher vermißten Actio fictitia war der Prätor Publicius, und daher heißt die betreffende Klage nach ihm Publiciana in rem actio. Gaius. IV. 36. Eiusdem generis (fictitiarum) est, quae Publiciana vocatur: datur autem haec actio ei, qui ex iusta causa traditam sibi rem nondum usucepit eamque amissa possessione petit; nam quia non potest eam ex iure Quiritium suam esse intendere, fingitur rem usucepisse, et ita, quasi ex iure Quiritum dominus factus esset, intendit hoc modo: Iuorx Esro. S1 QUEM HOMINEM AULUS AGERIUs EMIT ET Is EI TRADITUS EST, ANNO PossEDIssET, TUM si EUM HoMINEM DE QUo AGITUR EIUs Ex IURE QUIRITIUM EssE opoRTERET et reliqua.

Von jetzt an und gewiß nicht früher mag dieses neue, nunmehr durch eine Einrede und Klage geschützte Verhältniß zu einer Sache mit dem Namen In bonis belegt worden sein, ohne indessen schon als eine Art des Eigenthums dazustehn. Cic. ad div. XIII. 30. Vergl. L. 52. D. de adq. rer. dom. (41. 1.) Modest. Rem in bonis nostris habere intelligimur, quoties possidentes exceptionem autamittentes ad recuperandam eam actionem habemus. L. 190. D. de R. I. (50. 17.) Celsus: Quod evincitur, in bonis non est. S. auch L. 49. D. de V. S. (50. 16.) Da nun einmal durch Gestattung einer Klage gegen jeden Dritten der Weg zum Schutze eines rechtlichen Besitzes, dem kein Dominium ex iure Quiritium zu Grunde lag, gebahnt war, so wurde gedachtes Rechtsverfolgungsmittel oder ein analoges *) auch noch auf die anderen Fälle angewandt, in denen man, ohne daß Dominium ex iure Quiritium vorhanden war, einen vollkommen gesicherten rechtlichen Besitz anerkannt wissen wollte, oder mit anderen Worten, auf alle Fälle des In bonis. Und zu diesen gehörten denn: 1. außer dem ursprünglichen, der Traditio einer Res mancipi, 2. die prätorischen Erwerbarten, mit denen der Prätor vollkommenen Rechtsschutz gleichwie beim Eigenthume verband, ohne darum vermöge seiner magistratischen Befugnisse im Stande zu sein, wirkliches Dominium ex iure Quiritium zu begründen. – Fälle der Art sind: a. die Bonorum possessio, Gaius. III. 80. b. die Bonorum emptio-venditio, Gaius. IV. 35. Theoph. III.12.pr. c. die Immissio ex secundo decreto damni infecti causa. L. 5. pr. L. 15. § 15. 26. 27. D. de damn. info (39. 2.) Vergl. Mayer a. a. O. S. 61. Nro. 2. d. die Gestattung des Ducere eines Servus ex causa noxali von Seiten des Prätors, wenn ersterer nicht vertheidigt wurde. L. 2. D. si ex caus. nox. (2. 9.) L. 26. §. 6. i. f. D. de nox. act. (9.4.) Paulus: Iussu enim praetoris ductus in bon is fit eius, qui duxitVergl. Mayer a. a. O. Nro. 1. e. die Adiudicatio, insoferne sie in einem Iudicium, quod imperio continetur, nicht in einem Iudicium legitimum erfolgt war. Gaius.IV.103-105. Da in jenem Falle der adjudicirende Iudex seine Machtvollkommenheit *) Darüber, daß in den Fällen, in welchen das In bonis, ohne gleichzeitig den Besitz

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Soll das In bonis näher charakterisirt werden, so war es derjenige rechtliche Besitz eines römischen Bürgers an einer des römischen Eigenthums fähigen Sache, welchem zwar wegen der ihn hervorrufen den Erwerbart kein Dominium ex iure Quiritium zu Grunde lag, aber gleichwohl prätorischer Schutz gegen jeden Dritten, selbst gegen den Dom in us zur Seite stand, und der sich durch ununterbrochene Fortsetzung während Eines resp. zwei Jahren in Dominium ex iure Quiritium verwandelte. Gaius. IV. 36. L. 52. D. de adq. rer. dom. (41. 1,) L. 190. D. d. V. S. (50. 16.) Gaius. II. 41. Sitibi rem mancipi neque mancipavero, neque in iure cessero, sed tantum tradidero, in bonis quidem tuis ea res efficitur, ex iure Quiritium vero mea permanebit, don ec tu eam possi den do u sucapias: semel en im impleta us u capione proin de plen o iure incipit, idest, et in bonis et ex iure Quirit ium tua res esse, a c si e a mancipata vel in iure cessa esset. Gaius. II. 42. 204. III. 80. Neque autem bonorum possessores neque bonorum emptor es pleno iure dominiflunt, sed in bonis efficiunt; ius Quiritium autem ita demum adipiscuntur, si u su ceper unt. Gaius. IV. 35. Negative Folgerungen des obigen Begriffes des In bonis sind: 1. in subjectiver Beziehung, daß das Eigenthum der Peregrinen keinen Bestandtheil desselben gebildet hat. Geht dies schon daraus hervor, daß uns Gaius das In bonis nur als eine Unterart des doppelten Eigenthums der Römer schildert*), so folgt dasselbe Resultat auch daraus, daß die Peregrinen, im Allgemeinen unfähig römisches Eigenthum zu haben, außer Stande waren, ihren rechtlich erlangten Besitz durch Usucapio in Dominium ex iure Quiritium zu verwandeln, was doch, wie an Quellenaussprüchen gezeigt, characteristisch für das In bonis war. Das Eigenthum der Peregrinen wurde vielmehr, wie bereits oben bemerkt, von den Römern als solches unter dem allgemeinen Namen Dominium (ohne Ex iure Quiritium) anerkannt, Gaius. II. 40., und war unstreitig durch eine Actio in rem mit der Intentio: Si paret rem actoris esse nach Art der Formula petitoria geschützt. Vergl. L. 7. pr. D. de captiv. (49. 15.) Proculus: Non dubito, quin foederati et liberi (populi) nobis externi sint, nec inter nos atque eos postliminio opus est, qu um et illi apud nos et libertatem suam et dominium rerum suarum aeque atque apud se retineant et e a dem nobis a pud eos con tingant. 2. in objectiver Beziehung, daß das rechtliche Verhältniß des Inhabers eines Ager publicus, eines Praedium provinciale kein In bonis war. Auch hier blieb jede Verwandlung in Dominium ex iure Quiritium durch Usucapio ausgeschloßen. Gaius II. 46. Item provincialia praedia usucapionem non recipiunt. Agennius Urbicus de controv. aquar. ed Goës. p. 69. ed. Lachm. p. 82. Eigenthümer solcher Grundstücke war der Populus romanus, der Inhaber hatte nur Possessio und Ususfructus daran, die er indessen auf Andere übertragen, namentlich auch vererben konnte. Gaius II. 7: in eo (provinciali)

*) Gaius. I. 54. Ap ud cives Romanos duplex est dominium vel in bonis vel ex iure Quiritium. Idem II. 40. Sequitur ut admoneamus, apud Peregrinos quidem unum esse dominium . . quo iure etiam populus Romanus olim utebatur . . . sed postea division em accep it dominium (sc. Roman um), ut alius possitesse ex iure Quiritium dominus, alius in bonis habere.

solo dominium populi Romani est vel Caesaris, nos autem possessionem tantum et usumfructum habere videmur. Theoph. II. 1. 40. verb. Ai öè toö ßaoulécog étagxiat etc. Gerade wegen des dem Eigenthume entsprechenden Umfangs der Befugnisse des Inhabers eines Praedium provinciale (stipendiarium, tributarium) Gaius II. 21. wird dessen rechtliches Verhältniß von Kaiser Diocletian (a. 291.) auch geradezu Dominium genannt, und durch eine (analoge) Rei vindicatio geschützt. Fragm. vat. 315.316.

4. Verhältniß des In bonis zum Dominium ex iure Quiritium an einer und derselben Sache. In Betreff der möglichen Gestaltung des In bonis gegenüber dem Dominium ex iure Quiritium an derselben Sache sind dreierlei Fälle zu unterscheiden. Entweder war nämlich 1. in der Person eines Civis romanus Beides, Dominium ex iure Quiritium und In bonis, vereinigt oder es hatte 2. der Eine das Dominium ex iure Quiritium, der Andere das In bonis, oder endlich 3. es hatte Jemand eine Sache in bonis, ohne daß irgend einem Andern Dominium ex iure Quiritium zukam. Ad 1. In dem ersteren Falle sprechen unsre Quellen von Plenum ius, Gaius. II. 41; Res ex utroque iure alicuius est. Gaius. I. 54. Vergl. Boëth ad Cic. Top. III. 5. 28. ed Bait. p. 204. III. 80 Derselbe trat, abgesehen von dessen sofortiger Begründung gleich bei der Eigenthumsübertragung, z. B. durch rechtsgültige Mancipatio oder Iniure cessio einer Res mancipi, hauptsächlich dadurch ein, daß das In bonis Ein resp. zwei Jahre fortbestanden hatte und in Folge dessen durch UsuCapio das Dominium ex iure Quiritium dazu erworben ward. Gaius II. 41. verb: semel enim impleta usucapione proinde pleno iure incipit, id est, et in bonis et ex iure Quiritium tua res esse, acsi ea mancipata vel in iure cessa esset. Id. II. 204. Ad. 2. Sooft das Dominium ex iure Quiritium und das In bonis getrennt vorkam, was bei der einfachen Tradition einer Res mancipi von Seiten eines Civis romanus immer der Fall, Gaius. II. 41. 204., sprechen die Quellen von Nudum ius Quiritium, Gaius I. 54. III. 166., das dem In bonis gegenüber fast ganz wirkungslos erschien. Das zeigt sich unter Andern darin, daß die Potestas über den Sclaven lediglich dem zukam, der ihn In bonis hatte, Gaius I. 54., und daher war denn auch nur

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