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stete Geldversprechen des Beklagten verfallen sei oder nicht? utrum sponsio commissa sit an non? Im Falle der Verneinung wurde der Kläger abgewiesen, im Bejahungsfalle der Beklagte in die versprochene Summe verurtheilt, ohne sie indessen wirklich zahlen zu müssen. Denn da bei dinglichen Klagen die Sponsio des Beklagten keine poenal is*), sondern nur eine praeiudicialis, ein reines Prae

*) Die Sponsiopoenalis war von der praeiudicialis vor Allem im Zwecke verschieden. Denn während durch diese der dingliche Anspruch in die processualische Form einer persönlichen Klage eingekleidet werden sollte, kam jene nur bei persönlichen Klagen vor, und hatte da den Character einer Poena temere litigantium. Gaius IV. 13. 171. 180. Eine Verschiedenheit beider in der Form ergiebt sich daraus, daß nicht bei der Sponsio praeiudicialis, wohl aber bei der poenalis dem Versprechen des Beklagten, im Falle seines Unterliegens eine gewisse Summe zahlen zu wollen, eine Restipulatio folgte, durch die sich der Kläger dem Beklagten zur Zahlung derselben Summe verpflichtete, wenn er mit seiner Klage nicht durchdringen würde. Gaius IV. 13. Und endlich eine Verschiedenheit in der Wirkung zeigt sich darin, daß bei der Sponsio praeiudicialis die versprochene Summe gar nicht wirklich gezahlt wurde, Gaius IV. 94., wohl aber bei der Sponsio poenalis, und zwar an den siegenden Gegner, ein Unterschied von dem Sacramentum, welches der Unterliegende an den Staat verlor. Gaius IV. 13. – Die Fälle der Sponsio poenalis waren: 1) c ertape cunia credita, wobei die Sponsio auf den dritten Theil der angesprochenen Summe gieng. Gaius IV. 13. 171. Cic. pro Rosc. Com. c. 4. §. 10. Pecunia tibi debebatur certa, quae nunc petitur per iudicem; in qua legitimae partis sponsio facta est. c. 5. §. 14. Pecunia petita est certa, quum tertiaparte sponsio facta est. Vergl. Heimbach, die Lehre vom Creditum S. 588; 2) constituta pecunia, wobei die Sponsio die Hälfte der Klagsumme zu ihrem Gegenstande hatte. Gaius IV. 171. Ex quibusdam causis sponsionem facere permittitur, velut de pecunia certacredita et pecunia constituta; sed certae quidem creditae pecuniae tertiae partis, constitutae veropecuniae partis dimidiae; 3) Int er dict a restitutoria, exhibitoria und pr 0 h i bit oria. Bei den beiden ersteren konnte der Beklagte das ihm nachtheiligere Sponsionsverfahrn dadurch vermeiden, daß er in iure nach Ertheilung des prätorischen Befehls, zu restituiren oder zu erhibiren, um eine Formula arbitraria und um einen Arbiter bat, der dann über die für und wider die Restitution und Exhibition geltend gemachten Gründe zu entscheiden, den Beklagten aber nie in mehr, als das quanti eares est, zu verurtheilen hatte. Gaius IV. 163. Verließ der Beklagte den Prätor, ohne einen Arbiter erbeten zu haben, si arbitrum non petierit, sed tacitus de iure exierit, so kam es nun, wenn dem prätorischen Befehle keine Folge geleistet wurde, auf die Provocation des Klägers hin zur Sponsio und Restipulatio und damit später zn einer Strafe des Unter

iudicium war, d. h. keinen weiteren Zweck hatte, als den dinglichen Anspruch in die processualische Form einer persönlichen Klage einzukleiden, so folgte der Stipulatio des Klägers keine Restipulatio des Beklagten und letzterer hatte statt der Summa sponsionis, in die er im Unterliegungsfalle verurtheilt wurde, nur das ursprüngliche Object des Streites zu leisten. Gaius IV. 93. Per sponsionem vero hoc modo agimus: provocamus adversarium tali sponsione: Si homo quo de agitur ex iure Quiritium me us est, sestertios XXV. num os dare sp on des? deinde formulam edimus, qua intendimus, sponsionis summam nobis dare oportere, qua formula ita demum vincimus, si probaverimus rem nostram esse §. 94. Non tamenhaec summa sponsionis exigitur: nec enim poenalis est, sed praeiudicilis, et propter hoc solum fit, ut per eam de re iudicetur. – Die Formula, welche der Prätor im Falle einer solchen präjudicialen Sponsio zu concipiren hatte, lautete: Si paret, Aul um Ag erium Numerio Negidio s estertios XXV. nun os dare op ortet, condemnani, paret, absol ve, arg. Gai. IV. 93., und demgemäß hatte sich denn der Juder nur darüber auszusprechen, ob der Kläger die mit dem Beklagten eingegangene Wette gewonnen oder verloren habe. Im ersteren Falle, der sooft eintrat, als dem Kläger der Nachweis seines Eigenthums gelang, (qua formula ita dem um vincimus, si probaverimus rem nostram esse Gaius l. c.,) wurde der Beklagte in die Sponsionssumme verurtheilt, und dann galt ihm gegenüber der Kläger als juristisch festgestellter Eigenthümer, als berechtigt, die Herausgabe der Sache cum omni causa zu verlangen. Wurde die Restitution verweigert, so mußte übrigens nun ein von dem bisherigen Processe über das Eigenthum getrenntes Restitutionsverfahren eingeleitet werden, indem der Sieger aus der verfallenen Stipulatio pro praede litis et vindiciarum mit der Actio ex stipulatu auf Restitution der Sache und deren Früchte, oder, wenn diese nicht mehr möglich war, auf die Litis aestimatio klagte. Gaius IV. 89. verb. cum satisdatione mihi cavere, ut, si victussis

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nec rem restituas nec litis aestimationem sufferas, sit mihi potestas aut tecum agendi aut cum sponsoribus tuis.

§ 86. 4. Die Rei vin dicatio unter Anwendung der Formula petitor ia.

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*) Gaius IV. 91. Ceterum cum in rem actio duplex sit, aut enim performulam petitoriam agitur aut per sponsionem. §. 92. Petit oria a utem form u la haec est, qua actor intendit, rem s ua m esse. **) Gaius IV. 91. si quidem per formulam petitoriam agitur, illa stipulatio Iocum habet, quae apellatur IUDICATUM soLvI, si vero per sponsionem, illa, quae appellatur PRO PRAEDE LITIs ET vINDICIARUM.

die Condemnatio des Beklagten erst dann auf Geld, wann der Versuch, ihn zur Restitution der Sache selbst zu bewegen, ohne Erfolg geblieben. Das heißt aber, die Rei vindicatio war, wenn sie in Gestalt der Formula petitoria geltend gemacht wurde, eine Actio arbitraria, bei welcher der Prätor die Anweisung des Judex (Arbiter), den Beklagten nach erbrachtem Beweise des Eigenthums des Klägers zu condemmiren, durch Einschiebung der Worte: neque is fundus restituetur oder: nisi restituatur in die Formula actionis dahin restringirte, daß er vorerst den Beklagten unter Bestimmung einer Frist*) durch einen Arbitratuss. Iussus, de restituendo zur freiwilligen Restitution aufzufordern habe *). – Ehe dies geschah, hatte der Kläger vor dem Arbiter zunächst sein geläugnetes Eigenthum des Streitgegenstandes zu beweisen. Mislang ihm dieser Beweis, so war der Beklagte sofort frei zu sprechen, §. 2. I. de off. iud. (4. 17.), gelang er ihm dagegen, so wurde sein Eigenthum in einem besonderen Urtheile (Pronuntiatio) als solches förmlich anerkannt*). L. 35. D. de rei vind. (6. 1.) Paulus: iudex sententia de claravit, (fundum) me um esse. L. 6. § 2. D. de confess. (42. 2.) Ulp. Sed et si fundum vindicem meum esse, tuque confessus sis: perinde habearis, a tque si dom in ii mei fund um esse pronuntiatum es set. Vergl. L. 57. 58. D. de rei vind. (6. 1.) L. 3. §. 3. D. de reb. eor. (27.9.). – An die das Eigenthum des Klägers anerkennende Sentenz, welche eintretenden Falls die Exceptio rei iudicatae begründete, L. 15. D. de except. rei iud. C44. 2.), und wider die appellirt werden konnte, L. 15. §. 6. D. qui satisd. cog (2.8.), schloß sich dann der Restitutionsbefehl des Arbiter an den Beklagten an,

*) L. 6. §. 2. D. de confess. (42. 2) Dabitur igitur ex his action ibus, ex quibus d ies datur ad restituen da m r em. **) §. 31. I. de act. (4. 6.) §. 2. I. de off. iud. (4. 17.) L. 35. §. 1. L. 68. D. de rei vind. (6. 1.) Der Restitution der Früchte brauchte in der Formula praetoris nicht ausdrücklich gedacht zu werden, weil das Restituere schon an sich die Erstattung der Früchte mitbegriff L. 22. D. de V. S. (50. 16.) Restituere est etiam possessorem facere fructus que red de r e. L. 35. i. f. L. 73. 75. 246. §. 1. D. eod. Heimbach die Lehre von der Frucht. S. 200. .

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