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laschon ,לשׁון

Sitten der Menschen durch Sprache bildete u. sie da. durch aus dem rohen Zustande der Thierheit heraushob. Dessen Söhne sind die Laren, deren Mutter die Nymphe Lira oder Lala in der Hauptsylbe des Namens ganz sterkennbar anf halsiv, lánsiv, lallen, lallare, lernen, lehren, (welches allein von Sprechen ausgeht,) vielleicht auch das hebr, oh, lamad, u. Beziehung hat. Als Symbol u. erste Erfinder der Sprache, worauf die häusliche u. bürgerliche Gesell. schaft, erblüht, standen sie auf dem Heerde, bei dem

Feuer, als dem Vereinigungspunkte der häuslichen u. bürgerlichen Gesellschaft, Vesta, Focus urbis ; um so an einem Orte das geistige u. körperliche Band des geselligen Zusammenlebens, die Sprache u. das Feuer aufzustellen. Ohne Feuer waren keine Künste, ohne Sprache kein Zusammenseyn vernünftiger Menschen möglich. Die Laren wurden daher natürlich bald die Beschützer des Heerdes u. des Hauses, 1. ihnen der Hund zugesellt, der so gern sich an das häusliche Leben anschliesst, u. durch treues Bellen seinen Herrn begrüsst u. den Fremden verräth. Diese Erklärung der Laren wird weiter bestätigt durch die beiden andern Namen, welche der Mutter der Laren gegeben werden: Mania u. Muta, bei Varró u. Macrobius. Den ersten hat Ovidius nicht; aber er ist es, dessen Wortklang u. Missdeutung den witzelnden Dichter verleitete, die Lala in die Unterwelt, zu den Manen, zu verweisen, u. sie als das einzige unerhörte Beispiel aufzustellen, wie von einem unterirdischen Etwas lebendes, der Oberwelt würdiges erzeugt werden könne. Wer den Geist des Alterthums auch in der Bildung der Sprache beobachtet, wird folgende Erklärung nicht unpassend, noch unwahrscheinlich finden. Mania, gr. pavía, bezieht sich auf den Stamm von uaivergat, wel. cher in seinem Grundtone sowohl ua, mów, als in den mit einigen Veränderungen entstandenen Ableitungen 2. Verwandtschaften innere Kraft, Regung u. Thätigkeit der Seele bezeichnet, wie uavráva, lernen, uaTrúm, suchen; wozu man ohne Bedenken uévos, mens, memini, memor, μνάομαι, μιμνήσκομαι; die Deutschen meynen , mahnen, Minne, vielleicht auch Mensch, Mann Mannus, als das dauernde, in sich kraftvolle denkende Wesen; aber gewiss die Manes, den innern, auch nach dem Tode noch fortdauernden Geist rechnen kann: wenigstens scheint Virgilius in dem bekannten, nach dem gewöhnlichen Wortsinne von manes, inferi, schwer

Ein je

zu erklärenden: quisque suos patimur manes : der duldet, büfset die innere Beschaffenheit seiner Seele! wie er öfter thut, auf den etymologischen Sinn dieses Wortes Rücksicht genommen zu haben. Demnach ist die Mania die innere eigenthümliche, rege Kraft des Geistes, welche in dem Begeisterten, dem Propheten, páveis, sich in ihrer höchsten Wirkung, als Schwärmerei, zeigt; aber auch in der Bildung der Sprache, dieser einzigen Blüthe u. Frucht der menschlichen Vernunft, welche in derselben ihre ersten Regungen lal. lend ausströmen lässt, u. die weitere Ausbildung darin niederlegt u. aufbewahrt, thätig war; u. so mit dem Mercurius, dem Gott u. Meister aller zur Bildung des Menschen nöthigen Künste, besonders auch der Sprache 0. Beredtsamkeit, die Laren erzeugte, unter deren Schutz u. Leitung nun die Menschen im häuslichen u. geselligen Vereine ruhig u. würdig leben konnten. So war sie es auch werth, in den Gesängen der Salier, in denen nur wahres Verdienst verehrt wurde, gepriesen zu werden, wie Varro berichtet; welche Ehre wol schwerlich einer plauderhaften zur Unterwelt verur. theilten Nymphe zu Theil geworden seyn dürfte. Dem treuen Beobachter der Natur u. der allmähligen Entwickelung des Menschen ist gewiss auch das stufenweis hervortretende Sprach- Vermögen ein anziehender Gegenstand der Beobachtung. Wer kennt aber nicht die ersten schüchternen Versuche des lallenden Kindes ma, me, mu, woraus sich nach u. nach Mamma, Mutter ff. bilden, u. welche der Sprache überhaupt die Worte mutire, muchsen gegeben zu haben scheinen. Dieser Vorbote u. erste Versuch des Sprechens tritt nun in der dea Muta als Mutter der Laren u. der völlig ausgebildeten Sprache auf: nicht als Stumme, wie nur ein Ovidius faseln konnte, dem nur daran gelegen war, die heiligen Gebräuche auf einige Art zu erklären, u. dem dazu die zunächst liegende Wortbedeutung genügte; sondern als die, die ersten Töne ver. Buchende u. schüchtern wagende Muta, quasi mutiens. Selbst das Wort mutus, stumm, bezeichnet den, welcher nichts weiter, als eben jene einfachen Töne hervorbringen kann.

Sollte es wol zu gewagt seyn, auch die Kureten u. Korybanten in ihrer Benennung u. ihren Geschäften, wenigstens zum Theil, auf Erfindung der Sprache u. die Ausbildung der rohen Menschen durch dieselbe zu beziehen? Únoxovoiteosat, kleinen Kindern tändelnd nachsprechen, auch singen, verbunden mit dem verwandten

die Stimme, yngów, garrio, plaudern, schwatzen im niedersächsischen köhren, welches besonders von

ersten Versuchen der Kinder im Sprechen genchlich ist, könnten dahin führen, dass mópos, xoon, abe, Mädchen von den ersten Versuchen zu spreb, dem Köhren, wie im niedersächsischen Göhr, annt seyen; die Kúreten aber ü. Korybanten die recher, die Lehrer u. Bildner der rohen Menschheit rch Sprache, Gesang u. Tanz. Bei dem Namen Kobanten scheint der letzte Theil sich besonders auf die dammsylbe úß, in zu beziehen, wovon inég, őxos, hüpfen, Pos

, krumm gebogen, wie Einer der lustige Sprünge pacht. Durch Spiel, Gesang u. Tanz mussten jene Cottbegeisterten, wie auch Orpheus u. Bacchus thaten, die Menschen aus der rohen thierischen Sinnlichkeit herausheben, u. sie das bessere Selbst fühlen u. finden helfen.

Dass die Idaei Dactyli von dem Berge Ida u. von der den 5 oder 10 Fingern, daxtúlous, gleichen Anzahl den Namen erhalten haben sollten, ist gewiss äusserst unwahrscheinlich. Weit natürlicher bietet sich das gr. Wort eido, i'w wissen, dów, Sidéoxw, lehren, dem das hebr. 17, jadagh, nya, daghath, die Kenntniss nach Sinn u. Ton anklingt, zur Erklärung dar; u. 'Idañoi háztulo, sind die Wissenden, die Lehrenden, die kundigen Lehrer in allerlei Künsten zur Ausbildung der bürgerlichen Gesellschaft; daher sie auch mit den Kureten verwechselt wurden, u. nur von denen, die einzig den nächsten Wortklang ergriffen, auf die Finger u. den Berg Ida gedeutet werden konnten.

Wie durch Verwechselung von Buchstaben u. Missdeutung von Worten manche ganz natürliche Ereignisse ein ungeheures u. fabelhaftes Ansehen erhalten haben, davon mögen jetzt nur noch zwei Beispiele hier stehen. Ein Kabe soll dem Apollo die Nachricht von der Treulosigkeit seiner Coronis gebracht haben. Pindar weifs es besser: εισάϊεν πάντα ίσαντι νόω (Pyth. III, 5ο): Er, den kein Gott, kein Sterblicher täuscht, sah u. hörte die Untreue von Ferne. Der Rabe entstand nämlich aus der Verwechselung von anp, kereb, die Mitte, das Innere des Herzens mit any, ghoreb, ein Rabe. Eben dieser Pindar, der so voll wahrer Ehrfurcht gegen die Götter ist, findet es unwürdig, dass die Götter den Pelops geschlachtet u. gegessen haben sollen. Er ward unter die Leib- u. Tafeldiener aufgenommen, | meint er Olymp. I, 38. wie Ganymedes; u. nur der hämische thörichte Pöbel machte jene Fabel. Auch hier

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wird Pindar's Erklärung durch eine leichte Verwechselung des Wortes nou, thabach, kochen, schlachten, mit dem gleichen Stammes, 120, thabbach, ein Trabant, ein Königsdiener, bestätigt. Tantalus hat seinen Sohn geschickt, oder die Götter haben ihn entführt zur thebachah -skonnte heissen: zum Trabantendienst oder zum Schlachten. Malignum vulgus wählte das letzte. Lüneburg.

Wagner.

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V.
Viro Celeberrimo Godofredo Seebode

G. H. Lünemann S. P. D. Promiseram Tibi, Vir Celeberrimé, literarum ineditarum volumen, quas forte fortuna nuper in Bibliotheca nostra scholastica, depositas inveniebam. Commericum epistolicum erat I. M. Gesneri super editione Luciani, diligenter asservatum. Epistolae ab eo tempore incipiunt, quo Gesnerus iuvenis Philopatride vulgato de nova omnium Samosatensis operum editione paranda sedulo cogitabat, et iam cum bibliopola Lipsiensi de opere typis exscribendo pactus erat : tum vero isto negotio discusso et contracta per Fabricium cum Hemsterhusio notitia, postquam ab hoc in partem curae vocatus erat, per plures annos continuantur, et succedente tandem in Hemsterhusii locum Fred. Reitzio, totum progressum operis quasi oculis subiiciunt. Hinc facile intelligebam, non indignas esse has literas, quae cum eruditis communicarentur, nisi iam ab alio in vulgus editae essent. Et sane gaudium magnopere turbatum est, quum mox reperissem, maximam partem earum iam ab I. N. Eyringio in I. M. Gesneri Biographia Academica Gottingensi Vol. III. p. 365. sqq. publicatam esse. Nihilo tamen minus, quum et omissae ab Eyringio epistolae ad historiam Luciani editionis , per sex et viginti annorum spatium protractae, pertineant, operae pretium putavi, has ad Te, Vir Celeb., transmittere, ut, si Tibi videatur, typis m exscriptae prodeant. Me saltem legentem iterumque legentem has epistolas non mediocri voluptate affectum esse fateor, et alios quoque, qui magnum illum Virum, quum doctrina et eruditione clarissimum, tum ab humanitate animique candore commendatissimum, iusta veneratione prosequuntur, libenter esse lecturos confido. Vale, Vir Celeb., et me Tuum , quod facis, amare perge. Scr. Gottingae, Id. Decembr. 1821.

I.

Viro Clarissimo Jo. Matthiae Gesnero S. D.

Jo. Albertus Fabricius. Multiplici nomine devinxeras me tibi, et munere doctissimo, et honestissimo de laboribus meis ipdicio, et

cen,

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15A quod magni aestimo inprimis, amore testato humanis

simis literis. Quam gratum mihi fuerit donum a te ra- profectum, quanti industriam et ingenium faciam tuum,

quam clara etiam sit amicitia ac benevolentia tua, brt Reimaro tuo iam opinor intellexisti. Ego literas in

anes rependere veritus tamdiu distuli scribendi ad te da officium, quod maturatum ratio ac voluntas mea postu

labat. Libellus, quem his literis adiunxi, iam ante
dimidium fere annum prelis exire debuit, eius procra.
siinationi tamen non tantum tribuo ut non amplius
etiam sperem a tua humanitate, atque quidquid hac in
parte a me peccatum est a te condonatum mihi iri con.
fidam. Spartam nactum esse te,

in
qua

ben'e mereri
de studiosa iuventute atque pluribus prodesse virtute
atque ingenio tuo possis, impense gaudeo, optoque ut
quemadmodum mereris, ad maiora semper et ampliora
proveharis. Vale Vir Clarissime et me ama tui aman-
tissimum.
S. Hamburgi XV. Cal. Jun. A. C. CIØjccXY.

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II.

Leipzig d. 20 Januar 1720. Hochgeehrtester Herr Conrector Ich habe M. s. g. Herrn CR Brief ohne dato am 3ten dieses empfangen, und darauss die Zuversicht gesehen, mit der Sie an Lucianum gehen wollen. Gott stärke Ihren Glauben, also wollen wir es mit einander anfangen, und zwar mit dem Bedinge, dass wenn ein ander uns fürkommt, ich an nichts gebunden seyn solle, und dass die Bezalung erst nach vollendeter Arbeit zu entrichten ist. Was Sie für die gantze Arbeit fordern, will ich nächstens zn vernehmen erwartten, und verhoffe Sie werden es billig machen. Brauchen Sie et. was von Wien oder aus Italien dazu, so denke dazu leicht helffen zu können. Weiter sehe ich nichts auf Ihren Brief zu antworttea, alls dass ich bin M. H. H.

- D W D

Tomas Fritsch.
Herrn ConR. M. Gessner
[in Weimar.]

I11.

Leipzig d. 27 Januar 1720.
Hochgeehrter Herr
Des Herrn Contract kommt mir sehr billig für,
und was ich dabei zu erinnern babe, ich sage zu, prae-

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1

ere

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