Page images
PDF
EPUB
[ocr errors][ocr errors][ocr errors]

Vorre de.

Die allgemeine oder Culturgeschichte erfasst den Menschen nach allen Lebensrichtungen in Staat und Kirche, mithin den physischen und psychischen, und letzteres bedeutet hier den politischen, moralischen und intellectuellen Menschen.

Ein wesentlicher Theil der Culturgeschichte ist die Musologie, welche den intellectuellen oder scientifischen Menschen zum Gegenstande hat. Folglich ist Musologie diejenige Wissenschaft, welche in systematischer Ordnung und historischer Reihenfolge mit den literarischen Erzeugnissen und wissenschaftlichen Leistungen der Menschen, also mit der Gesammtheit der in Sprache, Schrift und Druck vorhandenen Geisteserzeugnisse, bekannt macht, ganz abgesehen von dem sachlichen und formellen Unterschied derselben.

Dieser Unterschied begründet sofort die Unterscheidung zwischen originellen oder ursprünglichen, unmittelbar aus der schöpferischen Kraft des menschlichen Geistes hervorgegangenen und zwischen den secundären oder doctrinären, durch die erstern bedingten und an sie anknüpfenden Geisteserzeugnissen. Die erstern lassen sich der Kürze wegen die positiven, die letztern dagegen die negativen Leistungen benennen.

Daraus folgt, dass die Musologie nach zwei Richtungen hin ihren Weg einzuschlagen und ihre Aufgabe zu lösen hat, indem sie einerseits die Literatur, andererseits die durch jene veranlasste Gelehrsamkeit so vollständig, als es nur irgend gelingen mag, nachweisen muss; da wir unter dieser doppelten Bezeichnung alle diejenigen geistigen Schöpfungen oder Werke der Menschen zu verstehen haben, welche durch das doppelte Medium der Sprache und der Schrift oder des Drucks zur sinnlichen Erscheinung gebracht worden sind.

Dieses Doppelgebiet stellt sich in dem vorliegenden Buche dem Auge auch äusserlich dar, als Text und Anmerkung, oder als Geschichte und Bibliographie.

In gleichmässiger Berechtigung zu dieser Zweitheilung steht, wie es scheint, eine andere Vertheilung des ganzen Materials in drei Bücher, unter denen das erste, den allgemeinen Theil umfassend, von der Vorbereitung und Ausbildung des Menschen handelt, oder die Möglichkeit nachweist, einst auf dem

[ocr errors]

Doppelgebiet der Literatur und Gelehrsamkeit sowol zu eigenen als auch zur Orientirung über vorangegangene Leistungen befähigt zu werden. Dieses Buch nenne ich daher nach eigener Terminologie und mit einer eigenthümlich gebildeten vox hybrida, der man aber die Bedeutung augenblicklich anhört, Koinodoktologie und handle in derselben in fünf Capiteln von der Sprache (Phonologie), der Schrift (Graphologie), dem Druck (Typologie), den Büchern und Büchersammlungen (Bibliologie) und von den Bildungsanstalten (Studiologie, Grammatologie, Mathematologie).

Dieses ganze Buch gehört eigentlich der zweiten Hälfte jenes Doppelgebiets an, indem es weniger mit der originellen als vielmehr mit der doctrinären Intellectualität des Menschen zu thun hat, sich daher nicht sowol mit der Literatur als vorzugsweise mit der Gelehrsamkeit beschäftigt.

Das zweite Buch ist als das mittlere von dreien zugleich der eigentliche Kern meiner Arbeit, um deswillen auch die beiden andern entstanden sind; sie umlagern gleichsam den Stamm wie Sätzlinge, das Original als weitverzweigte, aber menschlicher Bildungsfähigkeit gleichwol zugängliche, auch erreichbare Abdrücke.

Hier ist die Rede von den Nationalliteraturen der culturhistorischen Völker nach gewissem Mass und

[ocr errors]

mit nothwendiger Beschränkung; denn auf einem so umfassenden Gebiete der Cultur und bei so reichhaltigem Stoffe der Leistung kann es bei einem pädagogisch gehaltenen Grundriss natürlich nur auf die Darstellung der literarischen Hauptmomente, nur der bedeutendsten Völker und deren wichtigste Schriftsteller und Schriften abgesehen sein.

Dieses Buch führt, bei meinem Streben nach prägnanter Bezeichnung, die ich vielleicht weniger glücklich als manche Franzosen erreicht habe, den Titel Ethnodoktologie und gehört seinem Hauptinhalte nach der Originalität scientifischer Leistungen, also der eigentlichen Literatur, an und sondert sich deshalb mit strenger Abscheidung in den literarhistorischen Text und die bibliographischen Anmerkungen. Seine drei Unterabtheilungen behandeln die Literaturen der Orientalen, der classischen Völker und der Occidentalen; letztere wiederum nach den drei hervortretenden Sprachkreisen des romanischen, germanischen und slawischen Terrains.

Das dritte Buch bietet den angewandten Theil oder die eigentlich sogenannte Gelehrsamkeit, insofern in demselben die scientifischen Leistungen der Literarkoryphäen für die Wissenschaften und die freien Künste abgehandelt werden. Es ist gleichsam der Nützlichkeitstheil und deshalb für ihn die

« PreviousContinue »