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Ueber die

Beredsamkeit

mit besonderer Beziehung auf das

klassische Alterthum.

Von

Dr. Friedrich Wilhelm Müller.

Regensburg,
Verlag von W. Wunderling.

1896.

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1:1

Vorwort.

Die vorliegende Brochüre bildet eine Sammlung der wichtigsten, auf die Beredsamkeit bezüglichen Stellen aus den Schriften der römischen und griechischen Klassiker. Sie soll eine möglichst kurze Darstellung geben von der Geschichte und der Theorie der Beredsamkeit im klassischen Alterthum.

Der die zahlreichen Citate verbindende Text betrifft meistens eine Uebersetzung, Umschreibung oder Erklärung derselben. Ich lasse also den grossen Geistern der Vorzeit fast gänzlich das Wort und füge nur sehr wenig Eigenes hinzu. Die Struktur ist meine Sache, das Material hingegen ist fremdes Eigenthum, welches ich von allen Seiten zusammengetragen habe. Und dieses Zusammensuchen erforderte sowohl nicht geringe Zeit als nicht geringe Mühe.

Dass von sehr vielen Stellen zumal von den griechischen - bloss die Anfangs- und Schlusswörter notirt worden sind und anderntheils auf viele Belege bloss mit einem cf. verwiesen wurde, wird man in Anbetracht der hiedurch zu erzielenden Raum- und Kostenersparung als entschuldbar erachten können.

Die Citatnummern entsprechen natürlich insgesammt der Bibliotheca scriptorum graecorum et romanorum Teubneriana.

München, im August 1894.

M.

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Erster Theil. Definition und Charakteristik der Beredsamkeit. Ihre Grundbedingung und ihre vorzüglichen

Eigenschaften.

$. 1.

Beredsamkeit ist hohe Gewandtheit im vernunftmässigen Gebrauch des dem Menschen verliehenen Sprachvermögens (locutio).

Dieses göttliche Geschenk, welches den Menschen so wesentlich vor dem Thier auszeichnet (cf. Cicero, Rhetorica sive de inventione 1, 4, 5. De oratore 1, 8, 32), bildet die Grundlage des Lehrens und Lernens: , ... eloquendi vis quam est praeclara quamque divina! quae primum efficit, ut et ea, quae ignoramus discere et ea, quae scimus, alios docere possimus“. Cicero, de natura deorum 2, 59, 148; die Grundlage der menschlichen Cultur: ... haec nos juris, legum, urbium societate devinxit, haec a vita immani et fera segregavit“. Ibidem. cf. Cicero, De officiis 1, 4, 12. De oratore 1, 8, 33. 1, 9, 36. Rhetorica 1, 2, 3; die Grundlage des menschlichen Verkehrs und der gesellschaftlichen Verbindung: „Ejus autem vinculum est ratio et oratio etc“. Cic., De officiis 1, 16, 50. Die Sprache ist das Hauptmittel, um unsere Gedanken, Gefühle oder Begehrungen zu äussern, Anderen eine Mittheilung zu machen oder von ihnen eine Mittheilung zu veranlassen und demgemäss sehr verschiedenartig

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