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graphie" (1845). Die Memoiren der Belgischen Akademie der Wissenschaften, deren Präsident er wiederholt gewesen ist, enthalten ausser vielen meist geologischen Abhandlungen von ihm eine Reihe von „Notes sur la Classification des races humaines".

Cyrille Laplace, Französischer Vice - Admiral, bekannt durch zwei wissenschaftliche Erdumsegelungen, starb am 24. Januar zu Brest. Er war ein Kind des Meeres und hat den grössten Theil seines Lebens auf dem Meere zugebracht. Auf einem Handelsschiff, auf dem seine Mutter der Ermordung der Weissen in San Domingo entfloh, erblickte er am 7. November 1793 das Licht der Welt und 1809 machte er bereits als Novize auf der Fregatte r„Astree" eine Fahrt nach dem Indischen Ocean, nahm 1810 an den Kämpfen bei Bourbon und He de France Theil, war 1812 bei der Landung zu Tilsit, und nachdem er die Antillen und Neu-Fundland besucht, wurde er 1817 der Station am Senegal attachirt, welchen Fluss er ca. 300 Lieues weit hinauffuhr, um im Innern des Landes ein Comptoir einzurichten. Todkrank von dort zurückgekehrt, wurde er 1819 zum Marine-Lieutenant ernannt, und kaum genesen, ging er auf der Corvette „Diana" nochmals nach der Westküste von Afrika, machte auf der „Amphitrite" mehrere Beisen nach den Antillen, nahm Theil an der Blokade von Algier und erhielt, 1828 zum FregattenKapitän befördert, den Auftrag, als Commandant der Corvette „Favorite" eine Reise um die Erde zu machen, deren Zweck sowohl hydrographische und astronomische Arbeiten als das Studium der socialen und commerziellen Verhältnisse der verschiedenen Länder bildeten. Die „Favorite" besuchte 1830—32 das Kap, die Indischen Küsten, den Golf von Tongkin, die Inselgruppen der Natunas und Anambas und andere Theile der Chinesischen Meere, Java, Van Diemens-Land, Sydney, Valparaiso, und kam um das Kap Hörn nach Toulon zurück. Die während dieser Reise angestellten Beobachtungen, Arbeiten und Aufnahmen sind zusammengestellt in einem vierbändigen Werke, das 1833 —35 in Paris unter dem Titel „Voyage autour du monde, par les mers de l'Inde et de Chine, execute sur la corvette de l'etat la Favorite pendant 1830 — 32" erschien. Bald nach Beendigung dieses Werkes übernahm Laplace das Commando der Fregatte „Artemise", besuchte die Nord-Amerikanischen Gewässer, namentlich Neu-Fundland, und trat Ende 1837 seine zweite Reise um die Erde an, die ihn nach dem Persischen Golf und Rothen Meer, den Indischen und Chinesischen Gewässern, Neu-Holland, Tahiti, den Sandwich-Inseln, der Westküste von Nord - Amerika, Mexiko, Peru und Chile und wieder um das Kap Hörn 1840 nach Frankreich zurückführte. Die Resultate dieser Beise hat er in dem sechsbändigen Werke , Campagne de

circumnavigation de la fregate 1'Artemise pendant les annees 1837—40" (Paris 1840—54) beschrieben. Zum Contre-Admiral ernannt, befehligte er 1844 bis 1847 die Marine-Division der Antillen, war 1847 bis 1852 MarinePräfekt von Rochefort, avancirte 1853 zum Vice-Admiral und bekleidete bis 1858 die Stelle des Marine-Präfekten zu Brest. Im Jahre 1853 wurde er auch zum Präsidenten der Pariser Geogr. Gesellschaft erwählt.

Frank Oales, Naturforscher, Mitglied der Geogr. Gesellschaft in London, war am 6. April 1840 zu Meanwood Side bei Leeds geboren, hatte Nord- und Mittel-Amerika bereist und befand sich seit Anfang 1873 in Süd-Afrika, verweilte einige Zeit im Matebele-Land, besuchte gegen Ende des Jahres 1874 die Victoria-Fälle des Zambesi, erkrankte auf der Rückreise von dort und starb am 5. Februar im Makalaka-Land, 80 Engl. Meilen nördlich vomTati.

Charles New, der bekannte Ost-Afrikanische Missionär und Reisende, geb. zu Fulham im Januar 1840 und ähnlich wie Livingstone in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, schwang sich vom Schuhmacher zum Priester auf und ging 1863 als Missionär nach Mombas an der Ostküste von Afrika. Von dort aus unternahm er 1866 zwei Reisen in die Galla-Länder und 1871 eine Expedition zum Kilimandscharo, den er am 26. August bis' zum Rande des ewigen Schnee's bestieg. Nach einem Besuch in England (1872), wo er sein Buch „Life, wanderings, and labours in Eastern Africa" schrieb, kehrte er 1874 nach Ost-Afrika zurück, setzte von Zanzibar nach der Mündung des Pangani über, führte eine Reise durch Usambara und von da nach Mombas aus, über die er in den „Proceedings of the R. Geogr. Society" (XIX, 1875, Nr. V, p. 317) berichtete, und unternahm dann später im Jahr eine nochmalige Reise nach Djagga am Fusse des Kilimandscharo, erlag aber auf dem Rückweg am 14. Februar zu Duruma unfern Mombas der Dysenterie.

Augustus Raymond Margary, als Sohn des General-Major Margary von den Bombay Engineers am 26. Mai 1846 zu Belgaum, Bombay, geboren, seit 1867 auf verschiedenen Consulatsposten in China und Formosa thätig, schloss sich auf Wunsch der Indischen Regierung als Dolmetscher der Browne'schen Expedition nach Yünnan an und, um der Expedition den Weg zu bahnen, begab er sich zu Land durch China nach Birma, um dort mit der Expedition zusammen zu treffen. Er verliess Shanghai Ende August 1874, fuhr den Yangtse-kiang bis zum Tung-ting-See hinauf, durchreiste Hunan, Kweitschau und Tünnan und kam am 15. Januar 1875 zu Bhamo in Birma an. Kurz darauf trat die Browne'sche Expedition und er mit ihr die Reise nach Yünnan an und in der Chinesischen Grenzstadt Manwyne wurde er am 21. Februar nebst fünf Dienern ermordet.

Sir Charles Lyell, der berühmte Geolog, geb. 14. November 1797 in Kinnardy bei Kerriemuir, Forfarshire, starb am 22. Februar in London. Er studirte seit 1816 in Oxford, trat 1821 in den Advokatenstand, prakticirte aber niemals, sondern durch Dr. Buckland's Vorträge zur Geologie hingezogen, machte er wissenschaftliche Reisen durch Europa und Nord - Amerika, nach Madeira und den Canarischen Inseln, schloss sich der Londoner Geologischen Gesellschaft an und wurde 1824 deren Sekretär, 1836 Präsident. In den Jahren 1830 — 33 erschien sein grosses Werk „The Principles of Geology", 1837 die „Elements of Geology" (in neuen Bearbeitungen als „Manual of Elementary Geology" 1851 und „The Student's Manual of Geology" 1871'. Zwei Reisen nach den Vereinigten Staaten und Canada 1841 und 1845 hat er beschrieben („Travels in North America"; „Second visit to the United States") und 1863 erschien sein zweites grosses Werk „The geological evidences of the antiquity of man". Sein Versuch, die früheren Veränderungen auf der Erdoberfläche durch die lang dauernde "Wirkung der noch jetzt thätigen Ursachen zu erklären, verlieh seinen Werken das höchste Interesse und eine grosse Popularität.

Sir Henry Kellett, Britischer Vice-Admiral, starb am 1. März in Clanocody House, Grafschaft Tipperary, im Alter von 69 Jahren. Er trat mit 14 Jahren in die Marine ein und bildete unter Capt. Owen die Vorliebe und Befähigung zu nautischen Aufnahmen aus, durch die er sich in hervorragendster Weise um die Geographie verdient gemacht hat. 1835—40 war er, zuerst mit Beechey, dann mit Belcher, bei den Vermessungen der Westküsten von Süd- und NordAmerika betheiligt, die er mit dem „Herald" von 1845 an fortsetzte, bis er im April 1848 den Befehl bekam, nach der Bering - Strasse zu gehen, um sich bei den Nachforschungen nach Sir John Franklin's Expedition zu betheiligen. Er entdeckte dabei 1849 die Herald-Insel (Wrangell-Land) und kam 1851 nach England zurück. Im J. 1852 machte er als Commandant der „Resolute" die arktische Expedition Sir E. Belcher's mit und nahm M°Clure und seine Mannschaft vom „Investigator" auf; 1854 ging er als Commodore nach West-Indien, 1864 als Admiral Superintendent nach Malta und 1869 als Commander der Englischen Flottenstation nach China.

Dr. Auguste Warmer, einer der gründlichsten Kenner Algerien's und Vertreter desselben in der Assemblee nationale, starb am 15. März in Versailles im Alter von wenig über 60 Jahren. Er wurde in Rocroy (Ardennes) geboren, studirte in Paris Medicin und kam als Militärarzt nach Algerien , wo er zur Zeit der Eroberung dem Französischen Consul bei Abd-El-Kader zur Seite stand und später selbst Frankreich bei diesem Häuptling vertrat. Als Mitglied der

Commission zur wissenschaftlichen Erforschung von Algerien verfasste er mit Genie-Hauptmann Carette eine erste, jetzt sehr seltene Karte der Berber- und Araber - Stämme Alge rien's, die von L. Bouffart gezeichnet und gestochen wurde, Nachdem er die Posten als Direktor der Civil-Angelegen heiten in der Provinz Oran und als Mitglied des Regierurigs rathes von Algerien bekleidet hatte, widmete er sich de: eigentlichen Kolonisation, gründete eine grosse Meierei im westlichen Theil der Ebene Metidja, und studirte zugleich die Frage der Algerischen Eisenbahnen. Im Jahre 1862 übernahm er, während seines jungen Freundes und Pfleglings H. Duveyrier Krankheit, die literarische Bearbeitung von dessen berühmten Buche „Les Touareg du Nord". Während der letzten Jahre seines Lebens vertheidigte er die Interessen der Französischen Pflanzer in Algerien und betrieb die Einführung einer bürgerlichen statt der militärischen Regierung daselbst, in Büchern und Brochüren: L'Algerie devant le Senat (Paris 1863), L'Algerie devant l'opinion publique (1864), L'Algerie devant l'Empereur (1865), Incendies en Algerie, annees 1860, 1863, 1865, et rapport de la commission d'enquete (1866). Im J. 1870 wurde er zum Präfekt von Algerien ernannt, gab aber die Stelle bald auf und veröffentlichte eine neue patriotische und ökonomische Brochüre: L'Algerie et les victimes de la guerre (Alger 1871). So hat er, obgleich kein spezieller Geograph, durch seine mannigfaltige Thätigkeit Vieles zur Bekanntmachung des Landes und der Bewohner von Algerien beigetragen.

Johann Prettner, Direktor der Baron Herbert'schen Bleiweiss-Fabrik in Klagenfurt, Vice - Direktor des Kärnthner Landesmuseums, starb am 18. März in Klagenfurt. Er erwarb sich um die Klimatologie Kärnthen's, wo er am 24. Januar 1812 zu Glanegg im Glanthal geboren war, die grössten Verdienste. Nachdem er 1842 seine meteorologischen Beobachtungen begonnen hatte, gründete er viele Stationen, so besonders auf der Hochobir (2043 Meter) und auf der Goldzeche Fleuss (2800 Meter), und war einer der eifrigsten Mitarbeiter an der Meteorologischen Central-Anstalt in Wien. Ausser vielen Aufsätzen in den Jahrbüchern des Landesmuseums und anderen Zeitschriften (ein Verzeichniss davon giebt die „Carinthia, Zeitschrift für Vaterlandskunde, Belehrung und Unterhaltung", 1875, Nr. 4 und 5) gab er zwei grössere Schriften heraus: „Klima und Witterung von Klagenfurt" (1865) und „Das Klima von Kärnthen nach den an 42 Beobachtungs-Stationen angestellten Beobachtungen dargestellt" (Klagenfurt 1872).

Georg F. Timkowski, durch die Beschreibung seiner Reise von Kiachta nach Peking und seines Aufenthalts daselbst 1820—21 (Travels of the Russian mission through Mongolia to China and residence in Peking in the years 1820 —1821. London 1827) in der geographischen Literatur rühmlichst bekannt, starb im Frühjahr 1875 im Alter von 85 Jahren.

Karl Manch, der Afrika-Reisende, starb am 4. April in. Stattgart an den Folgen eines Sturzes. Er war am 7. Mai 1837 zu Stetten im Remsthal, Württemberg, geboren, bildete Bich 1854—6 auf dem Seminar zu Gmünd zum Lehrer aus, bekleidete auf kurze Zeit eine Lehrerstelle zu Issny in Oberschwaben und 1859—63 eine Hofmeisterstelle in Österreich, wo er in Marburg Gelegenheit zu naturwissenschaftlichen und linguistischen Studien fand, begab sich dann aber 1863 nach London und 1864—5 von dort nach Natal, um sein Streben nach Forschungsreisen in Afrika zu befriedigen. Durch Natal ging er im Juni 1865 nach der Transvaal-Republik, verfertigte 1866 eine erste vollständigere Karte von derselben (Ergänzungsheft Nr. 24 der „Geogr. Mittheilungen") und unternahm eine Reihe von grösseren Reisen, welche die Kenntniss der Gebiete zwischen Limpopo und Zambesi erschlossen und wesentlich bereichert haben und zur Entdeckung der Goldfelder im Maschona-Land und am Tati führten, die später vielfach besucht und bearbeitet worden sind. Die Berichte und Karten über seine Reisen wurden in den „Geogr. Mittheilungen" veröffentlicht und es sind folgende: Erste Reise mit Hartley nach Inyati im Matebele-Land (Mai 1866 bis Januar 1867); zweite Reise mit Hartley in's Matebele- und Maschona-Land, Goldentdeckung (März bis Dezember 1867); Reise durch den Osten der Transvaal - Republik und am Bubye aufwärts nach Inyati (Mai bis Oktober 1868). Alle drei Reisen nach dem Matebele-Land sind auf Tafel 1 der „Geogr. Mittheilungen" von 1870 eingetragen. Ferner Streifzüge im nordwestlichen Theil der Transvaal-Republik (1869); Reise nach der Delagoa-Bai und zurück nach Potchefstroom (1870); Bootfahrt auf dem Vaal-Fluss nach den Diamantenfeldern (Dezember 1870 und Januar 1871); Aufnahmen im Nordosten der Transvaal-Republik (1871). Von da trat er Ende Juli seine letzte grosse Reise an, die zur Entdeckung der im 16. Jahrhundert von den Portugiesen erwähnten Ruinen von Zimbaoe, von Mauch für das alte Ophir gehalten, führte. Nach längerem Aufenthalte daselbst gelangte er 1872 nach Senna am Zambesi und kehrte wegen Krankheit nach Europa zurück, wo er 1874 Stellung als Geschäftsführer der Spohn'schen Cementfabrik in Blaubeuren fand. Eine Übersicht seiner Reisen' nebst Beschreibung seiner Reise nach Zimbaoe gab er im Ergänzungsheft Nr. 37 der „Geogr. Mittheilungen".

Frederick Ketelbey Strong, ein Freund und Förderer geographischer Unternehmungen, residirte als Hanno ver'scher und Bayerischer Consul 1833 bis 1845 in Athen und schrieb dort eine statistische Beschreibung von Griechen

land („Greece as a kingdom; or, a Statistical description of that country, from the arrival of King Otho, in 1833, down to the present time", London 1842). Später siedelte er nach Hamburg über, wo er am 18. April starb.

William Winwood Reade, der Afrika-Reisende, geb. zu Murrayfield bei Crieff in Schottland am 26. Dezember 1838, wandte sich zuerst dem Roman zu („Charlotte and Myra", „See-saw", „The veil of Isis"), angeregt durch Du Chaillu's Schilderungen bereiste er aber 1861—3 14 Monate lang die Westküste von Afrika („Savage Africa", London 1863) und begab sich 1868 zum zweiten Mal dahin, wobei er 1869 von Sierra Leone aus nach Farabana am oberen Niger gelangte (Proceedings of the R. Geogr. Soc. of London, Vol. XIV, Nr. 2, p. 185; „African sketch book", 2 Bde, London 1873). Im Jahre 1873 machte er als Times-C'orrespondent den Aschanti-Krieg mit, kam aber von dort krank zurück und starb am 24. April zu Ipsden. Seine Correspondenzen an die Times sind in Buchform unter dem Titel „Comassie" erschienen, auch schrieb er „The Martyrdom of Man" und „The Outcast".

Johann Friedrich Maximilian v. Waldeck, geb. den 16. März 1766 in Prag, starb am 29. April in Paris. Er begleitete 1783 Levaillant auf dessen zweiter Süd-Afrikanischen Reise, machte nach seiner Rückkehr in Paris Studien in der Malerei unter David und Prudhon, nahm während der Revolutionszeit Kriegsdienste in der Französischen Armee, schloss sich als Freiwilliger 1794 dem Feldzug nach Italien an und begleitete als Civilist die Französische Armee nach Ägypten. Von dort ging er nach Assuan und durch die Wüste von Dongola nach dem Rothen Meer. Wieder in die Armee eingetreten, focht er in der Schlacht bei Austerlitz als Rittmeister mit, ging später nach Mauritius, befuhr die Indischen Meere und war im J. 1819 mit Lord Cochrane in Chile, unternahm darauf archäologische Untersuchungen in Guatemala und Hess sich einige Zeit in London nieder (1822), um Capt. del Rio's Skizzen der Ruinen von Palenque und Chiapa zu lithographiren. Der Genauigkeit dieser Skizzen misstrauend, ging er wieder auf acht Jahre nach Amerika und verwendete drei Jahre auf das Studium der Ruinen, der Fauna und Flora von Palenque (F. de Waldeck, Voyage pittoresque et archeologique de la province d'Yucatan pendant les annees 1834 ä 1836. Paris 1838, mit Atlas). Seitdem hatte er seinen ständigen Aufenthalt in Paris und stellte noch 1868, 1869, 1870 Bilder aus, mit der Überschrift „Loisir du Centenaire".

Dmitri TljiUch Kowalensky, seit 1861 Sekretär der Kaukasischen Sektion der Kais. Russ. Geogr. Gesellschaft, starb am 23. April in Tiflis. Er redigirte sämmtliche Publikationen der Sektion, so die Sapiski, Iswestija, den statistischen Sbornik, war auch bei der Herausgabe der Karte des Kaukasus im Maassstab von 40 Werst auf den Zoll thätig und hat sich namentlich auch durch seine Jahresberichte über die geographischen Arbeiten im Kaukasus verdient gemacht.

Alexander George Findlay, der hochverdiente Hydrograph, starb am 3. Mai in Dover. Am 6. Januar 1812 in London geboren, erwählte er frühzeitig die Geographie als Fachstudium und bearbeitete geographische und hydrographische Compilationen, Karten und Atlanten. Um 1834 construirte er seine bekannten Atlases of ancient and comparative geography, 1851 erschien sein „Directory for the coasts and islands of the Pacific Ocean", dem später ähnliche Werke über die anderen Oceane folgten. Ausserdem hat er zahlreiche Karten und Abhandlungen, z. B. im Journal der Londoner Geogr. Gesellschaft, veröffentlicht. Viele Jahre wirkte er als Vorstandsmitglied der Royal Geographical Society und seit 1858 war er Eigenthümer der Laurie'schen Buchhandlung, in deren Verlag schon zu Laurie's Lebzeiten seine Arbeiten erschienen.

Sherard Osborn, geb. den 25. April 1822, trat 1837 in die Marine, commandirte bereits 1838—9 ein Kanonenboot bei der Vertreibung der aufständischen Malaien aus Quedah auf der Halbinsel Malacca („Quedah, or Stray Leaves from a Journal in Malayan waters'', London 1857), war 1841 bei der Einnahme von Canton und 1842 bei der von Shanghai thätig, lernte 1844—48 an Bord der Fregatte „Collingwood" die Süd - Amerikanische Westküste und den Grossen Ocean kennen, wurde 1846 zum Lieutenant befördert und machte 1850—51 als Commandeur des „Pioneer" die arktische Expedition unter Austin, 1852—4 auf demselben Schiff diejenige unter Sir Edward Belcher mit. Auf beiden Expeditionen legte er weite Reisen mit Schlitten zurück, im Jahre 1853 1093 Engl. Meilen, wobei er 117 Tage von seinem Schiff abwesend war („Stray Leaves from an arctic Journal", London 1852; „Discovery of the North-West Passage by H. M. S. Investigator, Capt. McClure", London 1856; „The career, last voyage and fate of Capt. Sir John Franklin", London 1860). Am Orientalischen Krieg 1855 nahm er als Commandant des Geschwaders im Asow'schen Meere lebhaft Theil („On the geography of the Sea of Azow, the Putrid Sea and adjacent coasts, with remarks on their commercial future", Journal of the R. Geogr. Soc, 1857). Im J. 1857—8 machte er den zweiten Chinesischen Krieg als Kapitän des „Furious" mit, befuhr 1858 den Yangtse-kiang aufwärts bis Hankau und nachdem er 1861 einen Truppentransport nach Mexiko geleitet, ging er 1862 abermals nach China, um ein Chinesisches Geschwader zur Unterdrückung der Seeräuberei zu commandiren („A cruise in Japanese wa

ters", London 1859: „The fight on the Peiho", London 1865; „Japanese, with facsimiles of illustrations by artists of Yedo", London 1861; „The past and future of British relations in China", London 1860; „Notes geographical and commercial made during the passage of H. M. S. „Furious", in 1858, from Shanghai to the Gulf of Petcheli and back" in Proceedings of the R. Geogr. Soc, EU, 1859, und andere Aufsätze). Nachdem er die Stelle im Chinesischen Dienste bald wieder aufgegeben hatte, erhielt er 1864 das Commando des Englischen Thurmschiffes „Royal Sovereign", fungirte, aus dem aktiven Dienst zurückgetreten, 1865—6 als Direktor der Great Indian Peninsular Railway und 1867 bis 1873 in England als Direktor der Telegraph Construction and Maintenance Company '„The geography of the bed of the Atlantic and Indian Oceans and Mediterranean Sea", in Proceedings of the R. Geogr. Soc, XV, 1870) und wurde 1873 zum Rear Admiral befördert. Im Jahre 1865 begann er mit einem Vortrag in der Londoner Geogr. Gesellschaft („On the exploration of the North Polar Region", Journal of the R. Geogr. Soc. 1866) eine auch später lebhaft fortgesetzte Agitation für neue arktische Expeditionen, die 1874 den Beschluss der Englischen Regierung zur Ausrüstung und Absendung einer solchen herbeiführte. In eifriger Thätigkeit für die Vorbereitungen zu dieser Expedition brachte er die letzten Monate seines Lebens zu und war noch vom 3. bis 5. Mai 1875 in Portsmouth an Bord der Expeditionsschiffe, bevor er nach London zurückgekehrt am 6. Mai verschied.

Thomas Baines, Maler und erfahrener Reisender, ist am 8. Mai auf dem Wege nach dem Tati in Süd-Afrika gestorben. Er nahm Theil an Gregory's Expedition in NordAustralien (1855—6), an beiden Livingstone'schen Zambesi-Expeditionen (1858—61), begleitete Mr. Chapman auf dessen Reise von der Walfisch-Bai nach dem Ngami-See und den Victoria-Fällen (1861—62) und schrieb darüber sein trefflich illustrirtes Werk: „Explorations in South-West Africa" (London 1864), besuchte die Tati-Goldfelder (1869) und machte mehrere Reisen in Transvaal und den angrenzenden Ländern (s. „Geogr. Mitth." 1872, Tafel 21). Mit W. B. Lord gab er das Buch „Shifts and expedients of Camp Life" (London 1871) heraus, schrieb mehrere Reiseberichte, die im Journal of the R. Geogr. Soc. gedruckt sind, und lieferte als Maler die Illustrationen zu Livingstone's Zambesi-Expedition &c.

Karl Gustav Reuschle, Professor der Mathematik, Physik und Geographie am Gymnasium in Stuttgart, hervorragender Geograph, Btarb am 22. Mai in Stuttgart. Er war am 26. Dezember 1812 im Pfarrhaus zu Mehrstetten, einem Dorf des Württembergischen Oberamts Münsingen, geboren, besuchte die Lateinschule in Blaubeuren, das Seminar in Urach und das Stift in Tübingen und studirte 1834—37 Mathematik und Naturwissenschaften in Tübingen, Paris und Berlin. Nachdem er darauf kurze Zeit in Schönthal und 1838—40 im Stift zu Tübingen Repetent gewesen, erhielt er 1840 die Lehrstelle am Gymnasium zu Stuttgart, die er bis zu seinem Tode bekleidete. Von ungewöhnlicher Verstandesschärfe und Arbeitskraft hat er sich durch bedeutende Werke in verschiedenen Fächern hervorgethan. Sein hauptsächlichstes mathematisches Werk, „Tafeln complexer Primzahlen", ist kurz vor seinem Tode von der Berliner Akademie der Wissenschaften veröffentlicht worden; seine Schrift über „Kepler und die Astronomie" zum 300jährigen Jubiläum von Kepler's Geburt (Frankfurt 1871) zeigt ihn wie schon früher sein Gymnnsial-Programm über Kopernikus, Kepler und Newton (1841) als gelehrten Astronom und sein jüngstes Werk, „Philosophie und Naturwissenschaft" (1874), bekundet seine tiefe Kenntniss und Begabung in beiden Wissenschaften, während die grössere Zahl seiner schriftstellerischen Arbeiten der Geographie gewidmet waren, so namentlich „Kosmos für Schule und Laien" (1848), Vollständiges Lehrbuch der Geographie, 1. „Physik der Erde" (1851), 2. „Beschreibende Geographie" (1852, 4. Aufl. 1872), „Elementargeographie" (1859, 4. Aufl. 1874), „Handbuch der Geographie oder neueste Erdbeschreibung mit besonderer Rücksicht auf Statistik, Topographie und Geschichte" (1858), „Hlustrirte Geographie für Schule und Haus" (1856), „Grundzüge der physischen Geographie nach Hughes und Ansted bearbeitet" (1852), Beschreibung deB Königreichs Württemberg, hrsg. vom Statistisch - Topographischen Bureau, geschichtlicher und geographischer Theil (1863), Überarbeitung von Karten und Text des Hlustrirten Volks - Atlas von Traugott Bromme (1875), verschiedene Abhandlungen in der Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde und in der Pädagogischen Vierteljahrsschrift, u. a. „Kritische Miscellen zur Geographie", „Über hergebrachte geographische Irrthümer".

Joseph Selleny, Landschaftsmaler, geb. den 2. Februar 1824 zu Meidling bei Wien, starb am 22. Mai zu Inzersdorf daselbst. Er ist namentlich bekannt als Mitglied der österreichischen Expedition auf der „Novara" um die Erde 1857—59, deren Beschreibung er auch illustrirt hat, hielt sich bald nach Beendigung dieser Expedition ein halbes Jahr in Brasilien auf und hinterlässt eine grosse Zahl Bilder und Skizzen aus allen Theilen der Welt.

Friedrich Julius Seif, geb. den 20. Oktober 1821 in Leipzig, bildete sich auf den polytechnischen Schulen in Dresden und Hannover zum Ingenieur aus, arbeitete praktisch in den Fabrik - Etablissements von Borsig in Berlin, Cockerill in Seraing und Stephenson in Newcastle on Tyne und übernahm darauf die Stelle als Maschinenmeister und

Petermann'a Geogr. Mittheilungen. 1876, Heft II.

Leiter der Reparatur-Werkstatt an der Magdeburg-Halberstädter Eisenbahn in Halberstadt, welche Stelle er 9 Jahre bekleidete. Die damit verbundenen Anstrengungen machten für seine Gesundheit eine Erholung nöthig, die er sich während eines sechsmonatlichen Aufenthalts in Ägypten, besonders in Cairo und Umgegend, verschaffte. Nach Europa zurückgekehrt, übernahm er die Stelle als zweiter Leiter der Pflugk'schen Fabrik für Eisenbahnbedarf in Berlin, siedelte aber nach Verlauf mehrerer Jahre nach Dresden über, beschäftigte sich eingehend mit Kunst, Architektur und Archäologie und unternahm einige grössere Reisen. So hielt er sich u. A. längere Zeit in Algerien auf („Bericht über eine Reise nach Algerien 1867" im 8. und 9. Jahresbericht des Vereins für Erdkunde zu Dresden, S. 19—45), besuchte Teneriffa, bereiste Spanien, Frankreich, Italien und Sicilien und 1871—72 Theile des Orients, namentlich Cypern, Syrien und Klein-Asien. Die letztere Reise beschrieb er in seinem 1875 in Leipzig herausgegebenen Buche „Reisen in der Asiatischen Türkei", nachdem er ein Bruchstück davon in der Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin (1873) unter dem Titel „Ritt durch das Innere Syrien's" veröffentlicht hatte. Im Januar 1875 trat er wiederum eine Reise nach Ägypten, dem Sinai und dem Innern von Klein-Asien an, wurde aber am 25. Mai zu Adana ein Opfer der Dysenterie.

Friedrich Becker, Grossherzogl. Hessischer Oberst, bekannter Topograph und Geolog, starb am 9. Juni in Darmstadt. Er war den 30. Dezember 1809 zu Rödelheim geboren, trat 1827 in den Grossherzogl. Hess. Militärdienst, wurde 1830 zum Offizier in der Infanterie ernannt und gehörte dieser Waffe bis 1846 an, in welchem Jahre er als Hauptmann in den Generalstab versetzt wurde, zu dessen topographischen Arbeiten er schon zuvor vielfach herangezogen worden war, das erste Mal 1833 für die Sektion Hirschhorn der Generalstabskarte. Im Jahre 1849 machte er als Generalstabs-Offizier bei der Division des General v. Bechtold den Badischen Feldzug mit, war 1851—59 Mitglied des Kriegs-Ministeriums und Lehrer an der Militärschule, wurde 1855 Major, 1859 Oberst-Lieutenant und Direktor der Militärschule, 1861 Oberst, 1866 Generalstabschef der Hessischen Division und erhielt 1867 als BrigadeCommandeur den erbetenen Abschied. Mit besonderem Interesse leitete er das Topographische Bureau und auch später, nachdem die Fortfuhrung der Karten des Grossh. Generalstabs an die Obersteuer-Direktion übergegangen war, betheiligte er sich an der Leitung der bezüglichen Arbeiten, so namentlich auch an der Herausgabe der Sektion Zwingenberg in 1: 25.000 mit Höhenkurven. Ausserdem bearbeitete er die 1873 von der Grossh. Centralstelle für die Landesstatistik herausgegebene „Höhenschichten-Karte von.

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