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lieh einmal Zeit, die zum Theil völlig irrigen Angaben, die man über sie auch noch in anderen geographischen Werken hie und da findet, zu berichtigen. Interessant ist es dabei, dass Deutsche, und zwar meistens im Dienst der Holländischen Regierung, das Beste bei der Erforschung des BattaLandes gethan haben. Ein Deutscher, Franz Junghuhn, bereiste, als der Erste, einen grossen Theil des BattaLandes, und machte seine Beobachtungen und Entdeckungen in einem grösseren, 1847 auch im Deutschen erschienenen Werke (die Batta-Länder auf Sumatra) bekannt. Die beste bis jetzt existirende Karte von dem Gouvernement van Sumatra's WeBtkust, die von L. W. Beijerinck, beruht fast ausschliesslich auf Arbeiten Deutscher in der NiederländischIndischen Armee stehenden Offiziere. Eben so haben auch noch neuerdings Deutsche Missionäre und ein Deutscher Geometer, Namens Nagel, Manches zur Berichtigung der geographischen Kenntniss dieser Landschaften beigetragen. Freilich für die Erforschung der Batta-Sprache hat sich ein Holländer, der Herr H. N. van der Tuuk, weitaus das grösste Verdienst erworben. Ein anderer ausgezeichneter junger Mann, der Ingenieur de Greve, dem Sumatra's Westkust so viel verdankt, unter Anderem die Auffindung des Ombilie-Kohlenfeldes, und der auch die besten Absichten und Mittel hatte, um die Kenntniss des Batta-Landes zu vervollständigen, kam auf einer, im Jahre 1872 unternommenen Entdeckungsreise quer durch die Insel um. Noch in Ritter's Geographisch - statistischem Lexikon von 1864 finden sich die Battas als ein Austral-Negervolk verzeichnet, was freilich schon seit Junghuhn's Arbeiten völlig unverzeihlich erscheint. Nicht ganz so schlimm kommen sie bei H. A. Daniel weg, der sie in seinem Handbuch der Geographie (3. Auflage 1870) für ein Mittelding, dem Stamme nach weder Schwarze noch Malaien, erklärt. Vielleicht, dass damit die Junghuhn'sche Ansicht wiedergegeben sein soll, der da meinte, einen wesentlichen und durchschlagenden Unterschied zwischen Battas und Malaien aufgefunden und festgestellt zu haben, wozu ihn unter Anderem die sehr verkehrte Auffassung der Batta-Sprache verleitet hat. Er hat sogar versucht, von hier aus die sämmtlichen Malaiischen Völker in zwei grosse Gruppen zu klassificiren, wobei natürlich stark aufs Ungewisse und mit Phantasie gearbeitet werden musste. Die Wahrheit ist, dass die Batta«, wie ihre Sprache, Herkommen und Sitte &c. unzweifelhaft beweisen, als eine Schwester-Nation der Malaien angesehen werden müssen, wenngleich beide Völker schon vor sehr langer Zeit sich von einander getrennt und gesondert haben (vgl. meine Doktor-Dissertation, Barmen 1874). Die Battas zerfallen in drei Stämme, die nach den verschiedenen Dialekten, welche sie reden, als Mandheling-, Toba- und Dairi-Redende unterschieden werden. MandheFcUrmui'i Oeogr. Mittheilangen. 1878, Heft II.

ling wird in den Landschaften Gross- und Klein-Mandheling, Angkola, Sipirok, so wie in dem östlioh davon gelegenen Pertibi und Padang bolak gesprochen. (Nebenbei möchte ich bemerken, dass die im Holländischen Indien mehrfach vorkommende Unterscheidung zweier Länder, von denen das eine den Beinamen Gross-, das andere Kleinträgt, dem Malaiischen gedang und Ketjil entspricht, and besser mit „eigentlich" und „uneigentlich" zu übersetzen wäre. So heisst z. B. Sumatra auch Djava Ketjil, was man doch unmöglich durch Klein-Java wiedergeben kann. Eben so bedeutet Groot - Atschin das eigentliche Atschin.) Nördlich von Sipirok, etwa am Ack Puli, läuft die Sprachgrenze. Dort beginnt der Toba-Dialekt, der aber wahrscheinlich noch weit über das hier verzeichnete Gebiet nach Norden und Nordosten hin sich erstreckt. Das Gebiet des dritten, des Dairi-Dialektes, ist hier nur erst theilweis berührt; es liegt weiter nach Nordwesten.

Das eigentliche Centrum und auch ohne Zweifel seit langer Zeit der Stammsitz der Battas ist Toba, d. h. das Land um den Toba-See herum, das auch jetzt noch weitaus am stärksten bevölkert ist und von wo aus wenigstens die südlichen Theile des Batta-Landes in noch geschichtlich nachweisbarer Zeit ihre jetzige Bevölkerung erhalten haben. Dem entsprechend würde man auch eigentlich das ganze Volk besser Toba als Batta nennen, denn das letztere ist nur ein ihnen von den Malaien angehängter Schimpfname, der jetzt freilich schon zum Theil bei ihnen selbst Eingang gefunden hat, ohne daduroh seine verächtliche Nebenbedeutung zu verlieren, denn die Battas haben so wenig Nationalbewusstsein und Nationalstolz, dass sie vielmehr von einem Europäer als stärksten Ausdruck, um seine Dummheit und Unbedeutendheit zu bezeichnen, sagen, er sei ein Batta. Vergleicht man nun diese Karte mit. den beiden früheren, die eigentlich nur in Betracht kommen können, nämlich mit den entsprechenden Karten in Junghuhn's Werk und mit der von Beijerinck, so wird, neben mehrfachen anderen Abweichungen, besonders auffällig sein, dass hier so ungleich viel mehr Dörfer vorzeichnet stehen, als auf den beiden eben genannten Karten. Zum Theil mag das auf blosser UnVollständigkeit jener Karten beruhen, der Hauptgrund aber ist der, dass seit den letzten 25 Jahren ein Theil dieser Landschaften, namentlich Mandheling, Angkola und Sipirok sich sehr stark wieder bevölkert haben. Ich sage wieder bevölkert, denn es gab eine Zeit, auch zu Anfang dieses Jahrhunderts, in welcher dieser ganze Theil des Batta-Landes noch ungleich stärker bevölkert war, als es jetzt der Fall ist. Die entsetzlichen Kriegszüge, welche die Malaien von Bondjol und Rauw aus, unter Anführung fanatischer muhamedanischer Priester in den 20er und 30er Jahren gegen die heidnischen Battas unternommen haben, die haben das ganze Land bis zum Toba-See hin fast völlig entvölkert. Noch jetzt findet man viele sogenannte lobu, d. h. Reste oder Ruinen längst verschwundener Dörfer, nämlich die mächtige Bambushecke, wie sie ein jedes Batta-Dorf (huta), wenigstens bei den unabhängigen Battas, umgiebt und zu einer Art Festung macht, und fragt man dann, seit wann dieses Dorf verödet sei, so lautet die Antwort, fast immer: seit Bondjol — mit diesem Namen werden nämlich jene für die Battas so verhängnissvollen Kriegszeiten bezeichnet. Viele Dörfer, zumal auf dem Gebiet der Holländischen Kolonie, sind seitdem wieder bevölkert, und haben auch häufig den alten Namen wieder angenommen. Ein anderer Umstand, der für die Lage der Dörfer bedeutsam ist, ist die Sitte der Battas, dass sie sehr häufig das Dorf verlegen, freilich in der Regel nicht ganz weit von dem früheren Platz, wodurch es gar leicht geschehen kann, dass dasselbe Dorf nach der einen Karte etwa auf dem westlichen, nach der anderen Karte auf dem östlichen Ufer eines Flusses liegt — und beide Karten sind doch, eine jede zu ihrer Zeit, richtig gewesen. Kommen nämlich in einem Dorfe schnell hinter einander viele Todesfälle vor, so ist es bei den Battas ein sehr beliebtes und häufig angewandtes Mittel, dass man, um dem Einfluss der bösen Geister zu entgehen, sich an einem anderen, von den Zauberern bezeichneten, gesunderen Orte anbaut.

Was weiter die Abweichung in der Schreibweise sehr vieler Namen von Dörfern, Flüssen und Bergen auf dieser Karte, namentlich von den Junghuhn'schen anlangt, so muss bemerkt werden, dass Junghuhn, als der Sprache nnkundig, und mit keinem feinen Ohr begabt, fast keinen einzigen Namen ganz richtig wiedergegeben hat. Er macht aus dem häufig vorkommenden Lumban immer Lumpen, aus Bungabondar macht er Punjaponter &c. Diese Karte hat unter Anderem auch den grossen Vorzug, dass hier zum ersteh Mal alle Namen von solchen Leuten angegeben sind, die der Sprache des Volkes mächtig waren.

Zu einer Beschreibung des Landes im Einzelnen, so weit ich dazu nach eigener Anschauung im Stande sein würde, ist hier ja der Ort nicht. Nur einzelne Notizen, die zur lebendigen Vorstellung von der Beschaffenheit des Landes beitragen können, mögen hier eine Stelle finden.

Der ganze grosse Landstrich am Meeresufer entlang von Ajerbangis bis nach Siboga ist bis zur ersten Bergkette ein grosser, fast ganz unbewohnter Sumpfwald. Nur hie und da, an den Flüssen liegen einzelne, meist von der übrigen Welt fast abgeschnittene Fischerdörfchen. Der Boden ist zum grossen Theil äusserst fruchtbar und herrlich für die Heiskultur, aber das Klima ist böse, und ausserdem vernichten die Heerden der Elephanten, die hier

hausen, gar oft die mühsam angelegten Reisfelder. In diesen Wäldern wächst auch vornehmlich der berühmte Sumatranische Kampfer-Baum, dessen Kampfer von den Chinesen zu sehr hohen Preisen angekauft wird. Überschreitet man, etwa auf dem Wege von Natal nach Penjabungan, dieses erste Längsgebirge, so erblickt man von dem höchsten Punkte des Weges, aus der sogenannten Himmelsthür (pintu langit), das herrliche weite Thal von Mandheling oder Mandaheling. Auch diese Landschaft hat noch längst nicht wieder die Dichtigkeit der Bevölkerung erreicht, welche sie vor jenen verheerenden Kriegszügen der Malaien gehabt haben muss, denn auch hier sind noch manche lobu zu sehen, und noch weite Strecken jetzt brach liegenden Landes verrathen deutlich, dass sie ehemals bewässerte Reisfelder gewesen sind. Ähnlich ist es in dem südlichen Theil von Angkola, dem sogenannten Angkola djae, wo auch jetzt fast das ganze Land mit Wald bedeckt ist. Eine Wiederurbarmachung des Landes könnte nur geschehen, wenn sie in grossem Maassstabe unternommen würde. Versuche Einzelner werden immer bald wieder aufgegeben, da eine solche kleine, inmitten des Waldes gelegene Lichtung allzu ungesund ist und das Sumpffieber zu viel Opfer fordert. Sonst hat sich hier Manches zum Guten verändert, seitdem die Holländer die Landschaften Mandheling, Angkola und Sipirok durch friedliches Bündniss mit den Battas an sich gebracht und ihrer Kolonie einverleibt haben. Wohl von ganz Holländisch-Indien wird man dasselbe behaupten können , dass nämlich die Herrschaft der Holländer für jene Länder ein wahrer Segen ist. Bei den Battas haben sie nicht nur dem scheusslichen Kannibalismus ein Ende gemacht und eben so den endlosen kleinen Kriegen der einzelnen Dörfer unter einander, die überall noch wie ein Fluch auf den unabhängigen Landschaften liegen, sondern sie haben auch Wege angelegt, neue Erwerbsquellen eröffnet und, wenigstens bis zu einem gewissen Grade, Recht und Gerechtigkeit zur Geltung gebracht. Auf diese Weise haben sie nicht nur zur Vermehrung des Wohlstandes und zur Verbesserung des ganzen Landes wesentlich beigetragen, es scheint sogar, dass ihr Regiment selbst schon auf den Volkscharakter einen heilsamen Einfluss geübt und die Leute fleissiger und arbeitsamer gemacht hat. Nur eins muss man bedauern, nämlich dass die Herrschaft der Holländer dem Islam den Weg bereitet und zur fast völligen Alleinherrschaft verholfen hat.

Will man sich davon aus eigenem Augenschein überzeugen, welchen heilsamen Einfluss die Holländische Herrschaft auf das Land geübt hat, so braucht man nur die Grenze der Kolonie, die zum Theil mit der Sprachgrenze zwischen den Mandheling- und Toba-Redenden zusammenfällt , zu überschreiten. Obwohl keine Grenzpfähle vorLanden sind, merkt man es doch sofort, dass man die Grenze hinter sich hat. Statt der ordentlichen, gebahnten Wege nur elende Fusssteige, die man nur noch mit Mühe zu Fuss passiren kann, statt der offenen, hellen und reinlichen Dörfer, finstere, traurige von Bambushecken eingeengte Festungen; die Leute in spärlicherer, schlechterer Kleidung, aber nur selten ohne Waffen. Es ist also völlig falsch, wenn man behauptet, die Holländer saugten jene Lander aus. Aber doch ist es wahr, dass sie ihren sehr bedeutenden Vortheil aus den Kolonien zu ziehen wissen. Im Batta-Land löst der Kaffee-Baum dieses Eäthsel. Ausser den Frohndiensten bei Wegebauten und zur Aufwartung bei den Holländischen Beamten haben die den Holländern unterworfenen Battas nämlich keine weiteren Lasten zu tragen', als dass sie zum Anbau des Kaffee's verpflichtet sind. Eine jede Familie muss oder musste alljährlich ein paar hundert Kaffeestauden pflanzen und dann später die Früchte an die Regierung zu einem bestimmten Preise verkaufen. Aber obwohl nun dieser Einkaufspreis ganz ungemein niedrig ist (24 Mark für 55 Kilo, während die Holländer selbst gleich in Padang auf den Auktionen bis zu 55 Gulden = 94J Mrk. für das gleiche Gewicht erzielen), so ist doch der Boden so geeignet für die Kaffeekultur und das Ganze so bequem, dass die Battas dieses KaffeeMonopol nicht als eine drückende Last, sondern vielmehr als eine Wohlthat empfinden. Das zeigt sich deutlich darin, dass sie schon längst in den meisten Gegenden freiwillig mehr Kaffee-Bäume pflanzen, als von ihnen verlangt wird, so dass selbst die Regierung schon angefangen hat, die ganze lästige Controle und den Anbau in gemeinsamen Dorf-Kaffee-Gärten fallen zu lassen, weil die von Jahr zu Jahr sich ausdehnende Anpflanzung in Privatgärten, hauptsächlich unmittelbar um die Dörfer herum, wo der Kaffee durch die verwesenden Reisschalen gedüngt wird und deswegen am besten wächst, eine stets sich steigernde KaffeeProduktion zur Folge hat.

Die grossen Segnungen des Holländischen Regimentes sind auch den Leuten selbst so einleuchtend, dass Auswanderung aus der Kolonie nach dem unabhängigen BattaLande nie vorkommt, dagegen ist die Einwanderung von dorther in die Kolonie hinein fortwährend ganz bedeutend, ja mehr noch, aus verschiedenen benachbarten Landschaften, z. B. aus Pangaloan und Sigompulan sind schon wiederholt Bitten an die Holländische Regierung ergangen, dass man doch auch diese Gebiete zur Kolonie schlagen wollte. Auf der Karte von Beijerinck sind freilich diese Gebiete, ja auch Silindung und Silantom, noch mit zur Kolonie gezogen, aber irrthümlicher Weise. Zwar bestehen schon seit 20 Jahren gewisse Beziehungen der Holländischen Regierung zu jenen Landschaften, d. h. zu wiederholten Malen

sind Holländische Beamte, früher niederen Grades, in den letzten Jahren aber auch ein Gouverneur (Ahriens) und ein Resident (Canne). besuchsweise dort gewesen, und mehr als einmal hat man mit den Radjas eine Art Vertrag gemacht, wonach die letzteren Bich verpflichteten, in Zukunft keine Kriege mehr unter einander zu führen, sondern ihre Streitigkeiten beim Residenten in Siboga schlichten zu lassen. Aber so lange die Holländer nicht darauf halten, dass dem auch nachgekommen wird, so lange in Silindung die kleinen Kriege an der Tagesordnung sind und bleiben, so lange auch noch Fälle von Kannibalismus dort vorkommen, muss man doch sagen, die Zugehörigkeit jener Landschaften zur Kolonie ist nur mehr illusorisch. — Nördlich reicht diese Karte bis zum sogenannten Toba-See, bei den Battas kurz Tao-Landsee genannt. Dieser See ist in unserem Jahrhundert, so viel ich weiss, dreimal von Europäern besucht worden. Zuerst will der Herr van der Tuuk ihn gesehen haben — obwohl die Eingeborenen nichts mehr von diesem Besuche wissen. Sodann wurde im Jahre 1867 von der Ostküste aus eine Expedition nach dem See gemacht. In dem benachbarten Silindung erzählten die Leute von Toba damals den Missionären, dass weisse Leute unter militärischem Schutz von Osten her bis an den See vorgedrungen seien und Erde und Steine mitgenommen hätten — also auch geologische Untersuchungen. Wer es aber gewesen, und auf welchem Wege sie gekommen, darüber habe ich nie etwas erfahren können — auch in Batavia nicht —, wie denn überhaupt die Holländische Regierung in Indien sich vielfach einer nicht ganz begreiflichen Geheimthuerei befleissigt. Die Angaben dieser Karte sind gemacht nach den Beobachtungen dreier Deutscher Missionäre, die im Jahre 1873 den See, wenn auch nur flüchtig, besuchten, und hernach das, was sie mit eigenen Augen gesehen, möglichst aus den Angaben der Leute vervollständigten. So ist denn nun auch die Frage über den Ausfluss des See's, ob nämlich das Wasser nach der Ost- oder nach der Westküste abfliesst, endgültig entschieden. — Dass einzelne Landschaften, z. B. Silantom auf der Karte ganz, oder doch fast ganz, ohne Dörfer erscheinen, zeigt nicht etwa von TJngenauigkeit, sondern es ist diess eine Eigenthümlichkeit des Batta-Landes, dass fast überall sehr dicht bevölkerte Striche unmittelbar neben fast menschenleeren Wildnissen liegen. Am dichtesten bevölkert ist wohl Silindung und die Gegend um den See. Interessant wäre es, zu untersuchen, ob man nicht, vielleicht mit verhältnissmässig wenig Mühe, einen Theil oder gar den ganzen Toba-See trocken legen und auf diese Weise herrliches Land für nasse Reisfelder gewinnen könnte, gerade so wie in Silindung, das ganz offenbar früher ein ähnlicher, nur kleinerer See gewesen ist, durch den Abfluss des Batangtoru der See trocken gelegt und so Raum fiir ein Reisfeld entstanden ist, das jetzt mehr als 20.000 Menschen ernährt.

Über die Geologie und die zum Theil sehr interessanten Berg-Formationen des Landes kann man bei Junghuhn Ausführliches finden. Seitdem er das Land durchstreifte , hat sich aber auch in dieser Beziehung Manches geändert. So hat z. B. der Berg Ophir oder Pasaman, der damals noch für einen ganz erloschenen Vulkan galt, seitdem plötzlich wieder eine Eruption gehabt, und in der Nähe von Baringin, an der Quelle des Ack Mandurana, wo Junghuhn eine kleine, ganz unbedeutende Solfatare beschreibt, entstand im Jahre 1862 bei einem furchtbaren Erdbeben ein neuer prachtvoller heisser Sprudel, jedenfalls der grossartigste in diesem Theil der Insel. Das grösste Schwefelfeld, nördlich von Sigompulan, ist Junghuhn merkwürdigerweise ganz unbekannt geblieben — wohl in Folge religiöser Scheu der Eingeborenen.

Zum Scbluss noch ein Wort über Siboga, den Hauptort der ganzen Provinz Tapanuli. "Wegen der herrlichen Bai

von Tapanuli, an der es liegt, sollte man erwarten, dass Siboga als Handelsstadt sehr bedeutend sein müsste, denn kein anderer Hafen auf der ganzen Westküste von Sumatra läsat sich auch nur vergleichen mit dem seinigen. Dass nun aber der Handel in Wirklichkeit so sehr unbedeutend ist, hat seinen Grund hauptsächlich in der mangelhaften Verbindung mit dem Innern. Zwar haben die Holländer den Weg nach Sidempuan — den einzigen, der existirt — ziemlich verbessert, aber so lange sie nicht endlich die so dringend nöthige feste Brücke über den Batangtoru bauen — bis jetzt ist nur eine Rotangbrücke dort, die alle drei Monate erneuert werden muss —, bleibt auch dieser einzige fahrbare Verbindungsweg mit dem Innern nur sehr mangelhaft. Nach anderen Richtungen, z. B. nach Silindung, wird sich wohl kaum jemals ein Fahrweg anlegen lassen wegen der ausserordentlichen Steilheit der dazwischen liegenden Bergketten, die wie eine mehrfache Mauer die Bai von Tapanuli fast völlig umschliessen.

Geographische Nekrologie des Jahres 1875.

Marie-Amand-Pascal d'Avezac de Caetera Macaya, einer der bedeutendsten Französischen Geographen der Neuzeit, geb. 18. April 1800 in Tarbes, 1833—35 General-Sekretär der Pariser Geogr. Gesellschaft, sechsmal Präsident derselben und seit 1873 Ehrenpräsident der Commission centrale, Mitglied des Instituts &c., starb am 14. Januar in Paris. Von seineu zahlreichen geographischen Arbeiten haben besonders die auf die Geschichte der Geographie bezüglichen seinen Ruhm begründet. Schon 1823 gab er in 2 Bänden „Essais historiques sur le Bigorre", sein Heimathland, heraus, andere bedeutende Arbeiten von ihm sind: Die Ausgaben von Plan de Carpin's Relation des Mongoles 1245—47 und der Cosmographie d'fithicus (1852), Esquisse generale de l'Afrique et l'Afrique ancienne (1844), lies de l'Afrique (1848), Les lies fantastiques de l'Ocean occidental du moyen age (1845), Apercu historique sur la bouBSole et ses applications a l'e'tude des phenomenes du magnetisme terrestre (1860), Coup d'oeil historique sur la projectiou des cartes de geographie (1863) und viele andere Abhandlungen im Bulletin der Pariser Geogr. Gesellschaft. Besonders lebhaft beschäftigte er sich in späteren Jahren mit der Entdeckungsgeschichte von Amerika, wie eine Reihe von Aufsätzen im Bulletin beweisen, so: Considerations geographiques sur l'histoire du Bresil (1857, p. 89), Les voyages d'Americ Vespuce au coinpte de l'Espagne (1858, p. 129), Sur un globe terrestre trouve k Laon, anterieur ä la decou

verte de l'Amerique (1860, p. 398), Voyage d'exploration et de dexouvertes a travers quelques epitres dedicatoires, prefaces et opuscules en prose et en vors du commencement du seizieme siecle; notes etc. a propos de M. H. Waltzemüller (Nouv. Annales des Voyages, 1866, p. 129, 283), Les navigations terre-neuviennes de J. et S. Cabot (Bulletin 1869, p. 300), Campagne du navire l'Espoir, de Honfleur, 1503 —1505, relation du voyage du capit. de Gonneville (Annales des Voyages, 1869), Annee veritable de la naissance de Chr. Colombe (Bulletin 1872), Canevas chronologique de la vie de Chr. Colomb (ebenda 1872), Le livre de Fernand Colomb (ebenda 1873, p. 380, 478).

Jean-Baptiste-Julien d'Omaliu» d'Ilalloy, namhafter Geolog und Ethnolog, geb. den 16. Februar 1795 zu Lüttich, starb am 15. Januar in Brüssel. Er bekleidete unter der Französischen Herrschaft verschiedene Verwaltungsämter, war während der Holländischen Regierung Gouverneur der Provinz Namur (1815—1830), seit 1848 Mitglied und seit 1851 Vicepräsident des Belgischen Senats. Seine Leistungen auf dem Gebiete der Erd- und Völkerkunde reichen bis 1808 hinauf, wo von ihm ein Versuch über die Geologie des nördlichen Frankreich erschien. Die bekanntesten Werke des Verstorbenen sind: „Elements de geologie" (1831), „Introduction a la geologie" (1833), „Precis elementaire de ge'ologie" (1843), „Abrege" de geologie" (1853), „Des races humaines ou Clements d'ethno

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