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unseres auswärtigen Rufes. Denn neben dem Tüchtigen, was leider nicht zugegen war, hätten sich sicher Publikationen breit gemacht, die zwar mit einem gewissen Geschick entworfen und den Vortheil der Billigkeit an sich tragend dennoch des inneren Gehaltes entbehren, ja zum Theil noch dem Fortschritt der Technik Hohn sprechen. Ohne hier, wo uns zur näheren Begründung der Raum mangelt, Namen zu nennen, wollen wir noch das erfreuliche Ergebniss der letzten Jahre constatiren, dass nämlich ein grosser Theil jener erbärmlichen kleinen Elementar-Atlanten, die nur durch die Billigkeit ihr Leben fristen können, im Laufe der letzten 6 bis 8 Jahre durch drei Unternehmungen weit zurückgedrängt sind, einen Atlas von Kiepert (bei Reimer), von H. Lange und von Issleib in Gera. Unter diesen überragt der erste die anderen bei weitem, beim letzteren ist es zu bedauern, dass nicht eine geeignetere geographische Kraft den wirklich anerkennenswerthen Anstrengungen der Firma zur Seite gestanden hat. Wäre in Deutschlands Lehrerwelt, vor allen in den oberen Schulbehörden, nur ein wenig mehr Verständniss für Kartenwesen, so würde sich bald das Bessere noch mehr die Oberhand verschaffen. Mit „offiziellen Empfehlungen von Seiten von Schulcollegien und Unterrichtsministerien" wird vielleicht nirgends solches Unwesen getrieben als bei uns, ein Umstand, der die eigentümliche Erscheinung zu Wege gebracht hat, dass mehrfach solche Werke, welche die Fachmänner gründlich verdammt haben, sich der weitesten Verbreitung erfreuen — denn sie sind von oben „empfohlen".

Fassen wir diess zusammen, so stellt sich heraus, dass mit das Beste, was Deutschland zur Zeit im Fache der Schulgeographie besitzt, auf der Ausstellung vertreten war. In der That wagen wir die Behauptung auszusprechen, dass in Summa keine Nation bis jetzt solche Serien von gediegenen Wandkarten und keine solche Schulkarten wie diejenigen im Stieler'schen, Sydow'schen, Kiepert'schen Atlas aufzuweisen hat, während im Einzelnen vielfach bessere Leistungen von anderen Ländern vorliegen.

Es ist durchaus nicht immer der Geschmack und die Eleganz, welche unsere Karten auszeichnen, sondern der Hauptwerth hegt meist in der Deutlichkeit und Correktheit der Zeichnung. Wir glauben ein Französisches Urtheil über die Leistungen der Perthes'schen Geographischen Anstalt, das wir hier einschalten, auf die meisten in der Deutschen Abtheilung ausgestellten Schulkarten ausdehnen zu können.

„Tout le monde sait que les cartes exe'cute'es ä l'Institut a Gotha ne brillent pas seulement par la perfection de leur execution, mais aussi par leur consciencieuse exactitude et le soin avec lequel les eonquetes nouvelles de la geographie y sont registre'es. Dans toutes les nations de

la terre on etudie et l'on copie ces cartes qui ont servi de matrice ä la plupart de Celles les plus heureusement composees qui ornent l'Exposition. L'esprit laborieux , minutieux et patient des Allemands aurait suffi pour en faire des geographcs distingues; les sacrifices pecuniaires qui sont faits en faveur de l'Institut de Gotha leur permet en outre de tenir leurs productions au courant des progres aocomplis chaque jour. Ce n'est pas d'ailleurs que les cartes allemandes brillent par l'harmonie des couleurs et le gout artistique; on y sent le pesanteur germanique et le goüt douteux d'outre-Rhin; en revanche rien n'est sacrifie ä la vue, tout concorde a la rectitude et si ces ceuvres geographiques ne peuvent lutter pour la beaute et la gräce avec Celles de la Russie, de la France, de la Belgique, de la Suede et de la Norvege nul ne songe ä leur contester le merite de la precision et de la parfaite exactitude" ').

Nur mit wenigen Worten müssen wir die Frage noch erläutern, ob wir bei uns am Ziel angelangt sind, so weit davon bei den Fortschritten der Wissenschaft und Technik überhaupt die Rede sein kann. Uns scheint es leicht, dieselbe mit einem einfachen „nein" zu beantworten. Abgesehen davon, dass wir noch einzelne unausgefüllte Lücken schmerzlich empfinden , wie eine physikalische Wandkarte von Deutschland (bis jetzt ist die Petermann'sche für den Unterricht entschieden die beste), eine wirkliche JFimdkarte der Alpen &c, steht die Entwickelung der Kartographie für die Elementarschulen noch in der Kindheit. Ein Vorwurf, den man auch vielen sogenannten Schul - Atlanten machen kann, dass sie mehr Volks-Atlanten sind, wie pädagogisch zu verwerthende Karten enthalten, lässt sich im eminenten Maasse für den Primär - Unterricht aussprechen. Bisher waren die sogenannten TElementar-Atlanten nichts als kleinere Ausgaben der Schul-Atlanten, d. h. es figurirten die nämlichen Karten in ersteren, nur in geringerer Anzahl. Diess ist zum Theil in der letzten Zeit besser geworden, es giebt schon der untersten Stufe des Unterrichts angepasste ElementarAtlanten. Dieselben können aber nicht mit anderen conkurriren, wenn diese billiger sind. In weiten Kreisen ist. der Begriff „billiger Atlas" und „Elementarschul - Atlas" identisch. Viel empfindlicher ist noch der Mangel an Wandkarten für Volksschulen. Letztere haben noch grössere Bedeutung, weil man mit ihnen bis in die Dorfschule dringen kann und muss, wohin Elementar-Alanten bis jetzt nur noch wenig gelangen. Wir sehen, es liegt ein reiches Feld noch vor uns, ein Feld, auf dem wir leicht von auswärtigen Ländern überflügelt werden können, denn wir haben auf ihm keinen Vorsprung, keine historisohe Vergangenheit voraus. Wahrhaft fruchtbar kann aber dieses

') L'Explorateur 1875, Nr. 30.

Feld nur dann bebaut werden, wenn Kartographen und Pädagogen gemeinsam zu arbeiten beginnen.

Leider gestattet es uns der Raum nicht, näher auf die zahlreichen Veranschauliohungsmittel einzugehen, welche dem darstellenden Wort des Lehrers eine mächtige Unterstützung zu bieten geeignet sind, wir meinen jene landschaftlichen Charakterbilder, wie Wüsten, Steppen, Eisgebilde, Gletschermassen , Thalformationen, Küstenbildungen, Gebirgssee'n, Panoramen, Urwälder, Savannen, Ruinenstätten , Rassentypen &c. Die Ausstellung bot zum Theil Vorzügliches, und es ist schwer, aus der Masse der herrlichen Photographien , die unmittelbar für den Schulunterricht zu verwerthen wären, auch nur etwas herauszuheben. Doch können wir uns nicht versagen, auf die prachtvollen Blätter des Rhone - Gletschers von Gösset (Bern, bei E. Nicola ä 9 fr.) aufmerksam zu machen, welche ihrer Grösse und systematischen Auswahl wegen sich vor vielen, technisch auf gleicher Stufe stehenden Leistungen auszeichnen. Unübertroffen steht noch immer Simony's mächtige Aquarelle zur Erläuterung der Gletscherbildungen da, die jeden Beschauer bereits 1873 in Wien entzückte — aber als Unicum hat es natürlich für den Unterricht noch keinen Werth. Und so müssen wir denn leider diese kurze Notiz mit der Bemerkung schliessen, dass sich trotz so vieler schönen Einzelleistungen noch eine wesentliche Lücke in den Unterrichtsmitteln constatiren liess, ein für Schulen verwendbarer geographischer Bilder-Atlas. Es giebt ja deren eine unendliche Anzahl in kleinerem Maassstab. Was uns vor Augen schwebt, ist eine Serie von wo möglich farbigen Charakterbildern, welche zum wenigsten die Grösse der von Holzöl in Wien herausgegebenen äusserst dankenswerthen Bilder zur alten Geschichte, welche 1 m breit ftnd 80Cm hoch sind, haben müssten. Berücksichtigt man die heutigen Fortschritte der Technik, besonders des Farbendrucks, und andererseits die regen internationalen Beziehungen, die durch die geographischen Congresse angebahnt sind, so wird man einem industriösen Manne die Versicherung geben können, dass ein solches Unternehmen kein Wagniss ist, dass es aber auch nur dann bleibenden Erfolg hätte, wenn es in grossartigem Stile begonnen würde. Es müsste Gutes für einen billigen Preis geliefert werden.

Wir wenden uns zu den plastischen Unterrichtsmitteln im weitesten Sinn des Wortes. Die Ausstellung bot günstiges Material an Rassentypen in Gyps und Bronce, welche jedoch in Schulen ihres hohen Preises wegen immer nur wenig Eingang finden können, eben so wie die bunt bemalten Figuren, welche z. B. das Russische Museum in grosser Auswahl zur Hlustrirung der in Russland vertretenen Völkertypen aufzuweisen hat. Alle diese Dinge können auf der Stufe des Unterrichts, von welcher wir reden,

immer noch durch Abbildungen ersetzt werden. Es fehlen indessen, wie eben gesagt, solche in genügend grossem Maassstabe noch fast völlig.

Unentbehrlich auf fast jeder Stufe des Unterrichts ist der Globus. Die Massenhaftigkeit, in welcher derselbe neuerdings fabricirt und verbreitet wird, zeugt davon, dass die Lehrer immer mehr die Nützlichkeit dieses Unterrichtsmittels einsehen. Im Allgemeinen wird der Globus indessen im Schulunterricht nur zur Erläuterung der Kugelgestalt der Erde und aller der Phänomene, welche in unmittelbarem Zusammenhang mit dieser und der Bewegung der Erde um sich selbst und im Planeten-System stehen, verwendbar sein, weit weniger zur Fixirung einzelner kleinerer Flächen auf der Oberfläche. Daraus geht hervor, dass die Detaillirung des Oberflächenbildes f die kräftige Hervorhebung der Terrain-Formationen, wie wir sie für Wandund Handkarten unerlässlich finden, beim Globus ganz zurücktritt, sobald er nicht dem Privat-Studium zur Grundlage dienen soll. Für Schulen genügt daher meist die deutliche Unterscheidung der Land- und Meerflächen, der einzelnen Erdtheile unter einander. Stumme Globen reichen aus und Relief - Globen haben keinen wesentlichen Vorzug vor den anderen, da die Berge auf letzteren in zu unnatürlichem Maasse erhöht werden müssen, um von Weitem nur einigermaassen sichtbar zu sein.

Die Schotte'schen Globen bei Hachette haben wir schon oben erwähnt. Leider fehlte der mächtige Riesenglobus dieser Firma von 125 Centimeter Durchmesser, dessen Preis freilich 750 Mark = 940 Frcs. beträgt. Vorzügliche Globen hatte noch Delagrave ausgestellt, unter denen der Levasseur'sche Inductions-Globus von 1 Meter Durchmesser auf leicht beweglichem Fuss sehr bemerkenswerth ist. Der Preis für einen solchen mit Halbmeridian ist nur 275 Francs, auf geradem Fuss 175 Francs. Er besteht aus einer einfach schwarzen Erdkugel, auf welcher die Grade durch eingeschnittene Vertiefungen bemerklich gemacht sind und auf der sich mit Kreide wie auf einer gewöhnlichen schwarzen Tafel zeichnen lässt. Im Allgemeinen werden unsere Deutschen Globen, unter denen die Reimer'schen obenan stehen, von ausländischen nicht übertroffen.

Wir könnten hinsichtlich der Montirung der Globen noch eine ganze Reihe höchst sinnreicher Einrichtungen namhaft machen, deren Studium in ähnlicher Weise so leicht nicht wieder geboten wird. Aber wir müssen eilen, können leider auch nicht bei den mannigfachen Tellurien und Planetarien stehen bleiben, durch die sich die Französische Ausstellung ganz besonders auszeichnete. Weit wichtiger als die hierher gehörenden vollendeten Instrumente, wie Radiguet's Geocyclique (Paris, mit Uhrwerk 600 Frcs.), Nossow's Planetarium (St. Petersburg 800 Rubel), möchten für Schulen jene Apparate sein, welche bestimmt sind, einzelne Elemente der mathematischen Geographie zur Darstellung zu bringen, Apparate, die um so instruktiver sind, je weniger complicirt sie zu sein brauchen. Auch in dieser Branche war die Französische und Russische Abtheilung sehr reich. In ersterer figurirten höchst sinfache Instramente zur Erläuterung der Mondphasen von Holz und für wenige Francs zu erstehen '). Im Russischen Pädagogischen Museum boten namentlich die höchst einfachen Apparate von Kokhowsky und Kowalsky (Armillarsphäre) besonderes Interesse.

Wollen wir hier einen Vergleich zwischen den Nationen ziehen, so möchte Deutschland, so weit dem Ref. die betreffenden, auf der Ausstellung aber ganz fehlenden Apparate bekannt sind, mit Frankreich im Reichthum der Globen und der zusammengesetzten Planetarien &c. wohl conkurriren können, in der Spezifikation der Apparate übertrifft Frankreich unser Vaterland.

Unsere Betrachtungen würden eine wesentliche Lücke behalten, wollten wir die gewichtigen Reliefs mit Stillschweigen übergehen, die in ungeahntem Reichthum die Französischen Säle füllten. Man kann über die Verwendung von Reliefs im Unterricht verschiedener Meinung sein. Thatsache ist, dass dieselben in Deutschland noch äusserst wenig in Schulen gebraucht werden. Diess ist in der That sehr zu bedauern. Es scheint, als ob uns Frankreich hierin vorauseilen wollte. Denn, wie gesagt, die Reliefs waren in zahlloser Menge dort ausgestellt.

Freilich sind wir der Ansicht, dass die Verwendung des Reliefs im Schulunterricht durchaus nur eine beschränkte sein kann, dass wirklichen Werth hier eigentlich nur die terminologischen Reliefs besitzen. Das heisst also nichts Anderes, als dass man sie ganz vornehmlich gut in der Heimathskunde verwenden kann, wo die in der Umgebung des Schulortes vorkommenden Terrain - Formationen ihre erste Erläuterung durch das im grossen Maassstabe entworfene Relief finden, bevor man noch zur Karte greift. Natürlich ist nicht jede Erdstelle formenreich genug, um an ihr alle Begriffe zu erläutern, deren der Unterricht bedarf. Das Relief soll nun unseres Erachtens mittelst einer Reihe typischer Formen, die nicht immer der Wirklichkeit entnommen zu sein brauchen, die Einübung der geographischen Terminologie unterstützen. Fassen wir diess zusammen, so erkennen wir für den öffentlichen Unterricht nur die Nützlichkeit von Reliefs an, welche kleine Gebiete in möglichst grossem Maassstabe darstellen, wo also vor allen Dingen der Höhenmaassstab im Verhältniss zum Längerimaassstab nur wenig vergrössert werden muss. Mit Reliefs

') Wir machen besonders auf die Adresse des „Herrn Ch. Poudra, necanicien, Paris, 16, ruc de l'Hdtel-Colbert" aufmerksam.

ganzer Länder, namentlich den kleinen iRelief-Karten im Format eines Schul-Atlas, können wir uns keineswegs befreunden. Die Bilder sind einerseits zu roh und ungenau, andererseits lassen sie sich des Preises wegen doch nicht in den Schulen so einführen, dass sie jeder Schüler besitzt.

Solche typische oder wegen ihres begrenzten Umfangs dafür verwendbare Reliefs waren in allen Abtheilungen der Ausstellung zu finden, wir erinnern an das prächtige Tableau der Umgegend von Berchtesgaden von dem verdienstvollen Dr. Winkler in München, an das Relief der Tatra in der Ungarischen Abtheilung (20 fl.) mit den dazu gehörigen Karten, die topographischen Reliefs von Bardin (Delagrave) u. A. Auch dürfte es von Interesse sein, hier einer Reihe von Schülerarbeiten zu gedenken, welche, besonders in der Schweizer Abtheilung ausgestellt, entschieden Nachahmung verdienen. Die Herstellung eines Reliefs für ein kleineres Gebiet ist nämlich keinen grossen Schwierigkeiten unterworfen , wenn für dasselbe bereits Karten mit Isohypsen bestehen. Man denke sich nun, dass ein Knabe sich auf einer solchen so viele von Isohypsen eingeschlossene Figuren mittelst Pauspapiers durchzeichnet, als er Stufen auf seinem Relief andeuten soll. Diese krummlinigen Figuren werden auf Pappe geklebt und letztere wieder ausgeschnitten. Ein einfaches Aufeinanderlegen dieser Pappstücke nach der Originalkarte liefert ein instruktives Relief, das durch Ausfüllen der Stufen mit Wachs oder Mastix noch sehr viel ansprechender wird.

In Frankreich scheint man freilich den pädagogischen Werth derselben noch weit höher zu stellen. Anders vermögen wir nicht die so äusserst zahlreichen Relief-Karten von Frankreich selbst zu erklären. Darunter sind allerdings manche so äusserst geschmacklos und übertrieben, wie das von Fabre, von Sanis, von Baron Schluga-Rastenfeld (in der österreichischen Abtheilung), bei welch' letzterem der Maassstab von Höhe zu Länge wie 50:1 genommen war (!), dass sie eher verderblich wirken können als nützen. Dagegen liefert das Haus Belin eine grosse Serie von zum Theil vorzüglichen Reliefs kleinerer und grösserer Gebiete, vom einzelnen Bergstock (Montblanc) oder der einzelnen Gebirgsgruppe (besonders gelungen sind die Alpen, Pyrenäen) bis zu ganzen Erdtheilen. Der Name des darstellenden Künstlers ist Drivet. Weit wird dessen Relief von Frankreich indessen von dem Levasseur's übertroffen und wir glauben in der That unserem Bericht keinen besseren Abschluss geben zu können, als indem wir noch mit einigen Worten bei diesem Meisterwerke, dieser Perle der Ausstellung stehen bleiben, wenn sie auch nur für die höchste Stufe des geographischen Unterrichts eine Grundlage bilden kann.

Wir haben es bei dieser Relief-Karte von Frankreich nebst den angrenzenden Ländern, unter denen die Westalpen natürlich besonderes Interesse bieten, mit einem wahren Kunstwerk der Sculptur zu thun. Sie ist im Maassstab von 1:1.000.000 entworfen und die Höhen sind nur um das Vierfache vergrössert. Bearbeitet ist sie von einem Fräulein Eleinhans, deren Vater selbst Bildhauer ist und die sich diesem speziellen Zweige der Sculptur schon seit längerer Zeit mit grosser Ausdauer gewidmet hat. Die Künstlerin hat unter der persönlichen Aufsicht des Herrn Levasseur gearbeitet, der keine Mühe scheute, bis ein correktesBild erzeugt war, ja, wie er dem Ref. selbst erzählt hat, die Pyrenäen siebenmal von Fräulein Kleinhans hat

von Neuem beginnen lassen, ehe er befriedigt war. Denkt man sich nun dieses an sich schon ansprechende Bild, in dem jede Formation des Terrains, jeder Passübergang, jedes grössere Flussthal seiner Eigenart entsprechend zu verfolgen ist, durch Handcolorit noch in verschiedenster Weise bemalt, sei es geologisch, nach Höhenschichten, nach Kulturarten, Bevölkerungs-Verhältnissen &c., so kann man sich vorstellen, welchen Eindruck dieses Prachtwerk auf jeden Beschauer der Ausstellung machen musste. Trotz dieses Erfolges wagen wir aber die Behauptung auszusprechen, dass Reliefs in Meinem Maassstabe keine Zukunft für den Unterricht haben.

Die Südlichen Batta-Länder auf Sumatra.

Von Dr. A. Schreiber ').

(Mit Karte, s. Tafel i.)

Verschiedene Umstände, ganz besonders aber der Krieg, den die Holländer in den letzten Jahren mit Atschin führen , und dessen Ende sich ja immer noch nicht absehen lässt, haben die Aufmerksamkeit wieder etwas mehr auf das ziemlich vernachlässigte Sumatra gerichtet, und dabei hat es sich denn auch herausgestellt, wie ausserordentlich wenig Genaues wir, zumal von der nördlichen Partie dieser Insel wissen. Ganz so unbekannt freilich wie Atschin, Land und Volk, ist das Gebiet des nächstgelegenen Nachbars , auf welches uns die beifolgende Karte führt, nicht, wenigstens der südliche Theil des Batta-Landes ist doch in den letzten Jahrzehnten einigermaassen bekannt geworden. Die nördlicheren Gebiete freilich sind noch völlig terra incognita, von keines Europäers Fuss betreten, und so liegt auch noch die Grenzbestimmung zwischen den Battas und Atschin völlig im Umgewissen, wenn auch die Namen der Berge und Flüsse, wie sie uns die bis jetzt bestehenden Karten von Atschin bringen, die Vermuthung sehr nahe legen, dass die Battas bis weit hinein in das Atschinesische Reich, wohl als die unterworfenen Bewohner des Binnenlandes, reichen müssen.

Diese Karte stellt den uns bekannten südwestlichen Theil des Batta Landes dar. Auch von der Ostküste her ist die Holländische Regierung schon seit längerer Zeit, seitdem sie nämlich ihre Niederlassungen an der Strasse von Malakka weiter und weiter nach Norden vorgeschoben und Theile des in Verfall begriffenen Atschinesischen Reiches

') Der Verfasser Welt sioh 7 Jahre lang (1866—73) im BattaLan.de auf. A. P.

unter ihre Botmässigkeit gebracht hat, mehrfach mit Battas in Berührung gekommen. Sie hat unter Anderem in den letzten 5 Jahren zwei Kriegszüge, den einen in der Landschaft Biela, den anderen in Assahan gegen unabhängige Battas zu führen gehabt, und auf diese Weise ist man auch an einzelnen Stellen etwas weiter ins Innere vorgedrungen, aber eine irgendwie vollständige Kenntniss jener östlichen Landschaften fehlt uns noch.

Das auf der Karte dargestellte Gebiet gehört seinem grössten Theile nach dem sogenannten Gouvernement van Sumatra's Westkust an, das von Padang aus durch einen Gouverneur regiert, wenn auch nicht die grösste, so doch bei weitem die wichtigste Holländische Kolonie oder Provinz auf Sumatra ist, denn es umfasst die best bevölkerten Gegenden Sumatra's, so weit dasselbe unter Holländischer Herrschaft steht, nämlich das sogenannte Padang'sche Bovenland, den Sitz des früher so berühmten Malaiischen Reiches von Menangkabau. Die nördliche Hälfte dieses Gouvernements van Sumatra's Westkust, das Land nördlich von dem grossen mächtigen Kegel des Dolok Ophir oder Pasaman, ist das Land der Battas, so aber, dass noch einzelne Striche, vorzüglich an der Küste, aber auch hie und da im Innern, von Malaien bewohnt, und ausserdem noch ein Paar andere kleine Völkerreste, die Orang Lubu und Orang Kubu zwischen eingesprengt sind.

Volk und Land der Battas, die freilich schon Jahrhunderte lang als Menschenfresser bekannt, oder besser gesagt berüchtigt gewesen, im Übrigen aber so gut wie völlig unbekannt geblieben waren, sind seit 35 Jahren mehr und mehr aus dem Dunkel herausgetreten, und so wird es end

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