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neuestem wissenschaftlichen Detail ungemein reiche Karte machte nur dadurch einen unangenehmen Eindruck , dass zu den Eintragungen der alten Gaugrenzen eine ganz moderne Karte mit Eisenbahnen &c. verwandt worden war. Die Wichtigkeit des Gegenstandes hätte es um so mehr gerechtfertigt, eine speziell für den Zweck berechnete Karte anzufertigen, als auch die hydrographischen Zustände seit jenen Zeiten auf diesem Gebiet grossen Veränderungen unterworfen gewesen sind.

Von den Königlichen Bibliotheken zu Brüssel und Gent war eine Auswahl der interessantesten und seltensten, aus dem 16. Jahrhundert stammenden, Erd- und Himmelsgloben, Atlanten und Stiidteplänen in Kupferstich oder Manuskript ausgestellt, welche immer eine Anzahl von Beschauern anzogen und von dem Custos der Genter UniversitätsBibliothek mit grösster Liebenswürdigkeit erklärt wurden Schliesslich darf nicht übergangen werden das grossartig angelegte historisch-geographische Orts-Lexikon von Jules Barbier und A. Wauters: „La Belgique ancienne et moderne, Geographie et histoire des communes beiges", das für jede Gemeinde zugleich eine besondere Geschichte enthält und daher weit über die Grenzen eines Joanne (s. S. 44) hinausgeht. Übrigens liegen auch erst drei Bände, d. h. kaum der vierte Theil, fertig vor. Die stattliche Reihe von Consulats - Berichten ist eine Fundgrube werthvoller Beiträge für die Handelsgeographie; sie sind indess im Ausland viel weniger bekannt als sie verdienen.

Schweiz.

Über den hohen Stand der Schweizer Kartographie noch ein Wort zu sagen, ist bei der allgemeinen Anerkennung, welche ihre Leistungen durchweg finden, ziemlich überflüssig. Ohne Unterlass arbeitet man dort an der Vervollkommnung der technischen Ausführung und ersinnt neue Mittel und Wege, um mathematische Genauigkeit mit dem künstlerischen Bilde, der Abspiegelung der grossartigen Natur des Alpenlandes zu vereinigen. Nur selten überschreitet die Kartographie der Schweiz die Landesgrenze, weist aber eine reichere Auswahl von Darstellungen kleinerer und grösserer Theile des eigenen Gebietes auf als irgend ein anderes Land; Regierung und Private wetteifern in der Produktion gediegener Werke.

Neben der vorzüglichen Dufour'schen Karte in 1: 100.000, welche auch nahezu vollendet mit geologischem Kolorit ausgestellt war, verdiente der neue topographische Atlas in 546 Blättern im Maassstabe der Original-Aufnahmen, also 1: 50.000 für das Hochgebirge und 1: 25.000 für das flachere Land, die aufmerksamste Beachtung. Es lagen Bechs Lieferungen vor, und kann auch der Beschauer nicht sofort ein Relief der dargestellten Gebiete gewinnen, so

darf diese Karte doch wohl als das Beste, was je eine Isohypsen-Zeichnung erreicht hat, bezeichnet werden; dem Fachmann bietet sie kostbares Material. Mehrere Blätter dieser Karte waren durch Ausschneiden und Aneinandersetzen der Schichten gleicher Höhe zu recht gelungenen Reliefkarten verwendet worden, die namentlich dort, wo das dargestellte Terrain sich zu bedeutender Höhe erhebt — wie das Massiv vom Gotthard-Gebirgsstock —, ein klares Bild boten, dem nur das landschaftliche Kolorit fehlte. Als besonderer Vortheil dieser Methode erscheint die Übersichtlichkeit der Isohypsen-Linien, welche die sofortige Bestimmung der Höhe jedes einzelnen Punktes ausserordentlich erleichtert, und topographische Details werden natürlich vollständig genau wiedergegeben. Weniger günstig erscheint die Anwendung dieses Verfahrens bei Terrain von geringer Erhebung und sanft ansteigenden Formen, wie unter Anderem das Relief der Umgebung von Bern in 1:25.000 zeigt; hier wird kein der Wirklichkeit entsprechendes Bild erzielt, selbst bei einem den Längenmaassstab bedeutend übertreffenden HöhenmaaBs; die auf einander gelegten Schichten erscheinen da oft als breite Stufen, bilden also gewissermaassen nur ein Gerippe, welches erst ausgefüllt werden muss.

Von den verschiedenen Verfahren, welche angewendet werden, um einestheils die kostspielige Schraffenmanier zu umgehen, und anderntheils ein effektvolles Gebirgsbild zu erreichen, steht wohl das von Müllhaupt in Bern zu bedeutender Vollkommenheit gebrachte obenan. Es ist diess eine Schattirmanier, welche vermuthlich durch freihändige Anwendung von Rouletten auf Kupferplatten mit Hinzuziehung von Poliren hergestellt wird. Werden diese, natürlich auch zum Überdruck geeigneten Kupferplatten nun noch verstählt, so sind sie zu Tausenden von guten Abdrücken fähig, und darin zeigt sich erst recht der Vorzug dieses Verfahrens vor ähnlichen, welche, nur Anfangs eine Anzahl correkter Abdrücke liefernd, bei Ausführung grösserer Auilagen bald die feineren Töne verschwinden lassen und schliesslich ein Terrain-Bild ohne jede Plastik hervorbringen. Als eine wünschenswerthe Ergänzung bei Anwendung der Müllhaupt'schen Schattirung, namentlich bei Herstellung topographischer Karten, erscheint eine Grundlage von Isohypsen; wird beides mit Geschick vereinigt, so lässt sich ein Werk von seltener Vollkommenheit erreichen, und in der Ausstellung fanden sich auch verschiedene Karten der erwähnten Firma, die schon hohen Anforderungen entsprechen konnten, vor, wie die Karte vom Mont-Blanc und seiner Umgebung in 1:300.000 u. a.

Freilich findet sich auch nicht leicht ein dankbarerer Gegenstand vor, als das Gebiet der Alpen und so bequemes, mundgerechtes Material zur Verarbeitung, wie die prachtvollen Schweizer Generalstabskarten bieten, existirt nicht zum zweiten Mal.

Die rührige Schweiz hat sich namhafte Auszeichnungen erworben: es wurde das Ehrendiplom zuertheilt: 1. der geodätischen Commission für das Priicisions-Nivellement der Schweiz, die astronomischen und Pendel - Beobachtungen; 2. der geologischen Commission; 3. dem Generalstabs-Bureau zu Bern; 4. dem Geogr. Institut von Müllhaupt in Bern; 5. dem Schweizer Alpenklub.

In ehrenvollster Weise war die historische Geographie vertreten durch Vögelin uiid Meyer von Knonau's Historischen Atlas der Schweiz, einen historischen Spezial-Atlas des Cautons Zürich von Beust, und einige dergl. SohulAtlanten von Scheuermann, so wie von dein letzteren Verfasser eine Folge historischer Karten des Cantons Aargau. Das Bureau des Generalstabs zu Bern hatte eine interessante Collektion alter zum Theil sehr schöner General- und Spezialkarten aus dem 17. und 18. Jahrhundert ausgestellt, darunter die berühmten Werke von Scheuchzer und Weiss (1712 und 1786 bis 1802).

Österreich - Ungarn.

Dass Österreich-Ungarn auf seiner letzten Weltausstellung zu Wien gelernt und auch seine Erfahrung zur richtigen Nutzanwendung gebracht hat, wird jeder Besucher dieser Abtheilung erfahren haben. Ein jeder Gegenstand hatte den Platz gefunden, der ihn in vorteilhaftem Licht erscheinen Hess, und Illustrationen, so wie kunstvolle plastische Darstellungen wechselten in gefälliger Anordnung mit den vortrefflichsten Kartenwerken.

Die Photographien der Österreich - Ungarischen Nordpolar-Expeditionen, die prachtvoll illustrirten Werke des Erzherzogs Ludwig Salvator, die Pläne und Abbildungen der Hochquellenwasserleitung von Wien, die Reliefs von Triest, Spalato, der Bocche di Cattaro, zugleich auch das Relief des Meeresbodens darstellend, zogen viele Beschauer an, und kartographische Darstellungen jeder Art: Topographie , Geologie, Statistik, Ethnographie, Handel und Verkehr, hatten da die eingehendste Berücksichtigung gefunden.

Eine vollständige Übersicht seiner kartographischen Erzeugnisse, so wie des meistentheils dabei angewandten heliographischen Verfahrens, mittelst dessen, unter Zubülfenahme der Photographie, jede Zeichnung oder bereits gestochene Karte auf eine druckfähige Kupferplatte übertragon wird, bot das K. K. Militärgeograpbische Institut. Für seine topographischen Karten und astronomisch-geodätischen Arbeiten wurde demselben die höchste Auszeichnung — das Elirendiplom — zu Theil. Dasselbe erhielten noch vier Aussteller: 1. in der dritten Gruppe die K. K.

Geologische Reichs-Anstalt, deren Betheiligung eine ziemlich schwache war; ausser ihren Jahrbüchern und einigen anderen Druckschriften wurde sie vorzüglich durch die von ihrem Leiter, Hofrath v. Hauer, bearbeitete „Geologische Übersichtskarte von Österreich" im Mst. von 1 : 576 000 repräsentirt; 2. die K. K. Direktion der Administrativstatistik für die neue Auflage von C. v. Czoernig's ethnographischer Karte von Österreich ; 3. das Haus Artaria & Co. in Wien für die von Scheda und Steinhauser bearbeiteten Atlanten und Schulkarten &c. und 4. der Erzherzog Ludwig Salvator für seine illustrirten Prachtwerke über Gegenden des Mittelmeeres, die in fürstlicher Ausstattung als Kunstwerke im Gebiete der Illustration zu bezeichnen sind.

Ein in Paris lebender Österreicher, Herr F. Spitzer, hatte den grössten Theil seiner äusserst werthvollen Sammlung von astronomischen und geodätischen Instrumenten aus dem 15. bis 18. Jahrhundert ausgestellt, darunter ein vollständiges Astrolabium, das aus dem 10. Jahrhundert stammt und Arabischen Ursprungs ist, der Portulan des Königs Philipp II. aus dem 16. Jahrhundert mit unvergleichlichen Randbildern &c.

In einem Erfrisch« ngszimmer befand sich als einziges Objekt die Generalstabskarte von Rumänien; ob offiziell von Rumänien ausgestellt, ist uns unbekannt, doch ist dieselbe ein Produkt österreichischen Fleisses, einer in den Jahren 1856/57 bewirkten topographischen Aufnahme. Die 112 Sektionen im Maassstab von 1:57.600 bilden ein stattliches Kartenbild, welches in kräftiger Chromolithographie ausgeführt, mit Kreideschraffiruug für das Terrain und Flächenkolorit für die verschiedenen Bodenkulturen, als ein bedeutendes Werk zu bezeichnen ist.

Die Ungarische Abtheilung beschränkte sich fast ausschliesslich auf das Gebiet innerhalb der eigenen Landesgrenze und vorzüglich fielen hier die, vom Munizipalrath von Budapest angeordneten und unter A. Haläcsy ausgeführten, Katasterarbeiten über diese Zwillingsstadt und ihre Umgebung in's Auge, welche sich durch ihre Gründlichkeit den derartigen Arbeiten grösserer Städte würdig an die Seite stellen dürfen. Ihnen wurde eine Medaille 1. Klasse zu Theil. Das Ehrendiplom empfingen das Ungarische FinanzMinisterium so wie der Karpathen-Verein und fernere Auszeichnungen wurden zu Theil dem K. Geologischen Institut zu Budapest, dem K. Ministerium für öffentliche Arbeiten und Wegebau, dem K. Statistischen Bureau, welches eine reiche Sammlung statistischen Materials in zahlreichen Bänden darbot, u. A.

Der grösste Theil der Publikationen war in Ungarischer Sprache abgefasst, was bei der beschränkten Verbreitung der Kenntniss derselben als ein Nnchtheil zu betrachten ist; für einen grossen Theil Österreich-Ungarn's selbst, um gar nicht, von anderen Staaten zu reden, sind jene Arbeiten dadurch fast unzugänglich.

Deutschland.

Da sich fast alle Deutschen Regierungs - Institute jeder Beteiligung enthalten hatten, mehrere angesehene PrivatAnstalten vollständig fehlten und von sämnitlicheii Verlegern geographischer Werke nur einzelne vertreten waren, so entsprach das Bild der Deutschen Ausstellung durchaus nicht der Statt findenden reichen Produktion auf geographischem Gebiete und ermangelte zugleich auch jener Ausschmückung, die zwar in Hinsicht auf die in's Auge gefassten wissenschaftlichen Zwecke ohne besonderen Werth, doch die Blicke des grossen Publikums auf sich zieht und in verschiedenen anderen Abtheilungen recht vortheilhaft zur Geltung gekommen war.

Immerhin befand sich unter dem Gebotenen manches Bemerkenswerthe und von den ca. 44 Ausstellern, resp. Firmen, empfingen 25 Auszeichnungen, und zwar vier Ehrendiplome: das Kgl. Geologische Institut und die Bergakademie zu Berlin, Justus Perthes in Gotha, Dietrich Reimer in Berlin und der Deutsch - österreichische AlpenVerein. Das Kgl. Geologische Institut zu Berlin hatte 7 Lieferungen mit 39 Sektionen der geologischen Spezialkarte von Preussen und den Thüringischen Staaten, denen die Original-Aufnahmen des Preuss. Generalstabes in 1: 25.000 als Grundlage dienen, ausgelegt; das Königl. Statistische Bureau in Berlin unter Direktor Engel eine Reihe seiner Publikationen, darunter die interessante Zusammenstellung über „die Verluste der Deutschen Armeen im Kriege 1870 —1871"; das Königl. Statistische Bureau in München unter Direktor Mayr seine sämmtlichen, sehr instruktiven statistischen Kartenwerke. Die topographische Gruppe war nur durch Privataussteller beschickt worden : Giesecke & Devrient in Leipzig hatten die neue topographische Karte des Königreichs Sachsen in 1:25.000, welche der geologischen Aufnahme als Grundlage dienen soll, ausgelegt, und H. Petters in Hildburghausen die schönen Pläne von Wilhelmshöhe in 1:6.000 ') und von Hamburg in 1: 20.000. Sowohl in Bezug auf die wundervolle Ausführung der Zeichnung als auch den werthvollen geographischen Inhalt verdiente die von einem Deutschen ausgeführte Karte eines Theils von Mexiko, welche erst spät zur Ausstellung gelangte, volle Beachtung, es war die: „Carta geografica de la mesa de Anahuac en la republica mexicana. Conteniendo los Estados de Puebla y Tlaxcala y parte de los de Mexico, Hidalgo, Veracruz, Oaxaca y Morelos. Formada y dibujada par Fernando de Rosenzweig &c." Maass

') Auch in den Googr. Mitth. publicirt als Tafel 1, 1875.

ßtab 1 :500.000, mit Cartons von Puebla de Zaragoza in 1: 57.600 und Mexico in 1: 80.000. Möchte das mühevolle Werk doch bald einen Verleger finden! Eine Karte vom Nil-Delta, von A. Kauffmann, Buchhändler in Cairo, publicirt und bei F. A. Brockhaus in Leipzig lithographirt, verdiente Beachtung wegen ihres vielfach neuen Inhaltes; das vieltheilige Flussnetz und die Lagunen zeigten häufige Neugestaltung und das Eis nbahnnetz eine ansehnliche Vermehrung seiner Linien, ohne jedoch Anspruch auf Vollständigkeit oder genügende Zuverlässigkeit machen zu können.

Unter den neueren oder noch nicht veröffentlichten Karten muss noch Dr. Ad. B. Meyer's sauber ausgeführte Skizze seiner „Expedition nach Neu-Guinea im Jahre 1873. Geelvinksbai: Mafoor— Mysore —Jobi — Rubi — McCluerGolf — Arfak-Gebirge. Unter Zugrundelegung der Geelvinkskarte von 1705, der Karte der Astrolabe, der Englischen Admiralitäts - Karten und nach den Aufzeichnungen und mündlichen Mittheilungen des Dr. Meyer bearbeitet und entworfen von Carl Graf. Juli 1875", — genannt werden. Von hervorragend praktischer Bedeutung erscheinen Prof. A. Orth's in Berlin geognostisehe und agronomische Karten und Untersuchungen.

Als Muster für die Katalogisirung einer Kartensammlung darf man wohl den von H. v. Schlagintweit-Sakünlünski vorgelegten Katalog seiner eigenen reichhaltigen Sammlung über Indien gelten lassen; desselben Ausstellers Gesichtsmasken Indischer Typen wurden mit einer Medaille 1. Klasse ausgezeichnet.

Eine allseitige Beachtung erfuhren die von Obernetter in München hergestellten photographischen Druckproben von Kunstgegenständen aus dem Bayerischen National-Museum wegen ihrer vortrefflichen Ausführung, und da dieses Verfahren in Zukunft eine wachsende Rolle spielen und auch im Dienste der Geographie sich nutzbar machen wird, so sei die Art und Weise der Technik hier kurz angedeutet: Eine Glas- oder Metallplatte wird mit Gelatin und Albumin unter Zusatz eines chromsauren Salzes überzogen und getrocknet. Diese Platte wird dann unter einem gewöhnlichen Negativ dem Licht expouirt und je nach der Einwirkung des Lichtes, den dunkeln und hellen Partien des Negativs entsprechend, wird die Gelatinschicht mehr oder weniger für Feuchtigkeit empfänglich gemacht. In diesem Zustande wird die Platte mit Wasser angefeuchtet und mit Farbe wie ein lithographirter Stein eingewalzt. Da, wo das Licht vollen Zutritt hatte, ist das Gelatin für Wasser unempfänglich, während umgekehrt diese Stellen die meiste Farbe von der Walze annehmen; da, wo das Licht durch die Undurchsichtigkeit des Negativs keine Wirkung ausüben konnte, ist das Gelatin unverändert, nimmt Wasser an und stösst die Farbe zurück. Hat das Licht nur theilweis gewirkt, so sind die Mitteltöne hervorgerufen worden. Die Platte ist nunmehr für jede lithographische Presse druckfähig und kann nach Umständen 2- bis 600 Abdrücke liefern.

Sowohl hinsichtlich der geschmackvollen technischen Ausführung, als auch der dargestellten Länder verdient eine Serie zierlicher Kartenblätter, die allerdings erst in den letzten Tagen einen Platz gefunden hatte, Erwähnung. Es sind diess die Kiepert'schen Karten zu Baedeker's neuem Handbuch von Syrien und Palästina, für die jene Handlung bedeutende Mittel verwendete und sogar an Ort und Stelle Aufnahmen ausführen Hess. Die vortreffliche Technik ist eine Leistung der Anstalt von Wagner & Debes in Leipzig.

Italien.

Italien war ziemlich schwach und hauptsächlich durch die Regierung vertreten. Seine Abtheilung zählte nur 89 Nrn. Nichts desto weniger fesselten einige recht interessante Kartenwerke, wie die neue Karte von Sioilien im Maassstabe von 1: 100.000, nach dem Verfahren von Avet photometallographirt und nach derselben Karte im doppelten Maassstab reducirt. Hierfür und für seine geodätischen Arbeiten über die Südprovinzen Italien's und über Sicilien erhielt das Militair - topographische Institut das Ehrendiplom, welches noch der Geograph. Gesellschaft zu Rom für ihre verschiedenen Publikationen und dem K. Institut für Wissenschaft und Kunst zu Venedig für die ausgestellte Sammlung alter Karten und Portulane (Schifffahrt-Atlanten) ertheilt wurde. Das Italienische Statistische Bureau, das wohl das fruchtbarste in ganz Europa ist, was die Zahl seiner jährlichen Publikationen betrifft, hatte das lange erwartete neue Ortslexikon „Populazione presente ed assente per oomuni, centri e frazioni di comune" (Roma 1874) gesandt. In zwei stattlichen Bänden wird hier zum ersten Mal jede Gemeinde in die einzelnen zu ihr gelegenen Wohnplätze zerlegt und auch für diese letzteren die agglomerirte und zerstreut wohnende Bevölkerung nach der Zählung von 1871 angegeben; für Kartographen Italien's also ein sehr nützliches Werk. .

Spanien.

Die Spanische Abtheilung bot nicht viel von besonderem Interesse und hauptsächlich waren es RegierungsInstitute, welche dieselbe beschickt hatten. So hatte das Geographische und Statistische Institut die zwei ersten Blätter der grossen Generalstabskarte Spanien's: „Madrid und seine Umgebung", deren Aufnahme in 1: 25.000 bewirkt und im Stich auf 1 :50.000 reducirt worden ist, ausgestellt. Das Flussnetz dieser Karte ist in Blau, die Schrift in Schwarz ausgeführt und die Ortschaften treten in einem

rothen Ton hervor. Das Bodenrelief ist durch Isohypsen in Abständen von 20 zu 20 Meter, mit Zwischenkurven von 10 zu 10 Meter ausgedrückt. Die Hydrographische Direktion hatte ihre Seekarten und Pläne der Spanischen Küsten, der Philippinen, Cuba's &c.; die Königl. Akademie für Geschichte in Madrid interessante, auf die historische Geographie bezügliche Werke und endlich Oberst F. Coello seinen bisher die Stelle der offiziellen Karten vertretenden Atlas von Spanien und dessen überseeischen Besitzungen vorgelegt.

Über kaum ein Europäisches Land hat man solche Schwierigkeit zu erfahren, ob früher begonnene Arbeiten in neuerer Zeit fortgesetzt sind, und wenn Neueres erschienen, es sich zu verschaffen. Aus diesem Grunde war es höchst daukenswerth, dass man von Spanischer Seite alle grösseren Werke über das eigene Vaterland oder die überseeischen Besitzungen, welche in den letzten 10 bis 15 Jahren in Spanien publicirt sind, hier auf der Ausstellung zusammengestellt hatte. Dabei erfuhr man u. A., dass neben dem grossen in fünf mächtigen Bänden 1863 — 71 vollendeten Nomenclätor general de Espafia bereits ein neuer in Arbeit und selbst im Druck ist. Derselbe wird noch weiter in's Detail gehen und alle Wohnplätze (unites de population) enthalten, und zwar nach der Territorial-Eintheilung, welche am 1. Juli 1873 in Kraft war. Diesem Unternehmen wünschen wir dringend einen raschen Fortgang.

Portugal. Die Portugiesische Abtheilung erhielt die für sie bestimmten Objekte erst einige Zeit nach der Eröffnung der internationalen Ausstellung und war gleich der Spanischen nicht gerade reich bestellt; doch verdiente die geographische General-Direktion für ihre trigonometrischen Arbeiten und topographischen Karten im Maassstab von 1 : 100.000, welche eine totale Reformation des Kartenbildes von Portugal bewirkt haben (siehe die vergleichenden Karten C. Vogel's „Portugal vor und nach der neuen Landesaufnahme" in „Geogr. Mitth." 1871, Tafel 17), ehrlich das ihr zuerkannte Ehrendiplom. Carlos Ribeiro & Delgado erhielten für ihre geologische Karte von Portugal und sonstige geologische Publikationen die 1. Medaille. Anerkennenswerth ist es, dass die entsetzlichen Wandkarten Portugal's, welche in Wien 1873 das Portugiesische Schulzimmer verunzierten, diessmal gar nicht auf der Ausstellung zugelassen waren. Was die Schriften betrifft, so gilt für Portugal auch das von Spanien Gesagte. Es waren viele Publikationen ausgelegt , die jedoch grösstenteils nur das Königreich nebst seinen Kolonien betrafen. Unter diesen dürfte das schon damals ausgelegte, jedoch erst im September 1875 erschienene Werk von Capt. Gerh. A. Pery, Adjunkten bei der General-Direktion der geodätischen Aufnahmen, „Geographia e Estatistica geral de Portugal e Colonias" auch für weitere Kreise von Interesse sein, da es in einem Oktavband von 404 Seiten eine nach den neuesten Materialien bearbeitete Geographie und Statistik der Portugiesischen Gebiete enthält. Über Timor's Bevölkerung weiss uns freilich der Verfasser auch nichts Anderes zu sagen, als dass einige Schriftsteller sie zu einer Million, andere sie zu 180- bis 200.000 angeben. Werthvoll sind die angehängten Tabellen über die Position (auch die Meereshöhe) von circa 250 Orten auf dem Festland und 60 auf den Inseln und Besitzungen. Die beigegebenen Karten sind ziemlich skizzenhaft und dienen nur zur Orientirung. Von demselben Verfasser (A. Pery und G. Pery) soll demnächst ein „Diccionario geographico e estatistico de Portugal" erscheinen, das Kartographen mit Freude begrüssen würden.

Türkei.

Von den Arbeiten des Türkischen Generalstabes wurden die topographischen Karten von Montenegro und der Türkisch-Hellenischen Grenze eines ersten Preises würdig befunden. Bemerkenswerth erschienen noch eine Karte des Vilajets Yemen, zu welcher der letzte Feldzug gegen Assir und Sana das Material geliefert hatte, so wie eine Kopie der unter Ingenieur Cernik's Leitung ausgeführten Aufnahmen zweier Linien zum Bau einer Eisenbahn, von Alexandretta und Tripoli ausgehend, nach Bagdad. Diese interessante, 1872/73 ausgeführte Expedition hat höchst schätzenswerthe Resultate geliefert: zahlreiche Höhenbestimmungen erläutern das Relief des durchforschten Gebietes, und eingehende topographische Details, so wie eine genaue Darlegung der Bodenbeschaffenheit verleihen der Arbeit einen grossen wissenschaftlichen Werth. Dieselbe kommt in zwei Ergänzungsheften der „Geogr. Mittheil." (Nr. 44 und 45) zur Veröffentlichung. Ganz versteckt, inmitten eines Saales voll Französischen Unterrichts-Materials, fanden wir werthvolle Proben eines Werkes des Serbischen Statistikers Jakschitsch über die Bevölkerung der Türkei, nämlich vier Manuskriptkarten, welche, nach ganz ne.uem Material entworfen, die Dichtigkeit der Bevölkerung, die ethnographischen und confessionellen Verhältnisse der BalkanHalbinsel darstellen, nebst dem dazu gehörigen Text, bestehend in Tabellen, welche bis auf die Sandjaks herabgehen. Möchte der Verfasser bald mit der Publikation seiner langjährigen Studien vorgehen.

Vereinigte Staaten von Nord - Amerika. Die Betheiligung der Vereinigten Staaten war eine ausserordentlich schwache und das Arrangement der Aufstellung kein besonders glückliches. Viele vortreffliche topo

graphische , geologische und andere geographisch - wissenschaftliche Arbeiten, auf welche dort so bedeutende Mittel, Gründlichkeit und eingehendes Studium verwendet werden, wurden recht sehr vermisst. Nord-Amerika hätte bei einiger Anstrengung mit den bedeutendsten Ausstellern wetteifern können! Die höchste Auszeichnung empfing das Marine-Ministerium in Anerkennung seiner hydrographischen Arbeiten an den Küsten Amerika's und unter Anderen wurde noch F. Walker für seinen „Statistical Atlas of the United States 1874" eine Auszeichnung zuertheilt. Dieses vorzügliche Werk zerfällt in drei Theile, deren erster die physikalischen Verhältnisse in 14 Tafeln, der zweite die sociale und industrielle Statistik in 22 Tafeln, und der dritte die vitale Statistik in 19 Tafeln behandelt. Dasselbe gewinnt noch durch klare Darstellung und saubere technische Ausführung und darf wohl den besten und vielseitigsten dieser Richtung beigezählt werden.

Argentina.

Von Argentina war die Ausstellung verhältnissmässig reich beschickt, jedoch lagen eine Menge von offiziellen Reglements und Memoiren auf, die mit der Geographie sehr wenig oder gar nichts zu thun haben, auch befanden sich viele ältere, in Europa längst bekannte Werke aus den fünfziger Jahren darunter. Bis auf einige Städtepläne war wenig da, was für einen höheren Standpunkt sowohl der offiziellen als der privaten Kartographie spräche; meist waren die Karten rohe Blätter, die auch im Druck so schlecht gelungen, dass sie nur als Material zu weiteren Bearbeitungen dienen können, insbesondere für Eisenbahnen und Telegraphen-Linien.

Chile.

Chile ist die erste der Süd-Amerikanischen Republiken, welche eine wirkliche Landesvermessung durchgeführt hat, ja noch mehr, sie hat damit, eine geologische, wenn auch nur kursorische, Aufnahme verbunden und ihre Marine ist eifrig mit Mappirung der Küsten und Erforschung der benachbarten Meerestheile beschäftigt. So konnte denn Chile die topographische Karte seines Gebietes im Maassstabe von 1: 250.000, unter Leitung von A. Pissis in den Jahren 1848 bis 1864 aufgenommen, zur Ausstellung bringen, dieselbe Karte mit geologischem Kolorit vorlegen und die alles Lob verdienenden, hinter derartigen Arbeiten anderer Länder keineswegs zurückstehenden Karten der Küstenvermessung mit den zugehörenden offiziellen Berichten beifügen. Die „Googr. Mittheilungen" haben die Pissis'sche Karte in verkleinertem Maassstab reproducirt (Jahrgang 1870, Tafel 3 und 4; 1875, Tafel 3 und 4) und wiederholt über die Chilenische Landesaufnahme sowohl wie über die Küstenvermessung berichtet.

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