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welche detaillirt die Bodenbeschaffenheit, Art der Vegetation &c. zeigt, so z. B. auch die Straucharten unterscheidet, welche theils unverwendbar, oder wie der sonst berüchtigte Saksaul, zum Heizen der Dampfer tauglich, mithin für die Schifffahrt von Bedeutung sind.

Die werthvollen wissenschaftlichen Ergebnisse der von der Russischen Geogr. Gesellschaft 1874 ausgesandten AmuDarja-Expedition unter General-Major Stoljetow, welche ein Nivellement längs zweier Arme des Amu-Darja-Delta's und am Hauptstrome entlang bis zur Bucharischen Grenze, so wie am alten Bett des Janü-Darja ausführte, waren durch eine allgemeine Karte, so wie zahlreiche detaillirte Profile veranschaulicht.

Fassen wir nun die östlicher liegenden {Gebiete Russisch-Turkestan's und des Thian-Schan-Systems in's Auge, so finden wir reiche Erweiterung der Kenntniss derselben durch die Arbeiten Aminow's, Krajewski's, Kaulbars' u. A., ihnen schliessen sich im Norden und Nordosten die prachtvollen Aufnahmen des Balchasch - See's und SiebenstromLandes, welche nunmehr in den Karten der letzthin erschienenen Ergänzungshefte der „Geogr. Mittheilungen" No. 42 und 43 (N. Sewerzow's Erforschung des ThianSchan-Gebirgs-Systems) eingehend verarbeitet worden sind, an; die Aufnahmen eines Theiles der Chinesisch-Russischen Grenze von General Babkow; Matussowski's Reisen über Kobdo - Uliassutai und nach dem Emil - Thale, Sosnowski's und Matussowski's Forschungen im Gebiet des Schwarzen Irtysch, so wie zahlreiche andere handschriftliche Kartenblätter entfalten ein so reiches Material, dass man dessen erfahrungsmässig sich bedeutend verzögernde Veröffentlichung in erschöpfender "Weise lebhaft bedauern muss. In sauberer technischer Ausführung boten zwei kritisch bearbeitete Höhenschichten-Karten N. Sewerzow's eine vortreffliche Übersicht der gigantischen Inner-Asiatischen Gebirgswelt dar, und zwar stellte ein Blatt in 1 :4.200.000 das ganze centrale Gebiet und ein zweites in 1:2.100.000 das Russische Turkestan dar, unter Berücksichtigung der, durch die] Höhenlage bedingten Verbreitung des Pflanzen- und Thierlebens.

Von nicht geringerem Werth als die vorerwähnten Spezial-Darstellungen Jwaren die Generalkarten von RussischAsien und an ihre Spitze müssen wir als eines der werthvollsten Werke der Russischen Abtheilung, ja, der ganzen Ausstellung, eine Übersichtskarte dieser Gebiete stellen, welche, als kaum vollendetes! Manuskript, eme Verarbeitung von allen neuesten Materialien über Nord- und Mittel-Asien enthält. Von der topographischen Sektion in Petersburg, in 8 Blättern und im Maassstab von 1:4.200.000 bearbeitet, umfasst sie ausser den Russischen Gebieten einen grossen Theil des Asiatischen Continentes bis zum 32. Parallel:

Japan, die grössere Hälfte des Chinesischen Reiches mit einem Theil von Tibet, Jakub-Beg's Reich, die Central-Asiatischen Chanate, Nord-Indien, Afghanistan und die Nordhälfte Persien's. Zum ersten Male erblickten wir hier die Resultate langjähriger Forschungen vollständig zusammengestellt und ordentlich verarbeitet, wie z. B. die bisher nur aus dürftigen Berichten bekannten Ergebnisse von Maidell's Expedition in Nordost - Sibirien, ferner Tschekanowski's im Gebiete der Unteren Tunguska und des Olenek, Fr. Schmidt's am unteren Jenissei, des Chiwensischen Feldzugs und die reichen Beiträge aus dem Thian-Schan u. A. Das ausser-Russische Gebiet kann natürlich nicht das gleiche Vertrauen beanspruchen, allein auch hier finden wir jedes wichtige Ergebniss neuerer Reisen verzeichnet, so ausser Przewalski's Routiers und den Rekognoscirungen in der Mongolei, die Resultate der Forsyth'schen Gesandtschaft nach Ost-Turkestan, so wie der Englischen Telegraphen-Expeditionen in Persien &c. berücksichtigt. Das Terrain-Bild ist klar, dabei allerdings ein wenig schablonenmässig ausgeführt, doch schmälert dieser Mangel keineswegs das Verdienst der ganzen Arbeit, welcher wir eine recht beschleunigte und ihrer selbst würdige Ausführung wünschen.

Recht schätzbare, die Orientirung erleichternde Arbeiten waren: eine Karte von Central-Asien in 1 : 420.000 mit einer Übersicht der ausgestellten Detail-Aufnahmen; ein Blatt von Sibirien mit sämmtlichen, durch farbige Funkte nach den Beobachtern unterschiedenen astronomischen Ortsbestimmungen, so wie eine Übersichtskarte Wenjukow's von den Russischen Forschungen in Sibirien und Central-Asien seit dem Jahre 1843 bis 1875. Eine für die Entdeckungsgeschichte der Polar-Regionen interessante Arbeit war die „Karte der Russischen hydrographischen Forschungen im Eismeer seit 1734" im Maassstab 1:6.300.000, die Küste nach den Entdeckern mit Farbenstrichen unterscheidend.

Ehe wir der Asiatischen Abtheilung den Rücken kehren, müssen wir noch einiger topographischer Karten gedenken, und zwar der von Orenburg und der Kirgisen - Steppe in 79 Blättern und dem Maassstabe von 1 : 420.000, mit sauber und deutlich lithographirter Situation und .Schrift, doch nicht gleich gelungenem Terrain in Schummermanier, und der in Omsk von der topographischen Sektion ausgeführten Specialkarte West-Sibirien's in 125 Blättern und dem Maassstabe von 1:420.000.

Wenden wir uns der Europäischen Abtheilung Russland's zu, Bo bemerken wir eine ansehnliche Reihe sauber ausgeführter topographischer Karten, meist in den Maassstäben 1:126.000 und 1:420.000, die sich denen anderer Europäischer Staaten würdig anreihen und theilweis vortreffliche Lebtungen photo- und heliographischer Vervielfältigungs - Methoden aufweisen. Da es jedoch nicht der Zweck dieser Notizen sein kann, sie eingehend zu behandeln, so sei hier flüchtig noch einiger anderer hervorragender Leistungen, und zwar zunächst der ethnographischen Karte des Europäischen Russland von A. F. Bittich gedacht. Hauptsächlich mit den Mitteln und unter den Auspicien der Petersburger Geographischen Gesellschaft ausgeführt, ist sie eines der bedeutendsten Werke dieser Richtung, und setzt ihre sämmtlichen Vorgänger, z. B. Köppen's Karte, gänzlich bei Seite. Die neue ethnographische Karte besteht aus 6 Blättern, im Maassstabe von 1:2.400.000, und unterscheidet in ihrer Farbenscala 46 verschiedene Volksstämme. Dank dem reichen bei ihrer Verarbeitung verwendeten Materiale — es liegen ihr nicht weniger als 35.000 Daten zu Grunde — und der Hinzunahme von Polen und dem Kaukasus, ist das ethnographische Bild ein ganz neues geworden, welches uns namentlich die Thatsache vor Augen führt, dass die Russische Stammbevölkerung, bereits 75 Prozent des Gesammtvolkes umfassend, sich stetig ausbreitet und alle fremden Elemente, die innerhalb seiner Grenzen existiren, sich assimilirt. Eine sehr schätzenswerthe Zugabe dieser Karte ist die Bezeichnung der ganz unbewohnten Regionen. Recht übersichtlich und geschmackvoll ausgeführt war die hypsometrische Karte des Europäischen Russland von M. Musnizki, im Maassstab von 1:2.500.000; das Depressions-Gebiet erschien auf ihr schwarz, die Höhenschichte von 0 bis 250 Fuss dunkelgrün, 250 bis 500 hellgrün, 500 bis 750 blassgrün, 750 bis 1000 weiss, 1- bis 3000 blassbraun, 3- bis 6000 hellbraun , 6- bis 9000 dunkelbraun, die Schichte von über 9000 Fuss wieder schwarz und die Schneeregion weiss mit blauer Punktirung.

Der Kaukasus erfreute sich vortrefflicher einheitlicher Darstellung durch die topographischen Karten in 1: 210.000 and [1: 420.000, und die photographische Reproduktion eines Reliefs vom Kaukasus im Maassstabe von 1: 840.000 wurde allgemein als ein gelungenes Erzeugniss dieser Spezialität, welche wiederholt in der Ausstellung vertreten war, erachtet.

Den ersten Rang unter den privaten Ausstellern Russland's behauptet ohne Zweifel die bekannte Kartographische Anstalt von Iljin in Petersburg^ welche der ausser-Russischen "Welt! so manches, sonst schwer zugängliche werthvolle Material [durch Publikation erreichbar gemacht und so der Geographie wesentliche Dienste geleistet hat. Die Anstalt wurde"durch eine stattliche Sammlung Atlanten, einzelner Kartenblätter, so wie geographischer "Werke, unter denen zahlreiche speziellere geologische und ethnographische Karten, statistische und Atlanten für den Schulgebrauch bemerklich waren. Auch die schwierige technische Ausführung der oben erwähnten Rittich'schen Karte ist ein Produkt dieser

Anstalt. Unter den Druckwerken befand sich auch eine Serie des monatlich erscheinenden geographischen Journals „Wsjemirnüi puteschestwennik", der „Weltreisende", dessen Artikel, wenn auch nicht von Originalkarten, so doch zur Orientirung recht brauchbaren Kartenskizzen begleitet waren.

Schweden.

Die Schwedische Abtheilung erfreute sich einer vorzüglichen einheitlichen Organisation, welche augenscheinlich nicht ohne tüchtige Vorarbeiten zu Stande gekommen war. Ihre Commissäre waren meist an Ort und Stelle zu finden, zu steter liebenswürdiger Auskunft bereit — eine Annehmlichkeit, die verschiedenen Abtheilungen mangelte —, und ein kleines zur Vertheilung gebrachtes Werkchen ') enthielt eine Reihe Notizen über Schwedens Geographie, kartographische und geographische Arbeiten und wissenschaftliche Reisen, ein Verzeichniss der ausgestellten Gegenstände &c. und zeigte sich so brauchbar, dass, wenn jedes Land einer ähnlichen Arbeit sich befleissigt hätte, eine werthvolle Sammlung zu schätzenswerther Auskunft geeigneter Werke hätte entstehen können.

Hoch interessant war die Ausstellung von Gegenständen , welche Bezug auf die zahlreichen arktischen Expeditionen der Schweden haben, wie die Instrumente zu Tiefseelothungen, zum Heraufholen von Proben des Meeresbodens, oder Wassers aus verschiedener Tiefe und Beispiele jener Proben selbst; fossile Pflanzen und Thiere von Spitzbergen und der Bären-Insel; Treibprodukte des Golfstromes nach Spitzbergen; Meteorsteine, namentlich ein, allgemeines Aufsehen erregender Gypsabguss des grössten bisher gefundenen Meteorsteines, den Professor Nordenskiöld im Jahre 1870 auf der Insel Disko entdeckte und dessen Gewicht 20.000 Kilogramm beträgt &c. Auch die auf jene Regionen sich beziehenden Karten und Skizzen waren zahlreich vertreten, und in einem dunkeln Raum hatte Prof. Selim Lemström einen Apparat aufgestellt, durch dessen Experimente er nachzuweisen versuchte, dasB das Nordlicht ein elektrischer Strom ist. Diese Versuche sind eines der Resultate der physikalischen Untersuchungen der Schwedischen Nordpol-Expedition von 1868, welche auf Kosten Gothenburgischer Bürger, namentlich O. Dickson's, ausgerüstet worden war.

Die weit zurückreichende Geschichte der kartographischen Darstellung und Aufnahme Schwedens war durch eine äusserst interessante Sammlung von Proben aus den verschiedenen Perioden veranschaulicht. Da sah man die älteste Übersichtskarte von Skandinavien aus dem Jahre 1539 von Olaus Magni, die älteste nautische Karte von

') Notices sur la Suede ä l'occasion du CongTes international graphique de Paris, 1875.

Schweden, 1644 von Johan Mänsson gezeichnet, sodann Bände voll Distrikts- und Kirchspielkarten aus dem 17. Jahrhundert im Manuskript, den 1698 vom Grafen Dahlberg luxu" riös und kunstvoll ür König Karl XII. gezeichneten Atlas der Schwedischen Provinzen, Baron Hermelin's Atlas von Schweden und Finnland aus den Jahren 1796 bis 1815 und dergleichen mehr, bis man zu den neueren Katastern und trigonometrischen Aufnahme-Karten gelangt, die wiederum die Grundlage für die modernen Übersichtskarten abgeben.

Eine genauere Einsicht der neueren Kartenwerke, namentlich der des Generalstabs, zeigt entschieden, dass die Kartographie Schweden's in raschem Aufschwung begriffen ist. Das Bild des dargestellten Landes tritt klar hervor, die Schrift, die früher oft im Terrainstich nicht mehr zu erkennen war, ist leserlich geworden und kein Umstand, der den praktischen Werth einer Karte bedingt, wie eine zuverlässige Darstellung des Bodenreliefs oder der Beschaffenheit und Bekleidung des Bodens, ist ausser Acht gelassen.

Allgemeiner Anerkennung erfreuten sich auch die auf eben so sorgfältigen und sachkundigen Arbeiten beruhenden als geschmackvoll ausgeführten Karten der geologischen Aufnahme von Schweden, die seit 1858 in dem Maassstab von 1: 50.000 für die dichter bevölkerten und wichtigeren Gegenden, in dem von 1:100.000 für das übrige Land vor sich geht, bis jetzt etwa 50.000 Qu.-Kilometer umfasst und unter der Leitung des berühmten Geologen Prof. 0. Torell steht, der bekanntlich auch die ruhmvollen, in ihren wissenschaftlichen Resultaten so äusserst erfolgreichen Schwedischen Polarreisen der neuesten Zeit zuerst begann.

Recht instruktiv und technisch sauber ausgeführt war ein im Auftrage der General - Direktion der Staatseisenbahnen hergestellter Atlas, welcher in rothen und schwarzen Linien die Entwickelung der Schwedischen Staats- und Privateisenbahnen vom Jahre 1855 bis 1875 zeigte, und zwar so, dass jedem Jahre ein Blatt gewidmet ist, der Atlas also 21 Blätter enthielt.

Dem Statistischen Central - Bureau entstammte ein Diagramm, welches in Bezug auf die lange Periode seiner Beobachtungsreihe wohl einzig dasteht. Dasselbe zeigte die Geburten Schweden's und seine Bevölkerung nach dem Alter vom Jahre 1720 an bis 1870, also während anderthalb Jahrhunderten.

Aus dem Gebiet der historischen Geographie waren eine von Dr. H. Hildebrand gezeichnete Karte über die muthmaassliche Ausdehnung des Stein- und Bronce-Zeitalters, so wie mehrere Schriften über die prähistorische Zeit der Skandinavischen Halbinsel, von 0. Montelius, Dybeck, E. Dahlberg u. A. zum Theil mit interessanten Illustrationen ausgestellt, während der vorzügliche Atlas von Wi

berg und von Mentzel zur Geschichte Schwedens (Huldberg's Verlag in Stockholm) von uns vermisst wurde.

Norwegen.

Norwegen bot eine reiche Auswahl statistischer so wie meteorologischer Karten und Werke dar. Die Arbeiten des Statistischen Bureau's unter Kjaer verbreiten sich in übersichtlicher Weise über jeden, in der Entwickelung unseres Kulturlebens wichtigen Punkt, und wenn man erwägt, welch' dickleibige Bände, gefüllt mit Zahlenreihen, oft zur Construktion einer einfachen, verwickelte statistische Verhältnisse auf den ersten Blick klar darlegenden Karte gehören, so ermisst man zugleich die Mühseligkeit und den Werth solch' kartographischer Arbeiten. Das Meteorologische Institut unter Direktion von Hrn. Mohn bietet gründliche Verarbeitungen eines reichen Beobachtungs-Materiales dar.

Aus dem Bereich der Topographie lagen photographische Kopien der Original-Landesaufnahmen vor, im Maassstab von 1: 25.000 mit Äquidistanten von 25 Fubs und im Mst. von 1: 50.000 mit solchen von 100 Fubs Abstand. Durch Schattirung und stellenweis Schraffirung war die Deutlichkeit der Bodenunebenheit, so weit sie in militärischem Sinne Bedeutung gewinnen kann, unterstützt worden. Das Muster einer technisch wunderbar fein und sauber ausgeführten Handzeichnung konnte man in der von Hauptmann J. Walter ausgeführten Karte der Stadt Aalesund bewundern.

England.

Die Englische Abtheilung litt wie die Deutsche an dem Fehler der UnVollständigkeit; bedeutende Regierungs-Institute und hervorragende Privat-An stalten waren nicht vertreten, und somit wurde die Erwartung, gewisse neue, oder in der Herstellung begriffene Kartenwerke dort sehen zu können, getäuscht.

Immerhin gestaltete sich das Bild der Ausstellung zu einem lehrreichen, manches, einen Fortschritt der neueren Geographie bezeichnende Werk fand sich vor.

Einen vollständigen Überblick seiner hochinteressanten geographischen Bestrebungen gewährte nur das Trigonometrisch-Topographische Bureau von Britisch - Indien unter Lieut. - Col. Montgomerie's Direktion. Seine Karten, sich beinahe über sämmtliche Provinzen Britisch - Indien's erstreckend, hatten die Bestimmung, als Proben der zu verschiedenen Zeiten ausgeführten Aufnahmen zu dienen und vorzüglich den neuen Standpunkt der trigonometrischen und topographischen Aufnahmen im Himalaya und in den gebirgigen , in der Regel wenig bekannten Theilen Indien's vorzuführen. Die neueren Karten sind meist in Photozinkographie ausgeführt, und wenn dieselbe auch nicht besonders saubere Abdrücke liefert, so ermöglicht sie doch eine rasche Publikation. Von Interesse war unter Anderem eine stattliche, das Himalaya-Gebirgssystem in seiner ganzen Breite, von den Ebenen des Pandschab bis zu denen von Yarkand darstellendo Karte. Zu der grösseren südlichen Hälfte waren püblicirte Blätter des Indian Atlas, zusammengesetzt, verwendet worden, und die Nordhälfte, vom Karakorum ab, hatte man durch Handzeichnung in allgemeineren Zügen ergänzt. 15 weitere Blätter der Indischen Aufnahme, einen Theil Kaschmir's umfassend, sind Behufs rascher vorläufiger Veröffentlichung auf die Hälfte reducirt und photozinkographisch reproducirt worden. Das Terrain dieser „Photozincographed sections of part of the survey of Kashmir, Ladak and Baltistan or little Tibet. Scale 8 m. to 1 inch. Published in the office of the Sup' G. T. Survey of India pending the completion of the corresponding sheets of the Indian Atlas" ist in der Schattirung nicht besonders gelungen zu nennen und trägt theilweis noch zur Unleserlichkeit der Schrift hei. Für Reisende im Himalaya bestimmt ist die „Route map for the Western Himalayas, Kashmir, Punjab, and Northern India, including the former Kashmir Route Map. Compiled by Major T. G. Montgomerie &c. 32 m. to 1 inch"; dieselbe ist ohne Terrain und enthält polymetrische Tafeln.

Dem Trigonometrisch-Topographischen Departement für Indien wurde ein Ehrendiplom zuertheilt. Ein weiteres empfing die Ordnance Survey für ihre, wohl unter dem Titel des War Office ausgestellten Werke. Hier wollen wir nur auf einige ausser-Europäische Publikationen und da vor Allem auf die Ergebnisse des Feldzugs gegen die Aschantis hinweisen, von denen bisher ausser einigen Gefechtsplänen nichts in die Öffentlichkeit gedrungen war. Zur allgemeinen Orientirung dient die „Map of Ashantee and Gold Coast. Lithogr. at the topogr. Depot of the War Office. Major C. W. Wilson. R. E. Director 1873". Dieses Blatt dehnt sich von 3J° W. L. bis lj° ö. L. v. Gr. und nördlich bis ca. 85 ° N. Br. aus und enthält ausser den Marschrouten der Englischen Truppen auch für die Gebiete nordwärts von Kumassi einige Details, die jedenfalls den Erkundigungen zu verdanken sind. Noch nicht im Stich vollendet war eine Karte der Marschrouten von der Küste bis Kumassi, in dem ansehnlichen Maassstabe von 1 inch = 1 mile, mehrere Spezialpläne zeigten die Arbeiten der Ingenieure oder die bedeutenderen Gefechtsfelder. Ferner lag noch vor die „Map of the Turco-Persian frontier, made by Russian and English officers in the years from 1849 to 55, on the Scale of 1: 13.050 and reduced to the Scale of 253.440 or 4 E. m. = 1 inch at the Ordnance survey office, Southampton", in 9 Blättern und mit farbiger Unterscheidung der Bodenbeschaffenheit. Eine übersichtliche Verarbeitung Petermann's Geogr. Mittheilungeti. 1876, lieft II.

der geographischen Forschungen in Südwest-Arabien war in der „Map of South Western Arabia" im Maassstabe von 1: 633.600 niedergelegt und es waren darin die Routen folgender Reisender zur Benutzung und Darstellung gekommen: Karsten Niebuhr 1762; Förskal 1762; IL J. Seetzen 1810; Lieut. J. L. Wellstedt & Cruttenden (nach Nahab el Hadschr) 1835; Lieut. Cruttenden (nach Sana) 1836; Botta 1836; Lieut. Passama 1842; v. Wrede 1843; Arnaud 1843; Aiciati de Grilhon 1844; J. Halevy 1869 — 70; Lieut. Miles & Munzinger 1869; H. v. Maltzan 1870; Ch. Millingen 1873.

Eine eingehende Betrachtung verdienten die Arbeiten des „Palestine Exploration Fund", dessen Leistungen als die einer Privatgesellschaft doppelt hoch anzuschlagen sind. Es fanden sich hier Feldskizzen von Major Wilson, Capt. Anderson, Lieut. Conder, Capt. Warren und Anderen vor, die Übersicht des Standes der Aufnahmen und eine Anzahl von Plänen und Photographien des Heiligen Landes.

Die Geogr. Gesellschaft von London hatte die Gesammtreihe ihrer Publikationen und eine Anzahl Handzeichnungeii Englischer Reisender — Beke, Livingstone, Burton, Speke, Petherik, Kirk, Grant, Baker, Hayward — ausgestellt; solche über Livingstone's letzte grosse Reisen fehlten dabei, ihre Gegenwart würde ganz besondere Aufmerksamkeit erregt haben! Kaum hennenswerth war das vom „Hydrographie Office" Gebotene, der reiche Schatz seiner unübertroffenen Arbeiten war nicht geöffnet worden, doch wurde auch ihm das Ehrendiplom nicht versagt.

Die Redaktion des „Geographical Magazine" zu London zeigte seine Betheiligung durch eine Auswahl der von ihm publicirten Karten, welche trotz ihres oft unscheinbaren Ausseren — eine Folge der beschleunigten Herstellung zur Publikation — doch für die rasch fortschreitende Entdeckungsgeschichte von ganz besonderem Werthe sind.

Die grossartigen Geogr. Privat-Institute wurden nur durch eine Karte der Vereinigten Staaten von Keith Johnston in Edinburg repräsentirt.

Dänemark.

Die Dänische Abtheilung war verhältnissmässig reich beschickt, sie zählte fast eben so viele Aussteller als das Deutsche Reich, Behörden und Institute hatten sich neben Privaten lebhaft betheiligt und es fehlte auch nicht an landschaftlichen Abbildungen, ethnographischen Gegenständen &c, welche dem Auge eine wohlthuende Abwechselung unter der Masse der Karten und Bücher gewähren. Der Generalstab, die Direktion der Katasteraufnahmen, die Admiralität hatten Proben ihrer Karten gesendet, Admiral Irminger, Dr. Rink, Prof. Erslev, Dr. V. Schmidt, Staatsrath Trap hatten ihre wohlbekannten Werke ausgelegt, Letz

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terer ausserdem eine Sammlung der wichtigsten geographischen und statistischen Bücher Dänemark's seit dem 11. Jahrhundert, Adam v. Bremen's De situ Daniae, den Dänischen Atlas von Resen (1677), den von Pontoppidan (1763—81)&c. beigefügt. Als ein Produkt neuester Zeit begrüsste man die synoptischen meteorologischen Karten, welche das Meteorologische Institut in Kopenhagen seit 1873 täglich herausgiebt und welche ganz Europa, das westliche Asien, das Nord-Atlantische Meer, Grönland und Canada umfassen. "Überhaupt hatte dieses Institut eine interessante Sammlung seiner Publikationen und Instrumente geschickt, die um so mehr Aufmerksamkeit erregten, als sein Direktor, Kapitän Hoffmeyer, als ein Meteorolog anerkannt ist, der auf der Höhe der Zeit steht und seiner Wissenschaft neue Bahnen bricht.

Einen besonderen Reiz verliehen der Dänischen Abtheilung die Gegenstände aus und über Grönland. Da fanden sich u. A., neben den bekannten Werken von Rafn und Rink, die älteren Bücher von Torfaeus, Arngrim Jonas, Hans Egede, ferner eine vollständige Sammlung der in Grönland selbst gedruckten Bücher, Missionär Kleinschmidt's Grönländisches Wörterbuch, verschiedene auf die Entdeckung Grönland's und Nord-Amerika's durch die Skandinavier bezügliche oder aus den Zeiten der ersten Besiedelung herstammende Gegenstände, so wie Modelle von Wohnungen, Kähnen, Kleider, Waffen, auch eine Serie von Grönländer-Schädeln, so dass reichlich Gelegenheit geboten war, Anschauungen über Vergangenheit und Gegenwart jenes hochnordischen Landes zu sammeln.

Niederlande. Die Niederlande hatten eine stattliche Reihe älterer, historisch sehr werthvoller Kartenwerke ausgestellt, die Periode des 16. und 17. Jahrhunderts kennzeichnend, in der Holland als Herrscherin zur See auch in kartographischen Leistungen einzig dastand. So fanden sich hier z. B. ein Exemplar der sehr seltenen ersten Ausgabe von A. Ortelius „Theatrum orbis terrarum" vom Jahre 1570 in 53 Blättern vor, Ger. Mercator's Atlas von 1619 und Mercator und Hondius' Atlas vom Jahre 1633 und zahlreiche Kartenwerke aus dem 18. Jahrhundert von Blaeu, Jansson u. A. Als Vertreter der modernen Verarbeitung solch immens reichhaltiger kartographischer Hülfsmittel, wie sie bekanntlich eben nur Holland aufzuweisen hat, fand sich denn auch der schöne Historische „Atlas van Noord-Nederland" seit dem 16. Jahrhundert, von G. Mees (Rotterdam 1865), welcher in 14 übersichtlichen Haupt- und vielen Nebenkarten so wie einem sehr umfangreichen kritischen Text die Geschichte der Neuzeit, so weit sie sich auf das Mutterland und die Kolonien bezieht, prächtig illustrirt; er

machte nur den lebhaften Wunsch in uns rege, der Verfasser möchte das vorhandene Material zu einer ähnlichen Verarbeitung der hydrographischen und politischen Veränderungen seines Landes verwerthen und damit eine empfindliche Lücke ausfüllen, welche zwischen seinem Werk und dem ebenfalls ausgestellten Versuch einer Gaugeographie der Niederlande von L. van den Bergh (1871), abgesehen von einzelnen akademischen Aufsätzen, geblieben ist. Zur Geschichte der ausländischen Besitzungen Holland'« gehörig bemerkte man die grosse Dokumenten-Sarnmlung von de Jonge.

Unter neueren Produktionen fielen vorzüglich vorteilhaft die als Meisterwerke der Chromolithographie zu betrachtenden Spezialkarten von Java in dem Maassstabe von 1: 100.000 auf, in denen sich die physikalische Geographie jener tropischen Gebiete vortrefflich ausspricht, und überhaupt war die Kartographie der Niederländischen Besitzungen in Ost-Indien vorzüglich vertreten. Von J. Kuyper, dem unermüdlichen Kartographen, lagen zahlreiche Arbeiten vor.

Belgien.

Die Belgische Ausstellung war ziemlich schwach beschickt, doch gewährte sie durch ihre topographischen Karten verschiedenen Maassstabes, die in sehr sauberer Ausführung vorlagen, einen belehrenden Einblick in das Wesen dieser kartographischen Richtung. So fanden sich photozinkographirte Blätter in den Maassstäben von 1: 10.000 uhd 20.000 vor, das genaueste Bild der Bodengestaltung wiedergebend, wie es der Ingenieur oder die Kriegswissenschaft verlangt, und für allgemeinere Zwecke Reduktionen der Original-Aufnahmen auf 1:40.000 bis 1:160.000 der natürlichen Grösse &c. Für meteorologische Beobachtungen ist der van Rysselberghe'sche Selbst-Registrir-Apparat von Bedeutung, welcher von seinem Erbauer, dem Mechaniker Th. Schubart, mit grosser Geduld immer wieder erklärt wurde.

Aus den ziemlich reichhaltig der vierten Gruppe angehörigen Ausstellungsgegenständen ist uns besonders eine schöne, sehr praktisch und instruktiv gezeichnete archäologische Karte von Belgien aufgefallen, welche neben allen auf prähistorische Geographie bezüglichen Fund-Angaben noch eine grosse Anzahl auf die Kirchen- und Kriegsgeschichte des gesammten Gebietes bezüglicher Daten und Notizen, in äusserst übersichtlicher und geschickter Form enthielt. Sie war von Joseph van der Maelen in 4 grossen Blättern im Jahre 1874 zu Brüssel herausgegeben. Eben so verdiente Beachtung folgende von Charles Piot bearbeitete, 1871 von der Königl. Akademie zu Brüssel preisgekrönte Arbeit: Les pays de la Belgique et leur subdivisions pendant le moyen age. Die zugehörige, an

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