Page images
PDF

Temperatur von der Wärme-Axe aus gegen die Norwegische Küste. Es ist diese Wirkung der kalten Landwinde, die die Wärme-Axe von der Küste hinweg wirft. Im Sommer sehen wir dagegen die Wärme-Axe sich der Küste nähern oder sich ganz auf dieselbe zu werfen; zu dieser Jahreszeit wird die Meeresoberfläche von der Luft des Landes erwärmt. In unseren Fjorden ist die Temperatur der Oberfläche im Sommer immer viel grösser im Innern derselben als aussen am Meere, aber im Winter ereignet es sich nicht selten, dass das Innerste der Fjorden sich mit Eis bedeckt, was an der Westküste und in Finmarken an den Mündungen nimmer geschieht.

Sowohl im Winter als im Sommer sehen wir die Wärme der Meeresoberfläche abnehmen von der Wärme-Axe gegen Nordwest oder das Grönländische Meer. Diess ist eine natürliche Folge der hohen Breite und des eiserfüllten Zustandes dieses Meeres. Im Sommer bemerken wir den erkältenden Einfluss dieses Meeres auf die Strecke von der Ostküste Islands bis Schottland, eine Strecke, die sich durch niedrige Luft-Temperatur im Sommer auszeichnet. Die Ursache dieses Phänomens ist nach meiner Ansicht hauptsächlich in den Verhältnissen in der Tiefe des Meeres zu suchen.

In dem gegenseitigen Austausch von Wärme zwischen der Luft und dem Meere ist also die Luft im Ganzen der nehmende und das Meer der gebende Theil. Wie diese Bilanz sich für das Jahr stellt, davon geben die Karte mit den Jahres-Isothermen und die letzte Kolonne in Tabelle II eine Vorstellung. Von der Wärme, die die Meeresoberfläche hat, zieht die Luft an den Küsten einen so grossen Theil an sich, dass die Temperatur des Meeres sich überall gegen die Küsten hin abnehmend zeigt. So erklärt sich die Zungenform der Isothermen vor der Westküste Norwegens und vor den Küsten Schottlands.

Die Temperatur der Luft in den Gegenden, die uns hier interessiren, ist für den grössten Theil des Jahres bedeutend höher als diejenige, die nach Dove die Mittel-Temperatur des entsprechenden Breitengrades für dieselbe Zeit ist. Im Januar ist die thermische Anomalie für den Küstenrand Norwegens von Stat bis Nordkap + 20° C. und in den Lofoten bis + 23°, während sie im Innern Norwegens nur -f- 6° ist. In Stykkisholm ist sie + 18° und in Schottland -f- 14°. Im Juli ist sie negativ auf der ganzen Strecke westlich von der Westküste Norwegens, also in Schottland, auf den Färöer (— 1,5°) und Island (Stykkisholm — 1,4°), während sie positiv ist längs der Küste Norwegens nördlich von Stat, ohne doch mehr als +5° zu erreichen. Im Durchschnitt des Jahres bekommt also die ganze Strecke positive Anomalie.

Wenn die Wärme der Luft bedeutend höher ist als die

durchschnittliche des Breitengrades, und die Wärme der Meeresoberfläche noch höher ist, als die der Luft, so dass es diese ist, die das Verhältniss beherrscht, so werden wir zu dem Schluss geführt, dass die Wärme Ursachen zugeschrieben werden muss, die an anderen Orten zu suchen sind als am Beobachtungsorte; dass sie diesem aus anderen Orten zugeführt werden muss, wo die Naturverhältnisse der Art sind, dass die Wirkung der Sonne auf Luft und Meer im Stande ist, ßie an Ort und Stelle hervorzurufen. Wir sind also genöthigt, den Blick auf südlichere Gegenden zu werfen, und finden dann die Quelle im Nord-Atlantischen Meere, das theils selbst von den Sonnenstrahlen stark erwärmt wird, theils Wärme aus den tropischen Gegenden durch grosse Meeresströmungen empfängt.

Dass es eine Strömung im Meere ist, welche die hohe Erwärmung des Wassers zwischen Island und Schottland, so wie in der Nord-See und dem Meere westlich und nördlich von den Küsten Norwegens hervorruft, erwiesen sowohl direkte Strom-Beobachtungen am Meere ') als die Erfahrungen der Norwegischen Hydrographen und Fischer. Bei der Reise des „Albert" nach Spitzbergen wies Kapitän Otto einen nach Nord gehenden Strom im Meere westlich von der Bären-Insel nach 2). Eine mächtige Treibkraft für diese Strömung, in jedem Falle für die obersten Schichten die wir jetzt betrachten, sind die herrschenden Winde, die im Durchschnitt für das ganze Jahr südwestlich sind3). Die Landwinde des Winters an den Küsten Norwegens, die während der Kälteperioden aus den Fjorden herauswehen , reichen nicht viele Meilen von der Küste weg, während aussen auf dem Meere in solchen Fällen öfters ein südwestlicher Wind weht.

Auf der anderen Seite kennen wir einen vom Polarmeere herkommenden Strom, der längs der Ostküste Grönlands hinabzieht. Dieser Strom ist kalt und Eis führend und bildet einen vollständigen Gegensatz zu dem warmen Strome längs der Küste Norwegens.

Wir werden jetzt zu der Betrachtung der TemperaturVerhältnisse in der Tiefe des Meeres übergehen, durch welche wir erst ein vollständiges Verständniss der Temperatur-Verhältnisse der Oberfläche gewinnen können.

II. Die Temperatur des Meeres in der Tiefe. Vor 1871 wurden mehrere Beobachtungen der Temperatur der Meerestiefe an den Norwegischen Küsten mit

') Irminger. Geogr. Mitth. 1870, Seite 244.

») Geogr. Mitth. 1871, Seite 252, 257.

3) Buchan: The prevaüing Winds of Scotland. Journ. of the Scott. Met. Soc. 1872, p. 294. H. Mohn: Norges Vind- og Storm-Statistik in Norsh Meteorologish Aarbog for 1868.

Cylindern gemacht, in deren Böden aufwärts gehende Ventile waren. Diese Beobachtungen zeigen, wenn man eine Reduktion für die Temperatur-Änderung während des Aufhissens anbringt, eine recht gute Übereinstimmung mit späteren Beobachtungen mit dem Casella-Miller'schen Tiefen - Thermometer. Da indessen diese Resultate immer gegen die mit dem zuletzt genannten Instrumente gefundenen zurückstehen werden, und für einen grösseren Theil der Küste Resultate vorliegen, die auf dem neueren "Wege gefunden sind, so habe ich im Folgenden nur Beobachtungs-Reihen aufgenommen, die seit 1871 mit dem Casella - Miller'schen Thermometer ausgeführt worden sind.

Die Norwegischen Beobachtungen sind alle mit Instrumenten ausgeführt, die im meteorologischen Institute verificirt wurden. Da indessen die Correktion des Instrumentes einer Änderung ausgesetzt ist und nicht für sicher angesehen werden kann, falls es nicht bei der Messung selbst mit einem Thermometer verglichen worden ist, dessen Correktion man kennt, und da Angaben über solche Vergleichung bei einigen Beobachtungs-Reihen fehlen, werden die Resultate solcher Reihen etwas weniger sicher sein. Ich habe bei solchen Reihen die Unsicherheit der Correktion hinzugefügt. Die übrigen Reihen, die den überwiegenden Theil ausmachen, sind nach sicher ausgeführten Vergleichungen mit Normal-Thermometern korrigirt worden. Die Correktionen wegen des Druckes des "Wassers sind nach den von England gegebenen Correktionsdaten ausgeführt worden.

Ausser den Norwegischen Beobachtungen habe ich solche Tiefsee-Temperaturen aufgenommen, die von der Deutschen Expedition auf der „Pommerania" '), von der Britischen Expedition auf dem „Porcupine" 2), von der Französischen Expedition nach Spitzbergen 3) und vom SchiflFs-Lieutenant Weyprecht auf der Expedition nach dem Ost-Eismeere im Jahr 1871 4) ausgeführt sind. Diese Beobachtungs-Reihen sind auch mit dem Casella-Miller'schen Tiefen-Thermometer ausgeführt, mit Ausnahme der Französischen, die mit in Metallhülsen eingekapselten Minimum-Thermometern ausgeführt wurden, und deren Ausführung dafüg bürgt, dass sie den übrigen vollkommen an Güte gleichstehen.

Die Namen der Beobachter sind den Reihen überschrieben. "Wo ein Name zwischen „" steht, ist diess der Name des Expeditions-Schiffes.

[ocr errors][ocr errors][ocr errors][merged small][merged small][ocr errors][ocr errors][ocr errors][ocr errors][merged small][ocr errors][ocr errors][merged small][ocr errors][subsumed]

0

10 20 30 40 50 60 68 B.

10

20

30

50 100 365 B.

[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]

0 5 10 20 30 49

[ocr errors]
[ocr errors]

Naerstrandsfjord. 27. Juli 1872 Mittag. „Pommerania". 0 Faden 19,7°

[ocr errors]

25

50 100 150 200 300 B.

[ocr errors]

Correktion unsicher, aber klein. 2' N. T. Ferklnatad.

9. Febr. 1872 p. m.

Andreasaen. Faden

0 10 20 30 40 50 60 70 80 90

[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors][ocr errors]

') Die Expedition zur physikalisch - chemischen and biologischen Untersuchung der Nord-See im Sommer 1872. Zur Physik des Meeres von Dr. H. H. Meyer.

J) WyTille Thomson: The Dephts of the Sea.

3) Ch. Martins: Memoire sur les tempcratures de la mer glaciale.

«) Geogr. Mitth. 1872, Seite 70.

Andreasaen.

Faden

0 10 20 30 40 50 60 70

4,1°

4.6 ±0,2

4.7 »
4,9 „
5,0 a
5,2 »

5.8 n
5,5 r,

5.4 «

5.5 »

5.9 »

6.1 n 6,1 » 6,6 ■

0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 105

[ocr errors][ocr errors][merged small][ocr errors][ocr errors][ocr errors][merged small][ocr errors][merged small][ocr errors][ocr errors][ocr errors][table][ocr errors][merged small][ocr errors][merged small][ocr errors][merged small]
[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]

6

10 15 20

30 40 50 70 100 250

[ocr errors]
[ocr errors]

Faden 0

10

20

30

[ocr errors]

0

10

20

30

40

50

80
100
150
200
400
700?
Kalvaag.

2 Febr. 1872 Mittag.

LIentn. G. Mbrch.

Faden

[ocr errors]

0 10 20 30 40 50

[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]

0

27 70 75 80

100

[ocr errors]

0

10

20

30

40

50

70 100 170 B.

[ocr errors]
[merged small][merged small][ocr errors]
[ocr errors][ocr errors][ocr errors]
[merged small][ocr errors][ocr errors][ocr errors][ocr errors][ocr errors][ocr errors][merged small][merged small][ocr errors][merged small][ocr errors][merged small][ocr errors][merged small][ocr errors][ocr errors][merged small][ocr errors][merged small][ocr errors][ocr errors][ocr errors][ocr errors][ocr errors][merged small][ocr errors][ocr errors][ocr errors][ocr errors][merged small][ocr errors][merged small][ocr errors][merged small][ocr errors][merged small][ocr errors][ocr errors][ocr errors][ocr errors][ocr errors][ocr errors][ocr errors][ocr errors][ocr errors]

50
100
150
300
340 B.

0,8
7,3
7,2

7,1
6,6

Throndhjerasfjord.

O. v. Ytteröen.
24. Juli 1878 5» p.m

H. Mohn.
Faden

O
10
20
30
40
50
70
100
1S8

16,8°

9,0
7,3
7,0
0,8
6,2
6,2
0,2
5,9

10 8,5

20 7,0

10
20

10,1
8,5

Vestfjorden

TranB ').

16. Juli 1875 a.m.

II. Mohn.

Faden

0 11,8'

10 10,1

20 8,6

Ofotenfjord-Liland.

16. Juli 1876 p.m.

U. Mohn.

Faden

0 12,7°

10 8,7

20 7,2

') liegt da, wo der Westfjord in den Ofotenfjord übergeht. Petermann's Oeogr. Mittheilungen. 1876, Heft XI.

75 100 150 224 B.

8. Aug. 1872 p. m. 10. Juli 1873 p. m.

Faden Faden

0 12,6° 0 10,5°

440 5,8 ± 0,2 300 7,5 ± 0,2

[ocr errors]

61°21N.-3°44'W. 60°56'N. —3°3'0. 61°G'N.— l°50'O. 68°1.VN. —2°21'0.

25. Au«. I»l9a. Iu. 27. Juli 1S74 p. Ol. 29. Juli 1873 p. m. 2S. Juli 1873 p.m.

„Porctiplne". „Hansteen". ..Nomen". „Nomen".

Vaden Faden Faden Faden

0 9,8° 0 15,5° 0 14,2° 0 12,7°

50 7,5 50 9,7 30 9,3 170 7,7

100 7,2 100 9,2 73 8,7 220 6,7

150 6,2 150 B. 8,4

200 4,2 210* 6,8

250 1,2 *)61°0'N.—4°0'O.

300 0,2

350 —0,3

400 —0,6

450 —0,8

500 —1,1

550 —1,1

G00 —1,2

640 B. —1,4

70° 40' N.—23° 35' 71» 1'N. - 2S°23'O. 72» 29'N—19° 51'O. 74° 52'N.—12057'O 15. JulM839. s2- August 183S. 21. Aug. 1839. 19. Aug. 1839.

Ch. Martins. Cfa. Mnrtins. Ch. Martins. Gb. Martins.

Faden Faden Faden Faden

0 5,0° 0 7,2° 0 6,4° 0 5,1°

63 4,2 43 3,9 86 4,6 64 3,8

104 B. 3,9 127 B. 3,9 207 3,6 259 B. 0,8

76°1S'N.—12° 76° 57' K. — 13« 6fi» 15'N. — 5» 72° 30' N —44» O. 77° 26' N. bis

4V O. 29' O. IV W. 44° O.

18. August 1839. 28. Juli 1839. 5. Juni lh72 p. m. Sommer 1871. Sommer 1871.

Cli. Martins. Ch. Martins. Lieut. Ring. Weyprecht. Weyprecht.

Faden Faden Faden Faden Faden

0 4,7° 0 3,2° 0 5,6° 2 4,8° 1 2,2°

50 2,9 83 3,5 50 1,8 24 2,5 5 2,2

210 B. 0,8 170 B. 1,6 100 —0,4 29 2,0 6 1,8

340B. 0,2 200 —1,5 34 1,5 7 0,3

300 —2,3 39 1,3 10 0,3

44 1,0 12,5—0,9

49 0,5 15 —0,8

60 0,5 20 —1,6

75 0,0 30 —1,8

100 —0,4 60 —1,6

133 —1,3

Aus diesen Beobachtungen sieht man, dass die Temperatur des Meeres im Sommer mit der Tiefe abnimmt. Im Allgemeinen ist diese Abnahme am stärksten in den oberen Schichten und wird mit der Tiefe schwächer. Im "Winter dagegen zeigen die Beobachtungen aus dem Skagerak, vom Meere bei Udsire und aus Kalvaag, so wie mehrere ältere Beobachtungs-Reihen vom Meere bei dem letztgenannten Orte und ausserhalb Aalesund, dass die Temperatur an der Küste mit der Tiefe wächst, so weit herab als die Beobachtungen reichen. Die Zunahme der Temperatur in der Tiefe während des Winters ist gleichmässiger, als ihre Abnahme im Sommer, und in den oberen Schichten merklich schwächer als diese.

Diese wechselnde Vertheilung der Temperatur in vertikaler Richtung im Sommer und im Winter lässt sich direkt auf die Wirkung der Luft auf die Oberfläche-zurückführen. Im Sommer ist, wie wir gesehen haben, die Luft wärmer als die Oberfläche des Meeres, und diese ist also sowohl hierdurch, als durch die Wirkung des höheren Sonnenstandes und des längeren Tages einer starken Erwärmung von oben ausgesetzt. Aber diese Erwärmung kommt hauptsächlich der Oberfläche und den oberen Schichten zu Gute, denn nur langsam vollzieht sich die Leitung der

Wärme hinab durch das Wasser. Die oberen erwärmten Schichten werden zur selben Zeit ausgedehnt, werden leichter als die unterliegenden, und behaupten daher eine stetige Tendenz, oben zu bleiben, ohne sich mehr mit den unterliegenden Schichten zu mischen, als Wellenbewegung und Strömungen bewirken können. Die oberen Wasserschichten werden also im Laufe des Sommers gewissermaassen überhitzt, und es entsteht ein starker Gegensatz zwischen ihrer Temperatur und der der tieferen Schichten, die nur langsam ihren Zuwachs von Wärme durch Leitung von oben bekommen.

Im Winter ist die Luft kälter als die Oberfläche des Meeres und die direkte Wirkung der Sonne gering. Der Gegensatz zwischen der Temperatur der Luft und der Meeresoberfläche ist grösser als im Sommer. So wird das Wasser zu dieser Jahreszeit von oben her abgekühlt. Das abgekühlte Wasser der Oberfläche wird dichter und schwerer als die unterliegenden Schichten; wenn es mit diesen durch Wellenschlag und Strömungen gemischt wird, sinkt das kältere und dichtere Wasser nieder, und das leichtere von unten kann heraufsteigen, um wieder seinerseits abgekühlt zu werden und nieder zu sinken. Also erfolgt eine Abkühlung des Wassers von oben nicht allein dureh Leitung, sondern durch wirkliche Bewegung abgekühlten Wassers nach abwärts. Das Resultat ist, dass die Temperatur des Wassers ziemlich gleichmässig gegen die Tiefe hin zunimmt.

Eine eigenthümliche Erscheinung, die mir bei der ersten Beobachtung am 15. Juli 1875 in der Mündung des Vestfjordes unerwartet und auffallend war, die sich aber später an mehreren anderen Orten zeigte, muss ich hier erwähnen. Ich spreche von dem Umstände, dass die Temperatur des Wassers abwärts bis zu einer gewissen Grenze abnimmt, dann aber sich wieder zunehmend zeigt mit der zunehmenden Tiefe. Die Erscheinung wurde von mir im Sommer 1875 beobachtet im Vestfjorde, sowohl an der Mündung wie im Innern, im Ofotenfjorde, bei Bjarkö, in Stjernsund, und in der Mündung des Varangerfjordes, und von Herrn Dietrichson ausserhalb Jondal im Hardangerfjorde im Juli 1873. Am letzten Orte hatte die Temperatur ihr Minimum in 40 Faden Tiefe, an der Mündung des Vestfjords war diess in einer Tiefe von 60 bis 70 Faden, weiter hinein bei Tranö in 50 Faden, noch weiter hinein, im Ofotenfjorde, in 30 Faden, bei Bjarkö in 60 Faden, im Stjernsund in 90 Faden, in der Mündung des Varangerfjordes in 110 Faden. Unter dieser Tiefe war die Temperatur steigend und, wie es nach den Beobachtungen scheint, bald zu einer constanten Temperatur übergehend. Es muss hier bemerkt werden, dass das Casella-Miller'sche Thermometer, seiner Construktion zufolge, streng genommen eine exakte Bestimmung der Temperatur in einer grösseren Tiefe als der, wo sie ihr erstes Minimum (oder im Winter Maximum) hat, nicht zulässt, da das Instrument, wenn es auch in einer grösseren Tiefe mit einer höheren AnfangsTemperatur ankommt und hier die Temperatur des Wassers annimmt, die vom Index registrirt wird, später, wenn es aufgezogen wird, durch eine kältere Wasserschicht passiren und solcherweise eine gewisse Ahkühlung (oder Erwärmung) erleiden muss, die den Index auf eine niedrigere (oder höhere) Gradziffer versetzt. Indessen hatte dieser Umstand bei meinen Temperatur-Messungen auf dem Dampfschiffe „Hansteen" im Jahre 1875 keine praktische Bedeutung. Ich sorgte nämlich dafür, dass das Thermometer in den tieferen Schichten stets mit einer Temperatur ankam, die mehrere Grade höher war, als die dieser Schichten. Hier wurde das Thermometer, während mindestens 5 Minuten in stetiger auf- und abgehender Bewegung gehalten, eine Zeit, die Bpecielle Versuche mir als hinlänglich für eine vollständige Accommodation gezeigt hatten. Darauf folgte die Aufhissung mittelst Dampfwinde so geschwind, dass das Thermometer beim Durchgang durch das kältere Wasser nicht Zeit erlangte, um merklich abgekühlt werden zu können; dazu war die Temperatur dieser kältesten Schicht zu wenig verschieden von der höheren der Tiefe und das Thermometer zu träge. Ich hege daher das Vertrauen, dass die in den Tabellen gegebenen Ziffern die richtige Temperatur der Tiefe bis auf grosse Tiefen angeben. Was die Fälle anbetrifft, in welchen die Tiefe des Bodens sehr gross war, so dass das Thermometer bis 4 Minuten brauchte, um vom Boden bis auf die kälteste Schicht aufgehisst zu werden, wie z. B. ausserhalb Tranö, so könnte man sich denken, dass die Tiefe gegen den Boden hin eine merkliche höhere Temperatur hatte als die, welche der Minimum-Index registrirte, wenn das Thermometer aus dem Wasser herauf kam, indem in einem solchen Falle das Thermometer Zeit erlangte, sich abzukühlen und zu accommodiren, durch den Durchgang vom Boden nach der kältesten Schicht. Analogien aus anderen Fjorden machen indessen eine solche Annahme wenig wahrscheinlich, und so dürfen wir auch in diesen Fällen die angegebenen Temperaturen als richtig ansehen. Wünschenswerth bleibt es aber für jeden Fall, sie durch andere Instrumente bestätigt zu erhalten, welche die absolute Temperatur geben.

Gehen wir von den Verhältnissen des Winters aus, so finden wir die Temperatur am niedrigsten in der Oberfläche und mit der Tiefe zunehmend. Die Vertheilung der Temperatur kann dann durch eine Curve wie ab Fig. 1 ausgedrückt werden. Im Frühling fängt die Erwärmung an von oben zu wirken; die obersten Schichten werden wärmer und diese Wärme wird langsam abwärts geleitet; die Curve nimmt die Gestalt cdb an. Es entsteht ein

Temperatur-Minimum bei d. Beispiele hiervon finden sich unter den Beobachtungen, die im Meere ausserhalb Florö mit Cylindern gemacht worden sind. Im Sommer setzt sich die Erwärmung und die Wärmeleitung von oben fort, die Curve nimmt die Form efb an, und es findet sich ein Wärme-Minimum bei f. Eine solche Curve drückt das erwähnte Verhältniss deutlich aus. Das Wärme-Minimum in der Tiefe ist ein Rest der Wirkung der Winterkälte. Es ist wahrscheinlich, dass es später verschwindet, indem die Curve im Herbst die Form gh annimmt, aber beim herannahenden Winter dürfte die Kälte der Luft derart auf die Oberfläche wirken, dass die Curve die Form ikhb annähme, mit einem Wärme-Maximum bei k. Beobachtungen aus dieser Jahreszeit fehlen indessen noch.

Die vorliegenden Beobachtungen geben einige Anhaltspunkte zur Bestimmung der jährlichen Variation in verschiedenen Tiefen. Nehmen wir das Mittel für die verschiedenen Tiefen der Temperatur-Bestimmungen der „Pommerania" im Skagerak ausserhalb Lindesnes, die im Sommer . gemacht sind, und vergleichen wir sie mit den entsprechenden Bestimmungen von Kapit. C. Bruun für Februar-März, indem wir eine Curve für beide aufstellen, so finden wir, dass die Variationen vom Sommer bis Winter sind:

Oberfläche (Lindesnes, Tab. I) 12,4°

10 Faden Tiefe 6,8

20 3,4

30 2,8

40 1,2

50 0,3

60 0,9

70 0,S

80 0,1

100 0,0

Die Grösse der Variation nimmt rasch von der Oberfläche aus ab und verschwindet in der Tiefe von 100 Faden, wo die Temperatur 6,6° ist.

Vergleichen wir Boden-Temperaturen, die vom Dampfer „Hansteen" aus im Sommer 1872 ausserhalb des Bukkenfjord und Bömmelfjord beobachtet wurden, mit Beobachtungen von der Inspektion der Härings-Fischerei, an denselben Orten im Februar desselben Jahres gemacht, so finden wir folgende Variationen:

Oberfläche (üdsire, Tab. I) 11,3°

20 Faden Tiefe 7,7

30 6,0

40 4,5

50 3,6

60 3,0

70 2,8

80 1,9

90 1,8

100 0,7

110 0,4

Die Variation der Temperatur nimmt hier langsamer ab und verschwindet, dem Laufe der Curven gemäss, bei etwa 130 Faden, wo die Temperatur etwa 7° ist.

« PreviousContinue »