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200 niedlichen Bretterhäuschen vor sich zu sehen und muss den Unternehmungsgeist der Ansiedler bewundern, welche diese ganze Stadt aus einer Entfernung von 200 Meilen auf Wagen hier heraufgeschleppt haben. Noch zwei Jahre vorher war keine Spur einer menschlichen Wohnung auf dieser Stelle zu finden, als ein sogenanntes Minen-Fieber, hervorgerufen durch die Nachricht von neu entdeckten reichen Silberquellen, über Tausend Spekulanten zusammentrieb. Gleichzeitig mit einer solchen Wanderung erscheinen in der jungen Ansiedelung zahlreiche Schnappshöhlen und Spiellokale, in denen sich fast alltäglich Schiess - Affairen entwickeln.

„Die Minen von Panamint wurden bald von zwei grossen Aktien-Gesellschaften monopolisirt und alle kleineren Unternehmer dadurch zur Auswanderung gezwungen. So sahen

wir denn während unseres mehrwöchentlichen Aufenthaltes in dortiger Gegend allnächtlich Panamint-Müde das Städtchen verlassen — das Reisen am Tage sucht man der Hitze halber zu vermeiden —, um nach Darwin city, 60 Meilen weiter nordwestlich, überzusiedeln, welches gerade jetzt zum Central-Punkte eines neuen Minen - Fiebers wurde. Als wir hinkamen, fanden wir an 25 Wohnungen in einer Ebene aufgebaut, den Eindruck machend, als ob hölzerne Häuschen aus einer Spielschachtel genommen und auf einem Brett aufgestellt worden wären. Kein Baum, kein Gras, bloss ein paar Wüstenbüsche zieren die sandige Ebene. Das Wasser wird 9 Meilen weit hergeleitet und verkauft. Entsprechen die Minen den Erwartungen nicht, so wird vielleicht in zehn Jahren die Stelle schwer zu finden sein, wo Darwin gestanden".

Die Temperatur-Verhältnisse im Meere zwischen Norwegen, Schottland,

Island und Spitzbergen.

Von H. Mohn.

(Mit 7 Karton und 2 Profilen, s. Tafol 22.)

I. Die Temperatur der Oberfläche des Meeres.

Im Jahre 1870 veröffentlichte ich eine Übersicht über die Temperatur des Meeres zwischen Island, Schottland und Norwegen '). Seit der Zeit sind die Beobachtungen der Meeres-Temperatur sowohl in den Stationen an den Ufern dieses Meeres, wie auch auf Norwegischen Schiffen, die dasselbe durchsegelt haben, fortgesetzt worden. Veranlasst durch die diesjährige Norwegische Untersuchungs-Expedtiion nach diesem Meere, habe ich das Studium der TemperaturVerhältnisse wieder aufgenommen, für welches in den letzten Jahren viel neues Material angesammelt ist.

Das mir zu Gebote stehende Material ist folgendes: a. Beobachtungen aus einer Reihe von Leuchtthurm-Stationen an der Küste Norwegens, veranlasst und gesammelt vom Norwegischen Meteorologischen Institute; b. Beobachtungen von den Küsten Schottlands, von den Schottischen Inseln, von den Färöer und aus Island, gesammelt und veröffentlicht von der Schottischen Meteorologischen Gesellschaft; c. Beobachtungen von Norwegischen Schiffen, nach den Instruktionen des Norwegischen Meteorologischen Instituts ausgeführt und von diesem gesammelt. Die benutzten Beobachtungen umfassen im Ganzen den Zeitraum von 1867 bis 1875. Mit Rücksicht auf die einzelnen Beobachtungsreihen ist Folgendes zu bemerken:

') Temperature de la mer entre l'Islande, l'Ecossc et la Norvoge.

a. An den Norwegischen Stationen werden die Beobachtungen der Regel nach jeden Tag gemacht. Die Fehler der Thermometer sind bekannt und als Correktionen angebracht. An den meisten Stationen sind die Beobachtungen um 8 Uhr Morgens gemacht. Für die Stationen und Monate, wo diess nicht der Fall ist, ist es möglich gewesen, die beobachteten Temperaturen auf wahres Tagesmittel zu reduciren, indem sowohl von nahe gelegenen Stationen als von Norwegischen Kriegsschiffen Beobachtungen vorliegen, die mehrere Mal innerhalb 24 Stunden angestellt sind. Diese Correktionen übersteigen im Sommer für 2 Uhr Nachmittags nicht 0,3° und sind im Winter verschwindend. Da, wo sowohl am Morgen als am Abend beobachtet worden , ist das Mittel von diesen beiden Beobachtungen genommen. Die Stationen sind:

1. Fruholmen, westlich vom Nordkap gelegen. Die Beobachtungen werden in einem Sunde angestellt, wo die Gezeiten das Wasser stets in Bewegung halten, so dass die beobachteten Temperaturen sehr gut für das ausserhalb liegende Meer angenommen werden dürfen. Die Beobachtungen laufen, mit mehreren grösseren Lücken, von September 1867 bis September 1875.

2. Andenes. Nordspitze von Vesteraalen. Die Ufer sind seicht, daher wird die Temperatur des Meeres im Sommer und Winter von der Temperatur der Luft stark beeinflusst und zeigt deshalb eine verhältnissmässig starke jährliche Änderung. Andenes repräsentirt also das ausserhalb liegende Meer nur schlecht, mit Ausnahme von Frühling und Herbst. Die Beobachtungen laufen ohne Unterbrechung von Juli 1867 bis September 1875.

3. Seine in West-Lofoten. Guter Beobachtungsort. Die Beobachtungen laufen von Dezember 1868 bis Juli 1871. Sie sind durch Vergleichung mit Andenes auf die vollständige Periode für diese Station 1867—75 reducirt worden.

4. Prästö. Foldenfjord. Guter Beobachtungsort. Die Beobachtungen laufen von August 1872 bis September 1875. Sie sind durch Hülfe der Beobachtungen auf Ona auf die Periode 1868—75 reducirt worden.

5. Ona ausserhalb Romsdal. Guter Beobachtungsort. Die Beobachtungen laufen von Februar 1868 bis September 1875, ohne Lücken.

6. Hellüö ausserhalb der Westküste. Guter Beobachtungsort. Die Beobachtungen laufen von August 1867 bis September 1875.

7. Udsire ausserhalb der Westküste. Sehr guter Beobachtungsort. Juli 1867 bis September 1875.

8. Lider. Das Ufer ist seicht, wie bei Andenes. Juli 1867 bis September 1875.

9. Lindesnes. Guter Beobachtungsort. Dezember 1867 bis September 1875.

10. Torungen (Lille-) Skagerak. Guter Beobachtungsort. Juli 1867 bis September 1875.

b. Stationen auf Island, den Färöer und auf den Schottischen Küsten und Inseln.

1. Stykkisholm. Westküste von Island. Die Strömungen der Gezeiten sind im Hafen ziemlich stark. Oktober 1866 bis Dezember 1874.

2. Reykjavik. Westküste von Island. August 1866 bis Mai 1871, und Januar bis September 1874.

3. Thorshavn. Färöer. Die starken Gezeiten-Strömungen in den Sunden zwischen den Färöer bewirken, dass die Temperatur der Meeresoberfläche daselbst im Sommer niedriger und im Winter vielleicht etwas höher ist als im Meere ausserhalb '). 1866 bis Juli 1876. Mittheilung des Sorenskriver H. E. Host in Thorshavn.

4. East Yell. Shetland. Oktober 1858 bis Juni 1869.

5. Sandteick. Orkney. Juli 1866 bis Dezember 1874.

6. Stornoway. Hebriden. Juli 1866 bis Dezbr. 1874.

7. Bernera. Hebriden. Septbr. 1859 bis Dezbr. 1870.

8. Oban. Westküste von Schottland. Mai 1859 bis März 1865.

9. Otter Haute. Westküste von Schottland. Oktober 1859 bis August 1867.

') Journal of the Scottish Meteorological Society 1873, p. 90—97.

10. Westhaven. Ostküste von Schottland. Januar 1857 bis März 1871.

11. Barry. Ostküste von Schottland. Januar 1867 bis Dezember 1874.

12. Dunbar. Ostküste von Schottland. Januar 1857 bis Dezember 1864.

Nr. 4, 7, 8, 9 und 12 sind auf denselben Zeitraum wie Nr. 10 ■) reducirt worden.

c. Die Beobachtungen der Temperatur der Meeresoberfläche von Norwegischen Schiffen, die von dem Norwegischen Meteorologischen Institute gesammelt worden, sind nach dessen Instruktionen ausgeführt und zwar zum grössten Theile mit Thermometern, deren Correktionen vom Institute bestimmt wurden. Sie gehen von 1867 bis 1875, und sind in Protokolle einregistrirt für Flächen, die 2 Grad in Länge und in Breite umfassen, ein Buch für jeden Monat. Für jede solche Fläche wurden die Monatsmittel der Beobachtungen genommen. Zum grössten Theil erhielt man diese Mittel durch Division der Summe durch die Anzahl, nur für die Strecken, wo in mehreren Jahren jedes für sich gut repräsentirt war, wurde zuerst das Mittel für jedes Jahr genommen und dann aus diesem ein Normalmittel mit gleichem Gewichte für jedes Jahr. Es ist hauptsächlich die Nordsee, die auf diese Weise auf den Karten gut repräsentirt ist. Die solcherweise gefundenen Mittel-Temperaturen habe ich in Karten für jeden Monat eingetragen. Da indessen die Zahl der Beobachtungen noch gering ist, und grössere Strecken nur schwach oder gar nicht vertreten sind, habe ich diese Karten nicht publiciren wollen, sondern , um dem Veröffentlichten eine grössere Sicherheit zu geben, vorgezogen, die Resultate für je zwei Monate zusammen zu werfen. Hierbei sind nun jene Felder des Meeres mitgenommen worden, wo sich Beobachtungen für beide der respektiven Monate fanden. Die so gefundenen Zahlen und die correspondirenden für die Küsten-Stationen sind in den Karten eingetragen und dann nach ihnen die Isothermen gezogen.

Die Karte (Tafel 22) enthält die monatlichen Temperaturen der Meeresoberfläche für die Küsten-Stationen. Für das Meer verweise ich auf die zweimonatlichen Ziffern auf den Karten. In der Tabelle bezeichnen die kleinen, der Temperatur-Angabe vorangehenden Ziffern die Anzahl der Jahre, aus denen das Mittel gezogen ist. * bezeichnet Minimum f Maximum. Die Differenz zwischen diesen ist in der Rubrik „Var." aufgeführt und bezeichnet sehr annähernd die jährliche Variation oder Amplitude der Temperatur der Meeresoberfläche.

') Journal of the Scottish Meteorological Society 1871, p. 153.

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Betrachten wir nun die Karten: Im Januar und Februar bilden die Isothermen zungenförmige Figuren, deren Spitzen westlich von Schottland gegen NO., westlich von Norwegen gegen NNO. zeigen. Durch diese Zungenspitzen kann man eine Linie ziehen, welche die Eigenschaft hat, dass die Temperatur zur Rechten und zur Linken der Linie am raschesten abnimmt; die Temperatur nimmt längs dieser Linien gegen NO. oder NNO. ab, gegen SW. oder SSW. zu. Ich habe diese Linie die „Wärme-Axe" genannt. Von der "Warme-Axe aus nimmt die Temperatur auf der einen Seite gegen Island und das Grönländische Meer, auf der anderen Seite gegen die Küste Norwegens ab. Die Nord-See ist wärmer als das Skagerak.

Im März und April sind die Verhältnisse den für Januar bis Februar gefundenen sehr ähnlich.

Im Mai und Juni zeigt sich eine Änderung. Die WärmeAxe ist weniger ausgeprägt, aber immer noch erkenntlich von Schottland und den Färöer aus bis gegen das Weisse Meer. Als ein neuer Zug tritt eine Zunge auf mit relativ kaltem Wasser, an der Ostseite Islands entlang und gegen die Färöer zu laufend. Im Mai ist der westliche Theil der Nord-See noch der wärmere; im Juni tritt das entgegengesetzte Verhältniss ein.

Im Juli und August senken die Isothermen sich stark gegen die Färöer hinab, und noch mehr gegen Schottland, dessen Küsten eine merklich niedrige Meeres - Temperatur zeigen. Die Temperatur des Meeres ist in Thorshavn bedeutend niedriger als am Meere ausserhalb der Färöer — eine Wirkung der starken Strömungen in den Färöischen Sunden. Bei der Construktion der Isothermen dieser Monate ist daher auf Thorshavn keine Bücksicht genommen.

Längs der Westküste Norwegens werfen die Isothermen sich hoch empor, und von Lindesnes bis Stat zeigen sie eine ausgeprägte Zungenform. Nördlich von Stat ist die WärmeAxe so zu sagen auf das Land geworfen. Die Nord-See ist am kältesten an der Küste Schottlands, am wärmsten im Skagerak.

Im September und Oktober findet eine Rückkehr zu den Winterverhältnissen Statt. Im September strecken sich die Isothermen im Ganzen ohne Biegungen von SW. nach NO. Der östliche Theil der Nord-See ist am wärmsten.

Im Oktober nehmen die Isothermen nördlich von dem 60. Breitengrade wieder die Zungenform an, und die Wärme-Axe, die im September verwischt war, tritt wieder hervor. Im Mittelresultate für beide Monate sieht man sowohl das Abnehmen der Wärme gegen NW. im nördlichen Theil der Nord-See, wie eine warme Zunge von den Orkneys bis an die Westküste Norwegens, welche das Entstehen einer Minimum-Zone mit weniger als 12° zwischen Schottland und dem südlichen Norwegen bewirkt.

Im November und Dezember sehen wir die WärmeAxe wieder auf einer ähnlichen Weise wie in den ersten Monaten des Jahres. Die Reise des „Albert" nach Spitzbergen im November und Dezember des Jahres 1872 ') erlaubt uns, die Isothermen gegen Spitzbergen hin auszudehnen.

Die Änderung der Temperatur im Laufe des Jahres an den Küsten ist aus der letzten Rubrik in Tabelle II zu ersehen. Sie ist am kleinsten an den Färöer, den Schottischen Inseln und der Westküste Schottlands, was haupt

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sächlich durch die niedrigere Sommer - Temperatur zu erklären ist, welche ihre Ursache, wenigstens auf den Färöer, in den starken Strömungen in den Sunden hat, die das kältere Tiefwasser an die Oberfläche bringen. Die Temperatur-Änderung ist am grössten an den Orten der Küste Norwegens, wo die Ufer seicht sind (Andenes, Lister) und wo das Meer von grösseren Landstrecken mehr eingeschlossen ist (Torungen). Bei diesem Elemente spielen die LokalVerhältnisse eine so grosse Rolle, dass es zu der Erklärung der wechselnden Vertheilung' der Meeres - Temperatur im Laufe des Jahres keine sichere Anweisung giebt.

Die Temperatur der Luft und des Meeres stehen in

einer fortwährenden "Wechselwirkung. Wenn sie ungleich sind, giebt das eine Element "Wärme zum anderen ab, und hierin finden wir einen bedeutsamen Faktor für die Erklärung der Temperatur - Verhältnisse in der Oberfläche des Meeres. Tabelle II zeigt, um wie viele Grade die Oberfläche des Meeres in den verschiedenen Monaten und für das ganze Jahr wärmer (oder kälter, mit — bezeichnet) ist, als die Luft. Für Island, die Schottischen Inseln und Schottland ist die Temperatur der Luft aus Buchan's Tafeln ') genommen; für Thorshavn aus einer Mittheilung des Sorenskriver Host daselbst.

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Man sieht, dass das Meer im grössten Theile des Jahres wärmer ist als die Luft; nur in den Sommermonaten ist es kälter. Der Unterschied zwischen beiden Temperaturen ist im "Winter bedeutend grösser als im Sommer. Der WärmeUberschuss des Meeres ist an den meisten Orten am grössten im November, wenn die Temperatur der Luft in rascherem Sinken ist als die des Meeres, das seine Wärme länger als die Luft behält. Der bedeutendste "Wärme-Überschuss findet sich bei der nördlichsten Station, Fruholmen, im Februar, und reicht bis über 7°.

Die Wirkung der Luft ist also im grössten Theile des Jahres, und namentlich in den Wintermonaten, eine Abkühlung der Oberfläche des Meeres. Im Sommer findet im Ganzen genommen eine kleine Erwärmung Statt. Im Durchschnitt des ganzen Jahres ist die Wirkung eine abkühlende.

Die Luft-Temperatur, die solcherweise auf die Meeresoberfläche wirkt, ist diejenige , die sich über den Küstengegenden der Länder findet. Diese ist wesentlich durch die Temperatur in dem Innern der Länder bedingt. Namentlich gilt das für diejenigen Küsten, die grösseren Ländern

angehören, und für den Winter. Denn zu dieser Jahreszeit sucht die Wärme - Ausstrahlung über einem grösseren Lande barometrische Maxima hervorzurufen, welche Winde bewirken, die auswärts gegen die Küste wehen und so dieser die niedrigere Temperatur des Innern zuführen. In Norwegen sind die herrschenden Winde des Winters solche Landwinde, die aus allen Thälern und Fjorden herauswehen. Im Sommer dagegen sucht die Wärme barometrische Minima im Innern der Länder hervorzurufen, und die herrschenden Winde auf der Küste werden Seewinde, die relativ kühl sind. Auf Inseln treten diese Verhältnisse um so weniger deutlich hervor, je kleiner die Inseln sind und je mehr oceanisch ihre Lage ist. Auf seichten Ufern folgt die Temperatur des Meeres leichter der der Luft in ihrer jährlichen Änderung.

Auf den Isothermkarten für den Winter sehen wir diese Wirkung des Landes in der raschen Abnahme der

') Journal of the Scottish Meteorological Society, 1871, p. 112 — 113.

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