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gegen 10 Uhr Nachts Tchukavalla Springs zu finden. Mit einer merkwürdigen Klugheit spürten dort sofort die Maulthiere das etwas versteckt liegende Wasser auf und drängten sich gierig um das Bassin. Welches Beissen, welches Schlagen, welches Streiten um einen Schluck Wasser!

Die Quelle liegt am westlichen Fuss des Tchukavalla Peaks, dessen Form von Ferne gesehen an ein von einer Pyramide durchstochenes Trapezoid erinnert. Der Gipfel, dessen Seehöhe 4600 Fuss kaum übersehreiten dürfte, ist wegen grosser Steilheit unerreichbar. Die wesentlichsten Gesteine sind Granit, Gneiss, Syenit und Glimmerschiefer; der darin enthaltene Quarz hat nicht selten eine Amethystfarbe, was auf Anwesenheit von Mangan schliessen lässt. Mehrere Gänge von Basalt und Trachyt durchsetzen den Berg, während der Basis entlang bedeutende Schichten quaternären groben Conglomerates abgesetzt sind.

Vom Berg ziehen sich radienartig zahlreiche und tiefe Regenwege weit hinaus in die |mit geschwärztem Gestein bedeckte Wüstenfläche, mit welcher der weisse Sand und die grünen Akazien-Alleen der ersteren lebhaft contrastiren. Leicht wird man versucht, fliessende Gewässer zu vermuthen, wenn man die grünen Linien von Weitem erblickt, aber ach! kein rettender Tropfen findet sich im Sandbett I vor! Noch giebt man die Hoffnung nicht auf, man wähnt, wo diese stattlichen Bäume (Acacia Wrightii, Olneya tesota) Wurzel fassen, da könnte man in geringer Tiefe auf Wasser stossen. Abermalige Enttäuschung! Versuche zeigten, dass man in jenen Ebenen erst in 60 F. Tiefe auf Wasser trifft.

Wendet man den Blick von der traurigen Ebene, deren einzige Zierde sehr vereinzelt stehende Exemplare von Larrea Mexicana, Opuntia raniosissinia und Fouquieria splendens sind, auf die lebhaft grünen Baumreihen der Regenwege, so glaubt man, einen Widerspruch der Natur vor sich zu haben. Indessen lässt sich die Erklärung bei näherer Betrachtung finden. Der Sand der Regenwege ist feinkörnig genug, um einem darauf fallenden Samen die Entwickelung zu gestatten, besonders wenn durch einen Regen der Same mit einer Sandschicht bedeckt wurde. Auf der mit grobem Geröll förmlich gepflasterten Ebene kann der Akazien-Same nicht Wurzel fassen. Würde man ihn aber etwa 1 Fuss tief pflanzen, so dürfte sich die Entwickelung des Baumes erwarten lassen.

Von Tchukavalla Springs aus musste ein Marsch von 30 Meilen gemacht werden, um zu Canon Springs zu gelangen, denn Coyote wells, 12 Meilen weit entfernt, war ausgetrocknet. Auf diesem Wege begegneten wir einigen mit wahrhaft luxuriöser Vegetation bedeckten Regenwegen, welche die geneigte von vulkanischen flügelreihen durchzogene Ebene durchschneiden. Nach einem weiteren Marsch von 12 Meilen waren wir bis unterhalb der Höhe des

Meeresspiegels herabgestiegen und hatten uns den imposanten Jacinto Mountains bedeutend genähert. Wir kampirten in der kleinen Oase Dos Palms, wo wir zum ersten Mal wild wachsende Palmen antrafen. Das Wasser des Teiches, an welchem diese Bäume wachsen, hat einen unangenehmen Geschmack, welcher der Gegenwart von Gyps, Bittersalz und Kochsalz zuzuschreiben ist. Die kleine, kaum einen halben Quadrat-Kilometer bedeckende Oase steht am Ostrande eines ehemaligen Seebodens (Big Dry Lake), der den südlichsten Theil des an 80 Meilen langen, durchschnittlich 15 Meilen breiten, im Osten von den Ausläufern der San Bernardino Mountains, im Westen von den Jacinto Mountains eingefassten Coahuila- oder Cabezon-Thales bildet, eines Wüstenthaies par excellence. Der Seeboden besteht aus einer thonigen Ablagerung, die mit Flecken von Salz-Efflorescenzen bedeckt ist und ausser dem Salzgras und der Salz-Stachys nichts hervorbringt; Meilen weit sieht man nichts als blanken Thon, über welchen Süsswasser-Muscheln ausgestreut liegen. Der ehemalige See, dessen Ufer sehr schön an den Abhängen der Jacinto-Berge durch eine dicke Kalkkruste, welche auf weithin lebhaft vom Granit absticht , angezeigt wird, reichte bis einige Meilen nördlich von der kleinen Oase „Los Toros" und war, allem Anschein nach, noch bis in die jüngste Zeit herauf in Existenz , wofür die mit dem groben Granitsand gemischten Muscheln sprechen, die man der Berg-Basis entlang antrifft. Wären bedeutende Zeiträume seit dem Vertrocknen des See's verschwunden, so hätte sicherlich dieser grobe Granitsand, durch Regen in Bewegung gesetzt, diese dünnen Schalen längst zertrümmert und die vereinte Thätigkeit von Wasser und Luft die Fragmente verzehrt. Die Kauvuya-Indianer besitzen noch Überlieferungen, die sich auf den ehemaligen See beziehen. Worauf ist nun die Wasserabnahme zurückzuführen? Am besten scheint sich mir dieselbe durch eine allmähliche Veränderung des Niveau's erklären zu lassen, wie ich diese auch schon für Neu-Mexiko angenommen habe (s. „Geogr. Mitth." 1875, S. 447). Dass die Wasserabnahme wie in Neu-Mexiko, so auch hier in der Mohave-Wüste fortdauert, beweist die in den letzten 15 Jahren beobachtete Vertrocknung von Quellen (z. B. einer grossen Quelle in der Nähe des El Dorado Canons). Im Gegensatz hierzu bemerken wir in Utah eine stetige Zunahme von Wasser, der grosse Salz-See ist seit den letzten 25 Jahren um 15 Fuss gestiegen ') und dürfte, wenn keine

') Die Mormonen glauben, dass dieser See einen unterirdischen Abfluss hatte, der sich allmählich verstopfte; da sie mit dem Betrag der Verdunstung nicht zu rechnen wissen, so schien ihnen die Annahme des unsichtbaren Abzugskanals nothwendig zu sein, um das Gleichgewicht mit dem durch drei Bäche dem See gelieferten Wasser erklären zu können. Freilich bedenken sie nicht, dass in diesem Falle der Salz-See bald in einen Süsswasser-See verwandelt sein würde. Andere setzen Unterbrechung Statt findet, in weniger als einem halben Jahrhundert die Strassen der Mormonen - Hauptstadt unter Wasser setzen. Ich nehme an, dass sich in Utah eine Hebung des Landes vollzieht; die ausgedehnten Gebirge ragen mit ihren Gipfeln immer mehr in kühlere Regionen; Wolken, die sonst theilnahmlos über das Land hinweggejagt sein würden, finden einen Anziehungspunkt in diesen Wassersammlern, sie geben ihre Feuchtigkeit ab, Quellen entstehen, Bäche schwellen und der wiederum günstige Baumwuchs bedeckt mehr und mehr die Gebirge. Da die Anziehung im Quadrate der Annäherung wächst, so muss eine Hebung eines eiuigermaassen ausgedehnten Gebirges, um wenn auch bloss 50 Fuss, eine merkbare Vermehrung des Wolkenniedprschlages zur Folge haben.

Die 27 Meilen lange Strecke zwischen Dos Palms und Los Toros, einer kleinen Oase an den Abhängen des Jacinto-Gebirges, ist sehr öde. Einige Quellen, an denen man vorüberkommt, enthalten bitter und salzig schmeckendes Wasser, bei Los Toros aber ist es rein und trinkbar. Hier beobachtete ich einen ausserordentlichen Temperatur-Contrast, die Temperatur bei Sonnenaufgang betrug nämlich 17,7° C., um 3 Uhr Nachmittags aber 42°,2 C., also ein Unterschied von 24,5° C. in neun Stunden, der wohl theilweis auf die hohen, ungemein steilen, die Sonnenhitze reflektirenden Felswände der unmittelbaren Nachbarschaft zu setzen ist. Ausser von einem Weissen ist diese Oase noch von mehreren Kauvuya ') - Indianern bewohnt, ein Stamm, der nebst den Takhtam- (oder Spanisch: Serranos, d. i. Bewohner der Sierra) Indianern, von den Spanischen Jesuiten zum Katholicismus bekehrt, die Mission von San Bernardino bildete. Früher hatten diese Indianer die Sitte der Leichenverbrennung. Als ich Einen fragte, warum diese aufgegeben wurde, meinte er, die Padres hätten gesagt, es würde Gott missfallen (Dios se enojaria). Sie bauen Mais an mehreren Oasen-Punkten des Thaies, theils treiben sie sich im Jacinto-Gebirge umher und leben von den Nüssen der Pinie, die dort in den höheren Regionen wächst. Sie stehen den Mohaves in geistiger wie körperlicher Beziehung nach. Die den Kauvuyas verwandten Takhtams lebten auf dem San Bernardino-Gebirge und waren bis jetzt in ethnologischer Beziehung so gut wie ganz unbekannt2). Da ich einen intelligenten Mann, einen alten Häuptling, traf, so konnte ich leicht ein Vocabularium von 200 Wörtern

das Steigen des Wassers auf Rechnung der durch die Mormonen urbar gemachten Ländereien und glauben, dass die aufgelockerte Erde das Regenwasser länger zurückhält und dasselbe langsam an die Luft zurückgebe, wodurch Regenfälle häufiger werden.

') Der Wortlaut ist genau durch diese Schreibart bezeichnet, während Spanier oder Mexikaner das Wort in Coahuila verballhornisirten; das Thal ist nach diesem Stamm genannt.

*) Bancroft erwähnt in seinem Werk „The Native Races of the Pacific States" vorübergehend den Namen „Serranos" ein einziges Mal.

anlegen. Viele Leute dieses Stammes dienen als Handarbeiter bei Einwohnern von San Bernardino, während Andere unabhängig in einigen benachbarten Dörfern wohnen. Die Missions-Kirche wurde 1822 gebaut, blieb aber kaum 20 Jahre lang in Gebrauch.

Von Los Toros nordwärts geht der Boden in Flugsand über und steigt das Terrain allmählich an bis 2700 Fuss, die Seehöhe des San Gorgonio-Passes. Die glatte, mit SalzEfflorescenzen bedeckte Thonfläche macht einem grossen Dünen-System Platz. So kahl im Allgemeinen jene Gegend ist, so stellen sich doch auf jeder Düne eine Anzahl verkümmerter Akazien - Büsche ein. Fast macht es den Eindruck, als sei jeder Sandhügel absichtlich bepflanzt worden. Die Thatsache verhält sich aber gerade umgekehrt, der Sand wurde da vom Wind zusammengeweht, wo ein hervorragender Gegenstand wie ein Busch vorhanden war; mit dem Wachsen der Düne wurde der Stamm des Busches zur Wurzel, und musste der Busch wachsen, wollte er nicht ganz vom Sand eingehüllt werden. In den meisten Fällen ragen auch bloss die äussersten Zweige aus den Sandhügeln hervor.

Wir verliessen Los Toros um Mitternacht, da der Marsch durch den tiefen Sand bei Tageshitze eine ungemeine Strapaze ist. Es waren 30 Meilen zurückzulegen, um Agua Caliente zu erreichen. Zwar liegt ein Oasen-Punkt bei Indian Wells, 12 Meilen von Los Toros, allein dort konnten wir kein Futter für die Maulthiere haben und hätten obendrein das nöthige Wasser theuer bezahlen müssen. — Es war eine prächtig kühle Nacht. Das weisse Mondlicht verwandelte den hellen Sand in Schnee und das spärliche wenig belaubte Gebüsch vollendete täuschend die Winterlandschaft. Zur Linken stiegen die Gebirgswände fast senkrecht in die Höhe und ihr Mangel organischen Schmuckes passte in den Rahmen des Gemäldes, das, grossartig die Öde der Natur darstellend, in der stillen Nacht vor uns ausgebreitet lag. — Nach mehreren Stunden begannen unsere Augen beträchtlich zu schmerzen, vom intensiven reflektirten Mondlicht; niemals hatte ich bei Beleuchtung von Sandflächen durch Sonnenlicht etwas Ähnliches gefühlt. Um 10 Uhr Vormittags gelangten wir nach dem Oasen-Punkt Agua Caliente, der seinen Namen einer heissen Quelle verdankt ')• Die in der Nähe vom Gebirge herabkommenden Bäche verschwinden im Sand, sobald sie das Thal erreichen. In allen diesen Oasen-Punkten verkauft man das Thierfutter sehr theuer, und da die Zahl der Frachtwagen , die von San Bernardino nach Arizona diesen Weg2) nehmen, nicht unbeträchtlich ist, so lässt sich erklären, wie es kommt, dass

') Die Temperatur beträgt 38° C. Die Mengen der Mineralbestandtheile (hauptsächlich Natriumcarbonat und Chlorid) sind sehr gering. J) Man hat bereits mit dem Bau einer Eisenbahn begonnen.

überhaupt Weisse in solchen Gegenden wohnen mögen. —Unser nächster Haltepunkt war "White water, eine einsame Station an einem Bache, dessen Wasser eine, wahrscheinlich von einer Spur aufgeschlemmten Kaolins herrührende, weissliche Opalescenz besitzt, woher der Name. Während unseres Aufenthaltes wehte ein starker Wind aus NW. ohne Unterlass. Auf Befragen theilte der Bewohner der Station mit, dass dieses jeden Tag im Jahr der Fall sei. Die Ursache ist erklärlich, wenn man die Configuration der Gegend in Betracht zieht. Der bloss wenige Meilen entfernte San Gorgonio-Pass bildet einen tiefen Einschnitt zwischen dem Jacinto- und San Bernardino-Gebirge, während das weit ausgedehnte Coahuila-Thal, und besonders dessen südlicher Theil wegen seiner tiefen Lage einen hohen Temperatur - Grad annimmt. Von Norden und Westen her bildet der erwähnte Pass die niedrigste Stelle im begrenzenden Gebirge, und durch diesen engen Weg muss die Luft mit Gewalt nach dem heissen, weiten Thale strömen, um das Gleichgewicht eben so schnell wieder herzustellen, als es geBtört ist.

Der nächste Marsch brachte uns wieder über den San Gorgonio - Pass und damit aus dem Bereich der MohaveWüste. Wie der Mensch sich des Unterschiedes jener Länderstrecken sofort bewusst wird, so scheint diess nicht minder bei den Thieren der Fall zu sein. Unsere Maulthiere begannen mit dem Überschreiten des San Gorgonio - Passes aussergewöhnlicherweise ganz von selbst einen Schnellschritt und Trab, ihre Treiber und uns Alle nicht wenig in Erstaunen setzend. Kaum dürfte der Grund hiervon das Erkennen jener fernen Berge im Nordwesten bei Cucamongo und Lyttlecreek Canon, die wir drei Monate vorher passirt, gewesen sein, sondern einzig das frohe Gefühl, ein Land zu betreten, das dem ähnlich war, in welchem sie früher zubrachten. Mehr als ein Mal hatte ich Gelegenheit, den überlegenden Verstand der Maulthiere zu meiner Genugtuung auf die Probe zu stellen.

Am Fuss der westlichen Abdachung des San Bernardino-Gebirges liegt San Bernardino, ein Ort von 2000 Einwohnern, der im Jahre 1851 von den Mormonen gegründet, aber schon wenige Jahre darauf in Folge der Californischen, gegen die Polygamie gerichteten Gesetze wieder verlassen wurde. Rasch bewältigten sich Emigranten der guten, vom Santa Ana-Fluss durchzogenen Agrikulturstrecken und verwandelten dieselben in eine blühende Oase mit zahlreichen Obstgärten, zwischen welchen die Häuser der Eigentümer versteckt liegen. Künstliche Bewässerung ist Hauptgrundlage der dortigen Agrikultur, welche wohl in jenem Thale auch deshalb einen so hohen Aufschwung genommen hat, weil man artesische Brunnen, von denen man dort, beiläufig bemerkt, schon über 100 gebohrt hat, mit LeichtigPetermann's Qeogr. Mitthoüungen. 1876, Heft XI.

keit anlegen kann. Das unsichtbare Wasser-Bassin unterliegt einer 140 Fuss dicken Schicht von Conglomerat und verdankt seine Existenz jedenfalls dem bis 13.500 Fuss sich erhebenden nahen Gebirge. Dieses wurde vom Topographen Thompson besucht und eine Triangulation vom höchsten Gipfel aus vorgenommen. Gegen 7 Meilen nordöstlich von San Bernardino entspringen -aus den Spalten des Urgesteins eine Anzahl heisser Quellen, deren Temperatur von 66° bis 90° C. beträgt. Mehrere Flaschen Wass'er wurden Behufs Analyse mitgenommen, und es mag hier erwähnt werden, dass 100 Liter bloss 128 Gramm feste Bestandtheile enthalten, wovon Natriumsulfat einen vorwiegenden Theil ausmacht. Ein homöopathischer Arzt hat in der Nähe eine kleine Kuranstalt errichtet, in welcher die Kurgäste ausschliesslich auf vegetabilische Nahrung gesetzt werden — eine Lebensweise, die, so sehr sie für Gesunde empfehlenswerth ist, kränklichen Leuten wenig zusagen dürfte.

San Bernardino am 1. Oktober verlassend, gelangten wir nach drei Tagen nach Los Angeles, wo die Expedition aufgelöst wurde. Die übrigen Divisionen blieben noch bis Mitte November im Feld, und über deren Arbeiten mögen einige mir von mehreren Mitgliedern gelieferte Notizen hier eingeschaltet werden. (Man vergleiche Tafel 18 im 9. Hefte, wo die vermessenen Distrikte angegeben sind.)

Lieutenant Wheeler's Division operirte hauptsächlich in den südlicheren Theilen der Sierra Nevada. Eine Unterabtheilung war zwei Monate lang unter Leitung des Herrn F. Klett. Es wurden von den Topographen 40 Peaks Behufs Triangulation bestiegen, der höchste davon Mount Whitney mit 14.400 Fuss. Kaum 2000 Fuss unterhalb dieses majestätischen Gipfels breiten sich mehrere GebirgsSee'n aus, die mehrere Bäche speisen. Lebende Gletscher wurden nicht beobachtet, obwohl bloss wenige Breitengrade nördlich nach den Entdeckungen der letzten Jahre solche existiren (am Mount Lyell, Mount Shasta und Mount Ritter).

Meilen breite Wälder der riesigen Sequoia wurden an der South- und Middlefork des sich in den Tulare Lake ergiessenden Tule River getroffen; Stämme von 200 Fuss Höhe und darüber und von 15 bis 20 Fuss Durchmesser sind in jenen Wäldern keine Seltenheit. Die obere Grenze dieser Bäume liegt dort ungefähr bei 6400 Fuss Seehöhe. Dass manche Individuen dieser Art ein Alter von 4000 Jahren haben, dürfte bekannt sein.

Gras wurde in bloss geringer Menge in jenen Wäldern vorgefunden, denn wohin nur immer möglich waren die Vernichtung bringenden Schafheerden der Californischen Wollspekulanten getrieben worden. Bären, Bergschafe und Hirsche giebt es in den weniger zugänglichen Theilen der

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Sierra; die Gebirgsbäche sind voll Forellen. Minen wurden bei Havilab und Kernville besucht.

Das von Lieutenant Whipple's Division vermessene Gebiet ist von einer grossen Anzahl sehr steiler und schwer passirbarer Gebirge durchzogen. Von der bei San Pedro gemessenen Basis zog sich die Operations - Linie erst der Küste und den Santa Monica Mountains entlang, wobei viele Verbindungspunkte mit den ausgedehnten Triangulations Arbeiten der Coast survey erhalten wurden, dann ostwärts auf die Ebene von San Fernando, über die San Gabriel Mountains und den Cajon - Pass in die MohaveWüste, dann wieder westwärts über den Soledad-Pass nach Buenaventura am Meeresufer. Nach Besteigung des Ceca Mountain wurde der Weg über ein System von kahlen Bergzügen nach Old Fort Tejon eingeschlagen. Von da aus wurden die San Emidio Mountains besucht, auf welchen der San Emidio-, Plato- und Saltcreek entspringen, deren Lauf nach dem Bassin des Kern- und Tulare Lake gerichtet ist, die aber dasselbe nicht erreichen, da sie iin Grunde versinken. Die Besteigung der Tahichipi- und Greenhorn Mountains bildete den Schluss der Arbeiten dieser Division.

Über die Expedition der von Lieutenant Rogers Birnie geleiteten Abtheilung theilte mir der dabei betheiligte Topograph Louis Neil folgende Angaben mit:

„Unserer Division fiel die Aufgabe zu, eine topographische Aufnahme der zwischen dem 35J und 37-£ Breitengrad und östlich von der Sierra Nevada gelegenen Gegenden zu machen, welche etwa 12.000 Quadrat-Meilen einnehmen und durch ihren Reichthum an Mineralien von Bedeutung sind.

„Siebzehn der prominentesten Bergspitzen wurden als primäre Triangulations - Stationen oecupirt und mit dem Dreiecksnetz verbunden, welches von Dr. Kampf von der astronomischen Station in Los Angeles nordöstlich bis zur Sierra Nevada ausgedehnt wurde. Eine separate, beinahe central im obigen Terrain gelegene Standlinie wurde gemessen und ganz vollständig entwickelt, mit der Absicht, die von ihr aus gewonnenen Resultate in Bezug auf Azimuth, Distanz und geographische Breite mit den von Los Angeles aus erzielten zu vergleichen. Zwei VerbindungsStationen mussten zu diesem Zwecke von beiden Abtheilungen gemeinschaftlich besetzt werden. Es wurden 48 Berge als sekundäre Stationen besetzt und auf sämmtlichen Punkten 6 bis 10 Fuss hohe Stein - Monumente zum Anvisiren errichtet. Das dazwischen liegende Terrain wurde mehr detaillirt von den aufgenommenen Mäander-Linien aus croquirt, wobei ein Odometer zum Messen der Distanzen, eine mit Teleskop verbundene Magnetnadel (portable transit) zum Aufnehmen der Course und zum Einschneiden aller wichtigen topographischen Objekte diente und ein Aneroid

benutzt wurde, um ein annäherndes Profil der durchreisten Gegenden zu erhalten. Viele Punkte der Mäander-Linien wurden trigonometrisch mit dem Triangulations-Netz verbunden und jeden Abend Sextanten-Beobachtungen für Breite durch Lieutenant Birnie gemacht ').

„Das Land ist eine grosse Wüste, welche durch hohe von NNW. nach SSO. sich ziehende Gebirgsketten iu lauge Thäler ohne Wasserauslässe getheilt erscheint. Stellenweis vereinigen sich die Gebirgszüge in Knotenpunkten, wodurch die Thäler in kleinere abgeschlossene Bassins zerfallen. Die Gebirge ragen durchschnittlich 4- bis 9000 Fuss über den Ebenen empor, sind fast kahl und nur stellenweis in einer Höhe von mehr als 6000 Fuss über dem Meeresspiegel mit Gebüsch bewachsen, sehr steil und wasserarm. Es regnet höchstens zwei bis drei Mal des Jahres und die wenigen Quellen versiegen zuweilen. Es bedarf einer genauen Ortskenntniss oder eines guten Führers, um diese Gegenden zu durchreisen, da die Quellen manchmal schwer zu finden, an 15 bis 30 Meilen von einander entfernt sind und es den Reisenden sehr unangenehm überrascht, wenn er die Quelle vertrocknet findet, da die ausserordentliche Trockenheit der Luft und die tropische Hitze den Durst bis in's Unglaubliche steigern. Die Zahl der alljährlich Versehmachtenden ist keine geringe.

„Alle Widerwärtigkeiten und Gefahren, die man sich in der Wüste vorstellen kann, fanden wir in dem Death Valley (Todesthal) vereinigt. Dasselbe ist 130 Meilen lang, 15 bis 40 Meilen breit und läuft fast parallel der Grenze Californien's und Nevada's. Des Morgens und in den Abendstunden hüllen von der Sonne beschienene Salz-Efflorescenzeu und leichte Sandwolken das Thal in einen unheimlichen röthlich gelben Schimmer; dieser Umstand, so wie der Mangel irgend welcher Vegetation oder lebender Wesen, die dem ganzen Thal entlang zerstreuten Salzmassen, offenbar Verdampfungsrückstände des Oeeans, unter dessen Spiegel es jetzt noch steht, die hohen nackten Felsenketten und erloschenen Krater verleihen dem Thale ein wahrhaft infernalisches Aussehen, weshalb man ihm den Namen — Todesthal — gegeben hat. Das Wasser, auf das man beim Graben schon in geringer Tiefe stösst, ist mit Salzen beladen und ungeniessbar.

„So arm an Vegetation, so reich ist die Umgebung des Death Valley an Minen, besonders die Panamint- und Telescope Mountains, in welchen vor Kurzem eine Minen-Ansiedelung entstanden ist, nämlich Panamint. Man ist erstaunt, nachdem man 7 Meilen durch eine enge Schlucht zurückgelegt hat — die Steigung auf dieser Strecke beträgt im Ganzen 4500 Fuss —, plötzlich eine ganze Stadt von

') Die Karten werden im Maassstabe 1 Zoll zu 4 Meilen oder 1 : 253.440 publicirt.

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