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mit einer Schaufel einen Vorrath ergraben, und besckloas, ihn auf meinem Kameel zurückzuschicken und die Reisegesellschaft herbeiholen zu lassen. Alles Wasser in dem Brunnen gaben wir meinem kleinen Reitkameel Reche oder, wie ich es gewöhnlich nannte , Screechy, und Tommy entfernte sich, während ich unterdess die ganze Umgebung nach mehr Wasser absuchen wollte. Als er etwa 200 Schritt den begrasten Kanal hinabgegangen war, rief er mir wieder zu, zeigte auf den Boden und sagte: „Viel Wasser hier, viel Wasser hier!" und das Kameel weigerte sich, vorbeizugehen. Ich ging hinab und fand einen ganz vortrefflichen grossen Brunnen mit einer reichlichen Wassermenge, die augenscheinlich permanent von der benachbarten Felsenmasse her ergänzt wurde. Nun freute ich mich sehr über unsere Entdeckung und gab meinem kleinen Kameel einen tüchtigen Trunk mit Tommy's Hut; dieser ging nun nach der Reisegesellschaft, während ich auf ihre Ankunft wartete. Bald hörte ich Stimmen der Engel (eingeborene Engel) und ihre Rauchsäulen kamen allmählich näher. Ich dachte, sie müssten mich gesehen haben, als ich auf dem Scheitel des Felsens war, und wünschten meine nähere Bekanntschaft zu machen, es stellte sich aber heraus, dass es nur zwei Weiber waren, die an dem Brunnen Wasser holen wollten, denn beide hatten Gefässe, um das Wasser nach ihrem Lagerplatz zu tragen.' Als sie nahe genug kamen, um mich sehen zu können, stürzten sie vor und stierten mich mit ihren vier Augen an. Ich lud sie durch Zeichen ein, an den Brunnen zu kommen und zu trinken, aber sie Hessen ihre Rindengefässe fallen und entfernten sich etwas lebhaft; ich nahm die Gefässe auf und fand sie von höchst origineller oder vielmehr aborigineller Construktion, sie bestanden einfach aus einem kleinen Stück von der gelben Baumrinde, das an den Enden mit einer Art Rindenstrick in die Höhe gebunden war und einen kleinen Trog darstellte. Ich war den Frauen nicht nahe genug, um unterscheiden zu können, ob sie sehr hübsch waren oder nicht, nur das konnte ich ausfindig machen, dass die eine jünger und fetter war als die andere, auch hatte sich diese jüngste und fetteste zuletzt entfernt. Es waren diess die ersten Eingeborenen, die ich während der Expedition zu Gesicht bekommen hatte. Andere Hessen sich nicht blicken, während ich hier allein war. Nach etwa 4 Stunden kam die ganze

Reisegesellschaft an und alsbald tränkten wir aUe Kameele. Sie waren schon 6 Engl. Meilen über diesen Ort hinausgewesen und mussten daher um so viel zurückgehen; Alles in Allem hatten sie von Queen Victoria's Quelle an 202 Engl. Meilen zurückgelegt, obwohl die Entfernung in gerader Linie auf der Karte nur 180 Engl. Meilen beträgt. Fast unmittelbar nach der Ankunft der Gesellschaft erschienen eine Anzahl eingeborener Männer nebst einem Knaben, augenscheinlich sehr ruhig und harmlos, wahrscheinlich hatten sie schon früher weisse Leute gesehen. Einer oder zwei sprachen ein Paar .Worte Englisch, wie „whitefellow", „what name", ,,boy" &c. Sie hatten ihr Vergnügen daran, die Kameele so viel trinken zu sehen, sie machten den Brunnen vollständig leer, den die Eingeborenen vermuthlich nie zuvor leer gesehen hatten. Das Wasser ersetzte sich aber so rasch, dass der Brunnen in einer Stunde Bo voll war wie je, mit bedeutend reinerem WaBser als vorher. Zudem bot die Umgebung eine Fülle von guten Kräutern und Büschen für die Kameele und es war ein höchst romantischer und hübscher kleiner Platz. Die kleinen grasbewachsenen Kanäle sahen frisch grün aus, der ganze Raum von 1 Engl. Meile Umfang ist offen, hie und da mit schattigen Akazien - Bäumen und Büschen bestanden, und unter einigen derselben hatten wir unser Lager aufgeschlagen. Der ganze Platz neigte sich gegen West und erinnerte mich an Wynbring lebhafter als irgend eine andere mir bekannte Gegend.

Zuerst kamen nur acht Eingeborene zum Vorschein und Mr. Young schnitt ein rothes Tuch in eben so viele Streifen , die er ihnen um die königlichen Schläfen band und auf die sie ausserordentlich stolz zu sein schienen. Gegen Abend zeigten sich noch drei oder vier andere bei dem Lager, einer mit einem grossen Stück Perlmutterschaale an einem um den Hals gelegten Strick, ein anderer mit einem seltsamen Schmuck aus kurzen Federn, ebenfalls am Hals getragen; es glich der Öffnung eines Portemonnaies, sah sehr kurios aus und als wir es untersuchen wollten, brachte er es rasch, an seinen Mund und öffnete unter herzlichem Lachen diesen grossen Bestandteil seines Gesichts bis zu seiner vollsten Ausdehnung. Zugleich nahm er eine theatralische Miene an und die ausserordentliche Maske gab ihm das Aussehen eines Dämon in einer Pantomime. (Schiusi folgt.)

Geographische Notizen.

Die Luftströmungen Nord - Deutschland^.
Von Dt. Gustav Hellmann.

In der jüngsten PubUkation des Preussischen Meteorologischen Institutes (Preuss. Statistik, XXXIV) habe ich von

42 Stationen desselben die Vertheilung der Winde auf die acht Hauptstriche für die einzelnen Monate gegeben, wie sie aus 11- bis 25jährigen Beobachtungen folgen. Es erscheint nicht unpassend, hier einige Hauptresultate der Arbeit in Form dreier Tabellen mitzutheilen.

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Der projektirte dritte internationale Orientalisten-
Congress zu St. Petersburg.

Am 1. September 1876 soll in St. Petersburg der dritte internationale Orientalisten-Congress eröffnet werden. Das Hauptaugenmerk der Versammlung wird diessmal, dem Sitze des Congresses entsprechend, auf das Russische Asien gerichtet sein. Da der Congress vom höchsten Interesse für Länder- und Völkerkunde zu werden verspricht, sei es gestattet, das Programm desselben unseren Lesern mitzutheilen.

Die Gebiete des Orients werden auf dem Congresse nach folgenden geographischen Sektionen gruppirt werden: 1. West- und Ost-Sibirien; 2. Mittel-Asien innerhalb der Russischen Grenzen, so wie die unabhängigen Chauate von West-Turkestan; 3. Kaukasien; 4. Trans-Kaukasien; 5. OstTurkestan, Mongolei, China und Japan; 6. Indien, Persien, Malaiischer Archipel; 7. Türkei und Arabien. In jeder dieser sieben Sektionen werden Kartographie, Linguistik, Geschichte und Literatur des betreffenden Gebietes betrachtet werden, während Archäologie und Numismatik eine besondere achte Sektion bilden, der sich als neunte die Religionsverhältnisse anschliessen. Das Organisations-Comite hat die Russischen Orientalisten aufgefordert, gelegentlich dieses Congresses als der besten Gelegenheit den versammelten Fachgenossen aus dem Auslande zu zeigen, welchen Antheil Russland an der wissenschaftlichen Erforschung des Ostens genommen. Nach einer Mittheilung des Comite's im „Regierungs - Anzeiger" haben in Folge jener Aufforderung schon mehrere inländische Gelehrte die Ausarbeitung hierher bezüglicher historisch-bibliographischer Memoirs übernommen. Es sind diess die folgenden: K. S. Startitskij und F. Busse: Übersicht der Kartographie der östlichen Gestade, von der Karischen See bis zu den Grenzen der Mandschurei, der Küsten von Sachalin, und der Japanischen Küsten; M. J. "Wenjukow: Angaben über die Kartographie des Sibirischen Festlandes, vom Ural bis zur Japanischen See; P. A. v. Helmersen: Bericht über die Ethnographie der SüdSibirischen Stämme; Baron A. W. v. Kaulbars: Übersicht über die Kartographie von Mittel-Asien, innerhalb der Russischen Grenzen; Prof. W. W. Grigorjew: Memoir über die Ethnographie, Geschichte und Archäologie derselben Land

Schäften; K. P. Patkanow: Bemerkungen über die Ethno graphie, Linguistik und Literatur des Russischen Arme nien; A. A. Zagarelli: Bericht über die Ethnographie Linguistik und Literatur von Georgien (Grusien); P. A v. Helmersen: Bericht über die Kartographie und Ethno graphie der Mongolei; Baron F. R. v. Osten-Sacken: Übersicht der Russischen Forschungen über China, mit Ausnähme der Linguistik und Literatur; I. I. Sacharow: Rus sieche Studien über Linguistik und Geschichte von China und der Mandschurei; P. Lerch: Übersicht der Iranischen Forschungen Russland's; P. J. Ssawai'tow: Über Russische Reisende in Palästina und den Nachbarländern; Baron V. v. Rosen: Die in Russland befindlichen Sammlungen Orientalischer Manuskripte, nebst der Geschichte dieser Sammlungen und einem Kataloge der wichtigeren darin enthaltenen Arabischen Manuskripte. — Mit dem Congress wird eine Ausstellung verschiedener auf die Archäologie, Paläographie, Ethnographie und Literatur des Orients bezüglichen Objekte verbunden sein.

Die Vertragshäfen im Chinesischen Formosa.

Bekanntlich haben die Chinesen den westlichen und grösseren Theil der Insel Formosa im Besitz. Ein ununterbrochener Strich reichen Kulturlandes zeigt sich hier dem Auge, im Gegensatze zu der wilden, gebirgigen und stark bewaldeten Ostküste. Die Chinesen haben den Werth des Landes wohl zu schätzen und auszubeuten gewusst. Nur wenige hundert Meilen vom Festlande entfernt hielt es nicht schwer, in kurzer Zeit eine grosse Menge Einwanderer herbeizuschaffen und jetzt findet man von Keelung im Norden bis zur Südspitze das Land stark bevölkert und in grosser Blüthe. — Vier Häfen sind dem Europäischen Handel eröffnet: Taiwan, Takao, Tamsui und Keelung.

Taiwan oder Taiwanfu, die Hauptstadt der Chinesischen Besitzungen, liegt in einer Ebene, 4 Engl. Meilen vom Meere entfernt und mit diesem durch Kanäle verbunden. Die Stadt ist, wie alle grösseren Chinesischen Städte, mit einer 20 bis 30 Fuss hohen und 12 Fuss dicken Mauer umgeben; im Gegensatz zu den Städten des Chinesischen Festlandes zeichnet sich Taiwan durch eine gewisse Reinlichkeit aus. Die Strassen sind theilweis von Kanälen durchzogen , welche für den Waaren - Transport eifrig benutzt werden. Im Innern der Stadt befindet sich eine jetzt verfallene, von Holländern gebaute kleine Festung, Sak-kan genannt; ferner die Universität, welche sich eines guten Rufs erfreut. Die Monate April bis September (die Zeit des Sudwest-Monsuns) sind für Schiffe nach Taiwan nicht günstig, da die Fahrzeuge auf offener Rhede ankern müssen; dagegen September bis April herrscht ein reges Treiben auf der Rhede, welche während des Nordost-Monsuns geschützt ist. Importirt werden nach Taiwan ausser vielen Chinesischen Waaren Englische Artikel aller Art, Eisen, Blei, Baumwolle und Opium. Von letzterem werden in Taiwan wohl 1500 Kisten jährlich verbraucht, trotz der enormen Zölle, die darauf haften. — Exportirt werden von Taiwan Reis, Zucker, Bohnen, öl und Türmerin. Der Reis ist in China wegen seiner Güte berühmt; von Taiwan werden jährlich über 500.000 Picul nach China exportirt.

Zucker ist ein Stapel-Export-Artikel; es wird meist nur brauner Zucker fabricirt, der nach China, Japan und den Kolonien ausgeführt wird. Versuchsweise Sendungen nach San Francisco und London haben keinen Gewinn gelassen. Weisser Zucker wird nur in geringer Quantität fabricirt. Sesam-Samen wurde in früheren Jahren stark producirt; der Artikel ist jedoch zu theuer und kann keinen lohnenden Absatz finden. Grundnuss-Öl stellt sich günstiger und billiger, wird jedoch nur in China verbraucht; die Ölkuchen werden zum Düngen benutzt. In Hanf ist die Produktion begrenzt, und hängt die Qualität von dem Distrikte ab. Früher exportirte man Taiwan-Hanf nach Japan; er ist jedoch zu theuer, und die Nachfrage ist eingestellt. Thee wächst wild auf den Bergen unweit Taiwan. Die Chinesen bestreben sich, seine Kultur zu veredeln, bis jetzt ist aber nur für den Verbrauch im Lande producirt worden. — Die Kanäle, welche Taiwan mit dem Meere verbinden, münden in Amping, einem kleinen Hafenorte und Fischerdorfe. Dieser Hafen giebt aber nur Chinesischen Fahrzeugen Zugang: eine Sandbank mit kaum 3 bis 6 Fuss Wasser gestattet grossen Schiffen nicht, hinüberzukommen; dieselben müssen ca. 2 Engl. Meilen vom Lande auf offener Rhede ankern. — Es giebt in Taiwan nur einen Englischen Consul, welcher gleichzeitig die Deutschen , Französischen und Dänischen Interessen vertritt. Amerika und Holland haben Consular - Agenten dort. Bei dem lebhaften Verkehr Deutscher Schiffe wäre es wünschenswerth, einen Consul in Taiwan zu haben, dem zugleich Takao unterstellt werden könnte.

Der letztgenannte Ort liegt etwa 25 Engl. Meilen südlich von Taiwan. Takao's Hafen ist klein und bietet nur wenigen Schiffen Schutz, die ausserdem, wegen der vor dem Hafen befindlichen Sandbank, keinen grösseren Tiefgang als 12 bis 13 F. haben dürfen. Von der See kommend erblickt man schon von Weitem den etwa 1500 F. hohen Affen - Berg an der Küste; vom Hafen sieht man nicht eher etwas, als bis man vor der kaum % Engl. Meile breiten Einfahrt ist. Schleppdampfer ziehen die Schiffe in den Hafen, der ungefähr 20 Schiffen sicheres Unterkommen bietet. Beim Einfahren in den Hafen ist man überrascht, zu beiden Seiten hübsche Europäisch gebaute Häuser zu finden, so wie einen Kai, an dem angelegt werden kann. Der Handel von Takao steht dem von Taiwan wenig nach und wird durch den guten Hafen begünstigt. Tausende von Chinesischen Fahrzeugen importiren Artikel von ganz China und exportiren Landesprodukte, in erster Linie Zucker und Reis. Die Total-Ausfuhr belief sich 1872 auf 1.200.000 Taels. Ziemlich bedeutend ist der Fischfang, zu welchem die Catamorans, aus Bambus verfertigte Boote, sehr geschickt verwendet werden. Zwischen Takao und Taiwan besteht eine regelmässige Verbindung zu Wasser und zu Lande. Letztere wird durch Läufer unterhalten, die von den Europäern eine monatliche Beisteuer erhalten und dafür täglich die Briefe befördern.

Die beiden nördlichen Vertragshäfen sind Tamsui und Keelung. Tamsui kann man auf dem Landwege in 7 Tagen von Taiwan aus erreichen; gewöhnlich nimmt man aber den bequemeren Seeweg. Tamsui hat in den letzten Jahren durch seinen Thee-Export ziemliche Bedeutung erlangt. Der Distrikt von Tamsui hat eine Bevölkerung von 25.000 Einwohnern. Das Klima iat der Kultur sehr günstig, der Boden ist reich, und die Chinesen haben verstanden, ihn auszubeuten. Der Theebau bot Anfangs Schwierigkeiten, aber jetzt hebt sich die Produktion mit jedem Jahre. Den grössten Theil der Ernte nimmt New York, feinere Sorten gehen nach England. Die Theedistrikte sind im Innern in Bangka und Twatischa, wo auch die Europäischen Häuser ihre Comtoire haben. Der Transport des Produktes nach dem Hafen geschieht in Cargo-Booten, für welche der in Tamsui mündende Fluss weit hinauf schiffbar ist. Tamsui exportirt ferner Reis und Zucker; ausserdem liefert der Distrikt vorzüglichen Kampher; grosse Wälder dieses werthvollen Holzes sind vorhanden, und trotz der enormen jährlichen Abholzung wird es noch lange nicht an Holz fehlen. Schwefel von sehr guter Qualität wird aus den Minen von Hobey, ca. 5 Engl. Meilen von Tamsui, bezogen. Die Ausbeutung des vorhandenen Petroleums wird von den Chinesen nicht gestattet.

20 Engl. Meilen von Tamsui liegt Keelung. Die Hauptproduktion ist hier Reis. Grosse Wichtigkeit hat Keelung durch seine Steinkohlenminen. Die Keelung-Kohle, gemischt mit Englischer Kohle, ist vorzüglich für Dampfschiffe. Die Minen gehen nur horizontal in die Berge; wenn sich die Chinesen entschliessen könnten, auch in die Tiefe zu gehen, würde man wahrscheinlich noch bessere Kohle finden.

Der Verkehr zwischen Formosa und dem Festlande wird theils durch Segelschiffe, theils durch Dampfer vermittelt. Eine regelmässige monatliche Dampfverbindung besteht zwischen Hongkong, Amoy, Takao , Taiwan, Tamsui und Futscheu. (Aus einem Aufsatze, von F. Knoblauch: „Einige Notizen über Formosa", im 8. Heft der „Mitth. d. Deutsch. Ges. f. Natur- und Völkerkunde Ost-Asiens, Jahrg. 1875".)

Port^Moresby in Neu - Guinea. Die Londoner Missions - Gesellschaft, die seit 1871 an der Südküste der lang gestreckten Halbinsel, in welche Neu-Guinea gegen Südosten ausläuft, und auf kleinen vorliegenden Inseln eine Reihe von Stationen unterhält, besetzte Ende 1874 auch den 1873 von Captain Moresby entdeckten und nach ihm benannten Port Moresby '). Der daselbst stationirte Missionär W. G. Lawes schreibt darüber2): „Port Moresby besteht aus den beiden Dörfern Hanuapata und Elevara. Zwischen beiden liegt unser Haus. Der Hafen ist schön, hat aber gerade am Eingang ein hässliches Riff. Die Dörfer haben ca. 40 bis 50 Häuser, die dicht an einander auf Pfählen oder vielmehr Stangen erbaut sind, und zwar so, dass die hohe Fluth bis zur halben Höhe der Stangen reicht. Die Furcht vor einem bösen Geist Namens Koitapu veranlasst sie, ihre Häuser in's Meer zu bauen, und derselbe Grund verhindert sie, nach Eintritt der Dunkelheit die Häuser zu verlassen und sich aufs Land zu begeben. Unter und hinter den Häusern liegen stets Massen von Töpfergeschirr in verschiedenen Stadien der Anfertigung. Nur Frauen beschäftigen sich damit.

') Siehe über die Missions-Stationen und die Moresby'schen Aufnahmen von 1873 „Googr. MittheUungen" 1874, 8. 114.

*) Chronicle of the London Missionary Society, November 1875.

„Dass dieses Volk Malayischen Ursprungs ist, unterliegt, glaube ich, keinem Zweifel. Ihre Sprache schon zeigt es zur Genüge, Sie bewohnen nur die Küste. Die Buschmänner aus dem Innern , von denen ich einige sah, haben eine dunklere Hautfarbe, eine schönere Gestalt und sprechen eine gänzlich verschiedene Sprache; sie sind unzweifelhaft die Eingeborenen des Landes.

„Der Boden ist dürftig und kahl. Ich bin einige Meilen landeinwärts gekommen, bemerkte aber keine Anzeichen von Fruchtbarkeit. Üppige tropische Vegetation fehlt ganz. Wenige Meilen westlich von hier ist diess anders, dort ist die Vegetation eine sehr üppige.

„Die gegenwärtige Lage unserer Mission und ihre Aussichten sind im Ganzen hoffnungsvoll und ermuthigend." Im März 1875 ging man damit um, eine Kapelle zu bauen, aber es mussten die Baumaterialien 25 Engl. Meilen weit zur See herbeigeschafft werden. Trotz dieses Mangels an Vegetation erweist sich die Station nicht gesunder als die anderen.

Besuch des „Challenger" in der Humboldt-Bucht in NeuGuinea und auf den Admiralitäts-Inseln.

Dr. v. Willemoes-Suhm, Mitglied der Challenger-Expedition, hielt im Juni 1875 in einer Sitzung der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ost-Asiens einen Vortrag über einen Besuch in der Humboldts-Bai und auf den Admiralitäts-Inseln. Die „Mittheilungen" der genannten Gesellschaft bringen darüber im Septemberhefte 1875 einen Bericht.

Auf Grund der Nachrichten eines freundschaftlichen Verkehrs, den vor 15 Jahren das Holländische Schiff „Ätna" mit den Eingeborenen an der Humboldt - Bucht anknüpfen konnte, wollte der Kapitän des „Challenger" versuchen, einige Tage dort Aufenhalt zu nehmen. Das Schiff langte am Abend vor der Insel an, in Sicht einer bergigen waldigen Küste; in der Ferne zeigten sich die Cyklopen - Berge. Nachdem das Schiff Anker geworfen hatte, erhob sich am Ufer eine lange Reihe von Feuern und wildes Geschrei Hess sich hören. Am anderen Morgen umringten 40 bis 50 Kähne das Schiff, welches nun etwas weiter in die Bucht hinein ging und um 6 Uhr Anker warf, in Sicht des grössten Dorfes. Die Dorfschaften liegen nicht auf dem Lande, sondern sind im Wasser erbaut. Es wurden dann zum Landen zwei Boote ausgesetzt, die jedoch, da die Eingeborenen die Landung nicht zuliessen und andererseits der Kapitän Gewalt nicht angewandt sehen wollte, unverrichteter Sache wieder zurückkehrten. Die Wilden trugen den reinsten Melanesischen Typus; Bie sind von kleiner, aber starker Statur, haben dickes krauses Haar, dicke Nasen und aufgeworfene Lippen. Bis auf einen geflochtenen Gürtel erscheinen sie ganz nackt; mit diesem Gürtel bedecken sie jedoch nicht die ganzen Schamtheile, sondern nur einen Theil derselben. Auf dem Kopfe trugen sie grosse Perrücken aus Casuar-Federn, in gleicher Höhe mit dem Haare; vor den Perrücken trugen sie Diademe und Kränze aus Hibiscus - Blüthen. Zum Schmucke dienten ferner schwarze Federn, Federn der grossen Kronentaube. Dagegen sah man keine Federn von Paradiesvögeln; ein den Eingeborenen gezeigter Paradiesvogel erregte grosses

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