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die Milch in ein bis zwei Tagen, nahm den Bullen fast anmittelbar nach dem Ereigniss an, was bei Kameelen Sitte ist, und setzte die Reise fort, als sei nichts vorgekommen. Die Position dieses trockenen -Wasserbeckens ist 30° V 3" S. Br. und 124° 41' 2" östl. L. Wir hatten jetzt den Kreuzungspunkt des 30. Parallels und 125. Meridians hinter uns und von ihm an war unser Kurs um 5° südlicher gewesen. Auch als wir am 23. September dieses elende Becken verliessen, setzten wir diese Richtung fort; die Thiere waren sehr erfrischt und trugen sehr viel geringere Lasten, weil das Wasser verbraucht war. Sofort betraten wir dichten Skrub aus Mallee mit Spinifex, Casuarina und vielen riesigen, Gummi-Bäumen ähnlichen Mallees. Auf dem Boden erhoben sich Sandhügel und eine Anzahl der melancholischen Cypressen (Callitris) schmückte sowohl die sandigen Höhen als die mit Spinifex bedeckten Niederungen, über die wir marschirten. Hie und da trafen wir auf Anzeichen und Spuren von Eingeborenen, sahen aber kein Wasser; das einzige Wasser , das sie in dieser Gegend möglicherweise gewinnen könnten, müssen sie den Baumwurzeln entnehmen. Viele sogenannte Pappelbäume der Eingeborenen traten jetzt in zwei Varietäten auf und die Kameele frassen davon im Vorbeigehen; die niedere Vegetation nimmt hier ein ähnliches Aussehen an, wie die am und beim Mount Olga meiner ersten und zweiten Expedition. Zwei junge wilde Hunde wurden heute im Skrub bemerkt; Tommy, mein schwarzer Bursche, hatte ab und zu ein Nest von Leipoa ocellata gefunden und da es jetzt Legezeit war, bekamen wir einige Eier und diese bildeten ausser den von Mr. Young geschossenen Trappen den einzigen Zuschuss zu unseren Vorräthen, den wir aus dieser Gegend gewannen. Nach diesem Tagemarsch gab es für die Kameele nichts weiter zu fressen, als die erwähnten Pappeln und sie verzehrten sie mit anscheinend grossem Vergnügen, obgleich sie meinem menschlichen Geschmack nach so ziemlich das widerlichste von den Vegetabilien sind, was ich je in den Mund nahm. Am nächsten Tage reisten wir 26 Engl. Meilen durch Skrub und kampirten wie gewöhnlich im Mallee. Die Breite dieses Punktes ist 30° 17' S. Der Boden fuhr fort, sich in Sandhügeln zu erheben, von denen die Aussichten nichts zeigten als Räume von genau derselben Physiognomie wie die schon durchreisten und im Osten zurückgelassenen, und wollten wir aus der Erfahrung über das Vergangene auf das schliessen, was uns bevorstand, dann musste unsere Zukunft in der That höchst düster sein. Um 12 Uhr wurden einige Feuer der Eingeborenen gerade auf unserem Kurs bemerkt und ein wenig nördlich von demselben zeigten sich ziemlich zahlreiche Fussspuren. Der Tag war warm genug, denn das Thermometer zeigte im Schatten 94° F. (34°,4 C). Am

Sonnabend den 25. September, dem 16. Tag nach der Abreise von dem Damm bei der Kolonie-Grenze, legten wir 27 Engl. Meilen immer noch in derselben Richtung zurück, durch Mallee und Spinifex, Cypressen, Casuarinen, Mulga, Acacien und Quandong-Bäume, und bemerkten zum ersten Mal auf dieser Expedition einige sehr schöne Exemplare des Grasbaumes (Xanthorrhoea). Auch der riesige Mallee war häufig, er giebt der Scenerie, die er schmückt, ein ganz ausserordentliches Aussehen, da er das Auge des Reisenden zu dem Glauben beschwindelt, dass er durch Landstriche mit Alluvial-Boden gehe und stets Wasser anzeigende GummiBäume vor sich habe. Diesen Abend hatten wir einen abscheulichen Lagerplatz, denn es war nichts vorhanden, was die Kameele fressen konnten und den ganzen Boden bedeckten grosse Spinifex - Büschel. Vor uns und längs des westlichen Horizonts hatten wir eine dunkele, skrubbige Erhebung sehr hoher Sandhügel und jeder von uns bemerkte bei ihrer Betrachtung die eigenthümliche Ähnlichkeit mit den Sandhügeln, welche gegen Nord und Ost vor uns lagen, als wir uns in Youldeh befanden. Die Beobachtung ergab, dass wir unter derselben Breite mit Youldeh waren, aber einen 500 Engl. Meilen westlich davon gelegenen Punkt erreicht hatten; und höchst wahrscheinlich existirt kein Wasser in der geraden Linie zwischen beiden Plätzen. Kurz vor Abend hatte Mr. Young vorn die Steuerung und da er so nahe unter der Sonne hielt, musste ich vorgehen und ihm sagen, seine Steuerung könne nicht richtig sein. Natürlich wurde er aufgebracht und sagte: „vielleicht wollen Sie dann steuern" und übergab mir den Kompass; ich nahm ihn schweigend und ging etwas südlicher, in der eigentlichen Richtung unseres Kurses, wobei wir über einen langen weissen Sandrücken und zu der Niederung kamen, in der wir, wie gesagt, ein so elendes Nachtlager hatten. Ich erwähne diess, weil ein Umstand damit verknüpft war. Das Schicksal von Königreichen mag bisweilen an einem Faden hängen und unser Schicksal hing an meinem Thun. Wir hatten 323 Engl. Meilen zurückgelegt, ohne einen Tropfen Wasser gesehen zu haben, und durfte man sich wundern, wenn in einer Gegend wie diese war

A load on euch xpirit, a cloud on each soul,
With eye» that could scan not our destiny'a roll*)?

Gegen eine Reihe dunkler Sandhügel, welche den westlichen Horizont bildeten, fiel das Land nach einer Art Niederung ab und Mr. Tietkens schien am folgenden Morgen stark von dem Glauben erfüllt, dass wir uns in der Nähe von Wasser befänden; aber ich wollte es nicht glauben.

') Eine Last auf jedem Geist, eine Wolke auf jeder Seele, mit Augen, welche nicht die Rolle unseres Schicksals durchforschen konnten. Er machte sich zu Fuss auf, an der Spitze des Kameelzuges, um die Leitung zu übernehmen und gab Tommy sein kleines Reitkameel — das beste führende Kameel, das wir haben — und hiess Tommy auf die Höhe eines weissen Sandhügels zu unserer Linken (etwas südlich von uns) zu gehen und zu sehen, ob er Fussspuren von Eingeborenen oder Anzeichen von Wasser enteecken könnte. Ich wusste gar nicht, dass Tommy sich hinweg begeben hatte, auch konnte ich nicht sehen, dass Tietkens zu Fuss ging, da es in diesem Skrublande etwas ganz Ausserordentliches war, wenn man den ganzen Zug der Kameele auf einmal übersehen konnte; und wir hatten ca. 2| Meilen zurückgelegt, als Alec Ross und Nicholls behaupteten, sie hörten Tommy Wasser rufen; da ich jedoch so etwas nie glauben will, bis es bewiesen ist, liess ich den Marsch nicht unterbrechen. Tommy kam uns indess nach und kreischend und heulend schrie er jetzt auch für mich deutlich genug, „Wasser, Wasser, Wasser!" Natürlich wendeten wir uns nun alle nach links zu ihm. Bald nachdem er von uns weg war, hatte er die weissen Sandhügel, nach denen ihn Mr. Tietkens geschickt hatte, bestiegen und was erblickte er da? Ein offenes Stück Grasland, '/2 Engl. Meile entfernt, ganz umringt von Cypressen und in eine trichterförmige Vertiefung abfallend. Vor Besteigung des Sandhügels hatte er die Spuren eines Emu bemerkt und beim Hinabsteigen sah er, dass diese Spuren nach dem offenen Kreis, den er erblickt hatte, hinliefen, und ihnen folgend kam er zu seiner grossen Freude an einen Miniatur-See im Sande, voll der unschätzbaren Flüssigkeit, die er seit mehr als 300 Meilen nicht zu Gesicht bekommen hatte. Er tränkte sein Kameel und kam dann hinter uns her, als wir langsam dahin zogen in Tod und Verderben, unwissend an dem lebenerhaltenden Preise vorbei. Hätte Mr. Toung am Morgen zuvor richtig gesteuert, so hätten wir diesen Schatz gerade auf unserem Kurs gehabt und hätte ich seine ungenaue Steuerung nicht unterbrochen, so wären wir über 2 Engl. Meilen von diesem Wasser, an der Nordseite eines langen weissen Sandhügels, vorbeigekommen, und weder Tommy noch irgend jemand sonst hätte den Platz gesehen, an dem es sich befindet, da es vollständig im Skrub verborgen ist: und wie die Sachen standen, wären wir immer noch in der Entfernung von '/a Meile vorbeigegangen, wenn nicht Mr. Tietkens Tommy abgeschickt hätte, um sich umzuschauen. Als ich an diesem neu entdeckten flüssigen Juwel ankam, fand ich es wie oben beschrieben; es ist das eigentümlichste Vorkommen von Wasser, das ich je gesehen habe, denn es liegt in einer kleinen Niederung in der Mitte einer kleinen Grasfläche, umgeben von Gruppen der Grabcypresse, und während ich mein Kameel an dem willkommenen Wasser erfrischte, citirte ich aus Byron

In the detert a fountain U springing,
In the vide toaste tliere still stand» a tree,
In its broncho a bird there is einging
Songs of tretet welcome to me ').

I Dieses Wasser ist ohne Zweifel permanent, da es von

dem Abfluss der umgebenden Sandhügel ergänzt wird. Es liegt frei da, in einem kleinen offenen Becken von 450 Fuss Umfang und 2 bis 3 Fuss Tiefe. An den Abhängen hinauf waren überall Brunnen gegraben und in jedem einzelnen befand sich Wasser. Ein grosser, wie es schien, natürlicher Brunnen, 12 bis 15 F. höher als das grosse Becken gelegen, enthielt einen reichen Vorrath. Ausserhalb der unmittelbaren Umgebung dieses offenen Raumes herrscht der Skrub. Man kann sich denken, wie froh wir über die Entdeckung dieses einzigen und einsamen Wasserplatzes waren, nachdem wir bisher eine solche Wüste durchreist hatten. Vor der Nothwendigkeit zu versuchen, wie viel länger die Expedition noch ohne Wasser hätte weiter gehen können, waren wir jetzt bewahrt; aber ich kann in Wahrheit sagen, dass Ihre Süd-Australischen Kameele an Stärke und Ausdauer keinen in der Welt nachstehen. Vom menschlichen und humanen Gesichtspunkt war es gewiss ein grosses Glück, dass wir diese Quelle fanden, eine erfreuliche Erholung für Menschen und Thiere nach dem unablässigen Marsch; und da die Entfernung des Punktes, auf den ich zusteuerte (Mount Churchman) noch 330 Engl. Meilen betrug, war diese Entdeckung offenbar eine grosse Wohlthat, wenn nicht geradezu die Rettung für die ganze Gesellschaft. Obgleich ich während unseres 17tägigen Marsches, von dem kleinen Damm bei der Kolonie-Grenze an, den Mitgliedern der Gesellschaft nicht ausdrücklich eine knappe Wasserportion vorgeschrieben hatte, war doch die Einschränkung, die wir uns stillschweigend auferlegt hatten, so gross, dass wir alle während der ganzen Zeit beständig an Durst litten; und die kleine consumirte Wassermenge (wir hatten natürlich weder Thee noch Kaffee) zeigte, mit wie wenig sich alle begnügt hatten. Geographische Objekte sind auf dieser Expedition zum Erschrecken selten gewesen und diese Quelle ist das erste permanente Wasser, das ich gefunden habe. Ich nahm mir die Freiheit, sie unserer gnädigsten Königin zu widmen und eben so beehrte ich die grosse Wüste, in welcher ich sie fand, und die sich zweifellos gleichweit nach Westen davon erstreckt wie nach Osten, mit dem mächtigen Namen Ihrer Majestät und nannte sie „Grosse Victoria-Wüste" und die Quelle „Königin Victoria's Quelle'": sie werden, wenn nicht jetzt, doch künftig berühmte Lokalitäten in den Gebieten der Englischen Monarchie

') In der Wust« springt eine Quelle, in der weiten Öde steht noch ein Baum. in seinen Zweigen singt mir ein Vogel Lieder süssen Willkommens.

werden. Ich habe keine Victoria und Albert Nyanzas, oder Tanganjikas, Lualabas oder Tschambesis, wie die grossen Afrika - Reisenden, mit Ihrer Majestät Namen zu ehren, aber das bescheidene Anerbieten einer kleinen Quelle in einer hässlichen Wüste, die, wenn sie die eben genannten grossen geographischen Objekte umgäbe, sie wohl für immer verborgen gehalten hätte, wird hoffentlich nicht unannehmbar in Ihrer Majestät Augen erscheinen, wenn es von einem loyalen und getreuesten Unterthan kommt.

Bei der Ankunft tranken unsere Kameele, wie nur durstige Kameele trinken können, und unsere eigene grosse Freude war, dass wir uns den Luxus eines Bades erlauben konnten; 17 Tage ohne Wechsel des Anzugs oder den geringsten Versuch sich zu waschen genügen, um in dem schmutzigsten der Menschen eine Sehnsucht nach Veränderung zu wecken; und als wir zu beidem noch eine reichlichere Kost fügten, wurden wir ganz verliebt in unsere neue Heimath.

Hier an dieser Quelle wächst die dornige Vegetation der Wüste neben den angenehmeren Wasserpflanzen am Rande des Wassers, so dass Fruchtbarkeit und Sterilität neben einander stehen. Mr. Young steckte hier Samen von zahlreichen Gemüsen, Bäumen und anderen Pflanzen, u. A. von dem Riesenbambus (Dendroclanus striatus), auch vom Tasmanischen blauen Gummi-Baum und Akazien, aber ich fürchte, sie werden nicht zur Reife kommen, weil die Eingeborenen stets das grobe Gras und den Spinifex abbrennen , wodurch bei günstigem Winde alles Grüne oder Trockene bis an den Rand des Wassers verzehrt wird. Es scheint hier sehr wenig Wild zu geben, nur eine Anzahl bronzeflügeliger Tauben kamen Abends und Morgens zum Wasser; da es jedoch ausser dem grösseren Becken verschiedene kleine Brunnen gab, an denen sie trinken konnten und eine Menge dorniger Vegetation ihnen Schutz gewährte, so war unsere Jagd auf sie nicht von grossem Erfolg, unser bester Schütze, Mr. Young, erbeutete nur vier oder fünf. Da wir diese Quelle entdeckt hatten, beschloss ich, unseren edeln Kameelen eine billige Erholung zu gönnen, denn wir hatten bis Mount Churchman noch 330 Engl. Meilen zurückzulegen und es ist gerade eben so wahrscheinlich , dass wir zwischen hier und dort kein Wasser finden, wie zwischen hier und dem kleinen Damm hinter uns.

Es gab hier viele sonderbare fliegende und kriechende Insekten, wir hatten aber bis jetzt nicht viel Glück im Sammeln, obwohl wir in der letzten Nacht einen grossen Skorpion fingen und in ein Glas steckten.

Am Sonnabend den 2. Oktober hatten wir fast eine Woche unter dem schattigen Laub der Cypressen, zwischen denen wir das Lager aufgeschlagen hatten, gerastet, Menschen und Kameele hatten sich von dem Durst und der

Ermüdung während des letzten Marsches erholt und man konnte wirklich kaum glauben, dass wir eine solche Strecke Landes von 325 Engl. Meilen zwischen hier und dem letzten Wasser zurückgelegt hätten. Das Wetter war, so lange wir uns hier aufhielten, sehr warm und den gestrigen Tag machte ein heisaer Sturm, der von Morgen bis Abend aus Westen blies, zu einem abscheulichen. Er hielt bis zum Morgen des 2. Oktober an, seine Temperatur veränderte sich aber dann vollständig, ohne sonstige sichtbare Veränderung in der Atmosphäre und ohne Wolkenbildung, und am 2. hatten wir einen ausserordentlich kühlen und angenehmen Tag. Wir fanden die Position dieser Quelle zu 30° 25' 30" S. Br. und 123° 21' 13" östl. L.

Wenn man früh am Morgen ein Depot verlässt und zur Reise aufbricht, mögen Kameele, wie Pferde, nicht besonders geneigt sein, sich mit Wasser zu füllen, wie sie in der Mitte des Tages thun würden, und beginnen daher von einem Depot kaum halb gefüllt einen langen trockenen. Marsch. Die Araber in Ägypten und anderen Kameelländern zwingen die Thiere beim Beginn einer Wüstenreise, wie ich gelesen habe, sich anzufüllen, indem sie Büfielhörner als Trichter anwenden und Wasser durch die Hälse hinabschütten, bis die armen Thiere fast bersten; und diese wissen aus Erfahrung, sobald die Hörner in ihre Mäuler gesteckt werden, dass ihnen eine Wüstenreise bevorsteht, und lassen sich geduldig vollfüllen. Obwohl ich nun fast alle Dinge, die man auf der Reise gebrauchen konnte, mitgenommen hatte, fehlten mir doch merkwürdigerweise Hörner und ich konnte deshalb beim Aufbruch meine Kameele nicht, wie beschrieben, füllen. Um jeden daraus entspringenden Nachtheil zu vermeiden, schickte ich daher heute mit Mr. Tietkens und Alec Roas drei Kameel - Ladungen Wasser zu einem Depot ca. 25 Engl. Meilen weit auf unserer bevorstehenden Route, damit sich die Kameele en passant auffüllen könnten. Das Wasser sollte in zwei Tröge aus Zelttuch geschüttet und mit einem Tarpaulin zugedeckt werden. Nach der Rückkehr von Mr. Tietkens und Alec blieben wir noch zwei Tage länger bei der Königin-Quelle und ehe ich sie verlasse, ist es vielleicht gut zu bemerken, dass sich der Versuch, den Platz zu finden, für jeden späteren Reisenden vielleicht als ein sehr schwieriger, möglicherweise gefahrbringender erweisen möchte, denn obgleich viele weisse Sandhügel in der Nähe sind, ist die offene Stelle, auf welcher das Wasser sich befindet, so klein im Umfang und so von Skrub eingeschlossen, dass sie von keinem in die Augen fallenden Sandhügel gesehen werden kann, auch sieht man von ihr aus keinen der Sandhügel. Sie liegt an oder bei dem Südwest-Ende einer Gruppe von weissen Sandhügeln , südlich und westlich von ihr erheben sich keine solchen.

Während wir hier verweilten, streiften einige wenige Eingeborene um das Lager herum, aber sie zeigten sich niemals auf der umgebenden Höhe. Oberhalb des Wassers war ein wohl betretener Corroberrie - Pfad, wo die freien Bürger der Wüste oft ihre Feste und Tänze abgehalten haben. Tommy fand nahe dabei eine Menge langer, flacher, schwertähnlicher Waffen und brachte vier oder fünf davon in's Lager. Sie waren nach der gewöhnlichen Manier der Eingeborenen verziert, einige mit queren Einschnitten oder Rinnen, andere mit viereckigen, elliptischen oder rundlichen Figuren; einige dieser zweihändigen Schwerter waren 7 Fuss lang. Mr. Young und ich sammelten so viele Pflanzen-Arten als wir konnten. Einige Grasbäume wuchsen in der Nähe dieser Quelle und manche darunter erreichten eine Höhe von 20 Fuss und mehr. Am Abend des 5. Oktober krochen eine kleine Schlange und mehrere Skorpione bei uns umher, als wir um das Feuer sassen, und es gelang uns, die Skorpione zu tödten, aber die Schlange entkam, obwohl verwundet. Ich hätte sie sehr gern methylisirt, aber sie schien anderer Ansicht zu sein. Bisweilen sahen wir an diesem Wasser Geier, Krähen, Corellas, schwarze Elstern, die in manchen Theilen des Landes auch Schöpsvögel (mutton birds) ') genannt werden, und Tauben. Eines Tages schoss Peter Nicholls eine seltsame Art Aasvogel, ähnlich einer Krähe, nur war er mit Ausnahme der Flügel kleiner; auf dem Boden hatte er das eigenthümliche tanzende Hüpfen der Krähe, sein Gefieder war dunkelschieferfarben mit weisslichen Spitzen an den Flügeln,.der Schnabel war ähnlich dem einer Krähe.

Unser Aufenthalt an diesem Depot hatte nunmehr 9 Tage gewährt und am 6. Oktober Hessen wir es hinter uns gegen Osten, wie wir diess mit allen anderen Ruheplätzen, die wir angetroffen, gethan hatten. Ich wünschte jetzt so direkt als möglich auf den Mount Churchman zuzugehen, den Gregory im J. 1846 entdeckte. Seine Position auf der Karte ist 29° 58' S. Br. und 118° östl. L.; von unserem Depot ist er in gerader Linie 330 Engl. Meilen entfernt, aber gerade Linien auf der Karte und gerade Linien durch dichten Skrub sind zwei verschiedene Dinge und gehen wir so gerade als wir können, so machen wir doch einen um verschiedene Meilen längeren Weg. Am Mittwoch den 6. Oktober setzten wir, wie gesagt, die Reise fort und kamen sofort in die zweite Abtheilung von Ihrer Maj. Königin Victoria's grosser Australischer Wüste. An jenem Abend erreichten wir die Stelle, wo Mr. Tietkens und Alec Ross die beiden Tröge voll Wasser zurückgelassen hatten, 25 Engl. Meilen WNW. vom Depot. Das durchwanderte Land zeigte nur Skrub und Sandhügel. Während des Tage

marsches kamen uns einige Currajing-Bäume ') zu Gesicht und wo wir kampirten, stand eine Anzahl gut gewachsener Eucalyptus-Bäume mit gelber Rinde; sie schienen mir grosse Ähnlichkeit mit den gelbrindigen Stämmen in manchen Theilen von Queensland und Neu-Süd-Wales zu haben. Das Wasser, das ich hierher vorausgeschickt hatte, reichte gerade zur Füllung der Kameele hin. Am folgenden Tage kamen wir bald nach dem Aufbruch, 3 Engl. Meilen vom Lager, zu einigen grossen rundlichen Granitblöcken im Skrub, sie hatten aber keine Vertiefungen, worin sich jemals Wasser halten könnte. Nach 16 Engl. Meilen erreichten wir einen trockenen Salzsee links von uns, der sich in der Nähe unserer Route 4 Engl. Meilen weit fortsetzte. Sowohl gestern als heute sahen wir Wallaby-2) Fallen der Eingeborenen im dichten Skrub. Nach 20 Engl. Meilen erblickten wir einen niedrigen Hügel und erreichten seinen Fuss nach 24 Engl. Meilen; fast überall um uns her lagen Salzsee - Depressionen. Hier fanden wir etwas gutes Kameelfutter, nämlich einige der kleinen Erbsenwicken, die alle grasfressenden Thiere so sehr lieben. Von dem Gipfel dieses kleinen Hügels, des ersten, den wir nach beinahe 700 Engl. Meilen Wegs angetroffen, lag ein anderer niedriger und skrubhewachsener Höhenzug gegen Westen und fast quer über unseren Kurs, bis zu ihm hin und nahezu in allen Richtungen um uns zeigten sich Salzsee'n, obwohl der Horizont wie gewöhnlich überall, mit Ausnahme des erwähnten Höhenzuges, durch dichten Skrub gebildet wurde; wir lagerten am Fusse des kleinen Hügels. Einige hundert Acker Landes waren offen mit Lehmpfannen darauf, aber Regen konnte hier, glaube ich, seit Jahrhunderten nicht gefallen sein. Die Höhe des Hügels betrug ca. 200 Fuss, er bestand aus Granit. Ich war froh, endlich etwas Granit zu Tage treten zu sehen, denn wir näherten uns nun, so zu sagen, der westlichen Küsten - Formation, die , wie ich immer verstanden habe, ganz aus Granit besteht; und es war Zeit, dass etwas wie eine Veränderung des Landes vorkam. Als wir am folgenden Tag dem niederen Höhenzug zuschritten, fanden wir uns in den Verzweigungen einiger Salzniederungen gefangen und mussten einen grossen Umweg machen, um sie zu vermeiden. Gerade bevor wir den Höhenzug erreichten, kamen wir an das Ufer eines anderen Salzsee's mit hartem, festen Quarzkiesel-Bett und konnten über ihn hinweg nach den Hügeln gelangen, die wir nach 16 Engl. Meilen, vom letzten Nachtlager gerechnet, erreichten. Die Aussicht von der Höhe war so entmuthigend wie immer. Im Westen erschienen dicht mit Skrub bewachsene Höhen nebst vielen Salzarmen und Salzkanälen an ihrem südlichen Fuss, und ringsum na«h allen anderen Richtungen begrenzten Skrub und mit Skrub bewachsene Bodenschwellen die Aussicht. Die Höhen jenseit unseres Hügels, der etwa 300 F. hoch war, setzten sich in unserem Kurs, etwas Nord von West, 2 bis 3 Engl. Meilen weit fort, worauf wir abermals sandigen Skrub betraten und nach einem Marsch von 28 Engl. Meilen in 30° 10' 5" S. Br. und 122° 7' 6" östl. L. kampirten. Am nächsten Tage legten wir gute 24 Engl. Meilen zurück, stets durch Skrub und erblickten nach den ersten 12 Engl. Meilen drei niedrige Ketten, nördlich, nordöstlich und ostnordöstlich von uns, die östlichste schien die, höchste zu sein. Sie lagen 20 bis 30 Engl. Meilen von unserer Route ab.

') Puffinus lirevicaudatus.

') lirachychiton. ') lialniaturus.

Am 9. und 10. Oktober zeigte sich nichts als Skrub, am 11. gegen Abend tauchten vor uns einige skrubbewachsene Höhen auf, die wieder von Salzsee'n umfasst wurden, und um einen Umw^g von mehreren Meilen zu ersparen, versuchten wir, einen davon zu überschreiten, der zwar gegen Westen hin nicht sehr breit, aber von Nord nach Süd ausserordentlich lang war und quer über unserem Kurs lag. Unglücklicherweise geriethen wir mit einigen der führenden Kameele in einen furchtbaren Morast, aus dem wir sie nur mit der grössten Schwierigkeit heil herausbrachten. Wir bekamen schliesslich nur dadurch alle ohne Verlust heraus, dass alle Personen unter grösster Kraftanwenduug die Beine der Kameele an Stricken in die Höhe zogen und Tarpaulins in die frei gewordenen Löcher steckten; alsdann mussten wir selbst alle ihre Lasten und die Packäättel hinaustragen. Es schien uns eine keineswegs leichte Aufgabe, 200 Pfund (eine halbe Last) auf unserem Rücken durch den morastigen Boden bis an das trockene Ufer zu tragen, aber es war doch ein grosses Glück, keinen Verlust an Kameelen zu erleiden, denn ein Kameel in einem Sumpf ist das hülfloseste Thier, das man sich denken kann. Als wir den Sumpf verliessen, stiegen wir nordwärts das Ufer des See's hinan, wo wir noch einige Erbswicken fanden und nahe am Anfang des See's das Lager aufschlugen. Wir waren fast 30 Engl. Meilen marschirt, aber in gerader Linie nur 24 vom letzten Lagerplatz aus. Drei Abende nach einander hatten die Kameele nichts zu fressen gefunden. Etwas Rauch stieg 3 oder 4 Engl. Meilen von unserem Lager auf und da sich einige Anhöhen dort fanden, beabsichtigte ich, am anderen Morgen Jemand abzuschicken, um nach Wasser zu suchen. Am folgenden Tag mussten wir einen Umweg von 3 bis 4 Engl. Meilen machen, um diesen sumpfigen See zu vermeiden, nur Alec Ross und Tommy überschritten ihn , um Spuren von Eingeborenen aufzuspüren und nach Wasser auszuschauen. Jenseit des See's kamen wir über dicht mit Skrub bewachsene Granithöhen, wo hie und da kahle Felsen zu Tage traten, aber Vertiefungen, die auch nur einen Tropfen Wasser hätten

enthalten können, Hessen sich nicht darin erblicken. Nachdem wir 15 bis 16 Engl. Meilen zurückgelegt, alle Höhen überschritten und den Mallee-Skrub wieder betreten hatten, holten unä Alec und Tommy ein, da Mr. Young mit Kameelen für sie zurückgeblieben war, und berichteten, sie hätten ein kleines Felsenloch gefunden, nach Alec's Aussage mit 20 bis 30 Gallonen Wasser, oder wie Tommy sich ausdrückte, mit einem kleinen Tropfen, so dass ich es nicht der Mühe werth hielt, Kameele so weit zurückzuschicken um einen so geringen Gewinn. Wir sahen heute zwei bis drei Dutzend Grasbäume nebst Quandong- und Currajing-Bäumeu, und kampirten wieder im Skrub, wo es nur wenige Leguminosen für die Kameele gab, nachdem wir 281 Engl. Meilen zurückgelegt, aber in gerader Richtung nur 24 Engl. Meilen vorwärts gekommen waren. Die letzten drei Tage waren sehr warm gewesen, das Thermometer stieg alltäglich auf 98° F. (36°,7 C.) im Schatten. Die Kameele schienen durstig zu sein, sie wollten von den vorhandenen Büschen, die auch wirklich ein ärmliches Futter abgaben, nichts geniessen. Im Verlauf der letzten Paar Tage hatten wir bisweilen Stellen mit Gras und lehmigem Boden angetroffen, gewöhnlich da, wo die gelbrindigen Mallee-Bäume wuchsen, und wir kamen bei vielen kleinen Lehmrinnen und -Pfannen vorbei, in denen sich Regenwasser eine Zeit lang halten könnte, aber nach dem Aussehen des Grases und der übrigen Vegetation konnte es offenbar in dieser verruchten Gegend seit wenigstens einem Jahre nicht geregnet haben, jedes vegetabilische Ding schien trocken, dürr oder todt zu sein. Am 13. Oktober überschritten wir 12 Engl. Meilen vom Lager einige andere, mit Skrub bewachsene Granithöhen, wo der nackte Fels in einiger Ausdehnung exponirt war. Ich suchte auf ihm, aber die Vertiefungen waren so klein und seicht, dass sich Wasser nicht länger als acht Tage nach einem Regenfall darin halten konnte. Mr. Young und Tommy erblickten von ihren Kameelen herab eine andere Masse kahlen Granites weiter entfernt in Nordwest, ich nahm deshalb Tommy und mein Reitkameel und wir ritten dahin, während die Expedition ihren Marsch fortsetzte. Bei der Ankunft fanden wir ein sehr hübsches Stück Landschaft — mehrere hundert Acker kahlen rothen Felsens mit Grasflächen , die sich von ihm gegen Westen abdachten und kleine Wasserläufe oder flache Kanäle bildeten. Wir sahen Schaaren von Krähen und viele frische Fussspuren von Eingeborenen, auch den Rauch von mehreren Feuern in dem umgebenden Skrub. Tommy ging nach dem tieferen Boden, während ich den kahlen, flachen Granitfelsen absuchte. Bald fand er einen kleinen Brunnen in einem der begrasten Wasserkanäle und rief es mir zu. Als ich hinkam, fand ich, dass nur sehr wenig Wasser darin zu sehen war, aber ich dachte, man könnte

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