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Expedition lagen, die Schneelinie und sind dieselben nach dem Augenmaasse gegen 2000 F. höher als der Pass.

Dieses Gebirge bildet die politische Grenze zwischen der Mongolei (d. h. Zaidam) und Tibet; doch ist diese Grenze nicht ganz sicher, da die Tibetaner den BurchanBudda als Grenze ihres Landes betrachten. Diese Unsicherheit des Besitzstandes hat jedoch nichts Verfängliches, da der ganze 800 Werst messende Raum vom Burchan-Budda auf dem Tibeter Wege bis zum südlichen Abstiege vom Tan-la gar keine Bevölkerung hat. Die Mongolen nennen denselben „Guresu gadsür", d. i. Thierland, wegen seines Reichthums an wilden Thieren.

Der vorhin erwähnte Gebirgsrücken Urunduschi erhebt sich auf der nördlichen Seite der zwei Tagereisen langen Steppe Odon-tala, von den Chinesen Sin-su-chai, d. i. Sternenmeer, genannt, in welcher die Quellen des Hoang-ho liegen.

Ungefähr 100 Werst südlich vom Schuga-Gebirge streicht ein dritter Gebirgszug, den die Mongolen Bajan-chara-ula (d. i. reiche schwarze Berge) und die Tanguten Jögraiwola-dakzü nennen, auf dem linken Ufer des oberen Laufes des Blauen Flusses (von den Mongolen hier Mur-usu genannt) von Osten nach Westen hin und bildet die Wasserscheide zwischen dem Bassin dieses Flusses und den Quellen des Hoang-ho. Er ist ungefähr 700 Werst lang und hat verschiedene Namen: im Westen bis zum Flusse Naptschitaiulan-muren '), also in einer Länge von 250 Werst, heisst er Kuku-schili, in der Mitte Bajan-chara-ula, dann Dakzü und im östlichsten Theile, der im Süden der Steppe Odontala liegt, Soloma. Das ganze Gebirge soll nirgends die Schneelinie erreichen. Übrigens begleitet nur der mittlere Theil den oberen Lauf des Blauen Flusses, der westliche und der östliche entfernen sich von demselben.

Vom Burchan-Budda- und Schuga-Gebirge unterscheidet sich der Bajan-chara-ula durch weichere Formen und geringere Höhe. Auf der Nordseite erhebt er sich kaum über 1000 Fuss über seinen Fuss, nach dem Thale des Mur-usu fällt er steil ab und hat eine absolute Höhe von 13.100 F. Von Gesteinen herrscht Thonschiefer und Felsit - Porphyr vor. Dieses Gebirge hat viel Wasser und ist auf seinem Südabhange viel fruchtbarer, als die anderen Gebirge im Norden Tibet's.

Der Raum zwischen dem Schuga und dem Bajan-charaula ist eine wellenförmige Wüste von 14.500 F. absoluter Höhe2), die stellenweis Hügelgruppen von etwa 1000 F.

') Dieser l'luss entspringt auf dem Schneegebirge Zagan-nir und fallt nach einem Laufe Ton ca. 400 "Werst in den Mur-usu. In seinem unteren Laufe ist er im Winter 30 bis 40 Faden breit. Sein Wasser ist saliig.

') Der See Bucha-nor hat eine absolute Höhe von 14.400 F. und der Sumpf Chuitun - scbirik am Kordfusse des Bajan - chara - ula eine

solche Ton 14.900 Fuss.
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Fetermann's Oeogr. Mittheilungen. 1876, Heft V.

Höhe aufzuweisen hat. Nur im nordwestlichen Theile des Plateau's erhebt sich das kolossale Schneegebirge Gurbu. naidschi (Tangutisch: Atschün-gontschik '), welches den östlichsten Theil des grossen Kün-lün-Systems bildet; ausser dem Gurbu-naidschi befinden sich hier noch die Gebirgsgruppen Jüssun-obo und Zagan-nir.

Das ganze Plateau lässt den allgemeinen Typus der Wüsten des nördliohen Tibet's erkennen und zeigt überall den furchtbaren Charakter trostloser Unfruchtbarkeit. Der Boden besteht aus Thon mit einer Beimischung von Sand, oder aus Kieselgerölle, ist stellenweis mit einer leichten Lage Salz bestreut und entbehrt fast ganz der Vegetation. Hie und da erhebt sich ein Grasbüschel, oder bedecken gelbgraue Flechten den Boden. Nur an den Quellen und Sümpfen bilden sich kleine, dürftige Gras-Oasen.

Das Klima ist abscheulich. Im Winter und Frühling wüthen Stürme und Schneetreiben, den Sommer charakterisirt beständiger Regen, und nur im Herbste herrscht helles , stilles, ziemlich warmes Wetter. In dieser Jahreszeit gehen gewöhnlich die Pilger-Karawanen aus der Mongolei, die sich am Kuku-nor gesammelt haben, nach Hlassa. Dieselben brauchen für den 15- bis 1600 Werst langen Weg von Donkür nach Hlassa, wenn Kameele verwendet werden2), zwei Monate, und zwar: am Nordufer des Kuku vorbei durch Zaidam bis zum Burchan-Budda 15 bis 16, von da bis zum Mur-usu 10, längs dieses Flusses stromaufwärts 10, dann über das Gebirge Tan-la bis zum Tibetanischen Dorfe Naptschi 5 und endlich von da mit Yaks3) bis Hlassa 12 Tage; dazu kommen zwei Ruhetage. Der Rückweg wird im Februar angetreten und ist sehr gefahrvoll; viele Menschen, besonders aber viele Thiere erliegen den furchtbaren Mühseligkeiten der Reise. Von der Karawane, die im Februar 1870 in der Stärke von 300 Menschen mit 1000 Kameelen ujid Yaks abging, kamen ungefähr 50 Menschen und alle Thiere im Schnee und in der Kälte um.

Merkwürdig ist es, dass diese Gegend trotz ihrer grossen Unfruchtbarkeit ein ausserordentlich reiches Thierleben aufzuweisen hat.

Von den diesen Gegenden eigentümlichen und zahlreicher vorkommenden Thieren ist das weissbrüstige Argali (Ovis Polii), das Bergschaf (Ovis sp.), die Antilopen-Arten Orongo und Ada (Antilope Hodgsonii, Antilope sp.), der wilde Esel (Equus Kiang), der gelblich - weisse Wolf (Canis sp.), vor Allem aber der prächtige langwollige Ochs

') Die Expedition sah dieses Gebirge 60 Werst westlich von ihrem Wege entfernt.

') Wenn Yaks als Lastthiere gebraucht werden, dauert die Reise noch einmal so lange.

3) Von Naptschi wird das Land so gebirgig und das Grasfutter so kärglich, dass die Kameele zurückgelassen und Taks benutzt werden.

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oder wilde Yak (Poephagus grunniens) zu nennen. Ausserdem kommen noch vor: Bären (Ursus sp.), Manule (Felis Manul?), Füchse (Canis vulpes), Corsake (Canis Corsac), Hasen. Zieselmäuse und zwei Arten Hasenmäuse.

Von Vögeln sind in Nord-Tihet am zahlreichsten Greife (Vultur monachus?, Gyps nivicola), Lämmergeier (Gypaetos barbatus) und Raben (Corvus corax); ferner Fregilus graculus, im Winter zu grossen Schwärmen vereinigt, Syrrhaptes tibetanus, Melanocorypha maxima, Alauda albigula, Linota brevirostris (wahrscheinlich nur überwinternd); Podoces humilis und Montifringilla? spT (die beiden letzteren zahlreich am Kuku-nor).

Die Reisenden brachten über 2^ Monate — vom 23. November 1872 bis zum 10. Februar 1873 — im nördlichen Tibet zu, während welcher Zeit sie meistentheils in einer Mongolischen Filzjurte lebten, die sie besser als ihr Zelt vor den Unbilden des Wetters schützte. Es war diess im Ganzen einer der schwierigsten Absohnitte der Reise. Zu dem steten Kampfe mit dem furchtbaren Klima und der Öde kam noch eine sehr mangelhafte Kleidung, da die verschiedenen Pelzhüllen, deren sie sich bedienen mussten, durch den langen Gebrauch äusserst defekt geworden waren. Stiefel hatten sie z. B. gar nicht-mehr; die Stelle derselben ersetzten Stücke Yakfell, die sie an die alten Schäfte genäht hatten. Das nöthige Fleisch zu ihrem Mittagsessen konnten sie sich nur durch die Jagd verschaffen. Sie hatten davon im Überfluss, denn in Tibet allein hatten sie 76 grössere Thiere, darunter 32 Yaks, von denen jeder durchschnittlich 25 Pud Gewicht hatte, erlegt; aber die Kälte und die dünne Luft des Hochlandes gestatteten selten ein ordentliches Kochen des Fleisches, da dieses stets gefroren war und, so wie auch das Eis zur Suppe, erst aufgethaut werden muaste, der Argal aber in der sauerstoffarmen Luft sehr schlecht brannte. Nachts fanden die Reisenden nach der Überanstrengung während des Tages nur eine sehr geringe Erholung bei der Ruhe auf einer staubigen Filzdecke, die auf dem gefrorenen Boden des Filzzeltes ausgebreitet lag, wozu dann noch die durch die dünne Luft erzeugten Athmungsbeschwerden und Alpdrücken kamen.

Charakteristisch für das Klima Nord-Tibet's im Winter sind Kälte '), Mangel an Schnee2) und Staubstürme.

Nachdem die Expedition das nicht sehr hohe Gebirge Bajan-chara-ula überschritten, erreichte sie am 10. Januar 1873 die Ufer des Jang-tse-kiang oder Blauen Flusses, der in seinem oberen Laufe von den Mongolen Mur-usu und

') Die Kälte stieg Nachts bis auf —31° C. und ermässigte sich nur bei bewölktem Himmel auf —12° C. Mit dem Aufgange der Sonne wurde es wärmer und vier Mal stieg das Quecksilber um Mittag sogar über Null.

') Im Dezember fiel nur an 4, im Januar an 11 Tagen schwacher Schnee.

von den Tanguten Dü-tschu genannt wird. Er kommt aus dem Gebirge Tan-la und strömt, nachdem er das Hochland Nord-Tibet's durchflössen, dem eigentlichen China zu, wo er bald riesige Maasse annimmt. Die Strömung des Mur-usu ist sehr schnell, seine Breite an der Einmündung des Naptschitai - ulan - muren beträgt 107 und mit Einschluss der Arme und Kieselfelder 800 Faden. In der Regenzeit des Sommers soll dieser ganze Raum mit Wasser bedeckt sein; im Herbst fällt das Wasser, aber auch dann kann man den Strom nur an wenigen Stellen durchwaten, und die erste Fürth liegt 30 Werst stromaufwärts von der Mündung des Naptschitai-ulan-muren. Das Flussthal ist höchstens 2 Werst breit und wird zuweilen noch durch Gebirgszüge eingeengt. Die Ufer des Blauen Flusses bildeten die Grenze der Reise. Hlassa war von da zwar nur noch 27 Tagereisen, d. h. ca. 800 Werst, entfernt, die gänzliche Erschöpfung der Lastthiere und der Geldmittel zwang jedoch zur Umkehr.

10. Der Frühling am Kuku-nor und in den Gebirgen

von Gan-su. Rückkehr nach Ala-schan. Weg nach

Urga durch den mittleren Theil der Wüste Gobi.

Im ersten Drittel des Februar beendeten die Reisenden ihre Wanderung in Nord-Tibet und kehrten nach Zaidam zurück, wo bereits ein milderes Klima sie empfing. Sie wollten am Kuku-nor noch die Wanderung der Zugvögel beobachten, da letztere aber diese Gegend wegen ihres durch die hohe Lage bedingten kälteren Klima's vermieden und nur in 26 Sippen beobachtet werden konnten, brachen sie am 1. April nach dem Kloster Tschöbsen auf, welches sie auf ihrem früheren Wege am 15. April erreichten. Sie begaben sich von hier nochmals in die Gebirge in der Nähe des Klosters Tschertünton, in denen sie den vorjährigen Sommer zugebracht hatten und jetzt durch die Jagd auf die im Hochgebirge zahlreich vorkommenden Schneegeier (Gyps nivicola) und auf den Ohrenphasan (Crossoptilon auritum), von den Tanguten Schärama genannt '), zu einigem Verweilen aufgefordert wurden.

In der ersten Hälfte des Mai war das Wetter frühlingsmässig und warm gewesen, in der zweiten wurde es jedoch wieder kalt; am 28. Mai war ein Schneesturm, in Folge dessen die Erde '/2 Fuss hoch mit Schnee bedeckt war; das Thermometer zeigte am nächsten Morgen —5,3° C, nachdem man bereits 76 Arten Pflanzenblüthen gezählt hatte.

Um dieselbe Zeit verliess die Expedition das gebirgige Gebiet von Gan-su, wo sie trotz der Ungunst des Wetters eine sehr reiche Ausbeute für ihre Sammlungen gewonnen hatte.

') Dieser Vogel wird von den Tanguten besonders seiner vier längeren Schwanzfedern wegen erlegt, welche die Chinesischen Offiiiere auf ihren Hüten tragen.

An der Schwelle der Provinz Ala - schan angekommen, sahen die Reisenden wieder das furchtbare Sandmeer vor sich, das sie auf ihrem früheren Wege durchschritten hatten. Eine lötägige Reise brachte sie von der Stadt Dadschin über den kleinen See Serik-dolon und den Brunnen Schangündalai nach Dün-jüan-in. Von hier aus beabsichtigten sie, nach einem etwas längeren Aufenthalt im Gebirge von Ala-schan auf einem noch von keinem Europäer betretenen Wege durch den mittleren Theil der Wüste Gobi zu ziehen. Sie reisten am 14. Juli von Dün-jüan-in, wohin sie aus dem Gebirge zurückgekehrt waren, ab, und mit diesem Tage begann für sie eine Reihe von Drangsalen, die besonders durch die im Schatten bis auf -(-45° C. steigende Hitze, welche den Boden bis zu +65° C. erglühen machte und selbst Nachts oft noch -f 23,5 C. betrug, verursacht wurden. Dieser Hitze und dem damit verbundenen Wassermangel erlag auch der Hund Faust, dem Herr Przewalsky einen so rührenden Nachruf widmet, wie er nur der Brust eines gefühlvollen civilisirten Menschen entströmen kann, der während eines dreijährigen Aufenthaltes inmitten einer halbwilden und meist feindseligen Bevölkerung und der furchtbarsten Anstrengungen und Entbehrungen an dem Thiere einen allezeit gehorsamen und treuen Gefährten gefunden hatte.

Der Weg führte die Reisenden über den See Dscharataidabassu, den sie am 19. Juli verliessen, um über den Brunnen Boro-Sontsohi und die westlichen Ausläufer des Charanarin-ula in genau nördlicher Richtung vorzurücken '). Sie betraten hier das Land der Uroten, das sich keilförmig zwischen Ala-schan und Chalcha schiebt. Der Boden erhebt sich hier bedeutend, senkt sich aber bald wieder sehr allmählich zur Ebene Galbün-Gobi, deren absolute Höhe kaum 3200 F. beträgt. Von hier erstreckt sich eine sanft ansteigende Höhe zum Gebirge Churchu, welches die vollständig unfruchtbare Wüste im Süden von dem mehr steppenartigen Theil im Norden trennt. Von dem Randgebirge des Hoang-ho-Thales senkt sich der Boden wieder westlich zur Ebene Galbün-Gobi, so dass diese von Osten nach Westen in der Länge von ungefähr 20 Tagereisen eine Bodeneinsenkung bildet, die eben so tief ist, wie die des Dscharatai - dabassu - Kessels in Ala-schan. Der Boden der Ebene Galbün - Gobi besteht in der von der Expedition durchschrittenen östlichen Ecke aus salzhaltigem Thon. Der ganze Raum von Ala-schan bis zum Gebirge Churchu ist eine eben so furchtbare Wüste, wie die von Ala-schan, mit dem Unterschiede jedoch, dass der fliegende Sand seltener ist und an dessen Stelle nackter Thon, Kieselgerölle und inselartig zerstreute Hügel von verwittertem Gestein (meisten

') Von einem gebahnten Wege war hier keine Rede, und selbst Fusspfade waren auf Hunderte von Wersten nicht vorhanden.

theils Gneiss) treten. Charakteristisch für diese Gegend sind die Ulmenbäume von 15 bis 20 F. Höhe, die vorzugsweis in den vom Regen gebildeten trockenen Rissen wachsen, im Lande der Uroten ziemlich häufig sind und stellenweis sogar kleine Gehölze bilden. Das Thierleben ist äusserst dürftig, und weder von Vögeln noch von Säugethieren wurde eine neue Species entdeckt. Genug, diese Wüste sowohl wie die von Ala - schan , gegen welche Nord - Tibet ein beglücktes Land ist, sind entsetzlich, ein Reich des Todes im vollen Sinne des Wortes, und dürften der berüchtigten Sahara kaum nachstehen.

Das erwähnte Gebirge Churchu zieht sich als ein scharf gezeichneter Rücken in der Richtung von OSO. nach WNW.; nach Aussage der Mongolen beginnt es am Randgebirge des Hoang-ho-Thales im Osten und streicht mit kleinen Unterbrechungen weit westlich bis zu einem hohen Gebirge, das vielleicht der Thian - schan sein könnte, so dass auf diese Weise eine Verbindung zwischen diesem und dem In-schan gebildet würde. Die Breite des Gebirges Churchu beträgt da, wo die Reisenden es überschritten, über 10 Werst, die Erhebung über die Ebene kaum 1000 Fuss. Die vorherrschende Felsart ist Porphyr, dessen verwittertes Gestein Gerolle bildet, die alle Bergabhänge bedecken. Fauna und Flora sind in diesem traurigen, lebensarmen Gebirge sehr ärmlich; doch kommt hier ein grosses und seltenes Thier, die Bergziege (Capra sp. sibirica?), von den Mongolen Ulan-jaman genannt, vor, das die Reisenden nur hier antrafen , nach Angabe der Eingeborenen aber auch in dem nicht weit von der Stadt Soho ') belegenen Gebirge Jörgaiula im nordwestlichen Ala-schan leben soll.

Auf der Südseite des Gebirges Churchu liegt die Handelsstrasse , welche von Peking über Kuku - choto und Bautu westlich nach den Städten Chamil, Urumtsi und weiter nach der ehemaligen Di-Provinz führt. Bei der Quelle Borzson, an welcher die Reisenden übernachteten, zweigt sich von dieser Strasse der Weg nach Su-tscheu ab.

Nördlich von diesem Gebirge ändert sich der Charakter des Bodens. Fliegender Sand kommt nur noch sporadisch vor und wird durch Thon ersetzt, der mit Kieselgerölle überschüttet ist. Das topographische Relief bleibt jedoch dasselbe und zeigt eine fast vegetationslose, bald glatte, bald wellenförmige Fläche mit niedrigen Hügeln, die bald kleine Höhenzüge, bald Gruppen bilden und aus Thonschiefer, Gneiss und stellenweis aus Gesteinen neuester vulkanischer Bildung bestehen. Nur nach einem starken Regen bilden sich grüne Oasen, die denn auch die Thiere herbeilocken, aber bald wieder in der glühenden Sonne verschwinden.

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Die absolute Höhe der Wüste Gobi vom Gebirge Churchu nordwärts beträgt nirgends mehr als 5500 F., aber* auch nirgends weniger als 4000 Fuss. Eine Bewässerung ist gar nicht vorhanden, nur Brunnen und die durch etwaigen Regen gebildeten Teiche gewähren das nöthige Wasser.

Die Bevölkerung ist in der Mitte der Wüste Gobi nicht schwach und, wie in ganz Chalcha, auch nicht arm. Ungeheuere Schafheerden und zahlreiche Kameele, Pferde und Rinder weiden hier und werden gegen Ende des Sommers trotz der dürftigen Vegetation ungewöhnlich fett, was theils der Freiheit des Lebens in der Steppe, theils aber auch der Abwesenheit der Insekten zuzuschreiben ist.

Luftspiegelungen neckten fast täglich wie böse Geister die Reisenden, die überdiess von starker Hitze und häufigen Stürmen zu leiden hatten, so dass sie in beschleunigtem Marsche Urga zueilten.

Etwa 130 Werst nördlich vom Gebirge Churchu trafen sie auf die Post- und Handelsstrasse, die von Kuku - choto zuerst längs der Poststrasse nach Kaigan fortführt und sich bei der Station Sair-ussu westlich nach Uljassutai wendet; dieselbe ist auch für Wagen passirbar. Ein anderer Weg, der Kuku-choto mit Uljassutai verbindet, liegt noch 150 Werst nördlicher.

Von der erwähnten Poststrasse an ändert sich der Charakter der Wüste Gobi abermals, aber in vortheilhafterer Weise, denn die Wüste wird nun Steppe, die je weiter nach Norden um so fruchtbarer wird. Das Kieselgerölle wird zuerst Kiessand, dann feiner Sand, dem eine geringe

Menge Thon beigemischt ist. Zugleich wird der Boden wellenförmiger. Hügelreihen mit sehr sanften Abhängen kreuzen sich in allen möglichen Richtungen, so dass diese Gegend von den Mongolen bereits Changai, d. h. gebirgig, genannt wird. So bleibt der Boden 160 Werst nordwärts, worauf sich auf der Grenze der wasserlosen Wüste und des Baikal-Bassins die Berge eines niedrigen Felsrückens erheben , die sich schliesslich zu dem nicht sehr hohen Gebirge Gangün-daban gruppiren, hinter welchem die reich bewässerten Theile der nördlichen Mongolei liegen.

Das magere Weide - Terrain des mittleren Theiles der Wüste Gobi wird hier duroh schöne Wiesen ersetzt, die, je mehr man sich Urga nähert, immer prächtiger werden. Eben so wird auch das Thierleben immer reicher.

Nach Übersteigung des Gangün - daban gelangten die Reisenden zu den Ufern des Tola, des ersten Flusses, den sie in der Mongolei getroffen. Auf der 1300 Werst langen Strecke von Gan-su bis dahin hatten sie nicht einmal einen kleinen Bach oder See gesehen, höchstens eine salzige Lache von Regenwasser.

Mit dem Wasser erscheinen auch die Wälder, welche die steilen Abhänge des Gebirges Chan-ula beschatten, und unter diesen erfreulichen Eindrücken gelangten die Reisenden am 5. September zu ihrer unaussprechlichen Freude nach Urga, wo ihnen nach dreijährigen Mühsalen das Glück vergönnt war, ihre Muttersprache zu hören und in einer Europäisch gestalteten Umgebung zu leben.

Dr. Emil Holub's Reise in Süd-Afrika').

Dr. Emil Holub, ein aus Böhmen gebürtiger Arzt, der bereits zwei kleinere Reisen im Innern von Süd-Afrika ausgeführt, hat vor nunmehr ungefähr einem Jahre eine dritte Reise in jenen Gebieten angetreten, der er, wenn möglich, eine grössere Ausdehnung zu geben beabsichtigte. Wir skizziren in den nachfolgenden Zeilen den bisherigen Verlauf dieser Entdeckungsreise, so weit er uns nach den eingegangenen Nachrichten bekannt geworden ist.

Nach der zu Kimberley in den Diamanten-Feldern der Kapländischen Provinz Griqualand West erscheinenden Zeitung „The Diamond News and Griqualand West Government Gazette" (vom 23. Februar 1875) beabsichtigte Dr. Holub, in den ersten Tagen des März 1875 von Dutoitspan auf

') Zur Orientirung s. Stieler's Hand-Atlas, neueste Ausgabe Nr. 71 und 72, und Tafel 21 Geogr. Mitth. 1872, welche letztere für den nBrdlichen Theil der bereisten Gegend die ausführlichste bis jetzt publicirte Originalkarte ist.

i zubrechen, die geologische Beschaffenheit der Salzpfannen zwischen Christiana und Mamusa zu untersuchen und sich alsdann zum Limpopo zu wenden; diesen Fluss wollte er eine Strecke begleiten und sich darauf über Schoschong nach Norden zum Zambesi wenden, um womöglich das Quellgebiet dieses Stromes zu erreichen und durchforschen zu können. Die genannte Zeitung brachte am 18. Mai 1875 einen Brief des Dr. Holub, d. d. Moiloa, 13. April 1875, dem wir die folgenden Angaben über die erste Strecke der Reise entnehmen. — „Ich erreichte Moiloa 33 Tage nach meiner Abreise von Dutoitspan. Von Christiana nahm ich meinen Weg über die Hallwater Salzpfanne, dann über Flerkfontein, Driefontein, Houmansolei nach Mamusa. Bei der Hallwater Pfanne habe ich nochmals die sogenannten Ruinen von Mosogra besucht und bin wiederum zu der Überzeugung gekommen, dass wir es hier nur mit einem seltsamen Spiele der Natur zu thun haben. Das Salz dieser Pfanne ist weit besser, als das irgend einer anderen zwischen den Flüssen Vaal und Molopo. Eine 25 engl. Meilen nordnordöstlich von Mamusa belegene Salzpfanne taufte ich nach Moffat, dem Nestor der Süd - Afrikanischen Mission. Von da ging ich über die Unagga Fiats und den MoritsaniFluss zum Molopo, um die interessanten Thäler dieses Flusses zu durchforschen. — Die Salzpfanne östlich von, Konana habe ich Jungmann's Salzpfanne genannt. — Vom Molopo wandte ich mich über Jakobsdal und Zeerust nach Moiloa. Einen Spruit, der im Westen des Maalmanie-Spruit nach Norden fliesst, nannte ich Burgers' Spruit. Am Maalmanie-Spruit entdeckte ich eine Kupfermine. Bei der Durchforschung des Berglandes zwischen, dem Maalmanie-Spruit und Jakobsdal habe ich die folgenden neuen Namen eingeführt. Den dem Westufer des Maalmanie zunächst gelegenen Berg, den ersten auf der erwähnten Strecke, nannte ich Rohlfs-Berg und den Hügel dicht am Fasse Andersons Hill; dem schönen Thale, in welchem der JakobsdalSpruit fliesst, gab ich den Namen Hieronymus - Thal. — Auf meinem Wege von P. P. van Zyl's Farm (13 engl. Meilen östlich von Molemastown am Molopo) nach Moiloa fand ich den Boden aus dem grauen harten Kalkstein bestehend, der einen grossen Theil des Westens und der Mitte der Transvaal-Bepublik bedeckt, eben so auch einige Gegenden zwischen dem Harts - Flusse und dem Molopo. Am Molopo ist er mit weissem Muschelkalk bedeckt, und auf den Hügeln an den in den Kleinen Marko füessenden Spruits und an den Quellen des Notuani und Matebe fand ich ihn allgemein überlagert von Feldspath- und Quarzfelsen, welche letzteren wieder gewöhnlich mit Eisenschieferbänken bedeckt sind. Diese Schieferbänke an den Hügeln des Hieronymus-Thales und den Bergen nördlich von Zeerust und nördlich von Moiloa sind von immenser Grösse; der reichste Eisenschiefer findet sich dicht bei den Quellen des Matebe, 1 Engl. Meile westlich von Moiloa. Eine der ergiebigsten Erzfundstätten in der Marico - Gegend ist T. Oostuise's Farm, die an den Quellen des Notuani liegt. — Meine Untersuchungen des Marico-Gebietes haben mich zu der Überzeugung gebracht, dass diess der reichste Distrikt de* Transvaal - Republik sein muss, nicht nur an Metallen, sondern auch hinsichtlich der Fruchtbarkeit des Bodens; die ganze Gegend erfreut sich eines Überflusses an Quellen und Spruits, der diesem Theile der Republik eine bessere Zukunft prophezeit, als all' ihr Goldreichthum anderen Landschaften."

Über die Fortsetzung der Reise von Moiloa nach Schoschong erhielten wir Nachricht durch die „Diamond News" vom 6. Juli 1875, welche einen Brief Holub's aus Schoschong enthalten, den wir hier auszüglich wiedergeben. — „Die Entfernung zwischen Moiloa und Schoschong

beträgt 363 Engl. Meilen, welche ich in 26 Tagen zurücklegte. Ich untersuchte den Fluss, der von Jooshin's Farm nach der Darstellung aller mir bekannten Karten zum Moiloa und so in den Marico fliessen soll, und fand, dass diess der obere Notuani ist. Von Moiloa wandte ich mich durch Buispoort über die Dwars-Berge und am Marico entlang zu dessen Einmündung in den Limpopo. Die Berge zwischen Buispoort und Moiloa haben einen steilen Westabfall, während sie sich nach Osten allmählicher senken. Das Land zwischen dem Notuani und Marico wird von den Boers Buschfeld genannt; es enthält eine grosse Menge von Spruits und zahlreiche Hügelreihen. Man findet hier mehrere verlassene Ansiedelungen der Eingeborenen und alte ehemals bearbeitete Minen, die meiner Meinung nach von den jetzt im Nordosten der Matebele wohnhaften Maschuna herrühren. Die geologische Formation des Buschfeldes ist eine auch in der Transvaal - Republik häufiger wiederkehrende: grauer Kalkstein, Feldspath- und Quarzfelsen und reiche Eisenschiefer - Lager. An einigen Stellen tritt der graue Kalkstein zu Tage; Gneiss- und Granitfelsen, Quarz mit goldglänzendem Glimmer und röthliche Schiefer, reich an verschiedenen Metallen, fanden sich an den Ufern des Grossen Marico, im Norden des Buschfeldes. Beim Zusammenflusse des Marico und Limpopo betrat ich ein sehr thierreiches Gebiet; ich glaube aber, dass in der Zukunft der Jäger dort nicht mehr so ergiebige Gründe finden wird, da zahlreiche trekkende Boers diesen Landstrich passirten, in Karawanen von 30 Wagen und mit Tausenden von Schafen und Rindern. Diese Boers ziehen nach dem Damara-Land, um da eine neue Republik zu gründen. Ungefähr 10 engl. Meilen nördlich vom Einfluss des Notuani schlug ich eine nordnordwestliche Richtung ein, kreuzte den Sirorumi und den Humboldt-Fluss, so wie die grosse Salzpfanne und erreichte am 19. Mai Schoschong."

Dem Herrn Julius Wernher, Redacteur der „Diamond News", verdanken wir die gütige Mittheilung eines an ihn gerichteten Briefes des Dr. Holub, d. d. „North Central Fountains of Klamagenjan, 11. July 1875 (312 miles north of Shoshong)". Der Reisende schreibt: „Die unerwartete Begegnung eines nach Schoschong reisenden Traders erlaubt mir, Ihnen einen kurzen Bericht zu senden; zu ausführlichen Mittheilungen werde ich erst am Zambesi kommen. Nach der erhaltenen Auskunft darf ich hoffen, den Zambesi nicht allein zu überschreiten, sondern auch meine Reise nach Norden weiter fortsetzen zu können. Nur einer Entdeckung will ich hier schon Erwähnung thun: Der Suga-Fluss hat eine Fortsetzung und ergiesst sich bei genügendem Wasserstande in den Schascha, einen Nebenfluss des Limpopo. Die Gegend um die verschiedenen Salzpfannen ist so interessant, dass ich davon eine Karte in grossem Maassstabe

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