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ausdehnen. Städte giebt es hier nicht, wohl aber die beiden Flecken Pu-nin-scha und Gao-dschi-tun. Die Höhe steigt allmählich. Gu-bei-keu auf der Südseite erhebt sich kaum 700 Fuss, Dolon-nor auf dem Mongolischen Plateau aber schon 4000 Fuss über die Oberfläche des Meeres. Den letzten Rand bildet eine Alpen-Kette, die sich nach Aussagen der Eingeborenen weit nach Norden erstreckt. Wahrscheinlich ist diess das Grosse Chingan-Gebirge, welches die Mandschurei von der Mongolei scheidet. Nach der Mongolischen Seite wird dieses wilde Gebirge zu einer wenig hohen Hügelreihe mit Kuppelformen. Eben so schroff ist die Änderung der ganzen Natur: Bäume und Gebüsche verschwinden, eben so die Felsen und Berge, und man sieht nur die hügelige Steppe und die ihr charakteristisch angehörenden Thiere: Hasenmaus, Antilope gutturosa und Mongolische Lerche.

In Dolon-nor angekommen, wurden die Reisenden von allen Chinesischen Gastwirthen unter dem Vorwande, dass kein Raum frei sei, abgewiesen, und sie wandten sich schliesslich auf den Rath eines Mongolen an ein Mongolisches Kloster, wo sie freudig aufgenommen wurden.

Dolon-nor — Mongolisch für „Sieben See'n", Chinesisch: Lama-mjao, so viel wie „Kloster des Lama" — liegt unter 42° 16' N. Br. und ist nebst Kaigan und Kukuchoto ein wichtiger Punkt für den Handel China's mit der Mongolei. Es liegt in einer Sandebene am Bache TJrtüngol, einem Zuflüsse des Schandu-gol. Der Mongolische Theil der Stadt besteht aus zwei grossen Klöstern, die von Fansen umgeben sind, in denen gegen 2000 Lanien wohnen. Der Chinesische Theil ist 2 Werst lang und 1 breit und hat eine zahlreiche Bevölkerung. Das Merkwürdigste des Ortes ist die Fabrikation der Götzenbilder, die hier für die ganze Mongolei und zum Theil auch für China aus Bronze und Eisen gegossen werden.

40 Werst hinter Dolon-nor beginnt an der Grenze des Aimaks Kesehikten die Gegend Gutschin-gurbu, von Sandhügeln gebildet, die 30 bis 50, zuweilen sogar 100 Fuss hoch sind und sich bis zu dem 150 Werst nördlich von Dolon-nor belegenen See Dalai-nor hinziehen. Diese Hügel sind theils ganz nackt, theils mit Gras und Sandweiden, mitunter auch mit Eichen, Linden, schwarzen und weissen Birken bestanden, in deren Unterholz sich viele Füchse und Rebhühner aufhalten. Ab und zu trifft man in den Thälern Chinesische Dörfer; die Mongolischen Nomaden kommen aber wegen des Mangels an Wasser nicht hierher.

Am 6. April erreichten die Reisenden den See Dalainor — Mongolisch für „Seemeer" —, der am Nordrande des Sandhügelgebietes Gutschin-gurbu liegt und der grösste See der südöstlichen Mongolei ist. Er hat einen Umfang von ca. 60 Werst, enthält Salzwasser und nimmt vier

Bäche auf: von Osten den Schara- und Gungür-gol und von Westen den Chole- und Schurga-gol. Der See soll sehr fischreich sein, die Reisenden fingen jedoch, da der See noch zugefroren war, nur drei Species: Diplophysa sp., Squalius sp. und Gasterosteus sp. Die Umgegend des See's bilden im Osten und Norden salzhaltige Ebenen, im Westen hügelige Steppen und im Süden die Hügellandschaft Gutschingurbu. Hier liegt auch eine kleine Berggruppe, an deren Fusse Chinesische Dörfer und das Kloster Darchan-ula belegen sind. Dieses Kloster wird im Sommer viel von den Mongolen besucht, die ein gottgefälliges Werk zu thun glauben, wenn sie von den Chinesischen Fischern Fische kaufen und diese wieder in den See setzen. Der Dalainor hat eine absolute Höhe von 4200 Fuss und in Folge dessen ein sehr rauhes Klima. Das Eis wird 3 Fubs dick und schmilzt erst Ende April oder Anfangs Mai.

Inmitten der wasserlosen Steppen der Mongolei belegen, ist der Dalai - nor eine Hauptstation für die Wasser- und Sumpf-Zugvögel, und so gab es denn auch Ende März eine Menge Enten, Gänse und Schwäne, in geringerer Zahl Taucher , Möven, Wasserraben , Kraniche, Reiher, Löffelgänse und Sichelschnäbel; Raubvögel und kleine Vögelcben waren im Allgemeinen weniger zahlreich.

Nachdem die Expedition 13 Tage am Dalai-nor verweilt hatte, kehrte sie über die Hügel des Gutschin-gurbu, dessen Stille jetzt durch den prächtigen Gesang des dem mittleren Asien eigenthümlichen isabellenfarbigen Steinschmätzers (Saxicola isabellina) unterbrochen wurde, nach Dolon-nor zurück.

Die Aufnahmen nach dem Augenmaasse unter Benutzung einer Schrnalkalden'schen Bussole waren bei der Einförmigkeit der Gegend sehr mühsam, boten aber auch während der ganzen Reise besonders dadurch grosse Schwierigkeiten dar, dass sie vor den Bewohnern durchaus geheim gehalten werden mussten. Hätten die Chinesen geahnt, dass diese Aufnahmen gemacht werden, hätten sich die Schwierigkeiten der Reise sieher verdoppelt, und letztere wäre durch dicht bevölkerte Gegenden kaum möglich gewesen. Tausenderlei Listen mussten angewandt werden, um die Aufmerksamkeit der zufällig Anwesenden von der Arbeit, wenn diese nicht aufgeschoben werden konnte, abzulenken. Eben so grosse Vorsicht musste bei dem Eintragen der Aufnahme in die Karte beobachtet werden. Auf dieser Karte (im Maassstabe von 10 Werst auf den Englischen Zoll')) sind die bewohnten Orte und Fansen (aber nicht die beweglichen Jurten), Klöster, Brunnen, See'n, Flüsse, Bäche, Berge und Hügel angegeben, so weit sie vom Wege aus

') Die dem Werke des Herrn Przewalsky beigegebene Karte ist yiermal kleiner als das Original.

zu übersehen waren. Wichtige Gegenstände, die nur durch Hörensagen bekannt wurden, sind durch Punktirung bezeichnet. Behufs genauerer Anlage der Karte wurde die nördliche Breite von 18 der wichtigsten Punkte mit Hülfe eines kleinen Universal-Instruments bestimmt.

Von Dolon-nor schlug die Expedition den Weg nach dem 230 Werst entfernten Kaigan ein. Es führt dahin eine sehr belebte, gute Fahrstrasse, auf welcher auch Herbergen für die Reisenden eingerichtet sind. Unsere Reisenden benutzten dieselben jedoch nie, weil sie die frische Luft im Zelte dem dort, wie in allen Chinesischen Gasthöfen, herrschenden Schmutze und Gestanke vorzogen und sich in ihrem Zelte auch leichter den Schaaren zudringlicher Neugierigem entziehen konnten, die stets herbeigeeilt kamen, wenn sie "bei einem bewohnten Orte Halt machten.

In topographischer Hinsicht bildet diese Gebend eine weite hügelige Steppe mit einem aus sandigem Lehm bestehenden, zum Theil salzigen Boden, der überall von dichtem Grase bedeckt wird. Bäume und Gebüsche sind nicht vorhanden), dafür aber Bäche und kleine See'n zahlreicher, als in anderen Theilen der Mongolei. Das Wasser dieser See'n ist garstig unrein, die Mongolen empfinden aber keinen Ekel und kochen stets ihren Thee darin; auch unsere Reisenden haben es oft genug trinken müssen, weil sie kein besseres hatten. Auf den weiten grasreichen Steppen weiden die Pferdeheerden des Bogdochan, von denen jede 500 .Pferde zählt und unter der Aufsicht eines besonderen Beamten steht. Aus diesen Heerden werden im Falle eines Krieges die Pferde für die Truppen genommen. Das Mongolische Pferd ist von mittlerem, sogar kleinem Wüchse, hat dicke Füsse, dicken Hals, grossen Kopf und dichteB ziemlich langes Haar; dabei ist es aber von ungewöhnlicher Ausdauer. Bei der strengsten Kälte sucht es sich sein Futter im Freien und begnügt sieh mit dem spärlichen Grase und in Ermangelung desselben mit den Zweigen der Gesträuche; der Schnee ersetzt ihm das Wasser.

Die Weiden des BogdochanB befinden sich zum grössten Theil im Aimak der Zacharen, deren Ländereien sich von Keschikten über 500 Werst nach Westen, bis zum Aimak der Durbuten erstrecken.

Das Klima dieses südöstlichen Theiles der Mongolei ist kalt, windig und zeichnet sich durch grosse Trockenheit der Luft aus. Die Nachtfröste dauern oft bis in den Mai hinein. Am 2. dieses Monats hatte sich ein kleiner See mit einer zolldicken Eisdecke überzogen, die einen Menschen trug. Auf dem Mongolischen Plateau kommen derartige Überraschungen sogar im Juni vor. Stilles Wetter trat während des ganzen Frühlings selten und nur auf einige Stunden ein. Gewöhnlich herrschte ein kalter Wind, der oft zu einem starken Sturm anwuchs. Dann zeigte sich

die Mongolische Steppe. Wolken von Sand, Staub und — auf salzhaltigem Boden — feinem Salze wurden aufgewirbelt und verdunkelten die Sonne, die oft ganz verschwand. In der Entfernung einer Werst waren dann keine Berge mehr zu sehen; der Sand wurde mit solcher Gewalt fortgetrieben, dass selbst die an die Mühsale der Wüstenreise gewöhnten Kameele oft stehen blieben und Kehrt machten, bis der Wirbel vorübergebrausf. war. Zuweilen folgte einem solchen Sturmwirbel starker Hagelschlag oder strömender Regen; beide hielten jedoch gewöhnlich nur einige Minuten an; es trat dann eine vollständige Stille ein, der nach einer Viertelstunde oder weniger ein neuer SturmauBbruch folgte. Im Allgemeinen war jedoch die Menge der atmosphärischen Niederschläge nur gering.

In Kaigan trafen die neuen kosakischen Begleiter der Expedition ein und wurden die früheren zurückgeschickt. Einer der neuen Kosaken war Burjate, der andere Russe von Geburt; der erstere sollte als Dolmetscher dienen, der andere die wirtschaftlichen Angelegenheiten führen. Es wurde auch noch ein neues Kameel gekauft, so dasB die Expedition jetzt über acht Kameele und zwei Pferde verfügte. Der Hühnerhund FauBt vervollständigte das lebende Inventar,

Am 15. Mai brachen die Reisenden auf, stiegen zum Plateau hinan und schlugen am folgenden Tage die westwärts nach der Stadt Kuku-choto führende Poststrasse ein. Drei Tage lang führte der Weg durch eine hügelige Steppe mit Weideländereien der Mongolen; dann folgte Chinesische Bevölkerung, die man sporadisch auf dem ganzen südöstlichen Grenz-Distrikt der Mongolei antrifft. Die Chinesen kaufen oder pachten anbaufähiges Land von den Mongolen und siedeln sich an. So schreitet der Anbau mit jedem Jahre weiter vor und drängt die eingeborenen Nomaden immer mehr nach Norden.

In dem Chinesischen Dorfe Si-insa trafen die Reisenden auf eine katholische Missions-Station, in welcher jedoch augenblicklich nur ein Missionär anwesend war '), und wo sie eine freundliche Aufnahme fanden. Auf den Rath dieses Missionärs nahmen sie hier einen getauften Mongolen zur Unterstützung ihrer Kosaken mit, der vermöge seiner Kenntniss der Chinesischen Sprache als Dolmetscher dienen sollte. Aber schon nach dem ersten Tagemarsche stahl derselbe ein Messer und einen Revolver und entfloh.

In Folge der Nachrichten, welche die Reisenden von den Missionären erhielten, änderten sie die Richtung ihres Weges, indem sie sich dem nördlich von Kuku-choto belegenen Waldgebirge zuwendeten, welches die Chinesen Schara

') Ausserdem bestehen noch vier vou Jesuiten unterhaltene Missions-Stationen in der südöstlichen Mongolei.

chada, d. h. Gelber Gebirgsrücken, nennen. Dieses Gebirge steigt fast senkrecht vom Thale des See's Kürü-nor auf und erhebt sich gegen 1000 Füss über dasselbe. Sein Rücken bildet ein 27 Werst breites hügeliges Plateau mit vorzüglichen Steppenweiden, auf welchem sich auch Mongolische Antilopen (Antilope gutturosa) zeigten. Der westliche Abhang ist nicht ganz so steil wie der östliche, obgleich immer noch abschüssig genug.

Parallel mit dem Schara - chada läuft ein anderer Gebirgszug , der Suma-chada, der ca. 50 Werst von jenem entfernt ist und einen wilderen Charakter hat. Übrigens sind auch bei diesem Gebirge die Alpenformen nur in den Eandketten entwickelt, während es im Inneren weichere Linien und sanfte Abhänge hat, die mit prächtigem Grase bewachsen, von den Chinesen sogar stellenweis bebaut sind. Die absolute Höhe des Suma-chada übertrifft die des Scharachada, die relative Erhebung über die anstossenden Ebenen ist aber bei beiden fast gleich2). Beide sind wahrscheinlich Ausläufer des das Mongolische Hochland umschliessenden Randgebirges, erstrecken sich jedoch nicht weit nach Norden.

Auf dem südöstlichen Rande des Schara-chada und in dem felsigen Gürtel des Suma-chada wuchsen verschiedene Gesträuche, wie Haselbüsche (Ostryopsis Davidiana), gelbe Hagebutten (Rosa pimpinellifolia), Spiräen (Spiraea sp.) u. a. m., im Suma-chada sogar einige Bäume, wie Ulmen, Erlen und Ahorn - Bäume (Acer Ginnala), letztere übrigens ziemlich selten. Bemerkenswerth ist es, dass hier, wie in allen anderen Gebirgen der Mongolei ohne Ausnahme, Gebüsche und Bäume sich ausschliesslich auf den nach Norden gerichteten Abhängen der Gebirge und Schluchten entwickeln.

Auf dem Suma-chada sahen die Reisenden auch zum ersten Mal das bemerkenswertheste Thier des Mittel-Asiatischen Hochlandes, das Argali-Schaf (Ovis Argali). Die Argalis halten sich in den felsigen Theilen des Gebirges, und zwar auf der einmal erwählten Stelle beständig auf. Oft dient ein Felsen einer ganzen Heerde viele Jahre als Aufenthaltsort. Die hier lebenden Mongolen und Chinesen haben fast keine Waffen und sind obendrein noch so schlechte Schützen, dass sie den Argalis nicht gefährlich werden können. Diese haben sich ihrerseits dergestalt an die Menschen gewöhnt, dass sie mit dem Mongolischen Vieh weiden und mit demselben auch an die Jurten zur Tränke kommen. Ein Schuss lähmt sie vor Schreck. Sie laufen dann wohl eine kurze Strecke, aber bleiben bald wieder stehen, um zu sehen, wo die Gefahr steckt.

2) Die absolute Höhe des Fusses des Suma-chada am südöstlichen Rande beträgt 5600 Fuss.

Ausser im Suma-chada finden sich Argalis in der südöstlichen Mongolei noch in dem Gebirge, welches die Nordbiegung des Hoang-ho umsäumt, und im Ala-schan-Gebirge vor.

Das Klima blieb im Mai fast eben so rauh wie im April. Nordwest- und Südwestwinde wütheten beständig, und noch am 5. und 6. Juni stellten sich ganz ordentliche Schneestürme ein.

Nahe am Ostrande des Suma-cbada hat das Land der Zacharen ein Ende, und es beginnt das Aimak der Uroten, das sich westwärts bis zum Ala-schan hinzieht; im Süden grenzen die Uroten aD die Kuku-choto'schen Tumüten und an Ordos, im Norden an Chalcha. Das Lager des AimakFürsten befindet sich in der Gegend, die den Namen Ulansabo führt.

Die Uroten unterscheiden sich sehr von den halb zu Chinesen gewordenen Zacharen und erinnern mehr an Vollblut-Mongolen; ihr Charakter ist durch Chinesische Einflüsse aber eben so verdorben, wie der der Zacharen. Die nächsten Nachbarn der Uroten sind die westlichen oder Kuku-choto'schen Tumüten, die, eben so wie die Zacharen, unter Chinesischem Einflüsse viel von ihrer Nationalität verloren haben, oft auch mit Chinesen in denselben Dörfern , theils in Jurten, theils — aber seltener — in Fansen leben und ab und zu auch schon von den Chinesen übernommenen Landbau treiben, wenngleich diess in ziemlich trauriger Weise geschieht.

Der charakteristische Zug der Mongolen dieser Gegend, wie aller Nomaden, ist die Geldgier, in der sie durchaus nicht den Chinesen nachstehen. Dann zeichnet sie eine unendliche Neugier aus. Sobald die Reisenden ihr Zelt aufgeschlagen hatten, erschienen die in der Nähe befindlichen Nomaden, und der Fragen war kein Ende. Unter den Gesprächsgegenständen nehmen Vieh, Arzneimittel und Religion die erste Stelle ein. Das Vieh hat für den Nomaden allerdings ein sehr wesentliches Interesse, da nach demselben sein Wohlstand bemessen wird. Deshalb gilt beim Begegnen die erste Frage dem Wohlergehen des Viehes , dann erst kommt die nach dem Befinden der Menschen. Arzneimittel sind gleichfalls ein häufiges Thema der Unterhaltung, da die Mongolen aus dem Europäer, den sie, wenn auch nicht für einen Halbgott, so doch wenigstens für einen grossen Zauberer halten, den grössten Nutzen ziehen wollen. Die religiösen Überzeugungen endlich erfüllen die ganze innere Welt des Nomaden, und wenn sie ihm in ihrem Wesen auch nicht klar sind, so glaubt er doch mit fanatischer Treue an die Wahrheiten seiner Religion.

Auf dem Wege zum Gelben Flusse hatten die Reisenden bei dem Mangel eines ortskundigen Führers, bei der Unkenntniss der Chinesischen Sprache und der misstrauischen und feindseligen Bevölkerung grosse Schwierigkeiten zu überwinden, die besonders störend in den dicht mit Chinesen bevölkerten Gegenden wurden.

Die vorzüglichen Weiden hatten mit dem Suma-chada

ein Ende, und bei dem schlechten Futter magerten Pferde und Kameele stark ab; letztere hatten auch lange kein Salz gehabt, und erst an dem Salzsee Dabasun-nor konnten sie sich wieder an ihrem geliebten Salze erquicken.

(Fortsetzung folgt.)

Dampfschiff-Verbindung zwischen Brasilien und Columbien.

Von Raphael Reyes, Pard 31. Mai 1875. Aus dem Portugiesischen übersetzt von Maximilian Emerich, Kaiserl. Brasil. Ingenieur-Major in Rio de Janeiro.

Der Columbianische Bürger Herr Raphael Reyes hat an die Brasilische Regierung folgende Denkschrift eingereicht, die wohl auch in weiteren Kreisen bekannt zu werden verdient: Das Thal des Amazonen-Stroms und die in demselben liegenden Republiken.

Sohn der Republik Columbien und, ich kann es wohl sagen, Repräsentant ihres Handels, bin ich aus der Hauptstadt dieses vStaates in der ausschliesslichen Absicht nach hier gekommen, die beste Verbindung mit dem AmazonenStrom aufzufinden. mittelst eines, bis zu einer gewissen Entfernung von den Ortschaften im Süden schiffbaren, Nebenflusses, um von dort aus eine Strasse zu bauen.

Vor vier Monaten bin ich in die "Wälder eingedrungen, die sich vom Atlantischen Ocean über 50 Grad weit nach Westen erstrecken. Vor drei Monaten schiffte ich mich auf dem Rio Icä oder Potumayo ein, den ich sorgfältig erforscht habe.

Dieser Fluss entspringt auf den Anden in der Provinz Pasto unter 2° N. Br. In seinem ganzen Laufe nimmt er 3G Flüsse auf, von denen einige schiffbar sind, und 25 grosse Zuflüsse. Seine Ausdehnung von der Quelle bis zur Mündung in den Amazonen-Strom beträgt 150 Myriameter. Seine ersten 15 Zuflüsse sind für Dampfer unfahrbar, die übrigen von dem auf dem rechten Ufer einmündenden Guamues an sind schiffbar. Fast eben so wasserreich wie der Hauptfluss bietet' er dem Befahren mit Dampfern, deren Tiefgang im Verhältniss zur Tiefe steht, nicht die geringste Schwierigkeit. Seine Tiefe beträgt auf den ersten 20 Myriametern 1,5 Meter und weiter unterhalb 2 bis 10 Meter; diese Maasse sind beim niedrigsten Wasserstande, der vom Dezember bis Mitte April dauert, genommen worden. Beim hohen Wasserstande ist er doppelt so tief. Sein Bett besteht aus Sand und seine Geschwindigkeit beträgt 3 bis 4 Seemeilen in der Stunde. An einigen Stellen erreicht er eine Breite von 400 Meter.

Die seine Ufer bedeckenden Wälder sind im Thale

überreich an Gummi elasticum, Sassaparilla, Kakao und Nutzholz, in der höheren, also kälteren, Region au China, Goldminen und dem sehr geschätzten Pasto-Harze. Das Klima wechselt zwischen 20 und 22 Grad und ist eben so gesund wie am Amazonen - Strome. Die an seinem Ufer wohnenden wilden Indianer-Stämme sind friedfertig, gastfrei und leicht zu zähmen, wie ich bemerken konnte, als ich mich auf meiner Reise nach dem Amazonen - Strom unter drei Stämmen aufhielt.

Von der Mündung des Igä in den Amazonen-Strom, wo schon die Dampfer der Amazonas-Compagnie vorbeifahren, braucht ein Dampfschiff bis an die Mündung des Guamues 10 Tage. Dieser Hafen ist von der Provinz Pasto etwa 13 bis 15 Myriameter entfernt, die auf einer guten Strasse in 4 Tagen zurückgelegt werden können. Man wird daher vom Amazonen-Strome bis in die Mitte einer sehr zahlreichen und thätigen Bevölkerung, von der man nicht das Geringste weiss, in 14 Tagen gelangen können.

Die Stadt Pasto, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, hat 12.000 Einwohner; von hier aus führen Strassen in 1, 2, 3 und 4 Tagereisen nach den Provinzen Caldas, Popayan, Tuqueres und Obando in Columbien und der Provinz Iudabura in Equador. Nach Norden breitet sich die Columbianische Bevölkerung bis an die Grenze von Venezuela , nach Süden die Bevölkerung von Equador bis an die Grenze von Peru aus.

Die erwähnten Provinzen, die ihre Produkte unmittelbar nach dem Amazonen-Strome werden führen können, haben 500.000 fleissige Einwohner, die sich mit Ackerbau, Rindvieh-, Pferde- und Schafzucht beschäftigen, sich aber auch den Gewerben widmen, namentlich der Eisen- und Holzmanufaktur und der Fabrikation von Strohhüten; die Hauptausfuhrprodukte sind: Kaffee, Zucker, Tabak, getrocknetes Fleisch, Talg, Häute und verschiedene Vegetabilien. Alle diese Artikel werden nach dem Stillen Ocean gebracht, bis wohin sie eine sehr grosse Strecke zurückzulegen und den westlichen Theil der Anden zu übersteigen haben, wo sie von den Arbeitern, die diesen Dienst leisten, auf dem Rücken getragen werden.

Die Schwierigkeiten des Transports sind der Grund, weshalb die Produkte wenig Werth haben und die Tagelöhne sehr gering sein müssen; daraus folgt, dass viele Produkte nicht benutzt werden können und dass die Einwohner beständig naoh anderen Provinzen und in's Ausland auswandern.

Die neue Verbindung mit dem Amazonen-Strome bietet grosse Leichtigkeit zur Ausfuhr nach den Märkten von Manaos und Parä, wie auch einen grossen Schauplatz, auf welchem die Kapitalien, die dort nutzlos liegen, Verwendung finden können.

Die Columbianische Bevölkerung erwartet mit Ungeduld , das Resultat meiner Reise zu erfahren; alle wünschen sich auf dieses neue Spekulationsfeld zu werfen, sobald es mir gelingt, die Dampfschifffahrt auf dem Ifa herzustellen. Die Vortheile, welche für beide Länder daraus erspriessen werden, sind enorm und sicher, wie leicht vorherzusehen ist. Columbien wird seine Produkte durch die beträchtliche Verminderung der Transportkosten verwerthen

können. Brasilien wird seinen Ackerbau durch freie Arbeiter vergrössern und seine Märkte mit den Produkten, die ihm und der Republik zugeführt werden, versehen können.

Die Auswanderung aus den Columbianischen Provinzen wird ganz von selbst Statt finden, ohne dass Brasilien Ausgaben zu machen genöthigt ist; es wird genügen, sie zu beschützen und zu achten. Die Columbianer sind an dasselbe Klima gewöhnt; ihre Sitten und Gebräuche sind ähnlich, sie ertragen die schwerste Arbeit in der heissen tropischen Sonne; ihre Sprache ist wenig verschieden von der Portugiesischen. Es ist daher keine Frage, dass ihre Einwanderung für Brasilien vorteilhafter als Europäische ist.

Das einzige Hinderniss, was der Realisirung meiner Unternehmung noch im Wege steht, ist der Mangel eines Schifffahrts- und Handelsvertrags zwischen Brasilien und

meinem Vaterlande. Wenn der Transit von Waaren er

laubt wird, so wird noch vor dem künftigen Monat August der erste Dampfer den Rio Icä oder Potumayo hinauffahren und ich bin fest überzeugt, dass die Schifffahrt von Tag zu Tag belebter und mächtiger werden wird.

Die Ruinen der Stadt Mestorjän in der Turkomanen- Steppe.

Ins Deutsche übersetzt von General-Lieutenant v. Blaramberg').

Im Monat August 1875 wurde von Krasnowodsk aus eine Expedition nach dem Flusse Atrek unternommen, um den oberen Lauf desselben zu untersuchen und aufzunehmen. Dieselbe bestand aus zwei Truppen-Abtheilungen, von welchen die eine zu Wasser nach Tchikischljar (ohnweit der Mündung des Atrek ins Kaspische Meer) abgesandt wurde, während die andere zu Lande sich dahin begab, und zwar an den See'n Scha'irdy und Bugdaily vorbei durch die Steppe zog. Diese zweite Truppen-Abtheilung hatte unter Anderem zwei forcirte Märsche von 57| und dann von 50 Werst in einem Tage, jeden bei 35° R. im Schatten, zurückzulegen, und fand bei diesen See'n sehr grosse Aulen (Dörfer) von an 3000 Kibitken oder Filzhütten, deren Bewohner (Turkomanen) die Truppen freundlich aufnahmen und solche mit allem Nöthigen versorgten, während grosse Heerden allerlei Viehes in der Umgegend weideten.

') Aus dem Russischen Invaliden Nr. 225, 14./26. Oktober 1875.

Die Lage dieser interessanten Kuinon ist auf A. Fetermann's neuer Karte Ton Iran und Turan, Nr. 62 von Stieler's Hand-Atlas (neue Auflage) nach den mündlichen Angaben vom Kaiserl. Russischen Oberst v. StubendortT, Chef der Kartographischen Anstalt des KriegskartenDipäts in St. Petersburg, verzeichnet.

Während diese Truppen-Abtheilung, unter dem Befehle des Generals Lamakin, 10 Tage, vom 7. bis 17. August, bei dem See Bugdaily lagerte, unternahm dieser Chef, von etlichen Offizieren begleitet, einen Ausflug nach den Ruinen der alten Städte Mestorjän und Mesched.

Die erste dieser Städte befindet sich 36| Werst südöstlich von dem See Bugdaily. Der Weg führt durch eine sehr fruchtbare Ebene, und je mehr man sich Mestorjän und dem Orte (Mrotchischtche) Tschat, an der Mündung des Flusses Ssumbar in den Atrek, näherte, desto fruchtbarer ist diese Ebene, und die Turkomanen nennen diesen Theil der Steppe „Königs - Erde". Etliche derselben versuchten , bei regnerischem Sommer dort Weizen, Mais und Djugarra zu säen; der erste gab 40- bis 50-, der zweite 100- bis 150- und der Djugarra selbst 200fältige Ernte. Eine solche Ernte ist selbst in Chiwa bei der Bewässerung der Felder mit dem Schlammwasser des AmuDarja unerhört und wird nur manchmal im Nil-Delta erreicht.

Hieraus kann man schliessen, welch' reiche Ernten hier in alten Zeiten Statt finden mussten, als noch da mächtige

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