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es noch auf keiner Bergfahrt erlebt hatte, und wohl auch wenigen Alpenwanderern — man bedenke, dass es Nachts zwischen 11 und 12 Uhr war — schon vorgekommen sein mag.

Um Mitternacht hielten wir in einem weiten Schuttfeld, unsere Pferde nebst einem der Führer an einer Art Steinhütte zurücklassend. Ein kalter See ruhte schweigend in einer massigen Vertiefung zwischen Schneefeldern und grauem Gestein eingebettet. Verwitterte, mit Moos überzogene Renthiergeweihe lagen umher. Vor dem Sneehätta aber thürmte sich noch eine dunkle Felsmasse empor, ein kolossaler Trümmerhaufen, über dessen wankende Stufen wir aufwärts klettern mussten, um die beschneite Flanke des Berges selbst zu erreichen. Tausend Funken flimmerten auf der harten Schneedecke seines obersten Abhanges, dann aber brach die Sonne hervor — es war 2 Uhr Morgens, da standen wir auf dem Gipfel.

Auch das Rundbild von dieser Hochwarte des Dovre ist gross und schön, will jedoch unmittelbar auf die gewaltige Scenerie der Jotune nicht so recht verfangen. Die bedeutenderen Bergreihen liegen entfernter, die packende Wirkung des auf dem Galdhöpig in so plötzlicher Nähe auftauchenden Gipfel - Chaos fehlt hier. Die nächste Umgebung des Sneehätta ist jedoch von eigenartigem Interesse. Eine halbmondförmige Vertiefung zu unseren Füssen, die nach der Südostseite offen ist, bedeutete uns, dass hier hinab ein Theil des Gipfels eingestürzt ist. Schneemassen füllen diesen Kessel wie am Galdhöpig, ein kleiner Gletscher von unmerklicher Neigung ragt daraus hervor, einen Eissee nährend, dem eine Stufe tiefer ein zweiter folgt. Überhaupt, zeigen sich hier im Gegensatze zu der scheinbar wasserlosen Feldwüste, die den Galdhöpig umkreist, eine Menge kleiner Seespiegel, die meisten freilich mit einer Eisdecke überzogen. Schwarzbraune Massen, wie erstarrte Schlammwellen, der Lava am Vesuv nicht unähnlich, umlagerten dieselben, auch die Schneefelder erschienen hier theilweis schmutzig. Das leichter verwitternde Gestein des Sneehätta, Glimmerschiefer, das übrigens auch von

mächtigen Quarzadern durchzogen wird, mag diese Erscheinungen erklären.

Gegen NW. streckt sich eine groteske Schneezackenreihe hin. Das sind die Berge, welche die wildschöne Umgebung des Romsdalsfjord bilden, während nach Osten hin Alles in blaue Wellenlinien verläuft. Wendet man jedoch auf dieser Seite den Blick etwas südwärts, so begegnen ihm in imposanter Reihe die schneebedeckten Pyramiden der Rundane, die sich bis zu einer Meereshöhe von mehr als 6000 F. über dem einsamen Plateau erheben ').

Auf dem Rückweg hatten wir bei steigender Tageshitze nochmals die volle Empfindung einer melancholischen Wüstenei. Kein Baum weit und breit im endlosen Graubraun der Moosfläche. Auch von der Thierwelt gewahrten wir keine Spur. Nur dann und wann Hess sich in der allgemeinen Stille ein kurzer pfeifender Ton vernehmen, vielleicht die Stimme des hier heimischen Regenpfeifers (Eudromias Morinellus).

Der Sneehätta aber, im Glänze des Tageslichtes viel grösser und höher erscheinend, bot uns beim Scheiden noch ein majestätisches Bild. Hätte ich den Montblanc nicht selber in der höchsten Pracht eines Sommermorgens gesehen, vielleicht hätte ich doch den Worten Leopold v. Buch's einigen Glauben geschenkt. Wer aber in Norwegen Anklänge an jene erhabensten Scenen der Hochalpen finden will, der muss sich hierzu nicht den Dovre aussuchen, sondern in's Bergrevier der Jotune dringen, oder nach jener wundersamen Insel- und Küstenwelt hinaufsteuern, die, von den Lofoten beginnend, gegen das Nordkap zieht.

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Fortschritte in Neu-Seeland.

Begleitworte zu Tafel 8.

Die diesem Hefte beigegebene neue Ausgabe der Petermann'schen Karte von Neu - Seeland zeigt nicht unbedeutende Zusätze und Änderungen. Dieselben sind eingetragen nach einer von John Carruthers , Engineer in Chief, und A. Koch bearbeiteten offiziellen Karte: New Zealand Sketch

Map, Public Works Department; Wellington, Gov' Printing Office, 1875. Werfen wir einen Blick auf die rapide Vervollkommnung des StrassennetzeB, wie sie uns entgegentritt, wenn wir das Blatt selbst mit der neuesten (Lieferungs-) Ausgabe des Stieler'schen Atlas vergleichen. Die

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Eisenbahnen der nördlichen Insel laufen naturgemäss von Auckland und Wellington aus. In Auckland handelt es sich zunächst darum, den Hauraki-Golf mit den beiden benachbarten grossen Häfen der Westküste, Kaipara Harbour und Manukau Harbour, zu verbinden; die Linie Auckland—Kaipara Harbour ist auf der Strecke Helensville—Riverhead vollendet, der übrige Theil ist bereits vermessen; der Manukau Harbour wird an zwei Punkten, Onehunga und Papakura, bereits erreicht. Die letztere Linie wird in südlicher Eichtung am Waikato - Flusse hinauf verlängert, um so die fruchtbaren Gebiete des oberen Waikato und seines Zuflusses Waipa in Verbindung mit der Hauptstadt zu bringen. Im Süden der Insel ist eine grosse Linie im Entstehen, welche die Hauptstadt der Kolonie, Wellington, mit den Provinzen Taranaki und Hawke's Bay verbinden wird. Dieselbe läuft von Wellington aus zwischen den Tarar-RuaBergen und den Puketoi-Bergen nach Norden, um sich bei Woodville, in der Südwestecke der Provinz Hawke's Bay in zwei Arme zu theilen, von denen der westliche über die Häfen Wanganui und Carlyle nach New Plymouth, der Hauptstadt von Taranaki, führen wird, während der östliche Arm auf Napier in Hawke's Bay zuläuft. Kleine Theile dieser Bahn, von den drei Endpunkten New Plymouth, Napier und Wellington ausgehend, sind bereits vollendet, ein grosser Theil ist im Bau; im Bau befindet sich ebenfalls eine Zweigbahn, die von Foxton, nahe der Mündung des Manawatu River, ausgehend, die Hauptlinie bei Palmerston erreichen wird. Ausserdem ist auf der Nordinsel noch eine kurze, von der Bay of Islands in's Innere führende Strecke als im Bau begriffen zu verzeichnen. Weit stärker ist die Entwickelung des Eisenbahnnetzes auf der Südinsel (Mittelinsel) fortgeschritten. Der Südosten der Insel, die Provinzen Canterbury und Otago, treten dabei ganz entschieden in den Vordergrund. Besonders erwähnenswerth ist eine schon weit vorgerückte grosse Bahnlinie, welche, meist der Küste folgend, die Hauptstädte der beiden letztgenannten Provinzen und des äussersten Südens der Insel, Christchurch, Dunedin und Invercargill mit einander verbinden wird. Die grössere Hälfte dieser Linie ist bereits im Betrieb. An verschiedenen Stellen münden theils im Bau begriffene, zumeist aber ebenfalls schon vollendete Linien aus dem Innern in die Hauptbahn ein. So sind namentlich die Christchurch umgebenden flachen Landstriche in vielfache Verbindung mit dieser Stadt gebracht, und sodann auch mit deren ebenfalls durch eine Bahn erreichbarem Hafen Lyttelton. Die grösste dieser Binnen-Eisenbahnen ist die zumeist vollendete Linie von Kingston am Ausfluss des Wakatipu - See's nach Invercargill und dessen Hafen Bluff Harbour oder Campbelltown. Im äussersten Norden der Insel sind zwei kürzere vollendete Linien anPeteraann's Qeogr. Mittheilungen. 1876, Heft IV.

gegeben; eine in Marlborough von Picton nach Blenheim und die andere iii der Provinz Nelson, von Nelson nach Foxhill. Diese letztere Linie wird in südöstlicher Richtung weiter geführt werden, um im Thale des Buller River den Hafen Westport an der Westküste zu erreichen; dieser Bahn wird sich eine Linie anschliessen die im Thale des Inangahua und dann des Grey nach Greymouth und weiter nach Hokitika, der Hauptstadt von Westland, laufen wird. Wie der Eisenbahnbau, so schreitet auch die Anlage anderer Strassen rasch vorwärts. Auf der Südinsel ist das Wegenetz am besten entwickelt im nördlichen Westland, in Canterbury und im östlichen Otago. Auf der Nordinsel zeigt namentlich die Halbinsel nördlich des Isthmus von Auckland einen grossen Reichthum an freilich meist noch im Bau befindlichen Fahrstrassen. Verschiedene fertige Wege verbinden ferner die Häfen der Bay of Plenty mit der See'n-Region des Innern und einer -derselben führt weiter nach Napier und von dort nach Wellington; letztere Stadt ist ausserdem durch eine grosse Strasse mit New Plymouth verbunden. — Neben der Einzeichnung dieser grossen Entwickelung des Strassennetzes hat die beifolgende Karte noch einige topographische Änderungen und Correkturen erfahren , so in der Darstellung einiger Flussläufe und Provinzial-Grenzen (wie zwischen Westland und Nelson, Taranaki und Auckland).

Ein Vergleich dieser neuen Ausgabe der Petermann'schen Karte von Neu-Seeland mit der letztvorhergehenden zeigt also klar die erfreuliche Entwickelung, in der diese junge Kolonie begriffen ist, wenn anders der rasche Ausbau des Strassennetzes als ein Spiegel der allgemeinen Fortschritte des Landes betrachtet werden darf; und eine solche Vergleichung der zwei verschiedenen Zeiträumen entsprechenden Karten regt wohl dazu an, einen Blick auf die Fortschritte der Kolonie zu werfen und auf die geographischen Verhältnisse, welche zum grossen Theile denselben zu Grunde liegen. — Mit Recht nennt man Neu - Seeland eine junge Kolonie. „Der erste Europäer, der nachweislich seine Küsten gesehen hat, war Abel Tasman, der 1642 die westliche Mündung der Cooks-Strasse erreichte und dann der Westküste der Nordinsel bis zur Nordspitze folgte. Aber der erste wirkliche Entdecker des Landes ist dennoch erst James Cook gewesen, der 1769 an die Ostküste der Nordinsel gelangte und darauf den ganzen Archipel umschiffte." (Meinicke.) Im Jahre 1814 landeten die ersten christlichen Sendboten, von der Church Missionary Society, an der Ostküste der Nordinsel und errichteten'1815 die erste Missions-Station, Rangihu an der Insel-Bai; seit 1830 etwa begannen diese Missionäre, ihre Stationen von dort aus über die ganze Nordinsel auszubreiten. 1823 Hessen sich Wesleyaner an der Westküste nieder, die sich dann

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nach und nach über die ganze Westküste der Nordinsel und über die Südinsel ausdehnten. Den Missionären folgten, wie gewöhnlich, andere Europäer; Walfisch- und Seehunds-Jäger legten an verschiedenen Küstenpunkten Stationen an, so namentlich an der Cooks-Strasse, Händler Hessen sich auf der Nordinsel, besonders an der Insel-Bai, nieder. Schon 1826 wurde in Hokianga ein erster Versuch einer grösseren Kolonie gemacht, der freilich missglückte; 1837 bildete sich in London eine Neu - Seeländische Kolonisation-Gesellschaft, die zwei Jahre später Landankäufe an der Cooks-Strasse machte. 1840 gelang es dann der Britischen Regierung, mit einer grossen Anzahl eingeborener Häuptlinge den sogenannten Vertrag von Waitangi abzuschliessen, durch den die Oberhoheit England's anerkannt wurde. Die neue Besitzung bildete Anfangs noch eine Art Provinz von Neu - Südwales, wurde aber schon 1841 zu einer selbstständigen Kolonie erhoben. In demselben Jahre gründeten Gesellschaften die Ansiedelungen New Plymouth und Nelson, 1847 wurde Otago von Schottischen Emigranten besiedelt, 1850 entstand eine Anglikanische Kolonie in Canterbury. Da also die Kolonisation Neu-Seeland's nicht ausschliesslich oder vorwiegend von Einem Punkte des Landes ausging, da vielmehr, wie es bei der insularen Beschaffenheit des Gebietes, bei der Vertheilung guter Häfen über die verschiedensten Küstenstrecken &c. vorauszusehen war, die Besiedelung des Landes von mehreren und weit von einander getrennten Ausstrahlungspunkten ausging, so war eine feste staatliche Vereinigung der einzelnen Landestheile natürlich höchst schwierig; „die Umstände führten vielmehr von selbst dahin, aus ihnen 1852 einen Neu-Seeländischen Bundesstaat zu machen, der aus den sechs Provinzen Auckland, Taranaki, und Wellington in der Nord- und Nelson, Canterbury und Otago in der Südinsel bestehen sollte". Der ganzen Kolonie steht ein Gouverneur vor, der mit seinem Ministerium und einer von jeder Provinz beschickten General Assembly die gemeinsamen Angelegenheiten besorgt; daneben besitzt jede Provinz ihren eigenen gewählten Präsidenten und eine eigene gesetzgebende Verwaltung. Da in den ersten Jahren die meisten Ansiedelungen auf der Nordinsel entstanden und namentlich die ältesten Kolonisten in der Gegend der Insel-Bai sassen, so wählte man zuerst das für eine Handelsstadt überaus glücklich gelegene Auckland zum Sitz der Regierung; als sich dann später die Südinsel immer schneller bevölkerte, zog sich naturgemäss der Schwerpunkt des Landes mehr nach Süden, und 1865 wurde daher die Residenz nach dem Hafenorte Wellington verlegt, an die beide Inseln trennende Cooks-Strasse. Da auf Antrag der Bevölkerung die Zahl der Provinzen vermehrt werden kann, so haben sich nach und nach mehrere Gegenden, denen ihre geographischen Verhältnisse eine be

sondere Entwickelung verschafften , aus den alten Grenzen losgelöst und selbstständige Provinzen gebildet. So haben sich die Bevölkerungs-Centra an der Hawke's Bay, die zu Wellington gehörte, und an der Cloudy Bay, die einen Theil von Nelson bildete, als Province of Hawke's Bay und Province of Marlborough selbstständig gemacht; eben so bildet der schmale goldreiche Küstenstrich westlich der Südlichen Alpen, der ehemals trotz dem die Verbindung im höchsten Grade hindernden Gebirge mit den weiten Ostabhängen desselben zusammen die Provinz Canterbury bildete, jetzt unter dem Namen Westland eine eigene Provinz. Andererseits hat sich das eine Zeit lang von Otago getrennte Southland (im äussersten Süden der Südinsel) später wieder mit Otago vereinigt. Neu-Seeland bildet also jetzt eine aus neun selbstständigen „Provinzen" bestehende Conföderation. Skizziren wir in kurzen Zügen die Entwickelung, die der junge Staat in den 35 Jahren seiner Existenz durchlaufen hat. Die Bevölkerung (excl. Maoris) betrug im

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26.707 99.021 172.158 218.668 256.393 299.514 Seelen.

Also vermehrte sich dieselbe von 1851 bis 1861 um 145.451, von 1861 bis 1871 um 157.372. Die allmählich etwas abnehmende Grösse der Zunahme der letzten Jahre betrug zwischen Dezember 1864 und Dezember 1867: 27,01 Prozent, von Dezember 1867 bis Februar 1871: 17,25 Prozent und sank in dem Zeitraum vom Februar 1871 bis März 1874 auf 16,82 Prozent. Die Einwanderung nach Neu-Seeland belief sich 1871 auf 10.083 Personen, die Auswanderung aus der Kolonie auf 5297. Der Überschuss der Einwanderung über die Emigration betrug also 4786 Seelen, d. h. 1209 mehr als im Jahre 1870. Folgende Tabelle zeigt die Grösse dieses durch Mehreinwanderung erzielten Plus seit 1853:

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1873: 8811 1874: 38.106.

Hand in Hand mit diesem Wachsthume der Einwohnerzahl geht selbstverständlich ein steigender Fortschritt in der Ausbeutung der natürlichen Hülfsquellen des Landes, also in der Entwickelung der Viehzucht, des Ackerbaues und Handels. Der Vtehstand der Kolonie betrug 1874 an Pferden . . 99.859 gegen 81.078 im J. 1871,

„ Hornvieh . 494.917 „ 436.592 „ „
„ Schafen . . 11.704.853 „ 9.700.629 „ „

und 2.761.Ö83 „ 1861,
„ Schweinen . 123.921 gegen 151.460 „ 1871.

Durch seinen Reichthum an Schafen nimmt Neu-Seeland unter den Australischen Kolonien die zweite Stelle ein, in der Hornviehzucht die vierte. Der Ackerbau hat ebenfalls schon weite Strecken in Besitz genommen. Die Ausdehnung

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