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Zeichen des iustum dominium, vertritt (Gai. IV. 16.: festuca autem utebantur quasi hastae loco, signo quodam iusti dominii). Diese festuca oder hasta heißt selbst die vindicta, indem damit der (ursprünglich ernstgemeinte) Febdefampf in seiner Einleitung äußerlich dargestellt wird. Die vindicta wird der erfaßten Sache (ipsam rem adprehendebat) imponirt (Gai. 1. c.: ,ecce tibi, vindictam imposui' et simul homini festucam imponebat). Ebenso faßt der Gegner die Sache an (Gai. 1. c.: adversarius eadem similiter .: faciebat). Das Ganze ist (a prendendo) die „Apprehensionsklage [die „, Anefangsflage – S. 133.]. - Diese Momente sind in der m. vindicta der späteren Zeit, obgleich sie zur völlig unverstandenen Form berabgesunfen war, noch insgesammt erkennbar. Die Stelle des adsertor libertatis vertrat ein Lictor. Die hasta oder festuca war zu einer virgula geworden, die aber immer noch vindicta hieß. Diese imponirte der Vindicirende, unter Aussprechung solenner Worte dem Haupte des Sklaven. Ebenso erfaßte der Herr des Sklaven denselben am Haupte oder einem anderen Körpertheile 93). Die wesentlichen äußeren Bestandtheile der manus consertae sind also stets festgehalteu worden 94).

ertheilen" Geben eines con des Herrn hat

93) Dies „apprehendere“ seitens des Herrn hat man dann

später als „Geben eines Schlages" oder als , Schläge

ertheilen“ mißverstanden. 94) Boeth. ad Cic. Top. I. 2. §. 10.: Erat etiam pars

altera adipiscendae libertatis, quae vindicta vocabatur. Vindicta vero est virgula quaedam, quam lictor manumittendi servi capiti imponens eundem servum in libertatem vindicabat, dicens quaedam verba so

v) Das in diesem Solennitätsacte liegende Wil: leng material ist, in Vergleichung mit der in iure cessio, folgendes. Die m. vindicta ist, wie die in iure cessio, eine nichtcontentiöse actio. Aber die Anwend: ung des Kampfesactes in Gestalt einer Solennität hat die Bedeutung, daß nach den uralten Rechtsanschauun: gen der Kampf (und der Sieg als Gotteßurtheil) die oberste Entscheidung über die Dinge giebt (Gai. IV. 16.: maxime sua esse credebunt quae ex hostibus cepissent). Auch diese älteste Zeit bedurfte eines Rechts. actes für Uenderung rechtlicher Zustände; sie fonnte ihn nur in die Form des sollennisirten (nicht contentiösen) Rampfes fleiden. Aber danach ist das Entscheidende für die Rechtswirkung nicht der materielle Wille der Parteien, sondern das den sollennen Kampf und dessen nichtcontentiöse Erledigung constatirende fari des Prätors in einem jener geheiligten drei Wörter: do, dico, addico. Wie die in iure cessio feinen animus transferendi dominii ausspricht, sondern das auf Grund der constatirten Kampfverweigerung prätorische fari das addicere ist, so tritt auch gleichartig construirt die m. vindicta auf. Der Vindicirende vindicirt nicht für sich, sondern in libertatem (vgl. S. 95. A. 2.); der Herr des Sklaven lehnt nicht bloß den Kampf ab, sondern

lennia, atque ideo illa virgula vindicta vocabatur. Festus v. Manumitti (cf. Bruns font. ed. 3. p. 245.) dicitur servus sacrorum [causa cum dominus eius tenens m]odo caput [modo membrum aliud eiusdem servi ita] edicit: ,bunc [hominem liberum esse volo ac) pro eo auri X (puri, probi, profani mei solvam, si] usquam digre[diatur a sacris, cum fuerit iuris] sui. Tum is ser vum circumagit et e manu homi] nem liberum mittit (cf. Festus v. puri).

stellt auch positiv die Erklärung auf: hunc hominem liberum esse volo 95). Demgemäß sagt dann der Prätor entweder ,,hunc hominem liberum esse dico“96) oder [wenn wir wirklich auf Grund der Ciceronischen Stelle, A. 91., annehmen müssen, daß er das Wort addico gebraucht] ,huic homini libertatem addico“ 97).

Also: das Freiwerden ruht auf der Rechtsbedeut: ung, die die alte Zeit dem in iure follenn vorge: nommenen Kampfe beilegt. Es ergiebt sich auf Grund der materiellen Parteierklärungen, die die Sache nichtcontentiös erledigen) aus der magistratischen Macht des fari: „do, dico, addico“. Es ist gar nicht davon die Rede, daß der Magistrat hier als Juder den Streit materiel entscheide, und eine res iudicata mache. Die m. vindicta ist ein Act des (nichtcontentiösen) magia stratischen Imperium (fr. 3. de iurisdict. 2. 1.); sie

95) Paul. Diac. y. Manumitti (O. Müller p. 159.) servus

dicebatur, cum dominus eius, aut caput eiusdem servi aut aliud membrum tenens, dicebat: ,hunc hominem liberum esse volo', et emittebat eum e manu.

(vgl. Anm. 94.). 96) Vet. Glossar. Graec. (bei Brissonius de V. S. v. vin

dicta): „qquèv tòv tragóvta äv9gwnov gival ¿dev

θερον και πολίτην Ρωμαίον. 97) Trebat. Test. fr. 2. (Huschke J. A. p. 100): nun

dinis magistratum posse manumittere iudiciaque addicere. Jedenfalls hat sich die Addictions - (oder Dictions - ) Thätigkeit des Prätors von den alten sacralen Beschränkungen des fari (Civ. Stud. IV. S. 104. A. 3. S. 146. A. 6.) freigemacht, und ist auch vielleicht, beim Erstarken des strictnationalen und civilen Elements, unter die legis actiones nie eigentlich aufgenommen worden.

gilt deßhalb (nicht wie die, nur ius inter partes ma: chende, res iudicata) für Alle. Die manumissio vindicta ist ein magistratischer Juris dictions act 98).

Hieraus ergiebt sid), daß ich heutzutage im Schwange gehende Erflärungsweisen der Vindictenfreilassung nicht theile. Nicht die von Unterholzner, welcher die Nach: bildung der vis civilis in der manuum consertio der rei vindicatio hier bei der Freilassung so erklärt, daß „auf eine recht feierliche Weise in gewissermaßen symbo: lischem Character“ der Herr „als Einleitung der gan: zen Verhandlung" dein Sklaven Schläge ertheilte (vgl. A. 93.), um „dadurch zu erkennen zu geben, daß er sich die Herrschaft über ihn beilege', was dann „dem assertor libertatis die natürliche Veranlassung gab", mit der vindicatio in libertatem aufzutreten“ u. s. w. [Zeitschr. f. gesch. R. W. II. (1816.) S. 150. 151.). Nicht die Ansicht von Schmidt [Pflichttheiler. des Patr. u. Par. Man. (1868.) S. 128. 129.], der die m. vind. für eine Erfindung der Jurisprudenz hält, als fünstliche Benußung der vindicatio in libertatem zu einem anderen Zweck als für welchen dieselbe be: stimint war (der Eigenthümer des Sklaven räumt den Klaggrund absichtlich ein; der Magistrat thut, was einem geständigen Beklagten gegenüber seines Amts ist, er er: kennt das eingeflagte Recht als bestehend an"; „nach

98) Fr. 2. de off. proc. 1. 16.: habent iurisdictionem,

sed non contentiosam sed voluntariam: ut ecce manumitti apud eos possunt. §. 1. Apud legatum vero proconsulis nemo manumittere potest, quia non habet iurisdictionem talem, fr. 3. nec adoptare; omnino enim non est apud eum legis actio; fr. 4. de adopt. 1. 7.; Paul. sent. II. 25. §. 4.

dem Saß res iudicata ius facit inter partes würde der Sklave, lediglich von diesem Herrn befreit, Sklave bleiben, ... allein das hier gesprochene Urtheil gehört zu den Fällen, wo das Judicat, über die in dem Proceß befangenen Personen hinausgehend, ius facit inter omnes“). Nicht die Ansicht von Danz (R. 6. 2. Aufl. (1871.) I. S. 189.), der die manum. vindicta aus dem „Rechtssag“ des fr. 35. 153. de reg. iur. 50. 17.: quibus modis acquirimus iisdem in contrarium actis amittimus 99) ableitet; „daß die vindicta manumissio nichts anderes ist als ein bellum ad praetorem, aber nicht zum Zwecke des Gefangennehmens sondern des Freimachen8, „unterliegt wohl schwerlich einem Zweifel."

64. — B. Noch ein anderer aus der vorhistori: schen Zeit herrührender Begriff bedarf der genaueren Erläuterung, der der manus.

1) Der Begriff manus enthält untermischt die Momente factischer „Oberhand" und rechtlicher Macht [Civ. Stud. IV. S. 81.]. Er tritt in unseren römi: schen Quellen in fechsfacher Verwendung auf.

a) Als äußeres Kennzeichen des Selbstschußes und der Selbstvertheidigung. So der prohibentis actus manum opponentis lapillumve iactantis prohibendi gratia [fr. 20. §. 1. quod vi aut cl. 43. 14.; Civ.

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