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Die Übersetzung in fremde Sprachen ist vorbehalten.

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Einleitung.

Dem Werke, dessen erster Teil hiermit dem Publikum übergeben wird, ist die Aufgabe gestellt, eine dem heutigen Stande der Wissenschaft entsprechende Darstellung des römischen Staatswesens zu geben sowohl nach seiner geschichtlichen Entwicklung als nach seinem inneren Zusammenhang. Die Form, in welcher dieser Zweck erreicht werden soll, will zwar die Grenzen einer kompendiarischen Fassung einhalten, aber doch der Begründung soviel Raum gewähren, dass dem Leser nicht nur in fortlaufender Weise das wichtigste Quellenmaterial zur Kontrolle vorgelegt, sondern auch ein Einblick in die Diskussion der prinzipiellen wie der wesentlicheren Einzelfragen eröffnet und so teils unmittelbar, teils durch Nachweis weiterer Belehrung ermöglicht werde, sich selbst ein Urteil zu bilden. Da aber der Standpunkt, auf welchem die römische Geschichtschreibung heute angelangt ist, nur gewürdigt werden kann, wenn man den Gang, den sie seit Anfang dieses Jahrhunderts genommen hat, vollständig übersieht, s0 wird der Zweck einer Einführung in das wissenschaftliche Verständnis wohl am zweckmässigsten vorbereitet, wenn zuerst eine Übersicht über die Methode der Forschung seit Niebuhr gegeben wird, an welche sich dann eine kurze Darlegung des Standpunkts, welchen dieses Buch einnimmt, leicht wird anschliessen lassen.

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Als Barthold Georg Niebuhr sich speziellen Studien über das römische Altertum zuwandte, bestand die gelehrte Litteratur über diesen Teil der Altertumswissenschaft in den Komueutaren zu den alten Historikern und Antiquaren, insbesondere ou Livius, Varro und Festus, dem ersten Versuch einer systemaischen Bearbeitung des öffentlichen Rechts der Römer durch Sigonius Bücher de antiquo iure civium Romanorum, Italiae, proincarum ete, der Masse antiquarischer Monographieen, die in

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waren, den Bearbeitungen der römischen Chronologie durch Sigonius, Panvinius, Pighius und Scaliger, der Geographie Italiens von Cluver, den kritischen Schriften eines Perizonius, Vico und Beaufort und den der allgemeineren politischen und philosophischhistorischen Litteratur angehörigen Werken von Macchiavelli, Montesquieu und Bayle. Die erzählende Darstellung der römischen Geschichte bot mit Ausnahme der nur die Kaiserzeit behandelnden Tillemont und Gibbon bloss die Wiedergabe der überlieferten Erzählung in unvollkommener Form und ohne Ahnung der Aufgabe einer kritischen Sichtung derselben. Wie sich Niebuhr zu diesen Hilfsmitteln verhielt, entnehmen wir aus den Vorreden zu den verschiedenen Teilen und Ausgaben seiner römischen Geschichte, sowie aus den Citaten und der Diskussion im Verlauf der Ausführung derselben. Die zuletzt erwähnten Historiker benützte er überhaupt nicht, jene Kritiker waren so wenig in den wissenschaftlichen Kreisen bekannt geworden, dass Niebuhr sie noch gar nicht kannte, als er mit seiner Kritik ansetzte. Die Schriften der „geistreichen Weltleute und Politiker“ waren ihm wohl bekannt, und Montesquieu insbesondere interessierte ihn des politischen Urteils wegen, aber sie konnten ihm nicht dienlich sein, der mit philologischer Genauigkeit forschte und zunächst den früheren Jahrhunderten zugewendet war, welche jene als zu geringfügig übersahen. In die philologische und antiquarische Litteratur arbeitete er sich im Verlauf seiner Forscbungen ein und benützte mit Kritik, was sie an wissenschaftlichem Detail bot; hinsichtlich des Verständnisses erkannte er ferner wohl, welche Vorteile die italienischen Schriftsteller der Renaissance davon hatten, dass ihnen der römische Staat als der eigene galt; nicht minder aber sah er, wie die kritische Betrachtung unter diesem nahen Verhältnis litt, ebenso auch, dass die Geschichte in höherem Sinn in den leblosen antiquarischen Sammlungen nicht gegeben war. Stellen wir dem gegenüber, was erreicht war, als Niebuhr zu Anfang des Jahres 1831 starb, so finden wir die römische Geschichte in einer Weise behandelt, die sie befähigte, die hohe Schule der Kritik für die Geschichtswissenschaft überhaupt zu sein, für die Hilfswissenschaften Anstoss zu neuer Entfaltung gewonnen, den Quellenstoff gemehrt, dem Geschichtschreiber ein ganz anderes persönliches Verhältnis zu seiner Aufgabe angewiesen als bisher, diese Aufgabe selbst

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mit ihrem politischen und kulturgeschichtlichen Gehalt auf die Höhe einer weltgeschichtlichen Betrachtung erhoben und dem Bewusstsein der Gegenwart mahe gebracht. Darum steht an der Spitze jedes wissenschaftlichen Studiums der römischen Geschichte die Mahnung, sich über die Bedeutung des Mannes, der dies zustande gebracht, klar zu werden. Niebuhr hat die Überlieferung der Alten, soweit sein Werk geht, zuerst Schritt für Schritt beleuchtet, mit dieser Beleuchtung aufgelöst und nachgewiesen, dass die Geschichte der vier ersten Jahrhunderte Roms ungewiss und verfälscht sei. Dies ist die bekannteste Seite seines Standpunkts, und sie ist in der That von höchster Bedeutung. Allein sie bildet nur die éine, negative Seite seines Werks, die für ihn bloss ein notwendiger Durchgangspunkt zu dem eigentlichen Ziel der Herstellung der wirklichen Geschichte war. „Die Zerstörung des Betrugs,“ sagt er, „mag dem Kritiker genügen, der Historiker aber bedarf Positives“ (Röm. Gesch. 1. Aufl. Vorrede S. X), und so ist schon sein Ausgangspunkt ein durchaus positiver. Aus seinen Briefen wissen wir, dass er, als er i. J. 1803, zu einer Zeit, da seine Stellung die eines praktischen Finanzmanns war, mit der Absicht genauerer Forschung sich der römischen Geschichte zuwandte, seine Untersuchungen zunächst auf die römischen Staatsländereien, deren Verteilung, die Kolonieen, Ackergesetze und das Eigentumsrecht überhaupt richtete. „Dafür erforschte ich,“ schreibt er 1804"), „mit der gespanntesten Anstrengung die römische Geschichte von ihrem Anbeginn bis zu den Zeiten der Tyrannei in allen Denkmälern, deren ich habhaft werden konnte; diese Arbeit gab mir eine tiefe und lebendige Einsicht in das römische Altertum, wie ich sie nie vorher hatte.“ Von hier aus schon ergab sich ihm ein „weiter Plan und mutige Freiheit“. Schon hier ferner war er unmittelbar veranlasst, sein Augenmerk nicht bloss auf Rom, sondern sofort auch auf ganz Italien zu richten, und in demselben Jahr 1804 steht ihm in erster Linie seiner Arbeiten Rom innerhalb des latinischen Bunds, eine Geschichte des marsischen Kriegs, die Geschichte Italiens vor und ausser der römischen*), und er bittet seinen Freund, ihm samnitische Münzen zu schicken; ja über Italien hinaus will er die Verbindungen der Halbinsel mit Griechenland in den ältesten Zeiten erforschen im Zusammenhang mit der Darstellung

Lebensnachrichten über B. G. Niebuhr. Hamburg 1838. Bd. 1, S. 278. 2) Ebenda 2, 44.

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