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deutigen Ausdrucke beruhigen könnte. Vielmehr bedarf es der genauesten Untersuchung des gesammten uns von den Quellen gebotenen Materials, um bei diesem Institute wo möglich seinen ursprünglichen Kern und das im Ver: laufe der Zeiten dazu Hinzugetretene auseinander zu legen.

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Masse des Materials als sicheres practisches Endresultat nachweisen zu fönnen.

Daß sich dieses Endresultat nicht ohne den Umweg der historischen Untersuchung erreichen läßt, das beweisen eben, wie bemerkt, die Arbeiten der älteren Literatur. Sie bieten, - meist nur mit trockener Wiederholung der Quellenworte, und mit unmotivirter Bevorzugung ein. zelner einmal Mode gewordener - Controverspunkte, Erörterungen, bei denen man vollkommen im Dunkel bleibt, was eigentlich von dem ganzen System im Rechts. leben noch anwendbar sei oder nicht. Danach ist es denn auch - bei dem Herrschenden mehr oder weniger fla: ren Gefühl, daß jedenfalls nicht Alles so wie man es buchstäblich in den Pandeften liest, gelten fönne, nicht zu verwundern, wie manche Schriftsteller einfach in das wiederum ganz unbefriedigende Extrem verfallen, das Ganze, das doch in so unlöslicher Weise mit dem gesammten römischen Erbrecht verwachsen ist, ohne Weiteres für völlig unanwendbar zu erklären, ja auch einfach als werthloß zu überspringen. Folgende Uebersicht, wie die hervortretendsten Schriftsteller (ins. besondere in Deutschland) im Laufe des 16., 17. und 18. Jahrhunderts, bis zum Beginne der Arbeiten der historischen Schule, die Lehre von der bonorum possessio behandelt haben, wird zur Rechtfertigung des richtigen dem Institute gegenüber einzunehmenden Standpunftes hier genügen.

4. In Betreff der Erkenntniß des Wesens der bonorum possessio bringen es die Schriftsteller der vorigen Jahrhunderte 5) nicht über eine dürftige Zus

5) Vgl. Job. Schneidewini (+ 1568) in Institut. Comsammenstellung der in den Quellen dargebotenen Defi: nitionen und Eintheilungen. Ein wirkliches Verständniß fehlt gänzlich.

ment. (ein nadh dem Tode des Wittenberger Professors
herausgegebenes weitverbreitetes Collegienheft, das
sich noch wesentlich an die Italiener anlehnt; zuerst
1573 0. Wesenbeck, 1596 v. Dion. Gothofredus her-
ausgegeben.) Ausg. v. 1652 p. 794-806. – Hub. Gi-
phanii († 1604) Explanat. in Inst. ad. tit. de b. p.
(1630 Argent.) Arn. Vinnii († 1657) Comment. in
Institut. Ausg. v. Heinecc. 1761 p. 635 – 645. —
Ulr. Huberi († 1694) Praelect. iur. civ. Ausg. 4.
v. 1749. p. 266. (ad Inst. 3. 9), p. 1372—1388 (ad
Dig. l. 37. 38). – Job. Brunnemanni († 1672)
Commentar. in Codic. Ausg. v. 1672. Lips. p. 673 —
687. Commentar. in Pand. Ausg. v. 1731. Wittenb.
p. 1056 - 1089. – Wolfg. Ad. Lauterbach
(† 1678) Colleg. theor. pract. Ausg. v. 1706. Tu-
bing. II p. 1200-1301. – Quirin. Schacher Col-
legium practicum. Ausg. v. Chr. Hartm. Schacher 1685
Lips. p. 328–346. -- Geo. Ad. Struvii († 1692)
Syntagma iur. civ. Ausg. v. 1682. Jen. II p. 394
-_464. -- Petr. Mülleri († 1696) Additiones ad
Struv. Synt. 1698. Francof. et Lips. II p. 978—1040. —
Joh. Voet († 1714) Comment. ad Pand. Ausg. v.
1734. Hag. II. p. 543-578. – Joh. Schilteri
(† 1705) Praxis iur. Rom. Ausg. v. Chr. Thomas.
1733. Francof. II p. 30 s. p. 43-50. p. 584—609. —
Joa. Joach. Schoepfferi Synopsis iuris privati
Rom. et for. Ausg. v. Richter 1749 Ratisb. p. 491

-504. – Joh. Kleinii Annotationes ad Schoepfferi Synops. Ausg. v. Müller 1706 Rostoch. et Lips. p. 500—518. – Sam. Strykii († 1710) Usus modernus Pandect. Ausg. v. Joh. Sam. Stryk. 1713. Hal. III p. 1074-1175. - Joh. Henr. de Berger († 1732) Deconomia iuris ad us. hod. acc.

Man sagte mit höchst geringen Variationen: Die bonorum possessio ist das ius persequendi retinendique patrimonii sive rei quae cuiusque cum moritur fuit. Sie ist, obgleich der Prätor heredem facere non potest in effectu, nichts Anderes wie die hereditas, eine successio in universum ius. Sie ist nicht, wie die possessio, eine res facti, sondern sie consistirt in mero iure, ein Beneficium des Prätors gegeben zur Erlangung des Vermögens des Verstorbenen. Danach gewährt sie, gerade wie die hereditas die civilis hereditatis petitio erzeugt, mit gleichen Wirkungen die hereditatis petitio possessoria. Das ius universitatis der bonorum possessio ist weder als dominium zu bezeichnen noch als possessio, sondern ist eine eigene species des ius in re. Der Prätor fann fein quiritarisches Eigenthum verleihen, ja (nach Man. chen) auch nicht einmal bonitarisches, und deßhalb hat er sein Institut mit dem Beiworte possessio versehen,

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